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ga332b INHALT I. DER DREIGLIEDERUNGSBUND UND DIE KULTURRATSBESTREBUNGEN Besprechung über Fragen der Dreigliederung i Protokollarische Aufzeichnung 25. Januar 1919 23 Außen- und Innenpolitik. Der ·Rat geistiger Arbeiter·. Anthroposophie und politische Betätigung. Die Idee, einen Aufruf zu verbreiten und einen Bund für Dreigliederung zu gründen. Besprechung über Fragen der Dreigliederung ii Protokollarische Aufzeichnung 27. Januar 1919 27 Das künftige Verhältnis Deutschlands zu anderen Staaten. Wirtschaftsstaaten im Westen. Privateigentum im dreigegliederten sozialen Organismus. Ausgabensteuer. Geld und Währung. Finanzierung des Geisteslebens. Unternehmer und Arbeiter. Die Arbeiter als Mitbesitzer ihres Betriebes. Rechtsstaat und Wirtschaftsorganismus. Kriegsentschädigung. Das Rätesystem. Assoziationen. Über Reklame. Das soziale Karzinom. Die Tria Principia Sal, Merkur und Sulfur im Menschen und im sozialen Organismus. An das deutsche Volk und an die KULTURWELT! Aufruf Im Februar 1919 Vorschläge zur Sozialisierung Flugblatt Im Februar 1919 55 60  Über die Vorgeschichte des Aufrufs «An das deutsche Volk und an die KULTURWELT!» Auszüge aus einem Mitgliedervortrag Dornach, 15. Februar 1919 63 Das Bestreben, die Anthroposophie praktisch zu machen. Der Aufruf «An die Kulturwelt!· der deutschen Intellektucllcn von 1914 und seine unglückselige Wirkung. Der Aufruf ·An das deutsche volk und an die Kulturweltb als Manifest, das einen neuen geistigen Einschlag geben soll. Erfolgreiche Unterschriftensammlung. Über den Aufruf «An das deutsche VOLK und an die KULTURWELT!» Worte vor einem Mitgliedervortrag Dornach, 16. Februar 1919 71 Notwendigkeit, die Angelegenheit noch vertraulich zu behandeln. Der Aufruf darf erst mit einer gewissen Unterschriftszahl herausgehen, damit der Leser sieht: Eine Anzahl von Menschen vertreten diese Ideen. Abschiedsworte an die Mitglieder Dornach, 19. April 1919 73 Die besondere Situation in der Schweiz. Über die ·Kernpunkte der sozialen Frage·. Mögliche Kritik. Über den ·Aufrufj. Notwendigkeit, über die Passivität hinauszukommen. Ansprache und Wortmeldungen bei der ERSTEN KOMITEE-SITZUNG MIT DEN AUSWÄRTIGEN Vertretern des «AufrufS» Stuttgart, 22. April 1919 81 Über den ·Aüfrüfm Das Flugblatt ·Norschläge zur Sozialisierung·. Kurze Skizze der Dreigliederung. Wirtschaftliche Beispiele. Über Reklame. Arbeitsteilung. Preisbildung und Arbeitsrecht. Besitzrecht. Zirkulation des Eigentums. Fragen: Englische Politik in China, Japan, Indien, und Amerika; Italien und ehemaliges Östcrrcich-Ungarn, Lage in den Ländern des Nordens, Bodenfrage. Verständnis bei Bürgerlichen und Proletariern. Mögliche Zwangsenteignung. Wortmeldungen an der zweiten KOMITEE-SITZUNG MIT DEN AUSWÄRTIGEN VERTRETERN DES «BUNDES» Stuttgart, 24. April 1919 90 Wie könnte man die bäuerliche Bevölkerung gewinnen? Die englische und deutsche Arbciterbcwegung sind nicht vergleichbar. Nationali tätenfragen und Wirtschaft. Über das Schulwesen. Keine Anthroposophenschukn. Organisationsfragen. Der Weg des «DREIGLIEDRIGEN sozialen Organismus» Flugblatt, Friihjahrl Sommer 1919 98 Über den Kulturrat Aus den Erinnerungen von Emil Leinhas (1950) .. . .. . . . . .. 101 Auszug aus dem Buch Aus der Arbeit mit RudolfSteiner. Zur Schaffung eines Kulturrats Aus dem Frageabend des Bundes für Dreigliederung Stuttgart, 30. Mai 1919 103 Die Hindernisse, die sich der Schaffung eines Kulturrates entgegenstellen. Die Vorstellung, das Geistesleben sei ein Produkt des Wirtschaftslebens. Die Konsequenzen eines solchen Denkens. Die Bildung eines Kulturrates als erster Schritt in Richtung einer Befreiung des Geisteslebens. Rückblick auf die bisherigen Versuche zur Bildung eines Kulturrates. Aufruf zur Begründung eines KUltUrratS! An alle MENSCHEn! Flugblatt, Stuttgart, Ende Mai 1919 108 Dokument. Aufruf an alle Menschen zur Begründung EINES KULTURRATS! Flugblatt, zweite Fassung, Stuttgart, Juni 1919 . .. . .. . . . . .. 109 Dokument. Ansprache an der Versammlung zur Wahl von Ausschussmitgliedern für den Kulturrat Stuttgart, 7. Juni 1919 111 Die Propagierung der Idee der sozialen Dreigliederung als erste Hauptaufgabe des Kulturrates. Die Beschäftigung mit dem Unterrichtswesen als zweite Hauptaufgabe. Warum in Dornach keine freie Schule gegründet werden kann. Die drei praktischen Bestrebungen des Kulturrates im Bereich des Unterrichtswesens: auf Volksschulstufe die Verwirklichung der freien Einheitsschule, im Mittclschulbereich die Abschaffung des staatlichen Berechtigungswescns und im Hochschul bereich die Durchsetzung einer umfassenden Autonomie. Ohne Umwälzung im geistigen Leben ist kein sozialer Fortschritt möglich. Auszüge aus dem Mitgliedervortrag nach der Versammlung zur Begründung eines Kulturrates Stuttgart, 9. Juni 1919 [Pfingstmontag] . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Die Verstaatlichung des Geistes- und Wirtschaftslebens aus spiritueller Sicht. Die Neigung der Gegenwart zur Phrase und die Folgen. Ohne Verlebendigung des materialistischen Geisteslebens keine wirkliche Umwandlung des Erziehungswesens. Die Gefahr, dass aus dem Kulturrat ein ·cKultur-unrat» wird. Nötig ist ein Gleichgewichtszustand zwischen dem Ahrimanischen und Luziferischen. Ansprache bei den Beratungen zur Begründung eines Kulturrates Stuttgart, 21. Juni 1919 120 Nötig ist nicht die Kritik am bisherigen Schulwesen, sondern die konkrete Gestaltung eines neuen Erziehungswesens. Dieses darf weder demokratisiert noch sozialisiert werden. Mit der Verwirklichung der sozialen Dreigliederung kann sofort begonnen werden. Notwendigkeit einer inneren Autonomie des Erziehungswesens. Das Reden Richard Wahles von einer Staatspädagogik. Ein Wahnsinnsgedanke Lenins: die Idee von der Schaffung eines neuen Menschen. Nötig ist ein Handeln im großen Stile. Die Verselbstständigung des Geisteslebens bedeutet keine Zertrümmerung des Staates. Die Dreigliederung ist einfacher, als man glaubt. Die Notwendigkeit einer in der Wirklichkeit wurzelnden Psychologie. Nicht ein Programm, sondern die Befreiung des Geisteslebens ist gefordert. Die Radikalität einer solchen Tat im Vergleich zum bloßen Sprechen von einer Revolution. Volkshochschulen als eine Popularisierung der Klassenwissenschaft und Klassenkunst. Die Idee der sozialen Dreigliederung ist kein Programm. Auf einen neuen Geist kommt es an. Anthroposophie und soziale Frage Vortrag bei einer Versammlung der Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft Stuttgart, 27. Juni 1919 140 Notwendigkeit einer Erneuerung der geistigen Verfassung der Welt. Das bisherige Wirken dafür in öffentlichen Vorträgen. Der Goetheanum-Bau als Ausdruck für die Erneuerung des Geisteslebens. Eurythmie und Mysteriendramen. Anthroposophie soll kein Schlafpülverchen  sein, sondern fordert Mut. Ein Aufsatz in der Zeitschrift ·Das Reich·. Rückblick auf die bisherige Dreigliederungsbewegung. Ein Zeitungsartikel von Johannes Müller in der ·Frankfurter Zeitungm Ein weiterer Aufsatz in ·Das Reich» von Hermann Haase. Max Dessoir. Anthroposophie ist praktisch gemeint. Zur Begründung eines Kulturrats Ansprache an einer Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, 10. Juli 1919 158 Die Dreigliederung kann nur als Ganzes verwirklicht werden. Kulturräte als notwendiger Gegenpol zu den Betriebsräten. Zur Geschichte des Kulturratsaufrufes. Das Aufsaugen des Geisteslebens durch den Staat. Die Geistesverfassung der proletarischen Bewegung als Erbschaft des bürgerlichen Geisteslebens. Unterricht muss aus umfassender Menschenkunde hervorgehen. Enttäuschendes Ergebnis der bisherigen Bemühungen. Dic Geistesverfassung der heutigen Menschheit. Zwei Beispiele: die Definition des Unternehmerbegriffs durch Lujo Brentano und die Kritik an Rudolf Steiners Vortrag in Heilbronn. Wichtig am Aufruf sind nicht die einzelnen Sätze, sondern der in ihm lebende Geist. Zur Begründung eines Kulturrats Vortrag an einer Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, 25. Juli 1919 169 Sachverständigenkreise als Ausgangspunkt für den Aufbau eines Kulturrates. Im heutigen Geistesleben gibt es Produktion ohne Konsumtion, herrscht Lernzwang statt Lernfreiheit. Der Kulturrat als geeigneter Diskussionsort von Kukurschäden. Die Kritiker des Hochschulwesens und ihr Glaube an die «starken Männer». Wie eine Einheit unter den verschiedenen Arbeitsgruppen im Kulturellen entstehen kann. Für die Betriebsräte steht die Seite der Produktion im Vordergrund, für den Kulturrat der Gesichtspunkt der Konsumtion. Die Neigung zur Beschränkung der Professorenschaft auf ihr Spezialgebiet. Es muss ein Interesse für das ganze Kulturleben da sein. Was von Matthias Erzberger zu halten ist. Aus dem Kulturrat muss die Kraft zur Neugestaltung der Verhältnisse ausgehen. Kein Einkapseln in den Egoismus, sondern Interesse an der Welt ist gefordert. Die Organisation des Kulturrates ergibt sich aus dem Leben.  Kulturrat und Schulwesen Wortmeldung in einer Lehrerkonferenz Stuttgart, 25. September 1919 180 Die Waldorfschule als Musterbeispiel. Aufgaben des Kulturrats. Zum Kulturrat Notizbucheintragung, zwischen 26. und 29. Dezember 1919 180 Aufruf zur Begründung eines KUlturratS! Letzte Fassung, Stuttgart, Juni 1920 181 Dokument. Die ins Wasser gefallenen Kulturratsbemühungen Aus einer Ansprache in der Lehrerkonferenz Stuttgart, 24. Juli 1920 185 Rückblickende Worte: Schulgründung und Kulturratsaufruf. Ansprache bei der Übergabe der Leitung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus an Walther KÜhne vor sämtlichen Mitarbeitern des Hauses Champignystrasse Stuttgart, 1. August 1920 186 Über den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus. Neuer Geist und Phrasen. Über die Waldorfschule. Über alte und neue Diplomatie. Der Dreigliederungsbund braucht mehr Mitarbeiter. Vermeidung der Phrasenhaftigkeit in der Arbeit. Einführung von Emil Mok als Kurator und Walther Kühne als Sekretär des Dreigliederungsbundes. Die bisher vom Bund herausgegebene Dreigliederungszeitung wird selbstständig. Dreigliederungsabend im Rahmen des Kongresses «Kultur-Ausblicke der Anthroposophischen Bewegung» Stuttgart, 6. September 1921 202 Der Dreigliderungsimpuls soll nicht wie eine Utopie abstrakt diskutiert werden. Es bringt heute nichts mehr, sich damit an Persönlichkeiten zu wenden, die einen ·cNamen» haben. Man muss von den Tatsachen ausgehen, die vorhandenen Arbeiten benutzen. Die Nichtbeachtung der Dreigliederungszeitung. Weitertragen des im Kongress Erarbeiteten, damit die Bewegung lebendig wird.  RÜckblick auf die Dreigliederungszeit Aus einer Besprechung während des Berliner Hochschulkurses, Berlin, 10. März 1922 209 Über die Aufrufe von 1919. Ein Durchbruch beim anthroposophischen Wollen ist notwendig. Blindheit bei der älteren Generation der Universitätsdozenten. Ideen müssen praktisch verstanden werden. Über den Bund für Freies Geistesleben, die Nachfolgeorganisation des Dreigliederungsbundes Wortmeldungen in einer Lehrerkonferenz 31. Januar 1923 211 Das fruchtlose Theoretisieren des Bundes. Über die Unmöglichkeit, auf politischem Gebiet noch etwas zu erreichen. II. DREIGLIEDERUNGSBESTREBUNGEN AUF WIRTSCHAFTLICHEM GEBIET Eine zu gründende Unternehmung Memorandum, November 1919 216 [Zur Unternehmensgründung «Der Kommende Tag A.G.»] Fragment eines Aufsatzes, 1920 221 Zur Frage, ob ein kleines Unternehmen wie der ·cKommende Tag» in Krisenzeiten bestehen kann. Ansprache an der Orientierungsversammlung ÜBER DIE GEPLANTE UNTERNEHMENSGRÜNDUNG ·Der Kommende Tag A.G> Stuttgart, 11. März 1920 222 Das aktuelle Arbeiten auf sozialem Gebiet erfolgt nicht aus subjektiven Gründen, sondern aus Notwendigkeit der Zeit. Über Schwierigkeiten beim Druck der englischen und amerikanischen Ausgabe der ·Kernpunkte·. Über die Notwendigkeit der Gründung des ·Kommenden Tages·. Idealismus und Geldbeutel. Notwendigkeit, Idealisten und nüchterne Praktiker zu sein. Auf Freiheit bauendes Zusam menwirken ist anzustreben. Das Wirtschaftliche soll das Geistige tragen. Der hohe Absatz der ·Kernpunkte». Ein Eurythmeum für die Eurythmie. Prospekt über die Ausgabe von S%igen DarlehensSCHEINEN IM GESAMTBETRAGE VON M. IOOOO OOO DER GESELLschaft «j)ER Kommende Ta(>, Aktiengesellschaft zur FÖrderung wirtschaftlicher und geistiger Werte Stuttgart, 13. März 1920 235 Dokument. Anschreiben des «KOmmEnDen Tages» Stuttgart, 6. Mai 1920 239 Dokument. An die Freunde des Goetheanum, der Anthroposophie UND DES DREIGLIEDERUNGSIMPULSES IN DER SCHWEIZ, IN DEN EHEMALIGEN ENTENTELÄNDERN UND IN DEN NEUTRALEN STAATEN Anschreiben des ·Kommenden Tages» Schweiz, künftig «Futurum A.G.», zum Gründungsprospekt Dornach, Mai 1920 243 Dokument. Ansprache an der Versammlung der Belegschaft der Werkzeugmaschinenfabrik Carl Unger anlässlich DER ÜBERGABE DES WERKES AN DIE AKTIENGESELLSCHAFT «Der Kommende Tag» Stuttgart, 26. Juli 1920 245 Rückblick auf die Dreigliederungsbemiihungen. Wenn sie durchgekommen wäre, bräuchte es keinen ·Kommenden Tag·. Gründe für das Scheitern: Unverständnis bei den Führern des Proletariats und den Führern des Bürgertums. Zur Übergabe der Maschinenfabrik. Vertrauen als Grundlage des sozialen Zusammenarbeitens. Zur Wirtschaftskonferenz von Spa. Zu Emil Zolas Roman ·Arbeir.  Ansprache an der Orientierungsversammlung über DIE «FUTURUM» UND DEN «KOMMENDEN Tag» Dornach, 13. Oktober 1920 254 Hintergrund der beiden Gründungen. Die Unternehmungen sollen hervorgehen aus der anthroposophischen Gesinnung. Entfremdung der herrschenden Klassen von den Arbeitern. Beispiel der Bergwerksarbeitcr, Männer, Frauen und Kinder, und der mit diesen Kohlen geheizten Salons der herrschenden Klassen. Anthroposophie soll keine Theorie sein. Die praktischen Bestrebungen brauchen den Rückhalt durch die anthroposophische Bewegung. Prospekt der «FUTUrum A.-G> (ÖKOnOmische GesellSCHAFT ZUR INTERNATIONALEN FÖRDERUNG WIRTSCHAFTLICHER UND GEISTIGER WERTE) DORNACH BEI BASEL ÜBER DIE Emission von S 3 Soooo Franken nominell neuen Aktien Prospekt, 31. Oktober 1920 260 Dokument. Ansprache bei der Betriebsversammlung gelegentlich DER ÜBERGABE DES BETRIEBS josE DEL MONTE AN DEN « Kommenden Tag» Stuttgart, 17. November 1920 279 Rückblick auf die Dreigliederungsbestrebungen von 1919. Der ·Kommende Tag· als Versuch, etwas davon in die Tat umzusetzen. Begründung der Wahl BenkendOrfers als Generaldirektor. Untüchtigkeit als soziales Übel. Bestreben, die Menschlichkeit wieder ins Geschäftsleben einzuführen. Ansprache zur Einführung von Eugen Benkendörfer als Generaldirektor des «KOmmenden Tages» Stuttgart, 17. November 1920 287 Der ·Kommende Tag», die Waldorfschule bzw. Anthroposophische Bewegung und der Dreigliedcrungsbund als Vorbild einer sozialen Dreigliederung. Notwendigkeit eines Brückenbaus zwischen Proletariat und führenden Klassen. Die Dreigliederungsbewegung als solche ist im Sande verlaufen. Die Zeit ist knapp! Eine ·Dreigliederung· in den drei Internationalen der Arbeiterschaft. Ein Korps von Agitatoren für die Dreigliederung ist nötig. Einführung von Eugen BenkendOrfer als neuer Generaldirektor.  Orientierungsvortrag über Dreigliederungs- und «Futurum»-Propaganda I Dornach, 27. Dezember 1920 305 Hinter der «Futurum» steht die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus. Diese hätte man vor dem Ersten Weltkrieg noch nicht bringen können. Der Kriegsgrund lag in der Entscheidung der Politiker über wirtschaftliche Fragen. Das Wirtschaftsleben muss von diesen Eingriffen befreit werden. Über die Dreigliederungsbewegung in Württemberg. Die Gründung des ·Kommcnden Tages» als Ersatz für die nicht zustande gekommenen Wirtschaftsräte. Die Emanzipation des Geldwesens vom Wirtschaftsleben als Ursache der wirtschaftlichen Kalamität. Für eine Propagierung der Dreigliederung fehlen in England die Leute. Konsumentenorientierte, nicht zinsorientierte Wirtschaft als Anliegen der ·Futurum». Man soll im Wirtschaftsleben möglichst wenig auf eigene Rechnung arbeiten. Orientierungsvortrag über Dreigliederungs- und « Futurum »-Propaganda II Dornach, 28. Dezember 1920 311 Notwendigkcitcines Verständnisses fürein selbstständiges Wirtschaftsleben. Berufsschullehrer müssen aus der Praxis kommen. Fragenbeantwortung: Gier nach Gewinn und Einsicht. Dreigliederung am Goetheanum durchgeführt bis auf das Rechtsleben. Verständigung der Industriellen mit den Proletariern. Wer kommt für Emission der Aktien in Frage? Welche Länder kommen in Frage? Das Dreigliederungsbüro als Grundlage für die ·Futunnn»-Propaganda. Die Stellung geistiger Unternehmungen in Assoziationen Beilage zu Dornach, 28. Dezember 1920 . . . . .. . .. . .. . .. . . 316 Das Goetheanum als wirtschaftlich-geistige Unternehmung und die ·Futurum AGm Ansprache an der Weihnachtsfeier in der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik Stuttgart, 5. Januar 1921 317 Wahre Weihnachtsstimmung. Weihnachtsspidtraditionen. Verkündigung an Hirten und Könige - der demokratische Zug der Weihnachtsverkündigung. Die Drciglicderung der christlichen Jahrcsfcste: Weihnachten: Gefühl, Gleichheit der Menschen; Osterfest: Auferstehung  des Geistigen, Freiheit; Pfingsten: Brüderlichkeit. Die Dreigliederungsbemühungen. Das Gegenbild der sozialen Dreigliederung lebt in den Vertretern des alten Geisteslebens, der alten Politik, der alten Wirtschaft. Heutiges Welten-Weihnachtsgeschehen: Es muss Geist sich verkörpern innerhalb der Menschheit. Dazu muss dem Drachen der falschen Dreigliederung das Haupt zertreten werden. Vortrag an einer Versammlung Stuttgarter Industrieller Stuttgart, 8. Januar 1921 332 Hinweis auf die beiden Schriften ·Die Kernpunkte der sozialen Frage» und ·1n Ausführung der Dreigliederung des sozialen Organismus·. Kurze Charakterisierung der Dreigliederungsidee. Selbstverwaltung des Erziehungswesens durch die Praktiker. Wirtschaftsleben. Sach- und Fachkenntnis als Grundlage einer assoziativen Wirtschaft. Einführung der Goldwährung und deren Folge: Statt Freihandel Zollgrenzen und Schutzzollpoliük. Rechtsfragen. Gerechter Preis. Arbeitszeit. Gewerkschaften: Vermischung von wirtschaftlichen und politischen Interessen. 19. Jahrhundert: Sehnsucht nach Einheit des deutschen Reiches war bis 1848 und danach noch geistig-idealistisch; die tatsächliche Einigung 1871 war es nicht. Nationalökonomie vorherrschend. Widerspruch zur Weltwirtschaft als Kriegsgrund. Der Reichswirtschaftsrat der Weimarer Republik. Assoziationen. Der ·Kommende Tag·. Über Exportindustrien und assoziative Wirtschaft Gespräch zwischen Rudolf Steiner und Arnold Ith Dornach, 3. August 1921 356 Zwei Arten von Exportindustrie: Spekulative und Rohstoffexport. Assoziationen und Export. Verhältnis Konsumenten und Fabrikanten. Ansprache bei der Versammlung der Betriebsräte des « Kommenden Tages» Stuttgart 10. September 1921 359 Schlusswort Rudolf Steiners: Der «Kommende Tag» ist nur ein Surrogat für die Dreigliederung. Vertrauen ist wichtig für die Zusammenarbeit. Kritik an den Dreigliederungs-Studienabenden: Nicht Diskussion von Tagesfragen anhand der ·Kernpunktt>, sondern Diskussion über diese selbst. Das Existenzminimum kann nicht von einem Betrieb allein eingeführt werden.  Ansprache an der Mitarbeiterversammlung der «Zentrale» des «KOMMENDEN Tages» anlässlich der Einführung von Emil Leinhas als Generaldirektor Stuttgart, 22. September 1921 363 Entwicklungen im ·&ommenden Tagm BenkendOrfer wird wieder Direktor der Fabrik JosC del Monte, Leinhas, bisher bei der WaldorfAstoria, wird Generaldirektor des ·Kommenden Tages». Emil Molt leitet die Waldorf-Astoria nun allein. BenkendOrfer tritt in den Aufsichtsrat und den Verwaltungsrat des «Kommenden Tages» ein. Über den anthroposophischen Kongress in Stuttgart. Die dortigen geistigen Leistungen müssen anerkannt und verbreitet werden: Vortrag von Caroline von Heydebrand über experimentelle Psychologie; Vortrag von Emil Leinhas über Nationalökonomie. Ursache des Scheiterns der Dreigliederung bei den Proletariern nicht mangelnde Schulbildung, sondern die Gegnerschaft der Parteileitungen. Notwendigkeit des vertrauensvollen Zusammenarbeitens. Dank an Molt, BenkendOrfer und Leinhas. Memorandum zu «Futurum» und «KOMMEnDER Tag» ZUHANDEN VON DEREN DIREKTOREN Dornach, um den 1. November 1921 379 Eine Besinnung auf die ursprünglichen Prinzipien ist vonnöten. Bürokratie statt eines lebendigen Zusammenwirkens zwischen Zentrale und angegliederten Einzelunternehmen. Problem der unproduktiven Unternehmungen. Der Aufsichtsrat kann ohne einen Wandel die Verantwortung nicht mehr tragen. Ansprache und Wortmeldungen bei der Versammlung DER BETRIEBSRÄTE DES «KOMMENDEN TAGES» Stuttgart, 13. Januar 1922 381 Frage nach den Rechten und Pflichten der Betriebsräte, da diese nicht im Sinne der Dreigliederung verwirklicht werden konnten. Die wirtschaftlichen Unmöglichkeiten der Gegenwart. Lohnwirrschaft. Beschwerde der Betriebsräte über mangelnde Wertschätzung. Vertrauen ist notwendig. Wirtschaftskurse für die Arbeiter am Goetheanum in Dornach. Programm-Begrenzung DES «KOMMENDEN TAGES» Bekanntmachung, März 1922 399 Der ·Kommende Tag· muss durch die widrigen Zeitverhältnisse bedingt auf ein weiteres sozialwirtschaftliches Programm verzichten, da dessen Verwirklichung aussichtslos ist, und seine Tätigkeit beschränken.  YÜortbeiträge Rudolf Steiners während der ersten ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER AKTIONÄRE DER «FUTURUM AG» Dornach, 23. März 1922 401 Rücktritte der Direktoren Arnold Ith und Emil Oesch und deren Konsequenzen. Diskussion über eine Neubestellung des Verwaltungsrats. Abwahl des bisherigen Verwaltungsrats, darunter auch Rudolf Steiners. Zur Krise in der «Futurum AG» Worte nach dem Mitgliedervortrag Dornach, 2. April 1922 408 Ein Zeitungsbericht über den ·Riss in der Futunim». Die neue «Futunim»-Leitung macht sich dadurch zum Gegner der anthroposophischen Bewegung. An die Mitglieder der Anthroposophischen und der Freien Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland Offener Brief Rudolf Steiners betreffend seinen Rücktritt als Vorsitzender des Aufsichtsrates der ·Kommenden Tag AG» Mai 1923 413 Ansprache an der dritten ordentlichen GeneralverSAMMLUNG - RÜCKTRITT RUDOLF STEINERS ALS VORSITZENder des Aufsichtsrates des «KOMmenden Tages AG» 22. Juni 1923 416 Schlussvotum Rudolf Steiners zu «Futurum» und «Kommender Tag» Gründungsversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft Dornach, 31. Dezember 1923 422 Man soll nicht Geld ausgeben müssen, um Geld zu bekommen. Im Verlauf der Zeit zeigte sich: Die wirtschaftlichen Betriebe waren ein Verlustgeschäft.  Aus dem Protokoll der ausserordentlichen GeneralVERSAMMLUNG DER «FUTURUM A. G.» IN LIQUIDATION Dornach, 24. März 1924 425 Vorschlag der Schenkung der Aktien ans Goetheanum. Das Ende der «FUTURUM AG» - aus dem Protokoll DER AUSSERORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER Internationalen Laboratorien und KliniSCh-TheraPEUTISCHES INSTITUT ARLESHEIM AG IN ARLESHEIM Dornach, 25. März 1924 428 Übernahmevertrag zwischen den Internationalen Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut (ILAG) und der ·Futurum AG· in Liquidation und Erhöhung des Aktienkapirals der Ersteren werden beantragt und angenommen. Das Ende des «KOMMENDEN Tages» - Wortmeldungen Rudolf Steiners an der Vorbesprechung zur vierten ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DES «KOMMENDEN Tages A.G.» Stuttgart, 15. Juli 1924 430 Wortmeldungen Rudolf Steiners: Zur Krise des «Kommenden Tages·. Notwendigkeit der Rettung der geistigen Betriebe durch Schenkung der Aktien: Goetheanum-Fonds, Freie Waldorfschule, Klinisch-Therapeutisches Institut. Dreigliederung muss zuerst in die Köpfe, dann kann sie wirken. ANHANG Chronik Dokumente Zu dieser Ausgabe Hinweise zum Text Frühere Veröffentlichungen Namenregister 449 459 479 482 535 538  I. DER DREIGLIEDERUNGSBUND UND DIE KULTURRATSBESTREBUNGEN  BESPRECHUNG ÜBER FRAGEN DER DREIGLIEDERUNG I Dornach, 25. Januar 1919 Vormittags [wurde] Rudolf Steiner von Emil Mott, Hans Kühn und Roman Boos im Arbeitsraum der ·Grüppcm aufgesucht. Rudolf Steiner: Es ist ganz schrecklich, wie wenig in Deutschland Verständnis für Außenpolitik besteht. Auch die Sozialpolitik muss heute als Außenpolitik behandelt werden, denn bei schlechter Außenpolitik würden alle Früchte einer guten Sozialpolitik doch nur an die Entente gelangen. - Unter allen Umständen sollte durch rasches Eingreifen in Deutschland weiteres Blutvergießen vermieden werden. Das wird in Berlin ohnedies kaum zu vermeiden sein. - Für mich besteht gegenwärtig die wichtigste Aufgabe darin, in Zürich die vier Vorträge zu halten. Es ist dort ein internationales Publikum. Ich werde diese Vorträge nachher sofort in Druck geben. 25. Januar 1919, nachmittags, im Haus Hansi Zunächst berichten Roman Boos über die sozialpolitische Kommission des ·Bundes geistiger Arbeiter» in Stuttgart und den Entwurf zu der ·Denkschrift·, und Emil Molt über die bisherigen Sozialisierungsbestrebungen in Württemberg und die Tatsache, dass die Zugehörigkeit zur Anthroposophischen Gesellschaft als kompromittierend aufgefasst worden ist. Rudolf Steiner: Das Wichtigste ist die auswärtige Politik. Vor allem wären solche Dinge zu verhindern, wie sie in Paris vor sich gehen. Die Rede, die PoincarC gehalten hat, ist zum Beispiel unwidersprochen geblieben. Es ist unbedingt nötig, von einem geeigneten Orte aus eine Darstellung des Kriegsausbruches zu geben. (RudolfSteiner fragt nach Professor Wilhelm uon Blume, doch lässt er durchblicken, dass er sich von diesem Wege nicht viel verspricht.) Es ist ein Unding, dass Eben, Scheidemann und Erzberger den Frieden machen.  Die lassen alles geschehen. Die Notwendigkeit, über die eigentlichen Ursachen des Krieges zu sprechen, liegt im eminentesten Maße vor. Emil Molt fragt: Wäre mit Eisner etwas zu machen? RudolfSteiner: Eisner hat begonnen, die Schuldfrage zu behandeln, hat es aber nicht weitergeführt. Man könnte schon an Eisner herankommen. Er ist zwar etwas Phantast, aber doch empfänglich. Graf Lerchenfeld wäre nicht die geeignete Person; es bestehen ständische Vorurteile. Er hat auch die Gewohnheit, Verstecken zu spielen. Er sagt nichts, dass Geisteswissenschaft dahintersteckt, und dann merkt man's doch. Emil Molt berichtet von Heydebrands Versuchen in Berlin, auch betr[effend] Prinz Leopold. Rudolf Steiner: Heydebrand ist wegen seines Namens ungeeignet. Den Prinzen Leopold hielt man für eine große Persönlichkeit, aber als ich ihn sah, dachte ich, er sei ein bisschen ein Trottel. - Was das Buch von Heise betrifft: Heise ist kein Schriftsteller. Man müsste das Material sichten. Heise beleuchtet es auch einseitig. - Bezüglich Frau Kautsky (bei der Heydebrand war): Ich kannte sie, als sie noch eine junge Tante war, jetzt wird sie eine alte Tante sein. Eine Veröffentlichung der Kriegsgenesis durch das Auswärtige Amt würde doch von Kautsky gemacht. Der kann das aber nicht machen. Er schreibt schon einen Stil, der nur für Parteigenossen verständlich ist. Es müsste zunächst auf eine dem internationalen Publikum verständliche Art gerade von deutscher Seite über die Ursachen der ganzen Katastrophe geredet werden. Ohne die auswärtige Politik, speziell die Schuldfrage, ins Auge zu fassen, kommt man nicht weiter. Es ist verderblich, dass in Deutschland kein Interesse für auswärtige Politik da ist. Man muss schildern, wohin es führt, wenn in dieser Hinsicht nichts getan wird. Man kann das in Zahlen ausrechnen, wie Rathenau in der «Zukunft» es getan hat. Dieser Aufruf Rathenaus müsste in Flugblättern verbreitet werden. Man müsste den Leuten sagen: So kommt es, wenn ihr die geistigen Impulse nicht aufnehmt!  Roman Boos bemerkt, dass Carl Unger einen Vortrag publizieren will. Rudolf Steiner geht nicht darauf ein. Er weist auf die Unterschrift unter ·Die Leitgedanken des Bundes geistiger Arbeiter· und sagt: Rudolf Steiner: «Rat geistiger Arbeiter», das ist bolschewistische Methode. Auf Frage von Emil Molt bestätigt er ausdrücklich, dass es nicht richtig ist, diese Gedanken anonym zu vertreiben und das Heft nicht in den Händen zu behalten. Emil Molt macht Rudolf Steiner den Vorschlag, etwas auszuarbeiten, ·was wir alle unterschreiben·. Er regt die Gründung eines Bundes an, wo Rudolf Steiner auftreten könnte. Rudolf Steiner: Ein Rückhalt müsste schon da sein. Emil Molt: Die Anthroposophische Gesellschaft ist dazu nicht geeignet; sie soll sich ja auch nicht mit Politik befassen. Rudolf Steiner: Wieso? Wer sagt das? Die drei (unisono): Der Statutenentwurf. RudolfSteiner: Dieser ist ja von 1911 und außerdem durch den Krieg längst ausgelöscht. Die Anthroposophische Gesellschaft kann sich ruhig mit Politik befassen. Ich rede ja auch immer von Politik. Die drei: Dr. Uriger auch. Aber die Gesellschaft nicht als solche. RudolfSteiner: Warum nicht? Die drei: Es könnte sich sonst ein Zustand entwickeln wie bei der politisierten Entente-Freimaurerei. Rudolf Steiner: Es wäre sehr gut gewesen, wenn die deutsche Maurerei sich auf so große politische Pläne eingelassen hätte. Hans Kühn: KÖnnte sich die Gesellschaft als Partei betätigen?  RudolfSteiner: Sie ist kein Verein, nur eine Gesellschaft. Der Einzelne hat volle Freiheit. Man braucht für eine Partei nicht diesen Namen zu wählen. Es müssten auch Nicht-Anthroposophen als Angehörige aufgenommen werden. Nachtrag Rudolf Steiner: Was soll ich in Berlin tun? Es hat keinen Sinn, Vorträge zu halten. Die Fäden werden doch nicht weitergeführt. Frau Kinkel zum Beispiel ist eine sehr nette Dame. Aber wenn nach einem Vortrag die Leute hinkommen, um sich zu erkundigen, und sie sie im Zweighaus herumführt und ihnen etwas erzählt, so ist das nichts. Wir müssen warten, bis die Leute sehen, dass sie nichts machen können. Sie werden beweisen, dass sie nichts zuwege bringen, sie werden abwirtschaften. Bei Übergabe des Entwurfes von Roman Boos zu der Denkschrift: Rudolf Steiner: Wir wollen dann darüber reden. Weniger über den Inhalt als über die Art, wie es vorgebracht wird. Man kann dabei arg patzen.  BESPRECHUNG ÜBER FRAGEN DER DREIGLIEDERUNG II Dornach, 27. Januar 1919 Die Aussprache knüpft an die von Roman Boos verfasste Denkschrift «Grundsätze zu sachlicher Aufbaupolitik· [an]. Rudolf Steiner: Die Leute verlangen etwas Bestimmteres, als es in der Denkschrift gegeben ist, wenigstens für das Politische. Als ich meine Denkschrift über die Dreiteilung verfasste, wäre es noch möglich gewesen, die alten Verhältnisse einigermaßen aufrechtzuerhalten und einfach aus dem politischen Teil die wirtschaftlichen und geistigen Verhältnisse auszustoßen. Heute aber muss man damit rechnen, dass im Grunde genommen alles Alte weg ist. Die heute noch vorhandenen Rechte werden verschwinden, auch die Privatrechte. Man wird rechnen müssen mit einer absoluten carte blanche. Schon heute sind keine realisierbaren Rechte mehr da. Das ganze Rätesystem, das ein Provisorium ist, aber trotzdem heute seine Rolle spielt, ist durch generatio aequivoca entstanden, es ist aus dem Boden geschossen, lässt sich nicht aus alten Rechten ableiten. Was ist denn heute noch an Rechten da? Privatrechte an Grund und Boden, an Produktionsmitteln, Patenten, Monopolen. Das ist da. Aber es ist nicht realisierbar. Gegenwärtig sollen in Deutschland nur noch zwölf Schnellzüge fahren. Das heißt, dass so und so viel nicht vorhanden ist an realen Unterlagen des Verkehrs. Das ganze staatliche Recht, Eisenbahnen zu bauen, ist damit nur auf dem Papier. Die Rechte, die der Staat hat, haben sich ad absurdum geführt. Mit allen diesen Dingen hätte man rechnen müssen bei den alten Verhältnissen. Davon bleibt nichts zurück. Folgender Weg wäre einzuschlagen: Man soll sich, wenn man für den politischen Körper Demokratie fordert, nicht zu stark auf die Demokratie des Auslandes berufen. Sondern man muss Folgendes zum Ausdruck bringen: Die großen Schäden sind eigentlich erst im  Laufe der letzten fünf, sechs, sieben Jahrzehnte entstanden, indem man dem Staat aufgebuckelt hat, was ihm nicht gehört. Aus einem ganz anderen Staatsleben heraus ist der von Bismarck nur übernommene Gedanke Lassalles des allgemeinen Wahlrechts gekommen. Dieses Recht ist dazumal nicht unrichtig gedacht gewesen. Heute könnte man gerade mit Bezug auf das Staatsgefüge (politische System) darauf zurückgehen. Man könnte auf eine neuzeitliche Reform dieses Wahlrechts aufmerksam machen. Man müsste darauf hinweisen, dass unter allen Umständen, wenn der wirtschaftliche und der geistige Organismus im staatlichen eingegliedert sind, es mit dem allgemeinen Wahlrecht nicht gehen wird. Wenn Sie das aber hinauswerfen, so hat der Staat wirklich nur diejenigen Aufgaben, die jeder mitentscheiden kann. Damit wird erst die Möglichkeit eines allgemeinen Wahlrechts geschaffen. - Ebenso müsste gesagt werden, dass der Staat das volle Recht hat, Anforderungen an seine Beamten zu stellen. Der Staat muss sagen können: Ich nehme nur denjenigen in meine Organisation herein, der diese und diese Bedingungen erfüllt. Aber er darf hierzu die Leute nicht selbst ausbilden. Er könnte für seine Beamten Überprüfungen veranstalten. Die schulmäßige Ausbildung würde der geistigen Kultur anheimfallen. Der Staat hätte nur Forderungsrechte. Er stellt den nicht an, der keine Kenntnisse hat. Auch die Wahlmöglichkeit müsste so beschränkt werden. Wer nicht durch die Volksschule gegangen ist, darf nicht wählen. Man braucht den Führern nur zu sagen, dass dies einen praktischen Unterschied in Deutschland nicht machen würde. Es wäre nur eine Umlagerung der Verhältnisse. (Dass für das Zentrum so viele Stimmen abgegeben worden sind, ist ein positiver Schaden, der gar nicht unterschätzt werden kann.) Man muss bestehen auf dem gleichen, allgemeinen Wahlrecht (dass es geheim sei, ist nicht wesentlich); aber die Analphabeten müssen ausgeschlossen sein. Dem werden auch die Sozialdemokraten beistimmen. Man muss sagen, dass diese ganz praktischen Dinge auf die anthroposophische Geisteswissenschaft zurückgeführt werden müssen. Es muss in die Köpfe der Leute: Entweder ihr werdet das annehmen oder ihr werdet Schiffbruch erleiden.  Zu Einzelheiten der «Grundsätze» S. I: ·Wcnn wir auf das Trümmerfeld dcr Gegenwart den ungetrübten Blick richten, so zeigt sich, dass wir der Übcrmacht der Feinde erlegen sind, weil wir es nicht vermocht haben, ihren physischen und geistigen Kampfmitteln ebenbürtige Waffen entgegenzustcllcn> RudolfSteiner: Wir hätten die Waffen gehabt. Unsere Waffen wären überlegen gewesen, wenn wir dem Wilson-Programm unser eigenes entgegengestellt hätten. Unsere physischen Waffen wären auch nicht unebenbürtig gewesen, wenn wir geistige Waffen gehabt hätten. Es nützt nichts zu sagen: Wilson hat unrecht und die Entente lügt. Wir sind besiegt worden, weil der Glaube an unseren eigenen Geist geschwunden ist. Man müsste auch sagen, dass die geistigen Waffen des Westens vielfach Gedankenleichen sind. Grundsätze: Zitat Balfour: ·Die Deutschen gewinnen die Schlachten, wir gewinnen den Krieg.· RudolfSteiner: Auch die Schlachten waren nur scheinbar gewonnen. Der Krieg konnte eben durch Schlachten nicht gewonnen werden. Grundsätze: ·... die erweckten Kräfte des vollen denkenden, fühlenden und wollenden Menschen müssen ans Werk des Aufbaus treten: nicht um andere zu übertreffen, sondern um das Deutschtum so in sich zu festigen, dass es von keiner Macht der Welt in wirtschaftliche oder geistige Knechtschaft geworfen werden kann.· RudolfSteiner: Ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, die Knechtschaft zu verhindern? Besiegen kann man das Deutschtum immer, rein kriegerisch. So etwas darf man nicht versprechen. Man muss auf etwas anderes hinarbeiten: Wenn die Dreiteilung durchgeführt ist, kommen dadurch die anderen Staaten in ein solches Verhältnis, dass sie sich selbst schädigen, wenn sie einen solchen Staat angreifen. - Heute macht man, weil die Dreiteilung nicht durchgeführt ist, die unsinnigsten Vergleiche. Man sagt zum Beispiel, die Belagerung von Paris und die Blockade Deutschlands seien gleich zu bewerten. Das ist so, wie wenn man sagen würde: Der Kopf und das Bein sind  gleich schwer. - Es ist nötig zu gliedern; denn erst dadurch werden Wertdifferenzen sichtbar. Man müsste nicht sagen: «um das Deutschtum so in sich zu festigen, dass ...», sondern: «um das Deutschtum mit allen anderen Mächten in eine solche wirtschaftliche und geistige Verflechtung zu bringen, dass keine andere Macht es in Knechtschaft werfen wollte, weil sie sich selbst dadurch schädigen würde.» Wenn man in den realen Lebensverhältnissen die Sache auf ein einzelnes Land beschränkt, so bleibt man in Scheuledern. Was heute schon dringend nötig wäre, woran aber gar nicht gedacht wird, ist, dass Deutschland schon als dreigeteiltes Gebiet in die wirkliche Friedensverhandlung eintreten müsste. Es müsste vor aller Welt ein Manifest erlassen werden, in dem gesagt würde: Wir treten nicht als Vertreter «Deutschlands», das es gar nicht mehr gibt, auf, sondern als Vertreter: 1. eines politischen Dinges, das sich bilden will, 2. eines wirtschaftlichen Organismus, mit dem opportunistisch geredet werden soll, 3. eines geistigen Organismus. Man dürfte nicht Politiker hinstellen, sondern man müsste die Leute schon nach dem Gesichtspunkt der Dreigliederung ausgewählt aufstellen. Frage: Wie kann das verwirklicht werden? Rudolf Steiner: Man müsste eine Anzahl Persönlichkeiten aus dem ganzen deutschen Gebiet haben. Diese müssten eine Kundgebung des deutschen Volkes erlassen, durch die das Ausland erfährt, dass man das will. Es müsste erfahren, dass das die Antwort auf Wilsons Programm ist. Man ist darauf angewiesen, dass man einen Anhang, wenn auch einen kleinen, hinter sich hat. Emil Molt: Sollte diese Sache nicht versammlungsmäßig in Stuttgart behandelt werden, in Form einer Begründung der ganzen Sache durch den geistigen Urheber selbst? Es geht über unsere Kraft, die Sache von Anfang an zu machen. RudolfSteiner: Ich verspreche mir sehr viel davon, wenn man einen gewissen Anhang hinter sich hat, der erst geschaffen werden muss.  Ich will Sie auf eine Erscheinung aufmerksam machen: Wenn Sie in den letzten Jahren die Stimmung in der Entente verfolgt haben, so werden Sie gesehen haben, welche ungeheure Rolle das Manifest der 93 Intellektuellen gespielt hat. Heute braucht man auch nichts anderes, als unter einer solchen Sache etliche 90 Menschen unterschrieben zu haben. Ich möchte in Zürich sagen können, es stehen so und so viele hinter mir, zum Beispiel 90 Männer. 1916 sagte ich dem Mann, der die rechte Hand von Ludendorff war, er solle die Möglichkeit geben, für das offizielle Deutschland in der Schweiz zu wirken. Das wurde im letzten Augenblick durch Ludendorff kaputt gemacht, weil ich kein Deutscher bin. Damals war es genügend, sagen zu können: Das offizielle Deutschland steht hinter mir. Heute wäre es gut, sagen zu können: Soundsoviele Leute stehen hinter mir. - Man braucht 90 Unterschriften aus verschiedenen Teilen des Reiches. Dann sagen sich die vernünftigen Leute im Ausland: Jetzt sind endlich einmal einige Menschen da, die etwas Wirkliches wollen. - Denn dort weiß man, dass man selbst auch nur vor einer Galgenfrist steht. Ich könnte Ihnen eine Art Entwurf machen bis Ende der Woche. Aufgrund dieser Kundgebung könnte dann in Stuttgart eine Versammlung stattfinden. Sie sollen sich nicht als Stümper fühlen (auf eine Bemerkung Emil Mobs), sondern als erste Meister. Vorwärtsbringen können heute eine solche Sache nicht einzelne Personen, aber wohl hundert. Ich bin überzeugt, dass man gerade unter den weniger kompromittierten Arbeiterführern Leute fände, die für solche Ideen zu haben wären. Die wollte ich aber nicht für das Ausland haben. Innerhalb Deutschlands wären Arbeiterführer gut. Unter den 90 bis 100 sollten auch einfache Leute stehen: «NN., bisher tätig in der Gewerkschaft der Buchdrucker, der Metallarbeiter usw. in X.» Ganz gewiss wäre zu gewinnen unser Mitglied Fischer in Hannover, Sozialdemokrat. Es werden sich nur unter den Namenlosen solche finden. Ehrenberg schrieb konfuse Artikel in die «%ssische Zeitung», die aber doch gute Ansätze zeigen. Eisner wäre günstig. Lerchenfeld  müsste nicht mehr versuchen, Verstecken zu spielen. Foerster würde gut wirken. Rade, Rittelmeyer wären gut. MÖglichst wenig Professoren. Grundsätze: ·Auf dem Felde des politischen Lebens fordert wirklichkeitsgemäßes Denken die rückhaltlose Anerkennung der Tatsache, dass die politischen Formen des Westens den entscheidenden Sieg errungen haben ...· Rudolf Steiner: Die eigentliche Tatsache ist diese: Im Westen beziehungsweise in den englisch sprechenden Gebieten ist der Sieg auf diesem Gebiet dadurch errungen worden, dass durch die Bevölkerungseigentiimlichkeit es geht, dass das Wirtschaftsleben das politische aufgesogen hat. Es sind Wirtschaftskörper, keine Staaten. Weil heute die Wirtschaft diese Rolle spielt, haben diese Staaten die Möglichkeit gehabt, ihre politische Form durchzudrücken - weil in ihnen das Wirtschaftsleben präponderiert. Es sind Wirtschaftskörper in der Maske von Staatskörpern. Das müsste in der Formulierung zum Ausdruck kommen. - Unseren politischen Aufbau müssen wir nicht auf Grundlage der westlichen Demokratie, sondern auf Grundlage der Lassalle'schen Gedanken machen. Nur weil Lassalle fehlerhafterweise alles konfundiert hat, ist daraus nichts geworden. Grundsätze: ·... es ergab sich im Laufe der letzten Jahrhunderts in zunehmendem Maße ein Überwuchern der Produktion gegenüber dem Konsum ...· Rudolf Steiner: Das ist anfechtbar. Es handelt sich nicht um ein Überwuchern der Produktion über den Konsum, sondern darum, dass sich die Preisbildung und die Wertbildung der Ware nach der Produktion gerichtet haben und nicht nach dem Konsum. ·Grundsätze· behandeln die Begriffe ·Privateigentum» und dreier Arbeitsvertrag». Rudolf Steiner: Wenn man auf diesem Gebiete wirklichkeitsgemäß denkt, so braucht man nur dem äußere Anerkennung zu schaffen, was da ist. In Wahrheit ist richtig in der Weltwirtschaft, dass jeder Besitzer desjenigen Teiles des Bodens und der Produktionsmittel ist, der dann herauskommt, wenn man den ganzen Umfang des Bodens  und der Produktionsmittel dividiert durch die Bevölkerungszahl. Es stellt sich dabei heraus, dass der Volksreichtum allerdings abhängt von der Bevölkerungszahl, indem ein Stück Land besser ausgenützt wird, wenn es kleiner ist. Wenn in einem Territorium die Bevölkerung anwächst, so wird ideell jeder Besitzer eines kleineren Stückes Bodens. Das Privateigentum kann gar nicht aus der Welt geschafft werden, sondern nur maskiert. Ich will nicht, dass alle Proletarier werden, sondern, dass jeder Besitzer ist, und zwar desjenigen, was ihm zukommt. Das Privateigentum soll nicht abgeschafft, sondern auf eine solche Basis gestellt werden, dass sein Nutzeffekt kollektivistisch wirkt. Der Unternehmer muss den privaten Profit haben. Das Übrige kommt dann bei der Steuer in Betracht. Das «Recht auf den vollen Arbeitsertrag» schafft alle freie Bewegung aus der Welt. Es ist nötig, dass der Unternehmer einen gewissen Mehrwert hat. Dass das Privateigentum in seinem Nutzeffekt für die Gesamtheit wirke, wird erreicht durch die Steuerregulierung. Es werden nur die Ausgaben versteuert. Die Festsetzung der Steuer ist Sache der politischen Behörde. Der Unternehmer bezahlt nicht nach seinem Besitz, sondern nach seinen Ausgaben. Wenn er zum Beispiel 100 Arbeiter hat, bezahlt er für jede Quote, die er an diese entrichtet, seine Steuer. Man muss die Ausgabensteuer radikal durchführen. Keine Einnahmen- und keine Besitzsteuer, sondern nur Ausgabensteuer. Dann entfällt aller Schaden des Privateigentums. Auch die Schädlichkeit des Profites entfällt, wenn der Betreffende genötigt ist, soundsoviel Steuern zu bezahlen dafür, dass er 100 Arbeiter anstellt. Dann kommt die Tatsache, dass er in der Lage ist, 100 Arbeiter anzustellen, der Allgemeinheit zugute. Es muss nötig sein, dass man gewissermaßen einen Reservefonds für den Fortschritt der Kultur hat. Dann ist es auch nicht nötig, dass die geistigen Arbeiter, wie es in den «Grundsätzen» vorgeschlagen ist, sich dem Treuhandorganismus anschließen. Dieser Organismus, wie alles bloß Wirtschaftliche, führt in eine Sackgasse. Die geistige Produktion, einschließlich der Fabrikleitung, steht auf dem Gebiet des freien Geisteslebens. Dieses muss die Möglichkeit haben, das Erträgnis, das übrig bleibt, wenn alles andere besorgt ist, zu vollständig freier Verfügung zu haben.  Nur dadurch, dass Sie auf dem geistigen Gebiete volle Freiheit walten lassen, schaffen Sie die Möglichkeit eines wahren Fortschritts. Jeder wirtschaftliche KÖrper führt in eine Sackgasse. Daraus kann man nur herauskommen durch Freiheit im Geist. Man muss sich dies immer zugestehen. Auf dem Gebiete der geistigen Produktion kann ich nicht anders als für die Allgemeinheit schaffen. Frage Emil Mob: Wenn aber der Unternehmer seinen Nutzen für sich verwendet? Rudolf Steiner: Diese Gefahr ist leicht zu unterbinden. Ein solches Handeln steht nicht vereinzelt da. Es tritt die Besteuerung der Ausgaben ein für solche Aufwendungen, zum Beispiel auch für Miete. Die Steuern müssen ganz flüssig gehalten werden, zum Beispiel große Mietsteuern für größere Mietansprüche. Die Schädlichkeit entsteht erst in dem Moment, da die Ausgabe gemacht wird. Beispiel: In der Zeit, da noch primitive Ausnützung des Meeres herrscht, erfindet einer ein Boot, mit dem zehnmal mehr gefangen werden kann; das beruht ganz auf seiner Erfindung. Er steigert dadurch den Wohlstand aller derjenigen, die in dem Gebiet arbeiten, wo er die Erfindung verwertet. Er kann nur schädlich werden, wenn ihm das nicht wieder abgenommen wird, wenn er ausbeutet. Wenn er das nur liegen lässt, was er einnimmt, wird es nie volkswirtschaftlich schädlich. Die Geizhälse sind die allerungefährlichsten sozialen Kostgänger. Alle die, die unzähliges Geld in ihrem Strohsack verstecken, schaden gar nichts. Zwischenfrage Emil Molt: Was geschieht nach dem Tode des Geizhalses? Rudolf Steiner: Das Geld macht denselben Prozess durch wie die Ware. Einen Rock kann man in 14 bis 15 Jahren nicht mehr anziehen. Einfach dadurch, dass das Geld den Stempel «1903» trägt, muss es 1918 in die Wertlosigkeit übergehen. Das müsste Gesetz werden. Diese vielen Konsequenzen, die sich aus der Dreiteilung ergeben, sind das Wichtige. Das Geld ist nur der Repräsentationswert für Ware. Emil Molt: Gold und Silber?  Rudolf Steiner: Metallgeld braucht es nicht mehr zu geben. Es hat wenigstens keinen Vorzug. Zwischenfrage Emil Molt: Müsste das Metallgeld auch den Stempel tragen? Rudolf Steiner: Wenn die Sache über die ersten Stadien hinaus ist, wird es sich darum handeln, einen Vergleichungsmaßstab für die Waren zu schaffen. Heute ist alles korrumpiert, weil wir einen ideellen Vergleichungsmaßstab haben. Wir brauchen einen realen, dessen Begierdewert nicht anfechtbar ist. Zum Beispiel eine Banknote bedeutet soundsoviele Laibe Brot. Es würde dann notwendig eine Übereinkunft herrschen müssen zwischen den drei Gebieten, so zwischen Wirtschafts- und Staatskörper die Übereinkunft, dass das, was Zeichen für Ware, was Geld ist, gerade so stinkig wird wie die Ware selber. Solch eine Wirtschaftsordnung würde zunächst für Mitteleuropa und den Osten verwendbar sein. Der Westen würde es nicht annehmen. Man muss damit rechnen, dass man mit dem Westen nur als Gesamtkörper verkehrt, auf Grundlage von Verträgen. Aber ich kann mir auch nicht denken, dass es überhaupt anders wird. Mit dem Westen werden wir überhaupt nur durch Waren verkehren. Denn sie werden uns das Geld doch wegnehmen, zum Beispiel den Goldschatz. Die Steuerfragen stehen heute auf ganz verkehrten Füßen. Wenn man heute von Ausgabensteuern spricht, so denken alle an indirekte Steuern. Ich denke aber an Ausgaben-Besteuerung. Die wichtigsten Lebensbedürfnisse sind gering zu besteuern, die weniger wichtigen stärker. Das Bankdepot ist Ausgabe. Hans Kühn: Würden dann nicht alle Gelder an den Staat fließen, wodurch die kulturellen Unternehmungen gefährdet würden? Rudolf Steiner: Es handelt sich darum, dass man spezifiziert. Der geistige Arbeiter wird gewisse Dinge für seine Arbeit brauchen. Sie werden gering versteuert sein. Wer zugleich industrieller Unternehmer ist, wird für alles das, was er für seine industriellen Unterneh mungen braucht, hohe Ausgabensteuern zahlen müssen. Die geistige Produktion wird aus sich selbst leben können. Man braucht sie nur nicht zu hindern dadurch, dass man vom Staate hineinredet. Wenn sie frei vor sich gehen kann, dann muss jeder Mensch aus dem, was er in den anderen Sphären einnimmt, der geistigen Produktion seinen Tribut zahlen. Die beiden anderen Sphären brauchen Spezialisten, die gebildet werden müssen. Diese ganze Erziehung muss bezahlt werden von den anderen beiden Sphären. Die Wirtschaftsmöglichkeit der geistigen Sphäre wird auch ganz auf sich selbst gestellt sein. Frage: Wer bezahlt die geistige Leistung, wenn die Ausgaben besteuert werden? RudolfSteiner: Der sie empfängt. Wer geistig schafft, bekommt seine Entschädigung für die Leistung, nicht für die Arbeit. Der andere bezahlt. Es wird wohl so kommen, dass für das Geistige weniger zu bezahlen sein wird als heute. Zwischen materiellen und geistigen Wirtschaftsgütern besteht ein großer Unterschied. Die geistigen können ins Unbegrenzte vervielfältigt werden. Bücher! Worte, die an viele gerichtet sind! Deshalb muss das unter ganz andere Gesetze gestellt werden. Der Laib Brot muss immer wieder für sich durch menschliche Arbeit hergestellt werden. Für das einzelne Buch muss nicht immer wieder geistig produziert werden. (Beifügung aus einem späteren Privatgespräch: Der wirtschaftliche Wert der materiellen Güter besteht in der in ihnen kristallisierten Arbeit, der der geistigen Güter in der durch sie möglich gemachten Arbeitsersparnis.) Hans Kübn: Wäre es nicht richtig, eine Schule durch die «Treuhand· zu finanzieren? Rudolf Steiner: Nur dann, wenn sich herausstellt, dass eine Klasse oder ein Stand nicht bezahlt. Es müsste immer so gehalten werden, dass buchmäßig der Einzelne bezahlen müsste. Diesem könnte man dann immer abnehmen, was man will, also auch diese Leistung, indem eine Treuhand für ihn einspringt.  Die Lehrerschaft muss sich aus sich selbst erhalten, nicht aus der «Treuhand» oder vom Staate unterhalten werden. Der Lehrstand als solcher wird sich verpflichten, aus seinen Erträgnissen die anderen Dinge (soll wohl heißen: die Lehrmittelim weitesten Sinne) zu unterhalten. Er muss darüber freie Verwendung haben. Auf dem Gebiete des Lehrstandes darf nicht sozialisiert werden. Wenn irgendwo aus einem Lehrstande heraus eine Gratishochschule errichtet wird, so ist nichts dagegen zu sagen. Grundsätze: ·E$ ist eine schläfrige Verirrung, wenn man meint, eine Fabrik habe es überhaupt nötig, erst sozialisiert zu werden; eine Fabrik ist ein soziales Gebilde, trotz gespenstischer Eigentums- und Arbeitsvertragsbcgriffe ...· Rudolf Steiner: Hier wäre ein Einwand des heutigen Sozialschriftstellers vorwegzunehmen, der Einwand, es komme nicht darauf an, dass etwas ein soziales Gebilde ist, sondern darauf, dass der einzelne Mensch als Gesellschaftswesen aufgefasst werde. Durch den Marxismus ist den Leuten klar geworden, dass es gar nichts ausmacht, dass etwas ein soziales Gebilde ist, sondern das macht es aus, wie der Anteil verteilt wird. Es ist keine Übertreibung: Die ganze Änderung durch Trotzki besteht lediglich darin, dass für die GesamtUnternehmerschaft ein großes Hauptbuch eingerichtet wird. Es wird nur die Buchführung anders gemacht. Auch dem Ausland gegenüber figuriert nur die einheitliche Buchführung. Man kann weder die Produktion noch das geistige Leben verstaatlichen, sondern nur die Buchführung. Roman Boos: Ist es richtig, wenn man das soziale Karzinom so versteht, dass durch Überwuchern der Produktion (Aufbau) über den Konsum (Abbau) die Wucherkrankheit gekennzeichnet wird? Rudolf Steiner: Man darf die Produktion nicht vergleichen mit dem Aufbau, sondern nur mit der Einatmung. Das Überwuchern der Einatmung über die Ausatmung führt zum Krebs. So wird das Bild richtig. Grundsätze: ·... Mitbestimmungsrecht des in Unternehmerfragen ungeschulten Arbeiters, ... die heute noch nicht zur Selbstunternehmung reife Arbeiterschaft ...»  Rudolf Steiner: Der Arbeiter verträgt es vielleicht nicht, dass man ihm sagt, er sei in Unternehmerfragen ungeschult. Den Begriff von «reif» muss man heute esoterisch behandeln. Grundsätze: ·Ein Treuhandorganismus im Sinne der vorangegangenen Darlegungen würde sich durch sich selbst mit einer solchen physischen und moralischen Macht in das Toben der Welt hineinstellen, dass in ihm geradezu eine Lebensgarantie für das eingegliederte deutsche Volk geschaffen wäre.· Rudolf Steiner: Dieser Hinweis auf das Deutschtum sollte unterbleiben. Besonders auf wirtschaftlichem Gebiete. Der wirtschaftliche Teil hat gar nichts zu tun mit deutschem Wesen. Das führt zu stark in Wilsonismus hinein. Grundsätze: ·Der geistige Kern des Menschen entfaltet, unbehindert von allen Kreaturen, die cr machte, seine Schöpferkraft - von seinen Kreaturen (Recht und Wirtschaft) nichts anderes fordernd als Schutz und Lcbcnsuntcrlagc: staatlichen Schutz und wirtschaftliche Bcdarfsdeckung.· RudolfSteiner: Von Staat und Wirtschaftsleben ist für den geistigen Teil des sozialen KÖrpers nichts zu fordern. Von ihnen ist nur zu verlangen, dass sie die Einzelnen unterstützen. Das Geistesleben darf nur nicht verhindert werden im Sich-Ausleben. Es müsste sorgfältig darüber gewacht werden, dass nirgends Geistesleben gedrückt wird. Und darüber müsste gewacht werden, dass es frei zirkulieren kann. Der Staat hat nur die Aufgabe, das Geistesleben von allem Zwänge zu entbinden. Er ist dem Geistesleben gegenüber nur Polizist. Es unterhält sich von selbst, auch wirtschaftlich. Man sollte nicht sagen «staatlicher Schutz» und «wirtschaftliche Bedarfsdeckung». Der Staat muss dafür sorgen, dass das Geistesgut an seine Konsumenten kommt. In den Parlamenten wird ganz von selbst davon gesprochen werden, dass da und dort Geistesleben vorhanden ist. Geht die Geistesproduktion in Schädigungen über (zum Beispiel schwarze Magie), so muss der Staat die Wirkungen treffen. Zu den Anhängen an die Grundsätze: Rudolf Steiner: Eine «Beschränkung des privaten Anteils am Pro duktionsgewinn auf eine feste oder gewinn-prozentualische Rente», wie von Boos vorgeschlagen wird, ist nicht durchführbar. Hier muss die Steuer abhelfen. Auf eine Frage von Emil Molt erklärt RudolfSteiner: RudolfSteiner: Es handelt sich nicht um «Anteil am Gewinn», sondern um «Anteil an Besitzm Wenn einer in einen Betrieb eintritt, wird ihm ein Teil des Eigentums zugeschrieben, gleichgültig, ob er Arbeiter oder Unternehmer ist. Das Verdienen ist aber davon ganz unabhängig. Das Existenzminimum muss sich aus dem Wirtschaftsprozess heraus ergeben. Es ist nicht gesetzlich oder vertragsmäßig zu regeln. Was notwendig ist, ist, dass man darauf Rücksicht nimmt, dass sich im Hinaufstapeln immer mehr von der reinen Handarbeit der geistigen Leistung nähert. Unter diesem Gesichtspunkt kommt man dazu, dass der Unternehmergewinn sich umwandelt in Zahlung für die geistige Leistung. Die drei Sphären gehen ganz ineinander. Im Unternehmen hat der Unternehmer seinen Unternehmergewinn aus der geistigen Leistung. Auf eine Frage von Emil Mob: RudolfSteiner: Durch Wahl des Unternehmers seitens der Arbeiterschaft würde eine Unterdrückung der Freiheit eintreten. Was absolut gewährleistet sein muss, ist dies: Ihr müsst mir dasjenige für meine geistige Leistung geben, was ich für nötig halte. Für das, dass der Unternehmer geistiger Leiter ist, bekommt er sein volles Einkommen. Emil Molt: Wer bestimmt, wer Unternehmer wird? RudolfSteiner: In der Praxis wird die Kontinuität gewahrt. Die Unternehmer bleiben bis zu einem gewissen Grade bestehen. Die Absetzung des Unternehmers wird auf dem Wege der Schädigung durch den Staat erfolgen. Der Unternehmer muss vor Absetzung geschützt sein, solange er nichts macht, was die Allgemeinheit schädigt. Die drei Sphären stehen nicht nebeneinander. Der staatliche Organismus ist allen einzelnen übergeordnet. Im Wirtschaftskörper sind nur die  Wirtschafter, im geistigen nur die Geistesarbeiter. Die Absetzung des Unternehmers müsste auf gesetzlichem Wege erfolgen. Wir müssen zuerst aus dem Geld, das wir noch haben, freie Schulen gründen, um den Leuten das beizubringen, was sie brauchen. Zu dem über die Gewerkschaften Gesagten: Rudolf Steiner: Die Gewerkschaften gliedern sich nicht nach Berufen, sondern nach abstrakten Zusammenhängen. Man müsste den Übergang der alten Berufsverbände in die modernen Gewerkschaften studieren. In den modernen Klassenverbänden ist nicht mehr der Beruf das Wesentliche, sondern die Stellung des besitzlosen Arbeiters zum Unternehmer. Die Gewerkschaften protegieren Sie (Boos) besonders. In den Gewerkschaften sitzen aber gerade die größten Philister. Anstatt zu sagen, die Verbilligung der Lebensmittel sei wichtiger als die Steigerung der LÖhne, sollte gesagt werden, dass die Rücksicht auf den Konsum wichtiger sei als die auch mit der Produktion zusammenhängende Steigerung der LÖhne. 27. Januar 1919, nachmittags RudolfSteiner: Ich bin nicht berechtigt, ohne Weiteres die Geschichte des Kriegsausbruches zu publizieren. Frau von Moltke hat auch nicht die volle Berechtigung. Es ist nicht sicher, dass sie die Zustimmung geben wird. Die Aufzeichnungen sind testamentarisch, mit der Verfügung, dass sie nur für Frau von Moltke geschrieben sind. Ich kann aber fast alles erzählen, was wesentlich ist, weil Moltke es mir auch erzählt hat. Eine solche Publikation wäre durch 90 Mann genügend gedeckt, die über Deutschland zerstreut sein müssten. Man müsste einen Rückhalt haben. Ein Auftrag des Auswärtigen Amtes, Rantzaus, wäre keine besondere Empfehlung. Rantzau ist sicher nicht gut angeschrieben. Es müssten Leute sein, deren Name wirkt; wenn auch nur so, dass man bei Nachfragen auf eine achtbare Person kommt.  Diese Leute, die da unterzeichnen, sollten aber nicht zu einem Bunde zusammengeschlossen werden. Es müssten Leute sein, die ganz frei zueinander stehen. Daraus kann sich dann einmal eine Partei entwickeln. Was über die Kriegsgenesis zu sagen ist, ist sozusagen fertig. Frage: Ist nicht ein Einmarsch der Entente zu befürchten? Rudolf Steiner: Weil dies möglich ist, halte ich es doch vielleicht für wichtig, dass wenigstens in irgendeiner Weise von der Schweiz aus ins Ausland diese Sache entriert wird. Es wäre mir wichtig, in Zürich sagen zu können, dass hinter mir Leute stehen. Wenn diese Sache von der Schweiz aus gemacht wird, wäre es nicht hinderlich, wenn die Entente einmarschiert. Frage: Könnte der Rat geistiger Arbeiter beziehungsweise die Kommission für Sozialpolitik dieses Rates verwendet werden, um die sozialpolitische Arbeit zu entricren ? Rudolf Steiner: Die freie Verfügung darf mir nicht beeinträchtigt werden. Es muss mir die Möglichkeit gewahrt bleiben, dass ich selber die Sache entrieren kann. Ich muss die Sache immer in der Hand haben. Man muss immer bemerkbar machen, dass die Sache von mir stammt. Ob man den Rat geistiger Arbeiter verwende, hängt ganz davon ab, ob Sie glauben, dass im Rat Leute sind, auf die man sich in gewissem Sinn verlassen kann, und ob sie finden, dass Sie es allein durchführen können. Es ist aber besser, es ohne diese Leute zu machen. Die Räte werden in einiger Zeit verschwinden, und zwar in schauriger Weise. Solange sie da sind, muss man sich mit ihnen auf realen Boden stellen. Ich würde einer solchen Organisation nicht so wichtige Dinge geben. Dagegen bin ich nicht, dass im Rat Vorträge darüber gehalten werden. Aber dass man es ihm ausliefert, in dem Glauben, dass es von ihm realisiert werden könne, das halte ich für eine Utopie. Günstiger wäre es, eine Denkschrift durch die «90» unterzeichnen zu lassen. Diese müsste aber kürzer sein. Sie könnte ausgehen von einem Komitee, das sich ad hoc bildet. Von diesem aus könnte auch auf die  Gründung eines Bundes hingearbeitet werden. Auch der Vortrag von Dr. Unger könnte von diesem Komitee ausgehen. Mit den Russen ist eine Verständigung nur möglich aufgrund dieser Gedanken. Frage: Wie kommen wir an das Proletariat heran? Rudolf Steiner: Es ist nötig, die Führer zu «beseitigen». Bei den Unabhängigen handelt es sich nur darum. Die Anhängerschaft der Unabhängigen scheint mir am leichtesten zu gewinnen zu sein. Man muss unter den Leuten reden. Emil Molt legt Rudolf Steiner die Leitsätze der [württembergischen] Sozialisierungskommission (Fritz Elsas) vor. RudolfSteiner: Mit dem heutigen Begriff der Sozialisierung kann ich nichts Rechtes anfangen. Wenn ich diese Kautschukparagraphen lese, so frage ich mich: Was ist da Reales dahinter? Zu Punkt I, 1 von Fritz Elsas: RudolfSteiner: Davon hängt nicht irgendwie etwas von dem ab, was der Arbeiter in Wahrheit will. Führen Sie die Wirtschaft einzig und allein «für die Gesellschaft», so ist das nur eine Umänderung der Wirtschaftsform, aber keine Erhöhung der Produktivität. Weil heute nur wenige Personen die Profiteinstreicher sind, macht es furchtbar wenig aus, was man diesen Leuten herausnimmt. Was sollten denn die Arbeiter dadurch profitieren? Wenn ich in dieser Kommission wäre, so würde ich mir ausrechnen, wie groß das ist, was im Profitinteresse des Privatkapitals gewonnen wird und wie groß die Arbeiterzahl ist. Dann würde ich den Leuten zeigen, wie wenig sich der Status erhöhte. Man muss solche Gedanken propagieren, dass durch dies Zeug nichts gewonnen ist. Ich werde die Leitsätze, die hier sind, in ungefähr der gleichen Länge beantworten. Emil Mob: Ist die Sozialisierung sofort in Angriff zu nehmen?  RudolfSteiner: Ja, in der Form, dass die Sozialisierung eine Art von Vorarbeit bedeutet, den Wirtschaftskörper auf eigene Füße zu stellen. Die Sozialisierung müsste in der Weise beginnen, dass zunächst Verbände geschaffen werden zwischen Produzenten und Konsumenten, zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. Frage: Aufsteigen der Arbeiter im Betrieb? Rudolf Steiner: Das wird einmal eine Rolle spielen. Es ist nötig, in Zukunft jede Art EntlOhnung von der Arbeit loszulösen. Entschädigt werden muss die Position, der Ort, wo einer steht. Und damit ist notwendigerweise verknüpft, dass jeder die Hoffnung hat zu avancieren. Das ist für später im Prinzip sehr wichtig. Im Augenblick ist aber ganz besonders wichtig, dass ein gemeinsamer sozialer KÖrper aus dem Unternehmen gebildet wird, sodass auch der letzte Arbeiter aufgeklärt ist über den ganzen Gang, den seine Arbeit geht, vom Rohstoff bis zum Konsumenten. Das ist das Allerbrennendste, dass der Arbeiter nicht als Tier arbeitet oder als Maschine, sondern als Mensch. Er muss geistig interessiert sein. Jeder muss wissen: «Was bin ich eigentlich?» Es ist das größte Versäumnis des Bürgertums, dass es das unterlassen hat. Es ist ein ganz falsches Prinzip, die Konkurrenz durch Verheimlichung der Dinge zu verhindern. Frage: Ist nicht eine Abwanderung der schaffenden Intelligenz in das Ausland zu befürchten? RudolfSteiner: Was schadet das? Es wird aber auch gar nicht erfolgen. Die Leute werden im Ausland gar nicht mehr verdienen als in Deutschland. Der Einwand gilt nur, wenn die Sozialisierung im Sinne des Dr. Elsas durchgeführt wird. Wenn Sie unsere Ideen durchführen, wird der, der etwas kann, nicht schlechtergestellt sein. Dabei müssen wir natürlich davon absehen, dass wir durch Tribut und Kriegsentschädigung in eine ausnahmsweise Lage gestellt sind. Durch Durchführung unserer Ideen wird der Mensch mit technischer Bildung zum Beispiel nicht schlechtgestellt. Das eine tritt ein, dass untüchtige Unternehmer etwas beschränkt werden. Aber der tüchtige Unternehmer, der imstande sein wird,  sein Geschäft zum Florieren zu bringen, der wird durch die Tatsache, dass er es ist, der den Kreis von Arbeitern beschäftigt, gar nicht schlechtergestellt sein, als irgendein Mensch in der Entente gestellt sein kann. Man wird gar nicht auf den Gedanken kommen, den Unternehmer zu «wiihkn». Die Menschen werden sich sammeln unter irgendeinem Menschen, der Initiative hat. In England werden die Leute profitieren, die Unternehmer sind. Bei uns werden sie die entsprechenden Bezüge haben. Sie werden die Bezüge haben dadurch, dass der Wirtschaftskörper sich gegenseitig trägt. Unternehmerbranchen gleichen sich gegenseitig aus, sodass die tiefer gelagerten von den höher gelagerten etwas bekommen. Sie müssen sich das in der Realität vorstellen: Die Tätigkeit ändert sich etwas. Sie sind dann nie ganz einseitig Unternehmer. Sie sind als solcher in einem gewissen Verhältnis zu den eigenen Konsumenten. Das bringt Ihnen eine Entschädigung ein. Die Konsumenten-Genossenschaft honoriert Sie. Das kommt zum Unternehmerhonorar hinzu. Der WirtschaftskÖrper ist eine Ineinanderverflechtung von lauter Assoziationen. Der leitende Unternehmer ist gar nicht schlechter gestellt als heute der Unternehmer. Die Festsetzung des Existenzminimums ist eine der kompliziertesten Sachen, die sich erst aus dem Wirtschaftsorganismus heraus ergibt. Es ist dazu nötig innerhalb eines Territoriums eine Verständigung sämtlicher Wirtschaftsorganisationen. Das Existenzminimum ist nicht auf eine Formel zu bringen. Es ergibt sich als Resultat. Das Privateigentum bleibt, aber das Privatkapital hÖrt auf. Ich werde nie imstande sein, der Allgemeinheit irgendein Erträgnis zu entziehen. Es würde mir nichts nützen, Kapital anzuhäufen, ohne es in den Zirkulationsprozess einzuführen. Für die materielle Arbeit hat jeder gleich viel. Dazu kommt aber, was Sie geistig leisten, dadurch, dass Sie da sind, an dieser Stelle. Es ist selbstverständlich, dass Sie sich dann, wenn Sie über eine größere Arbeiterschaft Leiter sind, mehr rühren können müssen. Emil Moli: Sozialisierung der Banken?  RudolfSteiner: Fruchtbar ist das nur, wenn wir uns die Sozialisierung im Sinne unserer Ideen denken. Die Bank ist nichts für sich. Sie ist nur der Ausdruck der übrigen Sozialisierung. Emil Molt: Es besteht die Gefahr, dass die Banken uns erdrücken. Sie werden denen, die im Sinne Ihrer Ideen arbeiten, den Kredit kündigen. Die Bank wird nur Geld geben, wenn ihr die Leute passen. RudolfSteiner: Wenn Sie sozialisieren, wie Dr. Elsas will, dann kann die Bank nicht beleihen und damit auch nicht bestehen. Warum soll sich aber die Bank weigern, unter dem Einfluss unserer Ideen entstehende Industrieunternehmungen zu beleihen? Emil Mob: Es gibt keine Profitpapiere mehr, keine Spekulation. RudolfSteiner: Die Spekulationsgeschäfte werden aufhören. Emil Molt: Dagegen werden sich aber die Großbankiers wehren. Rudolf Steiner: Unter den Gedanken, die meiner Sache zugrunde liegen, kommt höchstens in Betracht, was einer als sein Eigentum deponiert bei der Bank. Die ganzen Beleihungsgeschäfte kann man laufen lassen. Sie brauchen auch gar keine Gelder. Sie brauchen nur Arbeiter. Emil Molt: An der Waldorf hat die Bank 200 Anteile. Diese müsste sie dann verlieren. RudolfSteiner: Wozu brauchen Sie die Aktien? Sie können die Bank zum Verlust der Aktien zwingen. Sie können doch Ihre eigenen Aktien zurückfordern. Wenn die Bank Besitzerin der Aktien ist, ist sie einfach Rentner. Das ist eine Sache, die nur auf dem Wege des Wohlwollens entschieden werden kann. Die Leute, die als Drohnen leben, hängen ganz vom Wohlwollen ab. Das wird einfach aufhören. Emil Molt: Muss man ihnen dann nicht auf eine gewisse Zeit von Jahren eine Rente bezahlen?  Rudolf Steiner: Das hängt aber doch vom Wohlwollen ab. Nehmen wir an, Sie geben überhaupt nichts. Emil Mob: Dann wird die Bank kaputt gehen und damit die schädigen, die ihr Geld gegeben haben. Rudolf Steiner: Es kann nur eine Sache des Wohlwollens sein, die Leute zu entschädigen. Aber Sie können sich nicht darauf einlassen, etwas fortzuschieben, was nicht in unsere Gedanken hineingehört. Die Banken werden gar nicht arbeiten können unter unseren Gedanken. Die Bankiers werden Sie nicht zu einer sozialen Reform gewinnen. Hans Kühn: Es gibt Privatkapitalisten, die auf Renten angewiesen sind. Rudolf Steiner: Die müsste man ablösen. Es wäre Sache des Wohlwollens. Hans Kühn: In welcher Form würden die Arbeiter die Nutznießung aus ihrer Beteiligung am Geschäft haben? RudolfSteiner: Das Eigentum hat als solches einen moralischen Wert. Eine Einnahme können Sie nur von dem haben, was das Produktionsmittel trägg nur von der Leistung. Dass Sie «Besitzer» sind, hat lediglich einen moralischen Wert: Es ist ein Fortschritt, wenn im wirtschaftlichen Werden von der Nomadisierung fortgeschritten wird zur Verwurzelung. Um überhaupt irgendwie hineinzukommen in ein Interessiert-Sein, müssen Sie ein ähnliches Band schaffen zwischen Arbeiter und Produktionsmitteln. Das kann nicht durch Kommunismus, sondern nur durch Individualismus erfolgen. Ich will nicht die Freizügigkeit bekämpfen. Was ich meine, hat damit aber gar nichts zu tun. Sondern nur damit, dass jeder Mensch ein Interesse an den Produktionsmitteln hat, an denen er arbeitet. Dadurch, dass er in die Fabrik eintritt, machen Sie ihn zu einem Menschen, der ebenso beteiligt ist an seinem Betrieb wie ein Bauer an seinem Gut. Der Arbeiter muss sich sagen können: Ohne meinen Willen kann da gar nichts geändert werden. Real betrachtet bringen nur Leistungen Er trägnisse. Der Besitz hat nur einen moralischen Wert. Sie sollen nicht Grund und Boden einfach verkaufen können. Das ist nichts, was der Mensch leistet. Sie können - nach unseren Ideen - Grund und Boden nur überführen von einem Besitzer an den anderen auf dem Wege der Wirtschaftskorporation, und nur dann, wenn der Einzelne sein Eigentumsrecht vertragsmäßig überträgt auf eine Korporation. Grund und Boden steht kontinuierlich in Einzelbesitz. Das hindert aber nicht, dass an einzelnen Orten vertragsmäßig Großgrundbetrieb eingerichtet wird. Durch vertragsmäßige Abtretung. Diese Abtretung kann nicht vererbt werden. Beim Betrieb ist es so, dass, wenn einer den Betrieb verlässt, er sein Eigentumsrecht verliert. Dieses haftet an der Stelle. Das ist etwas, was sich von selbst ergibt. Praktisch ist die Folge des Besitzes diese, dass deg der heute eine Fabrik verkaufen kann, dann beschränkt sein wird. Beim Verkauf müssten alle übereinstimmen. Der Einzelne kann nicht einfach, weil es ihm nicht passt, seinen Posten verlassen. Im Übrigen ist der Einzelne ganz frei. Wenn er weg will, so muss er von seinem Posten gehen. Er kann aber nicht den Betrieb verkaufen. Sagen Sie den Leuten: Seht ihr, beim gegenwärtigen System, wie bei einer Verstaatlichung, seid ihr doch nur Werkzeuge. Heute verkauft der Unternehmer mit seinem Unternehmen sein ganzes Werk und mit ihm alle Arbeiter. Wenn aber jeder Mitbesitzer ist, kann das nicht geschehen. Emil Mob: Wie werden die inaktiven Aktionäre der A.G. behandelt? Rudolf Steiner: Sie haben in aufsteigender Ordnung die verschiedenen Positionen. Handarbeiter - Vorarbeiter - technische Leiter kommerzielle Leiter - an der Spitze einen Leiter. Nun können Sie aus den drei obersten Stufen der Hierarchie diejenigen zusammensetzen, die heute «Aufsichtsrat» sind. Leute, die nur Drohnen sind, wird es nicht mehr geben können. Reine Rentner - wie Taube, Stumme müssen durch bloßes Wohlwollen erhalten werden. Stellen Sie heute ein rein sozialistisches Programm auf, so können Sie Spiegelfechterei treiben, so können Sie die Meinungen vieler Leute befriedigen. Ebenso mit einem reinen Unternehmerprogramm.  Aber es führt alles zu Unmöglichkeiten. Sie können nur mit unserem Programm den Menschen befriedigen, der die innere Natur und Wesenheit der Sache einsieht, ganz gleichgültig, ob er Arbeitgeber oder Arbeitnehmer ist. Diese Begriffe hören einfach auf. Die Leute werden es selber einsehen, wozu sie gehören, ob sie Handarbeiter oder technische Leiter und so weiter sind. Roman Boos: Ist cs den Arbeitern heute darum zu tun, im Betrieb aufzusteigen? Rudolf Steiner: Den Sozialisten ist es nicht [darum] zu tun, in leitende Stellungen zu kommen, sondern darum, in untergeordneten Stellungen politische Macht zu bekommen. Die Leute wollen nur umschichten. Aber wohl können fünf Personen 1000 regieren, nicht aber 1000 Personen fünf. Emil Mob: Wer wird bei der Ausgabensteuer Steuereinnehmer sein? Rudolf Steiner: Jeder ist verpflichtet, am Anfange des Monats soundsoviele Stempelmarken zu kaufen. Wenn Sie dann eine Ausgabe machen, müssen Sie die Marke abgeben. Diese Marken müssen dann wieder [her]einkommen, wie die Fahrkarten der Eisenbahnen. Die Steuer wird nicht vom Produzenten bezahlt. Sie ist bezahlt, bevor die Ausgabe gemacht wird. Es werden Kategorien der Steuerhöhe eingerichtet werden. Das System wird sehr einfach sein. Aber es spielt überall das menschliche Urteil hinein. Es werden immer Fragen entstehen. Wenn ein neues Bedürfnis entsteht, entsteht eine neue Produktion. Nun entsteht die neue Frage: Wie ist ein solcher Artikel zu besteuern? Es wird nie die Produktion losgelöst vom menschlichen Urteil. Anfang Februar /1919/ Bei Übergabe des Sozialisierungsprogrammes (Antwort auf den Elsas-Kohl): RudolfSteiner: Dies Programm ist so verschieden von anderen, dass es nötig ist, zuerst einen gemeinsamen Boden zu schaffen. Man müss te zuerst den Leuten klarmachen, dass sie mit ihrer ganzen Pfuscherei nichts erreichen. Das Programm Elsas ist bolschewistisch. Bolschewismus ist alles das, was alte Formen benutzt, um neuen Inhalt hineinzugießen. Lenin will die alte Form der Diktatur benutzen, um neue Inhalte hineinzugießen. Betreffend Ausgabenstcuern: RudolfSteiner: Das Geld, das ins Ausland geht, müsste an der Grenze Steuern zahlen. Aus einer späteren Unterredung (Boos bei Rudolf Steiner) RudolfSteiner: Aus dem Wirtschaftsleben allein wird nie ein Arbeitsrecht sich ergeben, sondern nur aus dem Rechtssystem. Eine gewisse Form des modernen Sozialismus strebt aber geradezu die Fortsetzung der Krankheit an. Der politische Staat muss das Wirtschaftsleben zurechtrücken, wie die Atmung die anderen Systeme, damit der Mensch nicht verbraucht wird. (NB.: Vergleiche das früher betreffend Karzinom Gesagte! Karzinom durch Über-Einatmung! B.) Frage: Bezahlung der Kriegsentschädigung seitens Deutschlands: RudolfSteiner: Sie kann in zweifacher Weise aufgebracht werden: Sie kann entweder direkt dem Wirtschaftskörper auferlegt werden oder dem politischen, der sie dann vom Wirtschaftskörper aufbringen muss. Es wäre unter allen Umständen gut, wenn über die Kriegsentschädigung mit den Vertretern des Wirtschaftskörpers geredet würde. Frage: Wie soll Einfluss auf die Friedensverhandlungen gewonnen werden? RudolfSteiner: Wir müssen abwarten, was die Entente zu dem sagt, was im Aufruf steht. Alles, was von Deutschland formuliert wird, hat keine Unterlage. Die Auseinandersetzungen über die Notwen digkeit der Gliederung bei den Friedensverhandlungen werden in der Broschüre enthalten sein. Frage: Wie beurteilen Sie das Räresystem? RudolfSteiner: Es ist unmöglich, dass der gleiche Rat politisch und wirtschaftlich wirkt. Das ist möglich, dass in den zweierlei Räten die gleichen Leute sitzen. Sobald die Kompetenzen geschieden sind, so stellt sich heraus - es ergibt sich ganz von selbst -, dass die Interessen der Arbeiter mit denen der leitenden Personen parallel gehen. Dann kann ruhig im Rechtsstaat der Arbeiter neben dem Leiter sitzen. Selbst der Unterschied zwischen liberaler und konservativer Partei wird verschwinden, weil man nur sachlich reden wird. Eine wichtige Sache, die sich im Arbeitsrecht ergeben wird: Es wird nicht einen Normalarbeitstag geben, sondern einen Maximalund Minimal-Arbeitstag. Schwerarbeiter werden weniger lang arbeiten als andere. Das ergibt sich ganz von selbst. Frage: Wie kann man auf den Einwand antworten, dass durch das Assoziationssystem im Wirtschaftsleben der freie Handel mit seinen unbestreitbaren Vorteilen gehemmt oder gar verhindert werde? Rudolf Steiner: Die Assoziationen, an die ich denke, können eine Mitgliederzahl haben von x bis 1. Zwischen solchen Produktionsassoziationen und solchen Konsumassoziationen werden sich Koalitionen ergeben. Und zwar so, dass alles nach dem Konsum orientiert ist. Rainer hat ganz richtig mit seiner Brotherstellung beim Konsum begonnen. Ich sagte ihm: Sammeln Sie so viele Konsumenten, dass sie das Brot produzieren können! - Ebenso macht es der Philosophisch-Anthroposophische Verlag. Dieser ist allein darauf gebaut, dass man die Bücher verlangt. Hier ist die Anthroposophische Gesellschaft selbst die Assoziation, die die Produktion hervorruft. Die ideale Assoziation ist diese, dass eine leitende Persönlichkeit für eine Produktion den Kreis der Konsumenten findet. Weil aber das wirtschaftliche Leben so kompliziert ist, muss ein System von Assoziationen da sein.  Frage: Wenn es sich aber darum handelt, dass ein Bedarf hervorgerufen wird, so muss doch wieder Reklame gemacht werden, was Sie doch sonst verpönen? Rudolf Steiner: Es wird sich beim dreigliedrigen Sozialorganismus von selber ergeben, dass Reklame nur als Sachreklame möglich sein wird. Es werden Agenturen da sein. Wenn ich einen neuen Schuh fabrizieren will, muss ich mich an einen Schuh-Agenten wenden, der eine selbstständige Agentur hat. Der wird meinen Schuh auf seine Reise mitnehmen. Eine solche Sachreklame wird immer zu finanzieren sein. Frage: Aber werden dann nicht die Leute, die schneller vorwärtskommen wollen, doch wieder zu Suggestivreklame greifen? Rudolf Steiner: Das wird nicht so sein. Wenn ich eine solche Einzelheit beantworte, so nehme ich die Antwort nicht aus einer nur logischen Überlegung, sondern ich sehe den ganzen dreigegliederten Sozialkörper konkret vor mir. Und daraus ergibt sich, dass eine bloße Suggestivreklame nicht zu finanzieren sein wird. Es wird dafür einfach kein Geld vorhanden sein. Ich würde sehr gerne alle Einzelheiten besprechen, zum Beispiel über Pfandrecht, Hypothekarrecht, Obligationenrecht und so weiter, besonders gerade über diese Sachen, in denen heute nicht geschieden ist, was geschieden werden muss; verderblich wirkt heute die Konfundierung von Kapitalzins und Grundrente. Frage: Dann wäre es also unsere Aufgabe, mit Ihrer Broschüre zu reisen und als Agenten Sachreklame zu machen, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass in der Broschüre Dinge stehen, die mit Detailvorträgen und so weiter gedeckt werden könnten? RudolfSteiner: So ist es. Boos: Nächsten Montag werde ich mit den Leuten zusammenkommen, die sich auf Ihren letzten Zürcher Vortrag gemeldet haben. Können Sie mir Richtlinien für diese Besprechung geben? RudolfSteiner: Die Leute müssen gewonnen werden, dass sie für die Broschüre etwas tun. Es wäre nicht schlecht, wenn sich die Leute  zusammentäten und für Aufklärung sorgen würden, dass die soziale Frage nicht anders gelöst werden kann als durch die Gedanken der Vorträge. Sobald Sie genügend Leute haben, die diese Meinung haben, dann geht die Sache wie von selbst. Es würde von größter Wichtigkeit sein, heute den Stand der sozialen Bewegung in der Schweiz dadurch festzustellen, dass am Montag ein Komitee aufgestellt wird, das feststellen müsste, wie die Beziehungen zwischen der alten Sozialdemokratie und den Bolschewisten in der Schweiz sind. Man sollte Material haben, um genau belegen zu können, wie viele Leute zum Beispiel hinter dem «Basler Vorwärts» stehen. Boos: Ich habe kürzlich zusammengestellt: Recht - Salz, Wirtschaft - Quecksilber, Geisteskultur - Schwefel. Rudolf Steiner: Man muss hier vorsichtig sein. Es bedeutet: Salz im Einzelmenschen Kopf, im sozialen Körper Wirtschaft, Quecksilber im Einzelmenschen Brust, im sozialen KÖrper Recht, Sulfur im Einzelmenschen unterer Mensch, im sozialen KÖrper Geisteskultur. Außerdem muss man aber wieder das Verhältnis des Einzelmenschen und des Gesellschaftskörpers je zueinander in Betracht ziehen, und da bedeutet Salz - Gesellschaftskörper, Schwefel - Individuum, Quecksilber ist dazwischen. Der soziale Körper steht auf dem Kopf. Die Produktionen des einzelmenschlichen Kopfes sind das, was für den Einzelnen Essen und Trinken ist. Die Urproduktion ist das, was für den Einzelnen die Begabungen sind. Durch sein Kopfsystem speist der Mensch das geistige Glied des sozialen Organismus. Das Rechtssystem entspricht dadurch dem Brustmenschen, dass es regulierend zwischen den beiden anderen wirkt - wenn auch nicht rhythmisch.  Aus einer späteren Besprechung Roman Boos erbittet einige Richtlinien für einen Vortrag über Geisteswissenschaft vor Studenten, der als Vorbereitung für den acht Tage später vorgesehenen Studcntenvonrag von Rudolf Steiner gemeint ist. Rudolf Steiner: Es sollte den Leuten klargemacht werden, dass das gewöhnliche Wissen und das anthroposophische Wissen der Art nach verschieden sind. Das Letztere kann nur aus einer Erweckung kommen. Es ist Erfahrung, nicht Spekulation. In der «Theosophie» spreche ich von Leib, Seele, Geist. Es wurde eingewendet: Wie kann man eine solche Unterscheidung machen? Antwort: Man muss nur den menschlichen Lebenslauf in seiner Realität ins Auge fassen: Kind - mehr KÖrper Mittelmensch - mehr Seele Der alte Mensch - (Rückgang des Körpers) mehr Geist Es wäre gut, den Begriff der Intuition klarzumachen, und zwar so, dass gezeigt würde: Das «Recht» ist gerade das Umgekehrte der Intuition. Im Recht verliert sich der Mensch ganz in die äußere Sachlichkeit. Kehren Sie das um: Der Mensch verliert sich ganz an den Geist, dann haben Sie die Intuition. Von da könnte man ausgehen: Fasst man den Begriff des Menschen, der sich in der physischen Welt verliert, genau, kehrt man ihn um, so hat man den Begriff des vorgeburtlichen und nachtodlichen Menschen. Frage: Trifft eine solche Begriffsbestimmung des Rechts nicht zusammen mit der Formulierung ·Der Geist in seinem Andcrs-ScinR (Hegel) Rudolf Steiner: Ja. Das Recht ist der Geist in seinem Anders-Sein, Außer-sich-Sein. Hätte Hegel das so gesagt, so hätte er recht. Er hat aber nicht das Recht so genannt, sondern die Natur. Und die Natur ist nicht der Geist in seinem Anders-Sein, sondern der Geist in seiner ganz entsprechenden Negativität. Die Natur verhält sich zum Geist wie die Schuld zum Kapital. Natur ist Loch im Geist. Hegel kannte den Geist nur als Ideologie mit dem letzten Anhauch der Lebendig Kelt. Gerade die Ideologien sind für Hegel der objektive Geist. Daher kam er nicht zu einem Schicksal der Seele. Boos: Ehrenberg (Heidelberg) arbeitet an einer Kritik des deutschen Idealismus, in der er nach einer ähnlichen Richtung hin vorgeht. Er nennt den Idealismus ·Heidentum im Christenturm. Rudolf Steiner: Mit solchen abstrakten Begriffen wird heute viel Unfug getrieben. Das Wesentliche des Heidentums ist, dass darin das Göttliche nicht erfasst wird in seinem Zusammenhang mit dem menschlichen Ich. Im Judentum wird das Ich erfasst. In das Ich werden einbegriffen andere Wesen.  AN DAS DEUTSCHE VOLK UND AN DIE KULTURWELT! Aufruf im Februar 1919 Sicher gefügt für unbegrenzte Zeiten glaubte das deutsche Volk seinen vor einem halben Jahrhundert aufgeführten Reichsbau. Im August 1914 meinte es, die kriegerische Katastrophe, an deren Beginn es sich gestellt sah, werde diesen Bau als unbesieglich erweisen. Heute kann es nur auf dessen Trümmer blicken. Selbstbesinnung muss nach solchem Erlebnis eintreten. Denn dieses Erlebnis hat die Meinung eines halben Jahrhunderts, hat insbesondere die herrschenden Gedanken der Kriegsjahre als einen tragisch wirkenden Irrtum erwiesen. Wo liegen die Gründe dieses verhängnisvollen Irrtums? Diese Frage muss Selbstbesinnung in die Seelen der Glieder des deutschen Volkes treiben. Ob jetzt die Kraft zu solcher Selbstbesinnung vorhanden ist, davon hängt die Lebensmöglichkeit des deutschen Volkes ab. Dessen Zukunft hängt davon ab, ob es sich die Frage in ernster Weise zu stellen vermag: Wie bin ich in meinen Irrtum verfallen? Stellt es sich diese Frage heute, dann wird ihm die Erkenntnis aufleuchten, dass es vor einem halben Jahrhundert ein Reich gegründet, jedoch unterlassen hat, diesem Reich eine aus dem Wesensinhalt der deutschen Volkheit entspringende Aufgabe zu stellen. - Das Reich war gegründet. In den ersten Zeiten seines Bestandes war man bemüht, seine inneren Lebensmöglichkeiten nach den Anforderungen, die sich durch alte Traditionen und neue Bedürfnisse von Jahr zu Jahr zeigten, in Ordnung zu bringen. Später ging man dazu über, die in materiellen Kräften begründete äußere Machtstellung zu festigen und zu vergrößern. Damit verband man Maßnahmen in Bezug auf die von der neuen Zeit geborenen sozialen Anforderungen, die zwar manchem Rechnung trugen, was der Tag als Notwendigkeit erwies, denen aber doch ein großes Ziel fehlte, wie es sich hätte ergeben sollen aus einer Erkenntnis der Entwicklungskräfte, denen die neuere Menschheit sich zuwenden muss. So war das Reich in den  Weltzusammenhang hineingestellt ohne wesenhafte, seinen Bestand rechtfertigende Zielsetzung. Der Verlauf der Kriegskatastrophe hat dieses in trauriger Weise geoffenbart. Bis zum Ausbrüche derselben hatte die außerdeutsche Welt in dem Verhalten des Reiches nichts sehen können, was ihr die Meinung hätte erwecken können: Die Verwalter dieses Reiches erfüllen eine weltgeschichtliche Sendung, die nicht hinweggefegt werden darf. Das Nichtfinden einer solchen Sendung durch diese Verwalter hat notwendig die Meinung in der außerdeutschen Welt erzeugt, die für den wirklich Einsichtigen der tiefere Grund des deutschen Niederbruches ist. Unermesslich vieles hängt nun für das deutsche Volk an seiner unbefangenen Beurteilung dieser Sachlage. Im Unglück müsste die Einsicht auftauchen, welche sich in den letzten fünfzig Jahren nicht hat zeigen wollen. An die Stelle des kleinen Denkens über die allernächsten Forderungen der Gegenwart müsste jetzt ein großer Zug der Lebensanschauung treten, welcher die Entwicklungskräfte der neueren Menschheit mit starken Gedanken zu erkennen strebt, und der mit mutigem Wollen sich ihnen widmet. Aufhören müsste der kleinliche Drang, der alle diejenigen als unpraktische Idealisten unschädlich macht, die ihren Blick auf diese Entwicklungskräfte richten. Aufhören müsste die Anmaßung und der Hochmut derer, die sich als Praktiker dünken und die doch durch ihren als Praxis maskierten engen Sinn das Unglück herbeigeführt haben. Berücksichtigt müsste werden, was die als Idealisten verschrienen, aber in Wahrheit wirklichen Praktiker über die Entwicklungsbediirfnisse der neuen Zeit zu sagen haben. Die «Praktiker» aller Richtungen sahen zwar das Heraufkommen ganz neuer Menschheitsforderungen seit langer Zeit. Aber sie wollten diesen Forderungen innerhalb des Rahmens altüberlieferter Denkgewohnheiten und Einrichtungen gerecht werden. Das Wirtschaftsleben der neueren Zeit hat die Forderungen hervorgebracht. Ihre Befriedigung auf dem Wege privater Initiative schien unmÖglich. Überleitung des privaten Arbeitens in gesellschaftliches drängte sich der einen Menschenklasse aufeinzelnen Gebieten als notwendig auf; und sie wurde verwirklicht da, wo es dieser Menschenklasse nach ihrer  Lebensanschauung als ersprießlich erschien. Radikale Überführung aller Einzelarbeit in gesellschaftliche wurde das Ziel einer anderen Klasse, die durch die Entwicklung des neuen Wirtschaftslebens an der Erhaltung der überkommenen Privatziele kein Interesse hat. Allen Bestrebungen, die bisher in Anbetracht der neueren Menschheitsforderungen hervorgetreten sind, liegt ein Gemeinsames zugrunde. Sie drängen nach Vergesellschaftung des Privaten und rechnen dabei auf die Übernahme des Letzteren durch die Gemeinschaften (Staat, Kommune), die aus Voraussetzungen stammen, welche nichts mit den neuen Forderungen zu tun haben. Oder auch, man rechnet mit neueren Gemeinschaften (zum Beispiel Genossenschaften), die nicht voll im Sinne dieser neuen Forderungen entstanden sind, sondern die aus überlieferten Denkgewohnheiten heraus den alten Formen nachgebildet sind. Die Wahrheit ist, dass keine im Sinne dieser alten Denkgewohnheiten gebildete Gemeinschaft aufnehmen kann, was man von ihr aufgenommen wissen will. Die Kräfte der Zeit drängen nach der Erkenntnis einer sozialen Struktur der Menschheit, die ganz anderes ins Auge fasst, als was heute gemeiniglich ins Auge gefasst wird. Die sozialen Gemeinschaften haben sich bisher zum größten Teil aus den sozialen Instinkten der Menschheit gebildet. Ihre Kräfte mit vollem Bewusstsein zu durchdringen wird Aufgabe der Zeit. Der soziale Organismus ist gegliedert wie der natürliche. Und wie der natürliche Organismus das Denken durch den Kopf und nicht durch die Lunge besorgen muss, so ist dem sozialen Organismus die Gliederung in Systeme notwendig, von denen keines die Aufgabe des anderen übernehmen kann, jedes aber unter Wahrung seiner Selbstständigkeit mit den anderen zusammenwirken muss. Das wirtschaftliche Leben kann nur gedeihen, wenn es als selbstständiges Glied des sozialen Organismus nach seinen eigenen Kräften und Gesetzen sich ausbildet, und wenn es nicht dadurch Verwirrung in sein Gefüge bringt, dass es sich von einem anderen Gliede des sozialen Organismus, dem politisch wirksamen, aufsaugen lässt. Dieses politisch wirksame Glied muss vielmehr in voller Selbstständigkeit neben dem wirtschaftlichen bestehen, wie im natürlichen Organismus  das Atmungssystem neben dem Kopfsystem. Ihr heilsames Zusammenwirken kann nicht dadurch erreicht werden, dass beide Glieder von einem einzigen Gesetzgebungs- und Verwaltungsorgan aus versorgt werden, sondern dass jedes seine eigene Gesetzgebung und Verwaltung hat, die lebendig zusammenwirken. Denn das politische System muss die Wirtschaft vernichten, wenn es sie übernehmen will; und das wirtschaftliche System verliert seine Lebenskräfte, wenn es politisch werden will. Zu diesen beiden Gliedern des sozialen Organismus muss in voller Selbstständigkeit und aus seinen eigenen Lebensmöglichkeiten heraus gebildet ein drittes treten: das der geistigen Produktion, zu dem auch der geistige Anteil der beiden anderen Gebiete gehört, der ihnen von dem mit eigener gesetzmäßiger Regelung und Verwaltung ausgestatteten dritten Gliede überliefen werden muss, der aber nicht von ihnen verwaltet und anders beeinflusst werden kann, als die nebeneinander bestehenden Gliedorganismen eines natürlichen Gesamtorganismus sich gegenseitig beeinflussen. Man kann schon heute das hier über die Notwendigkeiten des sozialen Organismus Gesagte in allen Einzelheiten vollwissenschaftlich begründen und ausbauen. In diesen Ausführungen können nur die Richtlinien hingestellt werden, für alle diejenigen, welche diesen Notwendigkeiten nachgehen wollen. Die deutsche Reichsgründung fiel in eine Zeit, in der diese Notwendigkeiten an die neuere Menschheit herantraten. Seine Verwaltung hat nicht verstanden, dem Reich eine Aufgabe zu stellen durch den Blick auf diese Notwendigkeiten. Dieser Blick hätte ihm nicht nur das rechte innere Gefüge gegeben; er hätte seiner äußeren Politik auch eine berechtigte Richtung verliehen. Mit einer solchen Politik hätte das deutsche Volk mit den außerdeutschen Völkern zusammenleben können. Nun müsste aus dem Unglück die Einsicht reifen. Man müsste den Willen zum möglichen sozialen Organismus entwickeln. Nicht ein Deutschland, das nicht mehr da ist, müsste der Außenwelt gegenübertreten, sondern ein geistiges, politisches und winscbaftlicbes System in ihren Vertretern müssten als selbstständige Delegationen  mit denen verhandeln wollen, von denen das Deutschland niedergeworfen worden ist, das sich durch die Verwirrung der drei Systeme zu einem unmöglichen sozialen Gebilde gemacht hat. Man hört im Geiste die Praktiker, welche über die Kompliziertheit des hier Gesagten sich ergehen, die unbequem finden, über das Zusammenwirken dreier KÖrperschaften auch nur zu denken, weil sie nichts von den wirklichen Forderungen des Lebens wissen mÖgen, sondern alles nach den bequemen Forderungen ihres Denkens gestalten wollen. Ihnen muss klar werden: Entweder man wird sich bequemen, mit seinem Denken den Anforderungen der Wirklichkeit sich zu fügen, oder man wird vom Unglücke nichts gelernt haben, sondern das herbeigeführte durch weiter entstehendes ins Unbegrenzte vermehren. Der Verfasser des Aufrufs Dr. Rudolf Steiner Das Komitee: Prof. Dr. W. v. Blume, Tübingen, Kommerzienrat E. Molt, Stuttgart, Dr. ing. C. Uriger, Fabrikant, Stuttgart  VORSCHLÄGE ZUR SOZIALISIERUNG Flugblatt Dr. Steiner hat für die Sozialisierungsarbeiten folgende Leitsätze aufgestellt (als Entgegnung auf die Leitsätze einer SozialisierungsKommission): Begri¶ 1. Als Wesen der Sozialisierung der Wirtschaft ist anzusehen, dass Produktion und Absatzorganisation im Sinne der in ihnen selbst liegenden wirtschaftlichen Gesetze geregelt werden, und dass in dem dadurch entstehenden Wirtschaftsorganismus keinerlei «Rechte» und Machtbefugnisse hineinspielen. Alle «Rechte» sind ausgeübt von dem der Wirtschaftsorganisation gleichstehenden, auf Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze beruhenden politischen Organismus. Alle geistigen Leistungen, einschließlich der technischen Ideen, sind in die freie, individuelle Verwaltung eines dritten gleichstehenden geistigen Organismus zu stellen. 2. Als Vertreter des Wirtschaftsorganismus kommen die Erwählten der aufgrund der Berufsgliederung und der Arbeitsverteilung errichteten Assoziationen in Betracht. Als Vertreter der politischen Organisation kommen Erwählte aufgrund des allgemeinen, gleichen (geheimen) Wablrecbtes in Frage. Als Vertreter der Geistesorganisation kommen die durch die Verhältnisse an die Spitze der einzelnen Geisteszuieige gestellten Persönlichkeiten in Frage. Zur Verbindung der 3 Körperschaften dienen Delegationen, die aus den Vertretern jeder Einzelnen gewählt werden. (Die 3 Körperschaften stehen nebeneinander wie 3 relativ unabhängige Staaten, die ihre gemeinsamen Angelegenheiten durch Gesandte ordnen.)  Praktische Durchführung 3. Die Überführung von Wirtschaftszweigen aus dem gegenwärtigen in den zukünftigen Zustand hat mit Berücksichtigung des augenblicklich bestehenden wirtschaftlichen Zustandes so zu geschehen, dass bei der grundlegenden (konstituierenden) Neuorganisation alle Faktoren (Arbeitgeber und Arbeitnehmer in jeder Form) teilnehmen, und dass auf opportunistischer Voraussetzung der gegenwärtig mögliche Wirtschaftsorganismus hergestellt wird. 4. Die dadurch erstrebte neue Wirtschaftsordnung darf unter keinen Umständen durch Abreßen der wirtschaftlichen Kontinuität zu einer Unterbindung der Konsumtion führen. 5. Alles, was in den Wirtschaftsorganismus als für alle Menschen gleiches Gesetz eingreift (wie Unfallverhütung, Schädigung durch Wucher usw.), unterliegt den Befugnissen der politischen Organisation. Die allgemeinen Steuern sollen Ausgabesteuem (was keineswegs zu verwechseln ist mit indirekten Steuern) sein. Einnahmen werden als solche nicht steuerpflichtig; sie werden es in dem Augenblicke, wo die Allgemeinheit dafür Interesse hat, also bei der Überführung in die Verkehrszirkulation. Wirtschaftszweige 6. Als notwendigste Wirtschaftszweige, auf die Punkt 3 sofort angewendet werden sollte, kÖnnen folgende gelten: Bergbau, Eisen, Elektrizität, Wasserkräfte und deren Grund und Boden, Gas- und Wasserversorgung, Luftschifffahrt, Straßenbahnen und alle Arten Wege, Kanalisation und Kanalschifffahrt,  Chemische Industrie, Getreidebau und Getreideverwertung, Zuckerindustrie und Branntwein usw., Tabakindustrie, alles auf die Bearbeitung des Grundes und Bodens Bezügliche (dagegen gehören die Eigentumsverhältnisse des Grund und Bodens in die politische Körperschaft), Versicherungswesen, Geldinstitute. Der Friedensschluss 7. Er ist so zu bewirken, dass von deutscher Seite Vertreter der 3 KÖrperschaften mit durchaus von ihrer Körperschaft ausgehenden selbstständigen Mandaten mit dem Auslande verhandeln. Eine einseitige Sozialisierung nach anderen als den angeführten Gesichtspunkten ist für Deutschland auch aus Gründen der auswärtigen Politik undurchführbar. Dagegen ist eine Begründung der auswärtigen Politik auf die Einrichtung der 3 Körperschaften durchaus aussichtsvoll.  ÜBER DIE VORGESCHICHTE DES AUFRUFS «AN DAS DEUTSCHE VOLK UND AN DIE KULTURWELT!» Auszüge aus einem Mitgliederuortrag Dornach, 15. Februar 1919 Unter den Vorträgen, die ich in der letzten Zeit hier gehalten habe, waren eine Anzahl über die jetzt drängende, brennende soziale Frage. Dass das, was man soziale Frage seit Langem auch in der Gegenwart nennt, etwas im sozialen Leben der ganzen Menschheit Drängendes und Brennendes ist, das kann ja heute jeder wissen, der nicht wie ein seelisch Schlafender die Ereignisse, in die sein eigenes Dasein hinein versponnen ist, beobachtet. Inwiefern in den Lebensnotwendigkeiten der modernen Menschheit, und inwiefern in der ganzen neueren Entwicklung der Menschheit die soziale Frage eine bestimmte Gestaltung - die Gestaltung, die heute so einschneidend für das Leben ist - angenommen hat, das kann aus den Vorträgen ersehen werden, die ich hier gehalten habe, und die ich auch, wenigstens in ihrem Extrakt, an einzelnen Orten der Schweiz öffentlich gehalten habe. So ist unter uns, die wir in die anthroposophische Bewegung hineinverstrickt sind, gewissermaßen das Bedürfnis gekommen, auch von unserem Gesichtspunkte aus über die Schicksale der Menschheit, namentlich auch mit Bezug auf die soziale Frage, irgendwie zu einem Urteil zu kommen, das durch die uns mögliche Weise in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte. Längere Zeit schon haben sich Mitglieder von uns bemüht, ihre Kraft in den Dienst unserer so schwierigen Zeit zu stellen. Mancherlei ist dabei bedacht, mancherlei in Aussicht genommen worden. Selbstverständlich, meine lieben Freunde, kann ja jeder nur in der Weise in die Ereignisse eingreifen wollen, in der er durch sein Schicksal, durch sein Karma, durch seine, sagen wir, Menschheitsposition vorbestimmt ist, die ihm vorgezeichnet ist. Nun, aus den verschiedenerlei Aspirationen, die aus unserer Mitte herausgekom men sind, ergab sich dann das Folgende: Die drei Herren, welche es sich zur besonderen Aufgabe gesetzt haben, in Stuttgart zu arbeiten in einem Sinne, der den Lebensnotwendigkeiten der gegenwärtigen Zeit angemessen ist, diese drei Herren, die Sie ja gut kennen - Herr Molt, Herr Dr. Boos, Herr Kühn -, erschienen bei mir im Beginne des Februar, und es entstand die Absicht, dasjenige, was wir aus unserer Weltauffassung und Lebensanschauung gewinnen können, so gut es zunächst geht und wie es zunächst zweckmäßig erscheint, gewissermaßen praktisch zu machen. Nun, meine lieben Freunde, wenn es sich nicht um Betrachtungen, sondern wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, dann kann ja immer nur die Rede davon sein, was in einem ganz bestimmten Zeitpunkte das Angemessene, das Entsprechende ist; was geeignet ist, in einer gewissen Beziehung einen Anfang zu machen. Wer nicht einen Anfang, einen angemessenen Anfang machen will, sondern gleich, wie man sagt, mit der Tür ins Haus fallen will, wird in der Regel nichts Besonderes erreichen. Nach den Antezedenzien, die da vorlagen, handelte es sich uns darum, zunächst irgendetwas zu tun, was uns im gegenwärtigen Zeitpunkt richtig scheinen kann gerade mit Bezug auf das schwergepriifte deutsche Volk. I...] Als nun die drei genannten Herren, Herr Molt, Herr Dr. Boos und Herr Kühn, mit mir verhandeln wollten über die Sache, so konnte es sich zunächst einmal darum handeln - da es sich ja um einen geistigen Anhub handeln musste, um einen Appell an das Verständnis der Menschen -, die Frage aufzuwerfen: Wo hat man gesehen, dass zunächst auf die Gedanken der Menschen etwas wirkte? Da erinnern Sie sich einmal an jenen Aufruf an die Kulturwelt, sogenannte Kulturwelt, welchen einmal - es waren größtenteils, glaube ich, Professoren - 99 deutsche Persönlichkeiten erlassen haben. Man kann vielleicht gar nicht einmal, wenn man nicht aus Emotionen heraus, sondern wieder aus der Wirklichkeit heraus urteilt,, ein anderes Urteil fällen, als dass dieser Aufruf an die Kulturwelt reichlich ungeschickt war. Na, es waren Professoren zum großen Teil. Aber er hat Eindruck gemacht, er hat den Weg zu den Gedanken in einer recht unglückseligen Weise gefunden. Und er spukt heute noch im mer. Er war in einem gewissen Sinne eine Wirklichkeit, gerade eine Wirklichkeit, die zum Unheil des deutschen Volkes mehr beigetragen hat als manches andere, denn er hat Wellen geschlagen. Und so konnte man denken: Wie wäre es, wenn man dieser Summe von Gedanken, die dazumal zur Unzeit erlassen worden ist - losgelassen worden ist auf die Menschheit aus Vorstellungen heraus, die ihre Antiquiertheit an der Stirne trugen -, wie wäre es, wenn man jetzt, wo alles drängt und brenni; um etwas zu tun zur Verständigung, wenn man jetzt einen aus den wirklichen Lebensverhältnissen der gegenwärtigen Menschheit herausgeholten Appell an die Menschheit richten würde; zunächst, wie sich aus der Sache selbst ergibt, gerade an das deutsche Volk, welches ja das Schicksal erlebt hat, seine vermeintliche Aufgabe in einem gewissen Staatsrahmen dadurch verloren zu sehen, dass dieser Staatsrahmen einfach weggefegt ist, wenn man zunächst an dieses deutsche Volk appelliert, es aufmerksam macht darauf, dass ja die Tatsachen zu ihm sprechen, nicht bloß irgendwelche Worte, nicht bloß irgendwelche Urteile, irgendwelche Gedanken, sondern die Tatsachen. Während einem großen Teile der Menschheit gegenüber vielleicht ein solches Wort noch deshalb vergeblich ist, weil die alten Rahmen noch da sind, wird vielleicht doch das deutsche Volk hören - so kann man wohl denken -, weil der alte Rahmen ihm einfach entzogen ist, weil es nicht mehr auf dem Boden des Alten stehen bleiben kann, sondern einen neuen Boden für seine Lebensaufgabe notwendig suchen muss. Die Menschen sind ja einmal so: Solange das Alte nur ein bisschen hält - wenn es nicht gerade Röcke sind -, halten sie am Alten unbedingt fest und verschlafen alles, was sagt, dass es unmöglich ist, an diesem Alten noch festzuhalten. Man glaubt gar nicht, welche Rolle Bequemlichkeit im innersten Leben des Menschen eigentlich spielt. Aus diesem Gedanken heraus, meine lieben Freunde, habe ich nun eine Art Manifest verfasst, von dem ich mir denke, dass es gehört werden könnte von den Seelen, die heute für eine Verständigung auf einem gesunden Boden der Wirklichkeit in Bezug auf unsere eigentümliche Kulturfrage zu gewinnen sind; dass es verstanden werden kann zunächst von den verständigen Menschen des deutschen Volkes,  an das es unmittelbar gerichtet ist. Ich meine aber, dass es auch von den Feinden des deutschen Volkes gelesen werden sollte als etwas, was angemessen gefunden wird in der Gegenwart, von diesem deutschen Volke bedacht und in die Wirklichkeit umgesetzt zu werden. Ich dachte: Neunundneunzig haben dazumal unterschrieben; wenn man wiederum neunundneunzig findet aus den Reihen der Deutschen Deutschlands, des ehemaligen Deutschlands, des ehemaligen Österreichs und vielleicht diese neunundneunzig vermehren kann um eine kleine Anzahl von Persönlichkeiten, die für ein Verständnis der gegenwärtigen Lebensnotwendigkeiten in neutralen Ländern, namentlich in der Schweiz, zu gewinnen sind, so wäre etwas Positives getan im Gegensatze zu dem damals von den neunundneunzig unternommenen Negativen. Also ich bitte, mich richtig zu verstehen: Der Appell ist zunächst an das deutsche Volk gerichtet. Es ist aber gewollt, dass das, was innerhalb des deutschen Volkes dergestalt besprochen wird, in der ganzen Kulturwelt gehört werde. Ich werde nun diesen Appell hier zur Verlesung bringen, meine lieben Freunde. Die Gedanken werden Ihnen ja bekannt und vertraut sein, weil wir sie oftmals besprochen haben. Natürlich, in aller Kürze kann auch nur alles ganz kurz sein. Dasjenige, was gewollt wird, ist ja nicht, jemanden zu belehren, sondern etwas zu sagen, was die Menschen aufmerksam darauf machen kann, dass es einen Weg gibt, und was sie aufmerksam darauf machen soll, den rechten Zugang zu diesem Wege zu finden. Gewiss, man kann Anstoß nehmen an der Kürze der Darstellung. Aber es handelt sich ja nicht um ein Schulbuch, sondern es handelt sich darum, etwas zu sagen als Hinweis darauf, dass innerhalb der Menschheit etwas da ist, was helfen kann. I...] Mit diesem Aufrufe sind nun die drei genannten Herren nach Deutschland gereist, und in der Zeit, während ich meine Zürcher, Basler und Berner Vorträge hielt, haben sie sich bemüht, das in Wirklichkeit überzuführen, was wir uns vorgenommen hatten: etwa gegen hundert Unterschriften zu finden. Herr Stein hat die Aufgabe für Österreich übernommen, andere Herren haben sich hier in der Schweiz bemüht.  Nun, es war ja bisher nur kurze Zeit, aber immerhin, wir, die wir ja einen ersten Schritt machen wollten, können voll damit zufrieden sein, was sich bis jetzt ergeben hat, denn einen solchen Aufruf, der unterstützt ist in der gleichen Weise, wie es der unglückselige Aufruf von dazumal war, den haben wir. Bei meinen letzten Vorträgen in Zürich - die ja ganz absichtlich in Zürich gehalten wurden, weil gewissermaßen jetzt die Schweiz der Drehpunkt ist für alle Verhältnisse der zivilisierten Welt -, bestand für mich die Absicht, schon darauf hinweisen zu kÖnnen, dass da oder dort Menschen sich finden, bei denen das Verständnis angreift. Und so war es natürlich darum zu tun, das Ergebnis kennenzulernen vor dem letzten Zürcher Vortrage. Und es ergab sich das sehr Erfreuliche, dass mir schon am 11. gemeldet werden konnte: bis jetzt ungefähr hundert Namen, exklusive Schweiz und Wien, beisammen. Das wurde mir von Deutschland gemeldet, wo sich unsere Freunde nach allen Richtungen hin auf die Strümpfe gemacht haben, um diese Sache in der entsprechenden Weise in Wirklichkeit umzusetzen. Von Wien bekam ich das Telegramm an demselben Tage: Haben derzeit, 11. mittags, dreiundsiebzig Unterschriften, morgen sicher mehr. - Und am folgenden Tage: Gesamtresultat dreiundneunzig Unterschriften. - Das konnte Herr Stein melden. Dann ergaben sich noch eine weitere Anzahl von Unterschriften, die nachträglich gemeldet worden sind. Es sind also die Resultate bisher durchaus in befriedigender Weise zu verzeichnen. Und es wäre zu wünschen, da wir ja jetzt so weit sind, dass eine Anzahl von Menschen, und darauf kommt es ja bei einer solchen Aktion immer an, unter denen immerhin auch solche sind, die bekannt sind, auf die man etwas geben wird, dass eine Anzahl von Menschen einen solchen Aufruf, wo es nur sein kann, veröffentlichen, sodass er gesehen, gelesen wird, damit er vor die Augen derer kommt, die es angeht. Eigentlich geht er alle Menschen in der Gegenwart an. Man kann schon sagen: In den Untergründen der menschlichen Seelen gibt es etwas, was die Menschen dazu aufruft sich an das Verständnis einer solchen Sache zu machen. [...I Hier in der Schweiz sind ja auch schon einzelne Unterschriften geleistet worden. Man hat hier immer das Bedenken, dass ja im  ersten Teile dieses Aufrufes einiges gesagt ist über die notwendige Selbstbesinnung des deutschen Volkes und über den Irrtum, in dem das deutsche Volk befangen war. Da sagt man darin, man habe als Schweizer doch nicht die Möglichkeit, dem deutschen Volke Lehren zu geben über die Grenzen hinüber. Ich glaube, meine lieben Freunde, so sollte man heute nicht mehr sprechen. Solche Dinge mögen als alte Gedankenmumien eine gewisse Bedeutung gehabt haben vor dem Jahre 1914; aber in der Gegenwart haben diese Dinge keine Bedeutung mehr. In der Gegenwart sollte auch die Engherzigkeit, die aus einer solchen nationalen Beurteilungsweise kommt, aufhören. Das sollte nämlich das Unglück der letzten viereinhalb Jahre die Menschen gelehrt haben. Man sollte schon heute anders denken können - verzeihen Sie - auch in der Schweiz, als man vor viereinhalb Jahren gedacht hat; man sollte das. Denn man sollte auch hier einiges gelernt haben, sodass es entspricht dem, was einen da überkommt, wenn man mit einiger Einsicht die letzten viereinhalb Jahre verfolgt hat. Sie erscheinen einem dann wirklich wie Jahrhunderte, die sich über die Menschheit ergossen haben. Und höchst merkwürdig erscheint es einem, wenn aus den alten nationalen und sonstigen Vorurteilen heraus, die nun wirklich mit dem Jahre 1914 ihren Abschluss gefunden haben sollten, wenn aus diesen nationalen Vorurteilen oder aus Gedankenmumien heraus die Leute heute eine neue Weltordnung gestalten wollen, eine neue europäische Karte gestalten wollen. Dieses europäische Kartengebäude, das wird schnellstens umgeworfen durch die anderen Kräfte, die die allein mächtigen sind in der Gegenwart, die die einzigen bestimmenden sind für das, was man Politik genannt hat: die sozialen Faktoren. Denn alles Übrige ist heute Maske. Das aber ist die Wirklichkeit. Und die Europäer werden sich sehr täuschen, wenn sie aus den alten Gedankenmumien heraus urteilen und auch ihre Einwände machen. Natürlich kann man sagen - ich könnte Ihnen nämlich sehr leicht ein Vademecum aller Widerlegungen geben -, natürlich kann jemand sagen: Ja, aber das ist ja gewissermaßen eine Angabe der Impulse für alle Staaten, das könnte ja erst werden, wenn alle Staaten den Anfang damit machen. Nein, meine lieben Freunde, ein einziger sogenann ter Staat kann damit den Anfang machen; es ist dazu geeignet, dass ein einziger den Anfang machen kann. Und wenn einer den Anfang macht, dann hat er etwas getan für die ganze Menschheit. Das ist ja eben gerade das Unglück für das deutsche Volk, dass seine Reichsgründung in die Zeit der neueren Geschichte hineingefallen ist, in der, wenn ein neues Reich gegründet wurde, schon die Notwendigkeit vorhanden war, dieses Reich anzufüllen mit dieser Aufgabe. Und weil es dieses Reich nicht anfüllte mit dieser Aufgabe, hat man nicht verstanden, wozu es überhaupt in der Welt da ist. Wäre es angefüllt gewesen mit dieser Aufgabe, so wären alle Ereignisse anders verlaufen, denn man hätte seine Daseinsbedingungen ad oculos gesehen, oder seine Daseinsberechtigung eingesehen. Heute urteilen ja die Leute aus Gedankenmumien heraus. Sehen Sie, es gibt auch eine Menge von Leuten in Europa, die nicht von ihren alten europäischen Gedankenmumien loskommen und die aber doch die Allerweltspersönlichkeit Wilson heute aus einem gewissen Schreck heraus - ich weiß nicht, wie ich es sagen soll - wie einen Erlöser betrachten. Aber die Leute müssen sich doch sagen: Sehen wir jetzt ganz ab von einer Beurteilung Wilsons, stellen wir aber die Tatsachenfrage: Wodurch ist denn dieser Wilson in seinem Lande der einflussreiche Mensch geworden, der er ist? - Dadurch, dass er gegen alle anderen Parteien diejenige Politik getrieben hat, aus einem gesunden amerikanischen Instinkt heraus, die genau entgegengesetzt ist dem, wohinein jetzt ein großer Teil von Europa segeln will. Ein großer Teil von Europa will hineinsegeln in eine Gemeinschaft, in eine gesellschaftliche Gemeinschaftspolitik, in der die freiheitlichen, individuellen Kräfte des einzelnen Menschen untergehen. Wilson verdankt seine Wahl, seinen Einfluss, einzig und allein dem Umstände, dass er als amerikanischer Demokrat zur Entfesselung derjenigen Kräfte beigetragen hat, die als individuelle Kräfte im Wirtschaftsleben drinnensteckten. Nehmen wir einmal hypothetisch an: Europa erreicht die Ideale des Bolschewismus, erreicht die Ideale der Berner Sozialdemokratie, das heißt der Sozialdemokratie des sozialistischen Kongresses. Nehmen wir an, das werde verwirklicht; die Leute erreichten das, wovon sie träumen. Dann würde Europa ein Gebilde,  aus dem - trotz aller nationalen Vorurteile - nach dem freien Amerika hinüber, in dem Wilson gerade durch das Entgegengesetzte groß geworden ist, alle freien Kräfte notwendigerweise abfluten würden. Eine furchtbare Konkurrenz zwischen Europa und Amerika müsste sich entspinnen, bei der unmöglich anderes geschehen kann, als dass Europa in Pauperismus verfällt und Amerika reich würde, nicht aus einem Unrecht heraus, sondern aus einer Torheit der europäischen Sozialpolitik heraus. Denn die Dinge würden sich so gestalten, wenn nicht die sozialen Kräfte, die zu entwickeln geradezu die Aufgabe der europäischen Menschheit ist, wenn nicht diese sozialen Kräfte so gedacht und verwirklicht würden, dass sie dem gesunden sozialen Organismus entsprechen. Wir haben es in diesem Aufrufe nicht etwa bloß mit etwas zu tun, was ausgedacht ist, sondern mit etwas, das auf Kräfte verweist, die überall in der Wirklichkeit vorhanden sind, die verwirklicht werden müssen, ohne deren Verwirklichung wahrhaftig nicht nur das Schicksal Deutschlands und Österreichs, sondern das Schicksal von ganz Europa das sein muss, der Verarmung, der Verelendung und der Ungeistigkeit zu verfallen. [...I Unser Freund Dr. Boos hat dann, nachdem mein letzter Vortrag in Zürich geschlossen war und ich hingewiesen hatte auf das Ergebnis und auf diesen Aufruf, seinerseits seinen Appell erlassen, dass sich gleich aus der Versammlung heraus eine Anzahl von Menschen melden sollten und ihre Adressen abgeben sollten, die gewillt waren, praktisch an der Sache mitzuarbeiten. Und auch da war das Ergebnis ein für diesen Abend ja außerordentlich befriedigendes. I...]  ÜBER DEN AUFRUF «AN DAS DEUTSCHE VOLK UND AN DIE KULTURWELT!» Worte vor einem Mitgliedemortrag Dornach, 16. Februar 1919 Vor Beginn des Vortrages vom 16. Februar 1919, Dornach Roman Boos: Verehrte Mitglieder, ich habe nur kurz eine Mitteilung zu machen hinsichtlich dieses «Aufrufes·, der gestem von Herrn Doktor verlesen worden ist, die Mitteilung nämlich, dass er erst morgen oder übermorgen herausgehen wird; dass es möglich sein wird, den gedruckten Aufruf bei Herrn L. einzusehen. Herr L. wird eine Anzahl von diesem gedruckten Aufruf erhalten und sie Ihnen zur Verfügung haken. Es soll ausdrücklich betont sein, dass es sich nicht darum handeln kann, ihn irgendwic aus dem Kreis hinauszugeben, um Unterschriften zu sammeln. Es wird gut sein, wenn die Mitglieder die Namen von Personen, die ihnen bekannt sind, dass sie ihre Unterschrift dazu geben wollten, aufschreiben würden und Herrn L. übergeben, der dann die Sache weiterleiten würde. Man würde also nicht in irgendeiner unorganisierten Form auf Unterschriften ausgehen. RudolfSteiner: Es ist vielleicht noch nötig, zu sagen, dass es sich notwendigerweise darum handeln muss, die ganze Angelegenheit noch als ganz vertraulich zu behandeln. Man soll also außenstehenden Personen diesen Aufruf nicht zeigen. Es wird ja auch im Wesentlichen sich nicht darum handeln, dass wir alle diesen Aufruf verteilen und jeder ihn mitnimmt, sondern man wird Gelegenheit haben, ihn zu lesen bei Herrn L. In wenigen Tagen, in kurzer Zeit wird es so weit sein, dass man den Aufruf in der Zeitung lesen kann, Außenstehende sollen nicht damit bekannt gemacht werden, sonst wird es sich schon so ergeben, dass schon gewisse Kreise davon Kenntnis haben und unter Umständen Vorurteile sich aufgebaut haben. Und dann, wenn eben die Publikation erfolgt, soll es wirklich auf dem Arbeitsfeld geschehen, und die Leute sollen sich dann mit dem, was vorliegt, und den Unterschriften bekannt machen. - Das Wesentliche ist, dass nicht der Aufruf als solcher hinausgeworfen werden soll, um  Leute zu überzeugen oder irgendwie zu bekehren, sondern dass der Aufruf begleitet ist von einer gewissen Anzahl von Unterschriften, sodass jedermann gleich sieht: Es ist hier eine reale Strömung, die von einer Anzahl von Menschen vertreten wird. Und deshalb ist es nicht angängig, dass der Aufruf, der die Unterschriften noch nicht trägt irgendwie herausgegeben wird.  ABSCHIEDSWORTE AN DIE MITGLIEDER Ansprache Rudolf Steinen uor seiner Abreise nach Stuttgart Dornach, 19. April 1919 [Karsamstag] Meine lieben Freunde! Da die Abreise sich noch etwas verzögert hat, bin ich in der Lage, nun endgültig von Ihnen Abschied zu nehmen. Es ist Ihnen ja bekannt, dass zurückbleibt jetzt die Sorge hier für die Schweiz für die eben auch im Druck beendete, und ich hoffe, recht bald erscheinende Schrift über die soziale Frage. Ich darf Ihnen wohl noch einmal, nach dem, was ich letzten Montag hier gesprochen habe, diese Schrift besonders ans Herz legen. Ich habe ja es ausgesprochen, dass ich besonders erhoffe, dass hier in der Schweiz einiges in dem Sinne getan werden kann, in besonders fruchtbarer Art, was mit dieser Schrift intendiert isL und zwar aus dem Grunde, weil in Ost- und Mitteleuropa dasjenige, was zunächst zu geschehen hat, was dringende Notwendigkeit ist, gewissermaßen schon durch den Zwang unmittelbar für die allernächste Zeit herausgefordert ist. Hier in der Schweiz dauern noch eine Weile Verhältnisse, die hergebracht sind. Hier ist man daher noch in der Lage, manches, wozu die ändern gezwungen sind, aus freiem Willen zu tun. Nun ist es einmal so in unserer gegenwärtigen Menschheitsentwicklung, dass dasjenige nur besonders fruchtbar, wirklich fruchtbar sein kann, was aus dem freien Willen, aus der freien Initiative der Menschen heraus geschieht. Könnte man sich an solchem Orte, wo es noch möglich ist, ohne dass der Zwang furchtbar sprechender Tatsachen dazu auffordert, könnte man sich an solchem Orte aufraffen, um aus freiem Willen dasjenige zu tun, was schließlich nur erkannt werden kann in geisteswissenschaftlicher Weise, so würde etwas ungeheuer Bedeutsames dadurch eben, durch diese Initiative des freien Willens, geschehen kÖnnen. Aus diesem Grund darf jetzt noch auf schweizerischem Boden ausgesprochen werden, dass hier ganz besondere Hoffnungen möglich sind. Nun, meine lieben Freunde, Sie wissen ja, dass dasjenige, was  nun seit nahezu zwei Jahrzehnten als anthroposophische Geisteswissenschaft angestrebt wird, viel, viel Anfechtungen erfahren hat. Es ist jedenfalls anzunehmen, dass zunächst dasjenige, was in dieser sozialen Schrift ausgesprochen ist, weil es gewissermaßen noch an breitere, viel breitere Öffentlichkeit appelliert, von vielen, die nicht umdenken können - und umdenken ist heute eben notwendig -, recht starke Anfechtungen erfahren wird. Man wird alles MÖgliche finden einzuwenden: Unpraxis, phantastisches Im-Wolkenkuckucksheim-Schweben, Widersprüche; bei den Letzteren werden die Leute besonders einhaken, weil die Schrift aus dem Leben ist und aus der wirklichen Praxis ist, und das Leben und die Praxis selber Widersprüche haben, man also es leicht hat, bei ihr Widersprüche nachzuweisen. Da werden die Philister, die Spießer, all diejenigen, die gerne nach Widersprüchen krebsen, eine reiche Ausbeute haben können; da werden sich anhängen können all diejenigen Dinge, die, wie Sie ja oftmals gehört haben und auch sonst wissen, aus dem Tratsch stammen, die eigentlich so sind, dass man sich gar nicht gern mit ihnen beschäftigen möchte, und nur immer wieder mit ihnen beschäftigen muss, weil es doch da und dort immer wieder ein Mitglied unserer Gesellschaft gibt, das nicht den richtigen Standpunkt über die Dinge einnehmen kann. Wundern muss ich mich doch immer wiederum, dass - während meine in sich zusammenhängende schriftstellerische Weltanschauungsarbeit seit dem Beginn der Achtzigerjahre vorliegt und in ihren wesentlichsten Zügen von jedem seinem Wert und seinem Inhalte nach geprüft werden kann -, dass doch immer wieder und wiederum sich auch unter den Mitgliedern solche Menschen finden, die nicht den richtigen Standpunkt der selbstverständlichen Zurückweisung all der Blödigkeiten finden, die sich auftun, wenn da oder dort zum Beispiel gesagt wird, wie jetzt von einer besonders törichten Seite her, gesagt wird, dasjenige, was ich zu lehren gehabt, stamme aus dieser oder jener Quelle, aus diesem oder jenem mysteriösen Orte oder von diesem oder jenem Menschen; dass nicht alle unsere Mitglieder so gescheit sind, einzuwenden: Ja, die Arbeiten liegen doch seit den Achtzigerjahren vor. Und was tratscht ihr denn für tÖrichtes, dummes Zeug. - Es ist doch nicht nÖtig, nach  dem Tratsch dasjenige zu beurteilen, was öffentlich seit Jahrzehnten vorliegt; dass nicht alle unserer Mitglieder schon so gescheit geworden sind, das ist dasjenige, was mit einer gewissen Bitterkeit erfüllen könnte. Denn dasjenige, was hier zu beurteilen ist, das ist ja jedem ganz offenbar, das ist jedem vorliegend. Und wenn Menschen dennoch zu mir kommen und immer wiederum fragen: Ja, ist das wahr? Ist das wahr? und so weiter, ist dort nun wieder ein Kanal, da wird das und jenes gesagt. Es sind ja alle Materialien da, um die Dinge zu widerlegen. Sie sind da, seit langer Zeit gedruckt. Das sind Dinge, die sich natürlich auch anheften, meine lieben Freunde, an dasjenige, was jetzt wirklich aus den Offenbarungen der Menschheit heraus gerade durch diese soziale Intention, die in diesem Buche zum Vorschein kommt, anhängen werden. Und deshalb darf ich noch diese paar Worte heute hier anfügen, dass doch unter unseren Mitgliedern sich wenigstens eine gewisse Zahl finden sollte, welche das, was da in die Welt gesetzt wird, in der richtigen Weise versteht und wirklich seinem Inhalte nach nimmt, nicht nach allerlei mysteriösen Vorstellungen und Andeutungen und so weiter. Es ist ja nicht notwendig, meine lieben Freunde, dass wir durchaus aus geheimnisvollen Andeutungen heraus immer unsere Dinge färben, sondern unsere eigentliche Aufgabe ist: wirklich mit dem, was aus den gerade tiefsten Forderungen der Gegenwart resultiert, vor die Welt unerschrocken und unbekümmert hinzutreten und auch einzutreten in einer solchen Weise, wie heute eigentlich nur der Anthroposoph für diese Dinge eintreten kann. Denn Anthroposophie soll nicht nur dem Menschen geben dasjenige, was er dem Inhalte nach so oder so denken kann. So sonderbar es klingt, meine lieben Freunde: Dasjenige, was heute eine Hauptforderung der Gegenwart ist, das ist, dass die Menschen gescheiter werden. Und Anthroposophie sollte auf allen Gebieten des Lebens die Menschen dazu eben bringen, sie gescheiter zu machen, sie beweglicher zu machen in ihrem Denken, ihnen dasjenige zu geben, was die Menschen heute so gar nicht haben: die MÖglichkeit, von etwas überzeugt zu werden. Ja, meine lieben Freunde, bedenken Sie auf diesem Gebiete dasjenige, was vielleicht zum Allernotwendigsten in der Gegenwart  gehört. Gegenüber jenem Aufruf, der vor einiger Zeit erschienen ist, der ja von Tausenden von Menschen gelesen hat werden können, der viel besprochen worden ist, auch gegenüber diesem Aufruf haben manche gerade charakteristische Persönlichkeiten gesagt, sie können dasjenige, was darinnen ist, nicht verstehen. Ja, meine lieben Freunde, das ist eben gerade das ungeheuer Traurige, dass Leute, die Jahre hindurch in den letzten schweren, katastrophalen Jahren der Menschheit alles geglaubt haben, alles haben verstehen kÖnnen, was ihnen zu glauben befohlen worden ist, dass Menschen, die ganz bereit sind, dasjenige anzunehmen, worüber sie nichts anderes haben als einen Befehl von oben, dass die dasjenige, was an ihre Freiheit appelliert, an ihr freies Verständnis, einfach wenn es nicht in den denkgewohnten Geleisen läuft, so begrüßen, dass sie sagen: Ja, da braucht man nähere Erläuterungen, das kann man nicht verstehen. - Das ist schon dasjenige, was zum Traurigsten in der Gegenwart gehört, dieses Sich-Stemmen gegen Eine-Überzeugung-Bekommen, dieses aus dem furchtbarsten Unverständnis gegenüber den Menschheitsforderungen hervorgehende brutale Entgegnen: Das kann man nicht verstehen, das ist abstrakt, oder dergleichen. Gerade diejenigen Menschen, die unter der furchtbaren Zwangsjacke der Zensur, oder der Zensuren der verschiedenen Länder, alles hingenommen haben, die jedes Wort, was von oben gekommen ist, nachgeplappert haben, und wenn es noch so blödsinnig wag die können dasjenige nicht verstehen, was an ihr freies Gemüt, an ihre freie Seele appelliert. Aber heute stehen wir einmal auf einem Zeitpunkte, wo nur dasjenige entscheidend sein wird, was die Menschen an ihr freies Verständnis herankommen lassen, nur dasjenige Bedeutung haben wird, was die Menschen sich nicht gebieten lassen zu verstehen, sondern was die Menschen aus ihrem Innersten heraus verstehen wollen. Deshalb ist es auch sehr richtig, was mir vor Kurzem ein Mann der hiesigen Gemeinde gesagt hat über den sozialen Vortrag, den ich hier gehalten habe: Ja, es sagen ja einige, dass sie ihn nicht verstanden haben: Das sind eben diejenigen Leute, die nicht verstehen wollten die Leute wollten eben nicht verstehen. - Das müssen wir immer im Auge behalten, das muss unsere strenge, gerade Richtung sein, was  mit diesen Worten gesagt ist. Darum handelt es sich. Dasjenige, was gebraucht ist in der Zukunft, ist nicht Änderung der Einrichtungen aus den alt-gewohnten Gedanken heraus, dasjenige, was gebraucht wird für die Zukunft, sind neue Gedanken, neue Impulse und insbesondere das Bewusstsein, dass dasjenige, was man in alter Weise gedacht hat, nicht weiter brauchbar ist. Und vor einer gewaltigen Entscheidung steht die Gegenwart. Gerade Sie sollten nicht immer wiederum kommen mit dem: Da ist schon das, da ist das gesagt worden, da ist jenes gesagt worden. Gewiss, mancherlei ist gesagt worden. Aber darum handelt es sich nicht. Um das Zusammenfassen von einem großen Gesichtspunkte aus, von demjenigen Gesichtspunkte aus gerade, der aus den Forderungen der unmittelbaren Gegenwart heraus folgt, darum handelt es sich. KÖnnen wir uns als Anthroposophen auf diesen Boden stellen, dann werden wir in den Wirren der Zeit da oder dort unsere Persönlichkeit hinstellen können, sodass Sie wirklich Bedeutungsvolles, wenn es auch noch so in kleinem Kreise ist, in die Gegenwart hineinwerfen können. So möchte ich namentlich, dass Anthroposophie nicht unfruchtbar bleibe gerade in dieser sozialen Arbeit, dass Sie nicht etwa nur die Dinge wie zwei nebeneinandergehende Sachen betrachten, sondern sie durchaus so betrachten, dass das eine das andere trägt, und Sie sich bewusst sind, dass die Menschen, die niemals in der letzten Zeit hören wollten auf irgendeine geistige Vertiefung der Weltanschauung hin, dass die natürlich zunächst möglichst ungeeignet sind, diejenigen sozialen Impulse zu verstehen, die gerade hier gegeben sind. Aber umso mehr muss man an die Verpflichtung denken, wenn man die anthroposophische Grundlage hat, etwas zu tun, um die Dinge den Menschen verständlich zu machen. Heute handelt es sich gar nicht darum, meine lieben Freunde, bei jeder Gelegenheit um Einzelheiten zu fragen. Wer bei jeder Gelegenheit um Einzelheiten frägt, der will nur in den alten Geleisen fortfahren. Heute handelt es sich wahrhaftig nicht darum, im Allerspeziellsten die Dinge ausgeführt zu haben. Um die großen, bedeutsam über die Welt hin gehenden Züge einer Neugestaltung der Dinge handelt es sich. Und von Vielem, das heute  den Menschen noch so erscheint, als ob sie es nicht entbehren könnten, von Vielem wird überhaupt in einiger Zeit gar nicht mehr die Rede sein können, so wird es hinweggefegt sein. Dieses Sich-hineingestellt-Fühlen in die Zeit, das wird die Grundnuance abgeben müssen für dasjenige, was gerade die auf anthroposophischem Boden gewachsenen Ideen und Ideale und Impulse zu durchdringen hat. Von diesem Gesichtspunkte aus möchte ich Ihnen ans Herz legen, diese Sache wahrhaftig nicht leicht zu nehmen, nicht spielerisch zu nehmen. Es handelt sich wirklich nicht [darum], wie ich schon das letzte Mal sagte, diese Dinge ins Sektiererische zu verzerren, sondern es handelt sich darum, diese Dinge ins Große zu denken, vor allen Dingen daran zu denken, dass es darauf ankommt, möglichst viele Menschenköpfe zu finden, die die Sache verstehen. Nicht so sehr auf die Einrichtung kommt es heute an: Auf verstehende Menschen kommt es heute an. Denn alles dasjenige, was die Menschen denken, die das nicht verstehen wollen, was heute die Zeit fordert, das muss erst fort und kommt fort. Sie können ganz versichert sein: Das kommt fort. Das muss erst fort. Allein dasjenige hat Geltung, was diejenigen anstreben, die wirklich mit neuen Menschengemiitern arbeiten wollen. Die größten Widerstände werden sich gerade bei den sogenannten Intellektuellen, bei den sogenannten Gebildeten ergeben. Die können am wenigsten aus ihrem Denkgeleise heraus. Das erfährt man ja gerade heute wiederum. Es ist - um ein Beispiel anzuführen, ein Beispiel, das gerade dasjenige erläutern kann, wovon ich hier spreche - es ist in der letzten Zeit ein Büchelchen in Deutschland erschienen über die Geisteskrankheit eines bestimmten Menschen. Flugs finden sich natürlich die «akademisch gebildetem Ärzte, die einem solchen Büchelchen Dilettantismus, Widersprüche, ungenügende Grundlagen vorwerfen - nicht fachmännisch gut durchgearbeitet -, man könne die Geisteskrankheit nur beurteilen, wenn man einen Menschen längere Zeit beobachtet hat, wenn man in seiner Umgebung war. Nun handelt es sich in diesem Falle um einen Menschen, dessen Handlungen vor aller Welt lagen, [worüber] tagtäglich die Zeitungen redeten und so weiter. Dass der Fall ganz anders beurteilt werden  muss, daran denken die Toren nicht, die ihre akademischen Jahre, ihre Kliniken und ihr Spezialistentum hinter sich haben. Man muss den Mut haben, in solche Dinge vorurteilslos heute hineinzuschauen. Das, meine lieben Freunde, das ist Anthroposophie, nicht das bloße Nachplappern oder innerliche Nachplappern des einzelnen Inhaltes: Wenn Sie hinauskommen über dasjenige, was heute als Ballast der Menschheit, in dem sogenannten Fachmännischen - man könnte besser sagen, in der Fachsimpelei - die schlimmsten Impulse abgibt. Wenn Sie durchdringen zu einer unbefangenen Beurteilung dieser Dinge, dann haben Sie etwas Ungeheures für Ihre Seele geleistet. Denn darum handelt es sich, das brauchen wir. Wir brauchen vor allen Dingen ein mutiges Durchdringen durch die wüsten Vorurteile, welche gerade von der Wissenschaft, Intelligenz, Gelehrsamkeit ausgehen und von ihren Betrieben. Denn das ist dasjenige, was uns am meisten zurückhält. Glauben Sie denn, dass alle die Dinge wahr sein können von einem sozialen Aufbau, von dem man da oder dort geträumt hat - jetzt träumt man allerdings nicht mehr, weil man nicht Aufbau, sondern Abbau überall erlebt hat, wo man davon sprach. Aber was wurde getan? Irgendwie [wurden] ein paar Leute oben ersetzt durch andere -, und der ganze Apparat, der ganze weite Apparat ist geblieben. Ja, meine lieben Freunde, worauf baut sich denn innerlich aus der Menschennatur dieser ganze Apparat auf? Der Mensch wird in der Jugendzeit in den letzten vier Jahrhunderten erzogen - worauf denn? Er wird in der Jugend heranerzogen von dem «Allerhalter, Allumfasser, fasst und erhält er nicht dich, mich, sich selbsth - von dem Staate oder von dem, was mit dem Staate in irgendeiner Verbindung steht: eine Anstellung zu erhalten, aus dieser Anstellung zu leben, möglichst passiv an sich herankommen zu lassen dasjenige, was zum Leben notwendig ist, und dann von dieser öffentlichen Einrichtung, will ich sagen, von dieser respublica, dann noch für diejenige Zeit, wo man ausgearbeitet hat, bis zu seinem Tod die Pension zu beziehen. Pensionsberechtigte Stellen, oder versicherte Stellen sind ja insbesondere dasjenige, was die Leute lieben. Und kommt dann der Tod, dann versichert die Kirche die ewige Seligkeit, zu der man kommt, ohne dass man aus der Innerlichkeit  heraus wirklich eine Verbindung mit dem Göttlichen, das durch die Welt wallt und webt, geschlossen hat. Dieses Leben, wie es sich seit den letzten Jahrhunderten immer mehr der Menschheit bemächtigt hat: möglichst passiv sich erziehen zu lassen für eine Arbeit, die man auf Befehl der oder jener öffentlichen Einrichtung tut, dann Pension beziehen durch dasjenige, was man öffentliche Einrichtung genannt hat, und schließlich nach dem Tode die ewige Seligkeit, ohne dass man es versteht, irgendwie, mit der Seele sich mit dem Ewigen zu verbinden, das hat diejenigen Menschen erzogen, die heute so passiv den furchtbar sprechenden Tatsachen gegenüberstehen. Darüber müssen wir hinauskommen, müssen hinauskommen über jene Passivität mit Pensions- und Ewigkeits-Anspruch. Wir müssen finden dasjenige, was göttliche Substanz ist in dem eigenen Inneren, finden die Impulse, die uns in das ewige Leben hineinstellen. So müssen wir uns hineinstellen, nicht irgendeine äußere Einrichtung, der wir uns sklavisch hingeben. Der Mensch muss tätig werden, in sich die Impulse finden, die Weltimpulse sind. Das ist dasjenige, was schließlich das Allernotwendigste ist, und was zugrunde liegt dem, dem man vielleicht vorwirft: Ja, wie kommen denn da die Leute dazu, ihr Leben bequem einzurichten? und so weiter. Das wird zunächst ohnedies nicht mehr möglich sein. Und ohne dass Sie nicht erst den Gott in Ihrem Herzen suchen, wird Anthroposophie allerdings auch nicht eine Seligkeit patentieren. Es bleibt wahr das Hegelsche Wort: Der Mensch ist nicht nur ewig nach seinem Tode, der Mensch muss ewig sein - hier in diesem physischen Leib. - Das heißt, er muss dasjenige, was in ihm ewig ist, wirklich gefunden haben. Diese Dinge liegen schon alle in der Anthroposophie; diese Dinge liegen auch zugrunde den gesunden sozialen Ideen, die jetzt wiederum in der Schrift zum Ausdruck kommen und die ich Ihnen ans Herz lege. Und mit diesem Ans-Herz-Legen möchte ich Ihnen nun, nachdem abgereist sein muss, empfehlen: Bleiben wir in Gedanken gut zusammen. Das sollen wir ja gelernt haben. Deshalb, bis zu dem so oder so gearteten Wiedersehen bleiben wir in Gedanken gut zusammen, meine lieben Freunde.  ANSPRACHE UND WORTMELDUNGEN BEI DER ERSTEN KOMITEE-SITZUNG MIT DEN AUSWÄRTIGEN VERTRETERN DES ·AUFRUFS· Protokollaniscbe Aufzeichnung Stuttgart, Dienstag, den 22. April 1919, uormittags 11 Uhr Hans Kühn eröffnet die Sitzung und bittet Rudolf Steiner, den Vorsitz zu übernehmen. Rudolf Steiner übernimmt den Vorsitz unter einmütiger Zustimmung der Versammlung. RudolfSteiner: Bei dem Aufruf handelt es sich um etwas ganz anderes, als gewöhnlich durch Aufrufe bezweckt wird. Er richtet sich nicht an Einrichtungen, sondern an Menschen. Wenn jetzt eine Neuordnung möglich sein soll, dann müssen sich möglichst viele Menschen finden, die von gesunden Ideen ausgehen. Die allgemeinen Voraussetzungen sind in dem Flugblatt Norschläge zur Sozialisierung» gegeben. An jedem Punkt, wo man auch steht, kann man mit praktischer Arbeit beginnen. Aus dem Bestand des Staatsgefüges müssen zwei Gebiete ausgesondert werden. Das ist der praktische Gesichtspunkt. Der Staat existiert; er wird durch seine verschiedenen Vertretungen die Aufgabe haben, das gesamte geistige Leben auszusondern, und ebenso soll das wirtschaftliche Leben und seine Kompetenz für das, was übrig bleibt, auf demokratischer Grundlage stehen. Es ist unmÖglich, etwas zu erreichen, wenn man dem Staat alle Kompetenzen übertragen wird. Das Wirtschaftsleben muss beruhen auf Assoziationen: erstens nach Berufsständen, zweitens - was wesentlich und wichtig ist - aus Vertretern der Konsumtion mit Vertretern der Produktion zusammen. Praktisches Beispiel: Innerhalb unserer Kreise wollten wir vor dem Kriege so etwas durchführen. Zunächst fand sich in Herrn von Rainer, der eine Mühle und die zugehörige Bäckerei hatte, ein Mitarbeiter. Ein solcher Betrieb ist nur möglich, wenn man nicht vom blinden Produzieren ausgeht, denn das führt zu Krisen, sondern wenn man von der Konsumtion ausgeht. Aus der Anthroposo phischen Gesellschaft sollte ein Kreis von Konsumenten geschaffen werden. Dass es nicht gegangen ist, kam davon her, dass Herr von Rainer die Denkgewohnheiten der alten Zeit hatte und der Sache nicht gewachsen war; es mischten sich allerhand Schrullen hinein. Ebenso haben wir auch in Bezug auf die geistige Produktion in der Gesellschaft gedacht. Durch blindes Produzieren wird Arbeitskraft für nichts eingespannt. 98 Prozent der Schriftsteller sind unberufene Schreiber. Von einer Auflage von 1000 Büchern werden 50 abgesetzt, der Rest wird eingestampft. Die Drucker und so weiter haben unproduktive Arbeit geleistet. Jetzt kommt es darauf an, nicht unproduktive Arbeit zu leisten. Ich habe damit begonnen, zuerst die Konsumenten zu schaffen. Auch mit der Broschüre werden wir bereits ein Absatzgebiet haben. Nach meinen Vorträgen verlangen die Leute jetzt die Broschüre. Wenn hierbei von Reklame gesprochen wird, handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Reklame. Man rechnet zuerst mit den Bedürfnissen. Auch für das Geistige muss man rein wirtschaftlich denken können. Die Bedürfnisse dürfen nicht dogmatisiert werden: Dieses oder jenes Geistige ist unberechtigt! - Das muss der geistigen Organisation überlassen werden. Im Buchhandel gibt es überhaupt nur Krisen. Die Reklame muss erst dann einsetzen, wenn der Konsum gesichert ist, und man macht dann die Leute nur darauf aufmerksam. Aus dem Wirtschaftlichen müssen ausgesondert werden alle Rechtsverhältnisse: Besitzverhältnisse und Arbeitsverhältnisse. Man kann heute - so steht es in allen Lehrbüchern - Ware gegen Ware kaufen, Ware gegen Arbeitskraft, Waren gegen Rechte. Das sind die volkswirtschaftlichen Begriffe. Die beiden Letzten müssen vollständig verschwinden. Rechte dürfen nicht gekauft werden. Arbeitskraft darf nicht verkauft werden. Der Arbeiter darf nicht mehr in einem Lohnverhältnis stehen, der Arbeiter muss unter allen Umständen in einem freien Verhältnis innerhalb seiner Arbeitsgemeinschaft stehen. Das Arbeitsrecht muss außerhalb der Wirtschaftsorganisation geschaffen werden. Die Wirtschaft hat die Tendenz, zu verbrauchen; was nicht verbraucht werden kann, ist in der Wirtschaftsorganisation ungesund. In der alten Ordnung wurde die Arbeitskraft verbraucht,  während sie ein Rechtsverhältnis ist. Aus der demokratischen Organisation heraus muss das Arbeitsrecht geschaffen werden. In der Arbeitsruhe muss die Möglichkeit vorhanden sein, dass jeder an dem sozialen Leben teilhat. Die Arbeitszeit wäre sehr gering, wenn alle körperlich arbeiten würden. Arbeitsteilung ist nötig. In der Zukunft muss es Grundsatz sein, dass die Preisbildung innerhalb des Wirtschaftslebens eine Folge des Arbeitsrechts ist, geradeso, wie sie eine Folge der Naturprozesse ist. Die Einkünfte der Arbeiter dürfen nur aus dem Arbeitsrecht folgen. Dann wird der Wohlstand abhängigvom Arbeitsrechtsein.Das aberwäreeine gesunde Abhängigkeit. Wenn zum Beispiel durch einen sechsstündigen Arbeitstag der Wohlstand zurückgehen würde, dann müsste man sich in der Rechtsorganisation darüber einigen, ob man länger arbeiten will. Man soll nicht aus wirtschaftlichen Bedürfnissen die Arbeitszeit verlängern können oder Frauen und Kinder einstellen können. Die Arbeitszeit, die Art und das Maß der Arbeit müssen außerhalb der Wirtschaft geregelt werden. Bevor der Wirtschaftsprozess beginnt, muss das Arbeitsrecht geregelt sein, wie die Rohstoffe von der Natur gegeben sind. Auch das Besitzrecht muss aus der Wirtschaft heraus. Es werden Dinge verkauft, die gar nicht vorhanden sind. Das Besitzverhältnis bedeutet, dass man die freie Verfügung über irgendeine Sache hat. Das ist allmählich erst in Privatbesitz übergegangen. Besitz wird in Zukunft überhaupt kein Kaufobjekt sein. Wir müssen uns die römischen Rechtsbegriffe abgewöhnen. Eigentum, Besitz sind Begriffe, die verschwinden müssen. Ein letzter Rest der alten Denkweise besteht darin, wenn man sagt, Privates muss in Gemeinschaft übergehen. Das ist auch veraltet. Heute ist ein annehmbares Besitzrecht nur für das geistige Eigentum durchgeführt. In Zukunft muss auch alles materielle Eigentum einem ähnlichen Prozess unterworfen werden: Es muss zirkulieren. Das Kapital muss herausgenommen werden. Kapital wird man brauchen, aber der alte Begriff davon muss aufhören. Der Bau in Dornach ist kein kapitalistisches Unternehmen. Einen Nutzen vom Dornacher Bau wird niemand haben können.  Was man dazu braucht, ist aus der kapitalistischen Ordnung herausgezogen worden. Der Dornacher Bau müsste als der geistigen Organisation dienend anerkannt werden. Mit 30 Centimes jedes Schweizers könnten wir den Bau glänzend vollenden. Von heute auf morgen könnte die Sache sozialisiert sein. Der Begriff der Sozialisierung muss auch haltbar sein. Neulich sagte jemand in der Schweiz: Lenin muss Weltherrscher werden. Zuerst muss die Herrschaft selbst sozialisiert werden. Was im Aufrufe stehi; muss verwirklicht werden, weil es einzig praktisch ist. Hummel: Er kommt von Köln und ist der einzig Anwesende aus dem besetzten Gebiet. Unter den Unterzeichnern des Aufrufs ist kein Rheinländer. Die englische Zensur hat abgelehnL dass dieser Aufruf in der ·Miihlheimer Zeitung» veröffentlicht würde. Die ·Kölnische Zeitung» hat die Aufnahme wegen ·Papierknappheit· abgelehnt. Rudolf Steiner: Es wird nicht nur gewünscht, dass im besetzten Gebiet für den Aufruf gearbeitet wird, sondern man müsste darauf sehen, dass er überall wirkt, wo es nur möglich ist. Unterschriften konnten in dem besetzten Gebiet nicht gesammelt werden. Die englische Zensur wird die Verbreitung begreiflicherweise verbieten. Widerstände gab es auch in der welschen Schweiz. Das beruht in der Abneigung gegen alles, was von deutscher Seite kommt. Der Hass gegen die Deutschen ist nicht abgeflutet. Das kommt von der Zimmermann'schen Politik. Da wurde mit dem amerikanischen Vertreter ein Verbrüderungsfest gefeiert, während der berüchtigte Brief Zimmermanns schon schwamm. Wenn heute etwas Reales wie dieser Aufruf kommt, so glauben die Leute nicht daran. Vertrauen können wir nur erwerben, wenn wir nicht daran denken, mit denen Gemeinschaft zu machen, die im alten Deutschland Politik getrieben haben. Da gibt es keinen Kompromiss mit dem alten Regime. Dieser Grundsatz soll nicht nach außen gerufen werden, aber er muss in unseren Handlungen sein. Herr Collison, der unser Vertreter in England ist, weilt zurzeit in Amerika. Deshalb ist der Aufruf in England noch nicht gedruckt. Dann würde der Zensor vielleicht anders denken. Auch das Buch soll möglichst bald in England gedruckt werden.  Ludwig Polzer und Walter Johannes Stein fragen nach den Entwicklungstendenzen, um die Aufgaben in den einzelnen Ländern besser beurteilen zu können. Drei Fragen: Erstens, wie steht tatsächlich jetzt die englische Politik zu China, Japan und Indien; wie wird diese durch Amerika beeinflusst? Zweitens, was wären die Folgen einer italienischen Revolution für die Völker des früheren Österreich? Drittens, wie stellt sich der hohe Norden zu diesen Entwicklungstendenzen? Ferner: Wie soll unsere Arbeit organisiert werden? Sollen die wertvollen Persönlichkeiten an einem Orte, der dazu geeignet ist, konzentriert werden oder kommt eine reichhaltige Inselbildung in Betracht? Rudolf Steiner: Erst in den nächsten Tagen kann Ausführlicheres darüber gesagt werden. Heute nur Folgendes: Erstens, die Politik der englischsprechenden Bevölkerung hat sich nicht geändert. Diese Politiker wussten vor dem Krieg, was sie wollten, und halten daran fest. Europa soll so gestaltet werden, dass es möglichst vereinfacht und Absatzgebiet für England wird. Ich erinnere an die Karte, die ich seinerzeit nach den englischen Absichten entworfen habe. Der Rhein bildet da eine An Grenze, die sich nach Süden fortsetzt. Zwischen Rhein und Weichsel ein Streifen deutscher Sprache, östlich die Slawenkonföderation, um die Donau die Donau-Konföderation. Diese Politik rechnet auch damit, dass China und Japan dafür gewonnen wird. Da ist kein Unterschied gegenüber Amerika. Es hängt alles davon ab, ob wir einen positiven Impuls für die Zukunft haben. Die Westpolitik wird ohne Anstand wirken können, solange wir nicht mit etwas kommen, was den Leuten imponiert. Sie müssen sehen, dass wir mit Wirklichkeiten und praktischen Sachen rechnen. Deshalb hätte auch nicht auf die 14 Punkte hin kapituliert werden sollen. Man hätte mit demselben antworten sollen, was in unserem Aufruf steht. Das Kapitulieren vor Wilson stellt diesen vor die unmöglichste Aufgabe, denn er soll helfen und weiß nichts von dem, was wir wollen. Wir können leicht verstanden werden von China, Japan, Indien, im ganzen Orient, wenn wir irgendetwas machen, was nicht amerikanische Nachäffung ist. Überall hatten wir uns schon unterworfen, zum Beispiel in kaufmännischen Dingen. Der Orient rechnet mit dem Geiste, trotz der Schlauheit des Japaners und der Grausamkeit des Chinesen. Wenn wir etwas Geistig-Politisches  treiben, werden wir verstanden. Die deutschen Industriellen sind nicht Menschen geblieben wie zum Beispiel die englischen, sondern einfach Maschinen geworden. Die Industriellen haben das große Wort geführt in der Politik während des Krieges. Zweitens: Eine italienische Revolution wird keine sehr großen außenpolitischen Folgen haben, wenn nicht die große Industriekrise dazukommt, die eine große Bedeutung haben wird. Drittens: Der hohe Norden ist ein Gebiet, über das ich nichts weiß. Ich weiß nicht, was der Norden will, oder wie er über England denkt. Wir gehen mit unserem Aufruf dahin, wohin wir gehen können, und weichen nur der Unmöglichkeit. Vielleicht kann Herr Vett über den Norden Auskunft geben. Carl Vett: Im Norden besteht das Bestreben, sich in den vier Ländern zusammenzuschließen, einschließlich Finnland. Man hat sich während des Krieges kennengelernL um sich gegenseitig mit Waren zu versorgen, die früher von außen geliefert wurden. Das wird auch polirisch angestrebt. Rudolf Steiner: Glauben Sie, dass eine Stimmung für eine solche praktische Idealpolitik, wie ich vorschlage, vorhanden sein könnte? Im Norden herrscht doch auch ein gewisser Konservativismus. Damit könnten wir nichts anfangen. Wir müssen unterscheiden zwischen solchen Ländern wie Württemberg, Baden, Preußen. Da ist ein gewisser Zwang vorhanden. Sträubt sich die Bourgeoisie, so wird das Proletariat in diese Richtung einlenken. In Russland wäre vor Brest-Litowsk die Sache verstanden worden. Es wird vielleicht die Zeit kommen, wo auch Lenin und Trotzki wünschen würden, dass sie es so angefangen hätten. Ganz anders ist es in solchen Ländern, wo so etwas aus freiem Willen heraus realisiert werden könnte. Das wäre von größter Bedeutung. Carl Vett: glaubt, dass dafür Verständnis sein könnte. In Dänemark ist ein sozialistisches Ministerium, das aber schon bewiesen hat, dass es mit seinem Programm nichts anfangen kann. Rudolf Steiner: Diese Antwort ist sehr wichtig.  Hermann Heider erinnert an den Satz ·Besitz muss aufhören, er muss in Fluss gebracht werdem. Uns ist hierbei die Bodenfrage nicht klar geworden. Kann der Boden in Fluss gehalten werden? RudolfSteiner: Sie werden finden, dass die Bodenfrage nur nebenbei behandelt wird. Grund und Boden ist nichts anderes als Produktionsmittel und kann nur so behandelt werden. Mit der Bodenfrage ist die Geldfrage verknüpft. Beim Grund und Boden herrscht die größte der sozialen Lügen. Sie alle besitzen de facto ein Stück Boden. Was Sie sonst besitzen, hat keinen realen Wert, wenn es nicht durch ein Stück Boden gedeckt wird. Man muss rechnen: ein gewisses Territorium, dividiert durch die Anzahl der darauf wohnenden Menschen. Dass Sie diesen Boden nicht real besitzen, ist ein Betrug. Das wird durch Rechte unwirksam gemacht. So hängen die Bodenverhältnisse mit dem einzelnen Menschen zusammen. Grund und Boden ist Produktionsmittel. Durch die Arbeitsteilung ist vieles Produktionsmittel geworden, was es früher nicht war. Wenn ein Schneider sich selbst einen Rock macht, so ist er Produktionsmittel. Grund und Boden ist genau in demselben Sinne zu behandeln. Nur der soll über Produktionsmittel Verfügung haben, der sie ausnützen kann. Der Arbeiter wird mitarbeiten, wenn er weiß, dass er rationeller arbeitet, wenn der eine und nicht ein anderer leitet. Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer wird ein Vertrauensverhältnis sein. Der Arbeitgeber steht an seiner Stelle durch seine Fähigkeiten. Goldwährung bedeutet Prellung der ganzen Welt durch die englische Politik. An die Stelle der Goldwährung muss das brauchbare Produktionsmittel treten. In der Währung wird ein unnötiger Krieg zum Ausdruck kommen, weil er die Produktionsmittel in ein schädliches Fahrwasser bringt. Emil Leinbas: Es werden oft Einwände über die Schwerverständlichkeit gemacht. Wie wurde der Aufruf von Bürgerlichen einerseits und von Proletariern anderseits aufgenommen? Rudolf Steiner: Ich habe vieles nicht verstanden, was vom Hauptquartier kam, das den Leuten das Verstehen befohlen hat.  Emil Molt: Bürgerliche haben vom Aufruf am wenigsten aufgenommen. Die Angesrelken bei uns haben ihn verschlafen, während die Arbeiter mit Fragen darüber kamen. Alfred Meebold bestätigt die Auffassung von Emil Molt. Hans Kühn fragt wegen des Eintritts in eine Partei. Rudolf Steiner: Dagegen ist nichts einzuwenden. Unsere Sache ist Zeitforderung, nicht Parteiforderung. Aus dem Proletariertum wird das größte Verständnis erwachsen. Der Aufruf kann natürlich auch ohne bürgerliche Vertreter erscheinen. Im Aufruf liegen zwei Impulse. Während des Krieges sollten sie für die Außenpolitik wirken. Jetzt kommt die soziale Dreigliederung in Betracht. Alfred Meebold warnt vor dem Eintritt in eine Partei, weil der Aufruf dann von den Andersdenkenden leicht als Parteisache aufgefasst werden könnte. Schüler: Wünscht Versammlungen in den kleineren Orten Württembergs und Absendung von Rednern. N.N: Die Arbeiterführer lehnen ab. Die einzelnen Arbeiter unterschreiben, weil die Sache nicht Parteiangelegenheit ist. Hans Kühn berichtet aus Briefen, in denen immer wieder auf die Regierung verwiesen wird, gerade von bürgerlicher Seite. Rudolf Steiner: Die bürgerliche Politik ist ein Angstprodukt, damit können wir nichts machen. Aber wir dürfen nicht so wie Trotzki vorgehen, der die Welt umkehren wollte. Es ist notwendig, dass die fachmännische Bildung und Erfahrung derjenigen, die sie erworben haben, nicht verloren geht. Das sind größtenteils Bürgerliche. Wir müssen die Menschen, die sich auf den Boden des Aufrufs stellen, hereinnehmen. Die sozialdemokratischen Programme müssen ja auch in ein Menschheitsprogramm einlaufen. Wir müssen natürlich die bürgerliche Sabotage vermeiden. Hermann Heider erinnert an das Misstrauen gegen Anthroposophie und spricht von seinen Erfahrungen mit der studentischen Jugend.  RudolfSteiner: Die studentische Jugend kann leicht gewonnen werden, wenn sie von den Professoren emanzipiert wird. Die schlimmsten Erfahrungen werden wir mit den Professoren der Nationalökonomie machen. Auf die müssen wir verzichten. Der Sumpf der Universitäten zeigt das Schlimmste der bürgerlichen Gesellschaft. Max Benzingen Welche Zwangsmittel werden wir haben, wenn die Fabrikbesitzer auf ihren Produktionsmitteln sitzen bleiben wollen? Rudolf Steiner: Wir lassen sie eben sitzen. Letzten Endes kommt Zwangsenteignung in Frage. Es wird sich ergeben, dass es unmöglich ist, gegen unsere Sache zu arbeiten. Schluss nach 1 Uhr.  WORTMELDUNGEN AN DER ZWEITEN KOMITEE-SITZUNG MIT DEN AUSWÄRTIGEN VERTRETERN DES ·BUNDES· PROTOKOLLARISCHE AUFZEICHNUNG STUTTGART, 24. APRIL 1919, 10 UHR 30 VORMITTAGS RudolfSteiner führt wiederum den Vorsitz und eröffnet die Versammlung. Frau Architekt Weissbaar fragt, wie der Aufruf an bäuerliche Bevölkerung herangebracht werden soll. Rudolf Steiner: Die sozialen Gedanken haben sich vor allem in der Industriearbeiterbevölkerung ausgebreitet. Der Marxismus hat in der Landbevölkerung nie Boden gewinnen können. Die Landbevölkerung würde auch bei vorübergehendem Interesse bald wieder zurückfallen. Aber der Aufruf kann sicher wirken. Hier muss man auch zwischen katholischer und protestantischer Bevölkerung unterscheiden. Die Erstere hegt wegen der Anthroposophie Misstrauen, sonst wäre sie für die Dreigliederung durch ihre Kirche gut vorbereitet, indem diese immer die Freiheit der Kirche anstrebte. In protestantischen Kreisen findet sich weniger Verständnis, weil der Landesfürst häufig «Schirmherr» der Kirche war. Dagegen wird man vielleicht Reste des Verständnisses für die freie Schule finden. Im Allgemeinen wird der Bauer froh sein, wenn der Staat ihm nicht in das Wirtschaftsleben hineinreden kann, besonders nach den Erfahrungen des Krieges. Ludwig Polzer hat auch unter Bauern im Sinne des Aufrufs gcarbcitct. Empfiehlt, vom ·Abbau der Staatsgewa1> zu sprechen. In dieser Beziehung verbindet die Bauern mit den Arbeitern eine revolutionäre Stimmung. Wenn die Verbindung weiter gelingen würde, könnten Kämpfe, die sich vorbereiten, vermieden werden. Auch glaubt er, für die freie Schule Verständnis zu finden. Wilhelm von Blume macht darauf aufmerksam, dass kleine Gemeinden heute der Dreiteilung nahestehen, weil man schon von politischen Gemeinden spricht im Gegensatz zu Kirchengemeinden. Für die wirtschaftlichen Arbeiten verwendet man häufig schon die Bezeichnung Real- oder Aktiv-Bürgergemeinde.  RudolfSteiner: Das sind die alten Reste des Verständnisses. In Österreich sagte man früher «Koa Advokat, koa Staatsbeamter und koa Pfaff darf in d' Wirtschaft». Alfred Reebstein, Karlsruhe: Die Leute sagen, die Nahrungsmittelzufuhr würde gestört, wenn erst die Dreigliederung durchgeführt werden müsste. Man sollte zuerst Essen schaffen, dann käme alles von selbst. Rudolf Steiner: Das darf die Arbeit mit dem Aufruf nicht stören. Ludwig Polzer hat in Wien die Erfahrung gemacht, dass die Leute wegen der Entente vorsichtig sind. Emil Leinbas machte oft ähnliche Erfahrungen wie Reebstein, erwiderte aber immer, dass man gerade Essen und Kohlen bekommen würde, wenn die Dreigliederung verwirklicht werde. Die Leute sollen nur nicht denken und mit solchen Einwänden kommen. Schwedes: Die Entente wird uns nicht zu kurz kommen lassen, wenn durch die Dreigliederung wieder Ruhe ins Land kommt. Karl Stockmeyer, Mannheim, bekommt oft den Einwand, die Machtgrundlage des Staates gehe verloren. Rudolf Steiner: Das will man ja. Eingehen auf solche Einwände würde das Allergefährlichste sein. Hinter all diesem steht das Heraufkommen der alten Diktatur (Ludendorff ist über Kolberg nach Deutschland gekommen und geht ganz ruhig in Berlin spazieren). Das Zentrum arbeitet ja mit allen Mitteln reaktionär. KarlStockmeyer: In England soll die Revolutionsstimmung auch sehr stark sein, obwohl dort genug Nahrungsmittel vorhanden sind. Rudolf Steiner: Wir müssen vor allem aus sachlichen Unterlagen heraus arbeiten. Wir müssen bedenken, dass man die englische und deutsche Arbeiterbewegung nicht vergleichen darf. Der Zusammenbruch Deutschlands bringt eine ganz andere Grundlage. Das deutsche Heer wurde von Lieferungen der Heimat abgeschnitten, sodass Ludendorff aufhören musste. Die Matrosen in Kiel haben unter dem sicheren Eindruck gehandelt, dass die Genossen drüben sofort treu  mitmachen würden. Nur so ist die Handlungsweise der Matrosen zu verstehen. Die westlichen Arbeiter haben aber nicht mitgemacht. In England muss daher die Bewegung ganz spezifisch angefasst werden. Carl Unger: Ein Arbeiter sagte, wenn der Aufruf wirken soll, müssen die Grenzpfähle verschwinden. Er meinte, Verbrüderung müsse auf Grund des Aufrufes leicht sein. RudolfSteiner: Der Aufruf sollte zunächst auf außenpolitische Aktion orientiert sein. Ich sagte schon zu Kühlmann: Seit der Völkerwanderung handelt es sich bei den Völkerzwisten stets um Wirtschaftsfragen. Die Züge der West- und Ostgoten gingen ins Brachland. Jetzt will man aber den Boden iibereinanderlegen, zum Beispiel Deutschland und Frankreich in Elsass-Lothringen. Wenn verkündet worden wäre, Elsass-Lothringen wird nur staatlich nach der Rechtsfrage ohne Rücksicht auf Wirtschaft und Schule verwaltet, sodass die Kinder in Frankreich oder Deutschland in die Schule hätten gehen können, so wäre die Lösung ein Leichtes gewesen. Ähnlich war es in Serbien. In Wien hörte man oft, der Krieg sei ein «Saukrieg», wegen der Einführung der serbischen Schweine. Ungeheuer wirksam wäre es gewesen, die wirtschaftlichen Beziehungen über die Grenzen aufrechtzuerhalten. Das liegt schon im Aufruf begründet, aber man will das nicht durch den Friedensschluss einführen, sondern sich erst langsam organisch entwickeln lassen. In Österreich wäre die Entwicklung in der Richtung der Dreigliederung am allernotwendigsten gewesen. Wi/belm von Blume: Die Nationalitätenfrage ist erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts so groß geworden. Früher wurden Kriege aus religiösen oder Erobcrungsgriinden geführt. Erst seit der Staat in Kirche und Schule eingreift, wird den Völkern der Staat unbequem. Kann man dem Staat Kultur und Wirtschaft abnehmen, so löst sich die Nationalitätenfrage. Beispiele sind Polen und Schlesien, wo deutscher Schulunterricht gepflegt werden musste. Früher war auch kein Völkerhass vorhanden. Diesen gibt es erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Auch da wird die Dreigliederung die Lösung bringen. RudolfSteiner: Ich möchte ein Beispiel aus meiner Jugend erwähnen. Ich wohnte in Ungarn und musste in Österreich in die Schule gehen. Dort wurden die Kindern in allem Frieden über die Grenze geschickt.  Die einen lernten in Ungarn Magyarisch, die ändern in Österreich Deutsch. Das hörte auf mit dem Dualismus Österreich-Ungarn, als alles pedantisch wurde. In Wien herrschte unter der Stephanskrone Schlamperei. Dadurch konnte sich früher alles friedlich entwickeln. Durch den Dualismus hörte der Friede auf. Ungarn wurde scharf gemacht. Harriet uon Vacano: Dr. Steiner hat oft gesagt, dass zuerst Schulen zu gründen sind. Die Lehrer in München erwidern aber oft, dass man nichts machen könne, weil Kirche und Staat es nicht zulassen. Die Lehrer haben latente Angst. Soll man sich nicht besser an die Proletarier wenden? RudolfSteiner: An die Lehrer kann man sich am wenigsten wenden, weil sie vom Staat abhängig sind. Hätte die «Farce von Weimar» das Schulwesen freigegeben, so würden sich die Lehrer ganz anders bemühen. Heute muss man sich eben an die Macht wenden, die die Staatsgewalt hat. Wenn der Staat sozialisieren will, so kommt die bürgerliche Sabotage. Das ist eigentlich in Deutschland schon da. Man wendet sich dann schon an die freien Gebiete. In Deutschland könnten Lenin und Trotzki nicht so handeln. In Russland haben sie eben die Bürger vernichtet, um die bürgerliche Sabotage zu unterdrücken. (RudolfSteiner erwähnt das Beispiel von Solf, dessen Beamten streikten, damit er im Amte bleibe. Das sei sehr gefährlich.) Hermann Heider, Tübingen: Er sage immer, man solle Weltanschauungsschulen gründen, denn wir wollten anthroposophische Schulen haben. Freilich wollten dann die Katholiken auch Jesuitenschulen haben. Wie versteht Rudolf Steiner die Einheitsschule? Rudolf Steiner: In der Einheitsschule sollen nur die Stände verschwinden. Die Aristokraten werden aus dem einfachen Grunde keine Privatschulen gründen können, weil sie kein Geld mehr dazu haben werden. Im Übrigen werden die geistigen Organisationen für Schulen sorgen. Vor allem aber würde ich nie anthroposophische Schulen gründen. Die Anthroposophen müssten die Methoden und die Organisationen umgestalten, aber niemals Anthroposophie  lehren. Als Erstes müssen wir verstehen, was geistige Freiheit ist. Weltanschauungsschulen müssen wir am meisten vermeiden. (Unter Minister Gautsch trat Rudolf Steiner für den schwärzesten Klerikalen Thun als Schulminister ein, weil er alle Konfessionen lehren ließ. Er sagte, die Schulen sollten sachlich geleitet werden.) Hermann Heider: Kommt nicht dadurch Unsicherheit und Zerrissenheit in die Kinder? Rudolf Steiner: Da kommt ein pädagogischer Faktor hinzu. Wenn wir die Kinder bis zum 14. Jahr nach einer Schablone erziehen und dann erst in die heutige Kampfzeit loslassen würden, so würden wir alle Kinder zu Neurasthenikern machen. Durch Freiheit in der Schule wird aber statt Verlogenheit Wahrheit herrschen. Das wird die Kompensation sein. Für die Erziehung kommt es viel weniger darauf an, welche Religion das Kind hört, als dass man ihm mit einem wahren Seelenleben entgegenkommt. Karl Stockmeyer: Seine Eltern haben ihn zeitweise in katholische Schulen gesandt. Er hat immer angestrebt, dass Lehrer als Unterrichtsminister berufen werden, und dass das Kultusministerium sich von unten herauf entwickelt. Ludwig Polzer meint, dass ja das Kultusministerium ganz verschwinden muss. Nachdem auf Antrag Molt die Schulfrage vertagt wurde, wird von Carl Unger die Organisationsfrage aufgeworfen. Carl Unger: Der siebengliedrige Arbeitsausschuss sollte im Laufe der Zeit durch die auswärtigen Ortsgruppen ergänzt werden. Emil Leinhas fragt, ob die Arbeit in Nord- und Süddeutschland taktisch verschieden geleitet werden soll. Rudolf Steiner: Das muss aus sachlichen Untergründen heraus sich entwickeln. Man kann keine regulativen Grundsätze aufstellen. Vielleicht muss heute die Sache in einem Kreise so, morgen in einem anderen so vertreten werden. Das ist eine Frage der persönlichen Taktik. Scbuler, Tübingen, fragt noch zur allgemeinen Debatte: Auf dem Lande sei durch die Bodenreform viel Anhang für die sozialdemokratische Partei gefun den worden. Könnte man die Bauern nicht noch besser gewinnen, wenn sie hören, dass wir den Grund als Produktionsmittel verwenden und nicht enteignen wollen? Rudolf Steiner: Ich habe in der Schrift keinen besonderen Wen auf die Produktionsmittel des Grundes gelegt. Clormann, Mannheim: Soll man den Aufruf nicht besonders unter Studenten vertreten ? RudolfSteiner: Diese Dinge sind künftig ganz anders zu behandeln. Natürlich soll man später Studenten und Professoren in voller Harmonie haben. Die Studenten sollte man schon geschlossen gewinnen können. Ich bin aufgefordert worden, in Zürich vor Studenten zu sprechen, und bin ausgezeichnet verstanden worden. Studenten sollten für sich und die ganze Welt wirken. Ich sollte in Basel vor Proletariern einen Vortrag halten. Man wandte sich an den sozialdemokratischen Parteivorstand, der ablehnte. Dann fragte man wegen eines Vortrages vor Eisenbahnern, dem Eisenbahnbeamten-Verein, der auch ablehnte, weil die Führer Angst hatten. Nach dem öffentlichen Vortrage in Basel habe ich aber die Aufforderung von diesen ganz von selbst bekommen. Ähnlich kann man mit heute ablehnenden Studenten verfahren. Hermann Heider: Hält die Studenten für empfänglich. Scbwedes nimmt als Vertreter der U.S.P. Stellung gegen die Bewaffnung der Studenten. Im Übrigen glaubt er, dass die Arbeiter leicht mitgehen. Man müsste aber von einem Bunde aus sprechen können. Die Redner sollten öfters zusammentreten, um sich über die Pläne auszusprechen, wie eine Art Wanderkonfercnz. Er ist dafür, dass alle Redner von sich aus reden und die Gedanken des Aufrufs als ihre eigene Ansicht vertreten. Er spricht vertraulich vom kommenden Gencralsrrcik. Man sollte die Führer beseitigen und die Massen gewinnen. Rudolf Steiner will in das Letztere nicht eingreifen. Wegen des Schweigens über verschiedenartige Tätigkeit glaubt Rudolf Steiner dass man es nicht durchführen könne, schon weil man in der Diskussion gestellt werden könne. Er erzählt das Beispiel von Winterthur, wo die Studenten angegriffen wurden, vor denen er einen Vortrag  gehalten hat. Er versuchte die Leute zu überzeugen, dass die jungen Studenten kaum ein Urteil haben, und dass man sie nicht unberücksichtigt lassen darf. Diese Antwort genügte den Arbeitern. Man muss immer so antworten, dass man nie ein Programm vertritt. Die Arbeiter können zum Beispiel sagen, sie brauchten wirtschaftliche Streiks, solange das Staatsleben nicht von der Wirtschaft losgelöst sei. Dagegen lässt sich schwer etwas einwenden. Die Konflikte im Leben Rudolf Steiners waren selten sachlich, sondern meist persönlich. Schweigen hat natürlich auch keinen Wert gegenüber solchen Angriffen. Die Parteikenntnisse sollte man schon benützen und Wanderreden halten. Besonders sollten von solchen Freunden auch die Anthroposophen über die Parteien aufgeklärt werden. Hermann Heider: Die Provinz müsste besser orientiert werden. Zum Debattcnreden gehören tiefe Kenntnisse der Materie. Regt eine Redner- und Debattierschule an, von der die mit dem Thema Vertrauten hinausgesandt werden können. Wenn die auswärtigen Vertreter nicht zu solchen Kursen zusammenkommen können, so müsste Stuttgart die Redner hinausschicken. Karl Stockmeyer ist der Ansicht, dass man sein Wissen selbst erarbeiten muss. Er fordert auf, flott zu arbeiten und nicht zu zentralisieren. Er will den gleichen Bund überall, sonst aber örtliche Freiheit. Max Benzinger ist in der U.S.P. und möchte sich gern als Redner ausbilden lassen, um für den Aufruf zu wirken. Er meint damit die Ausbildung der Ausdrucksweise, weil es vielen schwerfällg ihre Gedanken richtig auszusprechen. Man muss sich in die alten Grundlagen (zum Beispiel der Partei) hineinarbeiten, um Neues schaffen zu können. Emil Molt: Der Bund wurde ja am Osterdienstag mit einem festen Namen gegründet. Auswärts können sich Ortsgruppen bilden, womöglich unabhängig von den anthroposophischen Arbeitsgruppen. Es ist gut, wenn fremde Elemente sich dabei betätigen. Für die Bearbeitung der verschiedenen Gebiete braucht man verschiedene Menschen. Unser Arbeitsmaterial ist das Buch Dr. Steiners und ferner die Dornacher Novembervorträge. Diese sollten schnellstens vervielfältigt werden. Das Reden muss man lernen, aber auch praktisch ausüben. Man kann nur im Wasser schwimmen lernen. Konferenzen mit den auswärtigen Ortsgruppen wären von Zeit zu Zeit wichtig.  Hans Kühn bittet Rudolf Steiner um die Erlaubnis zur Vervielfältigung der in Stuttgart zu hakenden Vorträge, was von Herrn und Frau Dr. Steiner genehmigt wird. Roman Boos, Zürich, will, dass nur das Buch verbreitet wird. Zu Rednerschukn sei es zu spät. Es sei besser, man lasse Herrn Rudolf Steiner durch das Buch reden, als selbst Surrogate zu liefern. Ludwig Polzer: Wie soll die Organisation in Wien gemacht werden? Rudolf Steiner: Es kann natürlich nicht schaden, wenn außerdeutsche Ortsgruppen mit Stuttgart in Verbindung bleiben (N.B.: Später wurde dann beschlossen, dass Wien einen eigenen Bund gründe wie Zürich, und dass die deutsch-österreichischen Ortsgruppen mit der Geschäftsstelle Wien verkehren sollen). Karl Stockmeyer regt an, dass alle Pressenotizen über den Bund oder das Buch Rudolf Steiners von den Ortsgruppen nach Stuttgart gesandt werden, damit man sich dort ein Bild über die Bewegung in ganz Deutschland machen könne. Nachdem verschiedene weitere Anfragen - auf Antrag - vom Komitee weiter behandelt werden, wird ein Antrag auf Vertagung der Debatte und spätere Fortsetzung abgelehnt, weil die wichtigsten Arbeiten des Komitees durch solche langen Sitzungen liegen bleiben. Wilhelm uon Blume stellt geschäftsordnungsgemäß den Antrag auf Schluss der Debatte. Der Vorsitzende schließt die Versammlung nach 1 Uhr 30.  DER WEG DES «DREIGLIEDRIGEN SOZIALEN ORGANISMUS» Flugblatt, erste Fassung, Frübjabr/Sommer 1919 Der Ruf nach einer Neugestaltung des sozialen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens der Menschen geht durch die Welt. Die wirtschaftlichen, rechtlich-politischen und geistigen Lebenszustände, die im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts herrschend waren, haben in die schreckenerfiillte Weltkatastrophe dieser Zeit geführt. Ein Wirtschaftssystem, das unsozial, ein rechtlich-politisches Leben, das ungeeignet war, die vom Bewusstsein der großen Mehrheit der gegenwärtigen Menschheit als ungerecht empfundenen Klassengegensätze zu überwinden, eine Geisteskultur, die sich trotz ihrer «Fortschritte» als unfähig erwiesen hat, Führer zu sein aus einem unsozialen Wirtschaftsleben und einem auf Klassengegensätzen ruhenden Staate heraus: Sie müssen einem Neuen Platz machen. Mag unter «Sozialisierung» der eine heute noch dies, der andere jenes verstehen: Einig könnten alle, die nicht geistig blind unsere Zeit durchleben wollen, sein, dass durch die «Sozialisierung» aufgerufen werden müssen zur eigenen Gestaltung ihrer sozialen Verhältnisse alle diejenigen, die bisher diese Verhältnisse sich aufgedrängt sahen durch die Macht ihnen geistig, rechtlich oder wirtschaftlich übergeordneter Klassen. Klassenkämpfe können nur mit dem Aufhören der geistigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Klassengegensätze selbst verschwinden. Dass dies der Ruf der Zeit ist, zeigt die Bewegung des Proletariats, zeigt aber die richtig verstandene Geschichtsentwicklung selbst. Das Ziel wird gefühlt. Den Weg will der Impuls zum dreigliedrigen sozialen Organismus hin zeigen. Dieser Impuls fordert die völlige Verselbstständigung des GeiSteslebens, einschließlich des Erziehungs- und Schulwesens. Er sieht die  Ursachen des geistigen Unvermögens unserer Zeit in der Aufsaugung der Geisteskultur durch den Staat. Er verlangt die vollständige Selbstverwaltung dieser Kultur aus den rein sachlichen und allgemeinmenschlichen Gesichtspunkten heraus. Es wird erst richtig erzogen werden, wenn in die Frage: Wie erzieht man alle Menschen zu wahren lebenstüchtigen Menschen, niemand hineinzureden hat als diejenigen, die nur aus den Untergründen der Menschennatur selbst darüber urteilen kÖnnen. Dieser Impuls fordert die Einschränkung des Staatslebens auf alle diejenigen Lebensverhältnisse, für die alle Menschen voreinander gleich sind. Auf diesem Boden ist auf streng demokratische Art mit Umwandlung der gegenwärtigen privatkapitalistischen Besitz- und Zwangsarbeitsverhältnisse vor allem ein solches allgemeines Menschenrecht zu erreichen, das den Arbeiter als völlig freie Persönlichkeit dem Arbeitleiter, der nur noch geistiger Arbeiter ist, gegenüberstellt. Dieser Impuls fordert ein Winscbaftsleben, in dem der Arbeiter dem Arbeitleiter so gegeniibertritt, dass zwischen beiden ein freies Gesellschaftsverhältnis über die Leistungen vertragsmäßig zustande kommen kann, sodass das Lohnverhältnis völlig aufhört. Dazu ist die völlige Sozialisierung des Wirtschaftslebens notwendig. Nur aus der sachgemäßen Teilnahme aller Menschen an entsprechenden Genossenschaften, die aus den Berufen einerseits, den Konsumenten- und Produzentenbediirfnissen andrerseits entstehen, kann eine Wertregulierung der Güter hervorgehen, die allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein sichert. Eine solche Wertregulierung der Güter kann erst den Grundsatz verwirklichen: Es darf nicht produziert werden, um zu profitieren, sondern nur, um zu konsumieren. Sie ist nur möglich, wenn man es nach Loslösung des geistigen und staatlichen Lebens in der Wirtschaft mit nichts anderem zu tun hat als mit Gütererzeugung, Güterverteilung und Giiterkonsum. Jedes Interesse an unsachlicher, bloßer Kapitalverwertung, jedes auf konkurrierende Wirtschaftsinteressen aufgebaute und aus solchen heraus wirkende Lohnsystem hindert eine richtige wechselseitige Güterpreisgestaltung und daher gerechte Güterverteilung.  In allen Einzelheiten des sozialen Lebens will der Impuls nach dem dreigegliederten sozialen Organismus: 1. Entwickelung des Menschen in allen seinen Fähigkeiten durch das selbstständige Geistesleben; 2. Herstellung der Menschenrechte durch den Ausschluss aller nicht allgemein-menschlichen Interessen vom Rechtsboden; 3. Gerechte Güterverteilung in einem richtigen Wertgestaltungsverhältnis der Güter (Waren) durch Umgestaltung des gegenwärtigen Kapital- und Lohnsystems. Eine Eingliederung in die internationalen Weltverhältnisse kann das deutsche Volk nur erhoffen, wenn es die Hemmungen, die in seinem Wirtschafts-, Rechts- und Geistesleben durch deren unorganische Verschmelzung im bisherigen Staatswesen entstanden sind, beseitigt durch die organische Dreigliederung des sozialen Organismus. Dadurch kann bewirkt werden, dass durch die freie Entfaltung eines jeden der drei Glieder und die eben dadurch entstehende höhere Einheit, die höchste mit dem an Leib und Seele gesunden Menschen vereinbarte wirtschaftliche Produktiuität, die wahre Befriedigung echten uolkstümlicben Rechtsgefühles und die allseitige Offenbarung der im deutschen Geiste ueranlagten Kräfte möglich werde.  ÜBER DEN KULTURRAT Auszug aus den Erinnerungen uon Emil Leinbas Die Betriebsrätebewegung zeigte die Tendenz, in einen gewissen einseitigen, rein-wirtschaftlich orientierten Radikalismus zu geraten. Diese Gefahr trat umso mehr hervor, je mehr sich die Unternehmer mit der Erstarkung der politischen Reaktion auf ihren früheren Unternehmerstandpunkt zurückzogen. In dieser Lage wandten wir uns durch Vermittlung von Professor von Blume an einige Professoren der Universität Tübingen. Eines Sonntags kamen wir mit diesen Herren im Hause von Professor Robert Wilbrandt in Tübingen zusammen. Rudolf Steiner schilderte den Verlauf der Bewegung zur Bildung von Betriebsräten und wies darauf hin, dass eine solche einseitig wirtschaftlich orientierte soziale Bewegung - gerade weil sic bei der Arbeiterschaft zu einem gewissen Erfolg zu führen schien - für das geistig-kulturelle Leben eine große Gefahr bedeuten könnte. Demgegenüber halte er es für notwendig, auch das Geistesleben durch freie Korporationen auf allen Gebieten des kulturellen Lebens zu erhöhter Wirksamkeit zu bringen. Er schlug deshalb die Bildung eines Kulturrats vog der aus Persönlichkeiten des geistig-kulturellen Lebens bestehen und die Aufgabe haben sollte, die Selbstverwaltung des gesamten geistig-kulturellen Lebens, vor allem aber des Unterrichtswesens und der Hochschulen vorzubereiten. Rudolf Steiner setzte auseinander, wie er sich zum Beispiel die Selbstverwaltung einer Universität, ohne Beteiligung eines Kultusministeriums, durch die an der Hochschule selbst tätigen Lehrer denken würde; ein Zustand, wie cr übrigens vor nicht allzu langer Zeit noch durchaus bestanden habe. Man kann nicht gerade sagen, dass die Professoren dafür kein Verständnis gezeigt hätten; aus ihren Antworten ergab sich aber doch das erschütternde Bild, dass diesen Herren wahrhaft bange wurde vor den Schwierigkeiten, die sich aus einer solchen Selbstverwaltung der Hochschule innerhalb ihrer eigenen Reihen ergeben würden. Demgegenüber, was sich da an Neid und Eifersucht unter den Kollegen zeigen würde, glaubten sie, der Verwaltung durch ein übergeordnetes Kultusministerium doch immer noch den Vorzug geben zu müssen. - Es war klar, dass ein so geartetes Akademiker-Kolkgium zu einer Selbstverwaltung seiner Angelegenheiten vollkommen ungeeignet sein würde. Wie schon bei früheren Gelegenheiten, zum Beispiel anlässlich eines hochbcdeutsamen Vortrages, den Rudolf Steiner vor einer hauptsächlich aus Studenten bestehenden Zuhörerschaft in Tübingen gehalten hatte, musste man auch hier wieder die betrübliche Erfahrung machen, dass von allen Bevölkerungskreisen das Akademikertum jeden Alters und jeden Ranges für neue soziale Gedanken am allerwenigsten Verständnis aufzubringen vermochte.  Auf der Nachhausefahrt von Tübingen beschlossen wir darauf, uns so rasch als möglich mit einem Aufruf zur Begründung eines Kulturrats an die allgemeine Öffentlichkeit des geistig-kulturellen Lebens zu wenden. In zwei Versammlungen, die zu diesem Zweck an Pfingsten nach Landhausstraße 70 einberufen worden waren, wurden verschiedene Entwürfe zu einem solchen Aufruf durchberaten. Am Sonntagabend wurde ein von mir ausgehender Vorschlag in den Grundzügen angenommen. In der Nacht darauf wurde dieser Entwurf mit Dr. Uriger und einigen anderen Freunden unter Benutzung der Anregungen, die sich aus der Versammlung ergeben hatten, neu bearbeitet und einer zweiten Versammlung, die am Pfingstmontag stattfand, zur Beschlussfassung vorgelegt.  ZUR SCHAFFUNG EINES KULTURRATS Aus dem Frageabend des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, 30. Mai 1919 RudolfSteiner: Dann liegt mir die Frage vor: Ist vom Bund für Dreigliederung bereits die Gründung eines Kulturrates für das geistige Gebiet in Aussicht genommen? Wenn nicht, dann sollte von der Versammlung die Initiative dazu ergriffen werden. Nun, sehr verehrte Anwesende, es nützt heute nichts, wenn man nicht auf dem Gebiete der großen Aufgaben, die uns die Gegenwart auferlegt, ich möchte sagen, ganz unbedingt offen und ehrlich redet. Das Wirtschaftsleben hat Formen angenommen, durch die das Proletariat zu einer energischen Vertretung seiner wirtschaftlichen Interessen gebracht worden ist. Es ist ja auch durch die mannigfachsten Umstände durchaus bekannt, dass heute das Proletariat sehr krankt an dem Umstände, dass es mehr oder weniger ein theoretisches Ziel, aber keine Praxis hat. Dennoch aber: Dasjenige, was da lebt im Proletariat, das ist ein bestimmtes Wollen, das ist auch das Ergebnis einer ganz bestimmten politischen Schulung, die durch Jahrzehnte hindurchgegangen ist. Daraus wird sich heute formen lassen zum Beispiel so etwas wie ein Betriebsrat oder eine Betriebsräteschaft aus geistigen und physischen Arbeitern zusammen. Es wird nicht leicht sein, namentlich da es, wenn es nicht schnell geschieht, zu spät werden könnte. Aber es ist, ich möchte sagen, heute noch weniger eine mit furchtbaren Hindernissen kämpfende Arbeit als die Schaffung eines Kulturrates, denn da tritt einem das Mannigfachste [an Hindernissen] entgegen. Zum Beispiel gibt es heute Parteifiihrei; die glauben, sozialistisch, ganz sozialistisch zu denken, gar nicht mehr im Sinne der alten Geisteskultur bevorzugter Klassen zu denken, dennoch haben sie nichts anderes als diese Geisteskultur übernommen. Es lebt in ihren  Köpfen nichts anderes als die letzte Konsequenz dieser alten Geisteskultur. Diese Geisteskultur der leitenden, führenden Kreise, sie kann dadurch charakterisiert werden, dass sie immer mehr und mehr innerhalb der letzten vier Jahrhunderte eingemündet ist in ein solches Verhältnis vom geistigen Leben zum Wirtschaftsleben, dass das geistige Leben eigentlich nur mehr eine Folge des Wirtschaftslebens, eine Art Überbau über das Wirtschaftsleben ist. Aus dieser Erfahrung der letzten drei bis vier Jahrhunderte hat sich nun das Proletariat, respektive die proletarische Theorie die Anschauung gebildet, dass das Geistesleben überhaupt nur sein darf etwas, was aus dem Wirtschaftsleben hervorgeht. In dem Augenblick, wo man das praktisch machen würde, dass das Geistesleben nur aus dem Wirtschaftsleben hervorgehen dürfe, in dem Augenblicke legt man den Grundstein zu einer völligen Vernichtung des Geisteslebens, zu einer völligen Vernichtung der Kultur. Das Bürgertum kann heute nicht verlangen, dass das Proletariat auf einem anderen Standpunkte steht, als alles Heil vom Wirtschaftsleben zu erwarten - aus dem Grunde, weil das Bürgertum selbst alles zu dem Standpunkte gebracht hat, dass schließlich alles Geistige irgendwie vom Wirtschaftlichen abhängig ist. Der Gang der Entwicklung war ein solcher, dass zunächst überwunden wurden durch die geschichtliche Entwicklung diejenigen Schäden, die sich für den Menschen in der menschlichen Gesellschaft drinnen ergeben aus der aristokratischen Ordnung heraus. Aus der aristokratischen Ordnung heraus haben sich ergeben Rechtsschäden; das Bürgertum kämpfte um Rechte gegenüber demjenigen, was früher aristokratische Ordnung war. Da ist geblieben in der geschichtlichen Entwicklung dann als Weiteres der Gegensatz des Bürgertums und des Proletariats, das heißt der Besitzenden und der Besitzlosen. Der große Kampf zwischen Bürgertum und Proletariat geht dahin, die Arbeitskraft nicht mehr eine Ware sein zu lassen. So, wie die Dinge heute liegen, handelt es sich darum, dass das Proletariat energisch verlangt - und das ist nicht allein eine proletarische Forderung, sondern eine geschichtliche -, dass in der Zukunft die physische Arbeitskraft nicht mehr Ware sein dürfe. Denn Liberalismus hat das Bürgertum verlangt, weil es die alten aristokratischen Vorrechte nicht  mehr wollte, weil es das Recht nicht mehr zu einer Eroberungs- und Kaufsache machen wollte. Das Proletariat verlangt die Emanzipation der Arbeitskraft vom Warencharakter. Wollen wir nicht etwas übrig lassen, was ganz Mittel- und Osteuropa in den Zustand der Barbarei bringen würde, so müssen wir heute noch ein Weiteres einsehen. Würde sich nicht aus dem Proletariat heraus ergeben verständnisvoll heute die Forderung, zusammenzuarbeiten mit den geistigen Arbeitern, dann würde das Proletariat zwar die physische Arbeit des Warencharakters entkleiden, und die Folge davon wäre, dass in der Zukunft eintreten würde der Zustand, durch den alle geistige Menschenkraft zur Ware wird. Dieser Zustand darf nicht erreicht werden, darf nicht herbeigeführt werden. Es muss der Ernst der Aufgabe so erfasst werden, dass mit der physischen Arbeit zu gleicher Zeit auch der geistigen, wirklich geistigen Arbeit ihr Recht werde. Die alte Aristokratie hat herbeigeführt die Rechtlosigkeit der Menschen, das alte Bürgertum hat herbeigeführt die Besitzlosigkeit des Proletariats. Wenn bliebe die bloße materialistische wirtschaftliche Auffassung der proletarischen Frage, so würde zurückbleiben die Entmenschtheit des Geisteslebens. Vor dieser Gefahr stehen wir, wenn nicht diejenigen, welche Herz und Sinn haben für das Geistesleben, sich auf den Boden stellen, dieses Geistesleben selbst zu befreien. Und dieses Geistesleben kann nur befreit werden, wenn wir von dem Geistesleben, das ich ja in der verschiedensten Weise charakterisiert habe, Abschied nehmen und wirklich durch einen ernsthaften Kulturrat eine Neugliederung gerade des Geisteslebens herbeiführen. Da muss aber heute ehrlich und offen gesprochen werden: Das Interesse, das ist auf diesem Boden leider noch viel zu wenig da. Einzusehen, dass eine brennende Frage hier vorliegt, das ist die allernächste, die brennendste Aufgabe. Ein Kulturrat muss entstehen. Bei den Versuchen, die wir gemacht haben, unter anderem gestern in einer Sitzung, hat sich nicht gerade sehr Verheißungsvolles ergeben, weil den Menschen noch nicht vor Augen steht, was heute auf dem Spiele steht, wenn wir nicht dazu kommen, die geistige Arbeit nicht sein zu lassen eine Sklavin des Wirtschafts- oder Staatslebens, sondern sie auf ihre eigenen Füße stellen. Es ist daher eine dringende  Notwendigkeit, dass in der allernächsten Zeit Herz und Sinn erregt werde gerade für das, was man einen Kulturrat nennen kann. Das Unpolitische unserer mitteleuropäischen Menschen, das sich ja leider in so grässlicher Weise in den letzten vier bis fünf Jahren gezeigt hat, das ist dasjenige, was zu Selbsterkenntnis gerade auf dem geistigen Gebiete führen müsste. Das ist dasjenige, was den Menschen das geistige, das Seelenauge [dafür] auftun sollte, wie unser Geistesleben nur einen Sinn hat als ein Geistesleben einer kleinen Clique und darauf berechnet ist, dass es sich auf dem Boden breiter Massen entwickelt, die nicht teilnehmen können an diesem Geistesleben, und dass geschaffen werden muss ein Geistesleben, in dem jeder Mensch nicht nur physisch, sondern auch geistig und seelisch ein menschenwürdiges Dasein findet. Oh, sehr verehrte Anwesende, man konnte in den Jahren, die sich insbesondere als die Jahrzehnte erwiesen haben zur Vorbereitung der gegenwärtigen Weltkatastrophe, wenn man hineinschaute gerade in die Schäden dieses Geisteslebens, man konnte wahrhaftig von Kultursorgen ergriffen werden. /Es wird eine Frage zur Kindererziehung gestellt. Rudolf Steiner knitisien das Bildungswesen als nicht zeitgemäß.] Oh, dieses geistige Leben, das bedarf einer gründlichen Umwandlung, und es ist sehr schwer, auf diesem Gebiete heute schon bei den Menschen ein geneigtes Ohr zu finden. Ehe aber dieses geneigte Ohr nicht gefunden ist, eher gibt es kein Heil. Es gibt keine einseitige Lösung der sozialen Frage, sondern allein dreigliedrig. Es gehört dazu, dass man sich auf den Boden eines Geisteslebens stellt, welches auch dem Leben wirklich entspricht. Dazu gehÖrt der gute Wille, nicht der unbewusst böse Wille der «ZÖpfe». Deshalb ist es dringend notwendig, dass gerade auf diesem Gebiete das entsteht, was man einen Kulturrat nennen kann. Ich kann nur sagen, der erscheint mir als eine Forderung allerersten Ranges, denn er muss eine Tätigkeit entwickeln, die uns davor rettet, dass geistige Arbeit den Warencharakter bekommt gegenüber dem bloßen äußeren Leben. Es ist, wie es scheint, diese Frage verwandt mit der anderen, die gestellt worden ist:  Wenn zu erwarten ist, dass die Umwandlung des Wirtschaftslebens im Sinne der Herauslösung aus dem Einheitsstaate durch die Organisation der Betriebsräteschaft sich rasch vollziehen wird, wie könnte alsdann das Geistesleben rasch auf sich selbst gestellt werden und dessen Neuaufbau in Angriff genommen werden? Eben durch die Geneigtheit, einen Kulturrat zu bilden und innerhalb dieses Kulturrats die Erfordernisse zu erforschen, die für den Neuaufbau unseres Geisteslebens notwendig sind. Das ist dasjenige, was ich mit Bezug auf diese Fragen zu sagen habe.  AUFRUF ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATS! AN ALLE MENSCHEN! Flugblatt, Ende Mai 1919 Jahrhundertelang diente unser Kulturleben (Schule, WissenschafL Kunst und Religion) dem Staat und der Wirtschaft. Gesetzesparagraphen und Verordnungen machten uns zu ideenlosen unselbstständigen Wesen. Eingespannt in das einseitige Wirtschaftsleben war hoch und nieder. Ein politisch gänzlich ungeschultes Volk - so traf uns die Weltkriegskatastrophe. Der Zusammenbruch war die Folge. Mangelnde soziale Erkenntnis der führenden Klasse übersah die Notwendigkeiten für das besitzlose Proletariat, das nur die Brocken der Kultur-Errungenschaften bekam, im Übrigen sich verbrauchte im Kampf um seine Existenz. Von der Revolution erhoffte das Proletariat Befreiung vom seelenverödenden Kapitalismus. Innerhalb des Wirtschaftslebens allein in der wirtschaftlichen Besserstellung sucht es sein Heil. In Wahrheit ringt jedoch der Drang nach Menschenwürde zum Durchbruch. Nur auf dem Kulturgebiet durch Schulung und Bildung des Geistes ist erreichbar das große Ziel. Drohend steht vor uns die erschreckende Gefahr, versklavt werde neuerdings das Kulturleben, indem Geistesprodukte zur Ware gestempelt werden. Das darf nicht geschehen, soll nicht untergehen die Menschheits-Kultur. Frei auf sich selbst gestellt muss werden das ganze Geistesleben in eigener Selbstverwaltung. Sie nur kann segensvoll befruchten Wirtschafts- und politisches Leben. So nur wird möglich die wahre Ausbildung der wirklichTüchtigen. Wie auf der einen Seite das Wirtschaftsleben durch die Betriebsräteschaft, so muss auf der ändern Seite das Geistesleben durch einen Kulturrat verwaltet werden. In dem müssen sich alle die Menschen zusammenfinden, welche ernstlich gewillt sind, ein jeder an seiner Stelle, das Geistesleben zu erneuern und mitzuarbeiten daran, dass es, frei von den Einflüssen des Staates und den Interessen der Wirtschaft seinen eigenen Gesetzen folgen kann. Geistesarbeiter ist jeder, der nach wahrem Menschentum ringt. Im Kulturrat ist sein Arbeitsplatz. Ob er in der alten Ordnung auf politischem Feld, auf Wirtschaftsboden oder Kulturgebiet tätig, ob Proletarier oder Nichtproletarier -, jeder trete sofort bei, ehe es zu spät ist!! Die Zeit ist ernst!! Der Bund zur Dreigliederung des sozialen Organismus Geschäftsstelle: Champignystraße 17  AUFRUF AN ALLE MENSCHEN ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATS! Flugblatt, zweite Fassung, Juni 1919 Dieser Aufruf wendet sich an alle Menschen, weil die Kultur eine Angelegenheit aller wahren Menschen ist, weil jeder Einzelne in irgendeiner Weise selbst im Geistesleben steht oder doch seine geistige Nahrung aus ihm bezieht. Er wendet sich insbesondere an alle diejenigen, die am Geistesleben tätigen Anteil nehmen auf dem Gebiete der Erziehung, des Unterrichts, der KunsL der Wissenschaft oder Religion. Freiheit ist der Grundnerv jeder geistigen Kultur. Sie kann sich in gesunder Art nicht entfalten in Abhängigkeit oder im Dienste irgendeiner fremden Macht heiße sie nun Staat oder Kapitalismus. Kulturmenschen! Vertreter von Kunst und Wissenschaft, Religion, Erziehung und Unterricht! Könnt ihr Euch fühlen als freie Geistesarbeiter? Seid Ihr in der Lage, in dem, was Ihr hervorbringt, Euch zu richten nach den Bedürfnissen eines freien, unabhängigen Geisteslebens selbst, oder seid Ihr gezwungen, auf Schritt und Tritt Konzessionen zu machen, Rücksichten zu nehmen und Eure Arbeit einzurichten nach den Anforderungen des bisher allmächtigen kapitalistischen Staates? Der Kapitalismus, der Euch in dem letzten halben Jahrhundert fast völlig beherrscht hat, ist in Deutschland durch die Weltkriegskatastrophe, die er mitverschuldet hat, in sich zusammengebrochen. Er hat sich sein eigenes Urteil gesprochen, indem er sich selbst vernichtet hat. Er braucht nicht erst vernichtet zu werden. Er fristet nur noch ein Scheinleben, und in kürzester Zeit wird sein völliger Zusammenbruch nicht mehr zu verschleiern sein. Wollt Ihr nicht, ehe das völlige Chaos über uns hereinbricht und alle Kultur vernichtet, die Möglichkeit schaffen, dass ein freies Geistesleben entstehen kann? Nur ein befreites, auf sich selbst gestelltes Geistesleben wird die Menschheit vor dem furchtbaren Schicksal bewahren können, entmenscht zu werden, dem sie verfallen müsste durch die Knebelung des Geisteslebens durch eine politische oder wirtschaftliche Macht. Nur ein freies Geistesleben wird, in inniger Fühlungnahme mit dem ganzen Volke, teilnehmen können an der Gestaltung eines gesunden, sozialisierten Wirtschaftslebens. Die breite Masse des arbeitenden Volkes ist im Begriff, das joch des seelenverödenden Kapitalismus abzuschütteln, unter dem es gelitten hat, dadurch  dass er die menschliche Arbeitskraft zur Ware gemacht hat. Dieses Volk verlangt nach Eurer Mitarbeit. Es will, dass der Aufbau einer neuen Wirtschaftsordnung gelenkt und geleitet werde von Menschen, die befruchtet sind von einem freien Geistesleben und die daher Herz und Sinn haben für die berechtigten sozialen Forderungen der Zeit. Davon, ob Ihr den Zusammenschluss mit ihm jetzt findet, hängt unsere Zukunft ab. Die Handarbeiter sind dabei, sich mit den im Wirtschaftsleben stehenden Kopfarbeitern zusammenzuschließen zu Betriebsräten und einer Betriebsräteschaft. Schließt ihr Euch auf dem Gebiete des Geisteslebens zusammen zu einem Kulturrat der sich zur Aufgabe macht, das Geistesleben zu befreien und dadurch die Kultur vor dem drohenden Untergange zu retten! Dann wird die Möglichkeit eines harmonischen Zusammenarbeitens zwischen dem Geistesleben und dem Wirtschaftsleben gegeben sein; dann wird eine gesunde Sozialisierung des Geisteslebens und des Wirtschaftslebens eintreten; dann werden wir bewahrt bleiben sowohl vor einem reaktionären Zurücksinken in kapitalistischen Zwang, der dann ja nur eine Zwangsherrschaft des Kapitalismus unserer westlichen Feinde sein könnte, als auch vor dem tragischen Schicksal der Russischen Revolution, das darin begründet liegt, dass Kopf und Hand nicht miteinander, sondern gegeneinander gearbeitet haben. Der Bund zur Dreigliederung des sozialen Organismus Geschäftsstelle: Champignystraße 17  ANSPRACHE AN DER VERSAMMLUNG ZUR WAHL VON AUSSCHUSSMITGLIEDERN FÜR DEN KULTURRAT Protokollarische Aufzeichnung Stuttgart, 7. Juni /P/ingstsamstag/ 1919 Nachdem verschiedene Redner sich in der Generaldebatte geäußert haben, /ergreift Rudolf Steiner das Wort]: Rudolf Steiner: Es scheint mir nötig, dass wir jetzt in die Spezialdebatte übergehen. Herr Leinhas hat ja schon einige Bemerkungen gemacht, die Dinge nicht von grauen Allgemeinheiten abzuleiten und auf das Gebiet zu bringen, das notwendig ist. Und Herr Molt hat ebenfalls bestimmte Vorschläge gemacht. Aber mir scheint notwendig, dass das Folgende einmal gesagt wird, um gewissermaßen eine wirklich praktische Seite unsern Bestrebungen zu geben. Als Erstes ist notwendig, dass dieser Kulturrat sich damit befasst, die ganze Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus zu propagieren, sodass sie in breitere Kreise auch des Publikums eindringt und dort Verständnis findet. Ohne dass man für die Idee der Dreigliederung Propaganda macht, kommt man natürlich auf einem einzelnen bestimmten Gebiete nicht weiter. Dann aber wäre es notwendig, dass dieser Kulturrat ein Zweites tut, durch das er nun wirklich raschest praktische Arbeit vollbringen könnte. Wir haben bisher versucht - rekapitulieren Sie nur, was geschehen ist -, für die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus Verständnis hervorzurufen. Da wurde uns natürlich gesagt: Das ist eine Utopie, das ist Ideologie, das hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun! - Aber wir haben uns nicht abhalten lassen, für dieses Verständnis weiter zu sorgen und zu gleicher Zeit es zu einem bestimmten Resultat zu bringen: zu der Propagierung der Betriebsräte-ldee. Und jetzt, wo die Betriebsräte-ldee eigentlich erst seit ein paar Tagen als ein Reales vor der Welt dasteht, was erarbeitet werden soll,  jetzt fangen die Leute an, die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus gar nicht mehr so stark als eine Utopie anzuschauen. Jetzt fangen sie an, sie sehr real zu nehmen. Die Industriellen machen sich auf die Strümpfe, die Gewerkschaften machen sich auf die Strümpfe, kurz, von allen Seiten wird mächtig gegen diese Betriebsräte agitiert. Ich weiß nicht, ob man gegen etwas, was man höchst ungefährlich findet, so stark agitieren würde. Darin zeigt sich der Übergang von dem ursprünglichen Keimgedanken, der schon die Tatsache enthält, zur wirklichen Lebenspraxis. Aber die Lebenspraxis muss dann auch in einer entsprechenden Stärke gehalten werden. Die Frage der Betriebsräteschaft hat ja auch von Russland aus ihren Ausgang genommen, nur hat sie dort Fiasko gemacht, weil sich alles Mögliche andere darüber ergossen hat und sie bekämpft hat. In Bezug auf das Wirtschaftsleben handelt es sich also darum, dass auf der Grundlage der Betriebsräte das Wirtschaftsleben und seine Angehörigen selbst aus den gegenwärtigen Zuständen herauskommen werden. Daran will ich Ihnen nur zeigen, dass man zu wirklicher praktischer Arbeit übergeht. Zuerst muss das Verständnis für die Keimidee da sein, dann kann man zur praktischen Arbeit übergehen. Der Kulturrat müsste sich vor allem bewusst werden, dass seine erste Arbeit selbstverständlich auf dem Gebiete des Unterrichtswesens im weitesten Sinne und derjenigen Anregungen liegt, die für das Unterrichtswesen aus dem übrigen Geistesleben heraus kommen müssen. Es kann sich heute nicht darum handeln, dass man die Sozialisierung wieder erst abstrakt nimmt. Unternehmungen, die nach und nach in der neueren Zeit ausgesprochen kapitalistische Unternehmungen geworden sind - wie das Theater und im allerhöchsten Maße das Kino, das eine Begleiterscheinung ja nur des alleräußersten kapitalistisch-bürokratischen Zeitalters ist -, das wird seine sozialisierte Gestalt doch erst erlangen können, wenn in den Grundlagen des Geisteslebens erst von einer Sozialisierung der Ausgangspunkt genommen wird. Ich fürchte wirklich, man hört demnächst auch von der «Sozialisierung der Edelrassenzucht der Hunde, der Austeilung der Weihnachtsbäume an Familien» und  dergleichen. Wenn in dieser Weise die Sozialisierung aufzufassen wäre, kämen wir keinen Schritt weiter. Womit man es zunächst zu tun hat, wenn der Kulturrat seine Tätigkeit entfalten soll, ist erstens die Volksschulfrage. Betrachten Sie die Volksschulfrage ganz praktisch. Eine geistige Bewegung, die sich aus dem gegenwärtigen Geistesleben herausgeschält und auf eine selbstständige Basis gestellt hat - wenigstens aus ihren Intentionen heraus -, ist die Anthroposophische Gesellschaft selber. Sie könnte, wenn die Menschen dazu die Courage hätten und nicht allzu sehr mit dem rechnen würden, was diesem Courage-Haben entgegensteht, recht viel leisten. Aber es handelt sich darum, dass wir da vom Gesichtspunkte der Dreigliederung aus das Richtige erfassen. In Dornach ist die Hochschule für Geisteswissenschaft gegründet worden. Die steht ganz gewiss auf keinem staatlichen Boden, die arbeitet in einem Zweige des Geisteslebens aus sich selbst heraus. Bei einer Anzahl unserer Mitglieder ist nun der Wunsch entstanden, ihre Kinder aus den Prinzipien und Impulsen des wirklichen Geisteslebens heraus auch wirklich von unten herauf erziehen zu lassen. Anthroposophen - das brauche ich in Stuttgart nicht besonders zu betonen - haben ja auch Kinder; also die Kinder hätten wir schon gehabt. In Dornach hätten wir vielleicht sogar auch schon die Lehrer gehabt. Und die Geneigtheit der Eltern hatten wir im höchsten Grade. Alles eigentlich hatten wir. Bloß - was hatten wir denn nicht? Warum gründeten wir eine solche Schule nicht? Weil uns der Staat, die freie Schweiz, kein Recht dazu gibt, weil sie nicht eine solche Schule anerkennt, die nicht vom Staate selbst eingerichtet ist. Meine lieben Freunde, es handelt sich darum, vor allem die Anerkennung für dasjenige zu erkämpfen, was in einer solchen Schule aus rein geistig-pädagogischen Unterlagen heraus geleistet wird. Es handelt sich darum, dass jede Art von staatlicher Schulaufsicht und jede Art von Gesetz aufgehoben wird, dass nur von dem oder jenem Lehrer, der vom Staate eingesetzt ist, der Unterricht gegeben werden darf, und Ähnliches. Das ist das Erste. Und da hat man zunächst zu kämpfen mit dem, was heute unter der Flagge der Einheitsschule  ja gerade von sozialistischer Seite immer eingewendet wird, wenn es sich um eine gesunde Grundlage des Volksschulwesens handelt. Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Dornach. Dornach liegt im Kanton Solothurn. Als ich dort von der Dreigliederung des sozialen Organismus zuerst gesprochen hatte, kam bald der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei von Arlesheim zu mir und sagte: Es wird sich im Kanton Solothurn sehr leicht zeigen, wie schwierig es ist, einer solchen Bestrebung entgegenzukommen, denn man hat mit Mühe die Schule den Schul-«Brijdern» und Schul-«Schwestern» des Kantons Solothurn entrissen, hat mit Mühe die Schule verweltlicht. Würde man nun irgendeiner Bestrebung das Recht geben, selbst Schulen zu gründen, so würden wahrscheinlich auch Klerikalschulen, vielleicht auch adelige Schulen entstehen. - Kurz, die Leute hatten die fürchterlichste Angst, dass diese Dinge etwa Platz greifen könnten. Das sind Dinge, die zunächst bearbeitet werden müssen. Es muss mit der Öffentlichkeit in die Diskussion eingetreten werden: Wie verhält sich der Kulturrat mit der Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus zu der sogenannten staatlichen Einheitsschule mit dem Schulzwang? Das ist die Sache, die vor der Öffentlichkeit klargestellt werden muss. Also erste Aufgabe ist: Wie verhält sich der Bund für Dreigliederung zu dem, was neulich ein Mitglied der mehrheitssozialistischen Partei und Mitglied des Landtages in Reutlingen gesagt hat: Was wollt ihr denn? Wir haben jetzt ein Schulgesetz geschaffen, das geradezu den idealsten Anschauungen entspricht! Da muss dann der Bund für Dreigliederung durch seinen Kulturrat zeigen: Und wenn ihr engelähnliche Wesen wäret, wir nehmen nie ein Schulgesetz aus den Händen des Staates entgegen! -, denn es handelt sich gerade darum, die Schule dem Staate zu entreißen. Man muss den Leuten zeigen, dass dadurch die Menschen nicht wieder Analphabeten werden, wenn die Schule frei von staatlicher Leitung wird, dass auch nicht neue Ständeschulen entstehen werden und so weiter. Das ist die erste positive Frage, die Volksschulfrage. Und ehe nicht [im Kulturrat] gezeigt wird, dass man Verständnis hat für eine solche Frage gegenüber den heutigen politischen Strömungen, wird der Kulturrat nur ein wüstes Herumreden sein.  Das Zweite ist, dass man für die höheren Schulen zeigt, dass wir sie nur freibekommen, wenn wir das scheußliche Berechtigungswesen aus ihnen herausbekommen, dass alles, was zwischen Volksschule und Hochschule steht, lediglich dadurch bestimmt werden kann, dass es Vorbereitung ist für die Hochschule. Die Hochschulen haben zu sagen: Wir wollen diese oder jene Menschen in unsere Reihen bekommen, dazu stellen wir die Anforderung, dass die Mittelschulen und die Realschulen - die auch etwas ganz anderes werden müssen nach diesen oder jenen Grundsätzen geleitet werden. - Bedenken Sie, dass die Mittelschule seit Langem nur dazu da ist, dass die Schüler durch die Einrichtung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst nur dazu vorbereitet werden, künftige Staatsdiener zu werden. Also auch hier gilt es: Heraus mit der Schule aus dem Staat! Dann ist zu kämpfen für die Autonomie der Hochschule. Die war in alten Zeiten schon vorhanden. Wir sehen sogar, wie in den letzten Zeiten erst die letzten Reste der autonomen Hochschule zugrunde gegangen sind. Die Hochschule muss eine autonome Korporation sein. Es muss an sie wieder das zuriick[laufen], was sich besonders in den letzten Zeiten vorgewagt hat. Was die Hochschulen früher als von sich ausgehend betrachtet haben, das war das, was sie verliehen haben in der Auszeichnung mit der Doktorwürde in irgendeiner Fakultät. Das war der Ausdruck dafür: Die Universität da und dorl die als solche autonome KÖrperschaft gilt, gibt dem XY das Recht, sich den Doktor auf einem bestimmten Gebiete zu nennen; sie erteilt ihm daher das Diplom. Damit war ausgedrückt, dass die autonome Körperschaft das Recht hingestellt hat vor die Menschen, wofür sie als autonome Körperschaft garantieren konnte. Und diese ganze Sache hat der Staat erobert, denn heute sind die Verleihungen der Fakultäten nur Dekorationsstücke, sind Titel ohne jede Rechte, und die Staaten haben dazu ihre Staatsprüfungen eingeführt, das heißt, sie haben ihre Fangarme nach den Hochschulen ausgestreckt. Die sind nicht mehr autonom. Man kann heute nicht mehr etwas finden wie früher, wo von jemandem gesagt werden konnte: Das ist ein Mediziner, der hat an der Universität Montpellier studiert; das ist eine gute Schule! - Heute wird alles abstrahiert. Also ist die Forderung:  autonome Hochschulen, Abschaffung aller Staatsprüfungen. - Wenn der Staat Leute braucht, soll er sie sich prüfen. Wenn er für einen Posten einen Menschen braucht, kann er ihn nach seinen Gesichtspunkten prüfen. Eine solche Prüfung hat dann nur eine Bedeutung für den Staat, nicht für das, was im Unterrichts- und Erziehungswesen frei vom Staate sich ausleben muss. Es handelt sich also um folgende positive Fragen: Erstens eine freie Einheitsschule ohne Staatsaufsicht, ihre Rechtfertigung aus den Forderungen der Zeit, zweitens: Abschaffung des sogenannten Berechtigungswesens bei den Mittelschulen, drittens: Zurückgehen von dem Staatsprüfungswesen und Autonomie der Hochschulen. Diese Dinge müssen vor die Welt als klares Programm hingestellt werden. Wenn man damit beginnt, beginnt man bei einem ähnlichen Punkt wie im Wirtschaftsleben bei der Frage der Betriebsräte. Wenn man damit beginnt, werden die ändern, die natürlich das oder jenes brauchen, schon nachfolgen. Es handelt sich darum, dass man zunächst die Dinge da anfasst, wo sie ganz allgemein-menschliche sind: beim niederen und beim höheren Schulwesen, das im Allgemeinen auch allgemein-menschlich ist. Das ist es, was ich zunächst zum Übergang in die Spezialdebatte hinstellen wollte, damit das herauskommt. Es soll gewiss ein Ausschuss gewählt werden. Aber der soll sich mit den alleraktuellsten Fragen beschäftigen und auf die aktuellsten Fragen und auf positive wollte ich Sie hinweisen. Es darf zunächst kein Wert darauf gelegt werden, welches der Inhalt der einzelnen Weltanschauungen ist. Nicht darauf kommt es an, ob Katholiken, ob Protestanten und so weiter ihre Schulen gründen wollen, sondern [darauf], dass wir das allernächste Praktische positiv erreichen - zunächst auf dem Gebiete des Geisteslebens, das alle Menschen angeht: die Stellung der Schule auf ihre eigenen Füße. So liegen die Dinge, die in den nächsten Tagen mit aller Gewalt diskutiert werden müssen und sich kristallisieren müssen zu ganz bestimmten einzelnen Punkten. Und mit diesen einzelnen Punkten  müssen dann die, welche es nun wirklich können und den Willen dazu haben, vor die Menschheit hintreten, um diese Dinge geltend zu machen. Denn wichtiger noch als alles andere ist diese Umwälzung im geistigen Leben. Denn ohne diese Umwälzung im geistigen Leben kommt auch alles Übrige nicht zustande.  AUSZÜGE AUS DEM MITGLIEDERVORTRAG NACH DER VERSAMMLUNG ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATES Stuttgart, 9. Juni 1919 [P/ingstmontag/ Ich habe gestern versucht, Sie auf Ideen hinzuweisen, die dem wirklich nach Fortschritt drängenden Menschen in der Gegenwart eigentlich aufgehen müssten. Insbesondere habe ich versucht, auf solche Ideen hinzuweisen, welche geeignet sind, rechtes neues Leben hineinzubringen gerade in die Pflege des Geisteslebens und besonders in die Pflege des Erziehungs- und Schulwesens. Und wir haben unter den Hemmnissen, welche einem wirklichen Klarsehen auf diesem Gebiete entgegenstehen, vor allen Dingen gefunden die Neigung der Gegenwart zur Phrase, zum gedankenleeren Wort, denn sobald im Worte Gedanke drinnen pulst, ist das Wort auch taterzeugend, ja tattragend. Denn ein Abgrund besteht zwischen dem Worte und der Tat. Das ist immer deshalb der Fall, weil dem Worte der Gedanke fehlt. Und unsere Geisteswissenschaft, die ja, seit sie als solche besteht, dem wirklichen Geistigen und damit auch dem sozialen Fortschritt der Gegenwart dienen will, sie war immer bestrebt, neuen Geist hineinzugießen in die Worte, die allmählich zur bloßen Phrase geworden sind, die inhaltleer geworden sind. I...] Heute geht es nicht mehr mit den Schleichwegen. Heute pulst durch das Öffentliche Leben das, was kommen muss: ein couragiertes Vorwärtsdringen, dem nur die richtigen Wege gewiesen werden müssen. Das, meine lieben Freunde, ist es, was wir jetzt immer wieder und wieder bedenken müssen: dass Anthroposophie nicht gedacht war für den Egoismus einzelner Sektierer, sondern dass sie gedacht war als ein Kulturimpuls der Gegenwart. Diejenigen haben Anthroposophie schlecht verstanden, die geglaubt haben, dass sie ihr dann dienen, wenn sie sich sektiererisch im Hinterstübchen abschließen und etwas Sektiererisches treiben. Gewiss, die Dinge, die Öffentlich wirken  sollen, müssen zuerst erkannt sein, müssen meinetwillen zuerst im Hinterstübchen getrieben werden, aber es darf dabei nicht bleiben. Was im anthroposophischen Impuls liegt, gehört der Welt an, gehört keiner Sekte an! Und jeder versündigt sich gegen die Anthroposophie selbst, wenn er die anthroposophischen Gedanken sektiererisch treibt. Daher muss die Anthroposophie jetzt, wo die große Zeitfrage, die soziale Frage, erscheint, in diese soziale Frage hinein ihr Wort legen. Das ist ihre Aufgabe. Und sie muss gewissermaßen hinweggehen über alle sektiererischen Neigungen, die ja leider gerade in der Anthroposophischen Gesellschaft sich so breit geltend gemacht haben. In dieser Beziehung werden wir in uns gehen müssen, um alle sektiererischen Neigungen in unserer Seele zu Kulturneigungen zu erheben. Denn nur aus diesem Gebiete der Geisteswissenschaft heraus, aus der Neigung, das Geistesleben in unserer materialistischen Zeit lebendig zu machen, kann eine wirkliche Umwandlung des Geisteslebens, des Schul- und Unterrichtswesens hervorgehen. Das alles braucht man selbstverständlich innerhalb eines Kulturrates. Dieser Kulturrat kann ohne eine wirkliche Seele, die aus einer neuen Weltanschauung kommen soll, doch nur nach und nach - wenn er sich jetzt auch noch so gut anlässt - ein «Kultur-unrat» werden. Bedenken wir, dass heute die Wege sich sehr, sehr stark als in der Scheidung begriffen darstellen und dass man Mut braucht, um zu wählen, dass aber gewählt werden muss, wenn Heil, nicht Unheil über die Menschheitsentwicklung kommen soll. Gewiss können wir nicht von heute auf morgen die ganze Welt anthroposophisch machen, mit einer neuen Weltanschauung beglücken. Aber wenn wir selber wirken, müssen wir uns dessen bewusst bleiben, dass wir wahrhaftig nicht Anthroposophie errungen haben, um sie jetzt entweder ahrimanisch oder luziferisch zu verbergen, sondern um zwischen dem Ahrimanischen und Luziferischen den Gleichgewichtszustand zu suchen, damit wir gegenüber dem, was die sehr stark nach abwärts sinkende Zeitwaagschale bieteg damit wir diesem Hineinsausen in das Ahrimanische dasjenige entgegenhalten können, was jene Gleichgewichtslage hervorbringt, welche die heutige Menschheit ja so sehr braucht.  ANSPRACHE BEI DEN BERATUNGEN ZUR GRÜNDUNG EINES KULTURRATES Protokollarische Aufzeicbnung Stuttgart, 21. Juni 1919 [Carl Unger begrüßt die Teilnehmenden. Danach verliest Emil Leinhas den uon ihm umgearbeiteten Text des Aufrufs. Wilhelm von Blume referiert über die sieb stellenden Schwierigkeiten bei der Propaganda und der praktischen Durchführung der Verselbstständigung des Geisteslebens. Er wendet sieb gegen die Verbreitung einer dritten Version des Aufmfs, da sie wirkungslos bliebe. Der neue Text solle als erLiictemde Flugschrift verwendet werden./ RudolfSteiner: Mir scheint, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn über die hier auf der Tagung aufgestellten Fragen verhandelt werden soll in fruchtbringender Weise, dass es dann notwendig ist, doch den Ausgangspunkt, der in Betracht kommt, ganz genau ins Auge zu fassen. Ich habe bei der Erörterung der gegen die Zukunft hin zu verwirklichenden Verselbstständigung des Geisteslebens durchaus bemerkt, dass gerade in Bezug darauf gewisse Missverständnisse sich ganz leicht einstellen. Ich habe hier von diesem Orte aus vor Angehörigen der jüngeren Lehrerschaft vorgestern meine Anschauungen auseinandergesetzt und habe auch da gesehen, dass zunächst vor allen Dingen leicht das Missverständnis auftaucht, als wenn behauptet würde, dass das Verhältnis, die Beziehung zwischen dem Staat und der Schule, wie man sie bisher gewöhnt war, durchaus abgekanzelt und abkritisiert werden sollte, und als ob behauptet werden sollte, dass nun dieses Verhältnis zwischen Schule und Staat nur etwas Grundschlechtes hervorgebracht hat, und ein Neues einzutreten habe. So ist eigentlich das, was mit der Dreigliederung des sozialen Organismus in diesem speziellen Fall auch gemeint ist, nicht zu fassen. Es handelt sich heute gar nicht so sehr darum, den Blick darauf zu richten, wie die Schule mit dem Staate bisher ausgekommen ist, sondern es handelt sich vor allen Dingen darum, dass wir uns nun wirklich fähig zeigen, auf den großen Augenblick der weltgeschicht lichen Entwicklung uns heute einzustellen. Die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus kann ja nur so gefasst werden, dass man sich klarmacht: Wir sind einmal in einer Zeit, in der sich erstens von selbst vieles umwälzt und in der Neubildungen unbedingt eintreten müssen. Die Frage kann gar nicht sein: Gefällt uns heute dieses oder jenes an der Schule oder am Staate, oder gefällt es uns nicht? sondern gewisse Dinge machen sich, wollen sich machen, wollen sich verwirklichen, und wir haben den weltgeschichtlichen Augenblick zu ergreifen. Und diesen weltgeschichtlichen Augenblick glauben diejenigen, die sich zu der Idee der Dreigliederung bekennen, eben durch die Propagierung dieser Dreigliederung des gesunden sozialen Organismus zu erfassen. Nun möchte ich nicht weiter eingehen - das ist ja von mir recht zahlreiche Male schon geschehen - auf das Wirtschaftsleben, sondern ich möchte nur speziell dasjenige ins Auge fassen, was mit Bezug auf das Geistesleben im Allgemeinen und insbesondere auf das Schulwesen geht. Nicht wahr, dass das Wirtschaftsleben auf einen neuen Boden gestellt wird, dass das Wirtschaftsleben einer gewissen Sozialisierung entgegengeht, nun ja, das ist ja nicht etwas, was man heute beschließen oder nicht beschließen kann, das tut sich schon von selber. Wir haben uns nur die Frage vorzulegen: Wie gestaltet man das, was sich gestalten will, in der allerverniinftigsten Weise? Eben so, dass sich das Staatsleben in der Zukunft demokratisiert, bis in die letzten Gründe hinein demokratisieren muss, das tut sich auch wiederum von selber; man hat sich nur zu überlegen, wie man das am vernünftigsten zu machen hat. Nun kommt das Geistesleben. Das halte ich nicht für etwas, was so nebenherläuft in der gegenwärtigen Aufgabe, sondern meinerseits halte ich es für das Allerallerwichtigste. Denn das Schulwesen bisher mag gut oder schlecht gewesen sein - die Kritik soll uns heute gar nicht beschäftigen -, aber wenn wir ein Gemeinwesen haben, das wirtschaftlich sozialisiert und rechtlich demokratisiert ist, dann brauchen wir für die Menschen, die innerhalb der Demokratie und innerhalb der sozialen Wirtschaftsordnung werden leben wollen, eine andere Erziehung. Also, es handelt sich gar nicht darum, zu fragen:  Wie kriegen wir die Schule von dem gegenwärtigen Staate los? -, sondern es handelt sich darum: Wie erziehen wir durch die Schule Menschen, die hereinwachsen können in eine neue Gesellschaftsordnung, die sich mehr oder weniger von selbst ergibt? Zu prüfen, ob die Schule unter dem alten Staate gut oder schlecht gediehen ist, das hat ja für uns keine große Bedeutung, denn dieser alte Staat wird eben in den neuen übergehen, und wir haben nachzudenken, wie wir die Schule zu gestalten haben zum neuen Staate. Er wird nicht sehr lange uns Zeit lassen zur Überlegung. Da ist etwas, was von uns fordert, dass wir rasch, ganz rasch zugreifen, dass wir uns gewachsen zeigen den Aufgaben, die uns die menschliche Entwicklung selber stellt. Und das sieht man ja häufig schon an dem sozialistischen Programm, was man eigentlich zu tun hat. Sehen Sie, man hat sozialistische Wirtschaftsprogramme, auch sozialistische politische Programme; an denen ist mancherlei auszusetzen. Aber von derselben Seite, von der sozialistische Wirtschafts- und Politikprogramme kommen, kommen auch sozialistische Schul- und Pädagogikprogramme. Die Leute fordern, dass das oder jenes verwirklicht werde auf pädagogisch-didaktischem Gebiet. Und derjenige, der nun wirklich es ernst meint mit der Entwicklung der Menschheit, der Herz und Sinn hat für das, was geschehen soll und geschehen muss, der empfindet das, was in diesem sozialistischen Programm als pädagogische Didaktik herauskommt, als etwas furchtbar Grauenvolles. Man kann sich nichts Schlimmeres denken, als dass über die Menschheit kommen soll, was in diesem sozialistischen pädagogischen und didaktischen Programm ausgemalt wird. Da wird ungefähr gefordert, man solle die Sozialisierung und die Demokratie möglichst tief unten in die Schule hineinzwingen. Die Kinder sollen schon sozialisiert und demokratisiert werden. Die Direktorate sollen abgeschafft werden. Der Lehrer soll mit den Kindern kameradschaftlich in eine Schulgemeinde nach demokratischen und sozialistischen Grundlagen hineingezwängt werden. Ja, meine lieben Freunde, wenn Sie so erziehen für das, was sich herausgestalten will als radikalste Demokratie und radikalster Sozialismus, dann bekommen Sie in diese Demokratie und in diesen Sozialismus hinein keine Menschen, sondern  Sie bekommen hinein Wesen mit den furchtbarsten elementarsten Instinkten, die wahrhaftig wenig Sozialismus und wenig Demokratie entwickeln werden. Darum handelt es sich, dass wir zunächst uns klarmachen: Wenn auf der einen Seite sozialisiert und demokratisiert wird, dass wir dann umso mehr nötig haben, in der Schule die Menschen zu gewöhnen - wie ich es vorgestern ausgeführt habe - erstens an eine würdige Nachahmung, an eine würdige Imitation desjenigen, was das Kind in den ersten Entwicklungsjahren immer den Eltern nachahmen will, und dass wir vor allen Dingen das Kind vom siebten bis zum vierzehnten Jahr, was ja gerade die Schulzeit ist, vor allen Dingen an ein Autoritätsgefühl zu gewöhnen haben - an ein absolutes Autoritätsgefiihl, das viel, viel größer und energischer gepflegt wird, als es bisher gepflegt worden ist. Wir dürfen nicht den Autoritätsglauben aus der Schule verbannen, wenn wir sozialisieren und demokratisieren wollen. Wir müssen das Kind von seinem sechsten, siebenten bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahre daran gewöhnen, dass es hinaufschaut zum Lehrer wie zu einer «Ha]bgottheit» oder zu einer «ganzen menschlichen Gottheit», möchte ich sagen, damit durch diejenigen Gefühle, die es in dieser Zeit in sich entwickelt, in der Seele stark werde dasjenige, was dann ein Staat sein muss in Demokratie und Sozialismus, wenn nicht alles ins Bestialische auseinanderfallen soll. Also, wir müssen umso mehr diese Dinge entwickeln durch eine ganz gründliche Vertiefung in die allerallerinnersten Triebe der menschlichen Natur, wenn wir die Menschen in den sogenannten Zukunftsstaat irgendwie hineinführen wollen - und das wollen wir ja. Also aus der Zeitentwicklung heraus, meine lieben Freunde, ist das gedacht, was für das Geistesleben gedacht werden muss, wenn von der Dreigliederung des sozialen Organismus gesprochen wird. Das konnten natürlich diejenigen wahrhaftig nicht bedenken, die heute ihre Aufmerksamkeit nur dem Wirtschaftsleben zuwenden wollen; das müssten gerade diejenigen bedenken, welche auf dem Boden der Didaktik, der Pädagogik schon jetzt gestanden haben, die schon Erfahrungen darinnen haben. Es hat überhaupt nur einen  Zweck, dass wir über die Dinge reden, aus den Untergründen der Erfahrung heraus. Es tut doch heute so weh: Wenn man in Proletarierversammlungen kommt, so reden die Proletarier ihre Sprache, und wenn man mit Bürgerlichen über die Proletarier redet, so merkt man, dass sie keine Ahnung haben, was in den letzten Jahrzehnten in Proletarierkreisen vorgegangen ist. Die Leute verstehen einander gar nicht, die Leute der verschiedenen Klassen. Und so handelt es sich nun wirklich darum, dass wir endlich dazu kommen, sachgemäß zu reden, nicht bloß standes- und klassengemäß - dann werden sich die Menschen verstehen. Das ist, was ich Sie bitte zu berücksichtigen; dann kommen wir auch zur richtigen Taxierung dieser drei Forderungen. Sehen Sie, ich habe jetzt abgesehen von den ersten Kindheitsjahren, die ja zur Erziehung im Hause gehören, weil ich ja auf die erste Stufe der Grundschule eingehen wollte. Ja, da meine ich, dass es in der Zukunft notwendig ist, dass zwischen dem sechsten, siebenten Jahre und dem vierzehnten, fünfzehnten Jahr die Erziehung ganz gebaut ist auf eine anzustrebende wirklich intimere und bessere psychologische Anthropologie, als wir das bisher in unserer Pädagogik getan haben. Das muss etwas werden, was sich wirklich abspielt zwischen dem Lehrer, der seine Autorität hat, und dem Kinde, das in diese Autorität sich hineinlässt, und alles, was es empfängt, so empfängt, dass ihm der Wahrheitsquell durch eine andere menschliche Seele geht, dass es lernt, Vertrauen zu haben im Hinaufschauen zu dem anderen Menschen. Und der Lehrer wiederum muss von Jahr zu Jahr rechnen mit der Art, wie sich der junge Mensch zwischen dem sechsten, siebten bis zum vierzehnten, fünfzehnten Jahr entwickelt. Wir müssen die Schulfächer so heranbringen, dass wir Rücksicht darauf nehmen, wie die Entwicklung des Kindes innerlich bestimmt ist. Wir müssen gewissermaßen die Möglichkeit sehen - ja, missverstehen Sie das nicht, ich meine, wir haben manchmal Ausdrücke, die nicht ganz die Sache decken, man kann sich aber verständigen -, wir müssen vor der MÖglichkeit stehen, im Unterricht eine religiöse Handlung zu erblicken. Wir müssen uns eigentlich bekannt machen damit, dass wir etwas erlösen, indem wir das Kind nach und nach erziehen: dass  da der geheimnisvolle Geist und die geheimnisvolle Seele durch die Körperlichkeit herauswollen. Dieses hingebungsvolle Gefühl, dass man Geist und Seele erlöst aus der Körperlichkeit, das ist dasjenige, was da wirklich Platz greifen muss. Und da meine ich, dass es sich wirklich darum handelt, dass man nicht so sehr der Meinung ist, es solle stückweise nur gebaut werden. Ich habe vollen Enthusiasmus für die Schule, die als Waldorfschule hier begründet werden soll, damit wir einmal ein Beispiel geben kÖnnen, wie wir uns gerade die anthropologische Erziehung denken, durch die der Mensch wirklich zum Menschen gemacht wird. Aber das alles bleibt doch nur Surrogat. Und es handelt sich darum, dass alles dasjenige, was als die Dreigliederung des sozialen Organismus gedacht ist, wirklich nicht so ist, dass man sagen kann: Das muss langsam und allmählich verwirklicht werden, das sind weitgehende Entwicklungsideale, sondern das man tatsächlich, wenn man nur will, wirklich gleich machen kann. Meine ganzen Ausführungen, die ich in dem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage» gegeben habe, gründen sich eigentlich darauf, dass man sie sogleich in Wirklichkeit umsetzen kann. Es handelt sich mir wirklich mehr darum, dass man - wenn man sich nur einmal vollständig klar geworden ist, was die Selbstständigkeit des Geisteslebens mit Rücksicht auf den dreigegliederten sozialen Organismus bedeutet -, dass man ersetzen kann alles das, was staatsmäßig heute in der Schule ist, durch sachliche Pädagogik schulmäßig selbst. Warum sollte das nicht geschehen können? Das ist etwas, wozu man sich bloß zu entschließen braucht und wozu man bloß den Mut dazu haben braucht. Es werden nicht die äußeren Verhältnisse besser werden, aber die Grundlagen werden geschaffen werden für dieses Besserwerden der äußeren Verhältnisse. Anzufangen wäre gerade von oben herunter. Anzufangen wäre damit, dass man die Verwaltung des Schulwesens auf ihre eigenen Beine, auf ihren eigenen Boden stellt, dass man also die Universität oder Hochschule haben will als autonome KÖrperschaft, und dass innerhalb der autonomen Hochschule auch diejenigen Lehrer, die im Ministerium sitzen und die keine Bürokraten sind, sondern die im lebendigen Geistesleben selber drinnen stehen, die zu tun haben jetzt nicht mit Gesetzen, die in Parlamenten gemacht werden, sondern mit menschlichen Ratschlägen, die von Mensch zu Mensch gehen, dass die zu tun haben, die im Schulwesen selber drinnenstehen, mit dem, was im Schulwesen zu geschehen hat. Loslösung also, wirkliche menschliche Loslösung des Schulwesens vom Staatswesen. Kann man heute noch die Frage nicht lösen, wie die Schule bezahlt wird, so kann man in dieser Beziehung Übergangszustände schaffen. Wenn die Leute, die zu unterrichten haben, kein Vertrauen dazu haben, dass aus dem Wirtschaftsleben heraus die nährende Göttin oder Kuh, ich weiß nicht was, kommt, dann lasse man vorerst noch den Staat die Schule bezahlen. Darauf kommt nicht viel an, sondern darauf, dass dasjenige, was geistig ist am Geistesleben, nun wirklich ein Selbstständiges wird, dass der ganze Geist des Pädagogisch-Didaktischen auch durch die Verwaltung und die Struktur des geistigen Organismus durchgehe, darauf kommt es an. Wenn man das auch selbst nur, ich möchte sagen, zunächst in einem Punkte angreift und dann nach dieser Richtung hin wirkt, dann habe ich, ich möchte sagen, nichts gegen das «a]lmählich». Aber nur ja nicht daran denken, dass es nun irgendwie darauf ankommt, dass das schwierig ist. Es ist gar nicht schwierig; wenn man den Gedanken einmal gründlich erfasst hat, dann wird man darauf kommen. Ich habe das einmal in der folgenden Weise ausgedrückt. Es gibt einen Philosophen der Gegenwart. Ich schätze seinen Scharfsinn sehr - ich unterscheide Scharfsinn von Genie wie von Geistestiefe und Sachkenntnis. Es gibt also einen scharfsinnigen Mann, der hat ein Buch geschrieben in den Achtzigerjahren «Das Ganze der Philosophie und ihr Endcm Er sucht in diesem Buche nachzuweisen, dass wir durch unsere naturwissenschaftliche Denkweise, die alles ergriffen hat, dahin gekommen sind, dass eigentlich alle philosophische Weltanschauung aufhören muss, und abgegeben werden müssen die Dinge, die bisher die Philosophie gemacht hat, an Politik, an Naturwissenschaft, an Jurisprudenz und auch an Staatspädagogik. Das ist etwas sehr Bedeutsames. Dieser Mann, der hat konsequent zu Ende gedacht dasjenige, was eigentlich in den Denkgewohnheiten liegt. Er ist daher ganz richtig dazu gekommen: Wenn  wir so weiterwursteln — und er ist dafür, dass wir so weiterwursteln, er ist enthusiasmiert für die Auflösung alles philosophischen Denkens. Er beweist das sehr scharfsinnig und ist deshalb auch Professor der Philosophie an einer Universität geworden. Er redet von Staatspädagogik. Das bedeutet für den, der die Sache als Symptom ins Auge zu fassen versteht, auch sehr viel. Das bedeutet, dass keine in sich autonome Pädagogik mehr da ist, dass nicht etwas da ist, was mit dem Menschen als solchem rechnet, sondern der Staat ist im Laufe der Jahrhunderte soundso geworden; er verlangt für das, was er geworden ist, diese und jene Zubereitung des Menschen; der Mensch, der im Staate drinnensteht, muss soundso aussehen. Jetzt hat man zu studieren, wenn man Pädagoge ist: Nun ja, also der Mensch muss soundso aussehen, wir haben die Menschen so zu drechseln, dass sie soundso aussehen. - Das ist etwas, was überwunden werden muss. Und wollen wir den historischen Zeitpunkt ins Auge fassen, dann müssen wir das überwinden. Es darf nicht das Geistesleben seine Direktive vom Staate bekommen, sondern der Staat hat seine Direktive vom Geistesleben zu bekommen. Der Referendar und der Assessor - ich bin schon einmal der Meinung -, nehmen Sie es als grotesk, aber diese Meinung wird nicht lange auf sich warten lassen: Wie ein Referendar und ein Assessor aussehen sollen in der Welt, das hat die Universität zu bestimmen und nicht der Staat. Nicht der Staat hat ein Gesetz darüber zu geben, wie das oder jenes sein muss, sondern führend hat das Geistesleben zu sein. Das hat dem Staate zu sagen: Wenn du ein richtiger Staat bist, muss dein Assessor und dein Referendar soundso aussehen. - Also, ich denke mir: Eine wirklich innere Autonomie des ganzen Geisteslebens, das ist es, worauf es vorzugsweise ankommt. In dieser Art denke ich mir auch das Berechtigungswesen. Nicht wahr, wer in den letzten Zeiten dieses Berechtigungswesen studiert hat - ich will nicht einmal so sehr auf Eignungsprüfungen eingehen -, der wird gesehen haben: Immer wieder und wieder haben sich da Berechtigungen, welche entstehen durch die Sache selber, verwandelt in staatliche Prüfungssysteme. Der Staat hat seine Staatsprüfungen gesetzt an Stelle der früheren Diplomprüfungen der Universitäten und  Hochschulen. Das war ein Zug der Zeit; das war in vieler Beziehung ein berechtigter Zug der Zeit, aber er muss wieder rückwärts gemacht werden, nicht im schlimmen Sinne; nicht ins Mittelalter wollen wir verfallen, aber wir müssen dazu kommen, dass das Geistesleben ganz autonom von sich aus der Welt die Gestalt gibt, denn sollen wir so weit ins materielle Fahrwasser hineinkommen, wie es der Sozialismus will, dann können wir das nur, wenn wir ein starkes Gegengewicht haben, wenn wir gerade ein ganz starkes Geistesleben haben. Sehen Sie, nehmen wir einmal die Sachen so, wie sie sind. Es lässt sich nicht leugnen: Die Sozialdemokratie, wie sie sich entwickelt hat im Laufe eines halben Jahrhunderts, denkt mit geringerer oder größerer Abweichung ganz marxistisch. Und derjenige, der sich heute nicht an den Marxismus hält - das heißt an denjenigen Marx, den die heutigen Parteipäpste für den richtigen Papst halten -, der gilt nichts innerhalb der sozialdemokratischen Partei. So hat sich in der Tat im Laufe des letzten halben Jahrhunderts diese Sozialdemokratie entwickelt. Durch den sogenannten Revisionismus hat man allerlei Dinge abzustumpfen versucht, jetzt werden sie aber wieder immer schärfer betont. Es gibt aber auch solche Leute, die die letzten Konsequenzen des Marxismus ziehen. Es lässt sich nicht leugnen: Die letzte, wirkliche Konsequenz des Marxismus - wer hat sie gezogen, theoretisch zunächst, und dann versucht, es praktisch auszuführen? Das ist Lenin - Lenin, der eigentlich die Scheidemänner oder Bindemänner, die Kautskys und wie sie alle heißen - es ist von ihm gesagt -, der sie, die deutschen Sozialisten, alle für Halunken hält, Lenin, der mit einem großen logischen Scharfsinn die letzten Konsequenzen des Marxismus zieht auf allen Gebieten. Die Verwirklichung ist das heutige bolschewistische Russland. Da drinnen steckt eine innere Notwendigkeit: Der Marxismus führt dazu und kann, wenn er auf seine eigene Beine gestellt wird, zu gar nichts anderem führen. Nun hatte Lenin ein Buch geschrieben, «Revolution und Staatm Da sagt Lenin: Der alte Staat ist schlecht, nach jeder Richtung hin schlecht; es ist nichts zu machen, überhaupt nichts zu machen mit dem Staat. Der Staat muss überwunden werden, nur kÖnnen wir ihn nicht gleich überwinden. - Da sagt er: Also machen  wir eben einen Staat, in dem die proletarische Diktatur herrschen wird. Das richten wir ein; da soll sein gleiches Recht und gleiche Entlohnung für alle. - So ist es heute in Russland schon so, dass manchmal der eine so entlohnt wird, dass er sechsmal so viel verdient wie der andere, da gibt es Leute, die als Geistesarbeiter schon 200000 Rubel verdienen, aber dennoch: Gleiche Entlohnung und gleiches Recht für alle! Es nehmen sich die Dinge in der Wirklichkeit manchmal ganz anders aus, aber da stellt sich die Sache so hin, dass solche Leute wie Lenin - der also ganz scharfsinnig ist, der wirklich die letzten Konsequenzen des Marxismus gezogen hat - also sagt: Machen wir es noch ein bisschen mit dem alten Staat fort, machen wir mit den Strukturen fort, die wir sehen im alten Staate. Aber wenn wir es so machen, hat dieser Staat, dieser neue Staat, eine bestimmte Aufgabe. - Da hat Lenin in «Staat und Revolutiom eigentlich auch sehr, sehr strikt und logisch genau definiert. Er sagt: Dieser Staat, den er jetzt begründet haL hat die Aufgabe, nach und nach sich selber zum Tode zu führen. Keine Aufgabe hat der Staat, als sich selber zum Tode zu führen. Das ist eigentlich Lenins Definition desjenigen Staates, den er begründet hat. Denn erst, so sagt er, und da setzt er übrigens an Dinge an, die bei Marx selber zu finden sind, denn da sagt er: Also wird der jetzige Staat, in dem es nicht besonders behaglich ist - es ist nicht so gekommen, wie wir es gewollt haben -, der Staat wird sich selber zum Tode hin revolutionieren, und dann erst kommt das Neue, wo jeder nach seiner Fähigkeit und seinem Bedürfnis behandelt werden wird. Aber nun setzt Lenin hinzu, und das bitte ich als maßgebend zu betrachten: Das, was dann entsteht aus dem Staat, der sich nun selbst gemordet hat, das kann man nicht machen mit dem heutigen Menschen, sondern dazu brauchen wir eine neue Art von Menschen. Also Verweisung auf den Zukunftsstaat, zu dem man erst eine neue Art von Menschen braucht. Ja, meine verehrten Anwesenden, da will eben der dreigliedrige soziale Organismus diesen weltgeschichtlichen Wahnsinn, der außerordentlich logisch ist und Methode hat, dasjenige, was verwirklicht werden kann, was auf einen wirklichen Grund und Boden gestellt werden kann. Dazu braucht man aber  vor allen Dingen, dass man nicht ein Anhänger ist des Wahnsinns, dass auf irgendeine - ja, ich weiß schon nicht, wenn alles sich selbst gemordet hat -, auf welche Art dann das neue Menschengeschlecht entstehen soll, aber wenn man sich diesem Gedanken nicht hingibt, dann braucht man Herz und Sinn für den heranwachsenden Menschen. Dann muss man eben verstehen, dass man braucht eine Neugestaltung des Geisteslebens, dann muss man vor allen Dingen Herz und Sinn haben für die Heranbildung des Geisteslebens, für diese Entwicklung eines sachgemäßen Geisteslebens. Dann werden diese Wahnsinnsgedanken, man brauche erst ein neues Menschengeschlecht, aus den KÖpfen der Menschen hinausgehen, und man wird den Mut fassen, die Menschen zu dem geeignet zu machen, was sie entwickeln sollen in Demokratie und Sozialismus. Es ist ein realer Gedanke, um den es sich dabei handelt. Nun stehen aber doch die Dinge nicht so - wahrhaftig nicht! -, dass man sich darauf einrichten kann, in den nächsten drei Jahren die Dinge in Muße und Ruhe zu beraten. Die Dinge sind zu brennend und zu drängend; es müssen Dinge geschehen. Darum handelt es sich, dass wir den guten Willen haben, die Dinge schnell zu fassen und das zu tun, was wirklich geschehen kann. Dazu muss man allerdings für diese Dinge Herz und Sinn haben, und einsehen, dass das heutige Menschengeschlecht nicht ausgerottet zu werden braucht, damit etwas geschieht im Lenin'schen Sinne, sondern dass das ganze gegenwärtige Menschengeschlecht etwas taugt. Aber die Menschen müssen erzogen werden. Schauen wir uns die Gegenwart an, wie sie geworden ist, und sagen wir uns: Die Leute, die nun weiter hineinwachsen sollen in das, was sich verwirklichen will in der Geschichte, die müssen eben anders erzogen werden. Es ist einmal heute die Zeit, in der man die Fragen im großen Stile anpacken muss. Deshalb habe ich öfter gesagt: Es handelt sich darum, dass vor allen Dingen verstanden werde der wirkliche Gedanke der Dreigliederung. Der besteht mit Bezug auf das Geistesleben darin, dass wir es wirklich auf seinen eigenen Grund und Boden stellen. Es bedarf dazu nichts anderem, als dass man die gewöhnliche Schulaufsicht [abschafft], die in so halbamtlicher Tätigkeit durch Beamte  ausgeübt wird, wie es in der neuen württembergischen Verfassung heißt, wo sich ein Widerspruch, der im Leben besteht, sofort durch eine solche Stilisierung zum Ausdruck bringt: «Beamte, die halbamtlich tätig sindm Man kann da fischen, wo in der Wirklichkeit das auftritt, was nicht auftreten sollte, sondern es handelt sich darum, dass man wirklich erfasst, dass in die Schule hinein nur Leute des Geisteslebens hineinkommen, da sollen nicht zufällig die Köpfe der Menschen angefüllt werden mit dem Geiste, der aus Verordnungen heraus spricht. Was braucht es denn weiter, als dass der Staat erklärt: Du Geistesleben, du sollst dich selbst verwalten; wir schaffen Kultus- und Unterrichtsministerium ab und geben dem Geistesleben selbst die Möglichkeit, sich zu verwalten. Ich kann nicht einsehen, warum es besser sein soll, dass die Beamten des Staates die Dinge verwalten als die Menschen, die im Geistesleben drinnenstehen. Das ist etwas, was wirklich von heute auf morgen geschehen kann, wenn man nur den starken Willen dazu hat. Das ist das, was ich meine, was vor allen Dingen ins Auge gefasst werden müsste, und das, was ich gemeint habe, ist das, dass es heute wirklich darauf ankommt, die Massen zu gewinnen für den Zeitgedanken, auf einem anderen Gebiete, dass auch heute es darauf ankommt, möglichst viele Menschen zu haben, die verstehen können, dass das Geistesleben auf eigenen Boden gestellt werde, und die in ihrer Art zusammenwirken, damit das zustande kommt. Sehen Sie, wie wir hier unsere Arbeit angefangen haben, zunächst in der Strömung des Wirtschaftslebens, hatten wir es in drei Wochen so weit, dass wirklich Tausende und Abertausende von Proletariern aller Gebiete verstanden haben, was gemeint war mit der Dreigliederung des sozialen Organismus. Sie haben es in ihrer Art selbstverständlich verstanden, aber es ist doch ein gefühlsmäßiges, empfindungsmäßiges Verstehen bei den breiten Massen nicht etwas Schlimmes, sondern es ist etwas Natürliches. Dann sind die selbstsüchtigen Führer gekommen, die sich zuerst gedacht haben: Ach, der «kohlt», der spricht Kohl, der wird auf die Leute keinen Eindruck machen, der hat keine Autorität. - Dann haben sie gesehen, dass der Kohl Tausende von Menschen gewinnt. Da haben sie dann Angst  bekommen, dass ihnen das Heft aus den Händen gewunden werden könnte, und jetzt stehen wir vor der Möglichkeit, dass die breiten proletarischen Massen, die schon auf dem Wege zur Vernunft waren, wieder abschwenken, weil sie ihren Führern nicht untreu werden können, weil sie auf dieselben eingefuchst sind. Und nun wollen die Parteischablonen und die Parteischlagworte wieder einmal über die Vernunft siegen. Wenn man fragt: Muss denn das sein? -, so bekommt man zur Antwort: Die Masse ist eben doch Stimmvieh. Aber die Masse könnte nun auch einmal nicht Stimmvieh sein, sondern das, was nun wirklich aus einer vernünftigen Gestaltung der Wirklichkeit herauskommt, das also - sehen Sie, was dort angestrebt worden ist, das müsste in erhöhterem Maße angestrebt werden für unsere heutige Zeit, von der man sagen kann: Jede Woche kann das Furchtbare bringen. - Es müsste angestrebt werden für das Geistesleben, es müsste aus dem verselbstständigten Geistesleben selbst angestrebt werden, dass die Erziehung so eingerichtet wird, dass der Mensch zu seiner Geltung kommt, damit er auch drinnenstehen kann in der Demokratie und dem Sozialismus. Man fürchtet aber so sehr, wenn man sieht, wie wenig Gefühl vorhanden ist für dasjenige, was heute durch die Entwicklung der Menschheit pulsiert, man fürchtet so sehr, dass das, was ich so oft am Schlusse meiner Vorträge gesagt habe: Es müsste eigentlich verstanden werden das, was zu geschehen hat, bevor es zu spät wird. Man fürchtet so sehr, dass es zu spät werden könnte; ich fürchte sogar wirklich, wenn man sagt: Wir können unseren Staat nicht ohne Weiteres zertrümmern -, dann fürchte ich mich davor. Meine sehr verehrten Anwesenden, wir wollen ihn auch nicht zertrümmern, denn schließlich, wenn wir bis morgen beschließen wollen über das Schulwesen, dass es auf sich selbst gestellt würde bis morgen, so glaube ich, dass es kaum viel anders ausschauen würde. Sie würden nur mal den Anfang machen mit dem, was nach und nach das Geistesleben intensiver machen würde. Es würde sich gar nicht um eine Zertrümmerung handeln; es würde in den nächsten Wochen in den Schulen gar nicht anders ausschauen; sondern eher so, dass nicht Leute über die Schule gebieten, die aus der Bürokratie  heraus gebieten, sondern solche aus der Pädagogik. Wer nicht genauer zusehen würde, der würde nämlich, wenn das Wichtigste geschieht, gar keinen besonderen Unterschied bemerken. Und ein Revolutionär, der sich darauf einrichtet, dass, wenn die Revolution kommt, kein Stein mehr auf dem ändern liegt, der würde vielleicht dann sagen: Schöne Revolution! Es schaut ja gar nicht anders aus als vor vierzehn Tagen! Also um Zertrümmerung kann es sich nicht handeln. Aber etwas anderes ist es, wenn man sich zu sehr fürchtet vor der Zertrümmerung, denn dann könnte es ja sein, dass wir zwar das Zertrümmern vermeiden, dass aber andere, elementare Mächte, die sich heute mit Riesenkräften durch Europa verbreiten, diese Zertrümmerung recht gründlich besorgen könnten. Deshalb meine ich, wir haben nicht die Wahl, uns zu stark einzurichten auf die Langsamkeit, sondern wir müssen zugreifen. Wir müssen tatsächlich dasjenige sehen, worauf es ankommt, und es kommt schon darauf an, dass diese Dreigliederung bei der Neugestaltung herauskommt. Mir hat einmal nach einem Vortrag ein Mann gesagt: Man soll also den Staat in drei Glieder zerschneiden; ob nun die Entente uns vierteilt oder ob Dr. Steiner uns dreiteilt, das ist ganz gleichgültig. Aber darum handelt es sich gar nicht, es handelt sich um etwas ganz anderes. Da ist zum Beispiel ein Mann, der immer den Vorträgen, die ich halte, wie ein getreuer Eckart folgt - ich weiß nicht, ob er auch heute wieder hier ist -, und der sagt gewöhnlich nach den Vorträgen etwas sehr Treffliches. Nachdem die einen dieses, die anderen jenes eingewendet haben, sagt er: «Aber Kinder, nehmt doch das, was da gesagt worden ist, ganz einfach; man braucht es nur ganz einfach zu nehmen, wie es wirklich ist.» Das ist wirklich so ein getreuer Eckart, der immer von Vortrag zu Vortrag nachfolgt und am Schlusse die treffenden Worte gebraucht: dVehmt doch die Sache einfachb - Dasjenige, was man da sieht in dieser Dreigliederung, ist einfacher, als man glaubt, und was man für schwierig hält ist oft erst hineingetragene Schwierigkeit. Das, was ich jetzt sage, das sage ich, damit man mich nicht missversteht, damit man nicht glaubt, ich wollte den Staat, den bisherigen Staat heruntersetzen oder ich wollte glauben, dass,  wenn der bisherige Staat bleibe, die Schule viel anders würde. Nein, das glaube ich nicht, aber wir sollten erkennen, dass wir uns in einem großen weltgeschichtlichen Augenblick befinden, dass wir in diesem weltgeschichtlichen Augenblick das erfassen, was mit Bezug auf die Befreiung des Geisteslebens und besonders auf die Neugestaltung des Schul- und Unterrichtswesens zu erfassen ist. Über das Weitere können wir ja noch reden. [ln der Diskussion gebt es um den Text des Aufmf'. Auf Antrag Emil Molts wird eine Kommission berufen, die die endgültige Fassung ausarbeiten soll. Die Debatte wird dann aber doch fortgesetzt. Ein Teilnehmek Karl Bittcl, kritisiert RudolfSteinen Darstellung der Verhältnisse in Russland.] Rudolf Steinek Zu'iscbenruß Ich habe nicht über Russland gesprochen, ich habe über das Buch «Staat und Revolutiom von Lenin gesprochen und [über] das, was sich unmittelbar daran anlehnt. Das ist doch keine abfällige Kritik, das ist ganz objektiv gemeint. [Karl Bittel erwähnt gegen Ende seiner Ausführungen noch den württembergischen «Rat geistiger Arbcitcr</ Schlusswort Rudolf Steinen: Herr Dr. Bittel hat wirklich manches gründlich missverstanden. Ich selbst möchte aber ausdrücklich nicht missverstanden werden, sondern von vornherein bemerken, dass ich durchaus auf dem Boden stehe, dass solche Einwendungen, wie sie Herr Dr. Bittel gemacht hat, mit aller Dankbarkeit aufgenommen werden müssen, auch wenn sie an manchem so vorbeihauen, dass abgekommen wird eigentlich von dem Verfolg der Sache, die in Aussicht genommen ist. So zum Beispiel ist dasjenige doch ganz übersehen worden, worauf in meinen Ausführungen der größte Wert gelegt worden ist, und das ist, dass das Unterrichtliche auf eine als gesund anzustrebende psychologische Anthropologie gestellt werden soll, dass wir gerade aus dem Grunde keine Hoffnung haben können, dass aus einem Erziehungswesen etwas herauskommt, weil wir eine solche gesunde Anthropologie nicht haben. Ich habe nicht die Forderung aufgestellt - wer mich irgendwie oft gehört hat, der sollte wissen, dass ich kein Programm-Mensch bin und nicht aus ir gendeinem Blauen heraus Forderungen aufstelle -, sondern ich habe einfach charakterisiert, was sein muss nach den Naturgesetzen der Menschheitsentwicklung. Ich sagte: Wenn wir die Menschen dazu vorbilden wollen, dass sie wirklich in Demokratie und Sozialismus hineinwachsen, dann ist einfach aus der menschlichen Natur heraus notwendig, dass sich zwischen dem Zahnwechsel, also zwischen dem 6., 7. und dem 14., 15. Lebensjahr Autoritätsgefühle in dem Menschen entwickeln, damit er dann die innere starke Kraft hat, die ihm ermöglicht, später in einem demokratischen Staatswesen drinnenzustehen, um im vollsten Sinne Demokratie und Sozialismus zum Ausdruck kommen zu lassen. Diese Auffassung der Sache ist von dem Gesichtspunkt einer wirklich realen Psychologie aus gedacht. Das bitte ich Sie als Unterschied desjenigen, was hier auf dem Boden der Dreigliederung auftritt, von anderen Programmen, die aus Forderungen heraus gestellt werden, aufzufassen. Es soll alles, was in dieser Idee der Dreigliederung auftritt, einfach aus der Wirklichkeit heraus sein. Ein anderes Missverständnis ist das Folgende. Wir würden in der ganzen Diskussion nicht fortwährend in lauter Sackgassen und Unmöglichkeiten einlaufen, wenn wir uns darauf einlassen würden, dem, was hier gewollt wird, nicht mit allerlei anderen Programmpunkten zu begegnen. Sehen Sie die Sache doch lieber so: Man mag ja pro und kontra - darauf will ich mich nicht einlassen - gegen solche Programme wie das der Jugendorganisation manches auf dem Herzen haben. Mir selber ist dieses Programm, das hier verlesen wurde, muss ich sagen, zu senil; ich selbst fühle mich nicht alt genug, um diesen Weg zu betreten. Aber was wirklich innere Jugendkraft hat, das ist dasjenige, was ich vermisse in den heutigen Jugendbewegungen; dass sie schon so alt sind und sich nicht stellen können auf den Boden einer wirklichen Jugend. Ich habe einem jüngeren Vertreter, der mit großer Emphase auftrat, in Bern glaube ich, einmal gesagt: Sie sind 35 Jahre, ich bin bald 60 Jahre alt, aber nach dem, was Sie vorgebracht haben, fühle ich mich viel jünger, als Sie es sind. - Es kommt darauf an, dass man die Dinge so nehmen kann, wie sie gemeint sind - das Pro und Kontra soll ja gar nicht berücksichtigt werden.  Über die Sache selbst soll einfach diskutiert werden - und ich wäre sehr froh, wenn ich nicht nur stundenlang, sondern tagelang Diskussionen über diese Fragen einmal beiwohnen könnte -, nur heute sind sie nicht auf der Tagesordnung, aus dem Grunde, weil wir fruchtbar erst diskutieren können, wenn ein realer Boden dafür geschaffen ist. Wenn das Geistesleben befreit ist, dann haben wir erst Aussicht, mit diesen Dingen durchzudringen, ihnen den Boden zu bereiten. Ob man nun mehr dafür oder dagegen ist: Allen diesen Bewegungen wird ein gesunder Unterboden gerade durch die Idee der Dreigliederung geschaffen, auf dem sie sich ausleben können. Ich kann Ihnen aufrichtig gestehen, ich wäre todfroh, wenn sich auf dem Boden des neuen Geisteslebens nicht nur diejenigen Bewegungen ausleben würden, denen ich mit meinen Sympathien zuneige, sondern auch die entgegengesetzten in Freiheit sich ausleben würden, denn mir kommt es nicht darauf an, irgendeine Weltanschauung durchzuführen, sondern einen Boden der Freiheit zu schaffen, auf dem die einzelnen geistigen Impulse konkurrieren können. Dann wird auf dem Boden dieses freien Geisteslebens das kommen, was sich Geltung verschaffen können wird. So bitte ich auch, die Sache mit der Autorität nicht misszuverstehen. Sie ist so gemeint, dass sie vor allen Dingen als etwas Selbstloses von dem Schüler empfunden wird. Dass heute die Autorität nicht vorhanden ist, bezeugt einmal die Bierzeitung, auf der anderen Seite auch das Streben nach der Schulgemeinde. Würde wirklich die Autorität da sein, wie ich sie mir denke, dann hätten wir Schulgemeinden längst. Dass wir sie heute anstreben müssen und nicht einmal wissen, woher wir die Lehrer nehmen müssen, um zur Neugestaltung der Schule zu kommen, das bezeugt umso mehr, dass man sich umso mehr nach der Befreiung des Unterrichtswesens sehnt. Es kommt doch nicht darauf an, zu sagen: Derjenige, der etwas will, muss sich zur geistigen Revolution bekennen, muss sich zu diesem Aufruf bekennen und so weiter. - Meine sehr verehrten Anwesenden, mit dem fortwährenden Betonen « radikale Revolution, Revolution, Revohtion!» kommen wir nicht weiter. Ich bin mir dessen bewusst: Wenn das, was hier gemeint ist, verwirklicht wird, nämlich ein freies  Geistesleben, dann ist dies eine viel radikalere Revolution als dasjenige, was die Herren meinen, die das Wort «Revolution» immer nur in dem Sinne nehmen, wie es eben der Herr Vorredner gebraucht hat. Warten Sie nur ab, wie radikal verschieden das sein wird im Gegensatz zu dem, was als Befreiung des Geisteslebens von dem Bunde für Dreigliederung angestrebt wird, was dann auf dem Boden des freien Geisteslebens herauskommt. Ich bin auch durchaus einverstanden mit dem, was der Herr Vorredner gesagt hat mit Bezug auf die Presse. Da ist es aber auch nur mÖglich einzugreifen, wenn wir auf dem Boden des freien Geisteslebens stehen. Durch ein Eingreifen auf einem gesetzmäßigen Boden oder durch eine Art Pressegerichtshof- davon kann ich mir nichts versprechen. Dass der Geschichtsunterricht nicht so aussehen wird, wie er bisher immer ausgesehen hat, scheint mir auch eine selbstverständliche Sache zu sein. Dann die Frage der Volkshochschule. Ja, selbstverständlich bin ich sehr für die Sache, aber wir haben keine Wissenschaft und auch keine Kunst für diese Volkshochschule. Da brauchen wir vor allen Dingen das, was aus dem freien Geistesleben herauswächst. Jene Popularisierung der Klassenwissenschaft und der Klassenkunst, die die heutigen Hochschulen verzapfen, gibt keine Volkshochschule. Gerade für eine Volkshochschule brauchen wir erst ein freies Geistesleben. Ich habe schon einmal betont: Ich kenne den Unterschied [zwischen dem], was wahres, wirkliches Geistesgut ist, und dem, was heute von Professoren als die Gedanken der Volkshochschulen verzapft wird. Denn sehen Sie, ich habe diesen Zwiespalt empfunden, als ich Lehrer war an der von Wilhelm Liebknecht begründeten Arbeiterbildungsschule. Wenige konnten zu meinen Schülern, die alle Sozialisten waren, so sprechen - ich konnte so sprechen, dass dasjenige, was ich ihnen sagte, hervorgeholt war aus dem AllgemeinMenschlichen: Jeder verstand und jeder war dabei. Wenn ich aber folgen musste den Usancen, dem Glauben, der so herrscht, dass man nun auch dasjenige anschauen müsse, was in den Museen von Klassenkunst hineingehängt wird - die Leute stellten dazu nämlich oft den Antrag -, dann hatte ich so meine Beklemmungen, denn da war Klassenkunst, da war nicht das, was ich aus dem Herzen dem Volke  zu geben versuchte, sondern da war das vorhanden, wovon der Proletarier nichts verstehen konnte, weil er nicht auf demselben Boden stand - da musste man, wenn man den Leuten die Dinge erklärte, eine andere Sprache sprechen. Und ich war immer froh, wenn ich dann sagen konnte: Das ist dasjenige, was durch etwas anderes ersetzt werden muss, wenn etwas entstehen soll, was tatsächlich Kunst der Zukunft oder dergleichen sein kann. Denn da kann man bis ins Innere des Kunstgefühles gehen und sehen, wie unmöglich es ist, zum wirklichen Volkstum zu kommen. Bedenken Sie doch nur einmal, wie der Künstler von heute aus der bürgerlichen Klasse herausgewachsen ist; er wird sehr schöne Landschaftsbilder hinmalen, aber niemals wird der, der nicht aus dieser selben Klasse herausgewachsen ist, überhaupt etwas davon verstehen können, weil er den Übergang nicht findet zwischen der doch viel schöneren Natur, die der Professor an jedem Sonntagnachmittag selbst anschauen kann, und demjenigen, was auf die Schinken hinaufgekleckst ist, selbst wenn es mit großer künstlerischer Vollendung geschehen ist. Es handelt sich um viel Radikaleres, wenn es sich um Volkshochschulen und Volkskunst handelt, wenn man von dem redet, was mit der Bestrebung des dreigliedrigen sozialen Organismus gemeint ist. Da handelt es sich um etwas, wovon diejenigen sich noch nichts träumen lassen, die immer davon sprechen: «radikale Revolutiom; es handelt sich um etwas, was bis in das hineingeht, was seit Jahrhunderten die Kluft zwischen den Menschen aufgerichtet hat, was bis ins Innere des Geisteslebens hineingeht. Und da ist tatsächlich notwendig, dass man aufsucht dasjenige, was mit der Idee des dreigliedrigen sozialen Organismus gemeint ist, bevor man andere Programme diesen Ideen entgegensetzt, denn wahrhaftig - Sie können wenigstens von mir die Versicherung entgegennehmen -, diese Programme habe ich reichlich kennengelernt. Und die Idee der Dreigliederung ist nicht deshalb da, weil ich diese Programme nicht kennengelernt hätte, sondern weil ich sie kennengelernt habe. Die Einwendungen, die von diesen Gesichtspunkten aus gemacht werden, habe ich mir längst selbst gemacht; und weil ich sehe, ich habe sie mir längst selbst gemacht, deshalb nur gibt es die Idee der Dreigliederung.  Mir ist das «Programm» der Dreigliederung ganz gleichgültig; mir handelt es sich darum, dass heute wirklich der Geist in die Menschheit hineinkommt, der von der geistigen Seite aus den großen geschichtlichen Moment ins Auge fassen kann. Dann überlasse ich es meinetwillen den ändern, dieses oder jenes anders aufzufassen. Darum handelt es sich mir, dass möglichst viele Menschen da sind, die diesen neuen Geist in sich tragen. Dann werden diejenigen, die etwas dazu tun können, diesem großen historischen Geist auf die Beine zu helfen, diesen neuen Geist auch fördern können. Deshalb ist mir die Fassung des einen oder ändern Punktes absolut gleichgültig - mir kommt es gerade auf den Geist an; da mag die Fassung besser oder schlechter sein. Und wenn das erreicht wird, dass eine möglichst große Anzahl von Menschen in den Dienst des Geistes sich zu stellen vermögen, dann ist das erreicht, was ich möchte. Carl Unger: Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor; ich schließe somit die Versammlung.  ANTHROPOSOPHIE UND SOZIALE FRAGE Vortrag bei einer Versammlung uon Mitgliedern der Antbroposopbischen Gesellschaft Stuttgart, 27. Juni 1919 Meine lieben Freunde! Es sollte die Erkenntnis durchdringen, dass wir doch in der Gegenwart in einer Zeit des Umschwunges leben, in einer Zeit, die wir anzusehen haben als die Zeit einer Verwandlung, und dass es uns vor allen Dingen obliegt, unsere Außabe in dieser Zeit gerade zu finden. Wir werden, da wir uns ja heute nicht auf den Boden stellen, auf den wir uns stellten in der Betrachtung, die wir dem allgemeinen Kulturrat-Aufruf widmeten, sondern gerade auf unserem Boden, als Angehörige der anthroposophischen Gesellschaft, wir werden da guttun, gerade von diesem Gesichtspunkte der anthroposophisch orientierten geisteswissenschaftlichen Bewegung aus ein wenig unsere Gedanken zu beschäftigen. Sehen Sie, wenn man heute redet von geisteswissenschaftlicher Erfassung der Welt, von dem wirklichen Inhalt der Geisteswissenschaft - Sie haben das ja auch in Stuttgart erfahren können, durch viele Jahre sind geisteswissenschaftliche Vorträge gehalten worden, die, man kann schon sagen, ein immer größeres Publikum gefunden haben -, wenn man von diesen geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten aus im Konkreten heute zu den Menschen redet, so findet sich zunächst ein den Verhältnissen der Gegenwart entsprechendes Publikum. Sie haben dann aber auch erlebt, dass wir, selbst abgesehen von dem öffentlichen Publikum, Anthroposophie immer weiter und weiter getrieben haben. Viele von Ihnen haben es erlebt, dass wir diese Anthroposophie auch auf den verschiedensten Gebieten fruchtbar gemacht haben, fruchtbar gemacht haben aus einem ganz bestimmten Geiste heraus. Stellen wir uns einmal vor, wie das versucht worden ist aus einem bestimmten Geiste heraus. Wir können bei irgendetwas anfangen - fangen wir bei den öffentlichen Vorträgen an. Diese öffentlichen Vorträge mussten eine neue  Erkenntnis, eine ganz neue Charakteristik des Geisteslebens in die Welt hineinstellen. Niemals wurde zurückgeschreckt davor, auch in öffentlichen Vorträge nicht, und erst recht nicht in den Vorträgen, die dann für Fortgeschrittene innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft selber gehalten worden sind - niemals wurde davor zurückgeschreckt, in prägnanter Weise energisch auf dasjenige hinzuweisen, was dieses im Niedergang begriffene Kulturleben der Gegenwart ablösen soll. Immer wurde bemerklich gemacht seit Jahrzehnten ja jetzt schon: Dieses Kulturleben ist im Niedergang; das Leben, in dem wir drinnenstehen, ist im Niedergang. Und es wurde überall darauf hingewiesen, wie aus einer Erneuerung der geistigen Erfassung der Welt eine aufwärts gehende Entwicklung gefördert werden müsse. Es wurde mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass mit dem gründlichsten Ernste unterschieden werden müsse zwischen dem, was in niedergehender Bewegung ist, und dem, was die Menschheit erfüllen muss, damit sie wieder aufsteigen kann. War nicht das, meine lieben Freunde, der Geist all der Vorträge, die in der Öffentlichkeit oder im engeren Kreise gehalten worden sind? Und war nicht im Grunde genommen in diesen Vorträgen immer dasjenige drinnen, was jetzt in einer äußeren Weise illustriert wird durch die weltgeschichtlichen Ereignisse und das weltgeschichtliche Elend? Sehen wir auf irgendetwas anderes auf unserem speziell anthroposophischen Gebiet: Wir haben in Dornach einen Bau aufgerichtet. Wir haben uns an nichts angelehnt bei der Aufrichtung dieses Baues, was irgendwie hergebrachte Architektur, hergebrachte Malerei, hergebrachte Plastik ist. Wir haben aus dem Bewusstsein heraus, dass eine vollständige Erfrischung und Erneuerung unseres Geisteslebens notwendig ist, etwas, was ein Anfang ist, was aber etwas Neues ist, zu schaffen versucht. Wir haben nicht gescheut, alledem ins Gesicht zu schlagen mit dem, was wir schufen, welches aus den alten Anschauungen heraus architektonisch, malerisch, plastisch und so weiter urteilen wollte. Da standen ja gewiss vor dem Dornacher Bau die Philister manchmal Kopf; wir ließen sie kopfstehen. Und wir wussten: Das ist ja gerade dasjenige, was wir wollen mussten, dass die philistrÖsen Träger der bisherigen Weltanschauung vor den  Dingen kopfstehen. Wir ließen uns auch nicht abhalten, wenn alle die unvermögenden neueren Versuche, zu irgendeiner unphiliströsen Kunst zu kommen, mit all den Untergründen, aus denen so oftmals künstlerisches Schaffen entsteht mit den Untergründen der Hysterie oder des Nichtskönnens, aber Vielwollens, wenn die einfach ihr «Unkijnstlerisch» aussprachen über dem, wovon sie doch, gerade weil sie in einer neuen Art in ihrem Sinne künstlerisch sein wollten, nichts verstanden. Wir ließen uns nicht abhalten, von den Philistern und, verzeihen Sie das Wort, Überphilistern schief und scheel angesehen zu werden. Als wir darangingen, die Eurythmie zu pflegen, mit dem, was dazugehört, einer Wiedererschaffung der Rezitationskunst, da habe ich gesagt: Die zart besaiteten Seelen, die mit der Aufführung dieser Dinge beschäftigt sein werden, die müssen sich darauf gefasst machen, dass die Dinge, wenn sie einmal in die Öffentlichkeit gebracht werden, gründlich beschimpft werden; aber das wird gerade der Beweis dafür sein, dass sie etwas bedeuten; denn würden sie gelobt, dann würden sie ja übereinstimmen mit dem Niedergehenden, und dann wären sie ganz gewiss nichts nutz. Dieses Bewusstsein, das jetzt, ich möchte sagen, mit Blut von der Menschheit heraus gefordert wird, dieses Bewusstsein wurde in der anthroposophischen Bewegung aus den Forderungen eines neuen Geisteslebens herausgeholt. Wir haben in München unsere Mysterien aufgeführt, deren eigentlichen Inhalt wenig Menschen bis jetzt im Grunde genommen verstanden haben. Wir haben durch vier Jahre diese Mysterien aufgeführt, mancherlei Menschen haben sie gesehen; vor der Welt sind sie eingesargt; seither wird überhaupt nicht mehr davon gesprochen. Sie sind vergessen, weil sie vorübergegangen sind vor denjenigen, vor denen sie aufgeführt worden sind, wie ein Traum, den man vergisst; an dem man sich wohl behaglich ergötzt, aber den man vergisst. Diese Dinge müssen einmal gesagt werden, meine lieben Freunde, denn wir kommen sonst nicht dazu, anzuknüpfen an dasjenige, was ich eigentlich am letzten Sonntag meinte. Ja, meine lieben Freunde, es wäre schÖn gewesen, wenn wir 1907 in Angriff genommen hätten all die Dinge, die heute hier erwähnt  worden sind. Aber wir leben ja in 1919, und heute können wir nicht mehr dasjenige bloß in Angriff nehmen, was wir hätten vielleicht auf Grundlage unseres erwachten anthroposophischen Bewusstseins im Jahre 1907 in Angriff nehmen sollen. Um was handelt es sich nun? Verzeihen Sie, wenn ich, damit die Sache nicht allzu lange dauert und möglichst schmerzlos verläuft, wenn ich mich etwas scharf konturiert ausdrücke: Ich möchte sagen, mit Bezug auf unsere anthroposophische Bewegung gab es zweierlei Leute, von denen man zweierlei voraussetzen konnte: diejenigen Leute, die in öffentlichen Veranstaltungen waren, oder die sehen konnten, wie jetzt der Dornacher Bau für alle Welt offen ist, die sehen konnten dasjenige, was wir wollten, einfach als — nun, sagen wir, als Zeitgenossen. Das war die eine Sorte von Menschen. Wir haben sie auch hier erlebt, als die allgemeinen anthroposophischen Wahrheiten spezialisiert wurden für die Dreigliederung. Wir haben sie hier erlebt im Siegle-Haus. Leute haben wir erlebt, für die diese Dinge schon verständlich sind, soweit sie für ein allgemeines Publikum verständlich zu sein brauchen. Aber ich habe es ja oftmals hier charakterisiert, wie das Verständnis der Menschen der Gegenwart, die sich überhaupt mit diesen Dingen beschäftigen, eigentlich ist. Diese Menschen der Gegenwart, sie nehmen schon manches hin, sie sehen auch manches ein, aber sie können sich nicht aufschwingen, dasjenige, was sie einsehen, zum Inhalt ihres ganzen Menschen zu machen; zum Inhalt nicht nur ihres Denkens und Träumens, oder träumenden Denkens, sondern auch zum Inhalt ihres Wollens zu machen. Und so kann man erleben, dass vielleicht eine ganze Versammlung, oder der größte Teil von Menschen, die öffentlich zuhören bei den Dingen, die jetzt gesprochen werden müssen zum Heile der Menschheit, dass die ja bis zu einem gewissen Grade ihre deutliche Zustimmung zeigen, aber am nächsten Tage ist für sie alles, wie es vorher war; es hat für sie keine andere Bedeutung, als dass sie durch eineinhalb oder zwei Stunden die Dinge gehÖrt haben; dass die Dinge da sind dazu, dass der Mensch sie in sein Inneres aufnimmt, dazu hat die gegenwärtige Menschheit überhaupt nicht die Veranlagung. Das, meine lieben Freunde, ist die eine Sorte von Menschen.  Die andere Sorte waren die Anthroposophen, eine ganz andere Sorte von Menschen. Bei der ersten Sorte von Menschen, die ich eben charakterisiert habe, konnte man nichts anderes hoffen als das, was ich gesagt habe, denn das ist das Bürgertum der Gegenwart, das ist derjenige Teil der Menschheit, von dem man glauben könnte, dass er Pökelfleisch im Kopfe hätte statt ein von Furchen durchzogenes Gehirn. So sind sie einmal, die Menschen der Gegenwart. Dann aber waren die Anthroposophen da, zu denen wurde seit Jahrzehnten noch von ganz anderen Dinge geredet als von dem, wovon öffentlich gesprochen werden konnte. Bei den Anthroposophen konnte es nicht genügen, dass sie diese Dinge aufnehmen; konnte es nicht genügen, dass sie den allgemeinen inneren Lebensusancen des Gegenwartsmenschen sich hingeben. Da muss man allerdings fragen: Sucht der moderne Mensch ein Geistesleben? Ja, er sucht es, er sucht ein Geistesleben, denn dasjenige, was ihm die Kirche gibt, was ihm die moderne Schule gibt, das ist ihm nichts mehr. Er sucht ein Geistesleben, aber was für ein Geistesleben sucht er eigentlich? Er nimmt im Grunde genommen die höchsten Wahrheiten hin, aber nimmt sie so hin, dass sie ihn erstens wenig behelligen, dass er zweitens sein Inneres dabei möglichst wenig zur Mittätigkeit zu beanspruchen braucht, und dass er drittens neben dem, was er sich so nimmt, ganz gut, so wie es die äußere verfallende Welt fordert, in dieser äußeren verfallenden Welt sich bewegt. Das heißt, er findet es höchst natürlich, ohne darin einen inneren Widerspruch zu empfinden, dass er den Hantierungen seines Lebens nachgeht im Sinne der dekadenten Welt, im Sinne des Zugrundegehens, auf das er so mit der Nase gestoßen werden musste durch die Weltkriegskatastrophe und was nachher folgte, und dann fühlt er manchmal das Bedürfnis, sich erheben zu lassen durch eine anthroposophische Rede oder anthroposophische Belehrung, die er hinnimmt wie eine Sonntagnachmittagspredigt, die ihm eine Abwechslung bietet für dasjenige, was er doch sonst ganz gut aufnimmt als das Leben innerhalb der verfallenden Kultur. Es rüttelt den Menschen der Gegenwart zuweilen auf, dass die Dinge so unsinnig sind um ihn herum, die Dinge, die er mitmachen muss, dass sie so unsinnig sind; dann wendet er sich auch zu so etwas wie  Anthroposophie wohl hin, aber nicht als zu etwas, was er sucht als den Impuls, wie die Dinge andere werden sollten bis ins Einzelne hinein, sondern er sucht in der Anthroposophie ein hübsches Schlafpülverchen, wodurch er sich hinweg betäuben kann über dasjenige, in dem er doch zur äußeren Beruhigung seines inneren Menschen leben kann. Sehen Sie, das war der fortdauernde Aufruf an die Mitbeteiliger an der anthroposophischen Bewegung: zu verstehen, dass das nicht so fortgehen dürfe in der modernen Menschheit, dass Anthroposophie nicht als Schlafpülverchen so verstanden werden sollte und als Sonntagnachmittagspredigt, sondern dass der moderne Mensch seine Anthroposophie in sich aufnehmen muss, um in allen Einzelheiten des Lebens sie auch wirklich darzustellen, um sie auszuprägen, um in sich das Bewusstsein der Selbstbesinnung hineinzubilden, dass wir in einer verfallenden Kulturwelt drinnenstehen. Die Anpassungsfähigkeit des modernen Menschen ist eine riesige. Aber an was passt man sich denn an? Sehen Sie, wir leben ja in dreifacher Unnatur in der Gegenwart drinnen. Wir leben in der Phrase drinnen. Wir leben in einem bloßen positiven Festsetzen von allerlei Geboten und Verboten, statt im ursprünglichen menschlichen Recht. Wir leben im Wirtschaftsegoismus, statt in der Brüderlichkeit des Wirtschaftslebens drinnen. Das alles wird vom modernen Menschen hingenommen so, dass er es möglichst wenig zu bemerken braucht. Ja, sehen Sie, Anthroposophie, ernsthaftig aufgefasst, lässt einen nicht dabei, diese Dinge einfach nicht zu bemerken, sondern es ist das etwas, was ich oftmals gesagt habe: Anthroposophische Wahrheiten in sich aufnehmen bedeutet eine gewisse Gefahr für das Leben, bedeutet, dass man mutvoll leben muss, bedeutet, dass man den inneren Entschluss haben muss, mit mancherlei Dingen zu brechen. Fast in allem, was versucht worden ist, ist hingewiesen worden auf dasjenige, was Anthroposophie sein will. Als Devise war gegeben worden: «Die Weisheit lebt nur in der Währheit.» Die moderne Menschheit aber lebt in der Lüge. Denn das, was durch die Welt gegangen ist während der Weltkriegskatastrophe, das war nur Lüge. Man hat über die Dinge überall anderes gesagt, als sie eigentlich waren, weil die  Menschen sich in der niedergehenden Kultur entwöhnt haben, überhaupt den inneren Zusammenhang noch zu haben zwischen dem, was sie sagen, und dem inneren Erleben. Die Menschheit braucht eine starke spirituelle Substanz in ihrer Seele, um diesen Zusammenhang wiederum zu gewinnen. Auf diesen Boden sollte man sich streng stellen. Man sollte auch im Einzelnen die Dinge einsehen. Man sollte zum Beispiel einsehen, was zu diesem Unglück der Weltkriegskatastrophe geführt hat; notwendig ist, zu wissen, was die Unfähigkeit der leitenden, führenden Persönlichkeiten bewirkt hat, und dass diese Unfähigkeit großgezogen worden ist aus dem Grunde, weil großgezogen worden ist die Antipathie gegen das Geistesleben auf allen Gebieten. Wo wurde sie aber am meisten großgezogen? Am meisten wurde sie großgezogen in der Kirche, denn dasjenige, was am meisten vermaterialisiert ist, das ist heute das landläufige Christentum aller Konfessionen. Dieses landläufige Christentum aller Konfessionen soll den Menschen zur Geisteswelt erheben, während es nur den Versuch immer macht, dem Menschen möglichst die Geisteswelt so darzustellen, dass sie handgreiflich materiell ist. Auf alle diese Dinge wurde ja im Einzelnen oftmals hingewiesen, immer wieder und wiederum. Es nützt heute nichts, diese Dinge nicht zu sehen in ihrer wahren Gestalt. Vor allen Dingen aber muss eingesehen werden, wie dasjenige, was jetzt als Dreigliederung des sozialen Organismus in die Welt tritt, ein Ergebnis anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft ist. Man wird aber diese Sache nur im richtigen Sinne verstehen, wenn man, wie ich eben gesagt habe, in diese Dinge hineinschaut. Meine lieben Freunde, es ist notwendig, dass der Mensch durch Geisteswissenschaft eine auf sich selbst gestellte Persönlichkeit werde, sodass er lernt, die Außenwelt, auch die menschliche Außenwelt, gerade dadurch in der richtigen Weise zu beurteilen, dass er zugleich fest auf seinem eigenen Boden als freie Persönlichkeit steht. Die freie Persönlichkeit, sie wird ja heute überhaupt gar nicht mehr in der Welt anerkannt. Wir haben uns gewöhnt, die freie Persönlichkeit überhaupt nicht mehr anzuerkennen. Wenn jemand irgendwo seine eigenen Gedanken sagt, möglichst eigene Gedanken, die er sich  blutig errungen hat, so nennt das die törichte, dumme Welt heute ein Referat. In solchen Dingen, bis ins Einzelne hinein, handelt es sich darum, dass man sieht, wo die Dinge faul sind. In dieser Anpassung an die Dummheit der Gegenwart zeigt sich, wie wir nicht mehr auf dem Boden einer freien, in sich selbst schaffenden Persönlichkeit zu stehen vermögen. Es ist durchaus keine Pedanterie, auf solche Dinge aufmerksam zu machen, denn in den gewohnheitsmäßigen Ranken des gewÖhnlichen Lebens zeigt sich, wo die Dinge faul sind, auch im Großen. Und wenn wir gesunden wollen, dann muss diese Gesundung vom Großen ausgehen und so stark im Großen sein, dass das Große eingreifen kann in die gewÖhnlichen kleinsten Ranken des Lebens. Wir haben in dem Augenblick, in dem schon alle Welt sehen konnte äußerlich: Auf dem Waffenwege geht es schief mit Mitteleuropa -, wir haben unseren, ich möchte sagen, unmittelbar an der ausländischen Entente-Grenze stehenden Dornacher Bau in diesem Augenblick das Goetheanum genannt, damit der ganzen Welt klar das sagend, was wir für das Richtige halten, niemals irgendwie nachgebend dem, wovon man sagen könnte: Wie wird es auf die Leute wirken, auf was hat man Rücksicht zu nehmen? - und dergleichen. Und damit zusammenhängend möchte ich doch darauf aufmerksam machen, dass es gut wäre, wenn sich insbesondere die mitteleuropäische Bevölkerung wiederum erinnern würde daran, dass in Mitteleuropa einmal solche Menschen gelebt haben wie Goethe, Schiller, Lessing, Herder und ähnliche Leute, dass Fichte gesprochen hat. Denn diese Dinge, meine lieben Freunde, sind vergessen. Es ist nicht wahr, dass diese Dinge heute noch leben. Es ist eine ungeheure Lüge, wenn man sagt: Fichte lebt noch. In den Menschen lebt er nämlich nicht mehr. Denn dadurch lebt er nicht, dass ihn die Nachfolger des alten, weiland deutschen Reichstages in Weimar sogar zu zitieren angefangen haben. Diese Leute, die die Größe Mitteleuropas ausmachten, die wurden zu Parasiten des Lebens vom Ende des neunzehnten und des Lebens vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Die müssen erst wiederum ausgegraben werden. Und verstehen wird man das eine müssen, dass die Zeit eine Realität ist.  Meine lieben Freunde, ich will Ihnen in radikaler Weise das Folgende sagen: Nehmen Sie an, Herder oder Goethe hätten irgendetwas geschrieben; das legen Sie vor sich hin; und heute geschehe es durch Karma oder durch Zufall - es ist eben hypothetisch gesprochen -, dass einer derselben schreibt, er wüsste gar nicht, dass Goethe oder Herder das geschrieben haben; er schriebe dasselbe, mit denselben Worten sogar. Da würden wohl die meisten Menschen der Gegenwart sagen: Nun ja, das ist ja ganz dasselbe. Und doch, die Wahrheit könnte diese sein, dass dasjenige, was Goethe oder Herder geschrieben haben, durchsetzt wäre von real Spirituellem, und dasjenige, was der Mensch heute schriebe mit denselben Worten, Phrase, Phrase, Phrase ist. Daraus aber mögen Sie entnehmen, wenn irgendeiner einen Wisch bringt von der oder jener Gemeinschaft, die heute auftaucht mit irgendeinem netten Programm, dass man das oder jenes sozial machen soll, und vergleicht es mit dem, was hier als Dreigliederung auftritt, so mag manches wörtlich übereinstimmen; derjenige aber, der auf solche Übereinstimmung etwas gibt, der zeigt nur, dass er nicht in der anthroposophischen Bewegung mit seiner Seele wirklich drinnensteht. Denn der große Unterschied gegenüber all diesen Dingen - ich habe es durch die Jahrzehnte hindurch bei den verschiedensten Anlässen immer wieder gründlich klargemacht -, der große Unterschied liegt darin, dass hinter dem, was wir sozial verkünden, eben die anthroposophisch charakterisierte Welt steht, das ist Substanz, und das macht den Unterschied; das erhebt dasjenige, was unsere Sätze sagen, über den Charakter der Phrase hinaus, zu einem wirklichen Inhalt, während die meisten Menschen heute nur Phrasen reden, die gerade so klingen können wie der Wirklichkeitsinhalt. Auf die Realität kommt es an und nicht auf die Phrase. Das ist es, wovon man möchte, dass es verstanden werde. Wird die Sache verstanden, meine lieben Freunde, dann handelt es sich darum, dass man von diesem Gesichtspunkte aus in Wirklichkeit unsere Zeit zu erfassen vermag. Ich hätte ja gerne gehabt, dass ein anderer es gesagt hätte, aber da es kein anderer sagt, muss ich es eben selber sagen: Wir haben doch die Anthroposophie, wir haben doch die Geisteswissenschaft; aus ihr  geht das Bewusstsein hervor, dass eine Umwandlung notwendig ist in unserer Kulturwelt. Das weiß aber die Menschheit noch nicht, das weiß sie nicht genügend, das muss ihr gesagt werden, das muss ihr bemerklich gemacht werden, und zwar so deutlich bemerklich gemacht werden, wie ich es eben jetzt gezeigt habe. Will einer eine Schule gründen, gut, er mag es tun; will einer Märchen erzählen, gut, er mag es tun; man hätte das auch 1907 tun können. Dasjenige, um was es sich heute handelt, ist, dass der Menschheit das Bewusstsein überliefert wird, dass Anthroposophie da ist und dass Anthroposophie wachsen muss. Und wenn sie nicht wächst, so wächst nichts, weil das andere zugrunde geht, wie sich deutlich zeigt im Geistesleben. Und das muss ernsthaftig vor die Menschheit hingestellt werden. Wir können selbstverständlich heute nicht gleich irgendwelche Schulen im Großen gründen, aber wir haben der Menschheit zu sagen: Eure Welt geht zugrunde, hier habt ihr die Wahrheit, aus der heraus ihr sie erneuern könnt. Ihr habt die Befreiung der Hochschule zu begründen im Sinne des neuen Geistes! - Die Erweckung dieses Bewusstseins, das ist es, um was es sich handelt. Es freut mich deshalb, dass angeschlossen worden ist an meinen Aufruf «An das deutsche volk und an die Kulturwdt» im letzten Heft des «Reich» ein Aufsatz, in dem die Worte stehen: Die Kräfte der Selbstbesinnung müssten aber zuletzt doch zu einer solchen gemeinsamen Verständigung führen können, wenn diese Selbstbesinnung in diejenige Richtung gelenkt würde, welche zu einer Erkenntnis der Grundlagen, auf denen allein ein Aufbau noch möglich ist, führen muss. Im Grundriss des Aufbaues müssen die Entwicklungskräfte der neuen Zeit eingezeichnet sein. Wollte man ohne einen so gearteten Grundriss aufbauen, dann müsste jede auch noch so gut gemeinte Leistung aus Mangel an wirklichkeitsgemäßer Unterlage in sich selbst zerfallen. Wer den Schritt zu einer solchen Selbstbesinnung macht, dem wird die Tragweite der in dem Aufruf vertretenen Anschauung bewusst werden, dass eine wirkliche Mission des deutschen Volkes unauflöslich verknüpft sein muss mit all demjenigen, was die Entwicklungskräfte der neueren Zeit fordern. Gültige Grundlagen für einen Aufbau können nicht geschaffen werden, wenn die unaufhaltsam heraufdrängenden Entwicklungskräfte, welche im Laufe der letzten hundert Jahre entbunden worden sind, im Strombett der alten Denkgewohnheiten weitergeleitet werden. Diese Entwicklungskräfte wollen sich ein neues Strombett graben. Geistige Pionierarbeit großen Stiles ist zu leisten,  wenn die Zukunft des deutschen Volkes gesichert werden soll. Die Waffen der alten Denkgewohnheiten erweisen sich aber zu stumpf, um diese Arbeit zu leisten. Jeder sollte so denken, der teilgenommen hat an der anthroposophischen Arbeit, und jeder sollte dieses zu seinem Tun machen. Denn nicht kommt es darauf heute an, was wir morgen im Einzelnen tun, sondern darauf, dass mÖglichst viele Menschen wissen, was zu geschehen hat, dann werden möglichst viele Menschen da sein, die das tun können. Und wir dürfen nimmermehr zurückschrecken vor dem Entschluss, die Dinge heute so radikal wie möglich zu sehen. Sie so zu sehen, dass wir wahrhaftig nicht in den alten blöden Formulierungen des Kulturprogramms stehen bleiben, sondern dass wir sehen: Hie alte Kultur - hie diejenige, die eingeschlagen werden soll durch Geisteswissenschaft. Das Einzelne ergibt sich. Es ist gerade vordem gefordert worden, dass die Kinder in den untersten Klassen eine gewisse Musik treiben sollen, dass jedes ein Instrument lernen soll. So etwas kann man im Einzelnen fordern. War das nicht unsere Forderung von Anfang an, den Kindern, jedem, ein Musikinstrument in die Hand zu geben? Diese Dinge ergeben sich dann, wenn die Arbeit, die geistige Arbeit, die aus der Anthroposophie folgt, in großem Stile zunächst zur Selbstbesinnung der Menschen angeknüpft ist. Daher war es, als ich hierherkam, dass es mir vor allen Dingen darauf ankam, möglichst viele Menschen dazu zu bringen, dass sie die Dinge zunächst einsehen, auf die es heute im sozialen Leben ankommt. Da haben die Leute zunächst gedacht, weil sie töricht waren und nicht gefühlt haben die Realität in den Dingen: Das sind Träumer, die Dinge sind auf anthroposophischem Boden gewachsen. Da waren sie zunächst nicht mehr ängstlich. Dann haben wir tausend und abertausend von Anhängern gehabt, die ihre Anhängerschaft mit Namen besiegelten durch die Zustimmung, wir hatten bei vielen Resolutionen eine große, große Stimmenzahl. Dann sind diejenigen, denen sich die Massen fügen aus den heutigen Zeitverhältnissen heraus, ängstlich geworden, und da sich ihnen gezeigt hat: Das ist keine Anthroposophie, sondern das sind Realitäten in  den KÖpfen und in den Seelen drinnen, verschrien sie es als Utopie, darum, weil die Führer der heutigen proletarischen Massen nicht selber proletarisch denken, sondern gerade die fürchterlichsten bürgerlichen Spießer sind. Sie sind diejenigen, in denen das Bürgertum in der charakteristischsten Form gerade zum Ausdruck kommt. Deshalb handelt es sich darum, dass wir jetzt vor allen Dingen unsere Aufgabe erfassen. Diese Aufgabe, wir erfassen sie nur dann, wenn wir wissen, das Erziehungssystem von unten auf neu aufzubauen. Und wir haben es der Welt klarzumachen, dass dieses Erziehungswesen neu aufzubauen ist, dass es aus dem Geiste der Geisteswissenschaft heraus aufgebaut werden muss. Wir haben es heute klarzumachen, dass diejenigen Universitäten, die jetzt bestehen, dem Untergang der Menschheit dienen; dass unsere Gymnasien, unsere Realschulen, unsere Mittelschulen dem Untergang der Menschheit dienen; dass in unseren Volksschulen nicht Menschen gebildet werden, sondern Staatskriippel. Wenn wir uns aber Anthroposophie lassen eine Sonntagnachmittagspredigt sein, die wir möglichst neben unserem Leben hergehen lassen, und dann unterkriechen und uns nicht zu sagen getrauen draußen, dass die Dinge, auf die die anderen Menschen so viel geben, lauter unmögliches Zeug enthalten, dann brauchen wir auch nicht Anthroposophen zu sein. Wir müssen uns durchclringen mit dem Geiste der wirklich neuen Zeit, nicht mit der Phrase der neuen Zeit. Daher haben wir zunächst die Aufgabe, wenn wir als Anthroposophen wirken sollen, mÖglichst dafür zu sorgen, dass die Leute erst wissen, was zu tun ist; dass sie wissen lernen, was zu tun ist. Ich möchte prüfen die Anthroposophen, die da sind, es sind lauter einzelne Persönlichkeiten - ich möchte Sie fragen: Denken Sie einmal, statt Ihrer, stau dessen, dass Sie da sitzen und ich zu Ihnen rede, säßen da lauter Jesuiten, und einer der Jesuiten feuerte die anderen zu Taten an. Ich möchte wissen, was diese Jesuiten, wenn sie in solcher Zahl hier wären, für den Jesuitismus wirken würden - das möchte ich einmal wissen. Die würden Feuer machen für dasjenige, was sie sollen. Sie brauchen nicht gleich im Einzelnen das oder jenes zu tun, sie würden sich gerade zunächst darauf beschränken, im großen Stil zu wirken für die Entstehung des Bewusstseins, das sie in  den Menschen bereiten wollen. Es kann im Grunde genommen das Wichtigste die Persönlichkeit da nur sein, zu der wir uns aufraffen, denn mit etwas anderem erreicht man in der Gegenwart doch nichts, meine lieben Freunde, als dadurch, dass möglichst viele Menschen durchdrungen werden von der Wahrheit, und dass man sich getraut, diese Wahrheit zu sagen. Wir erleben es immer wiederum, wie wenig dieser Mut zur Wahrheit da ist, und wie wenig der Wille dazu vorhanden ist, die Dinge zu durchschauen. Ein solcher Kulturschädling wie Johannes Müller, wie wird er angefasst in der Gegenwart? Erst heute lag mir ein Aufsatz vor, von dem ich glaube, dass ihn sehr viele Leute für außerordentlich geistreich halten. Die Frankfurter Zeitung, diese Ablagerungsstätte für alle gegenwärtigen blödsinnigen Ausschleimungen derjenigen Menschen, die auch mitmachen wollen bei der Neugestaltung, die Frankfurter Zeitung druckt ihn sogar als Feuilleton ab, einen Aufsatz von Johannes Müller, in dem er redet davon, dass das deutsche Volk Vertrauen gehabt hat zu seinen Generälen, aber diese nicht zum deutschen Volk, und dass davon das Unglück herrührt. Es ist der reine Unsinn, es ist das reine Blech, aber diesem Blech laufen die Menschen heute nach. Und man muss sich getrauen, diesem Blech mit aller Schärfe entgegenzutreten, denn Anthroposophie soll nicht sein etwas, was aufgenommen wird wie eine Sonntagnachmittagpredigt, sondern etwas, was Feuer in unser Blut gießt. Darauf kommt es zunächst an, dass wir im umfassendsten Sinne das der Welt sagen, worauf ich am letzten Sonntag am Schluss der Betrachtung hingewiesen habe: Wir sind als Anthroposophen da! Würden wir heute eine Universität gründen, was wäre die Folge davon? Nun, nehmen wir an, wir bekämen Schüler - ich will davon absehen, ob wir die Lehrer dafür hätten -, wir bekämen also Schüler; ich glaube es nicht, dass wir unter den heutigen Verhältnissen Schüler bekämen, denn diese Schüler könnten noch so gut ausgebildet werden, selbst wenn das von vielen gepriesene sozialistische Staatswesen weiter besteht, oder in anderer Form zustande käme, man würde sie nicht staatlich anerkennen, diese Schule. Sie hätten sozusagen zu ihrem Vergnügen für die Außenwelt studiert. Darum handelt es sich nicht, sondern darum handelt es sich, dass wir der Welt begreiflich  machen: Der ganze Geist, der heute in unserer öffentlichen Wissenschaft herrscht, muss ein anderer werden. Und wir haben ein Recht zu fordern, dass es alle Menschen machen - darauf kommt es an. Sehen Sie, warum spreche ich diese Dinge? Ja, ich spreche sie aus dem Grunde: Da haben wir durch Jahrzehnte gearbeitet; gar mancherlei von dem, was ich auch von diesem Platze aus besprochen habe, es trat erst vor mein seelisches Auge in diesen letzten Jahrzehnten; ich weiß, was manches für ein erschütterndes Erlebnis war; ich weiß, wie ich es anzusehen habe; ich weiß aber auch, wie wenig ein Wille entwickelt wurde, die Dinge so zu sehen, wie sie in der Wirklichkeit sind in Bezug auf ihren geistigen Inhalt. Im neuen Heft des «Reich» ist ein sehr interessanter Aufsatz von Hermann Haase, ein Beitrag zu einer Phänomenologie des Bewusstseins. Dieser interessante Aufsatz zeigt etwas sehr Merkwürdiges. Es weist der Verfasser hin auf eine Untersuchung, die ein Psychiater, ein Pathologe gemacht hat, wo er untersucht hat die Schizothymie und ihren Zusammenhang mit der Dementia praecox, einer gewissen Form von Schwachsinnigkeit. Durch die Untersuchung an einem schwachsinnigen Menschen ist der betreffende Psychiater darauf gekommen, dass es vier Arten von Bewusstseinsschichten im Menschen gibt, das Oberbewusstsein (Ob. genannt), das erlebende Unterbewusstsein (erl. Ub. genannt), das ordnende Unterbewusstsein (ord. Ub.) und das tiefste Unterbewusstsein (t. Ub.). Da findet sich der moderne Forscher, der herausgebildet ist aus der modernen Universität. Er stellt vier Stufen des Bewusstseins fest aus schwachsinnigen Individualitäten, in denen sich das im negativen Spiegelbild zeigt, und man kommt nicht darauf, dass diese Sache in gesunder Art verkündet worden ist der Welt, indem ihr gesagt worden ist: das gewöhnliche Gegenstandsbewusstsein, das imaginative Bewusstsein, das inspirierte Bewusstsein, das intuitive Bewusstsein. Sagt man heute etwas im Lichte gesunder geistiger Arbeit, dann nimmt sie es nicht an. Kommt ein Psychiater und holt etwas aus krankhaften Zuständen krankhafter Individuen heraus, dann findet sich die Welt ein, um die Sache in einer Karikatur entgegenzunehmen. Dazu haben wir es gebracht. Solch ein Abgrund ist zwischen dem, was heute verkündet werden  kann und verkündet werden muss aus dem Geiste heraus, und dem, was die Welt annehmen will. Dazu müssen wir uns durchringen: diese unsere Mission innerhalb der Gegenwart einzusehen und nicht uns hinzugeben an den Gedanken: «ja, es kann doch aber nicht alles so schlimm sein, die Leute wollen doch das Beste.» Nein, wir haben einzusehen, dass die Welt im Niedergang begriffen ist, und dass sie einen Aufbau braucht. Das haben wir ihr zunächst zum Bewusstsein zu bringen. Wenn wir es ihr nicht zum Bewusstsein bringen, nützt auch alles nichts, was wir in die Welt hineinstellen, und die Welt würde es gar nicht verstehen, wenn nicht elementar erst darauf hingewiesen würde, dass es notwendig ist, dass an Stelle der staatlichen Wissenschaft der Gegenwart etwas anderes zu treten hat. In der Form muss es die Welt erfahren. Und schwingen wir uns dazu nicht auf, so arbeiten wir als Anthroposophen nicht mit an der Umgestaltung der neueren Kultur. Alles andere ist Wischiwaschi. Wir haben daher zu suchen die Formen, in denen wir das der Welt mitteilen können, in denen wir wirklich immer wiederum gerade von Geisteswissenschaft reden. Wir brauchen uns heute nicht damit zu beschäftigen in diesem wichtigen historischen Augenblick, ob wir Märchen zu erzählen haben oder nicht; das mag eine schöne Aufgabe sein, aber heute handelt es sich darum, wie wir der Welt das Geistesgut der Geisteswissenschaft vor die Augen legen. Darum handelt es sich, dass wir nicht immer protegieren und protektionieren dasjenige, was was anderes ist, sondern dass wir uns auf den Boden anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft wirklich stellen. Geisteswissenschaft haben wir zu vertreten. Das habe ich gemeint am letzten Sonntag. Und mutvoll sollten wir, wo wir uns auch hinstellen können, diese Geisteswissenschaft vertreten, in welchem Beruf wir auch tätig sind. In jeden Beruf hinein kann diese Geisteswissenschaft ihr Reformierendes, ihr Revolutionierendes kraftend senden. Wir müssen nicht zurückschrecken, wenn so etwas mÖglich ist, wie, dass eine erstklassige Universität der alten niedergehenden Zeit ein Individuum wie Max Dessoir hervorbringt, der lügt, lügt wissenschaftlich. Wir müssen den Mut aufbringen, diese Dinge in ihrer Wahrheit hinzustellen. Jetzt aber müssen wir wohl darauf aufmerksam sein, wie überall  herauskriechen die schleimigen Gestalten, die sich gegen dasjenige heranmachen, was nun gerade von hier aus hätte ausgehen sollen. Was wird da alles aufgetrieben von diesen schleimigen Gestalten! Zu allem Übrigen, was geschleimt worden ist, hat sich neuerdings eine solche schleimige Gestalt gefunden, die noch hineingemischt hat eine Lobhudelei des Dessoir, und die die schleimige Lüge hervorbringt, dass der Dessoir sich gerechtfertigt hätte in der Neuauflage seines Buches. Aufmerksam muss man sein auf diese Schleimigkeit der heutigen Kultur, wie sie besonders im Öffentlichen Pressewesen hervorgeht. Wenn wir nicht aufstreben zur Deutlichkeit, helfen uns alle konfusen Gedanken nichts. Dazu brauchen wir sowohl Mut wie auch die Bescheidenheit, uns zu begrenzen in unserem Vermögen und in unseren Kräften, dasjenige zu tun, was wir tun können. Sehen Sie, ich wollte Ihnen nur diese Dinge sagen, um Ihnen begreiflich zu machen, was ich eigentlich letzten Sonntag gemeint habe. Ich habe nicht gemeint, dass man denken soll, man solle jetzt dasjenige tun, was man hätte 1907 machen sollen; dann hätte es sich bis 1919 ausgewachsen in irgendeiner Weise; sondern ich habe gemeint, dass man jetzt den großen historischen Augenblick ergreifen soll und der Welt bemerklich machen soll, dass es eine anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gibt. Das weiß sie nicht. Das weiß sie gar nicht, weil auf diese Dinge nicht hingehorcht wird, weil die Dinge nicht in Taten umgewandelt werden. Da könnte ich Ihnen unzählige Beispiele sagen, wie die Dinge nicht in Taten umgewandelt werden, wie die Dinge nichts bedeuten als eine vorübergehende Redesensation. So ist Anthroposophie nicht gemeint. Anthroposophie ist so gemeint, dass aus jedem ihrer Worte die Tat hervorgehen kann, und wenn diese Tat selber zunächst nur in Worten bestehen kann. Aber diese Worte dürfen nicht Phrase sein, die dürfen nicht salbungsvoll gestaltet sein, wie eine salbungsvolle Rede des alten Christentums oder des gegenwärtigen Christentums; diese Reden müssen körnig sein. Wir müssen heute begreiflich machen, dass derjenige, der aus unseren Hochschulen kommt, verdummt ist, und wir dürfen nicht müde werden, zu zeigen, dass das eine kulturhistorische Erscheinung ist, dass alle vier Fakultäten (oder wie viele neu errichtet sind)  Verdummungsanstalten im Sinne der wirklichen Menschheitsentwicklung sind. Wenn wir uns nicht aufschwingen zu solchem Bemerklichmachen, dann wird die Anthroposophie schon noch lange arbeiten müssen, bis sie dasjenige ausführen kann, wozu sie eigentlich berufen ist. Dann sehen Sie, glauben Sie, dass dasjenige, was ich Ihnen neulich gesagt habe, dass zum Beispiel was in unserer Anatomie und Physiologie als «Mensch» beschrieben wird, eigentlich kein Mensch, sondern der von Ahriman beschriebene Luzifer isi; was sich dadurch ausdrückt, dass die heutige Physiologie unterscheidet zwei Arten von Nerven, sensitiven und motorischen Nerven; glauben Sie, dass es leicht zu finden ist? Wenn es gefunden ist, ist es heute eine Wahrheit, die nicht als Sensation, als Rederei genommen werden müsste, sondern dass sie aus den Angeln hebt ein ganzes System an Wissenschaft, wie manches andere ein ganzes System von Wissenschaften, die heute an unseren Universitäten von den Konfusionsräten tradiert werden, aus den Angeln heben könnte, und wie diese Geisteswissenschaft noch viel anderes aus den Angeln heben könnte. Aber solange wir nicht ein Bewusstsein davon haben, dass Anthroposophie alles ist, dass die anderen Dinge gar nicht neben ihr bestehen können, dass es unrecht von uns ist, wenn wir uns immer wiederum unterkriegen lassen, sobald wir nur zu dieser Türe heraus sind, dann können wir natürlich nicht das bewirken, wovon ich letzten Sonntag sprach. Wir sollen als Anthroposophen der Welt begreiflich machen, dass wir da sind. Das ist es, worauf es ankommt. Das müssen wir vor allen Dingen erfassen. Die Welt muss erfahren, dass Anthroposophie für ihre Sache eintreten kann. Denken Sie daran, wenn hier statt Ihrer lauter Jesuiten säßen und die ermahnt würden, zu wirken, wie sie wirken würden, dann werden Sie einen Maßstab bekommen, was Menschen, die für ihre Sache eintreten wollen, tun für ihre Sache. So aber muss man die Dinge ansehen können, nicht als eine Sonntagnachmittagpredigt. Das, glaube ich, ist das Praktischste der Gegenwart, darüber möchten wir uns am liebsten einigen: wie wir das anthroposophische Geistesgut heute, wo die Zeit dazu da ist, wo es höchste Zeit dazu ist, wirklich in die Welt hereinbringen. Wir haben damit begonnen, dass wir uns immer geniert haben im Anfang, als diese Bewegung  hier in Europa begann; wir haben uns immer geniert; wir haben uns abgerungen, wie wir das oder jenes sagen, aber nur ja nicht, woher das ist, nur ja nicht, auf welchem Boden das gewachsen ist; das haben wir geradezu als unsere Aufgabe betrachtet. Diese Zeit, an sie sollen wir zurückdenken, und wenn wir zurückdenken, daraus das richtige lernen. Dann könnten wir vor allen Dingen eine Gemeinschaft von Menschen sein, die die richtige, aber jetzt produktive Kritik an der Unkultur der Gegenwart übt. Und diese produktive Kritik, dieses Betonen desjenigen, dass das, was da ist, durch anderes ersetzt werden muss, dass das ganze gegenwärtige Schulwesen keinen Schuss Pulver wert ist, diese produktive Kritik, die ist dasjenige, was wir zunächst zu tun haben. Dazu kann dann jeder erläuternd hinzufügen dasjenige, was er aus seiner speziellen, einzelnen Erkenntnis heraus hinzufügen kann, da kann er dann gerade dasjenige, was er als einzelner Mensch ist, fruchtbar machen. Aber allerlei fruchtbar machen wollen, ohne dass man es in den Dienst des großen Zuges stellt, wird heute gar nichts nützen, denn heute steht die Menschheit nicht vor kleinen, sondern vor großen Abrechnungen, das muss immer wiederum gesagt werden.  ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATS Ansprache an einer Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus Protokollariscbe Aufzeichnung Stuttgart, 10. Juli 1919 [Emil Molt gibt zuerst eine Einleitung über den Stand der Arbeit zur Begründung uon Betriebsräten, die nicht recht uorankommt. Ernst Uehli stellt die neue Wochenzeitung ·Dreigliederung des sozialen Organi$mu$» vor.] Rudolf Steiner: Wenn die Dreigliederung des sozialen Organismus dasjenige werden soll, als was sie unbedingt gedacht werden muss, dann wird sie als ein Ganzes wirken müssen. Dann wird zum Beispiel nicht möglich sein, aus dem ganzen Gefüge des Planes zur Dreigliederung irgendeinen Teil, ein Glied herauszunehmen. Man würde zum Beispiel nicht können in irgendeiner Zeit verwirklichen den wirtschaftlichen Teil dieses Impulses - etwa so, wie er enthalten ist in dem sogenannten «Programm» - und ihn in die Welt hineinstellen für sich. Das würde man nicht können. Es muss unbedingt gleichzeitig angestrebt werden ein Nebeneinander-Hergehen, ein Nebeneinander-sich-Entwickeln der drei Glieder des sozialen Organismus. Sowenig bei einem natürlichen Organismus jemals davon die Rede sein könnte, den Kopf für sich oder die Brust für sich zuerst zu schaffen und dann zu warten, bis der andere Teil aus den anderen Gliedern entsteht, so wenig kann in Angriff genommen werden irgendein Glied des dreigliedrigen sozialen Organismus für sich. Daher musste, gerade als aufging die Saat - von der Sie ja heute gehört haben, dass sie noch nicht sehr hoffnungsvolle Früchte getragen hat -, als aber doch zunächst einmal sogar verheißungsvoll aufging die Saat des wirtschaftlichen Programms durch den Gedanken der Betriebsräte, da musste sogleich daran gedacht werden, dass nicht einseitig bloß auf wirtschaftlichem Felde in unserem Sinne gearbeitet werde, sondern dass der Allseitigkeit Rechnung getragen werde. Daher entschloss sich die Leitung des Bundes für Dreigliederung  des sozialen Organismus gerade während des Arbeitens für die Betriebsräte auf der einen Seite, Persönlichkeiten um sich zu scharen, von denen man glaubte, dass sie Interesse haben müssten an der Schöpfung und an der Vorbereitung für ein anderes Glied des sozialen Organismus: für das geistige Glied, das Kulturglied. Und man versuchte, den Anfang damit zu machen, dass eine Art Kulturrat - oder wie man das nennen will - entstehe. Sie finden in dem Aufruf zur Begründung eines Kulturrates, wie er jetzt vorläufig erschienen ist und wie er wohl in Ihren Händen sein wird, ja ausführlich dargestellt, was eigentlich mit dieser Begründung eines Kulturrates angestrebt wird. Daher werde ich nur Weniges Ihnen heute über die Sache noch zu sagen haben. Es gelang wirklich, da einmal eine Art Zusammenarbeit zu organisieren, eine Zusammenarbeit einer größeren Anzahl von Menschen. Es waren die Interessenten der verschiedensten Gebiete des Geisteslebens wiederholt hier zusammen, und man besprach die Ideen eines solchen Kulturrates. Man ging aber auch dann in die Einzelarbeit. Jeder versuchte beizutragen, die Gedanken, die ihm gekommen waren, in diesen kleineren Versammlungen zusammenzutragen - die Gedanken, die dem Einzelnen gekommen waren über Reformen, über Umgestaltung des Geisteslebens. Und aus dieser Zusammenarbeit ist dann wie eine letzte Redaktion die erste Fassung dieses Aufrufes zur Begründung eines Kulturrates entstanden. Da kam es dann darauf an, zunächst einen weiteren Kreis von Menschen zu gewinnen, die aus dem Bedürfnis der Gegenwartskultur heraus eingestimmt hätten in den Ruf: Es muss gerade auf dem Gebiete des Geisteslebens in unserer so ernsten Zeit etwas geschehen. - Man hat dann versucht, heranzutreten an diesen oder jenen Vertreter des Geisteslebens. Es würde vielleicht, ich sage nicht ein bloß trauriges, sondern eigentlich ein sehr, sehr deprimierendes Kapitel sein, wenn man die Einzelheiten der Verhandlungen schildern wollte, die in Anknüpfung an die erste Gestalt dieses Aufrufes geführt worden sind. Jetzt sollte man namentlich erkennen in dieser ärmsten Zeit, dass vor allen Dingen eine Erneuerung, eine Neugestaltung des Geisteslebens, das heißt, insofern es dem sozialen  Organismus angehört, im tiefsten Umfang notwendig ist. Man muss das erkennen auf der einen Seite an dem Grundcharakter, den allmählich das Geistesleben der kultivierten Menschheit angenommen hat. Man muss es zweitens daraus erkennen, wie dieses Geistesleben heute verwaltet wird. Dass dieses Geistesleben doch zugrunde liegt dem, was eigentlich heute geschieht, was sich heute als Verwirrung im Chaos unserer Kultur und unserer ganzen Zivilisation darstellt das sollte man eigentlich erkennen. Erkennen sollte man, was für Früchte es gebracht haL dass seit drei bis vier Jahrhunderten unser Geistesleben, insbesondere in der Gestalt des Schul- und Erziehungswesens, immer wieder und wiederum von der staatlichen Organisation aufgesogen worden ist. Erkennen sollte man, dass man heute eigentlich kaum mehr eine Empfindung hat für die innersten Bedürfnisse des Geisteslebens, die nur bestehen können in dem Drang nach einer freien Gestaltung dieses Lebens. Keine Empfindung hat man dafür, dass nicht nur für die Stellenbesetzungen, für die äußere Verwaltung gründlich ausschlaggebend war die Aufsaugung des Geisteslebens durch den Staat, sondern auch für den Inhalt dieses Geisteslebens selbst. Es konnte sich das in der vergangenen Zeit noch nicht so deutlich zeigen als heute, in den großen Wendepunkten der Entwicklung der Menschheit, in denen wir stehen. In den letzten drei bis vier Jahrhunderten, während allmählich aufgesogen worden sind wichtigste Zweige unseres Geisteslebens durch das Staatsleben, da bildete sich zu gleicher Zeit eine solche Form unseres Geisteslebens aus, die nicht mehr imstande ist, Ideen aus sich hervorzubringen, welche den Tatsachen, die immer gewaltiger und gewaltiger, immer umfänglicher und umfänglicher sich geltend machen, gewachsen gewesen wären. So ist es gekommen, dass die Gedanken überall, wo sie abgeschlossen sind aus diesen oder jenen Unterlagen des Geisteslebens, zu kurz waren, um die Tatsachen zu beherrschen, dass diese Tatsachen ihren eigenen Weg gingen, in ihr eigenes Rollen kamen, und die gedankenentleerten Tatsachen waren es zuletzt, die Tatsachen, in die der Mensch nicht mehr in der Lage war, Gedanken hineinzusenden, die hervorgebracht haben unsere furchtbare Weltkatastrophe, in der wir  durchaus noch drinnen sind, ja, bezüglich welcher wir eigentlich erst jetzt in entscheidende Punkte, in entscheidende Etappen eintreten. An nichts mehrals an der Verfassung des fiirdie heutige Menschenbewegung so bedeutungsvollen Proletariats zeigt sich gerade der Niedergang unseres Geisteslebens. Die bisher führenden, leitenden Kreise - sie empfinden schreckerfüllt dasjenige, was an Offenbarungen, an Programmen, an Parteimaximen aufsteigt aus dem Proletariat. Ich habe in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage» gerade auf den einschneidenden Punkt hinweisen wollen. Ich habe darauf hinweisen wollen, dass dasjenige, was heute die Geistesverfassung gerade der führenden Glieder des Proletariats ist, ja nichts anderes ist als das Erbe des Geisteslebens des Bürgertums, der leitenden, führenden Kreise. Sehen Sie, neulich haben zwei den Arbeiterkreisen angehörige Mitglieder des Bundes für die Dreigliederung des sozialen Organismus in einer öffentlichen Volksversammlung einen Vortrag gehalten. Daran hat sich dann eine Diskussion angeknüpft, in die eingegriffen haben weit nach links stehende Persönlichkeiten des Proletariats. Ich habe dann einige Worte gesprochen, die darauf hinausliefen, zu sagen, dass im Grunde genommen diese weit nach links stehenden, bis in die kommunistischen Kreise hineingehörenden Persönlichkeiten für mich nichts anderes vertrieben haben in ihren Reden als die schlimmsten Ableger des geistigen Erbgutes der führenden, leitenden Kreise die es bisher waren. Ich möchte sagen, man habe niemals so bürgerlich reden gehört, als es bei diesen unabhängigen und kommunistischen Persönlichkeiten der Fall war. Das haben die Leute gelernt von ihren bürgerlichen Vorfahren. Das mussten sie lernen. Und wer tiefer hinschauen kann in die ganze offizielle Entwicklung unseres Geisteslebens, in die Verwaltung unseres Geisteslebens, der weiß, dass dieses Geistesleben endlich zur völligen Verdorrung der geistigen Produktion geführt hat und dass da, wo es sich um geistige Angelegenheiten handelt, nichts mehr gediehen ist als die Phrase. Wir leben in der Welt der Phrasen. Es gibt noch immer Leute, die diese Dinge nicht einsehen wollen. Es gibt in Mitteleuropa noch Leute - man sollte es kaum glauben -, die diese Dinge nicht einsehen wollen, die noch immer sich  den Illusionen hingeben wollen, durch die sie sich so lange betäuben ließen, über das Hineinsausen in die selbstverschuldete Vernichtung. Selbst verschuldet aus dem Grunde, weil man sich nicht vorurteilslos entgegenstellen will dem, was ist, weil man nur festhalten will an alten Denkgewohnheiten und Empfindungsgewohnheiten. Dasjenige, was einem Kulturrat, wie er heute gedacht ist, vorschweben muss, das ist eine völlige Umgestaltung des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens. Man kann so etwas ja, ich mÖchte sagen, in kleinem Stil in Angriff nehmen. So soll es in Angriff genommen werden durch die Begründung der hiesigen sogenannten «Waldorfschule». Diese Waldorfschule soll von unserem Freunde Herrn Molt ins Leben gerufen werden - zunächst für die Kinder der Arbeiterschaft der Waldorf-Astoria. Diese Schule soll so ins Leben gerufen werden, dass für die Kinder zwischen dem sechsten und fünfzehnten Lebensjahr der Unterricht geleitet wird nicht so, wie bisher der Unterricht auf dieser Schulstufe geleitet worden ist - aus dem bloßen Bedürfnisse des Schablonenstaates heraus -, sondern es soll dieser Unterricht so erteilt werden, wie es die menschliche Natur zwischen dem siebenten und fünfzehnten Jahr, nach einer gründlichen Erkenntnis dieser menschlichen Natur, selber verlangt. Dasjenige, was den Menschen vorschweben kann als sogenannte Einheitsschule, die nicht herausgeboren ist aus etwas anderem als aus der menschlichen Natur, die insbesondere in diesen Jahren für alle Menschen eine Einheit ist. Dasjenige, was nur auf dieser Erkenntnis desjenigen, was mit den Menschen hineinwachsen soll in die Welt, das, was auf diese Erkenntnis als Unterricht aufgebaut werden soll, das soll zugrunde liegen der ganzen Konstitution der Waldorfschule. Es soll ernsthaftig da gearbeitet werden durch eine Lehrerschaft, welche entgegennehmen soll eine Pädagogik, die auf wirkliche Anthropologie, auf eine umfassende Anthropologie gebaut ist. Von dieser Lehrerschaft soll geleistet werden dasjenige, was in den Menschen ausbildet die in dem Menschen veranlagten Kräfte, die ausgebildet werden müssen während der Kindheit, sodass in der Zukunft vermieden werde etwas, was jeder Menschenbeobachter, der Psychologie im Leibe oder in der Seele hat, heute so klar sehen kann.  Ja, was ist denn das wichtigste und wesentlichste Charakteristikon im Leben unserer Zeit? Was ist dasjenige, was sich einem heute als eine größte Kultursorge so schwer auf die Seele legt? Sehen wir uns heute dasjenige an, was unter den Menschen waltet, so finden wir, dass die Menschen heute am häufigsten sind, die ich die sogenannten «geknickten Naturem nennen möchte: diejenigen Menschen, die dem Leben nicht gewachsen sind, deren Wollen und Empfinden und Denken durch die Schicksale des Lebens «geknickt» werden. Warum wird das «geknickt»? Aus dem Grunde, weil unsere Schulerziehung für die Kinder eine solche ist, dass die wichtigsten Kräfte der Seele nicht so erstarkt werden, dass sie später nicht mehr «geknickt» werden können, dass der Mensch dem Leben gewachsen ist. Das soll die Sorge sein bei der Einrichtung der Waldorfschule, dass der Mensch so ins Leben gestellt werde, dass dasjenige, was nur in der Kindheit an Seelenkräften und Gemütskräften entwickelt werden kann, entwickelt werde, sodass der Mensch dem Leben gewachsen wäre. Dazu gestellt ist alles, was an sogenannten Lehrfächern gelehrt werden soll, erst das Zweite. Alles, was an sogenannten Lehrfächern figuriert, das wird immer befragt werden: Wie trägt es bei zur Entwicklung der Kräfte der menschlichen Seele? Wann ist das und das, in welchem Lebensalter ist das oder das an das Kind heranzubringen? Aus umfassender Menschenkunde sollte Unterricht erteilt werden. Dann werden die Menschen, die aus einer solchen Schule hervorgehen, sich stark ins Leben hineinstellen können. Nicht kleinere, sondern größere Überwindung wird der Mensch nötig haben in dem Zeitalter, das da hofft auf die soziale Gliederung - im Gegensatz zu den Gliederungen in Klassenunterschiede und dergleichen, die vordem da waren. Es müsste natürlich später gestaltet werden auch dasjenige, was heute Mittelschule, Gymnasium, Realschule und so weiter ist und was durchaus anders werden soll für die Zukunft, wenn man Menschen haben will, die für das Leben taugen sollen; es müsste gestellt werden auf eine höhere Stufe als die Unterstufe der Volksschule, und die Umgestaltung müsste sich hinauferstrecken bis in die höchsten Gebiete des Unterrichts, wenigstens bis in die Hochschule. Wie das im Einzelnen zu denken ist, finden Sie in dem Aufruf zur Gründung eines Kulturrates.  Wie gesagt, man kann im kleinen Stile so etwas machen, wie es die Waldorfschule ist, mit jemandem, der wirklich so tiefes Verständnis hat, wie unser Freund Herr Molt, für dasjenige, was im Sinne der Dreigliederung zu geschehen hat. Der Einzelne kann segensreich wirken, wenn er eine solche Gründung macht. Aber mit einer solchen Einzelgründung ist heute das Nötige noch nicht getan. Heute handelt es sich darum, dass in dem weitesten Umkreis in den Menschen das Bewusstsein entsteht: Dasjenige, was für eine solche Einzelheit beabsichtigt werden kann, es müsste Allgemeingut der Menschen werden, wenn wir nicht in den Untergang der europäischen Kultur hineinsegeln wollen. Es sieht heute immer aus, als ob man nur irgendeine Phantasterei vor die Welt hinstellte, wenn man sagt: Wir stehen vor dem «Entweder-oder». - Entweder wir müssen uns entschließen zu großen Dingen, oder aber wir müssen uns vertraut machen mit dem Gedanken, dass die europäische Zivilisation in ihre Vernichtung hineinsegelt. Wer an dieses «Entweder-oder» heute noch nicht glaubt, der versteht eben die Zeit nicht. Nicht an unsere Zaghaftigkeit, sondern an unser mutiges Wollen ergeht heute der Ruf. Und da muss ich schon sagen: Da ist es angesichts alles dessen, was im Zusammenhang gesagt worden ist über die Umwandlung des geistigen Lebens im Sinne der Dreigliederung, da ist es wahrhaftig eine der schwersten Enttäuschungen, dass jetzt, nach Wochen der Bemühungen, nichts anderes vorliegt als der Versuch zu einem solchen Aufruf, der allerdings eine Anzahl von Unterschriften gefunden hat, aber selbstverständlich lange nicht genug. Denn dasjenige, was heute geschehen soll, muss gut begründet sein im weitesten Umkreis des Massenurteils. Nur auf diese Weise kommen wir vorwärts. Die Verhandlungen haben vielfach gezeigt, dass auch bei dieser Angelegenheit das alte Übel auftritt: Der eine will dies, der andere jenes; dem einen hat ein Satz nicht gefallen, einem anderen die Stilisierung nicht; der findet es nÖtig, wochenlang über eine Sache Diskussionen anzustellen. Ja, man muss schon sagen: Die Bedenken, die sich gerade bei der oder jener Persönlichkeit, auf die man gerechnet hat bei diesem Kulturaufruf, gezeigt haben, sie waren von  solcher Art, dass sie so recht bewiesen, wie notwendig die Umgestaltung unseres Geisteslebens ist. - Bei nichts konnte man die schlechte Verfassung dieses unseres Geisteslebens mehr erkennen als an dem Geistesleben, das solche Einwände hervorbrachte wie diejenigen, die uns entgegengetreten sind. Daher muss heute schon auch über diesen Kulturaufruf gesprochen werden. Sehen Sie, spricht man heute über dasjenige, was die allgemeine Menschheit angeht, was so deutlich zeigt, durch die ganze Konfiguration unserer Zeit, dass es die ganze Menschheit angeht - was erfährt man da? In diesen Tagen las ich in verschiedenen Zeitungen Stuttgarts die Beschreibung dessen, was die Waldorfschule will. Diese Beschreibung war auch enthalten in dem hiesigen Sozialdemokratenblatt der USPD, im «Sozialdemokrat». Zu dieser Beschreibung, die [objektiv] gehalten war, konnte der «Sozialdemokrat» nicht umhin, aus seiner «unabhängigen Gesinnung» heraus die Bemerkung zu machen: Die Sache wäre ja ganz schÖn, aber sie komme von Fabrikanten, und das wollen wir uns nicht gefallen lassen. So ist die Geistesverfassung der gegenwärtigen Menschheit gestaltet. Diese Geistesverfassung der gegenwärtigen Menschheit zeigt sich aber ganz besonders in dem, was einem entgegengetreten ist in der sogenannten Diirgerlichem Nationalökonomie, namentlich der erleuchtetsten Nationalökonomen unserer Hochschule, der führenden Nationalökonomen unseres Hochschulwesens. Ich bitte Sie, kaufen Sie sich dieses Heft, welches den Titel trägt «Das gelbe Blatt» - die gerade jetzt aufliegende Nummer. Sie finden da einen Artikel von Professor Lujo Brentano über den Unternehmer. Selbstverständlich bringen heute die Zeitungen über diesen Unternehmer-Artikel des Professors Brentano überall dasjenige, was sie eben pflegen zu bringen auf ihren Autoritätsglauben hin. Denn unsere Zeit, die nach ihrer Illusion keine autoritätsgläubige ist - sie ist autoritätsgläubiger, als jemals in früheren Zeiten die Katholiken ihren Kirchenfürsten gegenüber waren. Aber versuchen Sie doch einmal unter Emanzipation von all diesem Autoritätsglauben, mit Ihrem gesunden Menschenverstand diesen Artikel des Professors Brentano über das Unternehmertum zu lesen. Man möchte, dass mÖglichst  viele Menschen heute solchen Dingen gegenüber gesunden Menschenverstand aufbringen. Da finden Sie zunächst eine Definition des Unternehmertums. In drei Punkten wird das Unternehmertum charakterisiert. Und ein Begriff von dem Unternehmer wird geschaffen, ein Begriff, durch dessen Handhabung die Leuchte der nationalökonomischen Wissenschaft, Professor Brentano, zuletzt das zustande bringt, dass für ihn unter den Begriff des Unternehmers auch der gewöhnliche proletarische Arbeiter [fällt]; denn der gewöhnliche proletarische Arbeiter ist nach der Anschauung des Professors Brentano der Unternehmer für seine eigene Arbeitskraft, die er auf eigene Rechnung und Gefahr auf den Markt bringt. Es ist heute unser Geistesleben so [be]schaffen, dass der reine Nonsens die größte Berühmtheit genießt. Ehe man nicht das ganze Gewicht einer solchen Tatsache ins Auge fassen kann, eher entwickelt man nicht Gefühl und Empfindung für das, was notwendig ist. Und ehe man nicht dieses Gefühl und diese Empfindung entwickelt, eher wird man auch nicht einsehen, was man an innerem Mut aufzubringen hat für diese Umgestaltung unseres Geisteslebens; wie zu fordern ist eine wirklich gründliche Erneuerung dieses unseres Geisteslebens, namentlich des Erziehungs- und Unterrichtswesens. Oh, man möchte noch die Gabe ganz anderer Worte und Wortprägungen haben, um der heutigen Menschheit zum Bewusstsein zu bringen dasjenige, was man sich wahrhaftig unter blutigen Lebenskämpfen erringen musste. Denn glauben Sie, dass es einem leicht wird, solches zu sagen, wie ich es sagen musste gegen eine sogenannte Leuchte der heutigen Wissenschaft? Wenn man solches sagt, sieht einen ja jeder als einen wütigen Krakeeler an, als einen Menschen, den man unschädlich machen muss. Und nur das heiligste Pflichtgefühl kann einen heute dazu bringen, über diese Dinge die Wahrheit zu sagen. Und diese Wahrheit - sie ist ernst, sehr ernst. Denn wozu haben wir es in den Einzelheiten schon gebracht? Ich möchte erinnern an den Vortrag, den ich in Heilbronn gehalten habe über die Dreigliederung des sozialen Organismus, der schon von Herrn Molt heute erwähnt worden ist. In der Besprechung der  «Heilbronner Zeitung», von der Herr Molt berichtet hat, steht so manches - es interessiert mich nicht, denn was ein Zeilenschinder schreibt über das, was aus dem heutigen Lebensernst gesprochen ist, ist mir höchst gleichgültig. Aber wenn diese Zeilenschinderei zum Symptom wird für das, was in den heutigen Herzen und Köpfen lebt, dann muss es doch ein wenig betrachtet werden. Da hat es doch ein solcher Zeilenschinder zuwege gebracht, zu sagen, dass ich zurückgegriffen habe auf «die drei alten Schlager Freiheit, Gleichheit, Briiderlichkeitm - Nun, so weit hat es dieses Geschlecht gebracht, dass man heute ungehindert sagen darf, diese drei großen Güter der Menschheit - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - seien «Schlager», dass man verhöhnen darf, was den Menschen am heiligsten ist. Da wird man wohl erinnert an das Hamlet-Wort: Schreibtafeln her, Schreibtafeln her, dass man notieren kann, dass man lächeln und immer lächeln kann und doch ein Schurke sei. - Und man möchte sagen: Schreibtafeln her, dass man im Angesicht der gegenwärtigen Menschheit als ein gebildeter Mensch gelten kann und sogar in Zeitungen schreiben darf und dennoch in blödester Weise die höchsten Ideale der Menschheit verhöhnen darf! Diese Dinge liegen auf dem Boden unserer gegenwärtigen Zeitkultur; dass sie gesehen werden, dass dasjenige, was jeder, der es mit der heutigen Zeit ernst nimmt, herbeisehnen möchte, und dass aus diesem Sehnen das sich entwickle, das wiederum eine Gesundung unseres sozialen Organismus ergeben kann! Wir stehen wirklich dicht vor der Katastrophe, die auf den verschiedensten Gebieten des Lebens heraufzieht. Dasjenige, was wir brauchen, das ist, dass wir jetzt gerade die Möglichkeit finden, unseren ganzen inneren Menschen zusammenzunehmen; dass wir die Möglichkeit finden - besonders aus der Not, die Mitteleuropa droht -, alles zu tun, was aus diesen innersten Menschenkräften getan werden kann: die Not Mitteleuropas zum Veranlasser werden zu lassen, das zu tun, was aus dem innersten Menschen heraus getan werden kann. Man wird diesem Mitteleuropa viel nehmen, man wird es sehg sehr arm machen. Und wahrhaftig, man wird immer wieder erinnert an dasjenige, was man jetzt schon sehr, sehr bitter aus dem  Leben heraus immer wiederum auf sich wirken lassen musste: Es war mir immer ein schmerzlicher Anblick, wenn ich während dieser Kriegsjahre da und dort ein junges Kind im intimeren Kreise gesehen habe, denn da musste man fühlen: Die Alten haben wenigstens etwas hinter sich, haben eine Erinnerung an etwas; diejenigen aber, die jetzt Kinder sind, sie wachsen in furchtbare Zeiten hinein. Und heute tritt einem nicht nur durch die allgemeinen Weltverhältnisse diese Empfindung so recht vor die Seele; heute tritt sie einem auch vor die Seele, wenn man bemerken muss, wie schläfrig die allgemeine Menschheit ist gegenüber dem Beobachten dessen, was heute notwendigerweise beobachtet werden kann. Beobachtet werden muss, wie wir unbedingt in die Vernichtung hineinsegeln, wenn wir nicht von solchen Gesichtspunkten ausgehen, wie ich sie - allerdings sehr unvollkommen - mit ein paar Worten auch heute wiederum hier charakterisieren konnte. Noch einmal sei es gesagt: Viel wird man diesem Mitteleuropa nehmen; sehr arm wird man es machen. Retten wird man es nur können, wenn es sich auf etwas stellt, was man ihm nicht nehmen kann: auf die innersten Kräfte der Seele. Und es liegt wirklich gerade auch in den Volkskräften dieses Mitteleuropas, diese innerste Kraft der Seele zu pflegen. Wir haben sie nicht gepflegt in den letzten Jahrzehnten in Mitteleuropa - das ist unsere große Schuld. Lernen wir aus der Not heraus, sie zu pflegen. Das ist es, was sich einem heute auf die Zunge legt, wenn man sprechen will über so etwas wie über die Begründung eines Kulturrates. Es ist schon aus solch ernsten Untergründen heraus, dass dieser Aufruf zur Begründung eines Kulturrates verfasst ist. Möge er in seinen einzelnen Sätzen gut oder schlecht gefunden werden; mir ist es ganz gleichgültig, wie diese einzelnen Sätze heißen - auf den Geist, der dahintersteht, kommt es an! Und von diesem Geiste möchte man wünschen, dass er erkannt werde; dass erkannt werde, wie er nicht bloß in der Vorstellung erfasst werden kann, sondern wie er erfasst werden muss als ein Anreger zu wirklichen Taten für eine Erneuerung, eine Umwandlung, eine Neugestaltung unseres Geisteslebens.  ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATS Vortrag an einer Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, 25. Juli 1919 RudolfSteiner: Ich will nicht in die Debatte zu lange eingreifen, weil ich denke, dass es besser ist, wenn heute gerade von den verschiedensten Seiten her die Anregungen kommen, die dann zu weiterer fruchtbarer Arbeit führen können. Aber mit ein paar Sätzen wenigstens möchte ich andeuten, worauf es zu einer Art Zusammenfassung alles desjenigen ankommt, was auch heute schon in sehr dankenswerter Weise von verschiedenen Rednern vorgebracht worden ist und was hoffentlich auch noch weiter im Verlauf des heutigen Abends vorgebracht werden wird. Vor allen Dingen handelt es sich darum, dass solche kleinen Kreise, die, ich möchte sagen, aus Sachverständnis heraus arbeiten können, dass solche kleinen Kreise, mehr oder weniger kleinen oder großen Kreise sich bilden. Dann aber handelt es sich darum, dass durch einen gewissen Zusammenschluss dieser Kreise, der doch organisiert werden muss, der Kulturrat, wenn wir ihn so nennen wollen, wirklich auch entsteht; dass der Kulturrat als solcher eine Art Arbeit leistet, dass nicht kleine Kreise bloß eine Zersplitterung der Arbeit bewirken. Die Worte, die ich jetzt sagte, sollen sich nicht etwa irgendwie absprechend verhalten zu der regen Arbeit der kleinen Kreise, sondern ich möchte nur auf dasjenige aufmerksam machen, was doch vorhanden sein muss als ein Netz von Verbindungen der verschiedensten Art zwischen diesen einzelnen Kreisen. Wir dürfen niemals aus dem Auge verlieren die großen Aufgaben, die uns eigentlich bei der ganzen Dreigliederung des sozialen Organismus und insbesondere bei einem Teil dieser Dreigliederung, bei der Arbeit des Kulturrates, beschäftigen müssen. Sehen Sie, da müssen wir, damit wir die Arbeit wirklich organisieren können, unseren Blick, unsere Aufmerksamkeit doch richten auf die Hauptsache, auf die es im gegenwärtigen Zeitpunkte ankommt.  Man kann diese Hauptsache symptomatisch durch dieses oder jenes bezeichnen. Herr Dr. Unger hat in den einleitenden Worten ja ein sehr herbes Symptom, «Schulkompromiss», und ähnliche Kompromisse hervorgehoben, aber wir haben eigentlich überall die Möglichkeit zu beobachten, wie solche Symptome von einem gründlichen Verfall gerade unserer Geisteskultur den Leuten in die Augen stechen. Wir leiden heute nur unter einem sehr bedeutungsvollen Niedergangsmoment in unserem Geistesleben - das ist die Zersplitterung, die Atomisierung unseres Geisteslebens. Ich bitte Sie: Es fehlt eigentlich heute nicht so sehr zum Beispiel an Menschen, die die ärgsten Schäden unseres geistigen Kulturlebens kennen und auch geißeln, aber sie bleiben allein stehen, ihr Kreis kümmert sich nicht darum. Nehmen Sie einen Fall: Es ist ja tatsächlich so, dass zum Beispiel die Konstitution unserer technischen Hochschulen von einzelnen Dozenten dieser technischen Hochschulen in wahrhaft großartiger Weise gegeißelt worden ist, dass hingewiesen worden ist darauf, wie eigentlich die Konstitution dieser technischen Hochschulen etwas anderes ist, als was sie sein sollte. Es gibt in Fachzeitschriften ganz großartige Kritiken dieses unmöglichen Hochschulwesens. Aber stellen wir uns jetzt einmal die Frage: Wer kümmert sich denn um diese Dinge aus dem breiten Publikum? - So etwas, was in weitesten Kreisen bekannt werden sollte, schreibt der Einzelne hin, und nicht einmal diejenigen lesen es, die Fachgenossen sind. Die abonnieren die Zeitschriften, lassen sie einbinden, stellen sie in Bibliotheken - wenn sie fleißig sind, machen sie sich vielleicht einen Zettelkatalog, damit sie Einzelnes, wenn sie es gerade brauchen, heraussuchen können -, aber im großen Ganzen werden diese Dinge heute nicht geschrieben, um gelesen zu werden, sondern um in Bibliotheken zu vermodern. Wir haben auf diesem Gebiet wohl eine geistige Produktion, aber gar keine geistige Konsumtion. Und so kommt es, dass man immer nur in ganz engsten Kreisen die Schäden unseres Kulturlebens kennt, dass man aber ohnmächtig ist, irgendetwas zur Verbesserung dieser Schäden zu tun. So gibt es einen Aufsatz - ich glaube, er ist vom Professor der Technischen Hochschule in Charlottenburg, Riedler -, der in arger  Weise geißelt dasjenige, was solche Schäden, namentlich der technischen Hochschulen, sind. Ja, da wird wieder zum soundsovielten Male auf etwas hingewiesen, was nicht nur schädlich ist mit Bezug auf die Struktur der technischen Hochschule, sondern schädlich ist mit Bezug auf unser ganzes moralisches Leben. Man redet davon, dass an den Hochschulen Lehrfreiheit und Lernfreiheit herrsche. Man berauscht sich hinein, dass, wenn man nun von der Mittelschule an die Hochschule kommt, man in die Region der Lehr- und Lernfreiheit hineinkomme. Worin besteht zum Beispiel die Lernfreiheit? Nun, sie besteht darin, dass man sich das Hochschulprogramm kauft und darin findet: Willst du Ingenieur werden, oder willst du das oder jenes werden, dann brauchst du diesen Stundenplan; willst du Maschinenbauer werden, dann brauchst du diesen Stundenplan, den musst du einhalten, sonst kannst du die Prüfung nicht bestehen. Das heißt: Es wird auf der einen Seite als Phrase die Lernfreiheit geradezu zu einem Kulturelement erhoben, aber auf der anderen Seite der furchtbarste Lernzwang zur Wirklichkeit gemacht. Ich könnte Ihnen noch lange erzählen, wie eigentlich diese Leute durchaus wissen, worin die Schäden unseres Kulturlebens bestehen, dass sie es auch aussprechen, wie aber kein gemeinsames Feld für eine, ich möchte sagen, menschliche Diskussion über die Frage da ist, aber die Leute in den weitesten Kreisen kümmern sich nicht darum. Wie ich im Allgemeinen sagen musste, dass es im bürgerlichen Leben Leute gibt, die heute nicht wissen, dass es Gewerkschaften gibt und wie sie gearbeitet haben, so gibt es kein gemeinschaftliches Feld der Diskussion über unsere Kulturschäden. So etwas müsste der Kulturrat schaffen. Das heißt, wir müssten uns kümmern um das, was diejenigen, die es verstehen, gesagt haben über unsere Kulturschäden. Wir müssten dasjenige sammeln, was an Kritik da ist, und wir würden uns überzeugen: Das Furchtbarste ist an Kritik da, so zum Beispiel, wie das Wirtschaftsleben in einer schlimmen Weise hineingreift in das Geistesleben. Ich will es an einem Beispiel veranschaulichen. Sie wissen doch, es gibt Doktoren der Theologie, Doktoren der Medizin, Doktoren der Philosophie, jetzt auch schon der Ingenieurwissenschaft. Aber  die technischen Hochschulen haben einen ganz besonderen Doktor erfunden; sie wispern sich diesen Doktor von Ohr zu Ohr - es ist der «Dr. mammoniaem Wie kommt er zustande? Er kommt dadurch zustande, dass die Professoren an der technischen Hochschule, an den Hochschulen überhaupt, außerordentlich schlecht bezahlt werden, dass überhaupt der Staat sehr wenig Geld hat für die Bezahlung dieser seiner Kulturarbeiter. Stimmen darüber, wie schlecht diese Kulturarbeiter vom Staate bezahlt werden - Sie finden sie ja überall, wenn Sie sich nur darum kümmern. Da haben insbesondere die technischen Hochschulen und diejenigen Hochschulen, die also sich etwas emanzipiert haben von der alten - ja, wie sollen wir sie bezeichnen, mit einem «Epitheton ornans» -, von der «alten Biederkeit»; die haben ihren Ehrendoktor, bei dem man bekanntlich kein Examen abzulegen braucht, sehr häufig so eingerichtet, dass sie dem oder jenem reichen Mann, einem Industriellen oder Kommerziellen, diesen Ehrendoktor ins Zimmer schicken, in der Voraussetzung, dass er eine Stiftung macht nach der einen oder anderen Richtung für diese Hochschule. Und solche Doktoren nennt man von Mund zu Ohr üloctores mammoniaem Diese «Ijoktoren des Mammons» also, die zeigen doch ganz deutlich, dass etwas Unmoralisches sogar schon hinüberspielt aus dem Wirtschaftsleben in unser Geistesleben. Davon könnte ich Ihnen wiederum unzählige Beispiele anführen, wenn man sich nur um solche bekümmern wollte. Darum handelt es sich, dass in weitesten Kreisen eigentlich eine furchtbare Interesselosigkeit vorhanden ist für dasjenige, was vorgeht, dass es notwendig ist, dass vor allen Dingen dafür gesorgt wird, dass man die Schäden wirklich kennenlernt. Lernt man die Schäden kennen, dann wird man zugänglich werden für die einzige Lösung des Problems. Und für diese Lösung des Problems müssen wir ja die Leute gewinnen. Das ist es, was uns vor allen Dingen obliegt. Sehen Sie, einer derjenigen, die ziemlich starke Kritiken geschrieben haben über die Schäden der technischen Hochschulen, stellt dar, wie da die Studenten von der Mittelschule kommen mit bloß philologischer Vorbildung - die es nur auf eine gewisse Dressur des Geisteslebens, aber nicht auf eine wirkliche Ausbildung des Geistes  abgesehen hatte -, sodass die Hochschule die jungen Leute übernehmen muss und das erste Jahr und manchmal noch länger dazu verwenden muss, um ihnen wieder abzugewöhnen, was sie in den Mittelschulen aufgenommen haben, damit sie besser dressiert sind für das, was sie später lernen müssen in den eigentlichen Fachschulen. Ein solcher Mann, der das sieht, fragt sich: Wie kann da Abhilfe geschaffen werden? - Ja, er sagt sich: Diejenigen, die da wissen, welches die Schäden sind, die Techniker selber, die sieht man nicht. Man sieht sie nicht in den Parlamenten, man sieht sie nicht im Öffentlichen Leben. Sie schreiben höchstens für Fachzeitschriften. Sie geben nicht ihr sachgemäßes Urteil, dass es das Publikum erfahre - es fragt auch nicht danach. Man findet die Techniker dort nicht, wo ein sachgemäßes Urteil abgegeben werden sollte. So schreibt zum Beispiel einer der seufzenden Menschen: Da findet man nicht die Techniker, da findet man bloß die Juristen. - Das sind eben die Nachzügler des alten Staatssystems. Einzelne Menschen kennen diese Dinge schon, sie heben sie auch hervor, aber es besteht heute keine Neigung dazu, diese Dinge zusammenzufassen. Und wohin fasst denn dieser Kritiker, der eigentlich dasjenige, was als Schäden herrscht, ziemlich gut kennt - wenigstens auf seinem Gebiet, auf dem Gebiet der Technischen Hochschulen -, wohin fasst er sein Urteil zusammen? Er sagt: Wig als Professoren an den Fachschulen, seufzen ja schon alle nach einer Absolvierung des aufgeklärten Absolutismus im Staate. - Da sagt er: Ja, wer aber ist aufgeklärt, und wer lässt sich heute noch den Absolutismus gefallen? - Sehen Sie, da beginnt das Traurigste vom Traurigen: Die Leute sehen, dass die Zustände unhaltbar sind; sie seufzen nach Änderung. Sie blicken aber trotzdem nach dem Einheitsstaate hin; und wenn ihnen die gegenwärtige Gestalt des Einheitsstaates nicht gefällt, so seufzen sie danach, dass der aufgeklärte Absolutismus des achtzehnten Jahrhunderts wiederhergestellt werde. Da glauben sie an das, was sie die «starken Männer» nennen - dieser Ausdruck war etwas sehr ins Publikum gedrungen während des Krieges. Ja, und darum handelt es sich, dass man - ausgehend immer wiederum von dem, was man heute findet, wenn man sich nur darum kümmert -, dass man  von da ausgehend zeigt: Das einzige Hilfsmittel ist, loszukommen vom Staate und wirklich sich hineinfinden in die Dreigliederung des sozialen Organismus. Das ist die Antwort auf alle diese Dinge. Die Fragen, die werden gestellt und sind gestellt worden - wir brauchen gewissermaßen die Materialien nur zu sammeln. Daher wäre es gut, wenn vor allen Dingen die positiv vorliegenden Materialien gesammelt würden, dass kleine Kreise sich auch darum kümmerten, wie man schon da und dort eingesehen und immer wieder kritisiert hat die Zustände. Von da sollte dann der Ausgang genommen werden zur Rechtfertigung der Dreigliederung des sozialen Organismus. Nur auf diese Weise kommt man weiter, dass man sagt: Warum wir die Dreigliederung des sozialen Organismus wollen, das pfeifen fast die Spatzen von den Dächern, wenn sich die Leute auch die Ohren zustopfen. Aber darin besteht gerade unser heutiges öffentliches Leben, unser durch die Zeitungspest verdorbenes Leben, dass wir uns dafür die Ohren zustopfen, nichts wissen von aller Welt, uns nicht kümmern um dasjenige, was wirklich da ist. Das ist es, dass wir Interesse gewinnen für das, was da ist, und dann den Leuten zeigen: Kritik brauchen wir nicht mehr, wir brauchen nur die Kritiken zu wiederholen, die da sind. Aber das Mittel wissen wir, auf das die anderen nicht kommen: Das ist die Dreigliederung des sozialen Organismus, das ist die Stellung des Geisteslebens auf seinen eigenen Grund und Boden und so weiter - wie eben die Dinge sind, ist oft genug hervorgehoben worden hier und an anderen Stellen, sodass Sie sie erkennen. Das, meine lieben Freunde, muss die Organisation angeben. Das muss dazu führen, dass nun wirklich dasjenige, was von der einen Gruppe gefunden werden kann, den anderen Gruppen mitgeteilt wird, dass ein lebendiger Verkehr da ist, und eine Einheit unter den Gruppen besteht dadurch, dass sie alle durchdrungen sind davon: So muss diese heutige historische Antwort auf die große Frage gegeben werden - die eigentlich zusammenfließt aus den Urteilen, die schon immer da sind. Dann handelt es sich ja doch darum, dass wir bei den Fragen, die hier auftauchen auf dem Gebiet des Kulturrates, dass wir da in einer  etwas anderen Lage sind als zum Beispiel auf dem Wirtschaftsgebiet bei den Betriebsräten. Im Wirtschaftsgebiet sollen die Betriebsräte aus den einzelnen Betrieben gewählt werden und sollen gewissermaßen schaffen dasjenige, was man Sozialisierung des Wirtschaftslebens nennen kann. Da wird man es also in der ersten Phase zu tun haben vorzugsweise mit einer Betriebsräteschaft aus den Produzenten heraus. Das braucht beim Kulturrat nicht so zu sein. Da handelt es sich um eine Angelegenheit der ganzen Menschheit. Wir werden sogar vielleicht besser fahren, wenn wir nicht bloß die einzelnen Produzenten beziehungsweise die Leute, die im Augenblick die Initiative auf diesem oder jenem Gebiete haben, bei diesem Kulturrat zur Hauptsache machen, sondern wenn wir hier wirklich auf breiterer Basis vorgehen, wenn wir sagen: Schön, wir hören auf der einen Seite den kleinen Kreis der Ärzte, aber auf der anderen Seite den anderen Kreis, der sich zusammentut, den Kreis der Patienten. - Also hier kommen, vielleicht auch in viel stärkerem Maße, die Konsumenten in Betracht, gerade auf dem Gebiet des Kulturlebens. Sehen Sie, schließlich haben wir ja schon die verschiedensten Erfahrungen gemacht. Wir haben bei Lehrerkreisen wiederum angeklopft - nun ja, eine Frage taucht da immer wieder auf: Wer wird die Lehrer in Zukunft bezahlen? - Ja, wer bezahlt sie denn heute? Es kommt wahrhaftig nicht an auf den Weg, den das Geld, das aus den Taschen der Menschen kommt, macht, sondern darauf, dass es nur zuletzt landet bei dem, der davon essen muss. Das werden wir durchaus auch in anderer Weise finden als auf dem Umweg des heutigen Staates, des Einheitsstaates. Es hat derjenige, der in einem Beruf drinnensteht, heute in hohem Grade eine gewisse Befangenheit in diesem Beruf. Es muss das korrigiert werden durch diejenigen, die gewissermaßen die Konsumenten dieses Berufes sind. Und so glaube ich, dass, wenn sich aufraffen würde eine große Anzahl unserer geistigen Konsumenten, dass etwas viel Besseres auf manchen einzelnen Gebieten noch herauskommen würde, als wenn sich wiederum aufraffen diejenigen, die die Produzenten sind. Aus diesem Grunde ist der Vorschlag von Frau Dr. Eierberg zu begrüßen, denn dadurch kommen vielleicht die Konsumenten in höherem Maße zu Worte als  die Produzenten. In der Praxis wird sich das ergeben. Die Realisierung der Vorschläge wird ganz gut sein. Es wäre nur bei einzelnen Berufen gar nicht gut - das müssen wir uns klarmachen -, die Produzenten zu hören, zum Beispiel bei den Zeitungsschreibern. Sehen Sie, da könnten wir ja heute doch merkwürdige Dinge zum Besten geben, um zu zeigen, wie groß die Schäden auf diesem Gebiete sind. Zum Beispiel wurde bei einer Versammlung in diesem Jahr, wo es sich so recht um beträchtliche Dinge handelte, die aber nicht in beträchtlicher Weise behandelt wurden, da wurde auch gesprochen, wie man Abhilfe schaffen könnte gegen die Verleumdungen der Presse. Bei diesen Beratungen, als man die Verleumdungen der Presse besprach, da stand auch jemand auf und sagte, es bedürfe tatsächlich einer sehr starken Korrektur der Presseschäden. Zum Beispiel habe sich eine große Anzahl von Menschen bemüht, zu ergründen den wirklichen Vorgang bei der Tötung der Rosa Luxemburg und des Karl Liebknecht in Berlin. Ein Manifest ist aufgesetzt worden, das - ich will nicht sagen, wie viel - Unterschriften trug, mit der Darstellung dieses Ereignisses. Das ist an die Zeitungen geschickt worden. Keine Zeitung wollte es aufnehmen, keine Zeitung der reaktionären Richtung, keine Zeitung der Sozialdemokratie oder der Kommunistischen Partei und so weiter - es wurde einfach nicht aufgenommen. Das ist eine Sache für sich, das ist eine alltägliche Sache. Aber bei dieser Beratung war auch jemand dabei, der eben Zeitungsschreiber war und der sagte: «ja, so war die Sache nichtm Und als man ihn in die Enge trieb, da sagte er: «Nun, ein Journalist braucht ja nicht mutiger zu sein als die Regierung selber. Die Regierung selber hat es nicht veröffentlicht - warum sollte es der Journalist veröffentlichenh Solche Dinge könnte man sehr, sehr viele erzählen. Es ist nicht sehr dienlich, wenn wir über das, was in der Presse zu geschehen hat, einen Zeitungsschreiber fragen, sondern da muss man fragen diejenigen, die die Sache lesen sollen. Da handelt es sich wiederum um die Konsumenten. Ich glaube tatsächlich, dass wir wohl die Aufmerksamkeit darauf lenken sollen, dass der Kulturrat eine Angelegenheit ist der ganzen Menschheit. Aber vor allen Dingen handelt es sich darum, dass wir  uns nicht in diesen Kulturrat hineinstellen, um «auch unterschrieben zu haben», sondern dass wir darin auch arbeiten, vor allen Dingen arbeiten an der Entwicklung desjenigen, was am meisten vernachlässigt worden ist und dessen Vernachlässigung uns am meisten hereingetrieben hat in die gegenwärtige Zeitlage. In Berlin hat sich ein Professorenbund gegründet; da sagte ein Professor in einer Rede: Ach, wenn doch die Zeit käme - das sind ungefähr seine Worte, sie sind nicht übertrieben -, wenn doch die Zeit zuriickkäme, in der man sich nicht zu kümmern brauchte um deutsche Politik, in der man sich nur hingeben konnte der Professorenarbeit, in der die deutsche Politik von den für uns so väterlich sorgenden Hohenzollern und dem Preußen-Staate besorgt worden ist. - So ungefähr heißt es in einer Rede, die gehalten worden ist in einer Gemeinschaft, die von Professoren der Berliner Universität gemacht worden ist. Und derjenige, der ungefähr so gesprochen hat, das ist nicht irgendein obskurer Mensch, sondern das ist der erste Professor der deutschen Literaturgeschichte an der ersten deutschen Universität, Gustav Roethe, und das wurde gesprochen in einem Kreise, dessen Vorsitzender Wilamowitz ist, der berühmte Wilamowitz-Moellendorff, allerdings der Verschandler der griechischen Tragiker, aber die Welt sagt, derjenige, der die griechischen Tragiker erst der deutschen Sprache einverleibt hat. Dasjenige, um was es sich handelt und auf das ich besonders hinweisen möchte, das ist, dass dieses Interesse am ganzen Kulturleben nicht vernachlässigt werden sollte. Heute ist man Maler, heute ist man Professor oder Schuhmacher oder Wäscherin oder Ägyptologe oder Rechtsanwalt oder Pastor und so weiter, aber man interessiert sich nur für dasjenige, was pastoral, was auf dem Gebiet der Wäscherei, was Kaffeeklatsch und dergleichen ist, und nicht für die allgemeinen Angelegenheiten der Menschheit. Man ist froh, wenn man sich nicht darum zu kümmern braucht. Wenn wir in dieser Stimmung fortfahren, dann kriegen wir auch keinen wirklichen Kulturrat zustande. Ein wirklicher Kulturrat kann nur zustande kommen, wenn wir die Fenster zum gesamten Leben der Menschheit so weit wie mÖglich aufmachen, wenn wir wirkliches Verständnis  dafür aufbringen können, sonst schauen wir all die ungeheuerlichen Dinge, die sich abspielen, eben so an, wie man sie jetzt anschaut. So Ungeheuerliches geschieht, dass sich zwei Gruppen von Menschen, die Sozialdemokratie und das Zentrum, vereinigen, und dass das die Leute anschauen, ohne über diese Ungeheuerlichkeit entrüstet zu sein. Sie nehmen es mit einer gewissen Gleichgültigkeit auf, trotzdem das bedeutet, dass schon nicht stärker Hohn gesprochen werden kann alledem, was Gesundung des deutschen Geisteslebens wäre. Solche Dinge, die sind eben durchaus da. Wir haben in der Sondernummer unserer Zeitung ein nettes Beispiel drinnen, das wenigstens symptomatisch bedeutend ist. Sehen Sie, der gegenwärtige große Mann, das ist der Herr Erzberger. Nun ja, einige Menschen scheinen ja schon anzufangen, sich ein bisschen zu kümmern um diesen Mann, um dieses am heutigen politischen Himmel herumwimmelnde Individuum, aber dieses Bekümmern, das geht eben nicht tief genug. Es soll in Weimar allerdings der Landjäger erschienen sein und den Herrn Erzberger begehrt haben. Als man ihn fragte: Was wollen Sie denn mit ihm? -, da sagte er: Wir wollen ihn hängen. - Und eine württembergische Zeitung antwortete darauf etwas schnoddrig, obwohl die Schnoddrigkeit sonst in anderen Gegenden von Deutschland beliebt ist: Wir wollen ihn auch hängen, aber etwas niedriger! Es fängt die Sache schon an, ein bisschen aufzudämmern; es fängt schon an, dass man einsieht, was Deutschland an diesem Manne hat. Aber immerhin, lesen Sie nach, es ist da ein nettes Symptom geschildert in unserem gegenwärtigen Sonderheft des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Da findet sich verzeichnet die Einzeichnung, die Herr Erzberger in eine Art Stammbuch gemacht hat, an einem Tage, als bekannt wurde, dass der ganz furchtbare Versailler Friedensvertrag unterschrieben werden musste, [am] 14. Juni [1919]. An diesem Tage schrieb dieses deutsche «Regierungsmöbel» in ein Stammbuch ein: «Erst schaff' dein Sach', dann trink' und lach'b Sehen Sie, ich will hier keine Kritik ausüben über diese Dinge, denn ich möchte, dass andere diese Dinge kritisieren, aber ich möchte darauf aufmerksam machen, dass wir nicht weiterkommen, wenn wir uns nicht kümmern um die Dinge, wenn wir uns nicht kümmern vor  allen Dingen bis tief genug in unsere Seele hinein. Wir müssen uns tief genug in unsere Seele hinein kümmern. Wenn wir diese Dinge bloß an uns vorüberziehen lassen wie die Bilder eines Kaleidoskops - dass bald einmal das politische Kaleidoskop so, bald so zusammengewürfelt ist, dass es Bilder gab wie Bethmann, Ludendorff und Hindenburg, dann schüttelt man ein bisschen, und es kommen andere Steine, und man beobachtet nun diese kaleidoskopartigen Bilder, wenn wir uns so verhalten, dann werden wir niemals in dem Kulturrat drinnen das haben, was wir drinnen brauchen: eine wirkliche Kraft der Umgestaltung, eine wirkliche Kraft der Neubildung. Die können wir aber nur hineinkriegen, wenn wir überwinden diese furchtbare Interesselosigkeit um uns herum, wenn wir die Fenster weit aufmachen und uns darum kümmern: Was tut unser Mitmensch? Was geht auf diesem oder jenem Gebiet vor? — Das ist nicht schwer, wenn man sich nur nicht einkapselt in jenen furchtbaren Egoismus, der nicht hinauskommen kann über das, wofür man gezwungen isL sich zu interessieren. Wenn man ein wenig Freiheitsgefühl in sich entwickeln kann, dann wird dieses Freiheitsgefühl sehr bald darauf sich erstrecken können, dass man die Fenster weit aufmacht gegenüber dem, was geschieht in der Welt. Und nur dadurch ist es möglich weiterzukommen. Das ist es, worauf ich aufmerksam machen wollte. Erst wenn man das richtig beachtet, findet man den Organisationsplan, den wir brauchen für einen Kulturrat. Aber dieser Organisationsplan kann nur aus dem Leben selbst hervorgehen, und dieses Leben wird ergeben, dass, wenn wir hinschauen auf die einzelnen Schäden, wir daraus finden werden das konkrete Beobachten dessen, was da ist. Darauf muss sich besonders der einlassen, der das oder jenes tun will. Wir dürfen heute nicht in Abstraktionen schwimmen, sondern wir müssen uns auf das Konkrete einlassen. Wir müssen uns darauf einlassen, uns zum Beispiel zu sagen: Wie furchtbar ist es, wie die Konfessionen wirtschaften und ihre verschiedenen Kuhhändel treiben mit anderen Menschengruppierungen und so weiter und so weiter. Wir müssen uns um diese Dinge bekümmern und sie so tief hinein in das Innere unserer Seele bringen, dass unsere inneren Gefühlserlebnisse sich daran beteiligen, dass wir nicht gleichgültig an ihnen vorübergehen.  KULTURRAT UND SCHULWESEN Wortmeldung RudolfSteiners in einer Lebrerkonferenz Protokollarische Aufzeicbnung Stuttgart, 25. September 1919 Wenn man im Kulturrat sachgemäß wirken würde, würde man die Vernunft anstelle dieser schrecklichen Betriebe setzen, dann würde alles besser werden. Dann könnten Sie auch vernünftige Astronomie lehren. Sie können aber der brutalen Macht gegenüber nicht aufkommen. Im Kulturrat könnte das geschehen, was von Anfang an geschehen sollte: dass er sein Programm wirklich aufnehme und dahin arbeite, das ganze Schulwesen in die Hand zu nehmen. Die Waldorfschule ist eingerichtet als Musterbeispiel. Sie kann aber auch nichts machen der brutalen Gewalt gegenüber. Der Kulturrat hätte die Aufgabe, das ganze Unterrichtswesen umzugestalten. Wenn wir zehn Millionen hätten, könnten wir die Waldorfschule ausbauen. Das sind ja nur «kleine Hindernisse», dieses Fehlen von zehn Millionen. ZUM KULTURRAT Notizbucbeintragung RudolfSteinen, zwischen 26. und 29. Dezember 1919 Kulturrat = Mitglieder kommen nicht.  AUFRUF ZUR BEGRÜNDUNG EINES KULTURRATS! Drucksache Letzte Fassung, Juni 1920 Der von Dr. Rudolf Steiner verfasste Aufruf ·An das deutsche Volk und an die Kulturwelt· gibt die Anregung zur Dreigliederung des sozialen Organismus. Er fordert: 1. Die völlige Verselbstständigung des Geisteslebens, einschließlich des Erziehungs- und Schulwesens. Er weist auf das geistige Unvermögen unserer Zeit, insofern es seine Ursachen in der Aussaugung der Geisteskultur durch den Staat hat. Er verlangt die vollständige Selbstverwaltung dieser Kultur aus den rein sachlichen und allgemein-menschlichen Gesichtspunkten heraus. 2. Die Einschränkung des Staatslebens auf alle diejenigen Lebensverhältnisse, für die alle Menschen voreinander gleich sind. Auf diesem Boden ist auf streng demokratische An mit Umwandlung der gegenwärtigen privatkapitalistischen Besitz- und Lohnarbeitsverhältnisse vor allem ein solches allgemeines Menschenrecht zu erreichen, das den Arbeiter als völlig freie Persönlichkeit dem Arbeitleiter, der nur noch geistiger Arbeiter ist, gegenüberstellt. 3. Ein Wirtschaftsleben, in dem der Arbeiter dem Arbeitleiter so gegenübertritt, dass zwischen beiden ein freies Gesellschaftsverhältnis über die Leistungen vertragsmäßig zustande kommen kann, sodass das Lohnverhältnis völlig aufhört. Dazu ist die völlige Sozialisierung des Wirtschaftslebens notwendig. Nur aus der sachgemäßen Bildung von entsprechenden Genossenschaften, die aus den Berufen einerseits, den Konsumenten- und Produzentenbedürfnissen andererseits entstehen, kann eine Wertregulierung der Güter hervorgehen, die allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein sichert. Weite Kreise des deutschen Volkes, die die Vorschläge Dr. Rudolf Steiners in sich aufgenommen haben, sind durchdrungen von der Erkenntnis, dass es in dem gegenwärtigen Zeitpunkte tiefster Not die weltgeschichtliche Aufgabe des deutschen Volkes ist, durch Aufnahme dieses Impulses nicht nur sich selbst vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren, an dessen Rand es die bisher leitenden Kreise durch ihr Unverständnis gegenüber den Menschhcitsforderungen der neueren Zeit gebracht haben, sondern dass dadurch auch der Keim gelegt werden kann zur Befreiung aller Menschen von der Unterdrückung durch die Macht der alles verschlingenden Wirtschaftspolitik und der in seinem Dienste stehenden imperialistischen Staaten. Die breiten Massen des arbeitenden Volkes sind durch die völlige Einspannung in das Wirtschaftsleben des seelenverödenden Kapitalismus in leibliche und seelische Not geraten. Sie erwarten daher eine Besserung ihrer Lage von einer rein wirtschaftlichen Umwälzung. Sie erheben die Forderung nach Sozia lisierung des Wirtschaftslebens. Eine einseitige Sozialisierung des Wirtschaftslebens würde jedoch nur eine Scheinsozialisierung sein. In ihr würde die bisherige Zwangsherrschaft des Kapitalismus ersetzt werden durch eine alles nivellierende und jede freie menschliche Entfaltung hemmende Bürokratie, die zu einer völligen Mechanisierung aller menschlichen Tätigkeit und damit zu einer Entmenschung des Menschen führen müsste. Dieser Gefahr kann nur begegnet werden durch eine gleichzeitig erfolgende Befreiung des Geisteslebens von staatlicher Bevormundung und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Ein selbstständiges Geistesleben wird durch die Pflege aller menschlichen Anlagen und Fähigkeiten in der Lage sein, dem Wirtschaftsleben, das sich sonst selbst verzehren müsste, ständig neue aufbauende Kräfte zuzuführen. Das deutsche Volk war bis zum Ausbruch der Weltkriegskatastrophe stolz auf sein Geistesleben. Und doch war dieses Geistesleben, trotz all seiner so laut gepriesenen Errungenschaften, weder in der Lage, die Gedanken abzugeben für eine soziale Ordnung im Innern, die den neueren Menschhcitsfordcrungen hätte gerecht werden können, noch konnte es seine Aufgabe nach außen erfüllen. Dass Deutschland in den letzten fünf Jahrzehnten nicht vermochte, sich eine weltgeschichtliche Mission zu setzen, hat es in die Weltkriegskatastrophe hineingetrieben; durch das Fehlen des Bewusstseins von einer solchen Mission während des Weltkrieges musste es in ihm unterliegen. Der russische Osten hätte vom deutschen Geistesleben Form und Ausdruck für seine geistige Sehnsucht empfangen können. Stattdessen erhielt er - den ·Frieden· von BrestLitowsk, der aus ganz anderen denn aus geistigen Untergründen hervorgegangen ist. Dem vom Westen her andringenden imperialistischen Kapitalismus konnte Deutschland kein eigenes politisches Wollen entgegensetzen - es kapitulierte vor den abstrakten Vierzehn Punkten Wilsons. Durch die Dreigliederung des sozialen Organismus hätte das deutsche Volk dem Westen das Vorbild einer gesunden Sozialisierung des Wirtschaftslebens geben können, dem Osten hätte cs ein starkes, auf sich selbst gestelltes, von mystischer Verschwommenheit freies Geistesleben darbieten können. In unserer Zeit tiefster Not müsste endlich im deutschen Volke die Erkenntnis für seine geistige Aufgabe wieder erwachen. Es müsste den Weg finden zu den Vorkämpfern für ein freies deutsches Geistesleben, den Herder, Lessing, Schiller, Goethe, zu dem großen Schöpfer des Planes der Idealhochschule, Fichte, zu dem Verherrlicher des wahren akademischen Wesens, Schelling, und zu Hegel. Es müsste den Menschheitsforderungen der neueren Zeit Verständnis entgegenbringen und einsehen, dass, wenn auch die Forderungen der Revolution in dem Bewusstsein der breiten Massen sich zunächst einseitig auf dem Wirtschaftsgebiet geltend machen, ihre in den Tiefen der Seelen treibenden Kräfte doch auf Anerkennung von Menschenrecht und Menschenwürde abzielen. Es müsste erkennen, dass in ihnen der Seelcnimpuls zur Freiheit lebt. Dann würde sich ihm die Einsicht ergeben, dass wirkliches Heil für die Menschheit nur erwachsen kann, wenn das geistige Leben im umfassendsten Sinn auf die individuelle menschli ehe Freiheit gestellt wird, und dass es die Aufgabe gerade des deutschen Geistes ist, die Freiheit des Geisteslebens zu verwirklichen.' Daher muss jetzt gefordert werden, dass der Staat die Geisteskultur freigebe und dass das gesamte Geistesleben sich seine freie Selbstverwaltung, aus den rein sachlichen und allgemeinmenschlichen Gesichtspunkten heraus, schaffe. Dies gilt in erster Linie für das Erziehungs- und Schulwesen. Man wird erst richtig erziehen, wenn in die Frage: Wie erzieht man alle Menschen zu wahren lebenstüchtigen Menschen? - niemand hineinzureden hat als diejenigen, die nur aus der Menschennatur selbst heraus der Erziehung und dem Unterricht ihre Ziele setzen. Dann wird die Schule ihre Aufgabe nicht mehr darin erblicken, die heranwachsende Jugend für bestimmte, ihr von außen vorgeschriebene Zwecke abzurichten, sondern darin, voll entwickelte, freie Menschen zu bilden. Diese werden sich dann ganz von selbst in ein lebendiges Verhältnis zu ihren Pflichten im Dienste der Allgemeinheit setzen. ln einem selbstständigen Geistesleben werden alle Schulen freie Einrichtungen sein des geistigen Gliedes des sozialen Organismus, dessen Angehörige getragen sein werden von dem Vertrauen der Allgemeinheit. Die Mittel für Erziehung und Unterricht werden nicht mehr auf dem Umweg über den Staat aufgebracht werden; der Geistesorganismus wird vielmehr, soweit seine wirtschaftlichen Verhältnisse in Betracht kommen, selbst ein Glied des 'Wirtschaftslebens sein und aus diesem seine Existenzmittel direkt beziehen, ohne dass sich dadurch eine Abhängigkeit des Geistesorganismus von Wirtschaftsinteressen ergeben kann. Das erste Ergebnis auf dem Gebiete des Bildungswesens wird die Entstehung einer Grundschule sein, die eine aus dem für alle Menschen gleichen Gesichtspunkte einer wahren psychologischen Anthropologie aufgebaute Einheitsschule sein wird. Im Sinne einer pädagogischen Ökonomie wird diese Schule sich aufbauen auf einem wahren Verständnis für den werdenden Menschen. Sie wird sein Denken, Fühlen und Wollen so zur Ausbildung bringen, dass eine in sich gefestigte Persönlichkeit entstchL deren Seele tragende Kraft für das ganze Leben entfaltet. In dieser freien Schule werden auch wahrhaft menschenbildende Künste und Fertigkeiten gepflegt werden können, die der Staat nicht pflegt, weil er kein Interesse an ihnen hat. Als hervorragende Willensbildner werden alle Kunstübungen wirken. Eine solche Grundschule wird für alle physischen und geistigen Arbeiter eine brauchbare Bildungsgrundlage liefern. Auf die Grundschule werden sich aufbauen einerseits die Mittelschule, deren einzige Aufgabe in der Vorbereitung für das Hochschulstudium bestehen wird, andererseits die mittleren Fachschulen. Diese werden zu den Berufen, auf die sie vorbereiten, eine lebendige Beziehung entwickeln durch ein ständiges Hinüber und Herüber der Lehrkräfte zwischen ihrer Betätigung im Lehrfach und der Ausübung eines praktischen Berufes. Ein solcher Brauch wird sich auch für die Hochschulen einbürgern. Einschneidend wird sich die Befreiung des Geisteslebens auf dem Gebiete " Die philosophische Begründung dieser Forderung ist gegeben in Rudolf Stcincrs ·Philosophie der Freiheit·, in neuer Auflage erschienen 1918, Philosophisch-Anthroposophischer Verlag, Berlin W, Motzstraße [Anm. im Aufruf]  des Hochschulwesens geltend machen. Die Autonomie der Hochschulen wird sich wiederherstellen. Das staatliche Berechtigungswesen und alle Staatsprüfungen werden in Wegfall kommen. Stattdessen werden künftig die Zeugnisse der freien Schulen und Hochschulen Bekundungen der Fähigkeiten und Kenntnisse sein, die sich die Schüler durch deren Absolvierung erworben haben. Unabhängig vom Geistesleben wird der Staat diejenigen, die er innerhalb des staatlichpolitischen Lebens anstellen will, auf seinem eigenen Boden auf ihre Eignung für die von ihm zu vergebenden Stellen prüfen können. Jeder staatliche oder wirtschaftliche Einfluss auf den Lehrgehalt der einzelnen Wissenschaften selbst wird aufhören. Die Wissenschaft und ihre Lehre werden wirklich frei sein. Aus dem Gesagten ergeben sich die folgenden Grundforderungen, deren Erfüllung im dreigliedrigen sozialen Organismus möglich ist: 1. Befreiung der Unterrichtstätigkeit von jeder staatlichen Aufsicht. Einrichtung der Grundschule nur nach pädagogisch-didaktischen Gesichtspunkten und Verwaltung derselben nur durch Persönlichkeiten, die innerhalb der Selbstverwaltung der Geisteskultur stehen. 2. Abschaffung des staatlichen Berechtigungswesens für Mittel- und Fachschulen. 3. Autonomie der Hochschulen. Wir stellen diese Fragen hiermit zur öffentlichen Diskussion. Wir wenden uns an alle diejenigen, denen die Kultur im weitesten Sinne des Wortes am Herzen liegt vor allem an die Vertreter der Wissenschaft und Kunst, der Erziehung und des Unterrichts, insbesondere auch an die Eltern und nicht zuletzt an die akademische Jugend. Wir wenden uns ferner an die Auslandsdeutschen, die auf ihren vorgeschobenen Posten die ungesunde Vermengung des kulturellen Lebens mit den staatlichen und wirtschaftlichen Interessen stets besonders schmerzlich empfunden haben. Wir fordern alle auf, die gewillt sind, mitzuwirken im Sinne der Emanzipation des Geisteslebens, sich mit uns zusammenzuschließen zur Bildung einer Gemeinschaft, deren Aufgabe es sein wird, das gesamte Unterrichts- und Erziehungswesen im Sinne des oben Charakterisierten umzugestalten. Wir sind erfüllt von der Hoffnung, dass es durch die gemeinsame Arbeit einer solchen freien Vereinigung von Menschen, die auf den verschiedensten Gebieten des Geisteslebens tätig sind und die durchdrungen sind von der Erkenntnis, dass die Befreiung der Geisteskultur höchste Lebensnotwendigkeit ist, möglich sein wird, den Grundstein zu legen zur Organisation eines freien, auf sich selbst gestellten Geisteslebens. Stuttgart, Pfingsten 1919 Champignystraße 17 Der Arbeitsausschuss des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus [Es folgen 179 Unterschriften]  DIE INS WASSER GEFALLENEN KULTURRATSBEMÜHUNGEN Aus einer Ansprache in der Lebrerkonferenz Protokollarische Aufzeichnung Stuttgart, 24. Juli 1920 Wir haben [die Schule] begründet unter den letzten Nachwirkungen dessen, was wir von Stuttgart vom April 1919 an versuchten. Seit der Zeit hat sich ja so herrlich viel vollzogen. Vollständig versagt, meine lieben Freunde, das dürfen wir nicht vergessen, vollständig ins Wasser gefallen ist dasjenige, was da unternommen werden sollte mit dem gut gemeinten Aufruf zum Kulturrat im vorigen Jahre.  ANSPRACHE BEI DER ÜBERGABE DER LEITUNG DES BUNDES FÜR DREIGLIEDERUNG DES SOZIALEN ORGANISMUS AN WALTER KÜHNE VOR SÄMTLICHEN MITARBEITERN DES HAUSES CHAMPIGNYSTRASSE 17 Stuttgart, 1. August 1920 Meine verehrten Anwesenden! Der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, er ist es ja eigentlich, ich möchte sagen, unter dessen Fahne wir hier beisammen sind; denn dasjenige, was in Stuttgart jetzt an praktischen Schöpfungen entstanden ist, ist aus der anthroposophischen Bewegung hervorgegangen auf dem Umwege über den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus. Die anthroposophische Bewegung ist eben eine geistige Bewegung; die Mittel ihrer Arbeit sind durchaus auf dem Gebiet der Arbeit geistiger Art gelegen. Und als sich in der schweren mitteleuropäischen Not die Notwendigkeit ergab, zu schaffen aus dem ganzen anthroposophischen Geist heraus den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, da war der Anfang gemacht, die anthroposophischen Ziele wirklich unmittelbar durch Handanlegung in die alltägliche Praxis, in die Wirklichkeit umzusetzen, das ist eine außerordentlich große, eine bedeutungsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Sie wissen ja, dass bisher aus den Bestrebungen des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus hervorgegangen sind die Waldorfschule und die wirtschaftliche Unternehmung «Der Kommende Tagm Der «Kommende Tag» als solcher hat gegenüber der Außenwelt durch seinen kurzen Bestand natürlich bis jetzt nicht einmal die Gelegenheit dazu gehabt, zu zeigen, wie er vor diese Öffentlichkeit hintreten will mit einer nicht bloß etwa neuen Arbeit im wirtschaftlichen Gebiet, sondern mit einer aus einem neuen Geist herauskommenden Arbeit, er wird seine Ziele erfüllen, wenn jeder, der bei ihm mitarbeitet, sich aktiv bewusst ist, wirklich innerlich bewusst ist desjenigen, was  da eigentlich geschehen soll; dass etwas aus einem ganz neuen Geist heraus geschehen soll, dazu, meine sehr verehrten Anwesenden, braucht man nicht nur das Schlagwort, die Phrase «man will aus einem neuen Geist heraus arbeiten», sondern dazu braucht man den Willen, aus einem solchen neuen Geist heraus zu arbeiten bis in das alltägliche Leben und bis in die Geschäftsgewohnheiten hinein. Und wenn man etwa wollte mit der Phrase «man arbeitet aus einem neuen Geist heraus» die alten Geschäftsusancen und die ganze alte Art der Geschäftsführung beibehalten, dann dürfte der «Kommende Tag» nach und nach hineinschwimmen in das ganz Alte und es würde selbstverständlich nichts von dem erreicht werden können, was eigentlich gemeint ist. Glauben Sie nicht, dass dasjenige, was ich jetzt gesagt habe, etwas ist, was man nur ganz oberflächlich nehmen kann, denn diejenigen Unternehmungen, die mit großen Worten auftreten und die dann einfach hineinschwimmen in das alleraHtäglichste alte Philistertum, die können Sie ganz zahlreich in der Welt betrachten. Und glauben Sie, der Hang des Menschen, in seinen Gewohnheiten nicht abzulassen von dem Alten, der ist ein außerordentlich großer. Wir sehen das insbesondere, wenn wir wirklich die sozialistischen Verfahrungsarten gerade in der allerneuesten Zeit in der Gegenwart betrachten. Die sozialistische Bewegung hat ja allmählich eine Gestalt angenommen, die man etwa so kennzeichnen kann: Sie ist beherrscht von den allerschönsten, unmittelbar geräuschvoll an die Ohren klingenden Schlagworten - und sie ist beherrscht von Lebensgewohnheiten, von geschäftlichen Gewohnheiten, welche wahrhaftig weit zurückgehen an alter Philistrosität und altem Konservativismus hinter allen im Grunde genommen reaktionären Parteien. Es hilft nichts, wenn man solche Sachen in einem Augenblick, in dem man sich doch nicht gerade zu nichts versammelt hat, nicht aussprechen soll; es hilft nur etwas, wenn man sich die Wahrheit vorhält, und deshalb muss man schon sagen: Dasjenige, was von der Zeit gefordert wird, ist gerade das Gegenteil von demjenigen, was heute zumeist sozialistisch geschwatzt wird; es ist das Arbeiten aus einem neuen Geist heraus. Wie schwer das ist - warum sollte das nicht auch einmal ausgesprochen werden in einem solchen engeren Kreis -, das zeigt  sich in dem Augenblick, wo man wirklich praktisch beginnen will, aus einem solchen neuen Geist heraus zu arbeiten. Der «Kommende Tag» und der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus und alles, was damit zusammenhängt, sie sollen aus einem solchen neuen Geist heraus arbeiten. Die Waldorfschule, sie hat begonnen, aus einem solchen neuen Geist heraus zu arbeiten. Sie können es begreifen, dass die größte Sorge sein musste bei der Einrichtung aller dieser neuen Angelegenheiten, die so energisch von der Zeit gefordert werden, dass man überall darauf bedacht ist, diejenigen Menschen zu finden, die auf ihren Posten die Geeigneten sind. Nun, sehen Sie, ich habe im öffentlichen Vortrage vor ein paar Tagen angeführt, dass der Professor Eugen Varga, dem ja alle Macht zugestanden hätte als Wirtschaftsminister von Räteungarn, so schlau, als es nur einem möglich ist, der allerdings gehindert wird in seiner Schlauheit auf der einen Seite dadurch, dass er stierhafter Marxist ist, und auf der anderen Seite dadurch, dass er mitteleuropäischer Professor ist; Sie sehen es bei ihm, dass er bei einem unvermerkten Teil seiner Auseinandersetzungen, die er herausgegeben hat, gesteht, dass es vor allen Dingen darauf ankommt, an die richtigen Plätze die richtigen Leute zu stellen. Ich bin ja heute im Grunde genommen das erste Mal hier und kann daher nur gewissermaßen über die äußeren Verhältnisse sprechen, die zu dem ja geführt haben, was sich da hier kristallisiert, aber wenn wir ganz absehen von all dem, was hier ist, dann darf doch ein Beispiel bekannt werden, welches zeigt, wie sorgenvoll und schwer gerade die Aufgabe ist, von der ich jetzt zu Ihnen gesprochen habe; der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus kann ja seine nicht nur neue, sondern wirklich außerordentlich umfassende, weitgehende Arbeit nur dann leisten, wenn er möglichst viele Mitarbeiter hat. So wurde in diesem Frühling daran gedacht, einen Kursus hier zu halten, welcher ungefähr das bringen sollte als Unterlage, was heute ein Mensch wirklich wissen soll, der nicht mit sozialistischen Fragen geimpft und mit Parteischlagworten ausstaffiert vor die Öffentlichkeit treten soll, um von dem zu reden, was der heutigen Zeit nottut. Es handelte sich dabei nicht - wie irrtümlicherweise angenommen wurde- um einen Rednerkurs,  sondern um etwas, was in dieser Richtung wirken sollte. Als darangegangen wurde dann, auszusuchen die Menschen, die an einem solchen Kurse teilnehmen sollten, ergab sich das Resultat, dass der Kurs nicht begonnen werden konnte, weil keine geeigneten Zuhörer für einen solchen Kurs in dem Gebiet zu finden sind, das uns zunächst zugänglich ist. Also, Sie sehen, man stößt schon an jenes Hindernis, von dem der Professor Eugen Varga spricht; denn es liegt heute so, dass eigentlich im Grunde genommen jeder glaubt, wenn er am nächsten Tag berufen würde von der wichtigsten Stelle aus, irgendein weites Gebiet zu verwalten, dass er der Geeignetste wäre. Wenn es aber darauf ankommt, die wirklich geeigneten Persönlichkeiten zu finden, das heißt, wenn man aus der Phrasenhaftigkeit Ernst macht, dann wird sehr wenig aus diesen Dingen. Diejenigen Persönlichkeiten, die hier in Stuttgart selbst sind, haben heute nicht nur alle Hände voll zu tun, sondern wenn sie zehnmal so viel Hände hätten, als sie haben - selbstverständlich gehört zu zwei Händen immer noch etwas anderes am Menschen -, dann würden sie auch noch reichlich zu tun haben. Das alles bezeichnet die Schwierigkeiten, unter denen man heute arbeitet und die in der allerfrivolsten An verschleiert werden von denjenigen Menschen, die auf dem Gebiete aller Parteien das Parteileben führen. Ohne dass man sich dieser Sache bewusst ist, kann man nicht mitarbeiten an einer solchen Unternehmung, wie diese ist. Wir haben gezeigt, dass es im engeren Kreis immerhin möglich ist, wenigstens einen Anfang zu machen da, wo es sich darum handelt, aus dem Geiste, der hier gemeint ist, heraus in einem wenigstens beschränkten umfassenden Sinn so zu wirken. Und man kann sagen: Ein kleiner Teil der Aufgaben, der hat geleistet werden können wiederum nur auf einem Teil seines Gebietes, ist bis jetzt überschaubar geleistet worden durch die Waldorfschul-Lehrerschaft. Da ist es möglich gewesen, aus dem Umkreis der jetzt vorhandenen Tüchtigkeiten eine Anzahl von Menschen zu finden, welche in dem Gebiete, das eine gewisse äußere Grenze hat, die ich gleich bezeichnen will, wo auf einem gewissen Gebiet dasjenige wirklich getroffen worden ist heute, überschaubar - bei den anderen Dingen konnte das  ja noch nicht sein, weil sie noch zu kurze Zeit nur bestehen -, wo überschaubar getroffen worden ist dasjenige, was aus der Grundlage des Geisteslebens, die wir pflegen, getroffen worden ist. Es ist gar kein Grund vorhanden, dass auf diesem Gebiete dort irgendjemand eitel oder hochmütig wird durch dasjenige, was getroffen worden ist; denn es wird sehr viel auch da noch zu tun sein, und nur derjenige, der sich gegenüber seinen nächsten Aufgaben klein fühlt, der wird zu dem rechten Bewusstsein kommen. Sie werden gehÖrt haben: Da hört schon wieder auf, da, wo Verständnis sein soll so weit gehend, dass der soziale Organismus eine Dreigliederung hat, da, wo Verständnis dafür sein soll, dass vor allen Dingen das Geistesleben wirtschaftlich getragen werden soll, da hört in weitesten Kreisen heute das Verständnis wieder auf. Da ist ungeheuer viel zu tun, um Verständnis in den Umkreis der heutigen Menschheit hineinzutragen, sodass man sagen muss: Außerordentlich viel hat gerade der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus zu tun; denn er ist ja eigentlich der Inspirator und die eigentliche aktive Kraft, die in alles das hineinwirken soll, was sonst an Einzelheiten gegründet werden soll. Dasjenige, was hier vom Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus ausgehen soll, dem ja geistig, wenn auch nicht administrativ, die anderen Gebiete eingegliedert sind, um dessentwillen sie eigentlich wirken, dasjenige, was da ausgehen soll vom Bunde für Dreigliederung des sozialen Organismus, das kann weder einseitig geschäftsmäßig sein, noch einseitig wissenschaftlich sein, noch nach einer anderen Richtung hin einseitig sein, sondern das muss ganz allmenschlich sein, das muss so sein, dass man gewissermaßen jede Woche die Aufgaben erst entdeckt, die einem jede Woche neu gestellt werden, denn derjenige, der den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus leitet, und diejenigen, die ihm helfen darin, das müssen Menschen sein, die im Besitz einer sehr fein eingestellten, einer außerordentlich fein eingestellten seelisch-sozialen Magnetnadel sind, deren Ausschläge man sehr bald, wenn sie auch klein sind, bemerkt. Derjenige, der den Bund für Dreigliederung zu versorgen hat, der muss ein feines Organ für alles das haben, was heute im sozialen Leben geschieht, und wenn es auch ganz unmöglich ist,  weil die Sachen oft viel zu täppisch und zu vergänglich sind, um sie direkt zu besprechen, so muss man doch ein Organ dafür haben, dass im rechten Augenblick das Rechte geschieht, wenn es auch scheinbar gar keinen Wortbezug hat auf dasjenige, was geschieht. Dasjenige, wozu sich der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus auswachsen soll, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist etwas, was mit ein paar Worten gar nicht umschrieben werden kann, aber was ich doch mit ein paar Worten andeuten mÖchte. Sie wissen ja: Es gab Angelegenheiten in der alten Welt, die viel mehr vergangen ist, als man denkt heute, die viel mehr auf dem Aussterben ist, im vollständigen Niedergänge ist, als man denkt, in dieser alten Welt gab es dasjenige, was man nannte «Diplomatie». Die Diplomatie, meine sehr verehrten Anwesenden, hat ja ihre Wortbezeichnung, die gleich, ich möchte sagen, nicht nur ein Aufstoßen, sondern schon fast ein Erbrechen erregt, die Diplomatie hat ja ihre Wortbezeichnung zu einem so schändlichen objekt gemacht nicht nur [durch] das, was sie sein soll, sondern durch das, was sie geworden ist, weil sie hinter verschlossenen Türen ausgeführt worden ist, weil sie mit Mitteln gearbeitet hat, die vielfach das Licht der vollen Öffentlichkeit zu scheuen hatten. Die sozialistischen Parteien haben insbesondere während des Krieges und bis heute nicht gezeigt, dass sie etwa vermocht hätten, etwas Neues, Ehrliches an die Stelle der alten unehrlichen Diplomatie zu setzen, sondern diejenigen, die Gelegenheit hatten, Erfahrungen darüber zu machen, wie sich diplomatisch, namentlich im internationalen Verkehr, die sozialistischen Führer benahmen, der muss sagen: Die Gewohnheiten, die schlechten, ekelhaften Gewohnheiten der alten Diplomaten sind um ein Wesentliches gesteigert worden durch die Diplomätchen aus den sozialistischen Parteien heraus, welche angefangen haben, während des Weltkrieges ihre Diplomatie auf den verschiedensten Gebieten zu treiben. Das wird einmal ein recht schlimmes Kapitel der Geschichte werden, wenn man die diplomatische Schülerschaft der alten unehrlichen Diplomaten schildern wird, wie sie sich betätigt haben bis in unsere heutigen Tage herein; aber gerade an die Stelle des vollständig dem Untergang Reifen und demjenigen, was nach dieser Richtung reif ist  für den Untergang, gehört auch die Diplomätchenkunst der sozialistischen Parteien. An die Stelle desjenigen, was da im öffentlichen Leben reif geworden ist für den völligsten Untergang, muss etwas treten, was im vollen Licht der Öffentlichkeit wirkt, aber zugleich ausgestattet ist mit demjenigen, was ja die alte Diplomatie eben durch ihre schlechten Eigenschaften allmählich verloren hat, was aber sie in ihren besseren Zeiten, wenn auch manchmal bis zu einem nicht wünschenswerten Raffinement betrieben, durchaus ausgezeichnet hat. Eine bis in die Beobachtung der sozialen Seelenvorgänge hineingehende Menschenkenntnis - Kenntnis von Menschengruppen, Kenntnis von Menschenzusammenhängen, Kenntnis von Menschenparteiungen, Kenntnis von Menscheninstinkten -, all das gehört zu der Grundlage erst, aus der derjenige herauszuwirken hat, der in einem richtigen Sinne wirken soll in demjenigen, was gemeint ist unter dem Bunde für Dreigliederung des sozialen Organismus. Das ist etwas, was herauswirken muss aus der unmittelbaren Beobachtung, der aus gründlichster Menschenkenntnis hervorgehenden Anschauung von den wirksamen Kräften in der Gegenwart, das ist dasjenige, was er, ich möchte sagen, so ziemlich still in seinem Busen bewahren muss als den Umfang der Motive, aus denen heraus er handeln muss. Dann aber muss er dasjenige, was er tut, einrichten nach dieser Menschenerkenntnis, sonst, wenn er das, was er tut, nicht einrichtet nach dieser Menschenerkenntnis, so redet er einfach so, dass er verstanden wird, wie etwa, wenn er sich hinausstellte vor einen Wald von Bäumen und in sie hineinredete; denn das ist das Charakteristische, dass heute im Grunde genommen dann, wenn etwas auftreten soll, was nicht so wirkt in der Öffentlichkeit wie die Öffentliche Journalistik aller Parteien oder die öffentliche Rederei aller Parteien, sodass einfach die Seelen der Menschen, wenn sie zuhören oder lesen, sich benehmen wie Stehaufmännchen, dass sie auf die Schlagworte hin sich gleich aufrichten, wenn sie umgefallen sind. Wir leben ja heute von Automaten der Zeitungen und der Öffentlichen Volksredner, aber wenn man aus einer anderen Ecke heraus zu den Menschen reden will, dann redet man wie zu nicht hörenden Bäumen. Da kann man nur allmählich eindringen, wenn man versucht, eine solche wirkliche  diplomatische Kunst - die aber ehrlich ist - zugrunde zu legen, wie sie eben angedeutet worden ist. Nichts Geringeres hat der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus sich zur Aufgabe zu stellen - und all die Gebiete, die ihm angegliedert sind, haben sich diese Aufgabe zu stellen - nichts Geringeres als an die Stelle zu treten der aussterbenden, auf dem Gebiet des Unehrlichen und Schlechten angekommenen alten Diplomatie für die öffentlichen Angelegenheiten. Aus diesem Bewusstsein heraus, nicht aus einem Programm, nicht aus einem Umfang von abstrakten Sätzen heraus, und aus dem guten Willen heraus, sich Menschen und Menschengruppen anzueignen, so gut man es kann, kann nur dasjenige entstehen, was der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus eigentlich tun soll. Wenn sich nicht eine MÖglichkeit, dass in solcher Richtung gewirkt wird, ergibt, dann wird der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus etwas sein, was zugrunde geht, wahrscheinlich mit allem, was zu ihm gehört, und man wird sagen können: Man muss eben noch lange warten, bis die Menschheit reif wird, dasjenige aufzumachen, was heute schon dringend notwendig wäre. Diejenigen werden ja am allerwenigsten bemerken, meine sehr verehrten Anwesenden, dass, wenn man so spricht, wie ich eben gesprochen habe, man von Wirklichkeiten spricht; oftmals wird einem auf diese Dinge erwidert: Ja, aber wenn man sich solche Ziele vorsetzt, dann wird die Menschheit Jahrzehnte oder Jahrhunderte brauchen. Man kann sich kaum ein schlimmeres Armutszeugnis denken, das sich diese Menschen ausstellen; denn es beweist nichts anderes, als dass die Menschen etwas ganz anderes meinen, als sie eigentlich sagen; es beweist, dass sie nicht im Geringsten den Willen haben, sich Einsicht zu erwerben, wie schon heute - heute! - das verwirklicht werden muss, wie es gemeint ist mit solch praktischen Zielen, wie wir sie hier meinen. Aber wir brauchen Mitarbeiter, nicht Hunderte, sondern Tausende, Zehntausende, wir brauchen immer mehr Mitarbeiter, und unsere Arbeit ist deshalb erst im Anfang, weil ein großer Teil unserer Arbeit darin besteht, dass wir suchen müssen erst nach denjenigen Leuten, die die Arbeit tun. Wir können den geringsten Teil unserer Arbeit nur deshalb tun, weil wir den grÖßten Teil unserer  Zeit dazu verwenden müssen, auch wenn es ausschaut, als ob wir anderes täten, erst die Leute zu suchen, die unsere Arbeit tun wollen. Das alles ist es, das ich möchte, dass es wie ein Grundgedanke jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde gerade hier lebt, wo gewirkt werden soll im Bunde für Dreigliederung des sozialen Organismus. Die Ziele, die man sich so stellt, sind wahrlich nicht zu hoch; denn es gibt keine zu hohen Ziele für dasjenige, was zwar heute winzig klein ist, wie der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, was aber berufen sein soll, auch äußerlich groß, recht groß, unbegrenzt groß zu werden. Der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus ist etwas, was Widerspruch hervorruft, wenn dreie oder viere sich zusammentun, wie das hier zunächst in Stuttgart geschehen ist, um seine Ziele auszuführen. Der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus ist etwas, was Sensation hervorruft und einen kleinen Zulauf hat; wenn zu den dreien oder vieren so viel treten, dass es zehne sind, dann sind es einige Hunderte, die hinschauen auf das; dann geht notwendigerweise in diesen einigen Hunderten dasjenige vor, dass ihnen in ihrem inneren Seelenleben die alten Gewohnheiten aufstoßen und dass so und so viele wiederum abfallen. Dann muss - ich möchte sagen - wiederum zur alten Einsamkeit zurückgekehrt, die kleine Gruppe derjenigen Persönlichkeiten, die zielbewusst ist, zusammenhält, die muss weiterwirken, und dann verwandelt sich die Gegnerschaft, welche auftritt, in verleumderische Gegnerschaft, in wütende Feindschaft, und es muss nur langsam und intensiv gearbeitet werden, dahingehend, dass möglichst viele Menschenköpfe gewonnen werden, in die zunächst die Ideen hineingehen. Es kommt eine - und wir stecken ja gerade darinnen; die anderen Stadien haben wir reichlich hinter uns - es kommt eine Zeit, wo man verspüren lernt, was man so recht weiß, wenn man in der Praxis drinnensteht. Sehen Sie, nach einer zwei Jahrzehnte lang dauernden Arbeit für die anthroposophische Bewegung darf ich das ja sagen, ich habe in der anthroposophischen Bewegung gearbeitet, in Versammlungen, aus drei bestehend, vor Versammlungen, aus dreißig bestehend, vor Versammlungen aus dreihundert, aber auch vor Versammlungen aus dreitausend und viel mehr bestehend. Dasjenige,  was aus der anthroposophischen Bewegung geworden ist, das ist aus ihr geworden - gewiss aus vielen anderen Gründen, aber mit auch aus einem Grund, das ist der, dass ich immer aus einer gewissen Lebenspraxis heraus damit gezählt habe, dass, nachdem man in die Lage gekommen ist, zu einem Tausend von Menschen zu sprechen, man zwei gefunden hat, bei denen zunächst die Sache ein klein wenig eingeschlagen hat. Aus Lebensoptimismus heraus erreicht man nichts, wenn man etwas Neues erreichen will; aus einem Lebenspessimismus heraus, der den Mut sinken lässt, weil es so ist, dass von tausend zwei gewonnen werden können, aus einem Lebenspessimismus heraus, der immerfort unter dem Eindrucke ist, dass es so ist, erreicht man noch weniger als nichts, da macht man die Sache noch schlechter. Das einzig MÖgliche ist, dass man zwar alles fühlen kann, was Optimismus und Pessimismus geben, dass man sich aber, wenn es vom Gefühl zum Willen übergehen muss, dass man sich dann den blauen Teufel schert darum, ob die Welt gut oder schlecht ist, sondern dass man tut dasjenige, was man als seine Pflicht empfindet; wenn auch langsam oder schnell, dann wird die Welt schon besser werden. Man hat daran zu denken, dass man selbst so handle, dass schon morgen die Welt besser werden könne. Das ist dasjenige, was uns als ein neuer Geist beherrschen muss. Dieser neue Geist geht vielmehr aus einem Erfühlen, Empfinden, herzlich Darinnenstehen in diesem ganzen Willensimpuls hervor als aus etwas anderem; aus der Phrase ganz gewiss nicht. Wir könnten die schönsten Programme aufstellen, die schönsten Prospekte in die Welt hinausstellen, alles Mögliche tun, was man in Worten zusammenstellen kann, wir könnten das in der scheinbar glänzendsten Geschäftsführung tun; wenn wir nicht selbst aus diesem Geist heraus arbeiten in jeder Stunde, in jeder Minute, in jeder Sekunde, so erreichen wir durch die schönsten Worte, die schönsten Prospekte, durch alles das, was Phrase ist, eben einfach nichts; denn heute gilt es den Kampf des Herzens, aber nicht desjenigen Herzens, das verschrumpelt und verkommen aus allerlei alten Weltanschauungen heraus heute als Herz bezeichnet wird, sondern aus demjenigen Herzen heraus, welches fähig ist; die großen Impul sc der Zeit wirklich zu empfinden und mit aller Tatkraft aus ihnen heraus zu handeln. Heute kommt es darauf an, aus diesem Herzen heraus zu arbeiten und aus diesem Herzen heraus bei den Sachen dabei zu sein. Deshalb müssen Sie auch ein Herz dafür haben, wenn sich - da hier aus einem neuen Geiste heraus gearbeitet ist, insofern es verstanden wird - gewissermaßen alles ändert bis in das Einzelne des Geschäftsgebarens hinein - denn änderte sich nichts, so vertapsten wir die Sache - und wenn irgendwo jemand auftritt und gegenüber etwas, das aus dem neuen Geist heraus gepflogen wird, sagt: Ja, aber einer, der im Fache drinnensteht und der sich das Fach angesehen hat in der Welt, der findet, dass das nicht richtig ist, der redet Unsinn; denn dasjenige, was in alle Fächer hineingegangen ist, das Geist geworden ist aller Fächer, das hat seine Unmöglichkeit durch die Weltkatastrophe gezeigt, und überall muss die Praxis, nicht bloß das Fühlen und das Denken, etwas vollständig anderes werden. Ohne dass wir das begreifen, kommen wir nicht weiter. Und wenn ich heute etwas betonen darf, dann muss es das sein, dass ich sage: Unser Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus muss an seiner eigenen Erziehung arbeiten; er ist herausgeboren aus einer Welt, die einen Phrasenschwall liebt. Derjenige, der sich hineinzustellen hat, weiß gar nicht, wie stark die Macht dieses Phrasenschwalles ist, wie stark die Macht der alten Gewohnheiten ist, die uns in den Niedergang hineingeführt haben. Und in der Arbeit müssen wir vor allen Dingen fortschreiten, uns freizumachen vom altem Phrasenschwall und alten schlechten Gewohnheiten. Nur wenn verstanden wird dasjenige, was ich meine, wenn es nicht auch wiederum so genommen wird, wie es nicht genommen werden soll, dann wird das Dahinterstehende etwas bedeuten können für die eigentlichen Ziele der Bewegung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus; denn zur Phrase wird das Wort nicht nur dadurch, dass es herzlos ausgesprochen wird, sondern auch dadurch, dass es herzlos gehört wird. Man kann die imprägniertesten Worte sagen, diejenigen Worte, in denen noch so viel drinnensteckt; wenn sie so gehört werden, dass man nur die Phrase darinnen hÖrt und viel leicht noch gar übersetzt diese Phrase in den alten Phrasenschwall, dann, dann wird nichts daraus. Da können wir ja schon aus Erfahrung heraus sprechen, denn das sind gerade die allerwichtigsten Fälle, die uns vorkommen, dass dasjenige, was eigentlich vonseiten unserer anthroposophischen Bewegung gemeint wird, in der Welt draußen weitertönt, aber etwas ganz anderes wird, etwas ganz anderes wird, was nicht nur erst zur Phrase geworden ist, sondern erst zur Phrase geworden ist, dann umpräpariert worden ist, dass die Phrase wiederum zum Schlagwort von irgendetwas anderem geworden ist. Da wird zum Beispiel etwas ausgesprochen, Menschen kommen in die anthroposophische Bewegung herein - nehmen wir einen speziellen Fall - aus irgendeiner Sekte her, sie machen dasjenige, was in der anthroposophischen Bewegung waltet, zur Phrase. Dann gestalten sie es um in dem Sinne, in dem sie es aus den Gewohnheiten ihrer Sekte heraus meinen, dann reden oder drucken sie es, und dann kommen die Gegner und bekämpfen das, was auf diese Weise in die Welt gekommen ist, und dann kommen diejenigen, die einem sagen: Ja, das ist da und dort gesagt worden, du hast es ja gar nicht widerlegt - man hat es nicht widerlegt, weil man ja meist etwas anderes zu tun hat als das, womit man nichts zu tun hat, weil es auf dem Weg entstanden ist, wie ich ihn eben beschrieben habe, [zu widerlegen]. Wenn es aber so heranwogt, dass man die Widerlegung notwendig findet, dann kommen nämlich Anhänger und auch Gegner und sagen: Ja, aber ihr polemisiert ja viel zu viel, ihr treibt viel zu viel Kampf; man muss das Positive arbeiten; na, und so weiter, und so weiter. In diesen Tagen erst hat mir jemand gesagt: Mir ist eigentlich nicht ganz sympathisch das, was jetzt als Kampf geführt wird, weil in einer Stadt die Studenten mit den Kindertrompeten und Hausschlüsseln niedergedonnert haben dasjenige, was zu unserer Verteidigung gesagt worden ist; man sagte mir - ich sage es nur, weil es gesagt worden ist -: Dasjenige, was Sie wollen, steht ja viel zu hoch, um sich mit solchen Dingen einzulassen. - Ja, sehen Sie, das sind auch die schlimmen Dinge, die von guten Anhängern kommen. Das, was in dieser Richtung von den guten Anhängern kommt, kommt, weil man keine MÖglichkeit hat, die neue Diplomatie, die aber jetzt ehrlich sein soll,  an die Stelle der alten Diplomatie zu setzen; denn es handelt sich darum, just den Ort zu finden, den Punkt zu finden, wo man einzugreifen hat, um unter Umständen Schmierfinken und Schweinekerle unberücksichtigt zu lassen, im rechten Augenblick sie aber doch zu berücksichtigen. Es handelt sich darum, im rechten Augenblick das Rechte zu tun. Solche gutmeinenden Menschen, wie auch der einer ist, von dem ich jetzt gesprochen habe, das sind Menschen, die in die Welt blicken, aber in dem Umkreis von nicht sehr großer Weite richten sich geistige Mauern auf und durch diese sehen sie nicht durch; sie reden allerlei, was sehr schÖn klingt, aber sie wissen nichts von der Welt. Der gute Wille, von der Welt zu wissen und in dem Sinn zu handeln, nicht aus irgendeinem, selbst noch so forschen Wesen heraus, irgendwie ein Gebaren zu entwickeln, darauf kommt es an, und deshalb darf man nicht dasjenige, was eigentlich durchklingen möchte durch so etwas, was ich heute gesagt habe, zur Phrase umwandeln, sondern ich möchte gar sehr, dass das ein bisschen in die Herzen eindringe, dass es von dem Herzen aus zur alleralltäglichsten Arbeit durchdringe, durchwirke; denn nur so werden wir das erreichen, was zu erreichen ist, was erreicht werden soll durch den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus und durch alles das, was mit ihm zusammenhängt. Sie sitzen da, meine sehr verehrten Anwesenden; dadurch stecken Sie darinnen in dem Ganzen. Ich musste heute zu Ihnen sprechen; ich konnte nicht anders, als Ihnen von der Schwierigkeit der Aufgabe zu sprechen. Ob ich richtig oder falsch gesprochen habe, das hängt nicht davon ab, ob ich heute so oder so meine Worte gesetzt habe, sondern das hängt lediglich davon ab, ob jeder Einzelne den guten Willen hat, jedem Einzelnen gegenüber so zu sein, wie es im Sinne des Ausgesprochenen sein soll. Als jetzt die Neugestaltung des alten Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus vorgenommen wurde, habe ich unserm lieben Freund Herrn Molt, der ja im Wesentlichen drinnensteckt in der ganzen Ausgestaltung der anthroposophischen sozialen Arbeit - die Dinge sind ja erst immer im unsichtbaren Keim eigentlich schon seit dem Spätherbst des Jahres 1918 hier unternommen worden und dann zutage getreten erst im Frühling 1919 -, ich  habe Herrn Molt gebeten, für den neuen Bund den Posten des Kurators zu übernehmen, damit er erstens aus seinen Zusammenhängen mit der gegenwärtigen Welt heraus findet alle diejenigen Punkte, von denen aus unsere zukünftige Arbeit unternommen werden soll, und weil zu hoffen ist, dass gerade er denjenigen Willen, der ihn dazu geführt hat, einer der Ersten zu sein, die von hier aus im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus wirken wollten, dass gerade er auch weiterhin nach der Neugestaltung diesen Willen entfalte. Herr Kühne hat die Leitung des neugegründeten Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus übernommen, und ich habe die Voraussetzung, dass dasjenige, was mit Herrn Kühne in langer Verhandlung abgemacht worden ist, als dass es der Geist sein soll der neuen Bundesführung, dass das sich durch seine Persönlichkeit verwirklicht. Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, dasjenige, was Darinnenstehen ist in der Welt, was bester Wille Ihres Kurators ist, was eindringliche Einsicht und guter, bester Wille des Sekretärs des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus ist, das wird nur die rechten Früchte tragen können, das wird nur in der rechten Weise auch wirken können auf alles das, auf das gewirkt werden soll - und gewirkt soll werden auf alles das, was verwandt ist mit uns -, kollegialisch zusammengewirkt werden soll mit all dem, was in der Waldorfschule leitend ist, kollegialisch zusammengewirkt werden soll mit all dem, was in der anthroposophischen Gesellschaft leitend ist, kollegialisch zusammengewirkt werden soll mit allem, was im «Kommenden Tag» belebt werden soll, kollegialisch zusammengewirkt werden soll mit all denen, die neu herankommen, um in unsere Bewegung sich zu begeben, dasjenige alles, was darinnensteht in der WelL was bester Wille des Kurators, was eindringliche wissenschaftliche und soziale Durchbildung und Impulsivität und bester Wille des Sekretärs ist, es wird seine Früchte nur tragen können, wenn jeder Einzelne, auf welchem Platz er auch immer ist, so sich einstellen will hier, dass diese Eigenschaften, die ich eben genannt habe, im kollegialischen Zusammenwirken, im kameradschaftlichen Zusammenwirken aller — aller, die hier sitzen und noch hier sitzen werden - eine entsprechende Stütze findet.  Ein paar Worte möchte ich gerade an das Allerletzte anfügen (es hatten inzwischen gesprochen die Herren Molt, Kühne, Trommsdorff, Uehli) aus dem Grunde, weil hier eben durchaus mit absoluter Klarheit alles hingestellt werden soll, was in unserer Arbeit wirksam ist, es war, als der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus zuerst gegründet worden ist, die Arbeit so in ihrer weiteren Fortentwicklung gestaltet worden, dass es in einem bestimmten Zeitpunkt notwendig wurde, als ein Organ des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus die Wochenschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» einzuführen. Bisher war diese Wochenschrift, die wie wir alle ersehnen, in einer absehbaren Zeit zu einer Tageszeitung werden soll, die in unserem Sinne wirkt, bisher war diese Wochenschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus» eingegliedert dem Bunde für Dreigliederung des sozialen Organismus. Und es war das insofern eine Selbstverständlichkeit, als sie ja sich aus der Arbeit ergeben hat und hineingestellt worden ist. Es ist bei der Neubegründung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus aber auch ebenso eine Selbstverständlichkeit - weil ja hier immer das Reale berücksichtigt werden muss -, wie, dass die ausgezeichnete Arbeit des Herrn Uehli in einer, ich möchte sagen, organbildenden Weise wirkte. Und das hat ganz organisch dazu geführt, dass in der Zukunft - es gehört dieses zur Neuorganisation - auf der einen Seite, also propagandierend die Ideen des Bundes, die Geschäftsführung und so weiter wirken, dass dies - die Wirksamkeit des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus - auf der einen Seite steht und dass in vollständiger Selbstständigkeit, einzig und allein zum kollegialischen Zusammenwirken aufgefordert, danebensteht, selbstständig steht die Leitung der Zeitung «Dreigliederung des sozialen Organismusm Beide Dinge werden also in der Zukunft parallel nebeneinanderherlaufende Organisationen sein und nur kollegialisch zusammenwirken müssen. Es ist auch natürlich, dass sich die Arbeitsgebiete erweitern, und es wird noch manches, was ursprünglich eine Strömung war, in mehrere Strömungen auseinandergehen und selbstständige Leiter erfordern. Das ist das Bemerkenswerte in der geografischen Gestaltung der Länder, dass ein kleiner Fluss entsteht,  sich mit ihm vereinigen allerlei Nebenflüsse, dass daraus ein großer Fluss entsteht, der sich ins Meer ergießt. Das muss das Eigentümliche sein solcher Bewegungen wie der unsrigen, dass sie auch zwar als kleine Flüsse entstehen, dass ihnen Nebenflüsse aus aller Welt zuströmen, dass sie sich aber dann spalten und dann, parallel gehend, zusammenwirken und in dieser Weise kollegialisch zusammenwirken, um sich in das große Meer des sozialen Aufbaues der Zukunft zu ergießen.  DREIGLIEDERUNGSABEND IM RAHMEN DES KONGRESSES «KULTUR-AUSBLICKE DER ANTHROPOSOPHISCHEN BEWEGUNG» Stuttgart, 6. September 1921 Meine lieben Freunde! Wenn man in einem solchen Kreis über die Angelegenheiten der Dreigliederungsbewegung und was damit zusammenhängt, verhandelt, so muss man sich doch wohl bewusst sein, dass die ganze Dreigliederungsbewegung doch nur so gedacht sein kann, dass sie sich hineinstellt in die Notwendigkeiten der Gegenwart, in dasjenige, was von dem Wesen unserer gesamten Bewegung in die allgemeine Kultur hineingehen kann und hineingehen soll. Nun ist es ja ganz selbstverständlich, dass in unserer außerordentlich schnelllebigen Zeit man die Methode des Arbeitens anpassen muss an die veränderten Zeitverhältnisse. Es ist ganz selbstverständlich, dass es allgemeine Programme nicht geben kann, dass wir heute ganz anders arbeiten müssen in Deutschland als etwa im Jahre 1919 und so weiter. Aber eines, meine lieben Freunde, ist doch notwendig, zu bedenken, und das ist: Wir können nicht fruchtbar arbeiten auf einem solchen Gebiet, wie es die Dreigliederungsbewegung ist, wenn wir gewissermaßen uns eingrenzen in den Dreigliederungsimpuls, den wir ja vielleicht nach den verschiedenen Seiten hin abstrakt diskutieren, und Gruppen gründen, da die Dreigliederungsfrage besprechen, etwa utopieähnlich besprechen, was sie ganz gewiss nicht sein soll. Wenn solch eine Bewegung fruchtbar getrieben werden soll, so muss sie getrieben werden unter fortwährender Berücksichtigung der Verhältnisse, der engeren und weiteren, also der deutschen und auswärtigen Weltenverhältnisse überhaupt. Man muss versuchen, einen offenen Blick zu haben für dasjenige, was vorgeht. Und da möchte ich zwei Aperµs, mÖchte ich sagen, zusammenstellen, durch die ich eigentlich dasjenige sagen möchte, was ich zu sagen hätte. Gestern wurde versucht, aus einem kleineren Kreis heraus etwas zu tun, in einer Konferenz, wobei in Frage kam, in  verschiedenen Ländern - man fand, dass das so richtig ist - sich an Persönlichkeiten zu wenden, die, wie man so sagt, einen Namen haben, sodass eventuell ein gewisser Teil unserer Bewegung durch so etwas propagiert werden könnte. Man müsste sich überzeugen von der Tatsache, dass, wenn man heute [SO] eine Frage aufwirft: Persönlichkeiten, die einen Namen haben, soll man finden, wenn man so eine Frage heute aufwirft, dass eine solche Frage sich ganz anderes stellt zur Beantwortung, als wenn man sie vor acht Jahren aufgeworfen hätte. Vor acht Jahren fielen einem alle möglichen Leute ein - mit Recht -, heute fällt einem niemand ein, weil die Leute im Laufe der letzten sechs, acht Jahre, die als Namen genannt werden konnten, vollständig verbraucht sind, sie sind eben keine Namen mehr. Aus Gewohnheit halten die Menschen noch fest an dem Glauben, dieser oder jener habe einen Namen; man sehe es sich nur etwas konkret an, sehe sich heute zum Beispiel die Zeitungen durch, Leute, die als Politiker reden: Entweder findet man immer wieder und wiederum Stresemann oder Helfferich immer wieder und wiederum, oder irgendjemanden, der nun wahrhaftig nichts anderes sagen und tun kann als ein nicht ganz minderwertiger Mensch an dem betreffenden Posten, wie der gegenwärtige Kanzler - nicht wahr, ist er ja, glaube ich -, also es gibt heute nicht eine Möglichkeit, dieselben Fragen so zu behandeln, wie man sie vor acht Jahren behandelt hat, sobald man auf die konkreten Verhältnisse eingeht, und eine solche Bewegung muss auf die konkreten Verhältnisse eingehen, kann nicht bloß programmatisch wirken. Nun, im Zusammenhang mit diesem Aperµ, das ich eben gesagt habe, will ich ein anderes nennen. Sehen Sie, es ist, glaube ich, eine ganz konkrete Tatsache, dass am 28. August 1921 hier der Anthroposophenkongress begonnen hat, dass er morgen schließen wird; es ist zunächst eine für uns hier, glaube ich, sehr konkrete Tatsache. Dieser Anthroposophenkongress hat - und Sie haben heute Abend bei einer Verkündigung gesehen, wie es mit den Raumverhältnissen steht -, er hat also eine ganze Reihe von Leuten hierher nach Stuttgart gezogen. Sie sind zu unserer großen Befriedigung Arbeitende auf diesem Gebiet. Ja, was können Sie denn wirklich als in der Zeitgeschichte  stehend Arbeitende Besseres tun, als die konkretesten Verhältnisse benützen? Man muss doch von Tatsachen ausgehen, wenn Tatsachen einmal geschaffen sind. Nun möchte ich dasjenige, was ich sagen will, nur illustrativ sagen, als Beispiel gewissermaßen, ich bitte also, wenn ich zwei Beispiele auswähle, das nicht so aufzufassen, als ob nicht die anderen auch alle Beispiel wären, aber es soll niemand irgendwie, der nicht genannt wird, nicht deshalb nicht genannt werden, weil er nicht auch genannt werden kÖnnte, sondern ich muss irgendwelche Beispiele schon auswählen. Sehen Sie, wir haben heute Nachmittag einen Vortrag gehört über Wilbrandts djkonomie». Zunächst, es war eine Anknüpfung an Wilbrandts Ökonomie. Aber dieser Vortrag ist ein solches Ereignis, dass, wenn es ausgenützt wird, wenn es wirklich gebraucht wird, wie es gebraucht werden kann, eine ungeheure Bedeutung haben kann und ein ungeheures Agitationsmittel sein kann. Würde dieser Vortrag im Kreise von irgendeinem Wirtschaftskongress oder Professorenkongress oder irgendwo gehalten worden sein, so würde nicht nur in jeder größeren Zeitung ein ausführlicher Bericht von diesem Vortrag erscheinen, sondern es würde wochenlang darüber diskutiert werden, spaltenlang. Es könnte sein, dass es Anthroposophen gibt und Dreigliederer, die von diesem Kongress weggehen und von diesem Vortrag zu Hause zu den anderen Mitgliedern, die nicht da waren, überhaupt nicht als von irgendetwas, was sie erlebt haben, erzählen. Ja, das bedeutet, dass wir erstens wenige Menschen haben, die nun heute schon produktiv schöpferisch arbeiten, aber auf der anderen Seite, dass ungeheure Arbeit einfach unter den Tisch fällt, nicht ausgenützt wird. Wir verstehen es noch nicht, die konkreten Tatsachen von Tag zu Tag zu benützen, wir denken nach, wie können wir Einführungskurse halten und so weiter, und so weiter; sehr schön, aber selbstverständlich, darüber haben wir auch schon vor zwanzig Jahren gesprochen. Für uns müssen die Dinge, die vorgehen, auch wirklich vorgehen, das ist das Wichtige, meine lieben Freunde. Das andere Beispiel, das ich erwähnen möchte, ist - es sind doch auch Mitglieder aus der Lehrerschaft da gewesen - nun ist von Fräulein Dr. von Heydebrand ein Vortrag gehalten worden, der nun tat sächlich so radikal eingreift in etwas, was seinerseits im eminentesten Sinne kulturschädigend, kulturzerstörend ist, dass wir wiederum mit diesem Vortrag gestern eine epochemachende Tat haben. Man soll sich nur vorstellen, dass dieser Vortrag auf irgendeiner Lehrerversammlung gehalten worden wäre, was der in der Lehrerschaft für ein Aufsehen gemacht hätte, geradeso, wie Universitäts-Nationalökonomie heute in ihrer ganzen Hohlheit und Nichtigkeit entlarvt worden ist, so ist gestern die ganze Torheit der experimentellen Psychologie und der experimentellen Pädagogik so interessant und noch dazu in einer humoristischen Weise dargestellt worden, dass das wiederum etwas ist, was ausgenützt werden muss. Ja, meine lieben Freunde, wir haben es gerade seit der Revolution erlebt, dass unendliche Arbeit einfach unbenutzt gelassen wird, unter den Tisch fällt; wir müssen verstehen lernen, unsere Dinge voll auszunützen. Wir müssen uns ein offenes Auge aufsetzen, wir können es erleben, dass hier auf dem Gebiet der Pädagogik, der Ökonomie kritisch (pädagogischen, der ökonomischen Kritik) Epochemachendes getan wird und dass das als Selbstverständlichkeit von unseren Leuten hingenommen wird. Ja, so ist es gegangen den Dornacher Hochschulkursen bis heute. Es liegt ungeheure Arbeit darinnen, aber es wird hingenommen wie etwas Selbstverständliches, das man eben auch als Sensation hinnimmt, dass sich so ein paar Leute alle mögliche Mühe geben, ungeheure Arbeit leisten, man hört sich das an, aber es hat keine Wirkung. Nicht wahr, gewiss, es ist mit Recht diskutiert worden, wie müde die Leute sind, wie schwer sie es aufnehmen, aber wir sagen ihnen ja nichts davon! Sie würden schon Dinge aufnehmen, wenn wir es aus einem offenen Sinn für das, was geschieht, und aus einem offenen Herzen heraus vor die Leute hinbrächten, es wäre dann schon Verständnis, wenn wir gerade [das] aktuelle, das unmittelbar Konkrete vor die Leute hinstellten. Was ist das alles, was die Stresemanns, was die Wirths und so weiter reden gegenüber dem, was hier auf diesem Kongress geredet worden ist; wenn es niemand anderes sagt, es muss schon einmal ausgesprochen werden, es muss jemanden einfallen, die ganze Bedeu tung dieser Bewegung doch nicht fortwährend unter den Tisch fallen zu lassen und nachzudenken über abstrakte Programme, wie sollen wir am besten Einführungskurse halten, aber kein Herz und keinen Sinn zu haben für dasjenige, was eigentlich unter uns vorgeht. Das ist das, was so ungeheuer schmerzt und was anders werden könnte; die Dreigliederungszeitung, welche unendliche Arbeit liegt in der Dreigliederungszeitung! Ich habe schon einmal über die Sachen gesprochen. Nicht nur, dass die Dreigliederungszeitung nicht beachtet worden ist in ihrer Bedeutung, jetzt geht sie sogar zurück. Also nicht wahr, die Dinge, die ich sage, sind nicht, um zu keifen, wahrhaftig nicht, um zu keifen, sondern nur, [um] aufmerksam zu machen auf das, dass wir ja doch schließlich in unserer Bewegung eine ernstliche Verpflichtung hätten, die Dinge, die von den Menschen geleistet werden, entsprechend zu schätzen und vor die Leute wirklich in einer richtig geschätzten Weise zu bringen. Und was gäbe die Ausnützung desjenigen, was bei den Dornacher Hochschulkursen, was hier wieder geleistet wird, wenn es aktuell ausgenützt würde! Was gäbe das für Stoff zu arbeiten! Das ist dasjenige, was man immerhin betonen muss, und das geht so - ich möchte tatsächlich das jetzt auch nur illustrativ sagen - durch unsere ganze Bewegung hindurch. Sehen Sie, ein Beispiel zu nennen: Es war wirklich etwas Einschlagendes, dass im Hibbert-journal ein Dreigliederungsaufsatz erschienen ist an erster Stelle; das hat an sich eine Bedeutung, denken Sie aber, wenn die Freunde unmittelbar anknüpfen an diese Sache, diese Sache ausnützen, dann kann es ja das Fünfundzwanzigfache von dem bewirken, was es an sich bewirkt im Hibbert-journal; es ist das angesehenste Blatt der englischen Intellektuellen. Und solche Dinge könnte ich auf allen Gebieten eben vorführen. Und dasjenige, was ich also am Sonntag mir zu sagen erlaubte, dieser lebendige Verkehr, dieses lebendige Interessieren jedes Einzelnen für die gesamte Bewegung, das ist etwas, woran wir uns ganz intensiv halten müssen. Wie viele Mitglieder kennen denn, wie gut organisiert, wie stramm organisiert unsere Gegnerschaft ist, wie sehr wir brauchen ein aufmerksamstes Auge und ein energisches Auftreten mit Bezug auf diese  Organisation der Gegnerschaft? Und da möchte ich auch wiederum eines sagen: Sehen Sie, zwischen Dornach und London existiert meines Wissens ein lebhafter Gedankenaustausch; es werden viele Briefe geschrieben mit allen möglichen Tratschgeschichten von Dornach. Diese Tatsachen habe ich vorgebracht jüngst bei einer Konferenz in Dornach und habe gesagt: Aber wenn so etwas vorkommt wie, dass eine Eurythmieaufführung, wie es in Baden-Baden geschehen ist, mit Dreck beworfen ist, was eine wichtigste Gesellschaftsangelegenheit ist, dann muckt niemand, es kümmert sich niemand darum, es wird nicht wirklich als ein aktuell Konkretes berücksichtigt. Darauf wurde mir gesagt, man hätte in London nichts gewusst von dieser Tatsache, trotzdem es in den «Basler Nachrichten» besprochen worden ist, wenn man nicht zufällig in Oxford (oder Regent) Street ein Blatt der «Basler Nachrichtm» im Dreck gefunden hätte, und da hätte man erfahren von dieser Tatsache. Also Sie sehen, das hat schon Hand und Fuß, wenn ich sage, notwendig ist, dass jeder die Angelegenheiten der gesamten Gesellschaft zu seinen Angelegenheiten macht und dass man eine Empfindung dafür hat, was nun wirklich geleistet wird in der Gesellschaft. Denken Sie doch nur einmal, was es heißen würde, wenn irgendwo etwas Gleichwertiges mit dem Ihnen nur vom Kongress in zwei Beispielen Angeführten draußen in der Welt vor sich gegangen wäre. Man muss diese Dinge doch schätzen und von diesen Dingen - glauben Sie nicht, dass nun wirklich die Ortsgruppen es interessieren kann, wenn man ihnen in dieser wirklich aktuellen Weise berichtet von dem, was man hier in Stuttgart erlebt hat? Meine lieben Freunde, also ich meine dasjenige, was man immer wieder und wiederum findet, das also - Herr Rektor Bartsch hat es mit einer gewissen Richtigkeit hervorgehoben - das Nacharbeiten, das Verarbeiten. Aber eben das sind richtige Lichtstellen der Bewegung, das ist dasjenige, was wir brauchen. Es müsste zum Beispiel gesorgt werden dafür: Das ist doch keine Kleinigkeit, dass hier 1600, also 1600 Personen zu einem Kongress versammelt waren und dass diese Dinge, die hier verhandelt worden sind, eben verhandelt worden sind, dass das hier alles vorgekommen ist, dass die eurythmischen  kleinen Proben in einer solchen 'Weise eingeschlagen haben und so weiter, und so weiter, man muss doch wirklich nicht hier sitzen mit verschlafenen KÖpfen, und nach Hause fahren mit verschlafenen Köpfen, sondern tatsächlich doch aus der ganzen Sache eine lebendige Bewegung machen. Temperament in die Seelen, Enthusiasmus in die Herzen, dann findet sich schon dasjenige, was man in den Einzelheiten braucht. Man kann nicht wiederum, also, programmatische Ratschläge geben, sondern man muss appellieren an Temperament, Humor, Enthusiasmus, Feuer. Machen Sie recht viel Feuer, indem Sie es in einer enthusiastischen Weise aus den Tatsachen heraus anzünden, dann wird die Dreigliederungszeitung nicht zurückgehen, dann wird es diesem Kongress nicht so gehen, wie es den Dornacher Hochschulkursen gegangen ist und so weiter, und so weiter, sondern dann wird dieses Feuer doch auch irgendetwas nützen.  RÜCKBLICK AUF DIE DREIGLIEDERUNGSZEIT Aus einer Besprechung während des Berliner Hochschulkurses Berlin, 10. März 1922 Rudolf Steiner: Betreffend Aufruf 1919: Dieser war auf der einen Seite sehr geeignet, auf der anderen Seite aber musste man sich klar sein, dass man die Professoren und die Dozentenschaft damit herausforderte. Das kann man selbstverständlich tun, aber man muss auch danach trachten, durchzudringen. Es ging ja nicht ganz so schlimm, aber doch ähnlich wie beim Kulturaufruf im Mai 1919. Ich glaube nicht, sagen zu können, dass der positive Erfolg der war, den sich alle versprochen haben. Das [ist] auf keine Lässigkeit oder eine geringe Tätigkeit innerhalb der Studentenschaft zurückzuführen, sondern auf unsere heutigen wirklich sehr schwer zu bemeisternden Zustände. Es kann einem sehr leicht passieren, dass man wie ein wüster Agitator angesehen wird, wenn man die heutigen Zustände charakterisiert. Aber eine Art Vogel-Strauß-Politik-Betreiben hilft auch nicht. Man muss sich klar darüber sein, die Welt hat anthroposophisches Wollen nötig. Man muss damit durchkommen. Mögen die Formen, in denen dieses anthroposophische Wollen heute auch auftritt, vielleicht durch andere ersetzt werden, mag auch in dieser Beziehung von der äußeren Form kein Stein so bleiben, wie er ist, ein Durchbruch nach dieser Seite ist eben notwendig. Das müssen wir uns auf der einen Seite sagen. Auf der anderen wird man immer und immer überrascht sein, zu sehen, mit welcher Indolenz, mit welchem Nicht-sehen-Wollen desjenigen, was eigentlich vorgeht, die ältere Generation heute behaftet ist. Es liegt eine solch furchtbare Blindheit vor, mehr eine Blindheit des Willens als der anderen Seelenkräfte. Man mag von früheren Zeiten sagen, was man will, aber in der Willensinitiative ist unsere Zeit die furchtbarste, die in der Weltgeschichte der Menschheit erlebt worden ist. Man kann nur sagen, nicht guten Willen, aber gute Meinung haben manche Leute, man erlebt es immer wieder, man braucht niemand  anzuklagen. Ich habe zum Beispiel in Kristiania im staatswissenschaftlichen Verein über die Idee der Dreigliederung gesprochen. Man konnte nicht sagen, die Leute hätten gar nichts davon verstanden; das ging aus dem Gesprochenen hervor: Die Professoren, sowohl Theoretiker als Praktiker, redeten über die Dinge, aber es kam ihnen nicht die Idee, dass aus dem, was sie aufgenommen haben, für sie etwas folgen könnte, das mehr wäre als das Lesen eines interessanten Aufsatzes. Die Leute kommen nicht mehr darauf, dass etwas getan werden muss in der Welt. Das ist das Trostlose. Es ist ja das Abwehren alles dessen, was eigentlich Tun heißt. Dies müssen besonders die jüngeren Generationen spüren, müssen dies erkennen. Wir haben ja eine furchtbare Auslese in Bezug auf Fiihrerstellen. Mir ist es einerlei, ob einer pro oder kontra in Bezug auf Anthroposophie spricht. Aber auf das geistige Niveau des Redners kommt es an, wie sich dies heut Vormittag bei dem Privatdozenten Dr. Tillich zeigte. Deshalb sagte ich vorher, man sehe wie ein wüster Agitator aus, wenn man die Zeitlage charakterisiert. Solche Persönlichkeiten, die mit Scheuklappen behaftet sind, können die Privatdozentenschaft und das Lizentiat erlangen. Solche [Aufzeichnung bnicbt ab.]  ÜBER DEN BUND FÜR FREIES GEISTESLEBEN, DIE NACHFOLGEORGANISATION DES DREIGLIEDERUNGSBUNDES Wortmeldungen in einer Lehrerkonferenz 31. Januar 1923 Rudolf Steiner: Nun, was die Propagandafrage anbelangt, die haben Sie in Verbindung gebracht mit dem Bund für freies Geistesleben: Kampf gegenüber dem Grundschulgesetz. So wie die Sache liegt, meine ich, ist es nicht eigentlich gut, wenn die Waldorfschule als solche an den gewöhnlichen Fragen, so, wie sie in der Öffentlichkeit meist in der Trivialität formuliert werden, pro oder kontra teilnimmt. Wir werden viel günstiger vorwärtskommen, wenn wir aus unserer eigenen Sache heraus arbeiten und positiv dasjenige vertreten, was wir aus der Waldorfpädagogik und -didaktik zu vertreten haben, und uns nicht einlassen auf Formulierungen, die von außen kommen. Es hatte oft für mich einen bitteren Beigeschmack, [wenn] jemand von uns einen Vortrag gehalten hat über das Grundschulgesetz. [Denn] so liegt die Sache gar nicht, dass wir uns an diesen Dingen beteiligen sollen. Wir sollen das, was wir zu vertreten haben, aus unserer eigenen Sache heraus vertreten. So kommen wir weiter. Sodass die Leute, die sich darüber unterrichten wollen, sich die Frage vorlegen sollen: Sind die für das Grundschulgesetz? Wir sind natürlich dagegen. Wir sollten nicht in die Verhandlung der Philister-Tagesfragen eintreten. Ich weiß nicht, wie Sie es sich gedacht haben. Erich Scbwebsch:Wir haben gedacht: Da ist der ·Bund für freies Gcisteslcbcn·, der nicht weiß, wozu er da ist. Hier hast du etwas, was du aus dir machen kÖnntest. [Gemeint ist, der ·Bundfü'freies Geisteslebem sollefür ein neues Grundscbulgesetz im Sinne der Dreigliederung kämpfen./ Rudolf Steiner: Wie stellen Sie sich den Kampf gegen das Grundschulgesetz vor? Nicht wahr, diese Dinge müssen lebensgemäß ich sage sonst wirklichkeitsgemäß -, diese Dinge müssen lebensge mäß behandelt werden. Die Welt sollte den Eindruck haben: Die Leute von der Waldorfschule im Zusammenhang mit den übrigen Menschengruppen, innerhalb welcher sie stehen, die Leute von der Waldorfschule behandeln diese Dinge lebensgemäß. Nicht wahr, wenn Sie heute die Aufsätze nehmen, die in der «Anthroposophie» stehen [als] Wochen[berichte], so werden diese Aufsätze so angesehen, als ob sie geschrieben wären ohne Kenntnis der Zusammenhänge, die heute bestehen zwischen Parlament und Regierung und VerwaltungskÖrper und so weiter. Sie werden so von Leuten, die ein Urteil haben, als unpraktisch empfunden, als ob man sich einfach ein feuilletonistisches Urteil bildet, und dann hängt man noch die Sache vom freien Geistesleben oder von der Dreigliederung daran an. Dadurch bringen wir uns immer wieder in das Odium, eine unpraktische Gruppe von Menschen zu sein. Das muss gegenüber diesen Dingen aufhören. Von Leuten, die Gegner sind, rede ich nicht, von einsichtsvollen Leuten rede ich, die auf dem Boden der Dreigliederung stehen. Es handelt sich darum, wenn wir den Bund für freies Geistesleben einbeziehen in unsere Waldorfschulsache, dass wir nicht in dieselben Fehler verfallen, in die der Bund selbst verfällt, in eine Art von Theoretisieren. Da meine ich, wird es sich darum handeln, die Agitation und Propaganda wieder auf gesunde Basis zu stellen. Also gewiss, es kann ein Zusammengehen mit dem Bund für freies Geistesleben sein, aber wenn wir so etwas aufstellen, müssen wir uns dessen bewusst sein, es ist von vorneherein lebensungemäß, wenn wir die Waldorfschul-Pädagogik in Gegensatz bringen gegen das Grundschulgesetz. Je weiter die Waldorfschul-Pädagogik sich ausbreitet, desto unmöglicher sind solche philiströsen Gesetze. Wir haben nicht nötig, uns auf den Boden der Bierpolitik zu stellen. Das ist eine Taktfrage. Wir sollen nicht eingreifen. Das hätten wir nie sollen! Das ist der Unfug gewesen bei der Dreigliederungsbewegung. Wir hätten nie in die Philister-Tagesfragen eingreifen sollen. Ich habe deshalb dieses Gebiet abgesondert behandelt, weil ich darauf besonderen Wert lege, dass wir da wirklich auf eine höhere Warte steigen. Ich habe das versucht schon seit Jahren, dass ich die  Begründung eines Weltschulvereins herbeiführen wollte. Der würde eben das Ziel verfolgt haben, die pädagogischen Fragen [nicht philiströs, sondern] von einer höheren Warte aus publik zu machen. Das würde die schwierige Aufgabe eines solchen Weltschulvereins sein. 1.-·] Die allgemeine Lage jetzt zu besprechen, ist nicht so leicht, weil die Sache gilt, die ich einmal mit immer wieder hervortretender Deutlichkeit gesagt habe, während ich hier die Vorträge über Dreigliederung hielt: Man muss etwas tun, bevor es zu spät ist. Es ist heute zu spät, irgendwie auf dem Felde desjenigen, was man bisher in Europa Politik genannt hat, etwas zu erreichen. Die einzige Anregung, die ich gegeben habe, war die Verwandlung des alten Dreigliederungsbundes in den «Bmd für freies Geisteslebenm Diese Anregung ging aus von der Erkenntnis, dass man in der Zukunft für Europa und für die gegenwärtige westliche Zivilisation nur [noch] etwas tun kann durch die Förderung des Geisteslebens als solches. Von da aus muss alles Übrige ausgehen. Sowohl die Dinge, die unter dem gegenwärtigen Regime wirtschaftlich gemacht werden, wie alle politischen Impulse, sind [heute] machtlos. Es ist nur möglich, das Geistesleben zu fördern und zu hoffen, dass etwas geschehen kann. Es handelt sich darum, alles [das], was uns [in dieser Richtung] obliegt, zusammenzufassen unter dem einen. [..·1 Wir stehen heute vor einem Abgrund in der europäischen Kultur, und wir müssen uns anschicken, diesen Abgrund zu überspringen. Ich habe längst aufgehört, nach dieser Richtung Artikel zu schreiben. Ich habe den letzten geschrieben, als die Genueser Konferenz war, um noch einmal auf das Ganze aufmerksam zu machen. Wenn ich in Dornach Arbeitervorträge halte, so machen die Arbeiter gar nicht mehr den Anspruch, etwas Politisches zu hören. Sie lassen sich naturwissenschaftliche Vorträge halten, weil sie begreifen, dass das ganze politische Reden [heute] gegenstandslos geworden ist.  II. DREIGLIEDERUNGSBESTREBUNGEN AUF WIRTSCHAFTLICHEM GEBIET  EINE ZU GRÜNDENDE UNTERNEHMUNG Memorandum Nouember 1919 Notwendig ist die Gründung eines bankähnlichen Instituts, das in seinen finanziellen Maßnahmen wirtschaftlichen und geistigen Unternehmungen dient, die im Sinne der anthroposophisch orientierten Weltanschauung sowohl nach ihren Zielen wie nach ihrer Haltung orientiert sind. Unterschieden von den gewöhnlichen Bankunternehmungen soll dieses dadurch sein, dass es nicht nur den finanziellen Gesichtspunkten dient, sondern den realen Operationen, die durch das Finanzielle getragen werden. Es wird daher vor allem darauf ankommen, dass die Kredite etc. nicht auf dem Wege zustande kommen, wie dies im gewöhnlichen Bankwesen geschieht, sondern aus den sachlichen Gesichtspunkten, die für eine Operation in Betracht kommen, die unternommen werden soll. Der Bankier soll also weniger den Charakter des Leihers als vielmehr den des in der Sache drinnenstehenden Kaufmannes haben, der mit gesundem Sinne die Tragweite einer zu finanzierenden Operation ermessen und mit Wirklichkeitssinn die Einrichtungen zu ihrer Ausführung treffen kann. Es wird sich dabei hauptsächlich um die Finanzierung solcher Unternehmungen handeln, die geeignet sind, das wirtschaftliche Leben auf einen gesunden assoziativen Boden zu stellen und das geistige Leben so zu gestalten, dass berechtigte Begabungen in eine Position gebracht werden, durch die ihre Begabungen in einer sozial fruchtbaren Art sich ausleben [können]. Worauf es besonders ankommt, ist, dass zum Beispiel Unternehmungen entriert werden, die augenblicklich gut rentieren, um mit ihrer Hilfe andere Unternehmungen zu tragen, die erst in späterer Zeit und vor allem durch die jetzt in sie zu gießende Geistessaat, die erst nach einiger Zeit aufgehen kann, wirtschaftliche Frucht bringen können. Für die Beamten des Bankunternehmens ist es notwendig, dass sie eine Einsicht darin haben,  wie die Lebensansicht, die mit der Anthroposophie gegeben ist, sich in wirtschaftlich fruchtbare Wirksamkeit umsetzt. Dazu ist notwendig, dass ein streng assoziatives Verhältnis hergestellt wird zwischen den Bankverwaltern und denen, die durch ihre ideelle Wirksamkeit das Verständnis für eine ins Leben zu setzende Unternehmung fördern können. Ein Beispiel: Eine Persönlichkeit hat eine Idee, die eine wirtschaftliche Fruchtbarkeit verspricht. Die Vertreter des Ideellen der Weltanschauung können Verständnis hervorrufen für die sozialen Folgen. Ihre Tätigkeit wird finanziell mitgetragen aus den aufzunehmenden Beträgen, die zugleich wirtschaftlich und technisch die Verwirklichung der Idee tragen sollen. Im Mittelpunkt muss stehen, die Zentralen der anthroposophisch orientierten Geistesbewegung selbst zu tragen. Der Bau in Dornach kann zum Beispiel zunächst nichts tragen; dennoch wird er einen mächtigen auch wirtschaftlichen Ertrag in späterer Zeit bewirken. Es muss Verständnis dafür hervorgerufen werden, dass ihn jeder auch bei Achtung seines finanziellen Gewissens materiell fördern kann, wenn er nur mit der materiellen Fruchtbarkeit in einer längeren Zeit rechnet. Die Unternehmung muss auf der Erkenntnis ruhen, dass die technische, finanzielle etc. Tätigkeit Zweige entfalten kann, die zwar für den einzelnen Unternehmer zeitweilig günstige Resultate liefern, die aber im Zusammenhänge der sozialen Ordnung zerstörend wirken. In dieser Art waren viele Unternehmungen der neuesten Zeit orientiert. Man fruktifizierte sie, und gerade durch ihre Fruktifizierung untergrub man die soziale Ordnung. Dieser Art von Unternehmungen müssen solche gegenübertreten, die aus einem gesunden Denken und Empfinden heraus stammen. Sie können sich in wirklich fruchtbarer Art der sozialen Ordnung einfügen. Sie können aber nur aus der durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angeregten sozialen Denkweise getragen sein. Es ist richtig, dass auch eine Unternehmung wie die hier charakterisierte zunächst nur die sozial-technischen und finanziellen Krisenmöglichkeiten überwinden kann, und dass ihr die sozialen  Schwierigkeiten so lange gegenüberstehen werden, als diese als eigentliche Arbeiterfrage noch die Gestalt an sich tragen, die aus der zu Krisen verurteilten alten Produktionsweise stammen. Die an den neuen Unternehmungen beteiligten Arbeiter werden zum Beispiel in Lohndifferenzen sich gerade so verhalten, wie sie sich den Unternehmungen alten Stils gegenüber verhalten. Allein man darf bei solchen Dingen nicht unterschätzen, wie bald bei richtiger Führung ein Unternehmen der hier charakterisierten Art auch sozial günstige Folgen haben muss. Das wird man sehen. Und das Beispiel wird überzeugend wirken. Wenn eine Unternehmung dieser Art stocken wird, dann wird man die Arbeiter, die daran beteiligt sind, schon mit ihren Überzeugungen bei dem Wieder-in-Fluss-Bringen haben. Denn nur dadurch, dass man durch eine auf alle Menschenklassen wirkende Denkungsart die Handarbeiter mit den geistigen Führern von Unternehmungen zu einem Interesse bringt, kann den sozialen Zerstörungskräften entgegengearbeitet werden. Grundbedingung ist, dass die geistigen Bestrebungen mit allen materiellen innig verbunden werden. Wir können eine solche Orientierung mit den jetzt in der anthroposophischen Bewegung verfügbaren Kräften deshalb nicht erreichen, weil wir eben in ihrem Schoße keine praktische Unternehmung haben, die aus ihren eigenen Kräften hervorgewachsen ist, außer dem Berliner anthroposophischen Verlag. Doch genügt dieser allein nicht, um vorbildlich zu wirken, denn seine ökonomische Orientierung ist nur der äußere Ausdruck der Schlagkraft der Geisteswissenschaft als solcher. Richtig vorbildlich können erst solche Unternehmungen wirken, die nicht die Geisteswissenschaft als solche zu ihrem Inhalt haben, sondern die einen von der geisteswissenschaftlichen Denkungsart getragenen Inhalt haben. Eine Schule als solche kommt vorbildlich zunächst nach dieser Richtung erst dann in Betracht, wenn sie finanziell von nur solchen Unternehmungen getragen wird, deren ganze Einrichtung schon aus geisteswissenschaftlichen Kreisen hervorgegangen ist. Und der Dornacher Bau wird seine soziale Bedeutung erst erweisen können, wenn durch die mit ihm verbundenen Persönlichkeiten solche Unternehmungen ins Leben gerufen worden sind, die sich selbst tragen,  den sie haltenden Menschen gehörigen Unterhalt geben und dann noch so viel übrig lassen, dass das von einer geistigen Unternehmung immer geforderte Defizit gedeckt werden kann. Dieses Defizit ist ja in Wirklichkeit gar keines. Denn eben dadurch, dass es entsteht, wird die Fruktifizierung der materiellen Unternehmungen hervorgerufen. Man muss nur die Dinge wirklich praktisch nehmen. Das tut derjenige nicht, der frägt: Wie soll man also im Sinne der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ein finanzielles oder Ökonomisches Unternehmen machen? Das ist einfach ein Unsinn. Denn mit bloßen Gedanken macht man nichts Praktisches. Es kommt darauf an, dass die in der anthroposophisch orientierten Geistesbewegung selbst organisierten Mächte die Unternehmungen machen, das heißt dass Bankiers, Fabrikanten etc. sich mit dieser Bewegung zusammenschließen, dass der Dornacher Bau der reale Mittelpunkt eines neuen Unternehmungsgeistes werde. Deshalb sollen auch in Dornach nicht «soziale», «technische» etc. «Programme» aufgestellt werden, sondern es soll mit dem Bau der Mittelpunkt einer Arbeitsweise geschaffen werden, welche die Arbeitsweise der Zukunft werden soll. Wer sich dazu entschließen wird, zu den Dornacher Unternehmungen finanzielle Beihilfe zu gewähren, der wird verstehen müssen, dass wir heute schon so weit sind, dass Unternehmungen im alten Sinn unterstützen heißt, sein Geld in Unfruchtbares stecken, und dass für sein Geld sorgen heute heißt, zukunftsversprechende Unternehmungen zu tragen, die allein geeignet sind, den verwüstenden Kräften standzuhalten. Kurzsichtige Leute, die heute noch glauben: so etwas hat noch nie finanzielle Früchte getragen, werden sicher den Dornacher Bestrebungen sich nicht anschließen. Die sich anschließen, müssen weitsichtige, finanziell und Ökonomisch wirklich urteilsfähige Leute sein, die einsehen, dass Fortfahren-Wollen in den alten Bahnen weiterzuwursteln heißt: sich ein sicheres Grab graben. Diese Menschen werden es allein sein, die den zerstörenden Existenzen der letzten vier bis fünf Jahre nicht nachfolgen werden. Mit Unternehmungen des bisherigen Stils arbeiten, heißt weiter nichts als die finanziellen und ökonomischen Reserven aufbrauchen. Denn auch die Reserven der Rohstoff- und Landwirtschaftsproduktion,  die am längsten halten, werden aufgebraucht. Ihre finanzielle und ökonomische Fruktifikation liegt nämlich doch nicht darinnen, dass sie da sind, sondern dass die Arbeit möglich ist, durch die sie dem sozialen Organismus zugeführt werden. Diese Arbeit gehört aber durchaus zu den Reserven. Alles für die Zukunft hängt davon ab, dass auch für die Einzelunternehmung ein neuer Geist die führende Stellung bekomme.  [ZUR UNTERNEHMENSGRÜNDUNG «DER KOMMENDE TAG KG.»] Fragment eines Aufsatzes, 1920 Es liegt der Einwand nahe, dass gegenüber dem allgemeinen wirtschaftlichen Zusammenbruch ein verhältnismäßig kleines Unternehmen wie der «Kommende Tag» nicht nur nichts Positives vermag, sondern mit zusammenbrechen müsse. Dieser Einwand ist aber nicht stichhaltig. Die Wirtschaftsart, die hier angestrebt wird, soll eben auf der einen Seite zeigen, wie Unternehmungen durch ihr inneres Leben sich in sich selbst halten können, wenn sie mit den Gepflogenheiten der gegenwärtigen wirtschaftlichen Denkungsart brechen, die in den Untergang geführt hat. Es wird in der von dem «Kommenden Tag» angestrebten vorbildlichen Weise des Zusammenwirkens aller Mitarbeiter möglich sein, die Betriebe über schwere Krisen hinüberzuführen. Wenn die Arbeitenden so gehalten werden, dass sie in Bezug auf ihre Interessen sich an das ganze Unternehmen gebunden fühlen, werden sie nicht durch Störung, sondern gerade durch Aufrechterhaltung des Betriebes berechtigte Ziele zu erreichen haben. Auf der anderen Seite soll durch diese Wirtschaftsart bei den bewirtschafteten Betrieben eine Herstellung von Erzeugnissen ermöglicht werden, die nach Qualität und Quantität den Auslandsmarkt uns sichert. Durch alles dieses haben die Geldgeber in unserem Falle die Gewähr, ihre Anlagewerte auch über die katastrophale Zeit hinübergerettet zu sehen bis zu dem Neuaufbau, an dem Unternehmungen wie das unsrige den wesentlichen Anteil haben müssen.  ANSPRACHE AN DER ORIENTIERUNGSVERSAMMLUNG ÜBER DIE GEPLANTE UNTERNEHMENSGRÜNDUNG ·DER KOMMENDE TAG A.G.. Protokolhriscbe Aufzeichnung Stuttgart, 11. März 1920 Nach dem bereits hier Vorgebrachten werde ich ja nur zur Ergänzung das eine oder andere noch zu sagen haben. Vor allen Dingen habe ich vielleicht darauf hinzuweisen, dass ja wirklich die Überzeugung tief gegründet ist bei jedem, der den Nerv auch unserer anthroposophischen Bewegung kennt, dass in der Gegenwart auf dem Boden des sozialen Fortschrittes gearbeitet werden müsse. Aber trotz dieser Überzeugung, die 1& wie ich glaube, schon im Laufe unserer bald zwanzigjährigen anthroposophischen Arbeit genügend sich hätte ausbreiten können, trotz dieser Überzeugung würde ja ein solches Arbeiten wie das Ihnen heute charakterisierte und bereits - wenigstens vorläufig - in die Wege geleitete kaum notwendig geworden sein, oder sagen wir vielleicht besser, kaum in Betracht gekommen sein, wenn sich von irgendeiner anderen Seite her die Möglichkeit geboten hätte, dasjenige, was heute für die Menschheit notwendig ist auf dem Gebiete des Arbeitens, das den Zusammenhang betrifft zwischen wirtschaftlichem, rechtlichem und geistigem Leben, wenn sich gezeigt hätte, dass der Notwendigkeit der Zeit von anderer Seite wirklich Rechnung getragen worden wäre. Denn subjektive Gründe, sich um das alles irgendwie zu reißen, was jetzt beabsichtigt ist, subjektive Gründe, zu der notwendigen Arbeit in der geistigen Bewegung auch noch die Arbeitslast sich aufzuerlegen, die mit diesen Unternehmungen verbunden ist, subjektive Gründe liegen allerdings nicht vor. Gründen irgendwelchen persönlichen Charakters kann wahrhaftig das nicht entspringen, um was es sich hier handelt. Nicht einmal haben solche Gründe auch nur im Ent ferntesten mitsprechen können bei dem Hintreten vor die Welt, bei dem ideellen Hintreten vor die Welt mit dem, dessen Folgen die jetzigen Unternehmungen sind, mit dem ideellen Vertreten jener sozialen Ideen, die ausgesprochen sind in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Fragem Hätte man, ich möchte sagen, irgendwie die bisherige Tätigkeit nur auf das rein geistige Feld beschränken dürfen, hätte man nicht nötig gehabt, das soziale Gebiet hinzuzufügen, es wäre wahrhaftig viel mehr entgegengekommen dem, nach dem man hätte verlangen können gerade aus subjektiven Gründen heraus. Denn sehen Sie, das Befolgen der Notwendigkeit, die hier vorgelegen hat, lässt einen gerade nicht gute Erfahrungen machen. Und unsere Freunde wissen, ich rede viel lieber aus Erfahrungen, aus Symptomen als aus irgendwelcher Dogmatik heraus. Aus den mancherlei Erfahrungen, die man in den letzten Zeiten hat machen können, möchte ich etwas Fernerliegendes hervorheben. Sehen Sie, die «Kernpunkte der sozialen Frage» sind ja bereits übersetzt in nordische Sprachen; sie sind vor Kurzem auch erschienen in italienischer Sprache; und sie haben gerade in italienischer Sprache gleich bei ihrem Erscheinen die Aufmerksamkeit eines - wie mir versichert wird - bedeutsamen Soziologen hervorgerufen. Ebenso sind sie daran, bald herausgegeben zu werden in englischer Sprache in England selbst. Da hat sich dann etwas Merkwürdiges gezeigt, das recht symptomatisch ist für dasjenige, was in unserer allgemeinen Weltenlage heute noch immer drinnen ist und was so ungeheuer stark verbunden ist mit den Ursachen zu den Schreckensereignissen der letzten vier bis fünf Jahre. Die englische Übersetzung des Buches «I)ie Kernpunkte der sozialen Fragcm lag im ganzen Satz vollständig korrigiert vor. Es handelt sich darum, bei den besonderen Verhältnissen, die bestehen zwischen England und Amerika für den Druck von Werken, einen Verleger auch in Amerika zu gewinnen für das Buch. Und es ergab sich der besonders günstige Umstand, dass der damals gewonnene englische Verleger des Buches gleichzeitig ein Geschäft in Amerika hat, das sogar von einem Manne desselben Namens dirigiert wird. Mit der englischen Firma war bereits der Vertrag geschlossen. Daran, dass die amerikanische Firma die «Kernpunkte der sozialen  Frage» auch drucken werde in Amerika, ebenso, wie beabsichtigt war, in England sie zu verbreiten, daran konnte man aber überhaupt nicht denken. Und dennoch, schon als der vollständige Satz vorlag, als das Papier angekauft war für die englische Ausgabe, als es sich um nichts mehr anderes handelte, als das Buch herauszugeben, denn es handelte sich ja nur um eine Zweigfirma, da kam von der amerikanischen Firma die merkwürdige Nachricht, dass sie eben daran sei, von mir meine anthroposophischen Werke zu verlegen; namentlich sollten in den nächsten Tagen schon meine Mysteriendramen in englischer Sprache in Amerika erscheinen. Und man friige sich nun, wenn dieselbe Firma nun mit einem Werk von mir von einer ganz anderen Sorte komme, ob da die Leute nicht sagen werden: Nun, das kann doch nichts Gutes sein, denn einer, der Mysteriendramen schreibt und dann ein Buch über soziale Fragen, da müssen doch die Mysteriendramen nichts nutz sein, dann kaufen wir die auch nicht. Mit dieser Motivierung, ich will nicht sagen aus diesen Gründen allein, aber mit dieser Motivierung durchkreuzte die amerikanische Zweigfirma den Plan, der schon bis zum Papieh das heute doch einigermaßen viel bedeutet, fertig war. Die englische Firma zuckte sogleich zurück und war bereit, das Buch nicht erscheinen zu lassen. Das Buch wird trotzdem in den nächsten Tagen in England erscheinen. Es ist ja nicht nötig, dass man auf allen Gebieten schläft. Und auch wenn sich zunächst eine amerikanische Firma nicht so schnell entschlossen hat - das Buch muss trotzdem so schnell als möglich erscheinen. Ich führe das nur aus dem Grunde an, weil es Ihnen etwas Bestimmtes zeigen soll. Glauben Sie nur nicht, dass ich die Menschen der Gegenwart mit ihren schläfrigen Seelen für so gescheit gehalten habe, dass ich nicht gewusst habe: Wenn ein soziales Buch neben den Mysteriendramen auftritt, kommen solche Urteile zustande. Ich weiß, dass solche Urteile heute zeitgemäß und selbstverständlich sind. Also bei solcher Voraussicht glauben Sie nicht, dass es irgendetwas Verlockendes hätte, zu der bloß ideellen Vertretung dieser sozialen Ideen, um die es sich hier handelt, noch alles das hinzuzufügen, wovon gesprochen wurde heute Abend. Allein das  kann überhaupt nicht in Frage kommen. In Frage kommt nur das, was notwendig ist. Und aus all den verschiedenen Tendenzen, aus denen sich alles das ergeben hat, was wir seit dem April 1919 hier, in Stuttgart besonders, gemacht haben, ergibt sich mit einer inneren Tatsachenkonsequenz die Notwendigkeit zu diesen eben durchaus auf praktischem Gebiete verlaufenden Unternehmungen, von denen Ihnen heute berichtet worden ist. Man kÖnnte vieles anführen, um das Urteil zu erhärten, dass solche Unternehmungen heute notwendig sind. Nicht nur diejenigen, von denen berichtet worden ist, sondern notwendig wären auf allen Gebieten solche Unternehmungen. Denn, meine lieben Freunde, unter all dem, was man sagen könnte für die Notwendigkeit dieser Unternehmungen, gibt es auch eines. Es wird nicht gleich in der richtigen Weise gewürdigt, es ist aber etwas, auf das man gar sehr den Blick wenden sollte, wenn man so mitgemacht hat alles dasjenige, was verlief in der Ereignisreihe, die dann zusammensetzte das, was da war in den letzten vier bis fünf Jahren und was dann zu dem furchtbaren mitteleuropäischen Niederbruch geführt hat. Unter all dem ist vielleicht nicht für jeden am leichtesten bemerkbar - aber nicht minder bedeutsam - das Getriebe derjenigen Routiniers, von denen ich gesprochen habe im öffentlichen Vortrage, die sich für ausgepichte Praktiker noch immer halten, trotzdem sie hätten lernen können. Denn, meine lieben Freunde, wenn man forschen will nach dem, was Mitteleuropas Niederbruch bewirkt hat, muss man nicht zuletzt schauen auf die geschäftlichen, namentlich industriellen Routiniers, die das große schnoddrige Wort führten, die zu sagen wussten, dass man das oder jenes zur Sicherung machen sollte oder nicht. Was sie alles gewusst haben aus Vorurteilen heraus, das war etwas Ungeheuerliches, wofür leider die wenigsten Menschen ein Urteil bewahrt hatten oder ein Ohr hatten. Der Ton, aus dem heraus die Geschäftswelt Mitteleuropas während dieser Kriegsereignisse gesprochen hat, der Ton darf nicht fortgesetzt werden, sonst erleben wir nicht nur so etwas, wie der Niederbruch war, noch einmal, sondern wir werden viel ärgere Dinge erleben. Aber das kann man selbstverständlich heute auch sagen: Die ganz Gescheiten werden ebenso gescheit alles  dasjenige wissen, was für die Zukunft herbeizuführen ist, wie die ganz Gescheiten während der Glanzperiode gewusst haben, was zu tun ist, wo man gesagt hat: Wir werden siegen, denn wir müssen siegen. Ich habe oftmals gerade auf diese Worte hingewiesen, die man unzählige Male tradiert hören konnte. Alle diese Dinge, die liegen auch in schweren Entschluss, um den es sich hier handelt. Und manches Vorurteil muss überwunden werden. Es ist heute schon hingewiesen worden darauf, dass es ja vielleicht die Welt schockieren wird, dass die ganze Unternehmungsreihe heißt «Der Kommende Tagm Als dem Verleger Scherl einmal eingefallen ist, seine Zeitungen «Der Tag» zu nennen, er hätte es auch rücksichtslos getan. Aber ich sehe nicht ein, warum man dasjenige, was Scherl vielleicht aus innerer Verlegenheit heraus tun, nicht einmal auch aus der Wahrheit heraus tun dürfte. Wenn es Scherl getan hätte, wäre es sicher geglückt in gewissen Kreisen. Es handelt sich darum, dass einmal in der Wahrheit gearbeitet wird. Da kann man darauf keine Rücksicht nehmen, ob das die Welt schockiert oder nicht. Die Hauptsache ist, dass das getan wird, was getan werden muss. Ich brauche Ihnen ja nicht, da ich fast zwanzig Jahre zu Ihnen gesprochen habe, über die großen Ziele zu sprechen. Bei Ihnen brauche ich ja nicht zu befürchten, dass gerade sehr viele Leute unter Ihnen sind, die nicht wissen, dass man erst nach langer Zeit ein Urteil darüber gewinnen kann, was eigentlich in der hier gemeinten Geisteswissenschaft drinnensteckt. Ich brauche nicht zu befürchten, dass sehr viele unter Ihnen sind, die etwa nach einem einzigen Vortrage sich ein Urteil bilden werden. Ich bin auch nicht in der Lage, in wenigen Worten über die Ziele, die für das praktische Leben gelten, offen zu sprechen. Diejenigen, die mit einiger Hingebung die Sache verfolgt haben, wissen ja, um was es sich in ideeller, geistiger Beziehung eigentlich handelt. Da würde man sehr, sehr geistig sprechen können, um diese Ziele so darzulegen. Aber das ist in diesem Augenblick nicht notwendig. Und auf der anderen Seite ist es auch nicht notwendig, dass ich in besonders breiter Weise ausführe, dass nun auf der ändern Waagschale - denn um zwei Waagschalen handelt es sich hier- liegen muss alles das, was auf jedem Gebiet dem Dilettantismus  und der Großsprecherei entgegengesetzt ist: bewusste Fachlichkeit und Sachlichkeit. Mit Programmen ist nichts zu machen, sondern mit der Arbeit - der Arbeit, die entsteht eben gerade aus dem hingebenden Leisten der Menschen, die an solchen Dingen beteiligt sind. Sehen Sie, als Herr Molt damals, als man schon übersehen konnte: Unsere Bewegung muss auch zu solchen Dingen führen, in Dornach zuerst sprach von einer Zentralisierung der Finanzierung unserer Bewegung, da sagte ich im Anschluss an seine damals so warm und schön gesprochenen Worte: «Ich muss gestehen, weniger Sorge macht mir die Beschaffung von Geldmitteln, denn diese werden doch mehr oder weniger gerade von den verständigen Menschen gegeben werden, weil sie darauf kommen werden, dass nun doch heute einmal in einer rationellen Weise gearbeitet werden muss, sogar auf wirtschaftlichem Gebiet, dass Unzähliges verschleudert worden ist an nationalem Gut in den letzten Jahrzehnten, also darum habe ich nicht einmal so große Sorgen als um das Auffinden von denjenigen Persönlichkeiten, die nun diese Geldmittel in der richtigen Weise verwerten und ausnützen können.» Wahrhaftig, mit diesen Worten durfte ich anknüpfen an etwas, was ich vor vielen Jahren gesagt habe. Sehen Sie, als wir damals begannen, dramatische Aufführungen zu machen, da hatten wir zuerst - vorher konnte man in dem Punkte recht idealistisch sein, was sich dadurch äußerte, dass man seinen Idealismus bezeugte dadurch, dass man die Hand fest, fest auf der Materie seines Geldbeutels hielt. Denn wenn man die Hand fest auf seinen Geldbeutel legt und nichts herauslässt, dann kann man, weil es nichts kostet, die schönsten idealistischen und mystischen Phrasen dreschen, aber die Materie ist im Geldbeutel drinnen und bleibt drinnen. Und man kann dann sagen, der Idealist macht es doch zu schofel, vom Gelde zu reden, und noch schofler, irgendetwas von seinem Gelde, diesem schrecklichen Mammon, den man besser in der Tasche behält, etwas für die Ideale hinzugeben, denn: «Die Ideale sind viel zu hoch, als dass man sie beschmutzen könnte mit diesem schoflen Mammon.» - Zuerst ging es ja. Da konnte man diskutieren darüber, ob man die 50 Pfennig damals in den ersten Jahren als Eintritt bezahlen solle für anthroposophische Vorträge.  Denn überall hörten wir von lieben Freunden: Anthroposophische Vorträge stehen uns viel zu hoch, als dass sie uns nicht umsonst geliefert werden sollen. - Ich erzähle nur Tatsachen! Dann kamen allerdings die Jahre, in denen Dramen aufgeführt werden sollten. Da ging es nicht mehr, wirklich ein Auge zuzudrücken gegenüber diesem «hohen Idealismus», der die Ideale nicht beschmutzen will mit dem schnöden Mammon. Da musste schon manchmal appelliert werden an den Opfermut der Freunde. Aber dazumal sagte ich schon: Wir sind nun leider dazu verurteilt, an demjenigen Zipfel der Lebenspraxis anzufassen, den man uns noch übrig gelassen hat, dem Zipfel der Nachahmung beziehungsweise der künstlerischen [Repräsentation] des Lebens - das Bild des Lebens. Viel lieber - der Satz muss sich finden in Vorträgen von mir wiederum -, viel lieber, sagte ich dazumal, als ein Theater würde ich eine Bank gründen, nicht aus Vorliebe für das Geld, wahrhaftig nicht, sondern weil ich einsah, dass das ja doch kommen muss, dass einmal die alleräußerste Lebenspraxis nun wirklich in Angriff genommen werden muss für die Notwendigkeiten unserer Zeit. Jetzt ist dieser notwendige Zeitpunkt eben durchaus gekommen, und jetzt steht die Sache so, dass man nicht mehr herumkommt um die Begründung praktischer Dinge - aus dem Grunde, weil die Praktiker überall Schiffbruch erlitten haben. Gewiss, man wird sehr groß angeschaut, wenn man das sagt, weil Praktiker es noch maskieren möchten - sogar vor sich selber -, dass sie es vor allen Dingen sind, die uns in unsere heutige Lage hineingebracht haben; aber sie möchten fortwursteln. Nun, ich sagte dazumal in Dornach: Wir haben vor allen Dingen notwendig Persönlichkeiten, die das Geld verwerten können. Und dann kommt der Punkt - wenn man das bedenkt -, wo man die große Verantwortlichkeit fühlt. Denn unter der schrecklichen Mechanisierung des Lebens hat die Initiativkraft und Wachheit des menschlichen Seelenlebens in der Tat in den letzten Jahrzehnten so gelitten, dass es ungemein schwer ist, die geeigneten Persönlichkeiten zu finden. Wir schätzen uns wirklich glücklich, dass wir nun endlich so weit sind, für einzelne Zweige derjenigen Betätigungen, die uns notwendig sind, sich hingebende und in unserer Sache wirklich  drinnenstehende, für unsere Sache als solche lebende und für die großen Ideale der Menschheit begeisterte Menschen zu finden, die sich Ihnen ja auch vorgestellt haben, die nun wirklich verbinden können mit idealistischem Sinn, wie wir ihn auffassen, die nötige Hingebung für nüchterne, praktische Erfassung der technischen Fragen auf jedem Gebiet. Denn darauf kommt es an, dass wir nicht nur die Mystik auf die eine Waagschale legen und darauf rechnen: Dann sinkt die Waagschale; nein, es handelt sich um Gleichgewicht. Wir müssen auf die andere Waagschale legen Fachlichkeit und Sachlichkeit. Wir müssen wirklich nüchterne Praktiker sein. Darauf muss gesehen werden. Sehen Sie, unsere Aufgaben werden sein, wirklich in einer gewissen Weise zu errechnen die Zukunft aus der Vergangenheit mit feinem Instinkt. Denn im Leben lassen sich die Dinge nicht machen mit Programmen. Man kann die schönsten Programme machen auf geistigem, auf wirtschaftlichem, auf politischem Gebiete. Programme machen ist immer ein Unsinn. Dasjenige, worauf es ankommt, das ist, Wirklichkeiten ins Leben zu stellen, die solche Menschen umschließen, dass aus der gemeinsamen Tätigkeit dieser Menschen heraus ein Lebendiges kommt. Es ist sehr gut möglich, dass, wenn sich hier eine Anzahl von Menschen zu einem Kreise verbindet, in fünf Jahren noch etwas ganz anderes da ist, als sich die Menschen träumen lassen. Damit aber auf diesem Wege überhaupt etwas zustande kommen kann, ist es nötig, dass die in diesem Kreise vereinten Menschen nun wirklich ideelle und praktische Arbeit leisten können und wollen. Da kommt es auf die einzelne Persönlichkeit an. Deshalb steht nicht als Phrase in dem Prospekt, dass eine der Aufgaben dieser Unternehmungen die ist, Menschen auf solche Posten zu stellen, dass ihre besonderen individuellen Fälligkeiten zutage treten können. Das ist dasjenige, was mit Füßen getreten worden ist gerade im wirtschaftlichen Leben der letzten Jahrzehnte: die Begabungen der Menschen. Was hat den Ausschlag gegeben? Das ganz Unpersönliche, das da oder dort zu Gesamturteilen über den Menschen zusammengeflossen ist aus Schulzeugnissen, Empfehlungen - alles Mögliche, das aus Großsprecherei, aus Programmworten herauskam.  Das, um was es sich handelt, das ist, dass wirklich einmal die Möglichkeit geschaffen werde in einem Kreis von Menschen, die fruchtbaren Begabungen zu erkennen, damit aus dem lebendigen Leben heraus, nicht aus Programmworten, aus Glauben, aus Dogmatik geschöpft werde. Man will Menschen zusammenbringen, die durchaus aus der immer fort und fort sich steigernden Einsicht in das Leben schaffen, kurz Menschen, zu denen man volles Vertrauen haben kann, weil man zu ihrem Wollen, zu ihrer Arbeit Vertrauen haben kann, weil man nicht nötig hat, ihnen etwas vorzuschreiben, sondern weil man sie kennt, sodass man weiß: Sie werden dasjenige, was sie gerade beizutragen haben, in voller Freiheit zu der Sache beitragen. Das ist es, was ganz wesentlich verbunden ist mit dem, was hier geschehen soll. Und während immer weniger in den letzten Jahren das äußere Leben gebaut worden ist auf den Menschen, soll hier gerade auf den Menschen dieses äußere Leben gebaut werden - auf den Menschen und die Freiheit. Und gesehen werden soll, dass diejenige Freiheit- die zwar nicht nach dem Wunsche mancher unserer Freunde, aber nach der Wirklichkeit hier gerade in dieser Gesellschaft war, wo es keine Autorität gab, keine Autorität beansprucht worden ist -, dass dieses System, dieses Prinzip auch hineingetragen werde - so ist es beabsichtigt - in diese wirtschaftlichen Unternehmungen, sodass wirklich aus der vereinigten Kraft derjenigen, die zusammenwirken, das, was geschieht, lebendig geschieht, und überall d% wo produktives Leben ist, eben das Lebendige und nicht die Ausführung eines toten Programmes geschehen soll. Vor einigen Tagen wies ich Sie hier auf etwas Lebendiges hin, das aber als Lebendiges sich eben aus sich selbst heraus entwickeln muss. Ich war etwas erstaunt, dass Freunde hier sich so viel Kopfzerbrechen machten, wie man dieses oder jenes Artikelchen, das zu unseren Gunsten spricht, in dieser oder jener Tageszeitung unterbringen kÖnne. Darüber waren die Freunde nun endlich einig, dass man nicht mit den Parteien Kompromisse schließen könne, aber dass man auch nicht mit dem gegenwärtigen Journalismus Kompromisse schließen dürfe, war ihnen noch nicht klar. Da wollten sie noch da oder dort  unterkriechen. Dass Einzelne untergekrochen sind, das hat sich recht gründlich gerächt, aber man hat wenigstens etwas gelernt. Man hat gelernt, dass dasjenige, was als sozialistische Richtung da ist, allerlei Blüten an die Oberfläche bringt, was nicht weniger korrupt ist als das, was in den Orkus hinabgefallen ist. Und schließlich die äußeren Symptome, nun, wissen Sie! Sehen Sie, eine wirtschaftliche Partei soll die sozialistische sein. Aus dem wirtschaftlichen Leben soll sich alles ergeben. Diese sozialistische Partei hat allerlei Mitglieder jetzt sogar in die regierenden Kreise hineinbekommen. Eines der wichtigsten wirtschaftlichen Gebiete hat nun nicht ein handfester oder abgeschwächter oder irgendwie gearteter Marxist oder Sozialist in die Hand gekriegt, sondern sie haben sich gewöhnt, den jetzt wichtigsten Zweig des Lebens, der allen übrigen zugrunde liegt, von dem alles andere abhängig ist, von dem Erzberger besorgen zu lassen, der gewiss kein Marxist ist und über dessen Fähigkeit zu einer Neugestaltung der mitteleuropäischen Welt sogar erst Helfferich diese mitteleuropäische Welt aufklären musste. Nun kann es heute einem ganz gleichgültig sein, ob «Erzbergerisch» oder «Helfferichisch» geredet wird, aber dasjenige, was hier geschieht, ist eben auch nur ein Beweis, wie wenig die Welt zu lernen bereit ist. Ich glaube, sie wird - selbst auf «Helfferichisch» gesprochen - nicht viel lernen über die Qualitäten desjenigen, was auf «Erzbergerisch» gesprochen worden ist; denn dass beides zu dem gehört, was uns in das Unglück hineingeführt hat, scheint die Welt durchaus nicht verstehen zu wollen. Diejenigen Dinge, um die es sich handelt, sind heute tatsächlich nicht auf eine «kleinzijgige» Weise zu begreifen, sondern sie können nur dann begriffen werden, wenn man ein wenig aus den Tiefen heraus schöpft. Und mit all diesen Dingen hängt das schon zusammen, wovon Ihnen heute hier gesprochen worden ist. Ich hoffe, meine lieben Freunde, [dass] dasjenige, was ich hier wie ein paar ergänzende Worte angefügt habe an dasjenige, was Ihnen von verschiedenen Seiten mitgeteilt worden ist, nicht allzu sehr missverstanden wird. Es ist mir aus gewissen Gründen versagt, manches andere Wort noch zu sprechen, das ich gerne in Anknüpfung an  diese Dinge gesprochen hätte. Ich hoffe, dass auch manches, was mir jetzt noch bedenkliche Seiten zeigt in dem Aufkeimenden - ich will nicht außer Acht lassen, dies zu erwähnen -, sehr bald überwunden werden wird. Allein ich glaube, wenn sich möglichst viele von Ihnen als fähig erweisen, sich jetzt in diesem Augenblick auf den wirklich praktischen Boden zu stellen, wird doch aus der Sache etwas Gutes herauskommen können. Ich mÖchte nur noch hinzufügen, weil doch von vielen Seiten unter Umständen gesprochen werden könnte davon, dass man die Sache nicht verstanden hat, ich möchte nur noch hinzufügen, worüber ich eigentlich gar nicht selber sprechen wollte, dass es allerdings notwendig wäre, dass die wirklich zukunftssicheren Keime, die in der Waldorfschule gepflanzt worden sind, nach den verschiedenen Richtungen einen entsprechenden Ausbau erfahren. Nun, wir werden, meine lieben Freunde, ganz notwendigerweise unser Augenmerk auf das Wirtschaftliche richten müssen jetzt, denn das Wirtschaftliche soll unser Geistiges tragen. Aber man kann nicht tragen, wenn man nichts zu tragen hat. Die Hauptsache wird bei uns doch immer sein, dass das Geistige getragen werde. Wir werden versuchen, den Zusammenklang zu finden zwischen dem Wirtschaftlichen und dem Geistigen, werden das besonders versuchen bei der Propagierung durch unseren Verlag, wo wir am meisten aus dem Vergangenen das Zukünftige errichten. Denn wir haben mancherlei gelernt durch die Art und Weise, wie die anthroposophische Literatur in den letzten Jahren verbreitet werden musste, und wir wissen ganz gut, dass dieses Buch, «Die Kernpunkte der sozialen Frage», in 40000 Exemplaren verbreitet worden ist - das ist immerhin für ein solches Buch ein ganz netter Erfolg - seit Anfang Mai letzten Jahres, also seit noch nicht einem Jahre. Die Leute sagen ja immer wieder und wiederum: Das Buch ist schwer und so weiter. Und doch liegt die Tatsache vor, dass das Buch das Wohlwollen fast gar keines Journals, fast gar keiner Zeitung erfahren hat und dass trotzdem dieses Buch in 40 000 Exemplaren abgesetzt worden ist. Man weiß, worauf man nicht rechnen darf bei diesem Buch. Bei diesem Buch wurde in Bezug auf seine Verbreitung bisher auf das nicht gerechnet, worauf man nicht rech nen darf. In der nächsten Zeit werden die Mittel und Wege gesucht werden müssen, um das zu erreichen, was selbstverständlich zu erreichen ist. Von einem Buche, von dem eintausend abgesetzt sind, kann man nicht wissen, ob in den nächsten Jahren noch fünfzig abgesetzt werden; von einem Buche, von dem 40 000 abgesetzt worden sind, in kurzer Zeit, kann man ganz gewiss wissen, dass, wenn man nur die richtigen Mittel und Wege findet, 100 000 Exemplare in viel kürzerer Zeit abgesetzt werden kÖnnen. Und in ähnlicher Weise werden wir auf den verschiedensten Gebieten wirklich aus der Vergangenheit das Mögliche für die Zukunft erraten müssen. Aber alles kommt eben doch darauf an, dass wir eben das Geistige als solches pflegen. So muss zum Beispiel darauf gesehen werden, dass das Geistige in seiner inneren Geschlossenheit wirklich vor die Welt auch hintreten könne. Wirklich nicht umsonst haben wir uns in der letzten Zeit angestrengt, so etwas wie die Eurythmie - ich möchte sagen von vier zu vier Wochen - um ein Stück weiterzubringen und auch, wo es möglich war, hier und in der Schweiz vor die Öffentlichkeit zu bringen. Es sollte aber das in viel umfangreicherer Art geschehen. So etwas gehört auch dazu, zu dem, was auf einem anderen Gebiete in der Waldorfschule geschieht; solch ein Eurythmeum als Mittelpunkt eines künstlerischen Wirkens, das brauchen wir, brauchen wir auch in seinem Repräsentieren durch ein selbstständiges Gebiet. Und es ist durchaus sicher: Wenn man zwar nicht abzieht dasjenige, was man für das Eurythmeum geben will, für die Pflege der Eurythmie, von dem, was man sonst auf die Scheine draufschreiben will, wird es nicht uneben sein, jetzt daran zu denken, dass das eine das andere tragen muss. Es werden sich ganz gewiss in der nächsten Zeit die Dinge zeigen. Es wird sich zeigen, dass dasjenige, was zum Beispiel durch eine solche Kunstanstalt geschaffen werden kann, im Verein andererseits mit dem, was durch den Verlag geschehen soll, auch getragen wird durch dasjenige, was nun finanziell, wirtschaftlich geschehen soll. Solch ein Gebäude kostet heute zehnmal so viel als vor verhältnismäßig kurzer Zeit. Gerade solchen Dingen gegenüber handelt es sich sehr darum, das Nötige zu tun, bevor es zu spät ist; sich wirklich vorzuhalten, dass unter Umständen in einem halben Jahr die  Unmöglichkeit besteht, ein solches Gebäude für die Eurythmie zu errichten und daran sich bindende Kunstformen zu schaffen. Aber notwendig wäre es, gerade hier in Süddeutschland, hier in Stuttgart als einem Zentralpunkt für manches, was sich gerade dann ergeben würde, wenn man für diese eurythmische Kunst etwas tun würde, die ja eben durch die Art der Mittel, die sie wählt, die verschiedenen künstlerischen Strömungen, die in der Gegenwart eigentlich alle scheitern daran, dass sie heute noch ungeeignete Mittel wählen, nicht von dem Richtigen ausgehen, befruchten könnte. Sie kann nicht eine Universalkunst werden, aber sie kann wie an einem Modell zeigen, wie auch auf anderen Gebieten des künstlerischen Schaffens gearbeitet, gestrebt und gelebt werden muss, wenn man vorwärtskommen will. Ich wollte diese paar Bemerkungen machen, um dasjenige zu erläutern und zu ergänzen, was unsere Freunde hier vor Ihnen gesprochen haben.  PROSPEKT ÜBER DIE AUSGABE VON 5%IGEN DARLEHENSSCHEINEN IM GESAMTBETRAGE VON M. 10000 000 DER GESELLSCHAFT «DER KOMMENDE TAG», AKTIENGESELLSCHAFT ZUR FÖRDERUNG WIRTSCHAFTLICHER UND GEISTIGER WERTE, STUTTGART Drucksache 13. März 1920 Die Aktiengesellschaft DER KOMMENDE TAG wurde durch Gesellschaftsvertrag vom 13. März 1920 mit dem Sitz in Stuttgart errichtet. Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb und die Finanzierung von rein wirtschaftlichen und geistig-wirtschaftlichen Geschäften und Unternehmungen aller An, die im Sinne der anthroposophischen Weltanschauung sowohl nach ihren Zielen wie nach Art ihrer Haltung orientiert sein werden, und die geeignet sein sollen, das wirtschaftliche Leben auf einen gesunden assoziativen Boden zu stellen und das geistige Leben so zu gestalten, dass berechtigte Begabungen in eine Position gebracht werden, durch die sie sich in sozial fruchtbarer Art ausleben kÖnnen. Die Gesellschaft wird sich von den gewöhnlichen Bankunternehmungen dadurch unterscheiden, dass sie nicht nur finanziellen Gesichtspunkten dient, sondern den realen Operationen selbst, die durch das Finanzielle getragen werden. Es wird daher die Zurverfügungstellung von Kapital an andere Unternehmungen nicht auf dem Wege zustande kommen, wie dies im gewöhnlichen Bankwesen geschieht sondern aus den sachlichen Gesichtspunkten, die für eine Operation, die unternommen werden soll, in Betracht kommen. Die Gesellschaft wird also weniger den Charakter des Leihers als vielmehr den des in der Sache drinnenstehenden Kaufmannes haben, der mit gesundem Sinne die Tragweite einer zu finanzierenden Operation ermessen und mit Wirklichkeitssinn die Einrichtungen zu ihrer Ausführung treffen kann. Daraus wird sich ergeben, dass die durch die Gesellschaft zu finanzierenden Unternehmungen im Allgemeinen die Form von Zweigniederlassungen der Gesellschaft annehmen werden. Dabei wird es darauf ankommen, dass z.B. Unternehmungen entrien werden, die augenblicklich gut rentieren, um mit ihrer Hilfe andere Unternehmungen zu tragen, die erst in späterer Zeit und vor allem durch die jetzt in sie zu gießende Geistessaat, die erst nach einiger Zeit aufgehen kann, wirtschaftliche Frucht bringen können. Die leitenden Gesichtspunkte hierfür werden sich ergeben müssen aus der Einsicht darin, wie die Lebensansicht, die mit der Anthroposophie gegeben ist, sich in wirtschaftlich fruchtbare Wirksamkeit umsetzt.  Die Leitung der Gesellschaft wird ausgehen von der Erkenntnis, dass die wirtschaftliche Tätigkeit Zweige entfalten kann, die zwar für den einzelnen Unternehmer zeitweilig günstige Resultate liefern, die aber im Zusammenhänge der sozialen Ordnung zerstörend wirken. In dieser Art waren viele Unternehmungen der neuesten Zeit orientiert. Man fruktifizierte sie, und gerade durch ihre Fruktifizierung untergrub man die soziale Ordnung. Dieser Art von Unternehmungen müssen solche gegenübertreten, die aus einem gesunden Denken und Empfinden heraus stammen. Diese können sich in wirklich fruchtbarer Art der sozialen Ordnung einfügen. Sie können aber nur von der durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angeregten sozialen Denkweise getragen sein. Ohne Zweifel werden auch Unternehmungen wie die hier charakterisierten zunächst nur die sozialtechnischen und finanziellen Krisenmöglichkeiten überwinden können; dagegen werden ihnen die sozialen Schwierigkeiten so lange gegenüberstehen, als diese als eigentliche Arbeiterfrage noch die Gestalt an sich tragen, die aus der zu Krisen verurteilten alten Produktionsweise stammen. Die an den neuen Unternehmungen beteiligten Arbeiter werden z.B. in Lohndifferenzen sich gerade so verhalten, wie sie sich den Unternehmungen alten Stils gegenüber verhalten. Allein man darf bei solchen Dingen nicht unterschätzen, wie bald bei richtiger Führung ein Unternehmen der hier charakterisierten An auch sozial günstige Folgen haben muss. Das wird man sehen. Und das Beispiel wird überzeugend wirken. Wenn eine Unternehmung dieser Art stocken wird, dann wird man die Arbeiter, die daran beteiligt sind, schon mit ihren Überzeugungen bei dem Wiederinflussbringen haben. Denn nur dadurch, dass man durch eine auf alle Menschenklassen wirkende Denkungsart die Handarbeiter mit den geistigen Führern von Unternehmungen zu einem Interesse bringt, kann den sozialen Zerstörungskräften entgegengearbeitet werden. Die Gesellschaft wird bestrebt sein, das ihr zur Verfügung stehende Kapital in produktiven Werten und in Erzeugnissen anzulegen, für die ein sündiger Bedarf vorhanden ist. Sie hofft, dadurch von den Wirkungen finanzieller Krisen möglichst wenig berührt zu werden. Der Vorstand besteht aus den Herren Kaufmann Konradin Haußer, Kaufmann Hans Kühn und Kaufmann Wilhelm Trommsdorff, sämtliche in Stuttgaru er ist vom Aufsichtsrat ernannt. Dem Aufsichtsrat gehören an die Herren Dr. Rudolf Steiner, Dornach, als Vorsitzender, Kommerzienrat Emil Molt, Stuttgart, als stellvertretender Vorsitzender, Direktor Emil Leinhas, Stuttgart, als Schriftführer, Fabrikant JosC del Monte, Stuttgart, und Fabrikant Dr. Carl Unger, Stuttgart. Die Mitglieder des Aufsichtsrates üben ihrc Tätigkeit ehrenamtlich aus. Gründer der Gesellscbaft sind die Herren Konradin Haußer, Stuttgart Hans Kühn, Stuttgart Direktor Emil Leinhas, Stuttgart  Graf Otto von Lerchenfeld, KÖfering bei Regensburg Kommerzienrat Emil Molt, Stuttgart Fabrikant JosC del Monte, Stuttgart Graf Ludwig von Polzer-Hoditz, Gutau, Oberösterreich Dr. Rudolf Steiner, Dornach bei Basel Fabrikant Dr.-lng. Carl Unger, Stuttgart Bezüglich des Reingewinnes bestimmen die Satzungen, dass von demselben 5 % dem gesetzlichen Reservefonds zugeführt werden, bis dieser den zehnten Teil des Aktienkapitals erreicht haq der Aufsichtsrat ist befugt, weitere Rücklagen in jedem Umfange anzuordnen. Sodann wird auf das Aktienkapital eine Dividende gewährL die eine den jeweiligen Zeit-Verhältnissen entsprechende, angemessene Verzinsung vom Nennwert des Aktienkapitals darstellen soll. Über den alsdann noch verbleibenden Gcwinnrest beschließt die Generalversammlung besonders. Das Grundkapital ist vorerst M. 300000.-, eingeteilt in 300 auf Namen lautende Aktien zu je M. 1000.-. Es ist in Aussicht genommen, das Grundkapital nach Erteilung der gesetzlichen Genehmigung wesentlich zu erhöhen. Bis dahin ist, gemäß dem Beschlüsse des Aufsichtsrates vom 11. März 1920, die Ausgabe von Darlebensscbeinen bis zu einem Betrage von Mk. 10000000.unter folgenden Bedingungen vorgesehen: 1. Die Darlehensgeber erhalten auf die Aktien-Gesellschaft ·Der Kommende Tag» oder deren Ordre lautende Darlehensscheine im Betrage von nicht unter M. 1000.-. 2. Die Darlehensscheine sind zu 5 % auf den 1. April und 1. Oktober jeden Jahres zu verzinsen, seitens des Darlehensgebers nach besonderer Vereinbarung kündbar und durch Indossament an Dritte übertragbar. Die Übertragung wird der Gesellschaft gegenüber durch Eintrag in deren Register rechtskräftig. 3. Die Gesellschaft hat jederzeit das Recht die Darkhensscheine in beliebiger Reihenfolge derart in Aktien umzuwandeln, dass sie den Darlehensgebern für den auf tausend abgerundeten Betrag des Darlehensscheines neu zur Ausgabe gelangende Aktien im gleichen Nennwert zuteilt und den etwa überschießenden Rest bar ausbezahlt. Diese neuen Aktien sind im Dividendenbezug gleichberechtigt mit dem Grundkapital. Die Regelung des Verhältnisses des Stimmrechts alter und neuer Aktien wird derjenigen Generalversammlung vorbehalten, die über die Erhöhung des Grundkapitals beschließen wird. 4. Soweit die Darlehensscheine bis 1. April 1922 auf Wunsch der Gesellschaft nicht in Aktien umgewandelt sind, steht der Gesellschaft das Recht zu, die Darlehen nach einem von der Generalversammlung festzusetzenden Tilgungsplan heimzuzahlen. Die Gesellschaft lädt zur Übernahme von Darkhensscheinen hiermit ein und bittet um Rücksendung des ausgefüllten und unterzeichneten Zeichnungs scheines an die Aktiengesellschaft ·Der Kommende Tag», Stuugart, Champignystr. 17 (nicht einschreiben). Stuttgart, 13. März 1920. Konradin Haußer Hans Kühn Wilhelm Trommsdorff (als Mitglieder des Vorstandes) Dr. Rudolf Steiner Emil Molt Emil Leinhas JosC del Monte Dr. Ing. Carl Unger (als Mitglieder des Aufsichtsrates).  ANSCHREIBEN DES «KOMMENDEN TAGES» Brief 6. Mai 1920 DER KOMMENDE TAG AG Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte Vorstand Stuttgart, den 6. Mai 1920. Champignystr. 17 Telef.: 2555, 2192 und 12103 (Waldorf) Telegr. Adr.: Komtag Postsch. Kto.: Stuttgart Nr. 19814. Reichsbankgirokonto. Über die Gründung unserer Unternehmungen soll hiermit einiges gesagt werden, was im Griindungsprospekt noch nicht möglich war auszusprechen. Mit unseren Plänen traten wir in Bahnen unserer Bewegung zum ersten Mal am Donnerstag, den 11. März in Erscheinung, und zwar dadurch, dass die verschiedenen Leiter der einzelnen Unternehmungen sich einer Versammlung gegenüber vorstellten, um die Grundlagen und Aussichten ihrer Unternehmungen darzulegen. Dr. Steiner fügte diesen Einzelausfiihrungen eine Ansprache hinzu, deren Nachschrift Ihnen hiermit kostenlos überreicht wird. Wir bitten Sie, dieselbe mit den folgenden Ausführungen als Grundlage zu betrachten, die für viele notwendig ist, um dem Unternehmen weiteres Vertrauen zu schenken. Das Letztere wird sich vor allen Dingen in der Zeichnung größerer Beträge ausdrücken. Bei dem ganzen Plan unserer Unternehmungen ist insofern an eine Tendenz zur Verwirklichung der Dreigliederungsidee gedacht, als Unternehmungen der verschiedenartigsten Branchen zusammengeschlossen wurden, um im gemeinsamen Interesse zu wirtschaften und sich gegenseitig in die Hand zu arbeiten. Wenn es mit der Zeit mÖglich wird, von den Rohprodukten die Fabrikation gewisser Artikel mit allen Zwischenstufen bis zum Fertigfabrikat in eigene Hände zu bekommen, so wird eine Abhängigkeit von fremden Betrieben immer mehr ausgeschaltet werden insbesondere dann, wenn man auf den Bezug von ausländischen Rohstoffen nicht angewiesen ist. Die Belieferung der eigenen Fabriken ist z.B. möglich, wenn aus den Erzeugnissen der Landwirtschaft die Arbeiter der Industriegebiete gespeist werden und die Letzteren der Landwirtschaft wiederum Waren liefern in Gestalt von landwirtschaftlichen Maschinen und dergl. Der Wareniiberschuss wird schließlich an die Konsumenten abgegeben werden  müssen, weshalb es darauf ankommt, im Ganzen solche Waren zu produzieren, die dauernden Absatz finden, auch wenn für längere Zeit chaotische Zustände eintreten werden. Die neuartige Wirtschaftsform ist also neben der Gesinnung, die sämtliche Mitarbeiter beseelt, vor allen Dingen die, dass Betriebe verschiedenartiger Branchen auf assoziativer Grundlage zusammengeschlossen werden. Dabei ist es in manchen Fällen möglich gewesen, die Betriebe als Zweigniederlassung der Gesamtunternehmung zu behandeln, sodass sie kein eigenes Kapital mehr haben. Der Leiter des betreffenden Unternehmens ist in diesem Falle, ähnlich wie es in den Kernpunkten verlangt wird, Verwalter von Kapital, der es nur mit der Warenherstellung zu tun hat. In manchen Fällen war jedoch diese Wirtschaftsform nicht durchführbar, sodass gewisse Betriebe unter ihrer bisherigen Firma als selbstständige juristische Person weiterarbeiten. Um den Geldausgleich im Sinne des Ganzen vorzunehmen, ist ein Finanzierungsinstitut geschaffen worden, das selbst kein Erwerbsunternehmen ist, sondern wiederum dem Ganzen dient. Der gcmeinniirzigc Charakter des Unternehmens ist insofern gewahrt, als die Dividcnden-Ausschiiuung eine den Zeiten angemessene sein wird und sich im Allgemeinen in ähnlichen Grenzen wie die Verzinsung der Darlehen bewegen kann. Da die Aktien nicht an der Börse erscheinen werden und lauter Namensaktien sind, ist eine Spekulation mit denselben ausgeschlossen, sodass auch ein Kurswert vorläufig nicht in Frage kommt. Das geringe Aktienkapital, das viele Menschen stößt, rührt daher, dass mit der Gründung nicht länger gewartet werden konnte und ohne Reichsgenehmigung eine Gründung nur bis zu der jetzt gewählten Höhe des Aktienkapitals möglich ist. Eine wesentliche Erhöhung des Aktienkapitals wird so bald wie möglich beantragt werden, damit das Aktienkapital in einem besseren Verhältnis zu den aufgenommenen Darlehen steht. Die Zeichnung der Darlehen ist in einem so erfreulichen Gange, dass wir hoffen können, in kurzer Zeit den Gesamtbetrag in Händen zu haben. Nach Herausgabe des Prospektes dauerte es nicht länger als vierzehn Tage, bis über 5 Millionen Mark gezeichnet waren. Die Einzelunternehmungen sind, abgesehen von den verschiedenen Projekten, die gegenwärtig in Vorbereitung oder in Verhandlung stehen, bisher die Folgenden: Der Kommende Tag A. G., Bank - Abteilung, welche die Finanzierung der Einzelunternehmungen besorgt. Der Kommende Tag A. G., Verlag, dem sich eine Druckerei angegliedert hat. Der Kommende Tag A. G., Chemische Werke. Schw./äbiscb] Gmünd: Dieses Werk wird sich neben der in Gang befindlichen Fabrikation eines Gcrsten-Kindcrmehls mit der Herstellung pharmazeutischer Produkte befassen.  Guldesmüble Dischingen, mit Ölmühle und Landwirtschaft sowie einem Sägewerk. Dieser Unternehmungskomplex wurde von den bisherigen Besitzern freiwillig angegliedert, um unserer Gesamtbewegung dienstbar gemacht zu werden. Scbiefenuerk Sondelßngen: Hier sollen neben Erzeugung von gebranntem Kalk Kunststeine hergestellt werden, für die ein ungeheurer Bedarf vorhanden ist. Der Abbau bzw. die Lieferung von Rohschiefer an Industriebetriebe kommt für die nächste Zeit ebenfalls in Frage, weil sich gewisse Betriebe des Schiefers anstelle von Kohlen bedienen. E. C. Hunnius, Stuttgart: Dieses ist eine Handelsfirma, welche Käufe für unsere Betriebe besorgt und sonstige Handelsgeschäfte betreibt. Gebrüder Gmelin, Reutlingen: Die Inhaber dieser Firma, die als Spezialität den Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen betreiben, haben sich ebenfalls unsern Gesamtunternehmungen angeschlossen. Die Rentabilität der Unternehmungen ist deshalb wahrscheinlich, weil mehrere Betriebe in vollem Gange übernommen worden sind und die durch den starken Warenhunger sofortigen Absatz haben werden. Höchstens für den Verlag könnte vorläufig ein Zuschuss in Frage kommen, der aus den anderen Betrieben aufgebracht werden müsste. Der Verlag wird zwar mehrere interessante Schriften herausbringen, wird aber doch im Wesentlichen von dem Vorwärtskommen unserer gesamten Bewegung abhängig sein. Für diese ist aber der Verlag nicht nur eine unbedingte Notwendigkeit, sondern die einzig mögliche Art, um die Propaganda geschäftsmäßig zu betreiben, sodass wir hoffen können, die Ortsgruppen werden die Verlagsarbeit mit allen Kräften unterstützen. Während also der Verlag die Bewegung wesentlich fördern wird, nützt die Ausbreitung der Bewegung wiederum dem Verlag am meisten. Möglichst bald soll auch ein Forschungsinstitut für pbysikalikbe, chemiSche und andere uüsenscbaftlicbe Forschungsarbeiten in Angriff genommen werden. Auch dieses Unternehmen wird anfänglich nichts abwerfen und muss von den Übrigen getragen werden, wobei zu bemerken ist, dass es sich natürlich nicht um allzu große Auslagen handelt. Die Arbeiten dieses Instituts werden das Ihrige dazu beitragen, die nach anthroposophisch orientierter Forschungsmethode erzielten Resultate in der Öffentlichkeit zu Ansehen zu bringen und dadurch unsere Bewegung wiederum zu fördern. Die Unternehmungen befinden sich, mit Ausnahme des Verlags, der Zweiggeschäfte in mehreren außerdeutschen Ländern errichten wird, alle in Württemberg, weil für den glatten Verkehr die gegenwärtigen Grenzschwierigkeiten auch mit den ehemaligen Bundesstaaten unüberwindliche Hemmnisse darstellen. Aus  diesem Grunde kommt die Angliederung nicht in Württemberg liegender Unternehmungen vorläufig nicht in Frage. Wir hoffen, Ihnen mit diesem eine Übersicht gegeben zu haben über die Grundlagen und Absichten. Sie sehen, dass nicht an eine Genossenschaft gedacht ist, sondern dass sich die Unternehmungen selbst auf assoziativer Grundlage zusammengefunden haben. DER KOMMENDE TAG A.G. zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte. [Sign.] Kühn, K. Haußer  AN DIE FREUNDE DES GOETHEANUM, DER ANTHROPOSOPHIE UND DES DREIGLIEDERUNGSIMPULSES IN DER SCHWEIZ, IN DEN EHEMALIGEN ENTENTELÄNDERN UND IN DEN NEUTRALEN STAATEN Anschreiben des Gründerkomitees des mKommenden Tage> Schmelz, künftig «Futurum AG», zum Gründungsprospekt Mai 1920 Die Unterzeichneten wenden sich an Sie mit der Bitte, sich in möglichst großem Umfange an der Aktienzeichnung der in Gründung begriffenen Aktiengesellschaft «DER KOMMENDE TAG· zu beteiligen. Der neuen Unternehmung soll dadurch von Anfang an diejenige Stoßrichtung gegeben werden, die notwendig isL um an die Aufgaben heranzutreten, die ihr gestellt sind, und denen sich die in ihrem Dienste stehenden Persönlichkeiten mit aller Hingabe widmen. Es kommt darauf an, dass möglichst viele Aktien von Personen übernommen werden, die mit unseren Gedanken und Bestrebungen vertraut sind. Denn je größer das von unseren Freunden gezeichnete Aktienkapital ist, umso größer kann auch der Betrag angesetzt werden, mit dem sich Außenstehende beteiligen können. Jede Zeichnung aus unseren Reihen hat nicht nur ein Eigengewicht, sondern noch das Gewicht desjenigen Betrages, der dadurch von außen mehr aufgenommen werden kann. Das Gründungskapital soll mindestens 500000 Franken betragen. Es muss aber möglichst rasch um das Vielfache erhöht werden. Denn das Ziel, das sich die Gründer der Unternehmung gesteckt haben, ist weit. Die übernationalen geistigen Gesundungskräfte, die das GOETHEANUM erschaffen haben, müssen mit derjenigen internationalen wirtschaftlichen Wirkungspotcnz ausgestattet werden, die ihnen einen realen Einfluss auf das erkrankte Wirtschaftsleben der Gegenwart verschafft. Der Umfang des ganzen Unternehmens ist so gedacht, dass für dasselbe große Mittel erforderlich sind, die erst nach längerer Zeit zusammenfließen können. Da aber mit der Gründung nicht zugewartet werden darf, bis ein Kapital zusammen ist, das für die Erreichung der gesteckten Ziele genügt, so soll gerade das kleine Anfangskapital und dasjenige, was in vertrauenerweckender Weise damit angefangen wird, der größte Werbefaktor für das Zusammenbringen der vollen Arbeitskapitalmasse sein.  Jeder unserer Freunde, der eine, 10, 100 oder mehr Aktien zeichnet, schafft den Persönlichkeiten, die sich in den Dienst der ökonomischen Auswirkung der geisteswissenschaftlichen Impulsc stellen, Boden unter den Füßen. Er lcgt aber gerade dadurch, dass er eine gesunde Unternehmung fördert, die mit sicherem Kurs aus dem drohenden Zusammenbruch hinaussteuerL sein Geld an einem Orte an, wo es nicht nur eine illusionäre Scheindeckung erhält, sondern die beste Deckung durch die zentralen Aufbaukräfte der sozialen Zukunftsgesellschaft. Dornach, Mai 1920. Das Griinderkomitee: Dr. Rudolf Steiner, Dr. Roman Boos, Rechtsanwalt, Ernest Etienne, IngCnieur de la Banque Suisse des Chemins de Fer a Bäk, IngCnieur-Directeur des Travaux de l'usine Hydro-Electrique de Chancy GenCve, Ernst Gimmi, Kaufmann, Arnold Ith, Nationalökonom und Dipl. Ingenieur.  ANSPRACHE AN DER VERSAMMLUNG DER BELEGSCHAFT DER WERKZEUGMASCHINENFABRIK CARL UNGER ANLÄSSLICH DER ÜBERGABE DES WERKES AN DIE AKTIENGESELLSCHAFT ·DER KOMMENDE TAG· Protokollaniscbe Aufzeichnung Hedel/ingen bei Stuttgart, 26. Juli 1920 /Zunäcbst spricht Carl Uriger über den Entschluss, die Firma ·Car1 Unger Mascbinenfabnik· in Hedelßngen, an den ·Kommenden Tag» anzugliedern. Der Wortlaut wurde nicht mitgescbrieben.] Rudolf Steiner: Meine verehrtesten Anwesenden! Es obliegt mir, als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Aktiengesellschaft «Der Kommende Tag», gewissermaßen bei der Übergabe Ihres Werkes an diesen «Kommenden Tag» in dem Sinne, wie Ihnen Herr Dr. Unger diese Übergabe charakterisiert hat, es obliegt mir, sage ich, Sie auf das Allerherzlichste zu begrüßen im Namen dieser Aktiengesellschaft «Der Kommende Tag». Sie wissen ja vielleicht, dass die Bestrebungen - Dr. Unger hat sie Ihnen charakterisiert -, dass die Bestrebungen, die zusammenhängen mit der Dreigliederungsidee, ja gerade in Stuttgart und der Umgebung intensiv in Gang gebracht werden sollten von April des Jahres 1919 ab, unter dem Eindruck dessen, was man herankommen sah aus der großen Weltkatastrophe heraus für das deutsche Wirtschaftsleben. Sie wissen ja auch, dass wir uns dazumal vor allen Dingen alle Mühe gegeben hatten, die Ideen von der Dreigliederung, die auch das Wirtschaftsleben wohl einzig und allein gesunden könnte, diese Ideen von der Dreigliederung in den weitesten Massen zu beweisen, zu begründen, sodass gerade aus diesen weitesten Massen heraus, aus den Kreisen des Proletariats selbst heraus, etwas hätte unternommen werden können, um diese Dreigliederung, die durchaus nicht eine  Utopie, sondern eine eminent praktische Idee ist und jeden Tag in Wirklichkeit umgesetzt werden könnte, dass diese auf die Beine hätte gebracht werden können. Wenn ich - und es scheint mir vielleicht in diesem Augenblick nicht unpassend zu sein, meine persönlichen Eindrücke, da ich ja an hervorragender Stelle mitgearbeitet habe an der Verbreitung dieser Dreigliederungsideen -, wenn ich Ihnen ein paar Worte sagen darf, so sind es die, dass ich glaube, wenn wir dazumal in dem Sinne hätten weiterarbeiten können, wie wir begonnen hatten, dann stünden wir heute auf einem andern Boden. Sie mögen mir das glauben oder nicht: Wir stünden auf einem ändern Boden. Es reicht natürlich jetzt die Zeit nicht aus, um die Hindernisse alle zu kennzeichnen, aus denen heraus wir nicht haben weiterarbeiten können in dem ursprünglich gemeinten Sinn, aber einiges darf ich wenigstens andeuten. Es ist eben meine Überzeugung: Die weitesten Kreise des Proletariats wären in verhältnismäßig kurzer Zeit für die einleuchtenden Ideen der Dreigliederung zu gewinnen gewesen; wir stünden heute auf einem ändern Boden, wenn man uns die MÖglichkeit gegeben hätte, in den weitesten Kreisen des Proletariats die Ideen der Dreigliederung einleuchtend zu machen. Wir hätten, wenn wir das hätten ausführen können, was wir zum Beispiel im Sommer des vorigen Jahres wiederholt den Kreisen des Proletariats da und dort als unsere Idee von der Einrichtung der Betriebsräteschaft dargeboten haben, wir hätten die Aktiengesellschaft «Der Kommende Tag» in der Form, wie sie nun gegründet werden musste, eben nicht nÖtig gehabt. Denn die Dreigliederung ist der Weg, dass das geschehen könnte, dass wirklich aus der ganzen breiten Masse der Bevölkerung heraus auch das wirtschaftliche Leben getragen werden könnte. Aber was ist gekommen? Während wir daran waren, unter den weiten Massen Verständnis zu finden, kamen uns in die Quere warum sollten wir das nicht aufrichtig sagen, wenn wir in kleinerem Kreise sind - die traditionellen Führer des Proletariats, die sozialistischen Führer, die glaubten, dass wir ganz etwas anderes wollen, die glaubten, dass wir uns bemühten, ihnen den Boden abzugraben, dass wir darauf ausgehen würden, uns in die Gewerkschaften hineinzusetzen und an der Krippe zu essen, an der sie selber essen. Es traten  uns hindernd in den Weg die Führer, von denen sich das Proletariat leider noch nicht frei machen kann. Aber die das Proletariat so führen - lesen Sie die Mitteilung, die der Professor Varga, denn auch solche sind ja mit darunter, in Bezug auf die ganz sinnlose Einrichtung der ungarischen Räteregierung gemacht hat, wo er erzählt, woran die ganze Sache zugrunde gegangen ist -, wenn diese Führer das weitertreiben, was sie seit Jahren getrieben haben und was ja selbstverständlich der Einzelne von Ihnen innerhalb des Proletariats nicht voll durchschauen kann heute, dann geht ganz gewiss das gesamte zivilisierte Wirtschaftsleben zugrunde. Nun, Sie wissen ja, dass nicht nur diejenigen Führer vorhanden sind, die das Proletariat aus unpraktischen Ideen heraus leiten, sondern heute leider auch gerade durch diese Umstände zu intensiv vorhanden sind gewisse Führer der Bourgeoisie, die gerade durch ihre Torheiten, durch ihre unmöglichen Führungen der Angelegenheiten, weil sie nur aus der wirtschaftlichen Selbstsucht hervorgegangen sind, die schließlich Europa in diesen Niedergang hineingebracht haben, die aber nicht einsehen können, warum es nicht so fortgehen sollte, wie es war, als sie die Welt in die Katastrophe des Mordens und so weiter gestoßen haben. Diese Führer des Bürgertums, die wären nach und nach zur Einsicht in diese Torheit zu bringen gewesen, wenn die Führer des Proletariats nicht eine so willige Gefolgschaft in weitesten Kreisen gefunden hätten. Ich spreche nicht, dass man rechnen hätte kÖnnen auf diese Führer des Bürgertums, aber was bei ihnen die Idee war, sie waren eigentlich in dem Zeitraum, in dem wir angefangen hatten zu arbeiten, unten durch - viel mehr unten durch, als vielleicht ein einziger von Ihnen glaubt; sie waren unten durch, und sie wären unten durch geblieben, wenn Verständnis für die Dreigliederung aufgebracht worden wäre. Sie kamen hinauf, weil man der Dreigliederung kein Verständnis entgegenbrachte, und sie kamen zu der Hoffnung: Ja, wenn das Proletariat diesen Führern folgt und kein Verständnis gewinnt für die Dreigliederung, denn dass wir praktische Ideen hatten, deshalb hassten uns die Führer des Bürgertums. Wären wir als unpraktische Menschen in die Welt gezogen, so hätten sie gesagt: die Narren, die Utopisten! - und hätten sich nicht weiter  um uns gekümmert. Weil sie aber sahen, da atmet etwas Praktisches, deshalb hassten sie uns so. Und weil wir von den breitesten Massen im Stich gelassen worden sind - von den breitesten Massen, die verführt sind durch ihre eigenen Führer -, so ist es selbstverständlich, dass diejenigen, die unten durch waren, Oberwasser bekamen. Und die Folge war, dass zunächst die Dreigliederungsidee nicht in dem Stil getrieben werden konnte, wie wir es uns gedacht hatten. Sie verliert dadurch selbstverständlich nicht etwas von dem Charakter ihrer wirklichen Praxis, aber sie muss eben anders ins Werk gesetzt werden. Denn die Idee ist praktisch; sie ist die einzige rettende Idee. Und weil sie so nicht in Wirklichkeit umzusetzen ist durch die Menschen, wie wir es im vorigen Jahre versuchten, so mussten wir es in diesem Jahre in anderer Form versuchen, und diese ist, dass wir wirkliche Assoziationen gründen, dass wir anfangen an irgendeinem Zipfel des sozialen Lebens. Wir müssen anfangen, Einzelnes zu begründen von dem, was Dreigliederung ist. Es wird schwer gehen, aber wir müssen eben Einzelnes begründen. Und da handelt es sich darum, dass wir solche Assoziationen begründen, die nicht auf persönlichen Vorteil gestellt sind, sondern die jetzt schon so arbeiten, wie man sich denken muss, dass gearbeitet werden muss in einer wirklich ernsthaften sozialen Gemeinschaft. [Das bedeutet] «Ikr Kommende Tagm Gearbeitet werden soll so, wie praktisch gearbeitet werden müsste in einer wirklich sozialen Gemeinschaft. Wir werden versuchen, im kleinen Kreise so zu arbeiten, dass im Dienst des Ganzen zur Einrichtung desjenigen, was gemacht werden muss zur Errichtung eines ordentlichen Geisteslebens, zur allmählichen Demokratisierung des Gemeinschaftskörpers und gesunden Wirtschaftskörpers, ob das in dieser Weise in Angriff genommen werden kann. Da müssen wir, da wir nicht so vorgehen konnten, wie wir sollten, zum Beispiel bei den Betrieben, wo wir ausgegangen wären aus der wirklichen Einrichtung der Betriebsräteschaft, wir müssen versuchen, anstelle dessen, was wir im Großen nicht leisten durften - weil die Menschen sich nicht zusammengetan haben dazu -, wir müssen es leisten gewissermaßen im Kleinen; aber wir werden mit aller Kraft daran arbeiten, dass es im Kleinen geleistet werden kann.  Herr Dr. Unger hat es Ihnen schon dargelegt, wie übergeht ein Teil desjenigen, was bisher seiner einzigen Sorge anvertraut war, an den «Kommenden Tag». Und ich glaube, Ihnen versprechen zu dürfen, dass, was übergehen soll an den «Kommenden Tag» von den Sorgen um dieses Werk, denn um diese Sorgen handelt es sich hauptsächlich; dass das mit ebenso hingebungsvoller Arbeit geleistet werden wird, wie es bisher geleistet worden ist. Sehen Sie, da darf ich wohl sagen, jetzt, wo der «Kommende Tag» zu übernehmen hat einen Teil dieser Sorgen, es sind ja Sorgen, die abgenommen werden sollen einer einzelnen Persönlichkeit, weil eine einzelne Persönlichkeit nicht mehr imstande ist, irgendein Gebiet des Wirtschaftslebens aufrechtzuerhalten gegenüber den Verhältnissen der Welt, weil das nur assoziativ gemacht werden kann, jetzt, wo dieser wichtige Schritt vollzogen werden soll, darf ich Ihnen wohl auch sagen: Wir sind vom «Kommenden Tag» in die Lage versetzt, uns umzusehen, dass wir auch nichts Törichtes machen. Wir können nicht irgendein auf dem Hund befindliches Werk übernehmen - wir würden es ja gerne tun, wir können es aber nicht, denn wir müssen fruchtbar weiterarbeiten -, und so müssen wir bei all dem, was wir assoziativ zusammenfügen, eine gewisse Unterlage haben. Ja, Sie kennen natürlich das Wirtschaftsleben von dem Winkel aus, der Ihnen zur Verfügung steht. So ist es ja bei den Bürgerlichen gewesen. Wenn sie es durchschauen würden, würden sie ja sehen, wie schwer es ist, irgendeinen Betrieb in den ganzen Organismus des ganzen Wirtschaftslebens hineinzureihen. Da kommt dann die Verantwortung bei der Übernahme eines solchen Werkes, und die Dinge müssen schnell geschehen. Ich frage: Was waren denn die Unterlagen, dass wir uns sagen konnten, wir dürfen diesen Betrieb übernehmen? Ja, die Unterlagen dazu können heute außerordentlich schwer geschaffen werden. Man glaubt ja gar nicht, wie schwer es heute ist, unter Verantwortung sich irgend nur hineinzubegeben in das Wirtschaftsleben und irgendetwas weiterführen zu wollen, was durch die verkorksten Verhältnisse unseres gesamten Lebens schon zu drei Viertel unmöglich geworden ist. Sehen Sie, da haben wir die einzig wirkliche Unterlage in demjenigen,  was ich Ihnen mit zwei, drei Worten sagen kann: Die Tüchtigkeit und Charakterfestigkeit des bisherigen Leiters, Dr. Ungers, ist es, auf die wir bauen müssen. Was wissen wir? Wir wissen viel genauer, als man es aus irgendeiner Jahresbilanz eines Betriebes oder aus sonst etwas dergleichen gewinnen könnte; wir wissen es, weil wir Dr. Uriger sozusagen inwendig und auswendig kennen. Wir wissen, dass dieser Betrieb in dem Sinn des heutigen Wirtschaftslebens musterhaft geführt worden ist, dass wir die Verantwortung übernehmen können, ihn einzufügen den Maßnahmen des «Kommenden Tages»; und wir wussten, dass wir ihn weiterführen können, auch so weiterführen können, dass Sie alle werden ebenso zufrieden sein können jetzt unter der neuen Flagge wie vorher unter der persönlichen Flagge des Dr. Unger. Wir wissen das, weil sich zu gleicher Zeit äußerlich nichts ändern wird es wird sich äußerlich nichts ändern, sondern nur das Hineinstellen des ganzen Betriebes in das gesamte Wirtschaftsleben wird geändert sein. Wir wissen zugleich, wenn nun Dr. Unger im Auftrag des «Kommenden Tages» dieses Werk hier leitet, so wird es gut geleitet werden, und unsere Überzeugung ist, es wird gut geleitet werden in technischer Beziehung; denn das Werk ist, wenn ich einen österreichischen Ausdruck gebrauchen darf, technisch «sauber» geführt, so geführt, dass man sieht, es ist Arbeitsenergie darinnen. Das Werk ist dasjenige, was durchaus heute den Eindruck macht - wenn man vor dem Entschluss steht, es dem «Kommenden Tag» einzufügen -, dass es eingefügt werden darf; es ist ein Werk, mit dem wir den Versuch machen können, in assoziativer Weise etwas zu tun zur Gesundung des Wirtschaftslebens. Und was wir da im Dienste der Allgemeinheit tun wollen, das soll auch Ihnen zum Guten ausschlagen. Sie werden sich nur bekannt machen müssen, wie Dr. Uriger schon erwähnte, mit der Idee, dass hier sozial gearbeitet werden soll, dass Sie werden Mitinteresse haben müssen für die An, wie hier gearbeitet werden kann, und dass man bis morgen oder übermorgen nicht gleich alles erringen kann. Nicht zum Mindesten sind ja die Verhältnisse schuld, in denen das gesamte Wirtschaftsleben steckt, dass nicht gleich alles errungen werden kann, was gedacht ist.  So also verspreche ich Ihnen, dass wir durchaus versuchen werden, uns nach jeder Richtung Ihr Vertrauen zu erwerben. Wir wollen Mitarbeiter sein, nichts anderes. Nicht irgendetwas sollen wir beaufsichtigen, wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten, natürlich nicht allein für den einzelnen Betrieb, sondern für das soziale Ganze. In diesem Sinne werden Sie sehen, dass wir versuchen werden, auch zu handeln, nicht nur zu sprechen, obwohl es recht; recht schwer wird, in der gegenwärtigen verworrenen Lage des Wirtschaftslebens zu handeln. Also in diesem Sinne wollen wir vorwärtsschreiten, wollen Vertrauen haben, dass es auch in der Zukunft so geht, wie es bisher gegangen ist. Ein Arbeiter: Wenn die Sozialisierungsfrage unter der jetzigen Regierung ·marschiererr würde, wie wäre es dann mit der Aktiengesellschaft des ·Kommenden TagesR Wäre sie überragt, illusorisch? Rudolf Steiner: Nicht wahr, es ist ja selbstverständlich, dass unter der jetzigen Regierung nichts von dem erreicht werden kann, was wünschenswert ist. Sehen Sie, für denjenigen, der praktisch denkt, ist es ja in zweiter Linie selbstverständlich sehr wichtig, sich zu sagen, dass unter einer solchen Regierung wie der gegenwärtigen nichts Wünschenswertes erreicht werden kann, aber viel wichtiger ist die Frage, wie eigentlich aus den Verhältnissen heraus jetzt nach so langer Zeit, nach dem November 1918, diese Regierung noch möglich geworden ist. Und diese Frage ist nicht erst heute aufzuwerfen, sondern musste schon längst von uns aufgeworfen werden. Sie spiegelt nur die unmöglichen Verhältnisse, die sich abspielen. Spa! Wir haben Spa hinter uns, Spa, etwas, was hätte wichtig werden können auch für das internationale Wirtschaftsleben. Aber wer war dort? Fehrenbach war dort, Stinnes, Simons waren dort - lauter Leute, die ganz aus den alten Verhältnissen heraus gewachsen sind. Leute, die längst aus ihren Stellungen beseitigt sein müssten, denn aus den Köpfen dieser Leute, die alle an den Strömungen beteiligt sind, welche in die Katastrophe hineingeführt haben, kann nichts Vernünftiges mehr herauskommen. Die Gesundung kann nur dadurch herbeigeführt werden, dass neue Leute kommen - Leute, die einsehen, dass sie nicht wiederum die  alten hereinholen dürften. Für uns handelt es sich darum, nachdem wir nicht durchdrangen mit der ersten Art, die Ideen der Dreigliederung zu vertreten, für uns handelt es sich darum, vor allen Dingen zu arbeiten, darum, dass die Ideen von der Dreigliederung in möglichst viele Köpfe hineingehen. Erst dann, wenn wir genügend Menschen haben, die einsehen, was geschehen soll, erst dann können wir weiterkommen, und erst dann werden wir auch Regierungen haben, mit denen wir arbeiten können. Daher müssen wir alles als unpraktisch betrachten, was die eine Regierung stürzt und die andere heraufkommen lässt, denn es kommt eine Regierung, die selbst Unsinniges macht oder sich die alten Leute heranholt, oder aber man hört die urältesten Phrasen, Ideen, wiederum aufgefahren, die ihre Unmöglichkeit erwiesen haben durch die Kriegskatastrophe. Für uns handelt es sich darum, dass neue Leute kommen müssen, die selbst etwas verstehen und machen können und die einsehen, dass die alten nicht wieder herangeholt werden dürfen. Und so etwas zu erreichen ist nicht ohne Weiteres möglich durch die bloßen Worte - das hat sich ja gezeigt. Da mussten wir eben dazu greifen, einmal etwas Praktisch-Wirtschaftliches anzubringen. Werden wir damit etwas Vernünftiges machen, so werden die Leute sagen: Die können nicht nur vernünftig reden, sondern es auch machen, und wir werden ein Mittel haben, mehr Verständnis zu erwecken für unsere Sache. Wir denken nicht an Utopistisches, sondern daran, dass das, was gemacht werden kann, gemacht werden muss. Wenn man abstrakt denkt, kann man sagen: Solange diese Regierung ist, wird nichts Vernünftiges gemacht, und mit einer anderen Regierung wird auch ohne «Kommenden Tag» Vernünftiges geschehen. - Aber der «Kommende Täg» will mithelfen, Vernünftiges zu schaffen. - Dann kann er ja abtreten, wenn er mitgeholfen hat, Vernünftiges zu schaffen. Aber die Dinge stehen nicht immer so, dass man nur ein Entwederoder hat. In der freien Schweiz zum Beispiel konnte man nicht eine solche «Freie Waldorfschule» gründen wie wir in Stuttgart. Denn da, in der freien Schweiz, ist das Gesetz so engmaschig, dass man eine solche Schule nicht gründen kann. Es gibt aber bei uns die Möglichkeit, sich durchzuschlängeln. Wir haben also nicht nur ein bloßes  Entweder-oder, und so wird auch der «Kommende Tag» suchen, mit allen Mitteln, die uns übrig gelassen sind in den alten Verhältnissen, dieses Übrige zu benützen, damit man vorwärtskommt. Wir denken nicht: Regierung weg, andere Regierung her! - da kommt man nicht weiter; sondern wir denken: Man muss die Dinge benützen, die noch zu benützen sind. Der «Kommende Tag» ist also so eine praktische Einrichtung; er will nicht abstrakt warten, bis die richtige Regierung kommt. Ein anderer Arbeiter spricht einige Sätze über das, was er in Anknüpfung an seine Lektüre von Zolas [Buch] ·Arbei> über die Dreigliederung sagen zu müssen vermeint. Rudolf Steiner: Zola war noch nicht so weit, dass er etwas Positives hätte schaffen können. Bei Zola war es nur Kritik. Damals war man noch nicht weiter, als dass man hätte kritisieren können. Erst die Verhältnisse haben es hervorgebracht, dass etwas geschehen muss. Heute müssen wir sagen: Was Leute wie Zola gemacht haben, muss heute geändert werden. Es geht nicht anders. Damals konnten die reaktionären Mächte noch weiterarbeiten; jetzt kann nur eine Zeit lang «fortgewurschtelt» werden. Es ist die absolute Notwendigkeit vorhanden, dass etwas unternommen werde. Der eine stellt es sich so vor; wir aber müssen die Sache der Dreigliederung für die richtige ansehen. Wir können nicht zugebeW dass sie anders besser gemacht werden könnte.  ANSPRACHE AN DER ORIENTIERUNGSVERSAMMLUNG ÜBER DIE ·FUTURUM» UND DEN «KOMMENDEN TAG» Domacb, 13. Oktober 1920 Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Gestatten Sie, dass ich ein paar Worte unserem heutigen Abend vorausschicke. Es wird sich heute darum handeln, dass ganz im Konkreten gesprochen werde über diejenigen Gründungen, welche als absolut praktische Ausflüsse unserer anthroposophischen Bewegung anzusehen sind: das «Futurum» auf der einen Seite, «Ikr Kommende Tag» auf der anderen Seite. Es darf vielleicht erinnert werden, dass diese beiden Begründungen nicht so aus dem Nichts heraus entsprungen sind, weil wir gerade gefunden haben, dass so etwas geschehen müsse jetzt in der Zeit der äußersten Not. Das ist richtig, dass es gerade jetzt hat geschehen müssen; aber auf der anderen Seite ist es auch richtig, dass so etwas längst sich verwirklicht hätte, wenn die Möglichkeit dazu vorhanden gewesen wäre. Und es ist schade, dass es hat so lange warten müssen, bis eben die Not die Leute einiges über diese Dinge gelehrt hat und bis eigentlich auch die Schwierigkeiten, die solchen Dingen gegenüberstehen, fast unbezwingliche geworden sind. Es werden sich gerade die Basler Freunde nämlich erinnern an eine ihnen dazumal vielleicht grotesk vorkommende Bemerkung, die ich in einem längst hinter uns liegenden Basler Vortrage gemacht habe. Ich habe da gesprochen über die Untergründe, aus denen hervorgegangen sind unsere Mysterienspiele. Und ich sagte dazumal - natürlich ein Gedanke, der nicht ganz so paradox gemeint war, paradox, ankreidend -, ich würde noch viel lieber, als Mysterienspiele auf der Höhe aufzuführen, also in das Reich des rein künstlerischen Scheins zu gehen, lieber würde ich eine anthroposophische Bank begründen. - Wir lebten dazumal noch in der Zeit, in der es außerordentlich schwer war, begreiflich zu machen, dass eine solche gerade Linie von den höchsten spirituellen Heiler prozessen hinführt in das allerpraktischste Leben. Aber ich denke, die Basler Freunde, die dazumal den Vortrag gehört haben, werden sich erinnern, wie lange es her ist, dass ich von einer solchen ganz praktischen Gründung gesprochen habe. Nun, es handelt sich dabei aber durchaus darum, dass wir, indem wir an eine solche Gründung gehen mussten, den Mut brauchten, wirklich aus der ganzen anthroposophischen Denkart und Gesinnung heraus so etwas zu machen und es auch der Welt begreiflich zu machen, dass so etwas heute hervorgehen muss aus der anthroposophischen Gesinnung, und namentlich aus derjenigen Erziehung des Denkens - auch des allerpraktischsten Denkens -, die sich ergibt aus dem Beobachten anthroposophischen Empfindens und Vorstellens heraus. Nun liegen aber heute die Dinge so, dass auf der einen Seite die realen Tatsachen eine sehr beredte Sprache sprechen - für viele Länder schon eine allzu beredte Sprache, weil der Niedergang bereits so weit ist, dass man ihn sich eben einfach nicht eingestehen will. Und selbstverständlich kann man ja - da noch nicht alles gleich auf einmal zu Ende geht - den Niedergang sich eine Zeit lang nicht eingestehen. Nicht wahr, auch wenn der Mensch, der früher etwas zum Anziehen gehabt hat, kaum mehr die Möglichkeit hat, sich einen Anzug zu kaufen, so kann er eben noch die alten Anzüge tragen, bis sie schäbig sind. Und dadurch kann man den Glauben haben, dass der Untergang noch nicht da ist. Man wartet noch, bis der Beweis durch das Schäbigwerden des Anzuges, den man gerade noch trägt, eben erbracht ist. In diesem Zustande ist schon heute vieles in unserem Wirtschaftsleben und erst recht in unserem Geistesleben - vom Staatsleben gar nicht zu sprechen. Nun handelt es sich darum, etwas zu schaffen, was nun wirklich so fundiert und so gedacht ist, dass es sich durch sein Wesen hindurch, durch den Willen, halten kann. Aber die Sache ist sehr schwierig, und die Arbeit derjenigen, die sich diesen Dingen widmen wollen, die ist wahrhaftig eine solche, die alle mögliche Hingebung fordert. Und ich möchte diese Worte vorausschicken, weil ich namentlich eines dann sagen möchte, was mir wichtig scheint.  Ich will nur hier einfügen, dass für das «Futurum» wir hier gleich von Anfange Herrn Ith gewonnen haben, der mit aller Hingebung dasjenige versucht zu verwirklichen durch das «Futurum», was eben durch dieses «Futurum» angestrebt werden soll. Und er wird Ihnen dann am heutigen Abend gerade von dem Gesichtspunkte aus über das «Futurum» berichten und über die Absichten und Ziele, über die nächsten Ziele, von dem Gesichtspunkte aus, von dem aus in diesem Augenblicke, also, ich mÖchte sagen, am 13. Oktober 1920, eben gerade gesprochen werden muss. Es ist ja selbstverständlich, dass ein solcher Bericht nur Wert hat aus dem Munde desjenigen, der die Dinge ausführt. Denn ein Bericht als solcher oder gar ein Prospekt, den man herumschickt, ist ja nur ein kleiner Teil desjenigen, worauf es ankommt; ein Prospekt hat nur eine Bedeutung als der Ausdruck desjenigen, was getan wird. Deshalb wollten wir heute Ihnen den Bericht geben gerade von derjenigen Persönlichkeit aus, die hier das «Futurum» leitet. Aber das eine möchte ich eben noch ganz besonders betonen. Sehen Sie, wir haben den Mut haben müssen, die ganze Begründung sowohl des «Futurums» wie die des «Kommenden Täges» eben auf anthroposophischen Grund und Boden zu stellen, wenn ich mich so ausdrücken darf. Wir müssen der Welt begreiflich machen können, dass das alte ökonomische Denken abgewirtschaftet hat, weil dieses alte ökonomische Denken eben nur imstande war, seine Rechnungen auszuführen so weit, dass die Ansätze und Ergebnisse reichten von der Produktion bis zum Bringen der Waren auf den Markt, und weil in diese Rechnungen niemals eingespannt worden ist der Faktor, der hineingehört - das ist dasjenige, was vorgeht in denjenigen Menschen, die arbeiten an der Herstellung der Marktware von dem Rohprodukt bis zu dem fertigen Produkt, das auf den Markt gebracht wurde. Das ist dasjenige, was in den Seelen der Menschen vorgeht. Und das, was da vorgeht, das sah man nicht so an, dass es wirklich in einem, ich mÖchte schon sagen, ebenso rechnungsmäßigen Zusammenhang steht mit den Voraussetzungen, wie die Zahlen, die in den Büchern, in der Buchführung stehen. Das ist aber herausgefallen aus den Rechnungen. Unsere Industriewirtschaft ging nur bis zu der  Fertigstellung der Marktwaren und ging hinweg über dasjenige, was einzuschalten war, ging hinweg über die Menschen. Und wenn es sich heute darum handelte, bloß die Rechnung richtig zu stellen, die vom Rohprodukte bis zur Marktware geht, dann könnte man verhältnismäßig doch viel schneller zu irgendeinem Ende kommen. Man brauchte nur ein wenig die Staatsfanatiker [?] zur Räson zu bringen und so weiter. Aber dasjenige, was immer aus der Rechnung herausgelassen worden ist, das macht sich heute als realer Faktor in den Wirren durch die ganze zivilisierte Welt bemerkbar und wird sich, wenn man nicht diesen Faktor einbeziehen will, immer weiter bemerkbar machen, trotzdem es die Leute nicht zugeben wollen, die immer wieder und wiederum die heute so laut tönende Sprache der Tatsachen übersehen. Man muss ja immer wieder hinweisen auf die Art und Weise, wie geschlafen wurde innerhalb der führenden Kreise im Laufe des 19. Jahrhunderts. Was haben denn die führenden Kreise schließlich gemacht? Statistiken, und die auf eine ganz besonders unwirksame Weise. Womit haben sie sich beschäftigt, diese führenden Kreise? Sagen wir zum Beispiel, sie haben sich beschäftigt damit, Pansophien zu begründen, theoretisch zu sprechen von den übersinnlichen Welten, ganz allein; sie setzten sich zusammen, manchmal sogar in Salons mit Spiegelscheiben. Die waren gut geheizt. Aber woher stammten die Kohlen? Schon in den vierziger Jahren hat die englische Regierung - selbstverständlich durch eine Statistik, durch die es dann herausgebracht ist - festgestellt, wie diese Kohlen zutage gefördert werden. Da hat man zum Beispiel ganz merkwürdige Dinge schließlich auch in zahlenmäßigen Angaben herausgebracht, die aber einfach aus den Rechnungen fortgelassen worden sind -, zahlenmäßige Angaben, die zum Beispiel so sprachen, dass man sehen konnte, wie Kinder von neun, zehn, elf Jahren morgens, bevor die Sonne aufgehg in die Kohlenschächte hinuntergelassen wurden, und abends, nachdem die Sonne untergegangen ist, heraufgeholt wurden; wie da Männer und Frauen zusammen, während die anderen über allgemeine sittliche und hohe Ideale konferierten, bei den Kohlen, die auf diese Weise  zutage gefördert wurden, saßen. Da unten standen die nackten Männer und nackten Frauen, was nicht gerade zur Hebung der Sittlichkeit viel beitrug, in den Schächten; die Kinder sahen die ganze Woche mit Ausnahme des Sonntags überhaupt das Sonnenlicht nicht! Nun, diese Dinge sind in einer gewissen Weise besser geworden. Aber dasjenige, was in dieser Richtung zu tun ist, ist von denjenigen, die es tun könnten, nicht getan bis heute und müsste getan werden. Aber man verschläft die Sache. Man treibt über die Sachen Weltanschauungen bei den Öfen, die mit den Kohlen geheizt sind, die auf diese Weise zutage gefördert werden, und hat keine Ahnung davon, welche Diskrepanz man damit in die Welt stellt; hat keine Ahnung davon, wie da jener Faktor ausgeblieben ist, der heute in der Welt rumort. Das Moralisch-Geistige wurde ausgeschaltet, das aber in Wirklichkeit eine Einheit bildet mit dem anderen. Daher handelt es sich nicht bloß darum, dass man mit einer gesunden Denkweise finanzielle Unternehmungen begründet und die vielleicht so durchdenkt, wie man sich an Anthroposophie heranerziehen kann zum praktischen Leben, sondern es handelt sich darum, dass solche Unternehmungen einen Rückhalt haben. Und dieser Rückhalt ist nur möglich, wenn diejenigen, die mit der anthroposophischen Bewegung zu gehen vermögen, diesen Rückhalt bilden; in all denjenigen Persönlichkeiten muss der Rückhalt sein, die zur anthroposophischen Bewegung gehören. Es muss gearbeitet werden daran, dass so etwas wie das «Futurum» durchaus bekannt wird in Bezug auf seine Tendenzen, in Bezug auf seine Ziele, dass es gehalten wird durch dasjenige, was zum Verständnis seiner Prinzipien verbreitet wird von denjenigen, die sich zur Anthroposophie bekennen wollen. Denn Anthroposophie bedeutet nicht bloß irgendeine Theorie, sondern Anthroposophie bedeutet eben die Kraft, die den ganzen Menschen umwandelt und ihn gerade bereiten kann, das Leben so zu tragen, wie es getragen werden muss, wenn wir einer möglichen Zukunft entgegengehen wollen, nicht der Barbarisierung unserer gesamten Zivilisation. Das ist es, warum wir möchten, dass von Ihnen gehört werde dasjenige, was mit dem «Futurum» gemeint ist. Denn es hängt ebenso  ab von dem Echo, das ihm aus der Welt entgegengebracht wird, wie es von der vernünftigen Haltung, von der vernünftigen Führung der Angelegenheiten des «Futurum» abhängt, ob etwas gedeiht. Deshalb wollten wir Herrn Ith bitten, dass er uns heute Abend über die nächsten Ziele und über das ganze Wesen des «Futurum» aufklärt. /Es folgen Beiträge uon Arnold Ith über die ·Futurum·, Carl Unger über den ·Kommenden Tag· und dessen Betriebe, Pieter de Haan über Erfahrungen in Holland, Franckc Fadum aus Norwegen (Aufzeichnungen unleserlich), Eugen BenkendOrfer zum Zeichnen von Aktien. Als keine Fragen gestellt werden, schließt Roman Boos die Versammlung mit den Worten:] Roman Boos: Es scheint keine Frage mehr gestellt zu werden. Somit nehme ich an, dass jeder weiß, was er mit seinem Geld zu tun hat.  PROSPEKT DER «FUTURUM A.-G.» (ÖKONOMISCHE GESELLSCHAFT ZUR INTERNATIONALEN FÖRDERUNG WIRTSCHAFTLICHER UND GEISTIGER WERTE) DORNACH BEI BASEL ÜBER DIE EMISSION VON 5,350,000 FRANKEN NOMINELL NEUEN AKTIEN Prospekt, 31. Oktober 1920 Serie A: Vorzugs-Aktien zu Fr. 1,000.SeriszR: Aktien zu Fr. 500.Serie C: Aktien zu Fr. 1,000.Zuschriften dieser An wandern gewöhnlich in den Papierkorb. Der Versündige begreift das. Denn zumeist versprechen sie Dinge, deren Nichterfüllung die entsprechenden Interessenten oft genug erlebt haben. Hier aber liegt eine Zuschrift vor, die von einer wirtschaftlich-finanziellen Gründung besonderer An sprechen will. Von einer solchen, die so stark und ernst in der sozialen Notlage unserer Zeit wurzeln will, dass die Begründer gerne einen wirksameren Weg der Mitteilung wählen möchten als den eines Prospektes. Aber zunächst ist kein anderer Weg möglich, und so möchte man doch auf die Einsicht derer bauen, die zu lesen beginnen und dann durch den Ernst der Sache bestimmt werden, weiterzulesen. Die heute immer schwieriger werdende Weltwirtschaftslage, die ganze Gebiete Europas dem Niedergang entgegenführt (siehe Anhang I über die Weltwirtschaftslage), verlangt neue Anschauungen und neue wirtschaftliche Unternehmungen, welche im positiven Aufbau ebenso durchgreifend wirken wie diejenigen Kräfte, die sich heute im Abbau unserer Kultur zeigen. I. Die Tätigkeit der Futurum A.-G. Die am 16. Juni 1920 mit Sitz in Dornach gegründete Firma FUTURUM A.-G. (Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte) will ihre wirtschaftliche Tätigkeit im Sinne eines solchen positiven Aufbaues aufnehmen, auf den im Vorhergehenden hingewiesen wurde. Um ihre Aufgabe erfüllen zu können, ist es notwendig, dass sich die FUTURUM A.-G. unbegrenzt vergrößert und sich allmählich zu wirtschaft lichen Assoziationen ausbildet, wie sie in einer kommenden Wirtschaft angestrebt werden müssen.* Die FUTURUM A.-G. soll als einzelne Unternehmung so arbeiten, wie cs im weitesten Umfange geschehen muss, wenn eine Gesundung unseres kranken Wirtschaftslebens erfolgen soll. Dies ist nur dann möglich, wenn die Unterlassungssünden der gegenwärtigen Wirtschaft unbefangen durchschaut werden, und wenn man sie bewusst in einer Unternehmung vermeidet, die einer unbegrenzten Vergrößerung fähig ist. Die heutige Produktionsweise baut sich auf dem reinen Ertragsinteresse auf. Sowohl der Unternehmer (Kapitalist) als auch der Lohnempfänger widmen sich der Produktion nur unter diesem Gesichtspunkte des Gewinnes. Daher wird die Befriedigung des allgemeinen Bedarfes in Wirklichkeit immer mehr von dem Streben nach Ertrag abhängig, währenddem es die Konsumbedürfnisse sind, welche das geistig-moralische Moment in das soziale Leben hineintragen. Sie allein geben dem gesamten Wirtschaftsleben eine sinngemäße Grundlage. Man produziert heute um des Ertrags willen und berücksichtigt die Bedarfsinteressen der Konsumenten nur insofern, als sie dem persönlichen Gewinnstreben dienstbar gemacht werden können. Wirtschaften im Sinne von Bedarfsdeckung wird als veraltet bezeichnet. Die Rücksichtnahme auf die sozial schädlichen Folgen einer willkürlichen Geschäfts- und Produktionstätigkeit des Kapitalisten wie des Lohnarbeiters wird als unbequem betrachtet, weil diese schädlichen Folgen erst später in Erscheinung treten. Wir stehen heute mitten in solchen sozialen Erbfolgen darinnen und sollten daher ein Verständnis aufbringen können für die wirklichen Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung im Wirrschaftsleben. Infolge der Nichtberücksichtigung der Konsumbedürfnisse bei der Produktion wurden dieselben gleichsam vogelfrei. Dieses Freiwerden erleben wir heute in dem Revolutionsbedürfnisse der Massen, das sich in Streiks usw. auslebt. Man produziert auf Erträgnis und erzeugt als Rückwirkung die Revolte derjenigen Bedürfnisse, die als möglichst hoher Geschäftsgewinn und als hoher Arbeitslohn aus dem Ertragsinteresse entstehen. Einer gesunden neuzeitlichen Wirtschaft muss ein praktisches Geistesleben zur Seite stehen, das nicht zu einer Produktion raten wird, die aus dem Erträgnis allein errechnet ist, sondern zu einer Produktion, die aus der Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Konsuminteressen und sozialen Verhältnissen hervorgeht. Derartige Unternehmungen werden nicht weniger ertragreich sein als die gegenwärtigen. Sie werden jedoch Produktionsmethoden vermeiden, die im sozialen Leben schädlich wirken. Unsere heutige Volkswirtschaft ist unpraktisch, weil ihr die naturwissenschaftlich orientierte Erkenntnis der Gegenwart zum Verständnis der sozialen Zusammenhänge keine Gesichtspunkte liefert. Die vom Goetheanum in Dornach ausgehenden Anschauungen bringen eine solche praktisch-wirtschaftliche Denkweise hervor, weil sic das individuelle und " Dr. Rudolf Stcincc Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft. Verlag Geering, Basel. [Anm. im Prospekt]  soziale Wesen des Menschen erfassen. Die bisherigen Unterlassungssünden der Volkswirtschaft drücken sich aus in der Zunahme des Streikbedürfnisses um 90 % in dcn Jahren 1913-1919 (siehe Beilage I). Die FUTURUM A.-G. will aus solchen Anschauungen heraus ihre wirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen. Die Statuten sehen als Gesellschaftszweck vor: ·die Gründung, Finanzierung und den Betrieb von rein wirtschaftlichen und wirtschaftlich-geistigen (Lehranstalten, wissenschaftliche Forschungsinstitute, usw.) Unternehmungen, sowie die Beteiligung an solchen. Es können auch Einzelgeschäfte auf eigene oder fremde Rechnung abgeschlossen werden. Die Gesellschaft ist berechtigt, Zweigniederlassungen im In- und Auslande zu errichten·. Diese in allgemeiner Form gehaltene, statutarische Zweckbestimmung kann natürlich nichts aussagen über die Art und Weise, wie sich die FUTURUM A.-G. in das praktische Wirtschaftsleben hineinstellt, und wie sie sich von anderen Pmduktions- und Finanzierungsuntemebmungen unterschieden wissen üiilL 1. Sie ist keine Gesellschaft, die zu dem ausschließlichen Zwecke gegründet worden ist, um im heutigen Wirtschaftskämpfe in einer möglichst vorgeschobenen Reihe mitzukämpfen und auf diese Weise eine besonders hohe Dividende herauszuwirtschaften. Es ist oben ausgeführt worden, wie solche Unternehmungen dem Wirtschaftsleben und mittelbar sich selbst nach und nach den Boden entziehen. Der § 29 der Gesellschaftsstatuten bestimmt daher unter anderem: ·Auf das Aktienkapital wird eine Dividende gewährt, welche, den jeweiligen Geldverhältnissen entsprechend, eine angemessene Verzinsung des Nennwertes des Aktienkapitals darstellt.· Diese Bestimmung ermöglicht es der Geschäftsleitung, das Hauptaugenmerk auf einen wirtschaftlich soliden Aufbau ihrer Unternehmungen zu richten, der die Erzeugung sozialer Spannungen vermeidet. Die Unterordnung aller Geschäftsfragen unter eine maßgebende Diuidendenpolitik fällt damit dahin. 2. Die FUTURUM A.-G. will alle diejenigen einsichtigen Persönlichkeiten als Aktionäre zu einer wirtschaftlichen Arbeitsgruppe in Form einer Aktiengesellschaft zusammenfassen, die aus dem praktischen Leben heraus zu der Überzeugung gelangt sind, dass ein Aufbauversuch in dieser Krisenzeit auch im Wirtschaftsleben nur aus neuen Anschauungen heraus erfolgen kann, wie sie die Dreigliederung des sozialen Organismus vertritt. 3. Die Gesellschaft will sich von den gewöhnlichen Finanzierungsinstituten dadurch unterscheiden, dass sie bei ihren Finanzierungen sachlich-wirtschaftliche und nicht Ertragserwägungen in den Vordergrund stellt. Im heutigen Bankwesen werden Kapitalien nur gegen hohe Rendite und umfassende Sicherstellungen (Bürgschaften, Verpfändungen usw.) zur Verfügung gestellt. Der Kreditgeber nimmt dabei keine Rücksicht darauf, ob diese Rendite eventuell durch ungesunde Wirtschaftsmethoden erreicht wird. Auch wenn die Betriebsleiter finanziell unterstützter Unternehmungen infolge mangelnder Tüchtigkeit keine Gewähr für eine sachgemäße Verwendung der bean spruchten Kapitalien bieten, so wird ein Kredit heute trotzdem gewährt, sobald die verpfändeten Objekte oder die vorliegenden Bürgschaften die Leihbeträge genügend sicherstellen. Die FUTURUM A.-G. kann daher nicht den Charakter eines Geldleihers haben. Sie will vielmehr als aktiver Kaufmann in den ihr angegliederten Unternehmungen darinnenstehcn und an der Geschäftsleitung teilnehmen. Daraus ergibt sich zunächst die Notwendigkeit einer engen geschäftlichen Verbindung zwischen der FUTURUM A.-G. und den finanzierten Unternehmungen. Die Letzteren werden daher im Allgemeinen die Form von Zweigniederlassungen oder Tochtergesellschaften annehmen. 4. Es handelt sich hauptsächlich um die Finanzierung solcher Unternehmungen, die geeignet sind, das Wirtschaftsleben aufeinen gesunden assoziätiuen Boden zu stellen und das geistige Leben so zu gestalten, dass berechtigte Begabungen in eine Position gebracht werden, in der sie sieb in sozialfruchtbarer Art ausleben können. Außerdem müssen aus sozialen Notwendigkeiten heraus auch Unternehmungen wie Laboratorien usw. übernommen werden. Dieselben können erst nach einiger Zeit und vor allem durch die jetzt in sie hineinzutragenden gesunden Anschauungen wirtschaftliche Früchte tragen. Dies bedingt, dass andere Betriebe angegliedert werden, die augenblicklich gut rentieren und den vorläufigen Ausfall der Ersteren zu decken vermögen. 5. Bei einem Unternehmen wie der FUTURUM A.-G. sollen die Geschäftsleiter in Beratung mit den Vertretern des geistigen Lebens Aufschluss erhalten über die allseitigen sozialen Folgen wirtschaftlicher Handlungen. Die Beurteilung dieser sozialen Wirkungen wird dann gemeinsam mit den wirtschaftlichen Gesichtspunkten maßgebend sein für die Verwirklichung oder Verwerfung einer vorgesehenen Geschäftsoperation. Dadurch wird das heutige Wirtschaftsprinzip, das ein Unternehmen nur nach dem Gewinn beurteilt, und das in die schwere Krisis hineingeführt hat, überwunden. 6. Die Erkenntnis, dass die wirtschaftliche Tätigkeit Zweige entfalten kann, die zwar für den einzelnen Unternehmer zeitweilig günstige Resultate liefern, die aber im Zusammenhang der sozialen Ordnung zerstörend wirken, ist für die Zukunft von außerordentlicher Bedeutung. Es durfte daher im Zusammenhang mit den Angaben über die heutige Weltwirtschaftslage (Beilage I) einleitend gesagt werden, dass sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts aus den herrschenden Kulturzuständen und Anschauungen Spannungen heraufenrwickelt haben, die zum Weltkriege und zu sozialen Knisen führen mussten. Nach solchen sozial schädlichen Gesichtspunkten sind viele der heutigen Unternehmungen orientiert. Der Unternehmer wirtschaftet aus ihnen auf der einen Seite einen Gewinn heraus und erzeugt auf der anderen Seite einen Verlust in Form sozialer Zerstörungskräfte, welche die Gewinne im ganzen volkswirtschaftlichen Organismus vernichten. Dieser Art von Unternehmungen müssen daher solche entgegengestellt werden, die aus einem  gesunden wirtschaftlichen Denken und sozialen Empfinden heraus sich in wirklich fruchtbarer Weise der sozialen Ordnung einfügen. 7. Eine Unternehmung wie dic FUTURUM A.-G. kann zunächst nur die sozialtechnischen und finanziellen KrisenmÖglichkeiten überwinden. Aber auch die sozialen Schwierigkeiten, die in Form der Arbeiterfrage aus der gegenwärtigen Wirtschaftsweise noch hereinwirken, werden in einem Unternehmen der charakterisierten An bei richtiger Führung verschwinden. Die sozial günstigen Folgen werden sich praktisch ergeben und das Beispiel wird überzeugend wirken. Wenn eine Unternehmung dieser An ins Stocken gerät, werden die daran beteiligten Arbeiter mit ihren Überzeugungen an dem Wiederinflussbringen mitwirken. Denn nur dadurch, dass man durch eine auf alle Menschenklassen wirkende Denkungsart die Handarbeiter mit den geistigen Führern von Unternehmungen zu einem Interesse vereinigt, kann den sozialen Zerstörungskräften entgegengewirkt werden. Dabei ist es eine Grundbedingung, dass die geistigen Bestrebungen mit allen matericllcn Absichten innig verbunden werden. II. Der Kapitalbedarf der Futurum A.-G. Um an eine Aufgabe heranzutreten, wie sic hier charakterisiert worden ist, und um als praktisches Beispiel aufbauende Kräfte in die heutige Krisenzeit hineintragen zu können, bedarfdie FUTURUM A.-G. geeigneter Mitarbeiter und einsichtiger Unternehmer, die mit ihren Betrieben in irgendeiner Form Anschluss an unsere Aktiengesellschaft suchen. Vor allem aber bedar/'es großer Mittel, um der Gesellschaft die Möglichkeit zu geben, ihre Aufgabe in nichtiger Weise in Angriffzu nehmen. Erst wenn sie sich unbegrenzt zk uergrößem uennag, kann allmählich die breite Wirtschaftsgrundlage geschaffen werden, aus der das Netz wirtschaftlicher Assoziationen herauswachsen muss, welches die Menschen in sozial gesunder Weise in den Wirtschaftsorganismus hineinstellt. Das Grundkapital der FUTURUM A.-G. im Betrage von 650,000 Franken wurde von den Gründern innerhalb eines Monats aufgebracht. Es sollte damit eine konkrete Grundlage geschaffen werden, um die Werbung des eigentlichen Ausgangskapitals uon 6,000,000 Franken uon einer im Handelsregister eingetragenen Firma ausgeben zu lassen. Der Einwand: ein einzelner Unternehmer sei nicht imstande, gestaltend in das Wirtschaftsleben hineinzuwirken, ist nicht begründet. Die FUTURUM A.-G. hat sich unmittelbar in das praktische Wirtschaftsleben hineingestdlC um durch eine rasche Ausdehnung das ökonomische Instrument zu schaffen, mit dem diese Einwirkung geltend gemacht werden soll. Wer mit seinem Gelde weitsichtig arbeiten will, wird sich an der Zeichnung von Aktien zukunftversprechender Unternehmungen wie der FUTURUM A.-G. beteiligen und dadurch am ökonomischen Neuaufbau mitarbeiten. Wenn kurzsichtige Menschen glauben, solche wirtschaftliche Ansichten können keine finanziellen  Früchte tragen, übersehen sie, dass ein Festhalten an den bisherigen Wirtschaftsmethoden gleichbedeutend ist mit einem zunehmenden sozialen Niedergang, von dem ihr Kapital früher oder später vernichtet wird. Während der Konsum an Waren ununterbrochen andauert, vermindert sich die Produktion infolge der sozialen Konflikte immer mehr. Diese Verminderung an Fabrikaten wird in absehbarer Zeit auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte übergreifen, die heute noch als Reserven bestehen. Da die vorhandenen Bodenschätze dem sozialen Organismus aber nur durch Arbeitsleistungen zugeführt werden können, bedeutet die Zunahme des Arbeitsunwillens eine ständige Abnahme der Reserven. Wie sich die Gestaltung der nächsten Zukunft entwickelt, hängt davon ab, ob in den einzelnen Unternehmungen ein neuer Geist die führende Stellung einnehmen wird. Der Aufruf der FUTURUM A.-G. zur Zeichnung neuer Aktien erfolgt daher aus der Notwendigkeit heraus, dem Unternehmen die nötige Stoßkraft zu geben, um diesen Geist in das Wirtschaftsleben hineinzutragen. Verwaltungsratsbeschluss über die Neuemission von Aktien. Die FUTURUM A.-G. kann ihre gewollte Tätigkeit nur bei einer raschen und unbegrenzten Entwicklung entfalten. Der Verwaltungsrat hat daher beschlossen, die Vermehrung des Gesellschaftskapitals etappenweise vorzunehmen, sodass eine erste Kapitalerhöhung von 650,000 Franken auf 6,000,000 Franken sofort nach der am 27. Oktober 1920 erfolgten Eintragung im Schweizerischen Handelsregister vorgenommen werden soll. Um die Durchführung des von den Gründern gewollten Gesellschaftszweckes sicherzustellen, wird das Stimmrecht der 650 Gründeraktien mit Wirkung ab 15. Januar 1921 pro Stück von einer Stimme auf 20 Stimmen erhöht. Gleichzeitig wurde die Ausgabe von 350 neuen Aktien zu 1000 Franken mit gleichem Stimmrecht beschlossen, die nur von den Gründeraktionären gezeichnet oder durch diese an neue Zeichner uermittelt werden können. III. Geschäftstätigkeit der FUTURUM A.-G. Seit der am 16. Juni 1920 erfolgten Gründung hat die FUTURUM A.-G. bereits eine rege Geschäftstätigkeit entwickelt, indem sie die in vollem Betrieb befindlichen Unternehmungen G. Holzscheiter & Cie., Strickwarenfabrik in Basel, und die Minerva A.-G., Schirmgriff- und Stockfabrik in Bönigen (bei Interlaken), käuflich erworben hat und auf ihre Rechnung weiterbetreibt. Ferner beutet sie im Berner Seeland als Unternehmer ein Torffeld aus. Außer diesen Produktionsunternehmungen besitzt die FUTURUM A.-G. eine eigene Handelsabteilung in Zürich und eine Großhandlung in Tabakprodukten. Die Bankabteilung am Zentralsitz der Gesellschaft in Dornach nimmt  Gelder gegen Darkhensscheine, auf Sparhefte oder in laufende Rechnung entgegen und befasst sich außerdem mit Vermögensverwaltungen, Geldwechsel und Wertpapierverkehr. IV. Auszug aus den Statuten der FUTURUM A.-G. Die Gründung der FUTURUM A.-G. (Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte) - FUTURUM S.-A. (SocictC financiCre pour Ic dCveloppement international d'intCrCts Cconomiqucs, intellcctucls et sociaux) - FUTURUM Co. Ltd. (Economic Association for the international advancement of industrial arid cultural interes® - mit Sitz in Dornach bei Basel, erfolgte am 16. Juni 1920 mit einem Aktienkapital von 650,000 Franken. Der Zweck der Gesellschaft laut Statuten wurde auf Seite 2 dieses Prospektes bereits genannt. Die Dauer des Unternehmens ist unbeschränkt. Das Grundkapital von 650,000 Franken ist voll einbezahlt. Es ist eingeteilt in 650 auf den Namen lautende Aktien zu je 1000 Franken nominal. Der Verwaltungsrat ist berechtigt, das Aktienkapital durch Ausgabe neuer Aktien bis auf den Betrag von 6,000,000 Franken zu erhöhen und die Emissionsbedingungen festzusetzen. Dem Verwaltungsrat, der laut Statuten aus 3-12 Mitgliedern bestehen soll, gehören zurzeit folgende Herren an: Dr. Rudolf Steiner, Dornach, als Präsident. Dr. Roman Boos, Dornach, als Vizepräsident. Ernst Gimmi Zürich, Kaufmann, als Protokollführer. Emest Etienne, Chancy-GenCve, Chefingenieur der Schweizerischen Eisenbahnbank Basel. job. Hirter, Bern, Präsident des Verwaltungsrates der Schweizerischen Nationalbank, Bern. Paul de Kalbermatten, Luchon (Francc), Chefingenieur. Christian Krebs, Paris, Konsul und Industrieller. Fred Tbaraldsen, Christiania, Industrieller. Die Mitglieder des Verwaltungsrates üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Sie haben während der Dauer ihres Amtes mindestens eine Aktie der Gesellschaft an einer vom Verwaltungsrat zu bestimmenden Stelle zu hinterlegen. Die Direktion besteht aus einer oder mehreren Personen, die erstmals von der Griindungsgeneralversammlung, später vom Verwaltungsrat ernannt werden. Der Direkrionsabteilung gehören zurzeit folgende Herren an: Arnold hb, Nationalökonom und Ingenieur von Schaffhausen in Basel. Ernst Scballer, Dr. rer. pol. von Luzern in Dornach. Adolf Padrutt, Kaufmann von Pagig (Graubünden) in Basel.  Die Kontrollstelle besteht aus zwei Rechnungsrevisoren und einem Stellvertreter. Sie wird von der Generalversammlung gewählt. Die Generalversammlung wird ordentlicherweise während der ersten 6 Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres einberufen. Außerordentliche Generalversammlungen werden je nach Bedürfnis eingeschaltet. Die Einberufung erfolgt durch den Verwaltungsrat, die Direktion oder durch die Kontrollstelle. Eine Generalversammlung muss auch dann einberufen werden, wenn einer oder mehrere Aktionäre, deren Stimmen mindestens den zehnten Teil des Grundkapitals darstellen, dies in einer von ihnen unterzeichneten Eingabe an den Präsidenten des Verwaltungsrates oder dessen Stellvertreter unter Angabe des Zweckes verlangen. Die Einberufung erfolgt durch eingeschriebenen Brief. Die Beschlussfassung der Generalversammlung über: 1. die Abänderung der Gesellschaftsstatuten, 2. die Herabsetzung des Aktienkapitals, 3. die Auflösung der Gesellschaft, bedarf zu ihrer Gültigkeit einer Mehrheit von zwei Dritteln des bei der Beschlussfassung vertretenen Aktienkapitals. Für eine Beschlussfassung über die Auflösung der Gesellschaft müssen außerdem mindestens drei Viertel des gesamten Aktienkapitals vertreten sein. Ist dies nicht der Fall, so muss eine zweite Generalversammlung mindestens einen Monat, spätestens aber vierzig Tage nach diesem Zeitpunkt einberufen werden. Der Beschluss der Zweidrittelmehrheit des vertretenen Aktienkapitals ist in dieser zweiten Versammlung auch dann rechtsgültig, wenn weniger als drei Viertel des gesamten Aktienkapitals anwesend sind. Bilanzierung: Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Innerhalb der ersten vier Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres hat die Direktion die Schlussbilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung und einen, den Vermögensstand und die Verhältnisse der Gesellschaft entwickelnden Bericht nebst ihrem Vorschlag zur Vcrtcilung des Geschäftsgewinnes einzureichen. Die HÖhe der Abschreibungen und allfälliger Rücklagen werden vom Verwaltungsrat festgesetzt. Der Reingewinn der Gesellschaft ist der Überschuss der Aktiven über die Passiven und wird in folgender Reihenfolge verteilt: 1. Fünf Prozent werden dem Reservefonds zugewiesen, bis dieser den zehnten Teil des Aktienkapitals erreicht oder wieder erreicht hat. 2. Der Verwaltungsrat ist ermächtigt, weitere Rücklagen in jedem Umfange anzuordnen. 3. Auf das Aktienkapital wird eine Dividende gewährt, welche den jeweiligen Geldverhältnissen entsprechend eine angemessene Verzinsung des Nennwertes des Aktienkapitals darstellt. 4. Über die Verwendung eines allfälligen bleibenden Gewinnes verfügt die Generalversammlung. 5. Die Auszahlung der Dividende erfolgt, nachdem die Bilanz von der Generalversammlung genehmigt worden ist.  6. Der Reservefonds ist arbeitendes Kapital der Gesellschaft und wird nicht verzinst. Er dient zur Deckung von Verlusten, welche nicht aus dem Jahresgewinn gedeckt werden können. Die Bekanntmachungen der Gesellschaft an die Aktionäre erfolgen durch eingeschriebenen Brief und, soweit die Gesetzesvorschriften dies verlangen, im Schweizerischen Handelsamtsblatt. Domacb, bei Basel (Schweiz), den 31. Oktober 1920. FUTURUM A.-G. Der Verwaltungsrat Beilagen zu diesem Prospekt: 1. Die heutige Weltwirtschaftslage. 2. Die Wirtschaftslage einzelner Länder. 3. Emissionsbedingungen und Zeichnungsschein. Anhang I zum Prospekt vom 31. Oktober 1920 der FUTURUM A.-G. Dornach (bei Basel) (Ökonomische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte) Die heutige Weltwirtschaftslage. Die Hoffnungen, die man in weiten Kreisen auf die wirtschaftliche und politisch-rechtliche Gestaltung der Nachkriegszeit gesetzt hatte, sind nicht in Erfüllung gegangen. Die Kulturzustände und Anschauungen des 19. Jahrhunderts erzeugten allmählich jene sozialen Spannungen, welche aus den politischen Krisen des Weltkrieges die wirtschaftliche Revolution hervorgehen ließen. Heute tritt diese Revolution in Form der sozialen Frage in immer drohenderer Gestalt vor die Völker hin. Die allgemeine wirtschaftliche Lage, wie sie im Folgenden anhand von Zahlen dargestellt wird, ist daher, ob sie als Auswirkung des Krieges oder anderer Ereignisse betrachtet wird, stets die unmittelbare Folge dieser Kulturzustände und Anschauungen, die sich in den letzten Jahrzehnten immer deutlicher herausentwickelt haben. Ihre charakteristischen Symptome sind einerseits die Abnahme der Arbeitsfreude und der Produktion, andererseits die allgemeine Teuerung, die sozialen Konflikte und die zunehmende Verschuldung. Die schwere Schuldenlast, die der Krieg den einzelnen Staaten gebracht hat, beläuft sich  für die Entente-Staaten auf " " Zentralmächte " " " Gesamtkriegskosten 24,845 Mill. £ oder 14,070 " £ oder 38,915 Mill. £ oder ca. 626,590 Mill. Fr. 354,845 " Fr. 1000 Milliard. Fr. Staatsschulden verschiedener Staaten auf Ende 1919. Die nachstehenden Zahlen sind aufgrund der Münzparitätcn in Schweizer Franken umgerechnet worden. , Staatsschulden Zinsendienst Land davon der StaatsDefizit Vor dem Auf Ende auswärtige schuld auf der StaatsKriege in 1919 in Schulden Ende 1919 rechnung Mill. Fr. Mill. Fr. in Mill. Fr. in Mill. Fr. in Mill. Fr. Belgien 4,887 19,500 6,116 1,154 5,230 Deutschland 6,038 246,000 — 15,252 80,811 Frankreich 34,188 238,500 62,200 9,385 20,400 Großbritannien 17,907 203,750 32,220 9,079 11,944 Italien 13,700 83,718 19,180 3,200 10,395 Schweiz" 1,750 3,832 194 — 350 Österreich 13,300 87,452 3,390 Vereinigte Staaten . 5,500 . 155,000 ca. 100') ca. 1000 ') ") inkl. Bundesbahnen. I) in Milliarden Fr. Dieser Schuldenlast steht eine Produktionsverminderung der notwendigsten Nahrungsmittel und Bedarfsartikel gegenüber, die zu ernsten Bedenken Anlass gibt. So beträgt von 1913 bis 1919 die Verminderung der:  Weltproduktion von Zucker " " Eisen " " Brotgetreide " " Kohlen Amerik. Produktion v. Baumwolle Die Abnahme der Kohknausbeute beträgt in: England Frankreich Deutschland Belgien Tschechoslowakei 6200 Mill. Kilozentner 140 " 322 m 2150 " 8300 " 32 % 32 % 25 % 22 % 21 % Bei einer mehr als zehnfachen Vermehrung der Schuldenlast der einzelnen Staaten hat die Produktion in allen Ländern abgenommen. Diese Tatsache begründet die Notwendigkeit einer gewaltigen Zunahme der Steuerbelastung der Bevölkerung, wenn die Amortisation und Verzinsung dieser Schulden durchgeführt werden soll. Auch das Verkehrswesen, als zudienender Faktor der Produktion, hat große Einbußen erlitten. Die Schiffsverluste des Krieges werden auf 15 Millionen Registertonnen im Werte von 40,000 Millionen Franken berechnet, und die Betriebs- und Vermögensrechnungen der Eisenbahnen in den verschiedenen Ländern haben in den letzten Jahren Milliardendefizite ergeben. Auf der einen Seite werden an den Einzelnen und an den Staat durch zunehmende Verschuldung steigende Anforderungen gestellt, während andererseits ihre Leistungsfähigkeit infolge abnehmender Produktion ständig verringert wird. Diese Schuldenvcrmchrung und Produktionsverminderung bewirkt erhöhte Lohnforderungen der Arbeiterschaft und wachsende Kapitalbedüjfnisse der Unternehmungen, zu deren Befriedigung immer größere Kredite beansprucht werden müssen. Da hinter den gewährten Krediten infolge Produktionsabnahme immer weniger reale Werte in Form von Gütern stehen, stellen sie in steigendem Maße Scheinwerte dar (ungedeckter Papiergeldumlauf, Scheinkredite usw.). Die Zunahme des ungedeckten Notenumlaufes und der Staatsschulden zeigt deutlich, in welchem Maße solche Scheinwerte zur Deckung des Zahlungsmittelbedarfes herangezogen werden müssen. Im Verlaufe dieses Jahres hat in den ehemals kriegführenden Staaten die Papiergeldausgabe weiter zugenommen. Die ununterbrochene Tätigkeit der Notenpresse in Zentraleuropa ist hinlänglich bekannt. Deutschland gibt neben Banknoten nun auch Kassenscheine aus, um die gewaltig ansteigenden Zahlen für die im Umlauf befindlichen Notenmengen in den Reichsbankausweisen dadurch verschleiern zu können, dass ein Teil davon auf diese Kassenscheine übergewälzt wird. Aber auch Italien konnte den Erfolg seines neuen Staatsanleihens nicht abwarten und musste zu Anfang dieses Jahres eine Milliarde neuer Banknoten ausgeben, um die laufenden Geldbedürfnisse zu befriedigen.  Die Zunahme der Staatsverschuldung, die Vermehrung des Papiergeldumlaufes und die Abnahme der Produktion wirken zurück auf die allgemeine Lebenshaltung und verteuern dieselbe in erschreckender Weise. Die prozentuale Zunahme der Teuerung in den verschiedenen Ländern ergibt sich aus folgenden Zahlen. Als Berechnungsbasis 100 wurde das letzte Friedensjahr 1913 angenommen. Es betrug die Zunahme ln Österreich Deutschland Italien Frankreich England Schweiz Vereinigte Staaten von Nordamerika Auf Ende 1919 4000% 1000 % 457 % 350% 281 % 250% 208 % Auf Mitte 1920 614 % 378 % 299 % ca. 300 % Die zur Berechnung der Teuerungszunahme von 1913 bis 1919/20 verwendeten Warengattungen sind für die obigen Länder verschieden. Die angegebenen Ziffern lassen sich daher untereinander nicht ohne Weiteres vergleichen. Die folgende Tabelle enthält die auf gemeinsame Vergleichsbasis umgerechneten Zahlen der Teucrungszunahmc in den einzelnen Staaten. Als Berechnungsbasis sind die schweizerischen Preiszusammenstellungen verwendet worden. Schweiz Belgien (Antwerpen) Deutschland (Berlin) England Frankreich (Paris) Holland (Haag) Italien (Rom) Österreich (Wien) Aug. / Sept. 1919 100 141 282 (Dez.) Febr. / März 1920 100 174 418 152 109 240 97 198 1,096  Schweden (Stockholm) Spanien (Madrid) " (Barcelona) Tschechoslowakei (Prag) Ungarn (Budapest) 98 114 144 108 140 398 1,419 Für die Kleinhandelspreise der wichtigsten Lebensmittel beträgt die prozentuale Steigerung im Vergleich zur Vorkriegszeit als Berechnungsbasis (100 %): Mitte des Jahres Jan. 1920 1915 1919 Australien 131 147 Dänemark 128 ' 212 242 Frankreich 122 261 330 Großbritannien 132 209 257 Holland (Amsterdam) — 210 Italien (Mailand) — 310 " (Rom) 95 206 330 Indien 108 151 Kanada 105 186 Neuseeland 112 144 Norwegen — , 289 Schweden 124 310 Schweiz 119 250 243 Vereinigte Staaten von 98 186 206 Nord-Amerika Wenn auch einzelne Länder wie zum Beispiel dic Schweiz und die Vereinigten Staaten von Nordamerika verhältnismäßig günstige Zahlen aufweisen, so ist doch zu berücksichtigen, dass die weltwirtschaftliche Verflechtung stets für einen gewissen Ausgleich sorgt. Denn je nachhaltiger der wirtschaftliche Niedergang eines Landes ist, umso intensiver wird er auf wirtschaftlich gesündere Gebiete überzugreifen versuchen. So bedeuten die oben angeführten  Staatsschulden in solchen Zeiten und Ländern, die im Zeichen wirtschaftlichen Niederganges stehen, die Unmöglichkeit, weiter zu wirtschaften. In Ländern, wie England, deren Volkswirtschaft im Aufstieg begriffen ist, fallen dic großen Staatsschulden, die beispielsweise für Deutschland den wirtschaftlichen Ruin bedeuten, viel weniger ins Gewicht. Dennoch wird diese aufsteigende Entwicklung auch in England nur so lange andauern können, als nicht der wirtschaftliche Niedergang im übrigen Europa die Warennachfrage und die Zufuhr notwendiger Produkte auch für dieses Land untergräbt. Die Handelsbilanzen in den einzelnen Staaten, die in ihrer überwiegenden Zahl einen zunehmenden Überschuss der Einfuhr über die Ausfuhr aufweisen, lassen ebenfalls gewisse Schlüsse ziehen über den Stand der verschiedenen Nationalwirtschaften. Handelsbilanzen. Überschuss der Einfuhr über die Ausfuhr in Millionen Franken" Länder 1913 1919 Zunahme in % Europa: Dänemark - 186,1 - 2 236,1 1101% Deutschland - 1243,9 ca. - 12 000') 864 % Frankreich - 1541,0 - 21065,0 1266% Großbritannien - 3377,0 - 16 877,2 399% Italien - 1 134,0 - 11333,0 899% Niederlande - 1 739,5 - 2946,5 69% Österr.-Ungarn - 483,0 — " Schweden - 40,6 - 991,5 2342 % Schweiz - 543,4 -235,3 Spanien - 219,0 + 214,8" I) Aufgrund der Miinzparitätcn in Schweizerfranken umgerechnet. 2) Während des Kricgcs wurde die Handelsstatistik nicht veröffentlicht. Nach Schätzungen soll der monatliche Einfuhrüberschuss rund eine Milliarde betragen. 3) Während des Krieges wurde die Handelsstatistik nicht veröffentlicht. 4) Für die ersten 9 Monate des Jahres 1919.  Außereuropäische Staaten: Vereinigte Staaten +3 586,8 +21 399,9 Japan -183,1 -191,1 4% Australien -105,9 +287,5 Kanada -1155,2 + 752,5 Argentinien +126,5 +331,6') I) Für die ersten 9 Monate des Jahres 1919. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass der Wert der exponierten Produkte immer kleiner wird im Vergleich zu dem Wen der aus dem Ausland eingeführten Waren. Es muss daher im Inlande selbst eine ständige, dem Überschuss der Einfuhr über die Ausfuhr mindestens gleichkommende Einkommenszunahme geschaffen werden, um diesen Ausfall zu decken. Wenn eine solche Deckung durch Schaffung des notwendigen Volkseinkommens nicht möglich ist, müssen die Zahlungsmittel durch das Angreifen des Volksvermögens (Ersparnisse) und durch Vergrößerung der Schulden (Anleihen und Banknotenausgabe) aufgebracht werden. Ein solches Wirtschaften muss folgerichtig dem Niedergang entgegenführen. Dass aber heute tatsächlich auf diese letztere Art gewirtschaftet werden muss, weil das Volkseinkommen nicht in entsprechendem Maße zunimmt, zeigen die angeführten Zahlen über die Abnahme der Produktion und über die Zunahme der Schuldenlast und des Banknotenumlaufes deutlich. Auf der vor Kurzem stattgehabten internationalen Finanzkonferenz in Brüssel wurde beispielsweise eindeutig festgestellt, dass das Volksvermögen der Schweiz, also eines Landes, das vom Kriege unmittelbar verschont blieb, seit der Vorkriegszeit beträchtliche Verluste erlitten hat. Die umliegenden Länder sahen sich nicht nur genötigt, über die gewaltigen Einkommenssteuern hinaus ungeheure Schulden zu machen, sondern sie mussten durch die gesetzliche Verfügung von Vermögensabgaben bereits das Volksvermögen selbst angreifen. Der Niederbruch ist damit in die Wege geleitet. Dass auch Amerika, der gewaltige Gläubiger und Rohstofflieferant der europäischen Staaten, an der Wirtschaftslage dieser Länder ein Interesse hat, zeigt die Verschuldung Europas an Amerika auf Mitte 1920.  (Angabe der Schulden in Millionen Franken.) Kapitalguthaben Aufgelaufene (Kredite) Zinsguthabcn England schuldet an Amerika Frankreich " " " Italien " " " Belgien " " " Russland " " " Tschechoslowakei " " " Griechenland " " " Serbien " " " Rumänien " " " 22 274 15 540 8 806 1 813 966 347 250 138 129 84 648 316 67 98 10 5 3,5 Das scheinbar festgefügte Wirtschaftsgebiet Amerika wird von der wirtschaftlichen Krisis aber auch direkt betroffen, indem die Arbeiterunruhen und Streiks auch in jenem Erdteil ständig zunehmen. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika belief sich die Zahl der Streiks und Aussperrungen im Jahre 1919 auf 3374 und betraf mehr als 4 000 000 Arbeiter. Die sieben größten dortigen Streiks waren: 1. Streik der Chicagoer Schlachthofarbeitcr 2. Sympathiestreik mit den Metallarbeitern in Tacoma und Seattle 3. Streik der Hafenarbeiter an der atlantischen Küste 4. Streik der Arbeiter in den New Yorker Schiffsbauhäfen 5. Ausstand im Baugewerbe in Chicago 6. Riesenstreik der Stahlarbeiter 7. Riesenstreik der Kohlenbergleute 65 000 Mann 50000 " 100 000 " 100 000 " 115 000 " 367 000 " 435 000 " Eine ziffernmäßige Vorstellung über die Abnahme der Arbeitsfreudigkeit und die Zunahme der sozialen Konflikte lässt sich annähernd gewinnen aus der Gesamtzahl der Streiktage in den hauptsächlichsten Ländern für die letzten Jahre: 1913 1918 12 000 000 Streiktage 5 000 000 Streiktage (Einschränkung der Streiks durch die Militärdiktatur während des Krieges und durch die Einreihung der männlichen Bevölkerung in die Kriegsheere.) 1919 1341 Konflikte mit 22 750 000 Streiktagen.  Die Gesamtzahl der Konflikte und Streiktage wird für das Jahr 1920 bedeutend größer sein als pro 1919. Diese Zahlen drücken aus, dass das Streikbediirfnis 1919 um 89,8 % größer war als 1913. Unter Streikbedürfnis ist zu verstehen das Bedürfnis der Streikenden nach Ausdrucksmitteln für die allgemeine Unzufriedenheit über die bestehenden sozialen Verhältnisse. Dass die entsprechenden Zahlen für das Jahr 1920 ein noch größeres Streikbedürfnis zum Ausdruck bringen werden als das Jahr 1919, zeigt die nachstehende Zusammenstellung, die nur Angaben über einige der größeren Arbeitskonflikte in der ersten Hälfte des Jahres 1920 enthält und keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht. Amerika: Der 2 Monate dauernde Hafenarbeiterstreik in Buenos-Aires. Der 100000 Mann umfassende Eisenbahnstreik in Brasilien. Streik der Eisenbahner in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Asien: Streik der Arbeiter in den japanischen Eisenwerkstätten. (Verlust 10 Millionen Yen.) Streik von 200 000 Fabrikarbeitern in Indien während des Monats Februar. Verschiedene Streiks der eingeborenen Arbeiter und der indoeuropäischen Angestellten auf den Kaffee- und Zuckerplantagen. Europa: Streik der spanischen Eisenbahnarbeiter im März. " " " Metallarbeiter im April. Generalstreik in Spanien. Streik des portugiesischen Eisenbahn-, Post-, Telegraph- und Telephonpersonals im März. Große Arbeiterunruhen in Polen. Generalstreik in Jugoslawien im April. Streik der rumänischen Arbeiter der Eisenbahn- und Straßenbahn-Werkstätten. Streik der norwegischen Hafen- und Dockarbeiter. " " dänischen Matrosen und Heizer. " " Hafenarbeiter in Holland. " " Gruben- und Metallarbeiter in Belgien. " " Eisenbahner in Frankreich. Verschiedene Streiks der Industrie- und Bergwerksarbeiter in Frankreich Streik der Seeleute und Hafenarbeiter in Frankreich. Generalstreik in Elsass-Lothringen. Streik der Südbahnangestellten in Österreich. " von 70 000 Industriebeamten in Österreich. " der italienischen Eisenbahner. 00 H Land- und Industriearbeiter.  Italienischer Generalstreik im Februar. " " " April. Schweiz: Streik der schweizerischen Bauhandwerker. Angestelltenkonflikt im schweizerischen Hotelgewerbe. Großer Streik in den von Roll'schen Eisenwerken. Lohnbewegung in der Winterthurer Metallindustrie. Verhängung der Sperre über die Firma Brown Boveri, Baden. Heute ist die Bewegung in der gesamten Arbeiterschaft ernster als je. In Großbritannien brach nach erfolglosen Einigungsversuchen zwischen der Regierung und den Vertretern der Bergarbeiter am 17. Oktober der Grubenarbeitcrstrcik aus, dessen endgültige Beendigung erst nach langwierigen Verhandlungen möglich sein wird. Die Folgen dieses Streikes sind für das englische Wirtschaftsleben deshalb besonders schwerwiegend, weil zahlreiche Industrien infolge Kohlenmangels zu Arbeitseinstellungen gezwungen wurden. Die Schädigung für die gesamte europäische Wirtschaft lässt sich aus der Tatsache ermessen, dass nach authentischen Schätzungen der durch den Streik verursachte Produktionsausfall an Kohle auf rund 15 Millionen Tonnen geschätzt wurde. Auch in Deutschland hat neben andauernden Arbeiterrevolten ein folgenschwerer Preiskampf der deutschen Grubenarbeiter begonnen, und im Ruhrgebiet wird bereits die Sozialisierung des deutschen Bergbaues verlangt. In Frankreich werden die Streiks infolge der Massenentlassung von Arbeitern in verschiedenen französischen Industrien in der nächsten Zeit größeren Umfang und ernsteren Charakter annehmen. Sollten die französischen Bergwerkbesitzer die gestellten Forderungen der Grubenarbeiter nicht annehmen, so ist zudem auf Mitte November der Generalstreik der Bergleute in Frankreich vorauszusehen. In Italien konnten die revolutionären Arbeiterunruhen in der Schwerindustrie vorläufig beigelegt werden, dieselben bedeuteten jedoch nur eine Episode in dem schweren Kampfe der italienischen bürgerlichen und sozialistischen Parteien. Dass dieser Kampf heute mit unverminderter Heftigkeit andauen, beweisen die fortwährenden Streikunruhen in allen Städten Italiens und die Ausarbeitung eines Projektes des italienischen Arbeiterbundes über die Kontrolle der italienischen Industrie durch die Arbeiterschaft. Der belgische Gewerkschaftskongress in Brüssel beschloss letzter Tage die etappenweise Verstaatlichung der gesamten belgischen Industrie, wobei die Eisenbahnen, Kohlenminen, Banken, Kraftwerke usw. der Kommunalisierung zuerst anheimfallen sollen. Außerdem steht der Generalstreik der Bergleute unmittelbar bevor. Die Streikunruhen in Amerika verursachen namentlich in New York fortwährend Störungen des Verkehrs und des Geschäftslebens überhaupt. Neben der Gärung in der Arbeiterschaft aller Länder weisen auch die poll tischen Vorgänge darauf hin, dass das, was gegenwärtig im Kulturleben der einzelnen Staaten vor sich gehL keine aufbauende Entwicklung bedeutet, sondern ein Weitersanktionieren derjenigen Zustände und Anschauungen isg die zum Weltkriege geführt haben. Den Folgen des polnisch-russischen Krieges muss eine Bedeutung beigemessen werden, die tief in das gegenwärtige Verhältnis der europäischen Staaten eingreift. Im Süden harren das adriatische Problem und die Balkanfrage noch immer der Lösung. Bei der Beurteilung dieser Ereignisse und ihrer Auswirkungen spielen die persönlichen Sympathien und Antipathien keine Rolle. Bei dem russisch-polnischen Kriege kommt es vor allem auf die wirtschaftlichzivilisatorischen Folgen an, die der Ausgang dieses Kampfes für Europa haben muss. Ebenso treten d'Annunzio und seine Gegner oder die wirtschaftlichen Streitigkeiten der Balkanstaaten in den Hintergrund gegenüber dem großen wirtschaftlichen Gesichtspunkt, was an der Adria und im Balkan geschehen soll, um den Orient und den Okzident in den fruchtbarsten Wechselverkehr zu bringen. Irland steht im Zeichen des offenen Aufruhrs. Im Orient breitet sich die bolschewistische Welle immer weiter aus und gefährdet bereits den dortigen englischen Besitz, den Hauptstützpunkt der großbritannischen Weltmacht. Alle diese Schäden unserer Zivilisation können nicht durch Maßnahmen im Sinne der bisherigen Gepflogenheit gelöst werden, sondern nur durch Schöpfungen, die eine Grundlage für ein gesundes Wirtschaftsleben bilden.  ANSPRACHE BEI DER BETRIEBSVERSAMMLUNG GELEGENTLICH DER ÜBERGABE DES BETRIEBS jOSE DEL MONTE AN DEN .KOMMENDEN TAG» Protokollaniscbe Aufzeichnung Stuttgart, 17. Nouember 1920 [Eugen BenkendOrfer begrüßt die Anwesenden und erteilt nach einer Einleitung RudolfSteiner das Wort./ RudolfSteiner: Meine verehrten Anwesenden! Nachdem Ihnen Herr BenkendOrfer die Mitteilung gemacht hat von dem Übergang der Firma JosC del Monte an den «Kommenden Tag», darf ich Sie zunächst alle als Vorsitzender des Aufsichtsrates dieses «Kommenden Tages» auf das allerherzlichste begrüßen. Durch das, was sich vollzogen hat, was Ihnen Herr BenkendOrfer mitgeteilt hat, was ja auch schon im Kreise Ihrer Vertreter besprochen, und zwar wie ich zu meiner großen Freude gehört habe, zur Zufriedenheit besprochen worden ist, werden Sie den Anfang damit machen, Ihre Arbeiten zu vereinigen mit demjenigen, was der «Kommende Tag» will. Ich darf vielleicht annehmen, dass eine große Anzahl von Ihnen teilgenommen hat an unseren Bestrebungen auch in sozialer Beziehung, an jenen Bestrebungen, die wir, nachdem die Beendigung des Krieges das möglich gemacht hatte, aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft heraus vor mehr als einem Jahr begonnen haben. Wir haben ja auch die Freude gehabt, gerade einen Ihrer Vertreter oft anwesend zu sehen bei unseren Versammlungen und ihn auch in diesen Versammlungen öfter sprechen zu hören. Ich darf vielleicht jetzt nur mit ein paar Worten darauf hinweisen, dass diese Bestrebungen in sozialer Beziehung, die aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft herausgewachsen sind, nicht nur äußerlich durch und durch ehrlich gemeint waren, sondern dass sie auch getragen waren von dem, was ich nennen mÖchte eine innerlich ehrliche Gewissenhaftig Kelt. Denn sehen Sie, heute, in dieser schweren Zeit der allgemeinen Not, man darf durchaus sagen, der allgemeinen internationalen Not, kann man leicht sagen: Ich strebe dies oder jenes an in sozialer Beziehung, ich möchte dieses oder jenes. - Es kann anerkannt werden: Das wird in den meisten Fällen auch vielleicht recht gut gemeint sein können, wenn es nämlich vonseiten derjenigen kommt, die aus ihrem Leben heraus diese Not kennen, die diese Not eben selbst erleben, aber mit der bloßen Sehnsucht, «es solle besser werden», mit den bloßen Worten, «das oder jenes muss gemacht werden», mit dem kommt man nicht weiter. Weiter kommt man nur, wenn man auch die innere ehrliche Gewissenhaftigkeit und das innere ehrliche Verantwortungsgefühl hat, sich Einsicht zu verschaffen, wie man denn der sozialen Not abhelfen kann, wie man sozial im Dienste der allgemeinen Menschheit weiterkommen kann. Von dieser inneren ehrlichen Verantwortlichkeit und von dieser inneren ehrlichen Gewissenhaftigkeit sind wir ausgegangen, als wir zunächst versucht haben, zu sprechen zur gesamten Arbeiterschaft. Meine verehrten Anwesenden, ich möchte wissen, in welcher Zeit man mehr hat hoffen können, Zustimmung zu finden für ein ehrliches, gewissenhaftes und von Verantwortlichkeitsgefühl getragenes soziales Wollen, als in der Zeit, die auf den Krieg folgte, der Not und Elend in die Welt gebracht hat, in der Zeit, als die Menschen in weitesten Kreisen sehen konnten, was der Mangel an innerer Gewissenhaftigkeit und der Mangel an innerem Verantwortlichkeitsgefühl für Elend in die Welt bringen kann. Denn im Grunde genommen, wenn das auch heute noch vielfach verborgen wird, dieser von solcher Not, von solchem Elend gefolgte Krieg, er ist doch hervorgegangen aus dem Mangel an innerem Verantwortlichkeitsgefühl, aus dem Mangel an innerer Gewissenhaftigkeit bei denen, die beides hätten haben sollen. Weil man das bemerken musste, gerade in den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung, dass unter den Führern, die hineingeführt haben in die Kriegskatastrophe, dieses innere Verantwortlichkeitsgefühl, diese innere Gewissenhaftigkeit nicht vorhanden waren, nicht vorhanden sind - auch nicht bei vielen, ja bei den meisten ihrer Nachfolger, die bis heute die Revolution in Fiihrerstellungen  überstanden haben -, weil man das hätte bemerken sollen, durften wir glauben, dass mit den ehrlichen Worten, die aber aus der Einsicht heraus gesprochen waren, auch die Herzen der weitesten Kreise der Arbeiterschaft gewonnen werden können. Und für mich, ich sage das ganz offen, für mich, meine verehrten Anwesenden, ist dieser Beweis bis heute keineswegs missglückt. Ich bin der Meinung, dass diese Herzen, wenn man nur die Wege richtig findet, schon gewonnen werden kÖnnen. Einfach weil das geschehen muss, weil ohne diese ehrliche innere Gewissenhaftigkeit und ohne diese ehrliche Einsicht in die Lage der Sache nicht weitergekommen werden kann, und wenn die Agitatoren mit noch so schönen Schlagworten arbeiten. Es handelt sich um Sachlichkeit, um Gewissenhaftigkeit, wenn weitergekommen werden soll, und es handelt sich um das ehrliche innere Verantwortlichkeitsgefühl. Nun, meine verehrten Anwesenden, wir haben dann versucht, ohne dass wir den Leuten Sand in die Augen gestreut haben, die Betriebsräte-Frage in Fluss zu bringen in der An, wie wir sie uns denken mussten. Wir haben ja auch manche Zustimmung gefunden. Was uns in die Quere gekommen ist, das ist - und ich will es nicht etwa auf bösen Willen zurückführen, aber es muss immer wiederum gesagt werden - das ist das Missverständnis, ja das Unverständnis, das unseren Bestrebungen, die da laufen im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus, von den sozialistischen Führerschaften entgegengebracht wird. Wir können ganz gut verstehen, was da eigentlich vorliegt, und die Menge wird es auch einmal verstehen. Aber die Führerschaften haben es doch dahin gebracht, dass unsere Säle allmählich leer wurden oder wenigstens schwach besucht wurden. Und wir mussten uns sagen: Durch das bloße Wort kommen wir nicht weiter. Wir kommen nicht weiter gerade in derjenigen Arbeit, die geleistet werden muss im Dienste der Allgemeinheit. Und so mussten wir uns denn entschließen, weil wir gewissermaßen von den sozialistischen Führern im Stich gelassen worden sind, zu solch einer Begründung, wie es «Der Kommende Tag» ist. Dieser «Kommende Tag» soll nun durch seine Einrichtungen, durch den assoziativen Zusammenschluss von Betrieben, allmählich diejenige Atmosphäre  sozialen Lebens herbeiführen, welche dazumal eigentlich gemeint war, als wir im April des Jahres 1919 unsere Arbeit begannen. Und wir haben die Überzeugung, dass es vielleicht besser gelingen wird, die Menge auch zu überzeugen, wenn diese Menge sieht, was wir tun, trotzdem sie abgehalten worden ist, volles Verständnis uns entgegenzubringen in Bezug auf dasjenige, was wir zunächst mit dieser Menge, ganz für sich, aus dem Willen dieser Menge heraus durch das Wort erzeugen wollten. Aus solchen Bestrebungen, die wahrhaftig ebenso von ehrlicher innerer Verantwortlichkeit und von ehrlicher innerer Gewissenhaftigkeit getragen waren, sowie von dem Streben nach Einsicht, wie die soziale Lage wirklich ist und wie die soziale Zukunft gestaltet werden müsse, aus diesem Bestreben ist der «Kommende Tag» hervorgegangen. Und wir durften, die wir nun arbeiten seit Monaten in der Richtung dieses «Kommenden Täges», wir durften in den letzten Wochen, wie Ihnen Herr BenkendOrfer auseinandergesetzt hat, und namentlich seit dem letzten Samstag, die große Freude erleben, dass sich dem assoziativen Leben, welches der ·Kommende Tag» begründen will, nun auch diese Firma, der Sie Ihre wertvolle Arbeit widmen, angeschlossen hat. Und es ist Ihnen ja bereits auseinandergesetzt worden: Dieser «Kommende Tag» ist nicht etwa eine Aktiengesellschaft wie eine andere, dieser «Kommende Tag» ist eine Versammlung von Persönlichkeiten, welche nun durch die Tat dasjenige sozial wirken wollen, was sie versprachen, sozial zu wirken, als zu der Menge in eindringlichen Worten gesprochen worden ist. Gewiss, Sie können heute noch nicht irgendwie aus innerer Überzeugung heraus klar wissen, wie es nun werden wird, wenn Sie nun selbst sozusagen Ihre Arbeit einlaufen lassen in die Bestrebungen des «Kommenden Tagesm Aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, meine verehrten Anwesenden, dieser «Kommende Tag» wird mit allen Kräften daran arbeiten, was an ihm ist - zunächst kann es ja noch nicht gar so viel sein -, eine soziale Zukunft herbeizuführen, die ein menschenwürdiges Dasein eben allen Menschen allmählich verschaffen muss. Da wir das Ohr der deutschen Arbeiterschaft im Allgemeinen, das wir suchten, nicht gefunden haben, können wir  uns jetzt immer nur durch die Tat an wenige wenden. Wir werden uns alle Mühe geben, dass auch Sie sehen können, dass da, wo wir zur Tat übergehen, wir erfüllen wollen dasjenige, was in unseren Worten gelegen hat. Wir als «Kommender Tag» hatten ja seit dem Bestehen desselben Herrn del Monte in unserer Mitte. Wir wissen, dass er mit seiner Gesinnung voll innerhalb desjenigen steht, was wir vom «Kommenden Tag» aus wollen und was ich eben mit ein paar Worten Ihnen auseinanderzusetzen wünschte. Die anderen bisherigen Teilhaber der Firma del Monte, Herr Poch und Herr BenkendOrfer, sie gehören unserer Bewegung seit vielen Jahren an. Sie haben vieles aus dem Geiste dieser Bewegung heraus bewirkt. Und Herr BenkendOrfer ist eine von denjenigen Persönlichkeiten, die vielleicht am besten einsehen, wie mit tatkräftigem Wollen ein solches wirtschaftliches Unternehmen, wie es der «Kommende Tag» ist, zunächst seine Fäden hinüberleiten muss zum freien Geistesleben. Denn nur wenn das freie Geistesleben mit den Kräften, die es an die Oberfläche bringen muss, das Wirtschaftsleben in entsprechender Weise tragen kann, dann ist eine soziale Besserung möglich. Nicht mit agitatorischen Schlagworten, sondern einzig und allein dadurch, dass diejenigen Kräfte des Geisteslebens, die frei und selbstständig gepflegt werden müssen, auch in entsprechender Weise sich dem Wirtschaftsleben widmen können, vom Wirtschaftsleben in der richtigen Weise verstanden werden und aufgenommen werden, ist eine soziale Besserung möglich. Das ist die Überzeugung des «Kommenden Tägesm Von dieser Überzeugung ist Herr BenkendOrfer durchdrungen. Und so schmerzlich es von der einen Seite sein könnte für die bisherige Leitung und die bisherige Arbeiterschaft der Firma JosC del Monte, dass, wenigstens zum Teil, Herr BenkendOrfer herausgenommen wird, so muss aber auch wiederum ins Auge gefasst werden, dass Herr BenkendOrfer gerade an dem allerwichtigsten Posten des «Kommenden Tages» im Sinne desjenigen nun zu wirken berufen ist, was ich Ihnen versuchte auseinanderzusetzen. Und da die Firma JosC del Monte dem «Kommenden Tag» nunmehr angehört, so fließt ja Herrn BenkendOrfers so ersprießliche Arbeitskraft auch dieser Firma in Zukunft zu. Und  da wir schätzen und lieben gelernt haben sowohl als Mensch wie als Arbeiter vor allen Dingen den Ausbilder dieses Betriebes, Herrn JosC del Monte selber, und da wir schätzen gelernt haben den anderen Teilhaber, Herrn Emil Poch, so sind wir vollständig beruhigt darüber, dass auch in technischer und sonstiger Beziehung alles sich hier so weiterentwickeln wird, wie es sich bisher entwickelt hat. Und wir brauchen uns daher gerade nicht einen Vorwurf daraus zu machen, dass wir an dem Tage, an dem wir uns aus sachlichen Gründen heraus entschlossen haben, dem so sehr schätzenswerten Vorschlag des Herrn del Monte und der anderen Teilhaber entgegenzukommen, die Firma JosC del Monte in den «Kommenden Tag» einfließen zu lassen, dass wir an dem Tage zu gleicher Zeit einen wichtigen Teil der Arbeitskraft des Herrn BenkendOrfer dieser Firma wiederum nehmen mussten. Aber lassen Sie mich auch das Folgende aussprechen, denn es ist auch eine soziale Wahrheit und gehört zur sozialen Frage - und ehe man das nicht einsieht, wird man der sozialen Frage und den sozialen Schäden in der Gegenwart nicht ordentlich beikommen können. Wir mussten eben an dem Tage, an dem wir uns vereinigten mit der Firma JosC del Monte, den größten Teil der so schätzbaren Arbeitskraft des Herrn BenkendOrfer heriibernehmen, und Sie können fragen: Warum habt ihr nicht einen anderen genommen und uns Herrn BenkendOrfer gelassen? - Und da antworte ich Ihnen eben mit jenem Teil der sozialen Frage, den der Einsichtige heute für so wichtig hält, dass er ihn immer wieder geltend machen muss: Es gibt eben heute außerordentlich wenig wirklich wirtschaftlich und geistig tüchtige Persönlichkeiten; und man hat große Mühe, wenn man irgendjemanden braucht, jemanden zu finden, den man brauchen kann. Der «Kommende Tag» hat sich glücklich zu schätzen, dass er einen solchen Fund getan hat. Es gehört durchaus zu dem, was man die soziale Frage nennen kann, dass es so wenig wirklich einsichtige und tüchtige Menschen in der Gegenwart gibt. Wer genötigt war, solche Menschen zu suchen, der hat Schmerz genug ausgestanden darüber, dass es solche Menschen in der Gegenwart so wenig gibt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben: Gäbe es eine große Anzahl  nicht bloß redender und «sich-anstellen-lassender» Menschen, gäbe es viele nicht bloß da und dort «sich-wählen-]assender» Menschen, sondern gäbe es viele Menschen, die drinnenstehen mit aller Kraft im Leben, die auch etwas verstehen von dem, wo sie drinnenstehen wollen in rechtem Sinn, dann kämen wir schneller vorwärts in der Lösung, der so notwendigen Lösung der sozialen Frage. Untüchtigkeit ist heute bei den führenden Menschen eines der größten sozialen Übel. Das gehÖrt einmal zur sozialen Frage. Und da das in den weitesten Kreisen immer noch viel zu wenig gewusst wird, so muss es schon einmal auch betont werden. Ich habe Ihnen, meine verehrten Anwesenden, die Gesinnung auseinandergelegt, in der wir uns mit diesem Betriebe vereinigen wollen. Ich muss es Ihnen überlassen, dasjenige, was ich zu Ihnen gesprochen habe, für ehrlich und aufrichtig und von innerem Verantwortlichkeitsgefiihl getragen zu erkennen. Wir werden uns bestreben, dass Sie dasjenige, was Sie noch nicht erkannt haben, erkennen werden. Sie werden sowohl in den ja auch zu uns gehörenden nunmehrigen Leitern und früheren Teilhabern der Firma JosC del Monte, Sie werden bei dem neuen Generaldirektor des «Kommenden Täges», Herrn BenkendOrfer, Sie werden bei den ändern Mitgliedern des «Kommenden Tages», wenn es nötig ist, immer die Möglichkeit finden, sich zu beraten über alles das, was Ihnen am Herzen liegt, wenn die Notwendigkeit dafür eintritt. Sie werden finden, dass der «Kommende Tag» auch in dieser ganz konkreten Beziehung bestrebt sein wird, in das Geschäftsleben, das nach und nach in den Zeiten, die einmal vergangen sein müssen, die Menschlichkeit allmählich von sich ausgeschaltet hat, sofern es der «Kommende Tag» betreibt, wiederum die Menschlichkeit einzuführen - jene Menschlichkeit, die ein ehrliches Fühlen, ein ehrliches Wollen für Menschenarbeit mit jedem Menschen hat. Aus diesem Geiste heraus übernehmen wir die Verpflichtung, die sich uns damit auferlegt, dass wir uns mit diesem Betriebe vereinigen, und ich darf nur hoffen, dass die Zeit es so fügen werde, dass Sie immer mehr und mehr aus dem, was wir auch tun können, mit Ihnen zusammen tun können, sich überzeugen werden, dass dasjenige, was  ich heute in Vertretung des Aufsichtsrates, des hier anwesenden Aufsichtsrates und des Direktoriums des «Kommenden Täges» Ihnen zu versprechen habe, mögen Sie die Gelegenheit haben - und wir werden uns bemühen, sie durch unsere Gesinnung herbeizuführen -, mögen Sie die Gelegenheit haben, das durch unsere Taten bewahrheitet zu finden, was ich heute zu Ihnen sprechen durfte. [Esfolgen die Einleitung zur Diskussion durch Eugen BenkendOrfer, zwei nicht mitgescbniebene Voten uon Arbeitern und abschließende Worte Eugen BenkendOrfers.]  ANSPRACHE ZUR EINFÜHRUNG VON EUGEN BENKENDÖRFER ALS GENERALDIREKTOR DES «KOMMENDEN TAGES» Stuttgart, 17. Nouember 1920 RudolfSteiner: Meine lieben Freunde! Wir haben Sie gebeten, heute hierherzukommen, weil wir Herrn BenkendOrfer als Generaldirektor des «Kommenden Tages» vom Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» aus einzuführen und Ihnen vorzustellen haben. Die Verhältnisse, wie sie sich entwickelt haben, zum Teil die Verhältnisse im «Kommenden Tag» selber, namentlich aber auch die Verhältnisse zwischen dem « Kommenden Täg» und der anthroposophischen und der anderen Außenwelt, haben notwendig gemacht, dass die Stelle des Generaldirektors des «Kommenden Tages» geschaffen werde, und der Aufsichtsrat musste Umschau halten nach einer geeigneten Persönlichkeit. Und es ist von mir oftmals ausgesprochen worden, dass diese Aufgabe, geeignete Persönlichkeiten in diesen oder jenen Posten heute zu finden, der mit einem sehr, sehr weitgehenden Verantwortlichkeitsgefiihl und einer sehr weitgehenden Notwendigkeit der Einsicht in die verschiedenartigen Verhältnisse verbunden ist, dass es eben außerordentlich schwierig ist, Persönlichkeiten für solche Posten zu finden. Wir schätzen uns glücklich, dass wir Herrn BenkendOrfer für diesen Posten haben gewinnen können, und teilen Ihnen diese Freude und Befriedigung darüber mit, indem wir glauben, dass diese Befriedigung sich durch die Arbeit des Herrn BenkendOrfer mit Ihnen allen im Laufe der Zeit auch für Sie im höchsten Maße ergeben wird. Bei dieser Gelegenheit obliegt es mir aber, nachdem ich die verschiedensten Rücksprachen gerade über die fundamentalsten Aufgaben sowohl des «Kommenden Tages» wie der Bewegungen, aus denen der «Kommende Tag» hervorgegangen ist, mit Herrn BenkendOrfer gelegentlich seiner Eingliederung in den «Kommenden Tag» durchgesprochen habe, es obliegt mir, nun auch Ihnen einiges über  den Inhalt dieser Gespräche und Sonstiges, was im Zusammenhang damit heute notwendig gesagt werden muss, eben zu sagen. Ein wirkliches, gedeihliches Entwickeln des «Kommenden Tages», so wie er gedacht war von uns, ist nur möglich, wenn der «Kommende Tag» wirklich dastehen kann als herauswachsend, fortwährend herauswachsend sowohl aus der gesamten anthroposophischen Bewegung wie aus der Dreigliederungsbewegung. Nun bitte ich Sie, doch eines zu berücksichtigen, dass sich wie von selbst eigentlich - sehr partiell zwar, aber doch eben partiell - ergeben hat hier in Stuttgart so etwas wie eine Art Vorbild, aber eben nur Vorbild, da ja bei den gegenwärtigen Zuständen viel Vorbildliches, vielleicht sogar viel Wichtigstes nicht vorhanden sein kann, aber doch, wenn eben auch nicht die erstrebenswerte Dreigliederung, so doch das Vorbild einer Dreigliederung. Wir haben hier die Bewegung, die wir in der Waldorfschule konzentriert haben, und sie steht wiederum in Zusammenhang mit der gesamten anthroposophischen Bewegung. Das ist gewissermaßen der geistige Teil eines dreigliedrigen Organismus. Wir haben dann den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus, der heute im Wesentlichen natürlich erst zur Propaganda desjenigen da ist, nach dem er sich benennt, der für die Zukunft nur vorbereitende Arbeiten zu besorgen hat, aber den wir doch in einem gewissen Sinne als Vorbild auffassen müssen für dasjenige, was man den staatlich-rechtlichen Teil des dreigliedrigen sozialen Organismus nennen muss. Nun ist ja oft betont worden, dass gerade durch die Dreigliederung des sozialen Organismus die wahre, konkrete Einheit wird, nicht diejenige abstrakte Einheit, die darzustellen hat der abstrakte Staat. Und so hat sich denn natürlich auch zunächst ein inniges Band ausbilden müssen zwischen alledem, was unser geistiges Glied ist, und dem politisch-staatlich-rechtlichen Gliede in der Wochenschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus», die gewissermaßen ihren Arm nach beiden Seiten hinstrecken muss. Es muss sich aber zu alledem, was sich hier ausgebildet hat in der Waldorfschule, in der Anthroposophischen Gesellschaft, im Bund für Dreigliederung, in der Verbindung [mit] der Dreigliederungszeitung, von dem muss sich  wiederum die Strömung gerade zu dem eigentlichen wirtschaftlichen Teil unseres hiesigen Stuttgarter Organismus, zum «Kommenden Tag», bewegen. Eines kann im Grunde ohne das andere in Wirklichkeit nicht bestehen. Ich habe, als unser Freund Kühne eingeführt worden ist, einiges über die unmittelbaren Aufgaben der Dreigliederungsbewegung von heute gesprochen. Wir dürfen, wenn wir heute uns Gedanken, die nun wirklich zu Taten führen sollen, über diese Dinge machen, wir dürfen eines nicht vergessen, dass wir doch immerhin heute in einer ganz besonderen Zeit leben, in einer Zeit, in der sich die Schnelligkeit des Geschehens ganz wesentlich gegenüber der schon früher, in verflossenen Jahren, bestandenen Schnelligkeit des Geschehens vergrößert hat. Und das Schädlichste bei uns ist unter allen Umständen dieses, wenn wir des Morgens aufstehen und uns mitbringen aus alter Gewohnheit die Gedanken des gestrigen Tages und dann aus diesen Gedanken des gestrigen Tages auch am Morgen des nächsten Tages noch fortwirken wollen. Wir sehen gerade zur Vergrößerung des furchtbaren Elendes der Zeit dieses ja überall außerhalb unserer Bewegung groß werden; wir sehen, die Angriffe gegen die anthroposophische Bewegung werden gemacht aus den Gedanken des gestrigen Tages heraus. Diejenigen Menschen, die zumeist die Gegner sind, können nichts anderes denken als das, was man bis heute getan hat, in Gedanken, die sie daraus konstruieren. Aber diese Gedanken sind vorbei. Und wir müssen uns schon bekannt machen mit dem, dass wir durchaus gerade in unserer Bewegung auf dem Boden neuer Gedanken stehen müssen, ja, dass sich uns selbst unsere Gedanken in verhältnismäßig kurzer Zeit erneuern müssen. Ich werde nachher noch mit ein paar Worten berühren, was ich mit dem Letzteren meine. Wir kommen jetzt eben von einer Betriebsversammlung in dem Betriebe, der bisher der Betrieb JosC del Montes war, dessen Teilhaber waren: Herr del Monte selber, unser Aufsichtsratsmitglied, Herr Emil Poch, Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, und Herr BenkendOrfer, der nunmehr der Generaldirektor des «Kommenden Tages» sein wird. Es haben zwei Arbeiter gesprochen, nachdem Herr  BenkendOrfer und ich selbst heute in der Betriebsversammlung gesprochen haben. Aber alles das, was diese beiden Arbeiter gesprochen haben, ist für denjenigen, der solche Sachen bewerten kann, wiederum etwas außerordentlich Gewichtiges für die Beurteilung der gegenwärtigen Weltlage. Man kommt eigentlich heute nicht weiteg wenn man solche Dinge nicht mit aller Schärfe bewerten kann. Dasjenige, was in den «Kernpunkten der sozialen Frage» auseinandergesetzt ist, dass eigentlich die Brücke zwischen den führenden Klassen der heutigen Menschheit und [den arbeitenden Klassen, dem eigentlichen Proletariat] abgebrochen, und zwar durch die Schuld der führenden Klassen abgebrochen ist, das wird man bei einer solchen Gelegenheit mit außerordentlich schwerem Herzen bemerken können. Man redet zu den Leuten, die Leute reden zu einem, und es wird im Grunde zumeist doch eine ganz verschiedene Sprache gesprochen. Und die Aufgabe, die schon in den «Kernpunkten» angedeutet ist, die Aufgabe, diese Brücke zu schlagen, sie muss gelöst werden. Denn es gibt keine Beantwortung der sozialen Frage, ohne dass diese Brücke geschlagen wird, ohne die Möglichkeit eines Verständnisses zwischen den ehemaligen führenden Klassen und dem Proletariat. Und diese Brücke zu schlagen, das gehört zu den allerallerschwierigsten Aufgaben. Das ist eine Aufgabe, die wir im Grunde genommen nicht nur keine Stunde, sondern keine Minute aus den Augen verlieren sollten. Selbstverständlich ist es bei diesen Menschen so, dass sie aus den urältesten Blüten sozialer Phrasen heraus reden, aber diese Phrasen sind ihnen natürlich, sind ihnen elementar geworden, sie sind ihr ganzes Sein. Sie sind gewissermaßen ausgehöhlt, sind nurmehr Menschenschemen, ausgehöhlt und vollgestopft mit marxistischen und ähnlichen, jetzt auch schon mit bolschewistisch gefärbten Phrasen. Die Leute tragen das mit sich, sind gepanzert durch dasjenige, was einem Menschen ähnlich sieht im Grunde, und bringen es vor. Wir haben es im Laufe der neuzeitlichen Entwicklung dazu gebracht, dass man nichts getan hat, ja dass, wenn sich der Einzelne bemüht hat - meine Bemühungen gingen zum Beispiel während meiner Lehrerschaft an der Arbeiterbildungsschule in Berlin dahin -,  wenn sich der Einzelne bemüht hat, ist er insbesondere von den führenden Kreisen durchaus im Stich gelassen worden. Sie haben sich beschäftigt mit Theater, mit Zeitungslektüre, mit alledem, was nur in ihrer Klasse war, was vollständig eine andere Sprache sprach als dasjenige, was im Proletariat tagtäglich abends in Versammlungen gesprochen worden ist; was nicht nur eine andere Sprache spricht, sondern ein anderes Leben führt. Ich glaube, dass geistig doch durchaus das vorhanden ist, heute noch, heute sogar noch mehr als frijheg was mir einmal in Berlin krass auch sinnlich-physisch entgegentrat, als man in früheren Jahren, wo diese Dinge noch wenig Bedeutung hatten, von der Möglichkeit einer kleinen Revolution sprach. Da haben sich im Berliner Westen einige Familien dazu veranlasst gefühlt, ihre Fensterläden einen ganzen Tag herunterzulassen und das Haus zuzuschließen. Das zugeschlossene Haus, das ist heute dasjenige, was im Grunde genommen die führenden Klassen einzig und allein in der sozialen Bewegung besorgen. Es ist heute durchaus noch so. Heute in diesem kleinen Kreise dürfen wir uns darüber keiner Illusion hingeben. Denn wir müssen, wir müssen als diese besondere Bewegung, wir müssen das Schlagen dieser Brücke als unsere besondere Aufgabe betrachten. Und wir dürfen uns über unseren eigenen Weg absolut keiner Illusion hingeben. Wir dürfen uns vor allen Dingen einer Illusion nicht hingeben - ich halte sie ausdrücklich für die allerernsteste -, derjenigen, dass wir uns Zeit lassen können. Wir haben nicht viel Zeit! Denn derjenige, der die Dinge nicht abstrakt, sondern im Konkreten betrachtet, der weiß, dass wir für unsere Bewegung die allerhöchste Eile haben. Und dafür ist auch wiederum eine solche Betriebsversammlung außerordentlich charakteristisch. Was glauben Sie denn: Je mehr Betriebe wir uns für den «Kommenden Tag» angliedern, eine desto größere Arbeitergefolgschaft bekommen wir auch eben im Gefolge des «Kommenden Tages», und die fragen von ihrem Gesichtspunkt aus - mag die Frage nun in einem alten Ladenhüter oder in Sonstigem bestehen -, die fragen von ihrem Gesichtspunkte aus: Was will denn der «Kommende Tag»? - Wenn wir uns hier bloß auf unsere kurulischen Stühle setzen und uns Zeit lassen mit der  ganzen Dreigliederungsbewegung, dann wächst uns in unsere eigene Bewegung das Proletariat so herein, dass wir gar keine Möglichkeit haben, mit ihm auszukommen, keine Möglichkeit haben, noch zu irgendeinem Verständnis zu kommen. Sondern dann kommen wir einfach zu dem, was ich Ihnen krass damit bezeichnen will, dass die Leute sagen werden: Mag der «Kommende Tag» auch betonen, seine Aufsichtsratsmitglieder bezOgen keine Tantiemen, keine Gewinne, besser für die Arbeiter wird es auch nicht. - Wenn wir uns Zeit lassen, wenn wir nicht heute verstehen, dass wir keine Zeit haben, sondern dass wir so eilig wie möglich zu handeln haben, ist unsere Bewegung ganz vergeblich. Wir dürfen das nicht außer Acht lassen. Durch alles, was wir Neues machen gerade von solcher An, legen wir uns eine neue Verpflichtung in der ernstesten Weise auf, schnell zu handeln. Denn die Brücke wird auf keine andere An geschlagen als dadurch, dass wir diejenigen Menschen, die wir aus allen Klassen der Bevölkerung brauchen, so schnell wie möglich für unsere Ideen gewinnen. Meine lieben Freunde! Lernen Sie es einmal, durch die Bank abzusehen von aller Kompromisslerei. Wir haben früher keine guten Erfahrungen gemacht mit den Kompromissen, die angesponnen werden sollten; wir würden in der Zukunft durch alle Kompromisslerei nur Zeit verlieren. Es ist notwendig, dass wir dasjenige, was wir zu sagen haben, mit einer solchen Strenge in der Welt vertreten, wie ich es gestern in Bezug auf den Grafen Keyserling getan habe im öffentlichen Vortrag. Wenn wir hören wollten auf diejenigen Stimmen, die uns da sagen, es wären solche über Anthroposophie wohlwollend urteilende Leute wie Graf Hermann Keyserling doch zu gewinnen, man könnte ihn gewinnen, dann bedeutet das, dass wir uns selbst aufgeben würden heute; heute ist die Sache schon so weit, dass wir uns selbst aufgeben würden. Andererseits zeigt Ihnen gerade dasjenige, was wir in Stuttgart erleben, dass unsere Ideen Tragkraft haben, schon viele Leute heranzuziehen. Wir müssen es nur verstehen, unsere ganze Persönlichkeit wirklich einzusetzen, denn wir dürfen nicht diejenigen Menschen, die sich zusammenfinden, wiederum einfach auseinanderlaufen lassen, sondern wir müssen die Men schen zusammenhalten. Und wir können keine anderen Menschen in unserer Gesellschaft brauchen, alle diejenigen, die so sympathisch tun, und immer sagen: Da ist der und der, wir wollen sehen, ihn zu gewinnen. - Das ist ja die Politik, die vielfach bei uns getrieben wird, die uns schon schädlich war, und eigentlich nicht fortgeführt werden darf. Jetzt sind wir in einem wichtigen Zeitpunkt, und wir dürfen keine Kompromisslerei treiben, sondern wir müssen auf dem Standpunkte stehen, den ich Öfter in unserer Dreigliederungszeitung ausgesprochen habe: einfach unsere Ideen in möglichst viele Köpfe hineinzubringen, ganz unabhängig davon, wer die Leute sind; wenn sie kommen wollen, nehmen wir sie auf. Wir können uns auf keine Kompromisse einlassen. Wir lehnen einfach alles dasjenige ab, was die Leute hereinbringen wollen. Wir haben ja, als der Bund für Dreigliederung hier begonnen wurde - die Zusammenhänge habe ich öfters erklärt -, damit begonnen, unter das Proletariat zu gehen, haben im Grunde genommen zunächst auch wirklich ganz bemerkbare Erfolge gehabt. Wir haben dann aus diesen Bestrebungen heraus die Betriebsrätefrage ins Laufen zu bringen versucht, und wir mussten gewissermaßen die Betriebsrätefrage im Sand verlaufen lassen. Nun will ich den Verlauf gerade dieser Bestrebungen nicht besonders kritisieren, das würde heute zu weit führen. Diese Dinge werden ja vielleicht zur Charakteristik der Notwendigkeit immerhin in der nächsten Zeit noch von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden müssen, aber ich will nur erwähnen, dass es aus inneren Gründen heraus im eminentesten Sinne schädigend für uns ist, wenn wir eine Bewegung, eine Bestrebung aufnehmen und sie wiederum im Sande verlaufen lassen. Die Zeitverhältnisse können uns da oder dort dazu nötigen, dann müssen wir aber sicher sein, dass eben die Zeitumstände uns genötigt haben. Aber wir selbst, wir müssen alles tun, damit eine Bewegung, die durch uns entfacht ist, nicht im Sande verläuft. Aber wie gesagt, ich gebe niemand die Schuld, ich kritisiere nichts, ich mache nur darauf aufmerksam, dass wir die Kulturratsbewegung begonnen haben und im Sande haben verlaufen lassen. Ich mache darauf aufmerksam, dass wir genötigt waren, in die Wege zu leiten eine Sache - mag sie so oder so ausgehen - zur Sammlung von Sympathie Kundgebungen - sie ist im Sande verlaufen. Mit ziemlich starken Worten ist betont worden, man müsse die Dreigliederungszeitung so schnell wie möglich in eine Tageszeitung verwandeln - es ist die Bewegung als solche bisher im Sande verlaufen. Solange wir nicht das Gefühl haben, dass, wenn wir etwas tun, dieses, was wir tun, unbedingt Folge haben muss, verfolgt werden muss, solange wir nicht das Gefühl haben, wir dürfen nichts liegen lassen, wir müssen alles so schnell wie mÖglich vorwärtsbringen, wird trotzdem unsere ganze Bewegung im Sande verlaufen. Das müssen wir uns mit aller Klarheit vor Augen halten. Heute stehen wir durchaus vor der Notwendigkeit, vor allen Dingen in den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus eine neue Initiative hereinzubringen. Der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus muss von sich aus dasjenige bewirken, was die vorhin genannte Brücke schlägt. Dazu muss er tatsächlich in diesem Sinne die moderne Diplomatie vorstellen, von der ich bei der Einführung des Herrn Kühne gesprochen habe. Heute ist es ziemlich fruchtlos, von allen möglichen utopistischen Ideen zu sprechen, wie es in der Zukunft sein müsse auf diesem oder jenem Gebiet, wie man Assoziationen gestalten soll und dergleichen. Gewiss, über diese Dinge kann auch gesprochen werden, sie sind aber nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist heute, die realen Begebenheiten des Tages anzufassen, sich mit diesen realen Begebenheiten des Tages zu befassen. Wir haben es ja nicht zu tun damit, viele solche Dinge einzurichten, wie der «Kommende Tag» ist. Wenn wir ein solches Ding einzurichten haben, werden wir schon wissen, wie wir es aus den Verhältnissen heraus einrichten sollen. Aber viel daran herumzudozieren, wie ein Geschäft ausschauen soll, wie das Proletariat behandelt werden muss und dergleichen, dazu ist keine Zeit heute. Heute haben wir es zu tun mit den verschiedensten Bestrebungen. Sie sind real da. Wir haben es zu tun mit den Bestrebungen zum Beispiel derjenigen Arbeiterschaft, welche durchaus auf der Seite steht, welche man in Deutschland nennt die Mehrheitssozialisten, wir haben es mit allen möglichen anderen Schattierungen zu tun. Aus diesen Schattierungen heraus entstehen die heutigen Verhältnisse des Öffentlichen Lebens.  Dies auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen die Bestrebungen des öffentlichen Lebens und denjenigen Strömungen, die zum Beispiel durch das Ideal von Stinnes charakterisiert werden. Er hat es ausgesprochen, von vielen gehört wurde es, was er tut, in aller Freiheit tut, und sie können die Tätigkeit Stinnes' auf vielen Gebieten verfolgen. Das ist nichts irgendwie Vertracktes von seinem Gesichtspunkt aus, sondern etwas sehr klar Durchdachtes und etwas von ihm auch klar Definiertes. Stinnes will Verhältnisse herbeiführen, durch welche die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands einstmals kniefällig vor seinen Toren rutschen und um Arbeit bitten wird. Er will die Verhältnisse vertrusten. Er will solche Zusammenhänge hervorrufen, durch welche das Proletariat genötigt ist - sei es durch grandiose Riesenaussperrungen und dergleichen, die vorangehen werden -, die Verhältnisse dringen durch, durch welche das Proletariat um jeden Preis um Arbeit bitten muss. Das ist das von Stinnes ausgesprochene Ideal, dasjenige, was er bewusst von Tag zu Tag durchführt. Andere sind nicht so geniale Menschen wie Stinnes, aber sie führen ähnliche Dinge durch, und sie wissen, was sie wollen. Innerhalb dessen, was geschieht, müssen wir uns bewegen. Wir müssen die Verhältnisse anschauen. Ich werde demnächst, wenn nicht für die allernächste, so doch für die zweitnächste Nummer der Dreigliederungszeitung einen kurzen Artikel liefern, in dem ich zeigen werde, wie charakteristisch ist für die internationalen sozialen Verhältnisse, welche Natur angenommen haben die Erste Internationale, die Zweite Internationale und die Dritte Internationale. Diese Erste, Zweite und Dritte Internationale der Arbeiterschaft zu studieren ist für die Beurteilung desjenigen, was heute im Proletariat rumort, im höchsten Maße bedeutsam. Das sind die Realitäten der Gegenwart. Es ist interessant, und ich werde nachweisen, dass sich die Erste, Zweite und Dritte Internationale so zueinander verhalten, wie wenn die Erste Internationale, in der sich die [Anhänger von Bakunin] von Marx getrennt haben, noch etwas gefärbt gewesen wäre vom geistigen Wesen, die Zweite war lediglich politisch-parlamentarische Arbeit, und die Dritte ist lediglich wirtschaftliche Arbeit, mit Hinauswerfung alles Parlamentarischen und alles Geistigen. Sodass  man geradezu studieren kann an dem Fortschreiten vom Geistigen zum Parlamentarischen, zum Anlangen beim bloß wirtschaftlichen Denken, indem man die Erste, die Zweite und die Dritte Internationale studiert. Aber meine lieben Freunde, dasjenige, was ich da schildere, das lebt ja in dem, was heute geschieht, und man kann doch nicht in die Welt hineinsprechen wie in eine Wand, sondern man muss so sprechen, dass man weiß, was da eigentlich lebt. Man muss den Leuten dasjenige erzählen, was an sie «anschliigtm Man darf nicht von dem reden, von dem man vor zehn oder vor zwei Jahren geredet hat. Man muss zum Beispiel reden, wenn man von der Unwirklichkeit redet, von so etwas wie dem englischen Bergarbeiterstreik, und muss darauf aufmerksam machen, wie an dem Verhalten dort sich zeigt, wie an hervorragendster Stelle einmal so unwirklich gedacht worden ist, dass man einen Riesenstreik beilegen wollte, indem man einfach vorläufig ihn unterdrückt und die Keime zu fortdauernden, sich periodisch wiederholenden, neuen Streiks legt. Das kann man heute schon nachweisen aus dem seitherigen Verlauf. Heute handelt es sich nicht darum, Utopien darüber auszudenken, wie es in einem fertigen dreigegliederten sozialen Organismus beschaffen sein soll. Davon sprechen auch die «Kernpunkte der sozialen Frage» nicht, und wo es geschieht, nur beispielsweise. Wir müssen uns heute tatsächlich mit den konkretesten Realitäten ganz genau bekannt machen, und wir müssen lernen, zu den Menschen so zu sprechen, dass wir sie treffen. Aber, meine lieben Freunde, das können wir nur, wenn wir nicht Vereinzelte sind, wenn in demjenigen Rahmen, in dem es mir selbst heute noch möglich ist - ich kann ja eigentlich nur an wenigen Orten sprechen -, wenn Herr Kühne und Herr Dr. Wachsmuth sprechen werden, dann ist das zu wenig, ganz und gar zu wenig! Dasjenige, worauf es ankommt, das ist, unsere neue Initiative vor allen Dingen dahin zu entwickeln, dass wir ein ganzes Korps von Sprechern vor die Welt hinstellen können, denn wenn wir nicht ein Korps von Sprechern haben, werden die wenigen auch aufgefressen, das heißt ihre Tätigkeit nützt nichts. Heute liegen die Verhältnisse so, dass die wenigen Redner aufgefressen werden,  wenn nicht ein Korps von Rednern da ist. Wir müssen durch unsere Reden es dahin bringen, dass im Krisenfälle in den Köpfen auch zum Beispiel des Proletariats und auch des Bürgertums schon Gedanken darinnen leben, die einfach dahin gehen, dass man selbst über so etwas hinwegkommen könnte, was sich ergeben könnte, sagen wir, wenn wir jetzt den del Monte'schen Betrieb haben, den Unger'schen Betrieb haben, dass es eines Tages so läge, dass [die] von den Arbeitern ja oftmals heute einzig und allein verstandenen materiellen Verbesserungen den Leuten nicht gegeben werden könnten. Wir müssen es dahin bringen, dass dann die Leute, die bei uns sind, sagen: Was die uns gesagt haben, das leuchtet uns so ein, dass wir lieber mit ihnen gehen als mit den proletarischen Führern. - Wenn wir es nicht dahin bringen, uns so weit zu verständigen, so weit die Sprache [der Arbeiter] sprechen zu können, dass wir uns [mit ihnen] verständigen können, dann ist unsere Arbeit zunächst vergeblich. Wir müssen es dahin bringen können - es geht nicht anders, als dass wir ein Geisteskörper werden. Denn es nützt nichts, wenn wir vereinzelt sporadisch unsere Angelegenheiten vertreten. Im Großen müssen wir wirken. Es hängt alles daran, dass in verhältnismäßig kürzester Zeit eine große Anhängerschaft, eine an Menschenzahl große Anhängerschaft gewonnen wird. Und wir müssen sie auch halten. Wir müssen sie nicht wiederum auseinanderlaufen lassen. Zum Beispiel dürfen wir nicht vergessen, eine Lehre zu ziehen aus einer solchen Tatsache, dass unsere Dreigliederungszeitung vor vielen Monaten genau dieselben 3000 Leser hatte, die sie heute noch immer hat. Es ist die Aufgabe des Dreigliederungsbundes, dafür zu sorgen, dass es eine solche Tatsache überhaupt nicht gibt. Wir müssen diese Aufgabe ernst nehmen. Dazu müssen wir uns aber ganz besonders hüten davog in irgendwelchen Dingen aufzugehen, die noch von gestern sind. Wir müssen hinein uns stürzen ins ganze gegenwärtige Leben und unmittelbar aus der Gegenwart heraus wirken. Wir dürfen uns heute nicht den Luxus eines Theoretisierens erlauben, das allgemeingültig sein will. Wir müssen uns klar sein darüber, dass dasjenige, was wir heute mit vollem Werte sagen, morgen schon nicht mehr wahr sein kann, wenn wir nicht arbeiten.  Was müssen wir denn heute tun? Eine solche Betriebsversammlung, wie die ist, in der wir gerade waren - selbstverständlich müssen wir da etwas sagen, wir können nicht Phrasen reden, was sich bewahrheiten soll. Es wird sich aber nicht bewahrheiten lassen, wenn wir nicht so arbeiten, dass wir als geschlossener Körper dastehen. Es liegt an uns, nicht nur etwas zu sagen, denn damit, dass wir eine Wahrheit aussprechen, ist sie noch keine Wahrheit, sondern eine Wahrheit von solcher Art wie diejenige, die im sozialen Leben gesagt wird, die ist erst dann eine Wahrheig wenn man hinterher auch tun kann, was gesprochen wird. Die Wahrheit fordert jetzt Taten. Sie ist nicht - auf dem Gebiete des Willens liegend - eine Wahrheit von solcher Art wie die naturwissenschaftlichen Wahrheiten; sie kann heute Wahrheit sein und in acht Wochen eine Lüge sein, wenn man nicht imstande ist, sie zur Wahrheit zu machen. Wenn man dieses innere Leben des sozialen Geschehens nicht ins Auge fasst, kann das nicht geschehen, was durch die Dreigliederung des sozialen Organismus unbedingt geschehen muss. Durch den Verlag ragt unmittelbar das geistige Leben wiederum in den Wirtschaftsorganismus des «Kommenden Täges» hinein. Und so verquickt sich bei uns alles. So ist es eigentlich notwendig, dass dasjenige, was hier in Stuttgart wirkt und dann hinausgeht, im Grunde genommen als eine große Einheit angesehen wird, und dass wir uns in keiner Weise zersplittern, sondern alles in unser Interesse einfassen. Vor allen Dingen möchte ich auf eines aufmerksam machen: Dasjenige, was hier in Stuttgart aus bestem Willen heraus inauguriert worden ist, konnte von Anfang an nicht so getrieben werden, dass es draußen in der Welt in entsprechender Weise verstanden werden konnte. Statt dass wir draußen in der Welt diejenigen Proletarier, zu denen wir die Möglichkeit gehabt haben zu sprechen, immer geführt hätten - was uns durchaus notwendig gewesen wäre -, haben schon die Ortsgruppen [des Bundes] durchaus es oftmals für ihre Aufgabe gehalten, solche Dinge zu entrieren, die dazu geführt haben, dass unsere Ortsgruppen mehr oder weniger zeitweilig - später wurde es wieder zurückgezogen - «zerzaust» in den proletarischen Körper schaften aufgegangen sind. Das müssen wir uns abgewöhnen. Wir können nur eine ganz neue Bewegung fruchtbar gestalten, wenn es uns unmöglich ist, mit irgendetwas einen Kompromiss zu schließen. Wenn wir unter Proletariern geredet haben, war das nur so gemeint, dass wir unter Proletariern redend die Proletarier für uns gewinnen wollen. Ich habe das dadurch angedeutet, dass ich im Grunde genommen keinen einzigen Kompromiss geschlossen habe unter Proletariern, auch in der Zeit nicht, als sie uns zugelaufen sind. Und die Fehler, die gemacht worden sind, sind auch da aus dem hervorgegangen, was an Kompromisslerei auch unter uns getrieben worden ist. Ich habe Ihnen eigentlich am meisten gesprochen von dem, was ich immer denke, dass [es] für die Dreigliederung im Allgemeinen zu geschehen hat. Ich habe auf Punkte hingewiesen, die in irgendeiner Form wiederum aufgenommen werden müssen. Die ganze Bewegung der Dreigliederung muss in einer so intensiven Weise in die Hand genommen werden, dass wir in der kürzesten Zeit aus der Zeitung eine Tageszeitung machen können. Die Bewegung der Dreigliederung muss so intensiv gefördert werden, dass eine Anzahl - ich habe oftmals gesagt fünfzig - Agitatoren ausgebildet werden, ganz im Konkreten mit jenem Wissen ausgestattet werden, das man heute braucht, um nicht Parteiphrasen oder politische Phrasen unters Volk zu bringen, sondern von der Wirklichkeit zu sprechen. Dann kann man die Gegnerschaft aushalten, wenn dies alles entwickelt werden kann. Dasjenige, was von Wirklichkeit gesättigt ist, wirkt doch, wenn es auch zunächst missverstanden wird. Bei uns kommt es nur darauf an, zu wissen: Irgendetwas ist wirksam. Auf den Erfolg, den unmittelbaren Erfolg kommt es nicht an. Aber wir müssen tun, was notwendig ist. Und dann ist es doch notwendig, dass wir vor allen Dingen uns selbst mit der kleinsten konkreten - denn das Kleinste ist manchmal der Keim eines Größten - politischen oder wirtschaftlichen Bewegung in jeder Klasse heute bekannt machen. Wir müssen uns bekannt machen mit den Zielen, die heute wirken. Und die Ziele wirken heute in einer ungeheuer großen Anzahl [von Menschen]. Man muss überall beachten unsere Auseinandersetzungen, sodass allmählich  ein Urteil ausgestreut, ausgestrahlt wird von unserer Bewegung, das dahin führt, dass sich jeder Kommunist oder wer auch [immer] sagt: Die Dreigliederung denkt über die Sache so und so, das und das sagen die Leute von der Dreigliederung dazu. - Aber das muss wirksam vertreten werden vor der Welt, dass es gehört wird. Das sind die Grundbedingungen unserer Gesellschaft, und wir müssen tatsächlich auf etwas hinweisen können, was in der Richtung liegt, die sichtbar macht dasjenige, was wir zum Beispiel mit so etwas wie dem «Kommenden Tag» wollen. Wir brauchen so rasch wie möglich wissenschaftliche Institute, und wir müssen begreiflich machen, wie diese wissenschaftlichen Institute oder künstlerischen Institute zusammenhängen mit der ganzen sozialen Bewegung. Ohne dass wir angliedern an unseren «Kommenden Täg» wissenschaftliche und künstlerische Institute, deren Inhalt wir den breitesten Kreisen der Menschheit verständlich machen können, ohne das kommen wir nicht weiter. Wir müssen doch etwas hineinfüllen in die Köpfe auch der Proletarier, damit das, was drinnen ist, sie abhält, dass sie nur so zu uns reden wie heute. Selbstverständlich kann man sich mit ihnen auseinandersetzen. Warum hat man denn zur Zeit der Ersten Internationale selbst die Programme des Proletariats anders aufgestellt? Weil es noch gemeinsame Ideen gab, die alle Klassen der Menschen hatten. Diese Ideen sind heute längst zur Phrase geworden, so wie die deutsche Verfassung eine Phrase war. Sie hatte das allgemeine, geheime gleiche Wahlrecht; die deutsche Wirklichkeit war: Der einzige Mensch, der etwas zu sagen hatte, war Bismarck. So weit war dasjenige, was Idee war, von der Wirklichkeit entfernt. Und so ist es im Grunde genommen auch heute noch. Versuchen Sie zu studieren, welches die Wirklichkeit war, die ausgekocht wurde, als in Deutschland die Revolution ausbrach. Versuchen Sie das mit den Ideen, die dazumal geherrscht haben, zu vergleichen, und Sie werden sehen, dass es im November 1918 nicht anders war. Und heute ist es noch schlimmer in Bezug auf die allgemeinen Ideen, die wirken sollen. Wir müssen uns klar sein darüber, dass die alten Ideen verbraucht sind und dass wir gar keine Kompromisse mit den Trägern der alten  Ideen eingehen können, bevor die Leute zu uns kommen. Man muss selbstverständlich seine Pflicht tun, muss, wenn sich die Gelegenheit ergibt; selbst wenn solch ein Mann wie der Außenminister Simons, der ja selber betont, dass er nur mit Unwillen auf seinem Stuhle sitzt, der immer davon spricht, dass er möglichst bald erlöst werden will, selbst bei einer solchen Persönlichkeit, die die Aufgabe der Zeit missversteht, wenn so etwas vorkommt, wie es bei Simons vorgekommen ist, muss man seine Pflicht tun. Aber man darf sich keine Illusionen machen. Es ist wichtiger, dass man in einem solchen Falle sagen kann, man hat seine Pflicht getan, als dass man sagen muss, man hat sich Hoffnungen hingegeben. Man muss vieles tun, gegenüber dem man sich keiner Hoffnung hingeben darf, weil aus den Dingen heute etwas ganz anderes entsteht als das, was man unmittelbar daran tun kann. Man muss seine Pflicht tun bei solchen Gelegenheiten. Bei uns handelt es sich darum, dass wir die Augen aufmachen, dass wir erwachen am Morgen mit dem, was der Tag bringt, nicht mit dem, was wir gestern gedacht haben. Und nicht wahr, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich so frisch und frei von der Leber weg gesprochen habe, aber es ist dasjenige, was Herr BenkendOrfer und ich in den letzten Tagen wiederholt durchgesprochen haben. Und es sollte nur etwas Außerordentliches charakterisieren, dass Herr BenkendOrfer es notwendig hat, da er nun wirklich - das kann Ihnen versichert werden - mit allem guten Willen, mit einer großen Umsicht, mit einer außerordentlichen Geschäftstüchtigkeit, mit voller Hingabe an die anthroposophische und die sonstige Sache sein Amt antritt, dass er es aber notwendig hat, dass er von allen unterstützt werde. Von der Anthroposophischen Gesellschaft, vom Bund für Dreigliederung, von der Waldorfschule, von allem, was für uns in Betracht kommt, muss derjenige, der hier so verantwortlich steht, wie Herr BenkendOrfer verantwortlich stehen wird, unterstützt werden; sonst kann er wirken wie ein Engel, und er erreicht nichts. Wenn wir gewisse Disharmonien, wie sie bisher bestanden haben, weiterwirken lassen, dann wird auch Herr BenkendOrfer hier keine Wunder wirken können. Dann wird dasjenige, was sich so vielfach zeigt in unserer Bewegung, was aber ausgerottet  werden muss, voll ergreifen unsere Bewegung, dann wird sie weiter verfaulen. Dasjenige, was notwendig ist, das ist, dass wir uns gerade im gegenwärtigen Zeitpunkte darauf besinnen, jeder Einzelne für sich, dass wir Herrn BenkendOrfer auf das allertatkräftigste unterstützen. Umsicht muss hier walten und Verantwortlichkeitsgefiihl. Aber verbunden damit muss wirken gegenseitiges, sich verständnisvoll auslebendes Verhältnis, Zusammenwirken. Jeder muss in der heute so schwierigen Zeit, für uns insbesondere schwierigen Zeit, tatsächlich sein Bestes entgegenbringen, wenn eben eine Persönlichkeit, der es so schwer geworden ist, sich zu entschließen, aus den heutigen Verhältnissen heraus diesen Posten zu übernehmen, wenn eine solche Persönlichkeit zuletzt doch diesen Posten übernommen hat. Ich weiß, wie es ihm schwer geworden ist. Er hat es getan lediglich aus der Erkenntnis, dass unsere Sache eine notwendige ist. Diese Erkenntnis, dass unsere Sache eine notwendige ist, die ragte bei ihm turmhoch über das andere hinweg, über den Glauben, dass es aus den Verhältnissen heraus auch gelingen könne. Denn dieser Glaube war zunächst nicht sehr stark, dass es aus den Stuttgarter und sonstigen Verhältnissen heraus gelingen könnte. Aber zuletzt kam doch die Erkenntnis der Notwendigkeit, und das besagt sehr viel. Und aus dieser Erkenntnis der Notwendigkeit unserer ganzen Sache für die Gegenwart, aus dieser Erkenntnis heraus hat Herr BenkendOrfer in sich selber alle Bedenken besiegt und wird unter den Modalitäten die Generaldirektion des «Kommenden Tages» leiten, die ich vor allen Dingen, als auf die Initiative des Herrn Molt Herr BenkendOrfer gebeten wurde, den Posten zu übernehmen unter den Modalitäten, die ich sofort als die absolut notwendigen ausgesprochen habe, und die ich zusammenfassen kann in die Worte: Der Generaldirektor hat die absolute, volle Verantwortlichkeit für dasjenige, was im «Kommenden Tag» geschieht, übernommen. Es ist die Aufgabe des Aufsichtsrates, dasjenige, was im «Kommenden Tag» geschieht, nach außen hin, zunächst nach der Anthroposophischen Gesellschaft und nach der sonstigen Außenwelt hin, zu vertreten. Dasjenige aber, was offizielle Angelegenheiten des «Kommenden Täges» sind, das ist nicht  möglich, so wie die Dinge liegen, dass es anders geordnet werde, als dass hier ein Generaldirektor steht, der mit seiner ganzen Person die volle, schwere Verantwortlichkeit trägt, weil er sie tragen will, weil er die Notwendigkeit dieses Tragens erkennt. In diesem Sinne werde ich selbst als Vorsitzender des Aufsichtsrates Herrn BenkendOrfer stets gegenüberstehen. Ich werde niemals ermangeln, dasjenige, was für irgendeinen Zweig unserer Bewegung notwendig ist, aus meiner Initiative heraus zu erdenken, zu suchen die Gelegenheiten, welche sich ergeben können, das oder jenes zu tun, aber ich werde niemals etwas wirklich irgendwie tun, ohne es zuvor mit allen Einzelheiten, insofern es werden soll offizielle Angelegenheit des «Kommenden Täges», mit Herrn BenkendOrfer durchzusprechen. Damit gebe ich von meiner Seite Ihnen die Richtung an, die jede einzelne Angelegenheit nehmen muss. Jedes Einzelnen Initiative kann nicht gelähmt werden, sondern erst recht entfaltet werden, wenn wir uns bewusst bleiben, dass der, der mit voller Verantwortlichkeit an dem Posten steht als Generaldirektor, unter allen Umständen darauf rechnen kann, dass wir auch mit dieser Verantwortung rechnen, dass wir keine Schwierigkeiten mit Teil- oder sonstigen Aktionen ihm bereiten, sondern in unverhohlenster Weise das, was wir aus eigener Initiative herausfinden, gewissermaßen auf seine Verantwortlichkeit aufrichtig abladen. Das muss die Richtung werden, denn das ist die Modalität, unter der ich selber Herrn BenkendOrfer gebeten habe, einzugehen auf den Vorschlag, den unser lieber Freund, der Kurator des Bundes für Dreigliederung, Vizepräsident des Aufsichtsrates des «Kommenden Tages», Protektor der Freien Waldorfschule, Herr Emil Molt, gemacht hat. Aus der Initiative des Herrn Molt ist der Vorschlag hervorgegangen. Nachdem Herr BenkendOrfer überhaupt auf diesen Vorschlag des Herrn Molt zunächst nur einging, um darüber zu sprechen, war die erste Modalität diese: Aber es darf in der Zukunft nicht anders sein, als dass dieser Generaldirektor die volle Verantwortlichkeit übernimmt und dass er diese Verantwortlichkeit durch die besondere Bewährung alles desjenigen, was im Bereiche all unserer Einzelunternehmungen liegt, dass er diese Verantwortlichkeit auch  tragen kann. Ich bitte, das Letztere ganz besonders zu überlegen, denn auch ohne das kommen wir nicht vorwärts. Ich selber bin persönlich Herrn BenkendOrfer auf das allerintensivste dankbar, dass er mir versprochen hat, dass er gerade in diesem Sinne die Verantwortung übernehmen will. Und ich hoffe, dass es möglich ist, dass er diese Verantwortung tragen kann dadurch, dass diese besonderen Verhältnisse in der richtigen Weise verstanden werden in den weitesten Kreisen unserer anthroposophischen Bewegung, des Bundes für Dreigliederung, der Freien Waldorfschule und alles dessen, was sich sonst anschließt, dass er die Verantwortung tragen kann. Das war es, was ich Ihnen als Vorsitzender des Aufsichtsrats sagen wollte in dieser wichtigen Stunde der Einführung des neuen Generaldirektors. Ich begrüße unseren lieben Freund BenkendOrfer als Generaldirektor des «Kommenden TagesM  ORIENTIERUNGSVORTRAG ÜBER DREIGLIEDERUNGS- UND «FUTURUM»PROPAGANDA I Dornach, 27. Dezember 1920 Der Zweck der Besprechung ist die Verständigung über die Aufgaben, die man sich in der «Futurum AG» stellt und die sich die Herren selber stellen. Zugrunde liegt allem, was in äußerer sozialer Beziehung gemacht wird, die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus. Diese Idee ist keine Utopie, sie ist die praktischste Idee, die man in das Leben hineinwerfen kann, aber sie begreift das ganze Leben, und die ersten Vorbedingungen für das, was durch die Dreigliederung zu erreichen ist, ist, dass die in möglichst vielen Menschenköpfen Platz greifen muss. Vor dem Kriege mit der Dreigliederung hervorzutreten wäre eigentlich eine Unmöglichkeit gewesen; die Menschen dachten, es könne alles so weitergehen, wie es bisher ging. Das Ganze würde als Phantasterei angesehen worden sein. Während des Krieges treten dann auf die wirklich utopischen Ideen von Wilson, mit denen ein Mensch, der im Wirtschaftsleben wirklich drinnensteht, nichts machen konnte. Die Dreigliederung wurde während des Krieges besonders an Menschen Mitteleuropas herangebracht nach dem Bekanntwerden der Wilson'schen Ideen. Damals hatte man eigentlich nur ein Ohr für Sieg oder Niederlage. Soweit der Westen in Betracht kam, war der Krieg durchaus ein Wirtschaftskrieg. Man darf nicht glauben, dass man durch Wirtschaftsregeln im alten Fahrwasser irgendwie dem Wirtschaftsleben aufhelfen kann. Die Dreigliederung hatte während des Krieges einen viel internationaleren Charakter als jetzt. Der Krieg ist dadurch entstanden, dass die großen wirtschaftlichen Fragen nicht von Wirtschaftern, sondern von Politikern entschieden wurden. Die Grundfrage ist die: Wie ist das Wirtschaftsleben loszubekommen von den Eingriffen der Parlamente und der Regierungen? Wir müssen die  Möglichkeit erreichen, die Landesgrenze wirtschaftlich zu überwinden. Es würde sich dann, trotz der Verschiedenheit der Sprachen, das Internationale sofort herausergeben. Während des Krieges hatte man daran denken können, eine solche Idee zu propagieren, unmittelbar als Wirtschaftsversuch. Nach dem Kriege ist die Sache wesentlich schwieriger, denn die Landesgrenzen sind durch die Valutaverhältnisse viel mehr verschlossen als vorher. Ich habe dann versucht, nach Schluss des Krieges zunächst von Stuttgart aus etwas in die Wege zu leiten. In Stuttgart war es so, dass nach der Revolution diese noch ein paarmal aufflackerte und dann versumpfte, nun chronisch, latent ist. Es wäre in Stuttgart gegangen, wenn es nur aus naheliegenden Gründen heraus hätte gehen sollen. Man braucht nämlich für die Propagierung der Dreigliederung wirtschaftlich geschlossene Gebiete. Aber man braucht selbstverständlich auch da die Bevölkerung dazu. In Württemberg ist es verhältnismäßig sehr schnell gegangen mit der Propagierung der Dreigliederung. Das haben zunächst die sozialdemokratischen Führer gehen lassen, aber als wir zu stark wurden, haben sie mit allen möglichen Mitteln gestoppt, sodass es uns unmöglich geworden ist, die Wirtschaftsräte, die aus einer Art konstituierender Versammlung, die aus Wirtschaftern bestehen sollten, herauswachsen sollten, durchzuführen. Wir sind nun gedrängt worden, den «Kommenden Tag» zu gründen. Die Waldorfschule ist eine Sache auf geistigem Gebiete. Hier wäre es unmöglich, eine Waldorfschule zu gründen, in Württemberg aber ging dies. Wir versuchten es mit dem «Kommenden Tag», diese Idee sollte auch in der «Futurum» durchgeführt werden. Nun ist diese eine rein provisorische Sache gegenüber der Dreigliederung, denn man kann die Dreigliederungsidee in so kleinem Rahmen natürlich nicht durchführen. In Stuttgart kann man ganz anders arbeiten. In Stuttgart hatten wir begonnen mit zehn Millionen Mark. Mit diesen zehn Millionen Mark konnten wir eine Anzahl von Betrieben erwerben, die eigentlich gute Betriebe sind. Nun handelt es sich darum, dass so etwas wie der «Kommende Tag» nicht solche Erträgnisse ausbezahlt, wie irgendeine andere Aktiengesellschaft, sondern nur Erträgnisse, die dem jeweiligen Prozentsatz entsprechen. Wenn sich ein Über schuss ergibt, wird er dazu verwendet, langfristig Unternehmungen auf die Weise zu helfen und geistige Institute zu kreieren. In Stuttgart denken wir daran, mehrere wissenschaftliche Institute zu bauen. Im Wirtschaftsleben ist es wichtig, dass man mit Dingen rechnet, die sich erst nach vielen Jahren rentieren können. Alle wirklich großen wirtschaftlichen Dinge sind aus solchen kleinen Dingen hervorgegangen, die vorher Geld aufgezehrt haben. In Deutschland arbeitet man deshalb unter anderen Bedingungen, weil selbst die Industriellen merken, was es heißt, nach der Umwandlung zu stehen, und man kann sagen, dass schon in ganz kurzer Zeit Erfolg da ist. Der «Kommende Tag» kann, wenn er unterstützt wird und richtig geführt wird, ein großes Wirtschaftsunternehmen werden. Wenn es uns gelingt, gewissermaßen vorbildlich zu arbeiten, dann rechne ich auf die Wirkung des Beispiels. Ich glaube nämlich, unsere Ideen werden, sobald man sieht, dass sie praktisch realisiert werden können, sich sehr schnell ins Wirtschaftsleben hineinstellen können. Wenn man das Wirtschaftsleben seit dem Jahre 1810 verfolgt, dann sieht man, dass alle Kalamitäten damit zusammenhängen, dass das Geldwesen emanzipiert worden ist vom eigentlichen Wirtschaftsleben. An die Stelle des produktiven Wirtschaftslebens ist immer mehr das Bankwesen getreten. Wir können aus der wirtschaftlichen Kalamität nicht herauskommen, wenn es so weitergeht. Es handelt sich darum, dass man selbstverständlich das Geldwesen beibehalten muss, dass man die alten Erfahrungsmethoden respektive deren schlimme Seiten überwindet, und das kann man im Kleinen durch die Aufhebung der Trennung vom Banksystem und dem übrigen Wirtschaftsleben. Hier muss, wenn einmal die «Futurum AG» das ist, was sie sein sollte, eine Verwaltung der einzelnen Unternehmungen sein. Die «Kernpunkte» sind im Mai ins Englische übersetzt worden. Diese Ausgabe ist in allen ernst zu nehmenden englischen Zeitungen besprochen worden. Hätte man damals die Sache in England schnell betreiben können, hätten wieder Redner dorthin reisen kÖnnen, dann hätte man etwas machen können. Uns fehlt es hauptsächlich an Menschen. Sie sehen zugleich, dass in England absolut eine Stimmung für eine solche ökonomische Neugründung vorhanden ist.  Das Wichtigste ist für den Augenblick für die «Futurum» die Realisierung der Emission. Wir haben einfach nötig, dass diese sechs Millionen Franken so schnell wie möglich hereinkommen, damit wir nicht ein sogenanntes «Schnackerlunternehmen» bleiben, damit wir vor allen Dingen die Idee der «Futurum AG» verwirklichen können. Dafür ist nötig, das man den Menschen klarmacht: «Wenn ihr Geld habt, dann müsst ihr das Geld fruchtbar machenn Es hat die Welt ruiniert, dass jeder nur entsprechende Zinsen aus seinem Besitz herauswirtschaften wollte. Das bewirkt wirtschaftlich die Interesselosigkeit gegenüber den Konsumenten. Es interessiert den Wirtschafter heute nur der Konkurrent. Das hat der Weltkrieg hervorgerufen. Solange das Wirtschaftsleben darauf gebaut ist, dass man nur die Marktseite sieht, so lange geht es bergab. HÖrt das bloße Geldsystem auf, [so] fängt man sich an zu interessieren für das Wirtschaftsleben, so geht es wieder bergauf. Das heißt, sobald man anfängt, die Banken wieder zusammenzuschieben mit dem übrigen Wirtschaftsleben, so kommt wieder das Interesse für den Bedarf an irgendeinem Artikel, man rechnet wieder mit dem Konsumenten. Wenn einer von uns hinausgeht, so muss er auch wirtschaftliche Erfahrungen machen. Das Wirtschaftsleben kann man eigentlich nicht kennenlernen durch das, was vorliegt, man kann es nur kennenlernen dadurch, dass man sich Einblick zu verschaffen sucht, in die einzelnen Geschäftszweige. Das sind die zwei Hauptaufgaben: die Realisation der Emission und die Sammlung von Erfahrungen. Das Wirtschaftsleben hält heute noch zusammen wie ein Rock, den man eine Zeit lang tragen kann, aber dann verlumpt er, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die Entente-Länder von diesem Verlumpen ergriffen werden, in den Länder Mitteleuropas hat dieses Verlumpen ja schon Platz gegriffen. Es handelt sich darum, dass man gar nicht sagen kann, was will im Einzelnen die «Futurum AG». Treten der Herr X und der Herr Y in die «Futurum AG» ein, so wird die «Futurum AG» eben wollen, was der Herr X und der Herr Y wollen. Rudol/Steiner bittet um Angabe von Fragen.  Hans Haas bittet um Aufschluss über die Verbreitung der anthroposophischen Bewegung in den verschiedenen Ländern. RudolfSteiner: In Deutschland ist die Bewegung ziemlich verbreitet - siehe die 10000000 Mark des Kommenden Tags; man kann das auch am Absatz der Bücher von Herrn Dr. Steiner bemerken -, die Bewegung breitet sich sehr stark aus. In Deutschland ist das Interesse sehr groß, dann kommt Holland. Ich habe die Absicht, nach Holland zu gehen, nach den eigentlichen Entente-Ländern kann ich ja natürlich nicht selbst gehen. Aus Holland ist sehr viel herauszuholen. In England arbeitet seit sehr kurzer Zeit eine kleinere Gruppe von unseren Leuten. Es geht vorläufig langsam, die «Kernpunkte» sind aber doch mit Ernst aufgenommen worden. Man wird dort vieles finden können, was Vorbereitung ist. Ich wäre sehr glücklich, wenn einer oder zwei der Beteiligten hinfahren könnten. In Amerika könnte man viel machen. In Frankreich hängt es von Imponderabilien ab, ob man dort etwas machen kann. Wenn ich aber von Frankreich absehe, in Spanien glaube ich, dass man eventuell etwas machen könnte. Aber ich weiß es nicht genau, wenn ich aber von den romanischen Gebieten absehe, so scheint es mir in der Schweiz am schwierigsten vorwärtszukommen. Die Schweiz leidet nämlich an einem Konservativismus. Die Leute haben hier keinen Willen, auf etwas Neues einzugehen. Der Schweiz sind die sachlichen Dinge gleichgültig, das Wichtigste ist ihr das Geldwesen. Arnold hb frägt, wie die Propagandatätigkeit nach Eigenart der verschiedenen Länder auszuführen wäre. RudolfSteiner erklärt, diese Frage morgen beantworten zu wollen. Herr Padrutt frägt, in welcher Form die leitenden Gesichtspunkte zum Ausdruck kommen müssten, bei den verhältnismäßig kleinen Betrieben der ·Futurum AG·. Rudolf Steiner: Man wird einen gewissen Überblick über die Konsumentenschaft erlangen, wir versuchen also den Konsumentenkreis  erstens zu vergrößern und zweitens zu beherrschen. Wir können im gemeinsamen Konsumentenkreis für alle unsere Unternehmungen sorgen. Es ist durchaus gut, landwirtschaftliche Betriebe auf der einen Seite und Industriebetriebe auf der anderen Seite zu haben. Man kann dann erreichen, dass sich die Nutzeffekte ausgleichen. Gedacht ist eine Reihe von verschiedenen Betrieben, die sich nach dem Assoziationsprinzip in allen Seiten halten. Das Ideal wäre, dass die Herren, wenn sie jetzt hinausgingen und sich umsehen, was für Bedürfnisse vorhanden wären, und danach würde man dann den Ankauf der Betriebe richten. Bis jetzt können wir natürlich noch nicht handeln. Auf eine diesbezügliche Frage von Adolf Padmtt erwidert Rudolf Steiner, dass es keinen Wert habe, sich nur auf eine Industrie zu verlegen. Man hat in der bisherigen Wirtschaft die eigentlichen wirtschaftlichen Gesetze viel zu wenig beobachtet. Eines dieses Gesetzes ist, dass man im Wirtschaftsleben möglichst wenig auf eigene Rechnung arbeiten soll. Siehe Stinnes.  ORIENTIERUNGSVORTRAG ÜBER DREIGLIEDERUNGS- UND «FIjTURUM»PROPAGANDA II Fragenbeantu'ortung Dornach, 28. Dezember 1920 Für die Dreigliederung muss man zunächst Verständnis hervorrufen, was man nur dadurch kann, dass man den Leuten in kürzerer Form die Dreigliederung nahebringt. Es beginnt an manchen Stellen ein Verständnis für ein selbstständiges, vom Staate abgetrenntes Wirtschaftsleben; die Leute haben aber noch Furcht vor dem selbstständigen Geistesleben und man muss ihnen klarmachen, dass das eine ohne das andere nicht existieren kann. Man kann zum Beispiel in Staatsschulen keine praktischen Menschen erziehen, man kann dort nur Staatsbeamte erziehen. Vorbereitungsschulen für das praktische Leben (Handelsschulen, technische Schulen etc.) haben nur Sinn, wenn man dort Lehrer hat, die nur für einige Zeit dort lehren und dann wieder in das praktische Leben hinausgehen, um durch andere Praktiker wieder ersetzt zu werden. Es muss also ein ständiger Wechselverkehr sein. Heute ist die Kalamität vorwiegend im Wirtschaftsleben zum Ausbruch gekommen, und es ist der wunde Punkt, dass man sich seit circa 150 Jahren angewöhnt hat, immer nur an das Wirtschaftsleben zu denken. Diejenigen, die jetzt für die «Futurum AG» tätig sein werden, für die handelt es sich darum, einfach die Dinge die in den Kernpunkten enthalten sind, zu erörtern. Wenn man die Parlamentsberichte durchnimmt, ist in den einzelnen Staaten viel die Rede von der Einführung der Goldwährung. Es ist da sehr viel Kluges und Geistreiches für die Einführung der Goldwährung gesprochen worden. In allen diesen Reden für die Goldwährung findet man einen gemeinsamen Zug: Alle Redner waren der Ansicht, der Freihandel würde durch die Einführung der Goldwährung wesentlich gefÖrdert werden. Das Gegenteil ist dann später der Fall gewesen.  Diejenigen die damals zugunsten der Einführung der Goldwährung sprachen, waren alle sogenannte Praktiker, aber sie standen eben in Wirklichkeit gar nicht im praktischen Leben drinnen. Wir sind eben immer mehr aus dem Wirtschaftsleben herausgekommen. Ist einmal das Wirtschaftsleben selbstständig, dann hindern die Landesgrenzen gar nichts. In Versailles waren wohl wirtschaftliche Experten, aber ihre Stimme war nicht von Belang, weil sie nichts zu sagen wussten. Hans Haas fragt, wie der Mensch im neuen Wirtschaftsleben seine Gier nach Gewinn befriedigen werde. RudolfSteiner: Es ist schon jetzt sehr oft der Fall, dass die Menschen nur Geld wollen, um Macht zu haben. Es kommt also darauf an, dass man ihnen klarmacht, dass - wenn sie wirtschaftliche Einsichten haben -, ihnen ja gar nichts von ihrer Macht entgeht. Das einzig Schwierige ist, dass die Leute Geld für ihre Kinder sammeln und nun nicht wollen, dass dieses Geld an andere übergeht. Man muss diesen dann klarmachen, dass ihnen das Geld in den nächsten zehn Jahren sicher gänzlich weggesteuert wird. Die Frage, die Hans Haas gestellt hat, kommt nach Ansicht von RudolfSteiner nur noch für den Mittelstand in den Betracht. Am Goetheanum ist die Dreigliederung vollkommen durchgeführt bis auf das Rechtsleben, das natürlich fehlt. Am Bau wäre alles erreicht, was überhaupt zu erreichen ist, wenn man noch zuwege bringen könnte, dass die Arbeiter aus der Gewerkschaft austreten würden. Darauf muss überall hingearbeitet werden, dass die Leute aus den Gewerkschaften austreten, obgleich man dies sehr vorsichtig an die Leute heranbringen muss. Arnold hb fragt, ob man als Beantwortung auf diese Frage nicht auch sagen könne, dass im dreigeglicdenen sozialen Organismus der Egoismus der Menschen auch dadurch hintangehalten werde, dass jeder den ändern kontrollieren und jeder durch die ändern kontrolliert werde. Rudolf Steiner erwidert, dass man dies sicher sagen könne; er bemerkt, dass man sich zum Beispiel bei Diskussionen nicht zu sehr  auf ethische Fragen einlassen dürfe. Es handelt sich nicht darum, den Leuten ein Paradies zu versprechen, sondern ihnen klarzumachen, dass alles eben nur mit Zuhilfenahme der Dreigliederung weitergehen kann. Rudolf Steiner sagt, dass eigentlich alles in den Kernpunkten stehe, was man zum Propagieren der Dreigliederung brauche. Am Schwersten ist es, diese Dinge dem heutigen Proletarier beizubringen. Auf eine Frage von Ernst Gimmi, ob cs heute günstig wäre, unter den Proletariern zu propagieren, erwidert RudolfSteiner, dass man alles für alle arrangiert. Für die «Futurum AG» ist es sehr wichtig, den Industriellen klarzumachen, dass sie sich jetzt mit den Proletariern verständigen müssen. Was die Menschen heute an sozialer Frage und Bolschewismus erleben, rührt einfach daher, dass man überall den Menschen außer Acht gelassen hat; es ist nirgends mehr Vertrauen vorhanden. Frage von Eduard Wirz: Welche Kreise sind für die Emission haup[sächlich zu bearbeiten? Rudolf Steiner erwidert, dass man jetzt diejenigen, die einem empfohlen sind, mehr dazu benützen müsse, um an andere heranzukommen für die Schweiz. In Holland wird es notwendig sein, dass man zunächst sich an die Leute wendet, die die Wege weiter ebnen können, da kommt vor allem Herr de Haan in Betracht. In England handelt es sich darum, dass man sich zunächst an Herrn Kaufmann wendet für gewisse Kreise und für andere Kreise muss man mit Hilfe von gewissen Mitgliedern - Drury-Lavin, Collison - arbeiten. Es ist wichtig, dass man lediglich für die «Futurum AG» spricht und sich nicht weiter über das Goetheanum äußert - dies gilt für alle anwesenden Herren, ausgenommen Herrn Gimmi. Hauptsächlich kommt für die Propaganda der Prospekt in Frage. Man wird an die Leute herankommen mit dem Prospekt, indem man ihnen erläuten: Es kommt darauf an, dass man nicht nur große Summen, sondern auch kleine in Empfang nimmt.  Amold hb frägt, ob Rudolf Steiner meine, dass es gut sei, vorläufig nur zwei oder drei Länder zu bearbeiten, worauf Rudolf Steiner erwidert, dass wohl nur fünf Länder in Betracht kommen können. Amold Itb meint, dass dann derjenige Herr, der nach England geht, vielleicht auch acht Tage in Paris bleibe. RudolfSteiner ist auch der Ansicht, dass man in Paris doch immerhin vielleicht vorbereiten könne. Ernst Schiller meint, wie cs wäre, wenn ein Engländer hierher käme, der hier circa vierzehn Tage bearbeitet würde, und der dann mit einem der anwesenden Herren wieder nach England reisen würde, um dort zu arbeiten. Eduard Wirz frägt ob man dann dies ausdehnen könne, insofern jedes Land in sich organisiert würde. Darauf wird erwidert, dass dies, soweit es nötig sei, schon der Fall sei, dadurch dass die Dreigliederungsgruppen und anthroposophischen Gruppen da sind. RudolfSteiner bemerkt, dass man die «Futurum AG» nicht zu sehr dezentralisieren dürfe, es würde ganz falsch sein, etwas anderes als höchstens Filialen im Auslande zu gründen. Eduard Wirz bemerkt, dass die Neuemission von anderen Betrieben immer sehr gut organisiert sei, und dass jetzt die Frage sei, wie man die Emission der ·Futurum AG» am besten durchführe. Rudolf Steiner meint, man müsse damit rechnen, dass die Banken uns nicht entgegenkommen werden. Aber wir müssen schon auch für den Prospekt organisieren. Man könnte die unglaublichsten Wege hierzu finden. Rudolf Steiner meint, man werde zum Beispiel in allen Schweizer Städten jemand finden, der etwas für den Prospekt tun könnte. Arnold hb meint, dass die anwesenden Herren hauptsächlich die Triebfedern sein müssen, die die Leute zum Springen bringen müssen. RudolfSteiner meint, das Büro der Dreigliederung sei die Grundlage für die «Futurum AG», zum Beispiel hat man dort das gesamte Adressenmaterial.  Arnold hb frägt, ob sich die anwesenden Herren wohl am besten auf die verschiedenen Länder verteilen würden. Rudolf Steiner erwidert, dies müsste von den Wünschen der betreffenden Herren abhängen, zunächst seien Schweiz, England, Holland und Amerika wichtig. Ernst Gimmi bemerkt, dass doch eventuell Herr Dürler in Sr. Gallen in Betracht kommen könne. Rudolf Steiner sagt, zunächst müsse alle Aufmerksamkeit auf die Emission gerichtet sein. Eduard Wirz bemerkt, dass er für seine Person gerne England übernommen härte, aber glaube, dort noch nicht genügend eingeführt zu sein, und sich nicht schnell genug einarbeiten zu können, da er keine Beziehungen dort habe. RudolfSteiner meint, Herr Gimmi komme entschieden für England in Betracht, aber er brauche noch einen Genossen. Er bemerkt, dass er doch glaube, dass in England etwas zu machen sei, und zwar würde es im August und September besser gegangen sein, aber es müsse jetzt auch gemacht werden.  DIE STELLUNG GEISTIGER UNTERNEHMUNGEN IN ASSOZIATIONEN DIE STELLUNG DES GOETHEANUM ZUR ·FUTURUM AG» Ausführungen RudolfSteiner anLässlich einer Besprechung Vom Gesichtspunkte der Geschäftsführung der «Fururum AG» aus betrachtet ist das Goetheanum als ein «wirtschaftlich-geistiges» Unternehmen anzusehen, wie sie laut § 2 der Statuten der «Futurum AG» zur Aufnahme in den Unternehmungsbereich vorgesehen sind. (Wirtschaftlich geistige Unternehmen wie Forschungsinstitute, Erziehungsanstalten und so weiter.) Wenn die Finanzkraft der «Futurum AG» es gestatten würde, müssten daher heute, wie es bereits mit dem klinisch-therapeutischen Institut und dem chemischen Laboratorium für Heilmittel geschehen ist, auch das Goetheanum als geistiges Unternehmen in den Geschäftsbereich der «Futurum AG» einbezogen werden. Das Goetheanum wäre dann zu betrachten als ein solches geistiges Unternehmen, in das zuerst ein langfristiges Kapital hineingesteckt wird, dessen Früchte sich erst nach einigen Jahren durch Hervorbringung geistiger Werte einzelner Persönlichkeiten zeigen könnten. Wenn das Goetheanum als geistiges Unternehmen in den Geschäftsbereich der «Futurum AG» nicht einbezogen werden kann, so liegt es ausschließlich an dem praktischen Umstand, dass die «Futurum AG» heute infolge ihres kurzen Bestehens und ihrer verhältnismäßig beschränkten Mittel nicht in der Lage ist, größere Kapitalien langfristig zu investieren.  ANSPRACHE AN DER WEIHNACHTSFEIER IN DER WALDORF ASTORIA ZIGARETTENFABRIK Stuttgart, 5. Januar 1921 /Nacb einer Ansprache Emil Moirs ergreift Rudolf Steiner das Won:/ Rudolf Steiner: Meine sehr verehrten Anwesenden! Zum zweiten Male darf ich heute an diesem Ort zu Ihnen sprechen. Das erste Mal war es ja auf Einladung des Herrn Molt, um zu sprechen über dasjenige, was ich glaubte, damals für notwendig halten zu müssen zum Fortschritt der Menschheit heraus aus den großen Wirren, in die uns menschliche Verirrung mit ihren Konsequenzen, der furchtbaren Weltkriegskatastrophe, hineingeführt hat. Heute soll ich sprechen in Gegenwart des lichterfüllten Weihnachtsbaumes zur Weihnachtsfeier. Aber erwarten Sie von mir nicht, dass ich Ihnen irgendeine der üblichen Weihnachtsreden halte, wie sie ja auch noch in unserer Zeit so vielfach gehört werden können. Ich würde mir, wenn ich das täte, als ein unwahrer Mensch vorkommen, und mich auch dem Glauben hingeben müssen, dass auch schließlich, wenn Sie selber wahr in Ihren Empfindungen sind, Sie nicht aus Ihren Herzen irgendetwas einer solchen salbungsvollen Rede entgegenbringen können. Denn gestehen wir es uns doch nur: Dasjenige, was heute vielfach in Weihnachtsreden ertönt, es kommt einem vor, wie wenn ein seit Jahrhunderten festgehaltenes Beharrungsvermögen, eine Art geistiger Trägheit, Worte festgehalten hätte, welche für längst vergangene Zeiten noch ihre Gültigkeit hatten, die aber heute, gegenüber den Weltverhältnissen, in denen wir drinnenstehen, sich doch so ausnehmen, als ob diejenigen, die sie sprechen, mit offenem Auge nichts sehen würden von demjenigen, was wahrhaft um uns herum vorgeht. Das Weihnachtsfest ist ja heute - man darf es ungeschminkt aussprechen, denke ich - in den Empfindungen der großen Masse der Menschen und auch in den Empfindungen der Wenigen, die man bis vor kurzer Zeit die oberen Zehntausend genannt hat, im Grunde  genommen etwas, was nur Erinnerung zunächst sein sollte, Erinnerung an Gefühle, an innere Kräfte, die einmal lebendig waren in der Menschheit, die allerdings - und davon werden wir sprechen durchaus verdienen, wiederbelebt zu werden, wiederbelebt zu werden in einer neuen Form, die aber heute eben nicht lebendig sind. Wenn das Weihnachtsfest herankommt, dann denken die Menschen von heute - je nachdem sie mehr oder weniger mit Glücksgütern gesegnet sind -, sich mehr oder weniger kostbare Geschenke gegenseitig zu machen. Sie denken dann wohl auch daran, den Weihnachtsbaum anzuzünden und sich in irgendeine Stimmung zu versetzen, von der sie eigentlich nicht recht wissen, was sie ihnen sein soll. So war es allerdings nicht immer. Und ich möchte nur an eine Einzelheit erinnern — man könnte an viele solche Dinge erinnern, aber an diese Einzelheit sei gedacht; sie charakterisiert in einer gewissen Beziehung auch das andere, was in früheren Jahrhunderten mit dem Weihnachtsfest verbunden war. 'Wir können uns da in der Rückschau geradezu wenden auf diejenigen Gegenden, die auch hier um Stuttgart herum sind, die weit hinaufgehen bis Thüringen und Hessen, die hinübergehen nach Baden und dem Elsass und weiter nach Frankreich hinein, die hinuntergehen nach Italien, hinüber nach Bayern und so weiter. Wir können nach dieser Gegend sehen, geschichtlich zurückschauend, und ein merkwürdiges Bild bietet sich uns dar, wenn wir unseren Blick werfen auf die herannahende Weihnachtszeit. In den meisten Ortschaften - da diese Gegend ja damals noch weniger von Städten durchsetzt war, ich spreche vom 14., 15. Jahrhundert - wurde schon vom Oktober an eine Jiinglingsschar gesammelt, und diese Jiinglingsschar sollte Rollen lernen, um Weihnachtsspiele aufzuführen zur Weihefesteszeit. Der Text dieser Weihnachtsspiele war in der Regel handschriftlich vorhanden bei einer besonders bevorzugten Familie der einzelnen Orte; die hielten ihn heilig. Man wusste gar nichL wer ihn gemacht hatte, so weit zurück gingen die Erinnerungen in der Zeit an diese Weihnachtsspiele; aber der Text wurde heilig gehalten. Schon im Oktober sammelte derjenige, welcher im Besitz dieses Textes war und gerade dadurch auch ein be sonderes Ansehen in dem betreffenden Orte haue, die ihm für die Aufführung geeignet erscheinenden Jünglinge. Solche Aufführungen wurden dazumal noch nicht mit Frauen gemacht, sondern nur mit der männlichen Jugend, die auch Frauenrollen, die Rolle der Maria und so weiter, spielte. Also diese Jünglingsschar wurde versammelt und wurde nun eingelernt. Merkwürdige Traditionen haben sich gerade von diesem Einlernen erhalten, und an diesen Traditionen, diesen Überlieferungen kann man gerade sehen, mit welch tiefer Stimmung die Weihnachtszeit durchtränkt wurde, wenn sie sich herannahte. Da gab es zum Beispiel die strenge Vorschrift, dass alle diejenigen, welche mitspielen sollten, die also die lernenden Schüler eines Lehrmeisters waren - es war vorgeschrieben, verzeihen Sie, wenn ich eine so harte Bestimmung doch auch anführe -, dass alle diese in der ganzen Zeit nicht zu ihren Dirndln gehen durften. Wir müssen uns nur in die alten Kulturzustände zurückversetzen, um uns begreiflich zu machen, was eine solche Bestimmung bedeutete, die aber von den Leuten, die als Berufene erachtet wurden, an so etwas teilzunehmen, streng eingehalten wurde. Eine zweite Bestimmung war diese, dass während der ganzen Zeit, in der die Jünglinge das Weihnachtsspiel einstudierten, sie ihrem Lehrmeister strengsten Gehorsam zu leisten hatten. Das war auch so eine Bestimmung, die heute außerordentlich schwer durchzuführen wäre. Wir wenigstens, die wir in der Anthroposophischen Gesellschaft uns jetzt bemühen, diese Spiele wiederum aufzuführen, wir können fast gar nichts von diesen Bestimmungen durchführen, aus dem einfachen Grunde nun, was die erste Bestimmung betrifft, so bezieht sie sich ja auf etwas, was unter Anthroposophen überhaupt nicht vorkommt, und was die zweite Bestimmung betrifft, so würde sie niemals eingehalten werden, denn einen solchen Gehorsam gibt es ja da gar nicht. Die dritte Bestimmung ist wiederum eine, die, wenn wir heute diese Spiele einzuüben haben, gar nicht durchgeführt werden kann in dem anthroposophischen Kreise. Denn die dritte Bestimmung hieß, dass man Strafe zahlen musste, wenn man irgendetwas vergessen hatte und es in der Aufführung falsch sagte. Das könnten wir auch nicht durchführen, denn die Strafe würde niemand bezahlen.  Also ich wollte nur diese einzelnen Bestimmungen anführen, um Ihnen zu zeigen, was dazumal aus der heiligen Stimmung heraus alles möglich war. Nun, etwas können wir auch nicht durchführen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, wo wir an vielen Orten, gerade auch dieses Jahr, zum Beispiel an vielen Orten der Schweiz, die Weihnachtsspiele wiederum aufnahmen, sie wiederum ausgegraben haben, denn sie waren ja im 19. Jahrhundert allmählich in Vergessenheit geraten und wurden nicht mehr aufgeführt. Eines können wir allerdings auch nicht ausführen: Zu dem Lehrmeister, der einstudierte mit der Jiinglingsschar diese Festspiele, gesellte sich, wie es ja auch selbstverständlich war in einer Zeit, in der das Christentum so lebte wie in den Jahrhunderten, von denen ich gesprochen habe, die Geistlichkeit des Ortes. Das können wir natürlich auch nicht erreichen. Dann gesellte sich dazu die Lehrerschaft. Das könnten wig wie sich gezeigt hat, schon leichter erreichen, erreichen es auch d% wo namentlich diese Lehrerschaft aus unseren eigenen Reihen herausgewachsen ist. Nun, alles das stellte ich Ihnen dar, um Ihnen ein Bild zu machen von dem, was herannahte in der Stimmung der einzelnen Orte, wenn die heilige Weihnachtszeit herankam. Denn auf was bereitete man sich eigentlich vor? Man bereitete sich vor nicht auf den Weihnachtsbaum - den gab es damals noch nicht, er ist höchstens 150 Jahre alt, da wurde er zuerst geltend gemacht -; man versammelte sich nicht um den Weihnachtsbaum, sondern man versammelte sich, um in der Stimmung, im inneren Herzenserlebnis zu gedenken desjenigen, was man sich vorstellte mit der Geburt des Christus Jesus. Das war in der Tat eine ganz andere, lebendigere Vorstellung, als sie heute sein kann. Denn die Menschen hatten dazumal ein anderes Bewusstsein von Menschenwürde und Menschendasein. Sie lebten noch ganz anders untereinander, daher war ihnen auch die Weihnachtsverkündigung noch etwas. In dieser Weihnachtsverkündigung, dessen dürfen wir uns heute erinnern, liegt in der Tat ein tiefer demokratischer Zug. Man hat heute kein Recht, von den offiziellen Bekenntnissen aus diesen demokratischen Zug etwa zu betonen. Aber dann, wenn man wahres  Christentum pflegen will, wie es erst wiederum entstehen muss in der Menschheit, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, hat man vielleicht ein Recht, gerade diesen demokratischen Zug zu erwähnen. Eine zweifache Verkündigung lag vor für die Geburt des Christus Jesus. Die eine lag vor für diejenigen, die dazumal gewissermaßen - so können wir sagen - das Proletariat bildeten, für die Hirten auf dem Felde, die aus ihren Herzen heraus fühlten: Eine Zeit ist da, die einer Heilung bedarf. Und aus dieser Stimmung heraus entstand ihnen die Stimmung, die sich ihnen in die Worte goss: Offenbarung des Göttlichen, des Geistigen, in den Höhen, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. - Ein Näherkommen des Menschen an das Geistige, das ist es, was man fühlte. Und in diesem Näherkommen sah man etwas, was der Menschheit aus den Zuständen, die damals da waren und die unerträglich schienen, Erneuerung, Erfrischung, bringen sollte. Aber es ist ja nicht nur diese eine Verkündigung da für diejenigen, die man für die damalige Zeit das Proletariat nennen könnte, für die armen Hirten auf dem Felde. Es ist eine zweite Verkündigung da, diejenige für die Weisen, für die Könige aus dem Morgenlande, also für diejenigen, die an der Spitze der Menschheit dazumal standen, für diejenigen, die das Gegenteil des damaligen Proletariats waren. Wie die Hirten auf dem Felde in ihrer Art die Weihnachtsverkündigung empfingen, so empfingen sie auch die weisen Könige in ihrer An. Aber beide fanden sich zusammen gegenüber demjenigen, was nur sein wollte der Repräsentant des ganzen, allgemeinen Menschlichen. Und ebenso opferten und verehrten diesen Repräsentanten der ganzen Menschheit, des reinen Menschlichen, das keinen menschlichen Unterschied kennt, auf der einen Seite die Hirten auf dem Felde, auf der anderen Seite die weisen Könige aus dem Morgenlande. Darin liegt angedeutet in der Weihnachtsverkündigung der tief demokratische Zug, der durch das Christentum geht und der trotz der vielen Jahrhunderte durchaus bis heute nicht verwirklicht ist, der nur verwirklicht werden kann, wenn man eine richtige Empfindung erhält für dieses allgemeine, rein Menschliche, das in allen Menschen lebt und das keine menschlichen Unterschiede kennt.  Man möchte sagen, die drei Hauptfeste, welche die Menschheit, die christliche Menschheit die Jahrhunderte hindurch begangen hat in der Zeit, in der sie noch lebendig waren in den Gedanken und Empfindungen, sie lenkten die Aufmerksamkeit der Menschen hin, man darf sagen, auf eine Dreigliederung des Jahres. Das Weihnachtsfest spricht am meisten zum Gefühl, zur Empfindung; es spricht zur Empfindung, indem es diese hinlenkt zu dem, was ganz im hÖchsten Sinn sich als der Impuls der Demokratie über die Welt ausgegossen hat. Das Osterfest sollte mehr den Gedanken des Menschen ergreifen, sollte ihn mehr hinweisen auf die Geistigkeit und Freiheit, während das Weihnachtsfest mehr hinweisen sollte auf die Gleichheit unter den Menschen, auf das Nichtvorhandensein von Unterschieden, wenn man in das tiefste Innere des Menschen hineinwirken will. Das Osterfest sollte mehr jenes befreiende Gefühl in dem Menschen rege machen, das ihn überkommt, wenn er sich zum Geistigen erhebt und wenn er eine Wahrnehmung davon erlangt, dass das Geistige zuletzt doch immer den Sieg erlangen muss, wenn die Welt nicht zugrunde gehen soll, über das äußere Materielle. Diese Auferstehung des Geistigen aus dem Materiellen, das ist schließlich der Ostergedanke. Wenn die Seele innerlich auferstehen kann, dann erlebt sie eigentlich, indem sie sich in das Geistige hineinversetzen kann, die Freiheit. Und der Pfingstgedanke, er weist uns hin auf die Brüderlichkeit. Er wird so dargestellt, dass wir aufmerksam gemacht werden darauf, wie diejenigen, die dazumal berufen waren, das Christentum zu verkündigen, den Ton fanden, um im Augenblick zu allen Menschen zu sprechen in reiner Brüderlichkeit, sich allen Menschen zu nähern. Er weist, wenn man ihn richtig versteht, doch hin auf dasjenige, was wir innerlich empfinden müssen, wenn wir Brüderlichkeit erlangen wollen in Bezug auf das äußere, materielle Leben der Menschheit. Es ist etwas Uraltes, im Menschengemüt Wurzelndes, was immer wiederum auf den verschiedensten Gebieten des Lebens hingelenkt hat die Gedanken nach der Dreigliederung. Heute brauchen wir diese Dreigliederung, meine sehr verehrten Anwesenden, wiederum, um etwas in der Menschheit zu heilen, wiederum, um etwas Ungesundes  auszurotten. Deshalb war es im Grunde genommen aus demselben Grundton heraus, aus dem ich gesprochen habe, als ich das erste Mal zu Ihnen reden durfte, und aus dem ich auch heute zu Ihnen reden möchte. Wir leben in einer Zeit, die so krank ist, dass die meisten Menschen sich über ihre Krankheit keine Vorstellung machen möchten, teils aus Bequemlichkeit, teils vielleicht sogar aus BÖswilligkeit, namentlich aber aus Egoismus heraus. Es ist die heutige Zeit in der Tat so, dass die meisten Bequemlinge immer wiederum zufrieden sind, wenn aus den Wirren des Tages heraus mal da und dort sich ein bisschen Besserung zeigt und sie dies konstatieren können, dass noch nicht alles zerfallen ist, dass da und dort «eine bessere Konjunktur» sei. Aber das heutige Leben gleicht für den, der es durchschauen kann, der Lage eines Menschen, der vor drei Jahren noch imstande war, sich einen Anzug zu kaufen, und diesen Anzug trägt - wenn er auch schon etwas schäbig ist, er kann ihn noch tragen -, aber er kann sich keinen neuen kaufen. Und weil er noch immer diesen Anzug tragen kann, glaubt er sich auch noch in einer möglichen Lebenslage. Es steht ihm aber bevor, dass der Anzug einmal nicht mehr getragen werden kann. So ist es mit den heutigen Verhältnissen. Wir sehen, wie die Leute an ihnen herumkorrigieren, wie sie alle möglichen Mixturen anwenden, um da oder dort im Kleinen noch etwas zu verbessern und das Alte zu halten. Aber das heutige soziale Leben, es ist wie der Rock. Der Rock kann noch ausgetragen werden, und dieses soziale Leben kann noch eine Weile fortgehen, aber es zerreißt mit Sicherheit; es geht nicht weiter. Und dass man irgendwie glaubt, es ginge weiter, das, meine sehr verehrten Anwesenden, das ist eine große Illusion, die die Menschen sich selber machen dadurch, dass sie bequem im Alten beharren wollen und nicht herangehen wollen an dasjenige, was eine wirkliche Neuschöpfung sein will, wie es der Impuls der Dreigliederung vermeint zu sein. Es ist nicht weiter wunderbar, dass zunächst nach der Bekanntwerdung dieses Impulses der Dreigliederung uns die proletarischen Führer nicht nur unberücksichtigt gelassen haben, sondern dass sie uns sogar alles MÖgliche, was sie an Hindernissen aufbringen konn ten, in den Weg gelegt haben. Es ist nicht weiter wunderbar, dass alles dasjenige eingetreten ist, was Ihnen schon Herr Molt geschildert hat. Denn wir sehen heute dem Ruf nach Dreigliederung des sozialen Organismus gegenüberstehen einen anderen Impuls nach Dreigliederung. Dieser andere Impuls nach Dreigliederung, wir dürfen ihn vielleicht - wenn es auch nicht klingt wie sonstige salbungsvolle Weihnachtsworte - vor unsere Seelen hinstellen. Denn gerade dadurch, dass wir ein wenig hineinschauen in die Gegenwart, kÖnnen wir die Kraft finden, die nun wirklich vielleicht dazu führen könnte, nicht bloß die Illusion zu haben, man lebe in einer möglichen Lage, solange der Rock noch nicht zerrissen ist, sondern sich einen neuen Rock anzuschaffen. Wir sehen heute die Welt erfüllt mit einer Dreigliederung, aber mit was für einer Dreigliederung! Sehen Sie, in einer intensiveren Weise, als das vorher geschehen konnte, haben wir in diesem Herbst in Dornach in einer Reihe von Hochschulkursen zu zeigen versucht, wie das geistige Leben selbst in der Wissenschaft umgestaltet werden muss, wie es auf seine eigenen Füße gestellt werden muss, wenn Heil der Menschheit werden soll. Wir konnten zeigen, wie auszuschauen hat dasjenige, was in der Zukunft der Menschheit auf den Gebieten der einzelnen Wissenschaften, auf dem Gebiete des nationalökonomischen und praktischen Lebens gelehrt werden soll, damit die Lehren ins Leben hineindringen und Praxis werden können. Welche Anschauungen hat man denn heute über solche Dinge? Nun, heute denkt man ganz aus den alten Verhältnissen heraus, und gerade auf diesem Gebiet ist man am allerkonservativsten. Gewiss, es sind Leute, die haben eine ganz gute Meinung nach ihrem eigenen Glauben für die Volksbeglückung mit geistigen Dingen. Sie gründen Volkshochschulen, Volksbildungsstätten, Volksbibliotheken und so weiter. Man beglückt das volk, indem man hinausträgt unter das volk dasjenige, was geblüht hat in den Universitäten, in den Schulen in denjenigen Zeiten, die uns in die Katastrophe hineingeführt haben. Man fühlt sich außerordentlich wohlig, wenn man solche Bibliotheken gründet, solche Volksbildungsstätten unter das Volk wirft. Dasjenige, was sich aus anthroposophisch orientierter Geisteswis senschaft als der Impuls der Dreigliederung gestaltet hat, muss auf diesem Gebiet schon ganz anders denken. Denn für denjenigen, der die Verhältnisse kennt, liegt nämlich etwas ganz anderes vor. Es liegt das vor, dass mit derjenigen Wissenschaftlichkeit, mit dem Geistesleben, das heute in unseren Schulen gepflegt wird, nichts anzufangen ist, weil es der untergehenden Welt selber angehört. Und keine soziale Ordnung, möge sie es noch so gut meinen - wenn sie bloß das Geistesleben, das heute in den Schulen gepflegt wird, hinausträgt in die Welt -, keine solche Bestrebung kann etwas anderes tun als zum Niedergang und nicht zum Aufgang führen. Denn nicht darum handelt es sich heute, dasjenige, was unter den Dächern der Universität gepflegt wird, was gepflegt wird bis in die Mittelschulen und bis in die Volksschulen, hinauszutragen ins Volk, sondern darum handelt es sich, ein neues Geistesleben in die Universitäten hineinzutragen. Ein neues Geistesleben muss erst in die Universitäten hineinkommen, welches das Heil über die Menschheit bringen kann. Dort ist es nicht darinnen. Das ist es, sehen Sie, warum Geisteswissenschaft mit ihren Konsequenzen, der Dreigliederung, heute den Leuten zu radikal ist - selbst den proletarischen Führern zu radikal ist, die ja auch nichts anderes tun wollen, als in konservativer Weise das alte Geistesleben nun in die Köpfe der Leute hineinzuversetzen. Was ist es, was schwierig macht, mit einer solchen Bestrebung in sozialer Beziehung zu wirken? Da ist das erste Glied der heutigen Dreigliederung da, da ist die Summe der heutigen Vertreter des Geisteslebens da, die, insofern sie sich überhaupt mit der Sache zu schaffen machen, nichts wissen wollen von einer solchen Erneuerung, sondern die immer betonen, dass ihre alte Art, das Christentum zu verbreiten, wiederum volkstümlich werden müsse. Und dasjenige, was gepflegt wird von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, nun, meine sehr verehrten Anwesenden, in der allerletzten Zeit wurde es erst von einem solchen Vertreter des Geisteslebens, der eine Lehrkanzel an einer Universität innehat, in der folgenden Weise charakterisiert. Er sagte: Zuerst braucht das Volk, auch aus nationalen Gründen auf nationale Gründe berufen sich ja diese Herren sehr gerne -, es  braucht das Volk das nahrhaftige Brot, das von den Kanzeln kommt, jenes nahrhaftige Brot, das es gewohnt ist, von den Vertretern der Bekenntnisse vertreten zu sehen. Dann erst braucht es das Naschwerk. - Er bezeichnet nämlich das, was von der Geisteswissenschaft versucht wird, als Naschwerk. Das ist nur ein Beispiel. Ich könnte viele anführen, wie heute von den Lehrkanzeln herunter verleumdet wird das, was anthroposophische Geisteswissenschaft ist. Man braucht sich nicht zu wundern, dass derjenigen Bewegung, die anderes unter die Dächer dieser Lehranstalten bringen will, so begegnet wird von den Vertretern dieser Lehranstalten. Denn in einer gewissen Weise wird ja doch den Herren auf die Füße getreten, und dann quietschen sie. Das ist doch schließlich allein die Erklärung für diese Sache, wenn man sie versteht. Aber es ist notwendig, dass man es eben versteht, dass man versteht: Man braucht ein selbstständiges Geistesleben gegenüber jenem Geistesleben, das das Kind ist der bloßen politisch-staatlichen und der bloßen Wirtschaftsordnung. Man braucht ein Geistesleben, das aus seinen eigenen Kräften heraus arbeitet. Und schon durch ihre innere Wesenheit ist ein solches Geistesleben, soweit sie das heute sein kann, trotzdem man ihr überall die Gurgel zuschnürt, diese anthroposophische Geisteswissenschaft. Anthroposophische Geisteswissenschaft will nichts anderes als das Muster abgeben für das Geistesleben, das da kommen muss und das erst den Menschen die Freiheit bringen kann. Da sehen wir auf der einen Seite aber das andere Glied der gegenwärtigen Dreigliederung: die Vertreter des Geisteslebens, die heute die konservativsten Leute sind und jeden geistigen Fortschritt zurückdrängen möchten, namentlich denjenigen, der nun wirklich Heil bringen kann. Und zu diesem ersten Glied der gegenwärtigen Dreigliederung gesellt sich ein anderes; das setzt sich zusammen aus den Politikern und Staatsmännern und so weiter, die noch herausgewachsen sind aus den alten Verhältnissen - aus jenen alten Verhältnissen, welche über die europäische Zivilisation die furchtbare Katastrophe heraufbeschworen haben, durch die Millionen und Millionen von Menschen getötet worden sind und zu Krüppeln geschlagen worden sind. Man  will es nicht sehen, dass einzig und allein Heil darin liegen kann, dass neue Menschen kommen, aus den breiten Massen heraus neue Menschen aufstehen, die keinen Zusammenhang haben mit demjenigen, was in die Katastrophe hineingeführt hat. Und es sind auch nicht die proletarischen Führer, die zu diesen neuen Menschen gehören, denn sie sind es, die ebenso wie die anderen nur fortsetzen dasjenige, was in die blutigen Katastrophen hineingeführt hat. Gleichgültig, ob die Menschen irgendwo heute ihre Reden halten in Arbeiterversammlungen oder ob sie auf solchen kurulischen Stühlen sitzen und Abstraktionen in die Welt hinausschreien wie der, auf dem Woodrow Wilson gesessen hat; alle diese Menschen, sie wollen nichts, was ein Heil bringen könnte heute über die Menschheit, denn sie sind mit ihren Gedanken ganz herausgewachsen aus dem Alten, sie streben nur danach, das Alte in irgendeiner Weise zu erhalten. An Worten darf man nicht hängen, meine sehr verehrten Anwesenden. Auch das Wort «Völkerbund», das jetzt durch die Welt geht das soll in uns keine Illusionen hervorrufen. Ein Völkerbund kann etwas sehr Gutes, etwas Großes und Heilsames sein, wenn er wurzelt in denjenigen Vorstellungen, die man braucht, um der Menschheit Heil zu bringen, in dem Sinne, wie ich, als ich hier zu Ihnen sprechen durfte, vor bald zwei Jahren andeutete. Ein Völkerbund, der von solchen Menschen ausgehen würde, die so fühlen, das wäre allerdings ein Völkerbund, der etwas zum Heile der Menschheit beitragen könnte. Aber ein solcher Völkerbund muss ausgehen von ganz neuen Menschen, von Menschen, die aus den breiten Massen herauswachsen, die heute vielleicht noch gar nicht bemerkt werden oder, wenn sie bemerkt werden, totgetreten werden - wenigstens geistig. VÖlkerbünde aber, wie sie hervorgehen aus den Köpfen der alten Politiker, das sind Phrasen, das ist höchstens etwas Versailles'sches oder Genferisches. Und das Genferische ist nichts anderes als dasjenige, was an allen Verhältnissen, die im heutigen Europa sind, vorbeiredet, so, wie wenn man mit offenen Augen die wirklichen Verhältnisse nicht sehen würde. Das ist das zweite Glied der heutigen Dreigliederung. Und das dritte Glied der heutigen Dreigliederung, das sind diejenigen Leute, die am alten Wirtschaftsleben festhalten wollen, die  nur immer wieder denken, das Alte wiederum zu galvanisieren. Das sind diejenigen Leute, die sich Illusionen machen über amerikanische Kredite an Europa, die sich Illusionen machen über die MÖglichkeit einer Verbesserung der Valutaverhältnisse nach alten Rezepten, die nicht hinschauen wollen darauf, dass einzig und allein dasjenige Heil bringen kann, was im Sinne der Dreigliederung das assoziative Wirtschaftsleben genannt wird. Ich brauche es heute hier nicht zu charakterisieren; es ist oftmals hier und an anderen Orten charakterisiert worden. Wir haben eine Dreigliederung, aber es ist eine Dreigliederung des Negativen, eine Dreigliederung der heutigen Vertreter des Geisteslebens, der heutigen Politiker und Staatsmänner, der heutigen Wirtschaftsleute, welche gegen das Heil der Menschheit arbeiten. An die Stelle dieser Dreigliederung muss die andere Dreigliederung treten. Und derjenige, der glaubt, heute mit kleinen Gedanken durchzudringen, der irrt sich gar sehr. Heute handelt es sich nur um Gedanken, die die Verhältnisse im internationalsten Sinne umspannen, während die einzelnen Länder gerade nach dem Kriege immer mehr und mehr daran gegangen sind, chinesische und andere Mauern um sich zu errichten. Und während dieses verderbliche Spiel immer weiter- und weitergetrieben wird, schreien heute die Weltverhältnisse nach Internationalität des Wirtschaftslebens. Und wissen kann man heute, wenn man sich nur darum bekümmern will, dass allein Heil sein kann unter einem Einfluss der Internationalität des Wirtschaftslebens. Warum immer wiederum auf irgendetwas ein Verbot legen, das eingeführt oder ausgeführt werden soll? Das führt nur weiter in den Niedergang hinein. Einzig und allein die Freiheit des Wirtschaftslebens ist dasjenige, was Heil und Segen bringen kann über Europa und die ganze gegenwärtige zivilisierte Welt. Und ehe sich nicht findet diejenige Gemeinschaft der Weltleute, welche einen Sinn dafür haben, dass solche Internationalität Platz greifen muss, eher kann es nicht besser werden. Heute haben wir die Aufgabe, in möglichst viele KÖpfe hineinzubringen dasjenige, was der Impuls der Dreigliederung ist. Als ich im vorigen Jahre von der Schweiz wegging im April, um  hier zu wirken - durch die Stuttgarter Freunde gerufen - im Sinne der Dreigliederung, nachdem der Aufruf «An das deutsche volk und an die Kulturwelt» an einzelne Leute gegeben wurde zur Unterschrift, da besuchte mich ein sehr bekannter Pazifist, der außerordentlich Gutes auch während der Zeit des Krieges geschrieben hat. Er wollte seinen Namen nicht unter diesen Aufruf setzen, ohne dass er sich zuerst etwas genauer informiert hatte über die Absichten, die er glaubte, aus dem Aufruf nicht entnehmen zu kÖnnen. Die «Kernpunkte» waren noch nicht erschienen, und er sagte mir unter anderem Folgendes: Sie gehen also jetzt nach Deutschland. Ich kann mir denken, Sie spekulieren auf die zweite Revolution und Sie möchten gerne hineingießen in die Zweite Deutsche Revolution - die Zweite Russische Revolution war schon vorüber - dasjenige, was der Sinn der Dreigliederung ist. - Ich sagte: Nein, denn erstens habe ich keinen Glauben an die Zweite Deutsche Revolution; sie wird nicht etwas Akutes sein, sie wird etwas Chronisches bleiben. Und zweitens werden, selbst wenn eine solche Revolution sich geltend machen sollte, noch nicht alle Köpfe aus derselben entfernt sein, welche trotz alles Radikalismus die alten Ideen unter den Menschen weiterpflegen wollen. - Ich überlasse jedem die Entscheidung, ob nicht im Grunde genommen beides vollinhaltlich eingetroffen ist. Deshalb, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich sagen: Derjenige, der heute die große Hydra, die Schlange, wahrnimmt, welche sich als die falsche Dreigliederung geltend macht, wer diese Hydra, diese Schlange, in ihrer wirklichen Gestalt sieht, der könnte schon hingewiesen werden darauf, dass wir wiederum eine Heilung nötig haben aus krankhaften Zuständen der zivilisierten Menschheit heraus. Daher kann es uns heute nichts frommen, wenn wir unter dem Weihnachtsbaum mit seinen Lichtern sitzen und uns nur in salbungsvoller Weise erinnern, was früher die Menschen gefeiert haben, wenn das Weihnachtsfest herannahte. Heute müssen wir, wenn ich so sagen darf, von dem gewohnten Weihnachtsfest, von dem Weihnachtsfest der Geschichte zu dem Weltenweihnachtsfest unsere Blicke hinwenden. Wir müssen uns klar werden, dass wir wiederum in einer Stimmung leben müssen, wo wir durchschauen müssen  dasjenige, was da ist, dass wir wiederum in einer Stimmung leben müssen, in der wir anerkennen: Es muss wiederum etwas geboren werden, es muss wiederum ein Geist sich verkörpern innerhalb der Menschheit. Wir kÖnnen es uns heute nicht mehr bildlich vorstellen, nein, wir müssen es uns heute in voller Realität vorstellen. Wir brauchen heute nicht einen Firlefanz-Radikalismus, aber wir brauchen den Radikalismus, der auch vorhanden war, als das Christentum in die Welt eingezogen ist. Wir brauchen heute wiederum einen Weltweihnachts-Radikalismus. Und wir müssen uns sagen: In diese Welt, wie sie um uns ist - zerfallend, krank -, in diese Welt hinein muss etwas Geistiges kommen. Und es sollte aufmerksam gemacht werden auf das, was als Geistiges kommen soll: auf die Dreigliederung des sozialen Lebens. Diese Dreigliederung des sozialen Lebens, sie sollte sich verkörpern innerhalb der Menschheit. Und so können wir, wie die Welt heute liegt, eigentlich gar nicht anders, als, ich möchte sagen, die Weihnachtsstimmung nur wie ein Zukunftsgefühl in uns aufnehmen. Man möchte sagen: Die Weihnachtsstimmung als Weltenweihnachtsstimmung hat heute im Grunde genommen nichts Wahres. Sie hat etwas Wahres erst dann, wenn wir sie als Zukunftsempfindung in uns aufnehmen und unser Herz damit durchdringen. Sehen wir so zum Weihnachtsbäume hin, so sehen wir seine Lichter uns leuchten in eine Zukunft, in der ein mögliches Weihnachtsfest wiederum sein wird. Denn im Grunde genommen können wir heute nur in der Adventsstimmung sein, in der Erwartungsstimmung, und zwar in jener Erwartungsstimmung, welche Taten, hingebungsvolles Tun von uns verlangt, damit die Weltenweihnacht, das heißt die Ausgießung eines neuen geistigen Lebens in der kranken Menschheit, wiederum geschehen könne. Wir brauchen Adventsstimmung, und wir brauchen die Stimmung, welche die Kraft in sich erwecken will, dieses Weihnachtsfest der Welt herbeizuführen. Aber wir werden niemals zu dieser wahren Weihnachtsstimmung kommen, wenn wir nur in salbungsvoller Weise fortfahren, die alten, abgebrauchten Redensarten über Weihnacht herzusagen, sondern wir werden zu dieser wahren Weihnachtsstimmung nur kommen, wenn  wir mit ungetrübten geistigen Augen hineinsehen in dasjenige, was heute dasteht als die falsche Dreigliederung der Welt, die auch eine geistige, eine politisch-staatlich-rechtliche und eine wirtschaftliche ist. Und wir werden nur dazu kommen, zu verstehen, was die neue Weihnacht der Welt sein kann, wenn ein jeder von uns seine Pflicht tut, wenn ein jeder von uns Verständnis der Weltlage sucht. Wir werden sie nur erkennen, wenn wir uns das Bild vor Augen stellen, das ja in früheren Zeiten so oft vor die gläubige Menschheit hingestellt worden ist, sodass diese gläubige Menschheit viel empfunden hat bei diesem Bild: unten die Schlange, der Drache, oben derjenige, der diesen Drachen überwindet. Die Schlange, der Drache ist da - die falsche Dreigliederung ist da, meine sehr verehrten Anwesenden. Aus unserem Herzen, aus unseren Intellekten, aus unserem Verständnis der Weltlage muss hervorgehen dasjenige, was dieser Schlange den Kopf zertritt. Dann, wenn das geschieht, dann erst wird wiederum Weihnacht sein. Deshalb kann heute derjenige, der aufrichtig und ehrlich lebt in dem, was Dreigliederung sein will, von nichts anderem sprechen als von jener Weltenweihnacht, welche durch die Anstrengung der Menschen herbeiführen muss die richtige Dreigliederung, als etwas Heilendes, was der falschen, der weltenmörderischen Dreigliederung den Kopf zertritt, auf dass wiederum Gesundheit innerhalb des sozialen Lebens der Menschheit eintrete. Dass in uns der Weihnachtsgedanke so leben könne, dazu möchte ich heute meine allerdings ungenügenden Worte gesprochen haben. Aber dasjenige, was sie wollten, das ist, dass sie den Weg finden können zu Ihren Herzen, damit in Ihren Herzen dieser Weihnachtsgedanke auferstehe und in der Welt da sein könne die wahre Dreigliederung, welche der falschen Dreigliederung, dem Drachen, der heute immer frecher und frecher in der Welt sein Haupt erhebt, dieses Haupt zertrete.  VORTRAG AN EINER VERSAMMLUNG STUTTGARTER INDUSTRIELLER Stuttgart, 8. Januar 1921 Meine sehr verehrten Anwesenden! Es entspricht eigentlich nicht ganz den Meinungen, die ich selber haben muss von dem Fortgänge der Ihnen von Herrn Kommerzienrat Molt eben so begeistert auseinandergesetzten Bewegung, wenn ich heute selber vor Ihnen zur Besprechung von wirtschaftlichen Fragen, wenigstens von wirtschaftlichen Richtungen erscheine, sondern ich hätte es im Grunde genommen lieber gehabt, wenn die ja allerdings von mir herrührende und von mir der Welt empfohlene Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus für das wirtschaftliche Gebiet von einem auch seinem Berufe nach im Wirtschaftsleben drinnenstehenden Mann vor Ihnen vertreten worden wäre. Denn man darf schon sagen: Das, was berechtigt ist, kann ja auch auf einem solchen Gebiet nur den richtigen Eindruck machen, wenn derjenige es vertritt, der auch dem äußeren Berufe nach in irgendeinem Zweige des äußeren Wirtschaftslebens voll darinnensteht. Aber es entspricht nun einmal dem Wunsche von befreundeter Seite, dass ich selber zunächst über dasjenige spreche, was wir uns auch als die Gesundung des Wirtschaftslebens denken, und was wir zugrunde gelegt haben der Begründung des «Kommenden Tages», einer reinen Wirtschaftsgesellschaft. Das auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist es schwierig, heute von einem größeren Gesichtspunkte aus in einer ganz kurzen Zeit über die Gesundung des Wirtschaftslebens zu sprechen. Man kann bei all seinen Handlungen, wie bei der Begründung sogar von etwas, was dem Wirtschaftsleben scheinbar ferne liegt, wie bei der Waldorfschule, bei der Begründung des «Kommenden Tages», diese großen Gesichtspunkte im Auge haben. Aber es ist schwierig gerade gegenüber der heutigen Weltlage, über dasjenige, was man da im Auge hat, ganz kurz zu sprechen. Daher bitte ich Sie, dasjenige, was ich sagen werde, zu nächst nur zu betrachten als die große Linie, als Andeutungen, und dann vielleicht die Anregung zu empfangen, manches im Einzelnen nachzusehen in meinem Schriftchen «Die Kernpunkte der sozialen Frage», oder in anderen Schriften, zum Beispiel «In Ausführung der Dreigliederung», in welchen beiden Schriften ich für die verschiedensten Lebenszweige dasjenige dargelegt habe im Einzelnen, was der ganzen Dreigliederungs-ldee zugrunde liegt. Und ich muss auch, da ich wohl annehmen darf, dass nicht alle der verehrten ZuhÖreg die heute so freundlich waren, hier zu erscheinen, schon ganz bekannt sind mit der Dreigliederungs-ldee, wenigstens einleitend mit ein paar Worten charakterisieren - nur charakterisieren, nicht beweisen - dasjenige, was der Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus eigentlich will, um dann erst daran dasjenige zu zeigen, was ich Ihnen heute sagen möchte. Aus den verschiedensten Untergründen heraus, von denen ich nachher auch ein paar Worte sagen werde, fühlt als das Einzigste Gesundungsmittel für unsere sozialen Schäden mit mir der in Stuttgart begründete Bund für Dreigliederung eben diese Dreigliederung eines jeglichen sozialen Organismus, sei es das Deutsche Reich, sei es irgendein anderer sozialer Organismus, klein oder groß, es kann für jeden Einzelnen durchgeführt werden, und zwar so - teilweise hat es ja Herr Molt schon angedeutet -, dass dasjenige, was bisher im Einheitsstaate abstrakt zusammengefasst war, sodass sich die einzelnen Gesichtspunkte fortwährend durcheinandermischen: Interessen des geistigen Lebens, Interessen des Wirtschaftslebens, Interessen des rein politischen Lebens, namentlich sozial-politische Interessen, [dass] dasjenige, was also so im Einheitsstaate verbunden war, ohne in sich wirklich organisch gegliedert zu sein, in drei Glieder auseinanderzusondern [ist]. Das, was ich Ihnen schildere, ist keineswegs etwas Utopistisches, sondern ein aus der Praxis des Lebens Herausgeholtes. Und vielleicht wird es doch auch heute gelingen, zu zeigen, dass man nicht an irgendeinen fernen Punkte und an eine besondere Verbesserung der Menschheit nach irgendeiner Richtung appelliert, indem man von dieser Dreigliederung spricht, sondern dass man spricht von etwas, was im Grunde genommen jeden Tag auf  irgendeinem Gebiet in Angriff genommen werden kann, sodass dann diese Gebiete zusammenwachsen und eine Gesundung des gesamten sozialen Organismus die Folge ist. Es handelt sich darum, dass getrennt verwaltet werden müssen die Angelegenheiten des geistigen Lebens, dem vorzugsweise das Erziehungs- und Unterrichtswesen angehört; die Angelegenheiten des Rechtslebens zusammen mit dem politischen Leben, dem Staatsleben; und dann als drittes Gebiet alle Angelegenheiten des rein wirtschaftlichen Lebens. Die Angelegenheiten des geistigen Lebens, namentlich die Angelegenheiten des Erziehungs- und Unterrichtswesens, sie können nicht, wenn irgendetwas Gedeihliches für die wirkliche Menschheitsentwicklung herauskommen soll, auf parlamentarischem Wege entschieden werden. Sie können nicht durch Majoritäten irgendwie regiert oder verwaltet werden, sondern es handelt sich darum, dass die geistigen Angelegenheiten, vor allen Dingen Erziehung und Unterricht, auf den Boden einer reinen Selbstverwaltung gestellt werden; dass von der niedrigsten Volksschule bis hinauf zur Hochschule auf allen Gebieten diejenigen Menschen, welche die Unterrichtenden sind, und zwar diejenigen, welche in der Zeit, in der es sich um Verwaltungsangelegenheiten handelt, durchaus aktiv Unterrichtende sind, auch die Verwalter des ganzen Unterrichtswesens sind. Heute haben wir es noch so angeordnet, dass derjenige, der in irgendeiner Weise verwaltend im Unterrichtswesen tätig ist, früher einmal unterrichtet hat, dass er also eigentlich herausgewachsen ist aus dem lebendigen Zusammenhang mit dem tätigen Unterrichten und Erziehen. Daher muss entlastet werden in der Zukunft der Unterrichtende. Selbstverständlich kann das nicht heute durchgeführt werden in seiner Ganzheit; unsere Waldorfschullehrer sind viel zu belastet, als dass alles, was wir uns denken als notwendig, wirklich durchgeführt werden könnte, aber wir arbeiten entgegen einem Zustande, in dem die Lehrer als solche in Bezug auf das Unterrichten und Erziehen nur so viel Zeit zu verwenden haben, dass ihnen neben dieser Zeit noch so viel übrig bleibt, dass sie ein Stück des gesamten Schulwesens mit verwalten können. Damit wird das gesamte Gebiet des Unterrichtens und Erziehens unterstellt den Unterrichtenden und  Erziehenden selber. Es würde heute zu weit führen, das im Einzelnen nachweisen zu wollen, und ich möchte heute mehr charakterisieren und anregen als beweisen; aber es wird sich zeigen, dass in einer solchen Verwaltung durch die gegenseitige Anerkennung der Fähigkeiten durchaus der Einzelne so viel zur Geltung kommen wird, als es seinen Fähigkeiten entspricht; dass von Mensch zu Mensch, von Körperschaft zu Körperschaft in einem gar nicht irgendwie ans Parlamentarisieren erinnernden Beratschlagen dasjenige geleistet wird, was für die Verwaltung zu leisten ist. Und jeder, der da will wirklich in der Verwaltung des geistigen Lebens etwas leisten, muss in diesem geistigen Leben selber darinnenstehen. Ich will auf einem anderen Gebiet dasjenige erläutern, was ich eigentlich meine. Wir haben die Absicht, hier in Stuttgart oder in der Nähe ein Institut zu gründen, welches der Heilkunde gewidmet ist; der Heilkunde, die ja, wie heute jeder eigentlich wissen könnte, der Mediziner ist, eines Einschlages von einer gewissen Seite, namentlich der Seite der Geisteswissenschaft bedarf. Wir werden in der Lage sein, eine ganze Reihe von Heilmitteln, an die heute die Welt kaum denkt, die aber der Welt zum Segen sein werden, herzustellen. Wir haben aber vor, diese Herstellung von Heilmitteln nicht so zu betreiben, dass bloß diese Heilmittel hergestellt werden von einer Reihe von Ärzten; damit würde sich die Gefahr ergeben, dass diese Ärzte verbürokratisieren würden, dass sie immer mehr und mehr herauswachsen würden aus dem lebendigen Erkennen der menschlichen Gesundheit und Krankheit, dass sie mehr zu Bürokraten und Technikern würden. Daher muss mit einem solchen Institut verbunden sein eine, wenn auch noch so kleine, Klinik. Sodass diejenigen, welche Techniker werden, fortwährend in Verbindung stehen mit dem Heilen selber, mit der Kunst des Heilens. Dadurch wird in ihnen lebendig erhalten dasjenige, was zum Schlusse durchdringen muss ihre ganze Hancllungsweise, die ganze Art, wie sie sich hineinzustellen, in dem gesamten hygienisch-therapeutischen Prozess mitzuwirken haben. Das ist dasjenige, was nun auch zugrunde liegt einer lebendigen Auffassung des Unterrichts- und Erziehungswesens, dass nicht da in  einem Parlament durch eine Majorität Leute sitzen, die keine Ahnung haben von pädagogischer und didaktischer Kunst, sondern die aus anderen Interessen urteilen, und dass die über pädagogische und didaktische Fragen Bestimmungen treffen, welche dann wiederum ausgeführt werden von Beamten, die entweder nie drinnengestanden haben im Unterrichts- und Erziehungswesen, oder die daraus herausgekommen sind, die nicht mehr damit in lebendigem Zusammenhang stehen. Ein auf sich selbst gestelltes Geistesleben bedeutet ein solches, in dem die darin Arbeitenden zu gleicher Zeit auch die Verwalter dieses Geisteslebens sind. Nun will ich gleich den anderen Flügel dieses dreigliedrigen sozialen Organismus prinzipiell berühren, das ist der wirtschaftliche Flügel. Da muss man sich klar sein darüber, dass nun wiederum das Wirtschaftsleben so ist, dass unmöglich derjenige über irgendetwas im Wirtschaftsleben urteilen kann, der nicht in diesem Wirtschaftsleben selber sachkundig und fachtüchtig in irgendeinem Zweige drinnen steht. Diese Dinge lassen sich leicht aus Tatsachen beweisen. Ich möchte nur die eine anführen, die ich auch in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» öfter erwähnt habe: Dasjenige Reich, welches so recht gezeigt hat, wie unmöglich sein Weiterbestand war innerhalb des europäischen Chaos, ist Österreich. Ich habe in Österreich die Hälfte meines Lebens zugebracht, nämlich dreißig Jahre; ich kenne die österreichischen Verhältnisse, wie sie sich entwickelt haben gerade in den Siebziger-, Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, wo derjenige, der sie ein wenig studieren und durchschauen konnte, von vorneherein sehen konnte, wie es nach und nach kommen musste; wie es kommen musste nicht bloß aus nationalen Gründen - das ist dasjenige, was man so leicht sagt -, sondern vorzugsweise aus einem anderen Untergründe heraus. Als in den sechziger Jahren in Österreich unter dem Drang der neueren Zeit der Parlamentarismus eingerichtet wurde, wie setzte man da in Österreich den Reichsrat zusammen? Aus vier Kurien: der Kurie der Großgrundbesitzer; der Kurie der Vertreter der Handelskammern und Gewerbekammern, der Kurie der Städte, Märkte und Industrialorte und der Kurie der Landgemeinden. Also diese Kurien bestanden aus Vertretern von  Wirtschaftskörpern und was sie als Vertreter der Wirtschaftskörper wollen mussten, das verquickte sich mit den rein staatlichen, politischen Verhältnissen im österreichischen Reichsrat. Da wurden die Rechtsverhältnisse entschieden, da wurden Gesetze gegeben, aber nicht nach den Gesichtspunkten, die rein politische, rein rechtliche sind, sondern da wurden Gesetze gegeben je nachdem sich die Majorität ergab. Es gab keinen inneren Zusammenhang oftmals zwischen dem, was da als Gesetze gegeben werden sollte, und den Interessen, aus denen heraus über diese Gesetze abgestimmt worden ist. Mit anderen Worten: Derjenige, der da die Verhältnisse sich anschauen konnte, der musste sich sagen: Das ist ja eine völlige Unmöglichkeit. Gerade da, wo die Menschen so zusammengewürfelt waren, dass in diesem Österreich 13 offizielle Landessprachen waren, da zeigte es sich, wie in Kollision mit allen übrigen Verhältnissen eine unmögliche Wirtschaftsvertretung im Reichsrat wirkte. Es zeigte sich, dass vor allen Dingen notwendig gewesen wäre, nicht zu parlamentarisieren mit wirtschaftlichen Dingen, sondern im Parlament nur das vertreten zu lassen, worüber jeder mündig gewordene Mensch, einfach weil er Mensch ist, mitsprechen kann; dagegen alles Parlamentarisieren hinwegzunehmen aus dem Wirtschaftsleben. Im Wirtschaftsleben darf nur derjenige zur Geltung kommen, der auf irgendeinem Gebiet Sachkenntnis hat und fachtiichtig ist. Die sach- und fachtiichtigen Wirtschafter müssten sich zusammenschließen mit anderen, die wiederum auf anderen Gebieten tüchtig sind, und durch diese immer weiteren Zusammenschlüsse würde ein assoziatives Leben entstehen. Sodass tatsächlich, wenn ich mich populär ausdrücken darf, die Sache so vor sich geht: Irgendjemand, der in einem Produktionszweig drinnensteht, oder der sich zum Vertreter irgendeines Gebietes macht, in dem sich die Konsumenten für irgendetwas gesammelt haben, die schließen sich zusammen, assoziativ zusammen; nicht so, dass man eine Behörde darüber hat, die organisiert, sondern dass alles Organisieren durch die gegenseitigen Verhandlungen entsteht. Solch ein assoziatives Prinzip, das kann bei seiner Realisierung dasjenige erreichen, dass von Assoziation zu Assoziation so verhandelt wird, dass ein jeder in die Waagschale der Verhandlungen dasjenige wirft, was  er versteht, was der andere nicht versteht. Und aus dem gegenseitigen Verhalten, nicht aus dem Überstimmen, sondern aus dem gegenseitigen Achten desjenigen, was bei den anderen Sachkenntnis ist, aus diesem Prinzip, das nur aus der Assoziation hervorgehen kann, kann sich das Netz der Wirtschaft ergeben, welches die Wirtschaft nun wirklich wirtschaftlich verwaltet. So haben wir auf der einen Seite ein freies Geistesleben, auf der anderen Seite ein Wirtschaftsleben, das nun nicht auf die einzelnen Persönlichkeiten gestellt ist. Verzeihen Sie, wenn ich da etwas ausdrücke, was vielleicht Anstoß erregen könnte, was sich aber ergibt, wenn man unbefangen durch Jahrzehnte das wirtschaftliche Leben, das staatlich-politische Leben und das geistige Leben studiert, und wenn man sich frägt: Wer weiß denn eigentlich die wirtschaftlichen Verhältnisse zu beurteilen, insofern verschiedene Wirtschaftszweige in Betracht kommen, oder gar große Staatswirtschaften, oder, wie es in der neueren Zeit war, die Weltwirtschaft in Betracht kam; wer weiß denn da zu urteilen? Im geistigen Leben entscheidet die Individualität, denn im geistigen Leben handelt es sich darum, dass aus der Individualität heraus die Fähigkeiten in das soziale Leben eindringen, die mit dem Menschen geboren werden, die im Lauf des Menschenlebens aus dem Menschen heraus kommen. Würde man im freien Geistesleben die Einrichtung nicht so haben, dass aus jeder einzelnen Individualität heraus diejenigen Kräfte kommen können, die in ihr liegen, so würde man einfach dem sozialen Menschenleben Kräfte entziehen. Das aber, dass aus jedem Einzelnen die individuellen Kräfte kommen können, die in ihm liegen, als Erzieher oder Unterrichter, das ist im freien Geistesleben möglich. Im Wirtschaftsleben, das ist eben ein Erfahrungssatz, hat keiner solche Fähigkeiten, die etwa außer einem oder höchstens ganz wenigen Wirtschaftszweigen irgendetwas umfassen. Denn das Wirtschaftsleben fußt auf demjenigen, was man sich durch Jahre hindurch im Umgang mit dem Wirtschaften angeeignet hat. Es ist unmöglich, dass irgendjemand im wirtschaftlichen Leben als Einzelner, als Individualität überhaupt ein sachgemäßes Urteil abgibt. Das mag Anstoß  erregen, aber das ist ein Erfahrungssatz, der sich beweisen lässt. Ich möchte Sie nur auf eines hinweisen: Wenn man so liest in den Pariamentsverhandlungen, da wo man darauf kam, alle Wirtschaftsfragen in das Parlamentarisieren hineinzubeziehen um die Mitte oder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aber namentlich um die Mitte, wie viel in den Parlamente gehandelt worden ist über den Segen der Goldwährung. Was ich jetzt sagen will, das sage ich nicht, um gegen diese Parlamentsreden, die damals gehalten worden sind, sowohl von nationalökonomischen Theoretikern wie auch von Praktikern, etwas einzuwenden. Es handelt sich wirklich um sehr gescheite Leute. Ich weiß, dass damals viel Scharfsinniges gesprochen worden ist für die Einführung der Goldwährung. Und unter diesem Scharfsinnigen, was die Leute, aber nicht aus Durchdringung mit einer Einsicht heraus, sondern aus persönlichem Scharfsinn heraus geredet haben, war auch eines, was immer wiederkehrte: dass unter dem Einfluss der Goldwährung besonders der freie Handel gedeihen würde. Diesem Urteil begegnet man immer wiederum, und es waren keine schlechten Gründe, mit denen man das verteidigte. Scharfsinnige Menschen waren es, aber sie erwiesen sich als schlechte Propheten. Denn die Realität des Wirtschaftslebens ging dahin, dass man überall nach Zollgrenzen schrie. Die Schutzzollpolitik wurde eingeleitet. Also das gerade Gegenteil ist eingetreten von dem, was diese scharfsinnigen Menschen aus ihrem individuellen Glauben heraus über die wirtschaftlichen Hergänge gesagt haben. Und man könnte unzählige Beispiele anführen, aus denen sich zeigen würde, dass der einzelne Mensch eben im Wirtschaftsleben ein richtiges, durchgreifendes Urteil nur hat für dasjenige, wo er selber Hand angelegt hat. Daher ist es notwendig, dass in diesem wirtschaftlichen Leben nicht der Einzelne urteile, sondern die Assoziationen, die sich aus den einzelnen Zweigen heraus bilden. Sodass in der Tat das wirtschaftliche Handeln, das Zusammenhandeln unter dem Einfluss des Verhandelns aus der Sachkenntnis heraus geschieht, nicht aus dem Parlamentarisieren, nicht aus der Entscheidung von Majoritäten. Dagegen berechtigt, nach Majorität zu entscheiden, ganz demokratisch vorzugehen, ist man auf all denjenigen Gebieten, die das  Rechtsleben betreffen; die betreffen dasjenige, worüber urteilsfähig ist, weil es das allgemein Menschliche betrifft, jeder Mensch, der mündig geworden ist. Wir wollen uns dabei nicht über die Altersgrenze unterhalten. Also dasjenige, was so in das Urteil eines jeden mündig gewordenen Menschen gestellt ist, das gehört dann dem zu, was als Staat zwischen dem selbstständigen, auf Assoziationen beruhenden Wirtschaftsleben und dem freien Geistesleben drinnensteht. Es ist ein Vorurteil, wenn man glaubt, dass mit dem Wirtschaftsleben das Rechts- oder Staatsleben so verquickt ist, dass man die beiden nicht voneinander trennen kann. Wer so urteilt, der urteilt eben nach dem, was sich herausgebildet hat in den letzten Zeiten, wo eine solche Verquickung zum Beispiel schon auf sozialpolitischem, wirtschaftlichen Gebiet des Staatslebens mit dem Wirtschaftsleben sich ergeben hat, sodass es heute Naturen gibt, die können überhaupt nicht mehr den Gedanken fassen, dass man das reine Wirtschaftsleben, das verhandelt über Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum, mit der Tendenz, auf der Grundlage dieses Verhandelns, aus den Verhandlungen der Assoziationen heraus zu einem entsprechenden Preis zu kommen - denn auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens ist das, um was es sich handelt, zuletzt doch, zu dem entsprechenden Preis zu kommen, der den Menschen ein menschenwürdiges Dasein sichert -, die Leute können sich nicht mehr denken, dass diese Verhandlungen getrennt werden können auch in Bezug auf die Verwaltungen, das Verfassungswesen, getrennt werden können von der Behandlung rein menschlicher Fragen wie zum Beispiel der Frage der Arbeitszeit. Die Arbeitszeit würde im Sinne der Dreigliederung nicht innerhalb der wirtschaftlichen KÖrperschaft zu behandeln sein, sondern innerhalb des Staatskörpers. Da ist es so - und ich kann nicht anders sagen, ich habe mir dieses Urteil durch jahrzehntelanges Studium erworben -, da ist das, was sich ergeben muss, dass in dem Augenblick, wo wir zum Beispiel überwunden hätten durch das Assoziationsprinzip das Zwitterding der sogenannten Gewerkschaften, die im Grunde genommen im wirtschaftlichen Leben drinnenstehen, die aber nach ihrer Verfassung, nach ihrer ganzen Artung nichts anderes sind als Abbilder eines Politisierens, eines politischen Lebens;  wenn wir überwunden hätten dieses Prinzip der Gewerkschaften, wo im Grunde Leute sich zusammenfinden, die gar nicht drinnenstehen im wirklichen Wirtschaftsleben, sondern die Forderungen stellen, die nicht hineingehören ins Wirtschaften. Im Wirtschaftsleben soll man kennenlernen dasjenige, was zwischen Warenproduktion, Warenzirkulation und Warenkonsum spielt. Wenn Menschen, die auch als Handarbeiter funktionieren, in der Assoziation drinnenstehen, kann man heute nur sagen, dann - ich bin fest davon überzeugt, und ich war viele Jahre Lehrer an einer Arbeiterbildungsschule, ich lernte dort die radikalsten Arbeiter und ihre Seelenverfassung kennen; man kann nicht urteilen über die soziale Frage, wenn man sie nur von außen angesehen hat, sondern man kann nur urteilen über das, was die wahre Arbeiterfrage ist, wenn man sich die Leute angesehen hat -, dann hätten wir heute nicht diejenige Agitation auf sozialpolitischem Gebiet welche im Augenblick unser Wirtschaftsleben zu zerstören drohu wir hätten nicht die ganz abstrakte Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag. Würden die Arbeiterassoziationen beteiligt sein am Wirtschaftsleben selber, dann würden sie im Rechtsleben, wo sie einfach zu urteilen haben über die Länge der Arbeitszeit, ihr Urteil geltend machen; sie würden wissen, dass es an ihren eigenen Leib geht, wenn die entsprechende Arbeitszeit durchgesetzt wird. Nur wenn man trennt von dem rein wirtschaftlichen Leben diese Frage, nur wenn man ohne Verquickung mit den wirtschaftlichen Interessen eine Möglichkeit hat, zu urteilen über dasjenige, was rein menschlich ist, was ins Politische, in den Staat hinein gehört, nur dann ist man in der Lage, wirklich objektiv über diese Dinge zu urteilen. Man kann im vollsten Sinne des Wortes ein Herz haben gerade für die Arbeiterfrage, aber dieses Herz sagt einem dann auch, dass vor allen Dingen nötig ist, dass das soziale Leben so verfließe, dass der Arbeiter sich nicht den Boden unter den Füßen untergräbt. Dazu ist allerdings notwendig, dass man mit einem gesunderen Sinn, als das heute vielfach geschieht, unser ganzes wirtschaftliches, rechtlichpolitisches und geistiges Leben ansieht. Sehen Sie, man müsste viel darüber sprechen, wenn man auf die Gründe besonders der wirtschaftlichen Not, dieser besonderen Not  des Deutschen Reiches zum Beispiel, zu sprechen kommen wollte. Und es ist ja heute wirklich schwierig, über die Dreigliederung zu sprechen, weil sie in einem Surrogat nur durchgeführt werden kann. Denn das politische Leben ist ja dasjenige, was heute auch im Großen das wirtschaftliche Leben ruiniert. Der Krieg hat uns das Wirtschaftsleben zwar auch ruiniert, aber man darf eigentlich sagen: Noch mehr, noch viel hoffnungsloser hat uns der Friede dieses wirtschaftliche Leben ruiniert. Es ist also heute sehr schwierig, über diese Dinge zu sprechen, allein ich mÖchte doch darauf aufmerksam machen, dass wir auch wirtschaftliche Fragen heute nicht in der entsprechenden Weise werden lösen können, wenn wir uns nicht an die Lösung, soweit sie relativ möglich ist, der großen, sozialen Fragen als solche machen. Sie mögen denken über die Dreigliederung des sozialen Organismus, zunächst indem sie wie eine Art Postulat auftritt, wie Sie wollen; aber über das eine könnte man eigentlich besonders innerhalb des Deutschen Reiches nicht im Unklaren sein, wenn man die Tatsache beobachtet, dass diese Dreigliederung des sozialen Organismus sich eigentlich im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat, dass sie schon da ist, diese Dreigliederung, auf gewissen Gebieten, dass sie aber nur in zerstörerischem Sinne da ist, nicht im aufbauenden Sinn. Und da gestatten Sie mir, dass ich ganz kurz auf Dinge eingehe, die scheinbar dem Wirtschaftsleben ferneliegen, die aber doch für den, der die Dinge durchschaut, innig mit ihm zusammenhängen. Sie wissen ja alle: Die Sehnsucht nach dem Deutschen Reiche, sie war lange vorhanden. Sie gehört zu den schönsten Blüten im deutschen Leben. Wie trat diese Sehnsucht nach dem Deutschen Reiche zum Beispiel 1848 und auch noch nachher auf? Sie trat auf als ein rein geistiger Impuls. Diejenigen Menschen, die von dieser Errichtung der deutschen Einheit sprachen, sie verfielen förmlich in eine Art von Romantik - das mag einem sympathisch sein oder nicht, es ist eine Tatsache —, wenn sie von dem, was sie erstrebten, von der deutschen Einheit sprachen. Sie wollten ein Reich gründen, in dem zur Geltung kommt dasjenige, was die geistige Substanz des deut schen Volkes ist. Dann wurde ein Reich gegründet aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus. Nicht sei daran Kritik geübt; diese Kritik ist in den 70er-jahren genügend geübt worden; man mag die historische Notwendigkeit zugeben, dass das Deutsche Reich so gegründet werden musste, nicht aus diesem Idealismus heraus, der auch ein falscher sein kann, aber bei zahlreichen Persönlichkeiten nicht falsch war; diese Gründung des Deutschen Reiches hätte im Grunde genommen auch wahrhaftig als Rahmen dienen kÖnnen für dasjenige, was aus dem besten geistigen Streben der Deutschen nach dieser deutschen Einheit hin wollte. Aus demjenigen, was 1871 begründet worden ist, hätte man einen Rahmen machen können für die geistigen Angelegenheiten. Die waren da. Und, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn sie sich heute auch noch so verkriechen, sie sind heute noch da, vielleicht am stärksten da, wenn auch nicht an der Oberfläche des Lebens. Aber was ist dann entstanden in dem Rahmen? Auch hier will ich nicht kritisieren, sondern voll anerkennen: Es ist allerdings entstanden eine blühende Wirtschaft; ein im wirtschaftlichen Sinn immer mehr und mehr aufblühendes Deutsches Reich ist entstanden. Nehmen Sie das, was ich sagen will, nicht im wegwerfenden Sinn. Die Träume der nach deutscher Einheit Strebenden, die hielten sich im Hintergrund als ein zwar nicht öffentlich wirkendes, nicht öffentlich organisiertes, aber im Herzen getragenes freies, geistiges Reich. Es war da, dieses Glied des geistigen Organismus, nur konnte es sich nicht geltend machen gegenüber der äußeren Organisation. Es hatte nicht eine eigene Organisation. Es machte sich immer mehr und mehr eine rein wirtschaftliche Organisation geltend. Man benützte dasjenige, was aus ganz anderen Untergründen geistig und politisch heraufgekommen ist, als den Rahmen für eine große, gewaltige, bewunderungswürdige wirtschaftliche Organisation. Nur leider widersprach diese Organisation demjenigen, was auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr heraufkam durch die Anforderungen der Weltwirtschaft. Es war einfach - man mag das nun bedauern oder in anderer Weise beurteilen -, es war einfach nicht möglich, dass gegenüber den Tendenzen der Weltwirtschaft das,  was aus ganz anderen Voraussetzungen, aus geistigen, politischen Voraussetzungen als Rahmen des Deutschen Reiches sich gebildet hatte, ein Wirtschaftsgebiet wurde. Das ist im Grunde genommen doch, wenigstens gegen den Westen hin, die tiefste Kriegsursache geworden; das ist, was unserem tragischen Schicksal in Deutschland zugrunde liegt. Jetzt haben wir schon zwei Glieder des dreigegliederten sozialen Organismus. Wir haben das heimlich waltende geistige Reich; organisiert wurde aber das Schul- und Erziehungswesen nach den Gesichtspunkten, die obenauf waren. Es wurde sozusagen ergriffen von den Fangarmen des Einheitsstaates, der aber rein wirtschaftliche Gesichtspunkte geltend machte. Wir haben auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben. Und dazwischen, ja, dazwischen aufsteigend haben wir ein Fragment, einen Teil des dritten Gebietes; das bloß staatliche, das bloß wirtschaftliche Gebiet. Das steigt nicht von oben herunter; denn da denkt man zunächst die Politik selber so einzurichten, dass sie immer mehr und mehr über die Wirtschaft sich ausspinnen kann; die Politik, die von unten heraufwächst, die in den Forderungen der Sozialdemokratie da ist. Da werden ganz rücksichtslos in Bezug auf das wirtschaftliche Leben, über das am meisten bei der Sozialdemokratie bloß theoretisiert wird, die Forderungen aufgestellt. Da werden die Forderungen aufgestellt ohne Rücksicht auf das Geistesleben, auf die Bedingungen des Wirtschaftslebens. Da werden rein politische Gesichtspunkte geltend gemacht. Sehen Sie, diese drei Glieder des sozialen Organismus, die wachsen herauf, man sieht es nur nicht; man sieht nicht, dass man das, was da heraufwächst, auch organisieren muss; dass man wirklich dazu kommen muss, diese drei Glieder so zu behandeln, dass sie real ergriffen werden; dass man hat eine eigene Organisation für das Geistesleben, eine eigene Organisation für das Rechtsleben, wo dann nicht mehr diejenigen, die nicht wirklich drinnenstehen in den beiden anderen Organisationen, allein ihre Forderungen erheben, sondern zusammen mit denjenigen, die drinnenstehen, mit den anderen als volle, ganze Persönlichkeiten drinnen arbeiten müssen. Dann haben wir das Wirtschaftsleben, das eben geführt wurde  fortwährend von Gesichtspunkten aus, die nicht rechneten mit den allgemeinen Anforderungen der Weltwirtschaft. Wir haben in großartigem Maße sich entwickelnd gerade in diesem neuem Deutschen Reich die Wirtschaft unter dem Unternehmungsgeiste der technischen Wissenschaft. Aber wir haben diese Wirtschaft nicht sich entwickelnd aus einer Überschau über die Wirtschaftsverhältnisse der Weltwirtschaft. Und diese Weltwirtschaft, sie spielt herein in das Gebiet jedes einzelnen Haushaltes. Sie ist nicht etwas, was über den Gemütern schwebt, sondern was wir bei jedem Frühstück miterleben. Immer mehr und mehr wird sie zu etwas, was wir miterleben, und es wurde immer mehr und mehr zur Notwendigkeit, dass man aus Erkenntnis, aus Einsicht heraus, wie sie sich wiederum nur ergeben konnte aus dem sozialen Leben, sich hineinstellte in dieses Wirtschaftsleben. Das hat man unterlassen. Dann hat uns der Krieg das genommen, was erreicht war in einem Fragment der Weltwirtschaft. Jetzt stehen wir allerdings davor, dass die Politik uns so eingeengt hat, dass es außerordentlich schwierig ist, aus diesem Torso, der ein wirtschaftlicher Torso auch in der Mitte von Europa ist, durch die Dreigliederung des sozialen Organismus viel herauszubringen. Aber wenn man auf die Dreigliederung des sozialen Organismus hinschaut, muss man sagen: Gewiss, sie wird kein Paradies machen können aus dem, was ein wirtschaftlicher Torso ist, aber sie wird das Möglichste, das Menschenmöglichste herausholen können. Und auf der anderen Seite beginnt man eigentlich überall einzusehen, dass es notwendig ist, das wirtschaftliche Leben auf der einen Seite herauszuheben aus dem sozialen Organismus und wirklich auf sich selbst zu stellen. Allerdings, bei denjenigen ist wenig Einsicht vorhanden, die aus irgendeinem abstrakten Verstande heraus von Planwirtschaft sprechen und glauben, man könne nun von irgendeiner Zentrale aus das Wirtschaftsleben organisieren. Man sollte überhaupt im Wirtschaftsleben davon abkommen, von Organisieren zu sprechen. Man sollte wissen, dass im Wirtschaftsleben der Tüchtige nur etwas leisten kann, wenn er auch in dem Wirtschaftskreise, der ihm überschaubar ist, drinnenstehen kann, und ein Verhältnis zu den anderen Wirtschaftskreisen so herstellen kann, dass er im Assoziativen  drinnensteht, damit durch das Zusammenwirken in den Assoziationen das Richtige geschehen kann; damit sich ein Urteil herausbilde, das der Einzelne nicht haben kann, sondern das nur diejenigen zusammen haben können, die in den Assoziationen drinnenstehen. Wenn wir die Dinge so ansehen, dann müssen wir sagen: Es ist dasjenige, was wir leisten können, vielleicht etwas sehr Unvollkommenes, aber wir werden doch selbst in diesem Torso von Mitteleuropa das MenschenmÖgliche leisten, wenn wir zu gleicher Zeit durch die Dreigliederung in Angriff nehmen nicht bloß dasjenige, was rein sozialpolitische Angelegenheiten sind in Konfusion mit wirtschaftlichen Verhältnissen, sondern wenn wir wirklich den Dingen ins Auge schauen und die notwendige Trennung von Politik und Wirtschaft durchzuführen versuchen, soweit es in den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist. Aber was da heraufkommt, gerade die Revolution hat es uns wiederum mit einem ungeheuer dicht wirkenden Nebel, einem politischen Nebel zugedeckt, und die Propheten mit ihrer Planwirtschaft traten in ganzen Scharen auf. Ein ganz unglückseliger Ausfluss desjenigen, was da in der Politik lebt, ist auch noch der berühmte Absatz 165 der deutschen Verfassung der Republik. Lesen Sie sich diesen Paragraphen einmal durch über die Zusammensetzung von Bezirkswirtschaftsräten mit einem Reichswirtschaftsrat und dann mit demjenigen, was das Reich im Innern sein soll, und versuchen Sie sich eine klare und deutliche Anschauung zu bilden, wie eigentlich da irgendetwas Einheitliches zustande kommen soll. Es ist die trostloseste Verquickung wirtschaftlicher Gesichtspunkte mit politischen Gesichtspunkten gerade in diesem Absatz 165 der deutschen republikanischen Verfassung der Weimarer Nationalversammlung. Man sieht, es gibt Leute heute, welche durchaus auf das Richtige hinschauen, aber sie tappen im Dunkeln. Sie sehen ein, es muss etwas geschehen, wenn dem Wirtschaftsleben aufgeholfen werden soll. Nehmen Sie den Reichs-Wirtschaftsrat, wirklich eine Versammlung von außerordentlich kundigen Menschen; aber man kann nicht von einer Zentralstelle aus irgendwie organisieren über ein weiteres Gebiet hin, weil in den einzelnen Territorien überall verschiedene  Betriebsmöglichkeiten sind. Es handelt sich darum, dass in diesen Betriebsmöglichkeiten diejenigen drinnenstehen, die gerade in diese hineingewachsen sind, und nicht die, die von oben dirigiert werden; die sich selbst verwalten durch Assoziationen, während andere wiederum in anderen Betriebsmöglichkeiten drinnen sind. Das, was zunächst aus politischen Gesichtspunkten heraus urteilt, wird immer wiederum danebenhauen, weil man glaubt, man kann durch irgendeinen Plan das ganze Wirtschaftsleben organisieren. Aber im Reichs-Wirtschaftsrat sitzen ja Leute, die bekannt sind mit demjenigen, was die Bedürfnisse des Wirtschaftslebens sind. Sie haben ausgesprochen, es handele sich darum, dass man das ganze Reich gliedere nach bloßen wirtschaftlichen oder verkehrspolitischen Verhältnissen. Das ist ein bedeutsames Wort, nur würde die Forderung die sein, dass man nun den Einzelnen, die in den einzelnen Betrieben drinnenstehen, überlässt, dass sie sich in Gruppen zusammenfinden, die sich von selbst ergeben, man kann zeigen, dass einfach aus den Bodenverhältnissen oder sonstigen Betriebsmöglichkeiten eine Assoziation, die sich aus verschiedenen Wirtschaftszweigen und Konsumtionszweigen bildet, durch die natürlichen Verhältnisse, durch die Betriebsmöglichkeiten und Konsumverhältnisse eine bestimmte Größe erhält. Zu kleine Assoziationen würden zu kostspielig sein, zu große würden zu unübersichtlich sein. Das ist das, worauf man hinweisen muss. Auf der einen Seite fordert man heute schon, was die Dreigliederung des sozialen Organismus will, wenn man nur auf sein gesundes Urteil etwas gibt. Aber aus den Verhältnissen heraus werden sich dann andere Organisationen ergeben. Es ist wirklich auffallend, dass aus den heutigen Verhältnissen heraus der Reichswirtschaftsrat gebildet wurde, der sagen muss, er habe zunächst keine Berechtigung, es müsse das Reich gegliedert werden in solche Körperschaften, welche aus ihren Betriebsmöglichkeiten heraus arbeiten. Dazwischen kommen aber immer diejenigen, die starr festhalten am Alten. So haben wir zu verzeichnen, dass in einer Versammlung der Vertreter der Handelskammern gefordert worden ist, es sollte einheitlich eine wirtschaftliche Selbstständigkeit eintreten, aber die Wirtschafts Körper sollten mit den alten Verwaltungsbezirken zusammenfallen, die aus ganz anderen Gesichtspunkten heraus entstanden sind. Da würden die benachbarten Städte auseinandergerissen, die selbstverständlich zusammenfallen müssten. Das ist dasjenige, was sich immer wieder hineinmischt in die Gesundung unseres Urteils, dass die Leute starr am Alten hängen. Auch auf einem anderen Gebiete hat man sich zu einem recht gesunden Urteil unter Einzelnen schon durchgearbeitet gegenüber Körperschaften, die aus den alten, sogar wirtschaftlichen Notwendigkeiten hervorgegangen sind, die aber keine Berechtigung mehr haben. Es könnte jedem bekannt sein, der sich um solche Dinge kümmert, in welch trauriger wirtschaftlicher Lage die Kommunen, die Städte sind. Das sagt jeder, der sich mit der Materie beschäftigt hat. Sie stehen am Ende ihres Wirtschaftens. Und diejenigen, die hineinschauen in diese Verhältnisse, haben heute schon ein Urteil darüber, dass andere Lasthalter an die Stelle der alten wirtschaftenden Kommunen treten müssen, dass ihnen abgenommen werden muss dasjenige, was sie nicht mehr leisten können, weil sie aus alten Verhältnissen heraus ihre Usancen gewonnen haben. - Was sollen das nun für Körperschaften sein, die das tragen sollen? Solche Körperschaften, die aus den Gesichtspunkten des Wirtschaftslebens selbst heraus gebildet sind und die miteinander Assoziationen bilden. Das ist es, um was es sich handelt. Und so können wir es gerade als ein charakteristisches Kennzeichen unseres heutigen öffentlichen Lebens ansehen, dass bei denjenigen, die sich ernsthaft befassen mit den Dingen, schon die Sehnsucht entsteht, es möge etwas geschehen, das darauf aufmerksam macht: Unter den alten Verhältnissen geht es nicht weiter. Ich möchte sagen, zwischen den Zeilen kann man es lesen, ohne dass die Betreffenden, die die Zeilen schreiben, es wissen. Der vernünftige Wirtschafter hat schon heute den Drang nach dem assoziativen Leben, nach der Bildung von neuen Wirtschaftskörpern, wo nur wirtschaftliche Sach- und Fachkenntnis gelten, Zusammengewachsensein des einzelnen Wirtschafters mit seiner Wirtschaft. Das Gruppieren nach Assoziationen, das ist schon drinnen, aber die Leute haben so viel Respekt vor dem Alten, dass sie nicht her auskommen; dass sie immer wieder versuchen, nicht aus dem Wirtschaftsleben heraus Körperschaften zu bilden, die sich assoziieren, die selbst natürliche Assoziationen sind, sondern sie möchten verquicken, möchten irgendwie in einer Weise hineinschachteln in die alten Rahmen dasjenige, was sie neu aufbauen wollen. Das ist es aber, was uns zurückhält. Es ist ja nur die Mutlosigkeit gegenüber einem neuen Urteilen. Es ist nur das, dass wir mit den Gedanken nicht zu Ende gehen mÖgen. Das ist es, was zu der äußeren Not noch diese ungeheure innere Not bringt, dass wir in demjenigen Rahmen, der uns noch belassen ist, das Menschenmögliche nicht leisten können. Gewiss, auch sogar mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg, Erfolg in sachlicher Beziehung, entwickelt sich aus industriellen Kreisen selbst heraus das Richtige, nur geht man nicht bis zum letzten Schritt. Es ist zum Beispiel etwas sehr Gutes, dass die Elektrizitätsindustrie in acht Bezirke teilen will die ganze Verwaltung der elektrischen Kraft. Aber sieht man wiederum darauf hin, wie diese Körperschaft doch wieder verquickt sein soll mit dem alten staatlichen Rahmen, so sieht man eben: Die Leute wollen nicht heraus aus den alten Urteilen. Sie können nicht begreifen, dass dasjenige, was Rechtsverhältnisse sind, mit den wirtschaftlichen Verhältnissen erst dann richtig zusammenwirkt, wenn man sie nicht mehr miteinander verquickt, sondern wenn sie richtig ineinandergreifen. Mancher sagt: Das Recht ist doch verknüpft mit der Wirtschaft. Selbstverständlich. Es wird auch in der Realität verquickt werden. Aber es ist ja kein Hindernis, dass die Dinge zusammenfließen, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse von rein wirtschaftlichen KÖrperschaften, die rechtlichen Verhältnisse von rechtlich-staatlichen Körperschaften versorgt werden. Dann werden die Menschen, die ihre Rechtsinteressen im Staate, ihre Wirtschaftsinteressen im Wirtschaftskörper vertreten, sich ja nicht halbieren. Sie stellen sich als einzelne volle Menschen ins Leben hinein; sie werden alle das wirtschaftliche, das geistige, das staatlich-rechtliche Leben vertreten. Erst durch den Menschen wird zusammengefügt das, was nur durch die Verwaltung getrennt ist; aber da muss es getrennt werden, sonst kommen wir nicht weiter.  Das ist es, was eigentlich den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus unterscheidet von anderen Bestrebungen heute. Man hat mir oftmals gesagt: Ja, Ihre Dreigliederung, sie will ein selbstständiges Wirtschaftsleben, das will man anderswo auch. Und auch ein freies Geistesleben wird angestrebt. Man weist darauf hin, dass hier etwas ist und da etwas ist, was an die Dreigliederung erinnert. - Da unsere anthroposophische Gesellschaft eine internationale ist, so habe ich mit allerlei Leuten aus allen Ländern der Welt schon darüber gesprochen. Manche sagten mir: Die Dreigliederung ist ja nichts Neues. Auf den Gebieten, wo es die Leute interessiert, versucht man auf allen drei Gebieten das alles auch schon. Ich konnte nur sagen: Je weniger die Dreigliederung neu wäre, desto lieber wäre es mir. Ich strebe ja nicht danach, etwas Neues in die Welt zu bringen mit der Dreigliederung des sozialen Organismus, sondern das, was heute gerade in dieser Zeit für die Menschheitsentwicklung neu ist. Neu ist aber das daran, dass die Bestrebungen auf den einzelnen Gebieten zutage treten und dass man nur weiterkommt; wenn man sich sammelt in dem einen großen Impuls, eben der Dreigliederung des sozialen Organismus. Ich weiß sehr gul welche Einwendungen man von den verschiedensten Seiten her machen kann. Ich habe auch die Einwendungen, die man vom Standpunkte der internationalen Interessen machen kann, besprochen in meiner Schrift «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Ich weiß sehr gut, wie wenig Spannweite vorhanden ist für die Entfaltung der Dreigliederung und für ein assoziatives Wirtschaftsleben, in unserem durch den Friedensschluss so beschnittenen Deutschen Reiche. Aber wenn wir das Lebensmögliche und, wie ich glaube, Lebensnotwendige tun, dann wird sich doch - dazu habe ich Vertrauen - das eine ergeben, dass das Beispiel wirkt. Die Sieger, sie werden, wie sie irgendeine andere Erfindung von uns nehmen würden, auch wenn wir besiegt sind, auch eine gute soziale Sache, wenn wir sie zustande bringen, von uns nehmen. Das einzig Schwierige heute, was ich oftmals bedauern muss in unserem Kreise, das ist, dass wir zu wenig Menschen haben, die da wirken. Sehen Sie, das Buch «Die Kernpunkte der sozialen Frage» ist in  europäische Kultursprachen übersetzt, überall erschienen; in englischer, in italienischeg in französischer, in norwegisch-schwedischer Sprache. Die englische Übersetzung ist im Mai 1920 erschienen. Im Grunde genommen, trotzdem die Leute immer hingewiesen wurden darauf, dass ein Engländer über dasjenige, was von einem Deutschen ausgeht heute, kein richtiges Urteil haben möchte, sind in kurzer Zeit gerade in England objektive Besprechungen dieses Buches in Hülle und Fülle erschienen. Und wenn wir im Juli die MÖglichkeit gehabt hätten, in England Vorträge zu halten von Stadt zu Stadt, wenn wir die Stimmung, die für das Buch gemacht worden ist, hätten benützen können, dann wäre daraus etwas geworden. Dann hätte, davon bin ich überzeugt, eine deutsche Idee selbst unter den heutigen furchtbar ungünstigen Verhältnissen dort einen großen Eindruck gemacht. Wir konnten keine Vorträge halten lassen in England, wir sind viel zu wenig Leute. Die paar Waldorfleute, die wenigen Herren am «Kommenden Tag», die schinden sich, dass man schon sagen kann; für sie ist die Nacht lange Zeiten überhaupt kaum da. Wir haben im Grunde nur ein paar Menschen, und wir brauchten viele, viele Menschen, dann würde es gehen. Denn ich konnte Ihnen nur die Richtlinien geben, es sollten nur Anregungen sein; aber sie sind für uns dasjenige, was, wenn es durch eine genügend große Anzahl von Menschen vertreten werden kann, zur Gesundung des gegenwärtigen Lebens führen muss. Wir haben auch mit dem «Kommenden Tag», dieser «Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte», angefangen. Sie soll ein rein wirtschaftliches Unternehmen sein. Ich möchte natürlich durchaus darauf hinweisen, dass ja innerhalb des anderen Wirtschaftslebens eine solche einzelne kleine Gesellschaft nicht dasjenige sein kann, was die Dreigliederung will, selbstverständlich. Denn denken Sie doch nur, dass das Wichtigste ist, dass Sonderorganisationen wie zum Beispiel die Gewerkschaften aus der Welt geschaffen werden. Das kÖnnen wir nicht von heute auf morgen, besonders nicht so wenig Menschen, und besonders auch nicht, wenn einem so etwas passiert, wie mir hier in Stuttgart, als wir begonnen haben, für die Dreigliederung des sozialen Organismus  zu arbeiten, ich möchte die Sache gewissermaßen anonym sagen; ich kam ins Gespräch mit jemand aus den Kreisen der Bourgeoisie, der einen gewissen Anhang hat, nachdem es uns gelungen war, gerade unter der Arbeiterschaft viel Verständnis für den Gedanken der Dreigliederung hervorzurufen. Da sagte mir dieser Herr: Ja, ich sehe ein, in diesen Dingen steckt Fruchtbares; mit dem könnte man weiterkommen, wenn man Anhänger gewinnt. Aber um Anhänger zu gewinnen, dazu sind Sie mir mit den paar Leuten, die um Sie sind, doch zu wenig; auf so wenig Augen können wir die Sache nicht stützen. Daher ist es uns lieber - obwohl wir wissen, dass es auch mit Kanonen und Flinten nur noch 10 bis 15 Jahre gehen kann -, es beim Alten zu lassen. Wir haben es uns doch nicht verdrießen lassen, diesen «Kommenden Tag» zu begründen, obwohl wir nur einen ganz kleinen Teil unserer Ideen darin verwirklichen können. Dieser kleine Teil ist: dass in diesem «Kommenden Tag» und dem parallel damit gehenden «Futurum» in Dornach bei Basel Gesellschaften geschaffen sind, welche jene Schädlichkeiten hinwegräumen, wenigstens zunächst auf einem kleinen Gebiet, die man sieht, wenn man die heutige Wechselwirkung zwischen Bankwesen und Industriewesen studien. Ich kann das leider jetzt nicht einzeln darlegen, das würde zu weit führen, ich möchte nur das Positive sagen. Der «Kommende Tag» und das «Futurum» sollen solche Gesellschaften sein, in denen das Bankwesen so verwaltet wird, dass es nicht ein reines Bankwesen ist, sondern dass die Verwalter des Bankwesens in den einzelnen Industrieunternehmungen, die assoziativ zusammengeschlossen sind im «Kommenden Tag», drinnenstehen, zu gleicher Zeit tätig sind in der produktiven industriellen Arbeit, der ganzen Organisierung der Arbeit, und auch die Finanzverwaltung selbst besorgen. Eine Zusammenfügung desjenigen, was zum Unheil der Menschheit erst im 19. Jahrhundert getrennt worden ist; eine Zusammenfügung des Bankwesens mit der produktiven Arbeit, mit den industriellen, mit den kommerziellen Arbeiten und so weiter, das soll da geleistet werden. Und das wollen wir auch zeigen, dass dann das ganze soziale Leben wirklich gedeihen kann.  Ich habe vorhin erwähnt, dass wir ein therapeutisches Institut unter gewissen Bedingungen begründen wollen. Wir haben auch einen Verlag begründet. Die Waldorfschule steht in einer gewissen Beziehung auch finanziell in Verbindung mit dem «Kommenden Tag», wenn auch noch heute in einer losen Verbindung. Wir wollen zeigen, dass, wenn man in der richtigen Weise wirtschaften kann, man daneben geistige Institutionen begründen kann, wenn man nur genügend finanztechnischen Sinn hat, um mit langen Fristen zu rechnen. Denn geistige Institutionen rentieren auch, sie müssen nur lange Fristen dazu haben, und man muss nur einen offenen Sinn für dasjenige haben, was die Menschheit braucht. Wir sind überzeugt davon, dass die Heilmittel in der Weise, wie wir sie herstellen wollen, nicht irgendein unproduktives Unternehmen einschließen, obwohl kein anderer Gedanke darin verkörpert ist, als der Menschheit zu helfen. Aber gerade wenn man im edelsten moralischen Sinn auf solchen Gebieten wirkt, wirkt man auch im besten Sinne wirtschaftlich. Denn dasjenige, was sich herausstellt, ist: Indem man aus dem, was man auf der einen Seite gewinnt bei kurzfristigen Gewinnen, bei kurzfristigen Gewinnverhältnissen, hineinsteckt in solche Unternehmungen, die langfristigen Verhältnissen unterliegen, und wenn man mit offenen Augen die Dinge durchschaut, begründet man zu gleicher Zeit eine Wirtschaft, die auch das freie Geistesleben, das auch in die Wirtschaft hineingehört, umfasst. Da haben Sie ein Beispiel, dass wir die Dinge nicht nebeneinanderstellen wollen, sondern dass wir sie gerade deshalb gliedern, damit die Dinge in der rechten Weise zusammenwirken. Und wie wir in der Waldorfschule keine Weltanschauungsschule gründen wollen, sondern bloß in der Kunst des Erziehens und Unterrichtens das aus Anthroposophie Gewonnene geltend machen, wie wir dem Kinde nichts einpropfen wollen von irgendeiner Weltanschauung, sondern den Menschen selig werden lassen, wie er will. Die Menschen kritisieren immer, was sie bei uns als Dogmen auffassen. Wir haben keine Dogmen, sondern wir haben eine Methode des Suchens, und von ihr behaupten wir, dass sie nicht bloß in Bezug auf Weltanschauung eine richtige Methode ist, sondern auch in praktischen Fragen. In der Waldorfschule ist  uns das Wesentliche die Art, wie wir das Kind zu behandeln haben. Wir lassen den katholischen Kindern von katholischen Lehrern Religionsstunden geben, und den evangelischen Kindern von evangelischen Lehrern, aber wir wollen eine Methodik, die auf wirklicher, durchgreifender Menschenkenntnis beruht. Und so fällt es uns auch gar nicht ein, irgendeine Weltanschauung in wirtschaftliche Unternehmungen hineinzutragen. Das würden wir als Narrheit betrachten. Sondern es handelt sich darum, dass wir im «Kommenden Täg» so wirtschaften, dass der «Kommende Tag», so viel es heute möglich ist, auf das assoziative Prinzip des Wirtschaftslebens begründet ist; dass er dieses assoziative Prinzip, welches lebendig ist, wenigstens in dem einen Punkte realisiert, dass sich assoziieren die Bankhandlung, die Bankmaßnahmen mit den industriellen, den kommerziellen Maßnahmen; dass das ein organisches Ganzes bildet. Wir werden schon vielleicht es erleben, dass, wenn der Sache genügend Verständnis entgegengebracht wird, dieses wirtschaftliche Zentrum sich mehr und mehr ausdehnt und eine wirtschaftliche Assoziation, die dann als Beispiel andere hervorrufen kann, daraus entsteht. Das hängt von dem Verständnis, auch von dem - wie soll ich es ausdrücken - geberischen Verständnis ab, das uns die Mitwelt entgegenbringt. Ich weiß, dass ich das nicht hervorrufen könnte durch diese Andeutungen, aber die Literatur ist ja groß genug; zwei Bücher liegen vor von mig und jede Woche erscheint die von uns herausgegebene Wochenschrift ·Die Dreigliedening», in der wir die Fragen, um die es sich handelt, eingehend besprechen, in der auch in der letzten Zeit die Absichten des «Kommenden Tages» im Einzelnen behandelt worden sind; in der auch Streiflichter geworfen werden auf die Verhältnisse der Gegenwart, auf die Art und Weise, wie die Gegenwart behandelt werden muss, damit allmählich der Impuls der Dreigliederung als ein praktischer Impuls sich in das wirkliche Leben hineinbegeben kann und so weiter. Da wird auch Kritik geübt an dem, was unmöglich zu etwas anderem führen kann als zum Niedergang, jedenfalls nicht zum Aufgang in unserem wirtschaftlichen Leben. Und auch andere Literatur ist noch da. Und es ist der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus vorhanden, der versucht, diese Ideen zu pro pagieren, eben aus der Meinung heraus, dass nur auf diesem Wege ein Heil zu erringen ist. Meine sehr verehrten Anwesenden, verzeihen Sie es, wenn ich nur in der Lage war, einige Andeutungen zu geben, und wenn ich Sie verweisen muss auf das, was wir in der zuletzt charakterisierten Weise sonst tun für die Idee. Aber ich hoffe, dass diese Andeutungen doch hinweisen könnten erstens darauf, dass hier doch wenigstens versucht wird, aus den großen Tendenzen, die heute fordernd nach einem Aufbau aus dem Niedergang heraus vor uns stehen, und aus praktischen Ideen heraus, aus Ideen, die mit dem sozialen Leben und mit den wirklichen Menschen der Gegenwart rechnen, dass aus alledem heraus der Versuch gemacht wird, etwas zu tun, was durch ein freies Geistesleben und durch ein auf seinem Gebiet die Menschen befriedigendes Rechts- oder Staatsleben, zu einem gesunden Wirtschaftsleben führt. Wir können heute nicht mit kleinen Mitteln, die wir nur ablesen von dem, was schon verfehlt worden ist im Wirtschaftsleben, vorwärtskommen, sondern wir können nur vorwärtskommen, wenn wir uns entschließen, von großen Gesichtspunkten aus den Untergang des Wirtschaftslebens zu begreifen und daraus Impulse zu erzielen für einen wirklichen Aufgang, für eine Gesundung dieses Wirtschaftslebens.  ÜBER EXPORTINDUSTRIEN UND ASSOZIATIVE WIRTSCHAFT Gespräch zwischen RudolfSteiner und Arnold hb Dornach, 3. August 1921 Es ist zu unterscheiden zwischen: A) Exportindustrien aus Spekulation, das sind alle diejenigen Industrien, die den Export nur deshalb betreiben, um ihre Produkte irgendwo in der Welt abzusetzen, und dabei in jedem Gebiet, das sie beliefern, mit den dort ansässigen Industrien der gleichen Branche in Konkurrenz treten. Der Export solcher Industrien ist somit nur auf deren Expansionstrieb zurückzuführen und als Zeichen eines erfolgreichen Konkurrenzkampfes zu betrachten. B) Daneben gibt es Export-lndustrien, die durch das lokal begrenzte Naturvorkommen des betreffenden Erzeugnisses bedingt sind. So müssen der Chilesalpeter oder die Kalivorkommnisse des Elsasses notwendigerweise Exportindustrien sein, weil mehr oder weniger die ganze Kulturwelt ihren Bedarf an Orten dieser Vorkommnisse decken muss. Im Grunde genommen kann in assoziativen Wirtschaften gar nicht mehr von Exportindustrien gesprochen werden, weil das Wort «Export-lndustrie» eigentlich eine Industrie bedeutet, die den größten Teil ihrer Produkte über die Grenze der Staatswirtschaft, das heißt über die politischen Grenzen hinaus nach ändern Staaten exportiert. Da in der assoziativen Wirtschaft sich wirtschaftliche Beziehungen unabhängig von politischen Staatsgrenzen bilden, werden auch die Assoziationen ihre Vertragsfäden nach rein wirtschaftlichem Gesichtspunkte ziehen, sodass assoziative Einheiten eine oder mehrere Staatsgrenzen überlagern kÖnnen. Sachgemäß können daher an Stelle der Begriffe «Exportindustrie» und dndustrie für den Inlandsbedarf» höchstens die Begriffe von territorial ausgedehnten und territorial eng begrenzten Assoziationen gesetzt werden.  Bemerkungen 1. Auch bei den Export-lndustrien gibt es daher mehr oder weniger ständige und feste, das heißt vertraglich gebundene Abnehmer im Auslande. 2. Zollfrage: Muss auch in der Schweiz zurückgegangen werden auf Mitte des neunzehnten Jahrhunderts? Von dieser Zeit an werden die Freihandels-Bestrebungen nicht mehr weitergeführt. Die Freihandels Bestrebungen wurden abgebrochen und an ihre Stelle traten die schutzzöllnerischen Bestrebungen. 3. Praktischer Anfang der assoziativen Wirtschaft: Beispiel Strickwarenfabrik: Es müsste das Gegenteil von dem angestrebt werden, was heute vorhanden ist, das heißt, der Fabrikant müsste nicht mehr Agenten zu den Konsumenten schicken, um seine Waren zu verkaufen, sondern die Konsumenten müssten ihre Einkäufer zum Fabrikanten schicken, durch diese Einkäufer wäre dem Fabrikanten ein einwandfreies Bild des Bedarfes gegeben und dieser hätte dementsprechend die Ausdehnung seines Betriebes anzupassen. Um einen praktischen Anfang zu machen, müsste eine Anzahl von Konsumenten aus einem tatsächlichen Verständnis für die assoziative Wirtschaft heraus in der angedeuteten Weise zu einem Fabrikationsunternehmen halten und vertragliche Abmachungen hinsichtlich der Warenlieferungen treffen. Sie müssten aus der angedeuteten wirtschaftlichen Einsicht heraus auch dann zu dem Unternehmen halten, wenn dessen Produkte vielleicht im Anfang und vorübergehend im Preise etwas höher zu stehen kommen sollten als andere Konkurrenzprodukte. Ein solches Höherstehen der Preise der Assoziationsfabrik gegenüber anderen Konkurrenzfabrikaten wäre in der Übergangszeit deshalb möglich, weil die Konkurrenz auf Kosten der Qualität oder auf Kosten des sozialen Gleichgewichtes durch Drücken der Angestelltengehälter oder endlich durch spekulative Aussetzung von Momentankonjunkturen niedrigere Preise erzielen kÖnnten.  4. Unter Berücksichtigung, dafür, dass die anthroposophische Gesellschaft gegenwärtig zusammen 9000 Mitglieder zählt, dürfte doch angenommen werden, dass bei gegenseitiger Organisation bereits heute Fabriken wie unsere Strickwarenfabrik und so weiter ihren Betrieb in einer Art assoziativen Verhältnisses dieser Konsumentenschaft von 9000 Mitgliedern eingliedern könnte.  ANSPRACHE BEI DER VERSAMMLUNG DER BETRIEBSRÄTE DES «KOMMENDEN TAGES» Auszüge aus dem Protokoll Stuttgart, 10. September 1921 /Einleitend berichten die Arbeitnehmervertreter der uerschiedenen Betriebe über Missstände und Diskrepanzen ztuiscben dem Ideal der Dreigliederung und der Realität in den Betnieben. Aufeine Rückfrage Rudolf Steiners "wird das Beispiel eines unfähigen Werkmeisters genannt. Die Betriebsräte würden zu wenig einbezogen in Betriebsentscbeidungen. Eine Diskussion über interne Betriebsfragen wird auf Wunsch Rudolf Steiners abgebrochen, da dies der falsche Ort für deren Besprechung sei.] Rudolf Steiner sagt, dass vieles von dem Vorgebrachten seine Berechtigung habe, dass aber die Ideen der «Kernpunkte» erst dann sich voll ausleben können, wenn wir weiter sind. Bei diesen Dingen muss berücksichtigt werden, dass ehrliche Absichten da sind, aber man muss zusammenkommen und durch Aussprachen, nicht durch Aneinandervorbeireden, die ungeheuren Schwierigkeiten überwinden. Vom Standpunkte einer wirklichen Praxis sind wir alle in einer Zwangslage. Ordentliche Betriebsleiter können wir nur dann haben, wenn diese aus der Praxis erwachsen. Ein vielfaches Hindernis der Verständigung sind die verschiedenen Anschauungen, die nur durch eine gewisse Liberalität überwunden werden können. Häufig genug hindert die Intoleranz der Gewerkschaften ein vernünftiges Zusammenarbeiten. Die Institutionen können nicht von heute auf morgen geändert werden, ebenso wie der Unternehmer gewisse Verpflichtungen gegenüber seiner Organisation zu erfüllen hat. Bei dem Bau in Dornach war ein vernünftiges Zusammenarbeiten möglich, da der Bau nur aus der Opferwilligkeit heraus gebaut werden konnte. Seit 1918 ist das gegenseitige Verstehen sehr erschwert. Nicht ein Phantasieren auf beiden Seiten führt zur Verständigung, sondern die Brücken müssen gefunden werden durch ein liebevolles AufeinanderEingehen. Dazu müssen wir kommen. Man müsste sich gegenseitig verstehen.  Auf beiden Seiten ist alles Mögliche berechtigt, es ist aber schwer, eine Verständigung zu finden. Die Schulbildung der Arbeiter hindert diese nicht daran, denn sie ist nach meiner Ansicht reichlich vorhanden gewesen. Es wäre notwendig, dass sie uns glaubten und dass die Leute uns entgegenkommen würden. Es ist heute noch so, dass man Schäden und Fehler erkennt, aber mit Rücksicht auf die bestehenden Hindernisse nur schwer über manches hinwegkommt, weil das dafür notwendige Verständnis fehlt. [Weitere Diskussion: über das gegenseitige Verständnis, Forderung nach einem Existenz-Minimum, über Akkord-Arbeit.] Rudolf Steiner nimmt dann das Wort zu seinen Schlussausführungen. Er hebt immer wieder hervor, dass es unbedingt notwendig ist, dass die Menschen, die in den Unternehmungen des «Kommenden Tages» zusammengeschlossen sind, durch Vertrauen und gegenseitige Verständigung die Brücke bauen müssen, die den Übergang aus den alten faulen Zuständen zu neuen und gesunden möglich machen soll. Er spricht seine Freude darüber aus, dass die Aussprache mit den Betriebsräten zustande gekommen ist, und wünscht, dass in Zukunft derartige Aussprachen stattfinden möchten. Rudolf Steiner führt ungefähr das Folgende aus: Grundlegend ist die Propaganda für die Dreigliederung, weil man darin die Rettung aus der Misere sehen kann. Die Meinung, die Dreigliederung sei infolge der mangelhaften Schulbildung von dem Proletariat nicht erfasst worden, ist nicht richtig. Die Idee ist in gewissen weiten Kreisen des Proletariats richtig verstanden worden. Aber anstatt nun die Idee bis in die letzten Konsequenzen zu verfolgen, hat die Arbeiterschaft sich an die alten Führer gewandt und die Dreigliederung zuletzt doch im Stich gelassen. Es ist nur möglich, weiterzukommen, wenn man als Mensch sich an die Arbeiterschaft wendet. Der Weg zum Verständnis war da, aber die Führerschaft ist uns in den Rücken gefallen. Der «Kommende Tag» ist heute eigentlich nur ein Surrogat. Er wurde nicht gegründet, um die Gedanken der Dreigliederung festzuhalten, sondern um ein Zentrum zu haben, von dem aus weitergearbeitet werden kann. Heute kann der «Kommende Tag» vieles  noch nicht befriedigen; aber als Ausgangspunkt hat er seine große Bedeutung. Wäre die Dreigliederung im Jahre 1918 zur Durchführung gekommen, dann wäre wirklich etwas anderes daraus geworden, als der «Kommende Täg» heute darstellt. Es wäre nötig, dass sich das assoziative Leben aus dem Verständnis der Einzelnen für ein solches entwickelte. Heute muss der Wille dafür so stark wie möglich werden. Wir müssen aber auch ganz anders reden, und die Konsequenzen müssen gezogen werden im Hinblick auf das, was in der Zukunft notwendig ist. Durch die Begründung des «Kommenden Tages» sind diejenigen Unternehmer, die sich mit dem «Kommenden Tag» zusammengetan haben, eigentlich boykottiert. Trotzdem muss weitergearbeitet werden, und es muss damit gerechnet werden, dass ein weitgehender Boykott einsetzen wird. Jetzt müsste man einen gemeinsamen Boden haben, wo man sich von Mensch zu Mensch nach großen Gesichtspunkten hin orientierte. Einzelschäden müssen getrennt von den großen Fragen behandelt werden. Es leben in vielen KÖpfen gesunde Ideen, aber viele reden heute Kohl und bemerken nicht, dass wir jetzt in die großen Krisen hineinkommen, die noch viel furchtbarer werden als die gewesenen. Jeder hat soziale Impulse, aber man sagt Dinge, die Hoffnungen erwecken, oder man schweigt sich aus. Das Vertrauen von Mensch zu Mensch muss gesucht werden. Nur mit Vertrauen können wir weiterkommen. Vielfach kann das Vertrauen dadurch nicht zustande kommen, weil eine Zwischenperson ein gutes Zustandekommen unmÖglich macht. Der Weg muss gefunden werden zur sachgemäßen Behandlung der Fragen. Man müsste sich verständigen, gewissermaßen ohne zu reden. Wir sind gescheitert mit der Dreigliederung und stehen jetzt als Surrogat da. Bei den früheren Studienabenden hätte man Tagesfragen behandeln sollen anhand der «Kernpunkte», und nicht über die Kernpunkte selbst diskutieren sollen. Es wäre notwendig, diese Studienabende heute in der richtigen Weise weiterzuführen. Derjenige, der dazu da wäre, die Schäden abzuschaffen, und es nicht tut, der erblickt dieselben viel deutlicher. Ändern wird sich nichts, wenn die Arbeiterschaft den «Kommenden Tag» nicht ernst nimmt und sich eng zusammenschließt. Wir müssen den Weg finden,  dass sich unsere Arbeiterschaft zusammenschließt, und die anderen werden sich finden und sich bereit erklären zur Arbeit. Nur gemeinschaftlich können wir zu einem Ziele kommen. - Was ist das Existenz-Minimum? Man muss die Sache im Großen angreifen. Führt ein Betrieb das Existenz-Minimum ein, dann geht dieser Betrieb zugrunde, und die Arbeiter sitzen auf der Straße. Eine volle Befriedigung einzuführen ist dem Einzelbetrieb nicht möglich. Das Proletariat kann uns davor bewahren, dass wir ins kapitalistische System hineinkommen. Die Arbeiterschaft muss so auf uns halten, dass sich aus unseren Reihen ein fester Verband entwickelt, an dem man hängt mit derselben Zähigkeit, wie man heute noch teilweise an den Gewerkschaften hängt. Ein solcher Verband müsste unbedingt entstehen. Der Weg dazu müsste gefunden werden, dass sich die Arbeiterschaft zu einem solchen neuen Verbände zusammenschließt. Nur durch gegenseitiges Vertrauen ist es möglich, zu diesem Zusammenschluss zu kommen, und die Arbeiterschaft müsste die Initiative ergreifen hierzu. Von dem Proletariat zu verlangen, es solle aus den Gewerkschaften austreten, das geht nicht von heute auf morgen und ist auch nicht meine Absicht. Die Gewerkschaften dürfen jedoch kein Hindernis sein, um zu dem assoziativen Zusammenleben zu kommen. Besser wird es nicht, wenn nicht möglichst viele gesunde Ideen in möglichst vide KÖpfe hereinkommen.  ANSPRACHE AN DER MITARBEITERVERSAMMLUNG DER ·ZENTRALE· DES ·KOMMENDEN TAGES· ANLÄSSLICH DER EINFÜHRUNG VON EMIL LEINHAS ALS GENERALDIREKTOR Stuttgart, 22. September 1921 Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Die Entwicklung der Verhältnisse im «Kommenden Tag» macht Veränderungen notwendig in diesem gegenwärtigen Zeitaugenblick, die, meiner Meinung nach, von einer einschneidenden Bedeutung sind, und ich werde zuerst mir gestatten, Ihnen diese Veränderungen gewissermaßen aus ihrer geschichtlichen Notwendigkeit heraus vorzutragen, und werde mir dann erlauben, einige Bemerkungen daran zu knüpfen. Die Verhältnisse in einer solchen Assoziation, wie der «Kommende Tag» sein soll, sind ja naturgemäß im Anfang solche, die erst nach und nach die bleibende Gestalt annehmen können, das heißt eine solche bleibende Gestalt, dass man mit ganz festen Verhältnissen rechnen kann. Und so hat sich denn in den letzten Tagen immer mehr und mehr gezeigt, dass im gegenwärtigen Zeitaugenblick Veränderungen notwendig sind. Sie wissen ja, dass vor einiger Zeit die Firma del Monte sich dem «Kommenden Tag» angeschlossen hat. Der Anschluss der Firma del Monte an den «Kommenden Tag» war dazumal mit außerordentlichen Opfern dieser Firma verbunden. Der bisherige Generaldirektor des «Kommenden Täges», Herr BenkendOrfer, war ja eine der Seelen der Unternehmung del Montes dazumal, und es war schon sowohl für die zurückbleibenden AssociCs der Firma del Monte wie auch für Herrn BenkendOrfer selbst ein menschlich und geschäftlich denkbar größtes Opfer, damals diejenige Konstellation herbeizuführen, die notwendigerweise herbeigeführt werden musste durch die Übernahme der Generaldirektion des «Kommenden Tages» durch Herrn BenkendOrfer.  Nun hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass die Firma del Monte, die ja unbedingt rechnet - und das kann ja natürlich nur im Sinne des «Kommenden Tages» gelegen sein -, die rechnet mit einer außerordentlichen Ausbreitung, es hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, dass die Firma del Monte an den Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» herantreten musste und ihm bemerklich machen musste, dass Herr BenkendOrfer für die zukünftige Erweiterung der Unternehmung del Monte, die natürlich jetzt ein integrierender Teil des «Kommenden Tages» ist, absolut notwendig ist; nicht etwa für die heutigen Verhältnisse dort allein, sondern weil es im vitalsten Interesse des «Kommenden Tages» liegt, dass die so nötige und aussichtsvolle Verbreiterung der ehemaligen Firma del Monte geschehen könne. Der Aufsichtsrat des «Kommenden Täges» konnte sich der Einsicht nicht verschließen, dass diesem so dringenden Verlangen vonseiten der Unternehmung del Monte absolut entgegengekommen werden muss; und wir sahen uns in die schmerzliche Lage versetzt, Herrn BenkendOrfer, der sich mit dieser Konstellation seinerseits einverstanden erklärte, wir sahen uns schmerzlich veranlasst, Herrn BenkendOrfer zuzugestehen, dass er seine Demission als Generaldirektor des «Kommenden Täges» erhält und weiter seine so wertvollen Arbeitskräfte der Unternehmung del Monte zuwendet. Es wird also Herr BenkendOrfer im Rahmen des «Kommenden Tages», in dem ja durchaus die Firma del Monte verbleibt, seine Arbeitskraft der Firma del Monte zuwenden. Damit, meine lieben Freunde, war für uns die Notwendigkeit gegeben, nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit den Posten des Generaldirektors wieder zu besetzen, und es muss hervorgehoben werden, dass diese Besetzung nur unter Bedingungen möglich war, welche vor einiger Zeit hätten noch gar nicht eintreten können, denn der Posten des Generaldirektors des «Kommenden Tages» ist einer der denkbar schwierigsten nach der ganzen Stellung, die bei Anhängern und Gegnern der «Kommende Tag» in der Welt einnimmt. Nur dadurch, dass Herr Molt die MÖglichkeit vor Augen sah, nun unter den gegenwärtigen Verhältnissen selber allein hauptsächlich die WaldorfAstoria zu führen und auf etwas zu verzichten, auf das er vor kurzer  Zeit noch nicht hätte verzichten können - nämlich auf die wertvolle Mitarbeit des Herrn Leinhas -, nur dadurch war es möglich, überhaupt den Posten unseres Generaldirektors mit einer entsprechenden Persönlichkeit wiederum zu besetzen. Und ich nehme daher ausdrücklich Veranlassung zu betonen, dass aus einem weitsichtigen Erkennen der Gesamtinteressen des «Kommenden Tages» Herr Molt sich entschloss, die verantwortliche Leitung der Waldorf-Astoria auf seine Schultern zu laden, und dadurch dem Aufsichtsrat des «Kommenden Iäges» die MÖglichkeit gegeben hat, überhaupt unter den gegenwärtigen Verhältnissen weiterzukommen. So lag also für uns die Notwendigkeit und damit auch die Möglichkeit vog den Posten des Generaldirektors zu besetzen, und ich darf Ihnen in diesem Augenblick Herrn Emil Leinhas, der Ihnen allen gut bekannt ist, als den künftigen Generaldirektor vorstellen. Nun, das ist zunächst die tief einschneidende Veränderung, die hier in der Konstitution des « Kommenden Tages» vor sich geht. Und nun gestatten Sie mir, dass ich einige Bemerkungen an diese Darstellung der geschichtlichen Verhältnisse anknüpfe. Das Erste, was ich zu sagen habe - und von dem werden Sie glauben, dass es mir aus dem tiefsten Herzen herauskommt -, das ist das, dass ich auch Ihnen gegenüber aussprechen muss, wie sehr wir alle, Aufsichtsrat, Direktorium und die gesamte Mitarbeiterschaft des « Kommenden Tages», Grund haben, aus tiefster Seele heraus unser Dankbarkeitsgefühl zu empfinden für dasjenige, was unter großen Opfern Herr BenkendOrfer für den «Kommenden Tag» während der Zeit seiner Generaldirektorschaft geleistet hat. Herr BenkendOrfer hat nicht nur unter großen Opfern den «Kommenden Tag» als Generaldirektor übernommen, sondern hat ihn übernommen in einer für den «Kommenden Tag» außerordentlich schwierigen ZeiL und seine Aufgaben waren schon solche, dass man von ihnen sagen kann, gerade in diesen Monaten, in denen Herr BenkendOrfer dem «Kommenden Täg» vorstand, waren die Aufgaben solche, die schwer auf den Schultern einer Persönlichkeit lasten mussten. Meine lieben Freunde, derjenige, der als Mitarbeiter in einem Betrieb darinnensteht und insbesondere in einem solchen, wie der  «Kommende Tag» ist, der ahnt oft gar nicht, welche Sorgen in der Seele desjenigen leben, der nun die zahlreichen Fäden zu ziehen hat von innen nach außen, der für die Prosperität, das Gedeihen und die Entwicklung einer solchen Unternehmung zu sorgen hat, und alle diese schweren Aufgaben - sie hat Herr BenkendOrfer übernommen, und ich darf Ihnen aus tiefster Überzeugung heraus sagen, dass für den ganzen «Kommenden Tag» Herr BenkendOrfer etwas gar nicht hoch genug zu Schätzendes geleistet hat, und Sie werden es begreiflich finden, dass dieser tief gefühlte Dank, von dem ich gesprochen habe, auch hier ausgesprochen wird. Er ist gestern von mir ausgesprochen worden im Aufsichtsrat des «Kommenden Tages», und es ist ihm in der weitestgehenden, ungeteiltesten Weise von dem gesamten Aufsichtsrat und Direktorium des «Kommenden Täges» zugestimmt worden. Es obliegt mir, im Anschluss daran zu sagen, dass es selbstverständlich war, dass die Verbindung, die durch das Generaldirektorat Herr BenkendOrfer mit dem «Kommenden Tag» hatte, einen Zusammenhang entwickelt hat, der aufrecht bleiben muss; daher sah sich der Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» veranlasst, Herrn BenkendOrfer zu bitten, in den Aufsichtsrat einzutreten - eine Sache, die die nächste Generalversammlung zu konsolidieren haben wird. Herr BenkendOrfer wird also im Schoße des Aufsichtsrates selbst weiterarbeiten, auch dem Verwaltungsrat angehören und als Delegierter des Verwaltungsrates die Arbeiten bei del Monte besorgen. So wird in weitestgehendem Umfange Herrn BenkendOrfers wertvolle Arbeitskraft dem «Kommenden Tag» auch weiterhin zugutekommen. Ich habe gebeten, dass auch durch Beschluss des Aufsichtsrates der ganze Dank und Hoffnungsausdruck dem Protokoll des Aufsichtsrates des «Kommenden Tages» als ein geschichtliches Faktum einverleibt wird. Nun, meine lieben Freunde, komme ich zu dem zweiten Teil. Das ist dasjenige, was sich auf die Zukunft bezieht. Gestatten Sie mir, dass ich einige Bemerkungen dazu mache. Es handelt sich darum, dass insbesondere die letzten Wochen gezeigt haben, welche Bedeutung in der Welt dasjenige eingenommen hat, das in der verschiedensten Weise herausgewachsen ist aus der anthroposophischen Bewegung.  Wir haben in Stuttgart Ende August bis Anfang September einen anthroposophischen Kongress gehalten; dieser anthroposophische Kongress ist von 1600 Menschen besucht worden und ist in einer solchen Weise verlaufen, dass jeder Unbefangene sagen muss: Hier ist etwas geschehen, das sonst wo in derselben Weise nicht in der Welt geschieht, und es gehört eben zu den Niedergangserscheinungen unserer Zeit, dass nicht in weitestem Umfange in gebührender und entsprechender Art auf ein solches Faktum hingedeutet wird, dass man nicht recht achtgibt, es als etwas Selbstverständliches ansieht in unserer Zeit, die das Gegenteil so sehr nötig hätte. Man darf sagen, innerhalb des Rahmens dieses anthroposophischen Kongresses ist dasjenige, was anthroposophische Bewegung seit Jahrzehnten in durchgreifender Weise vertritt, durch eine Art von Feuerprobe hindurchgegangen. Auf diesem Kongress wurden geistige Leistungen vollbracht, welche meiner festen Überzeugung nach zu demjenigen gehören, was sonst gegenwärtig eben nicht zu finden ist, und ich möchte aus der Summe dieser geistigen Leistungen zwei hervorheben, die charakteristisch sind für dasjenige, was innerhalb des Rahmens unserer anthroposophischen Bewegung geschieht - dieser Bewegung, die so sehr in der Welt verleumdet wird. Ich möchte nicht zurückschrecken davor, das zu sagen, was meine Überzeugung ist, denn nicht seine Überzeugung auszusprechen, betrachten viele Menschen heute schon als ihre Mission. Wir kommen aber nicht weiter, wenn nicht aus Wahrheit ehrliche Überzeugung - auch da, wo etwas Mut dazugehört zu dieser Überzeugung -, dieselbe ausgesprochen wird. Man könnte über diesen Kongress viel sagen, meine lieben Freunde, aber es soll dasjenige, was ich als Beispiel heraushebe, nicht etwa den Glauben erwecken, dass nicht ein Ähnliches über anderes gesagt werden könnte - aber das wird ja vielleicht von anderen geschehen. Mir liegt es gerade nahe, einige Beispiele aus dem ganzen Verlauf der geistigen Leistungen unseres anthroposophischen Kongresses hervorzuheben. Wir dürfen ja sagen, dass eigentlich dasjenige, was aus den Untergründen der anthroposophischen Bewegung hervorgegangen ist, in erster Linie zu nennen ist die von Herrn Emil Molt  jetzt schon vor Jahren gegründete Waldorfschule. Mag die Außenwelt denken, wie sie will, über diese Waldorfschule; dasjenige, was äußerlich vorliegt, ist doch das, dass heute schon ein großer Teil der Welt auf diese Schule schaut und ein anderer Teil keucht unter der Unmöglichkeit, ähnliche Schulen überall in der Welt zu errichten. Man seufzt nach dem Geist der Waldorfschule in allerweitesten Kreisen. Ich möchte sagen, auf dem Gebiet des inneren Wirkens hat sich auch dieser Geist der Waldorfschule gerade auf dem Kongress ausgelebt. Wir haben erlebt, dass eine Lehrkraft der Waldorfschule, Fräulein Caroline von Heydebrand, einen Vortrag hielt über etwas, was in unserer Zeit überaus beliebt ist und was mit dem bekannten Namen «Experimentelle Psychologie und Pädagogik» im heutigen Schulwesen eine außerordentliche Rolle spielt. Für denjenigen aber, der wirklich etwas versteht vom Schul- und Unterrichtswesen, dem wird die Entwicklung dieser Methode auf dem Gebiete der Menschheitsentwicklung nichts anderes bedeuten, als dass sie ihm zeigt, wie fremd eigentlich der innere Mensch dem Menschen, der Erzieher dem Kinde, geworden ist. Nun wurde von Fräulein von Heydebrand auf dem Kongress eine eingehende Kritik geliefert dieses modernen Erziehungswesens - man könnte auch sagen Unwesens -, und es wurde gezeigt, dass von einem höheren Gesichtspunkte herab man in der Lage ist, Wesen und Geist der Erziehung und des Unterrichts gerade aus dem Gebiet der Waldorfschule heraus in die Welt zu tragen. Es war eine pädagogisch-didaktische Tat allerersten Ranges, die damit geschehen ist, und wie gesagt, man muss heute den Mut dazu finden, da, wo nicht aus den gebräuchlichen und gewohnten Untergründen heraus über den Wert menschlicher Leistungen Urteile gefällt werden, mit Rückhaltlosigkeit dies zu sagen, was gesagt werden muss: dass eben hier etwas geleistet worden ist, was eine Zeitbedeutung hat und was eben nur aus diesem Geiste hervorgehen kann. Es muss in diesem Kreise erwähnt werden, weil viel davon abhängt von dem Fortgang des «Kommenden Tages», dass man einsieht, wie menschliche Leistungen, die sich dazu anschicken wollen, gegenüber den Niedergangskräften Aufgangskräfte hervorzubringen, wie solche Leistungen eingeschätzt werden müssen. Wir dürfen nicht  schlafend vorübergehen, sonst kommen wir weltgeschichtlich unter die Räder und können gründen, so viel wir wollen. Das, worauf es ankommt, ist menschliche Urteilsfähigkeit. Wir müssen verstehen können, den Menschen an den richtigen Platz zu stellen, dann wird auch in sozialer Beziehung das Richtige geschehen. Nun möchte ich von der zweiten Sache sprechen. Wir stehen heute in der Notwendigkeit darin, eine gründliche Empfindung zu entwickeln - jeder Mensch steht in dieser Notwendigkeit darinnen -, eine gründliche Empfindung von dem zu entwickeln, was sozial werden soll. Von einer solchen Empfindung ging aus überhaupt alles dasjenige, was verknüpft ist mit dem Namen der Dreigliederung des sozialen Organismus. Die meisten von Ihnen werden es wissen, meine lieben Freunde, dass von April 1919 ab versucht worden ist;, der Welt klarzumachen, dass in dieser Dreigliederung dasjenige gegeben ist, was wirklich die großen sozialen Fragen der Gegenwart einer zeitgemäßen Lösung entgegenführen kann. Versucht ist es worden. Dasjenige, was wir erlebt haben, gehört zu dem denkbar Tragischsten; wir haben erlebt, dass gerade in die Proletarierseele und Herzenstiefen hineingegriffen hat das, was dazumal versucht worden ist. Es mag im Anfang so unvollkommen wie möglich gewesen sein - die Wirkung ist in die Proletarierherzen gedrungen. Wir haben sehen können, dass, selbst wenn es im Anfang unvollkommen war, dass nach und nach wirksame Kräfte sich entwickeln könnten, wenn alle Menschen, die daran beteiligt sind - und es sind alle Menschen daran beteiligt -, wenn alle Menschen dabei mitarbeiten würden. Dazumal ist die Sache so, wie sie propagiert worden ist von uns in der verschiedensten Weise, gescheitert, und dieses Wort «sie ist gescheitert», das ist schon dasjenige, was man in die Herzen schreiben sollte. Insbesondere in der Proletarierwelt ist die Sache gescheitert, und ich kann nicht anders, als es der Wahrheit gemäß erwähnen. Jetzt kommen manche gerade aus Proletarierkreisen und sagen: Ja, sie musste eben scheitern, weil unsere Schulbildung nicht darnach war, dass wir die Sache voll begreifen konnten. - Damit wird ein großer Irrtum in die Welt gestellt; die Schulbildung hätte vollständig ausgereicht; es hat sich auch gezeigt, dass sie ausgereicht hat.  Dasjenige, was dazumal eingetreten ist, das war die furchtbar geschwungene Fuchtel derjenigen der Proletarierfiihrer, die nicht verstehen konnten oder wollten, um was es sich handelt, und die der ganzen Bewegung der Dreigliederung die Spitze abgebrochen haben. Und es wird nicht gut sein, wenn man mit der mangelhaften Schulbildung dasjenige übersehen wollte, was gar nicht vorhanden ist, dasjenige übersehen wollte, was als Autoritätsgefiihl gegenüber den eingesessenen Führern sich nicht hat brechen lassen. Damit ist vieles von dem heraufgezogen - es ist meine tiefe Überzeugung -, was zu den Ungliickskräften der Gegenwart gehört. Und wahrscheinlich werden gerade diejenigen Menschen, die schon etwas verstanden haben von der Sache, sie werden es noch tief schmerzlich empfinden müssen, dass dazumal nicht energischer von gewissen Seiten der Einsichtigen an die Sache herangegangen worden ist. Dasjenige, was gebraucht wird im sozialen Leben, das ist heute nicht das Darinnenstehen im einzelnen Betriebe allein, ist nicht alleine die Möglichkeit, den einzelnen Betrieb zu leiten; dasjenige, was gebraucht wird, ist eine Überschau über die wirtschaftliche Lage der ganzen Welt. Im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts hat sich der Gedanke von Weltverkehr in Weltwirtschaft umgewandelt, und die Weltwirtschaft ist heute dasjenige, was - trotzdem der Krieg so furchtbare uniibersteigliche Grenzen gebildet hat, die eigentlich nicht da sein dürften -, was wir brauchen in wirtschaftlicher Beziehung. Die Weltwirtschaft steht trotzdem da als eine Forderung, an der nicht vorbeigegangen werden kann. Und im Grunde genommen kann niemand im großen Stile - und der muss sein - mitwirken im kleinsten Rahmen, der nicht Überschau hat über dasjenige, was Weltwirtschaft erfordert. Nun versucht die Universitätswissenschaft, vielfach aus Köpfen heraus, die dem Leben so fernestehen und die nur theoretisieren können, versucht die Nationalökonomie, aus dem sozialen Geschehen allerlei zu begründen, aus dem heraus man wissen kann, was man eigentlich in der wirtschaftlichen Praxis zu tun habe. Und durch dasjenige, was Universitätsprofessoren und ihr Anhang durch lange Zeiten auf diesem Gebiete geleistet haben, sind ja auch die populären  Theorien entstanden - Sie können das in meinen «Kernpunkten» nachprüfen -, mit denen man heute die Welt reformieren will und die nichts anderes sind als weltfremde, auf dem Professorenboden erwachsene Theorien. Nun, bei unserem anthroposophischen Kongress hat sich noch das Folgende zugetragen: Herr Leinhas hat einen Vortrag gehalten, der anknüpft an das vor Kurzem erschienene Buch eines außerordentlich liebenswürdigen und unter Fachkollegen außerordentlich hervorragenden Universitätsprofessors der Nationalökonomie. Man kann sagen, das Buch gehört, weil es außer dem, dass es die verschiedenen rechnerischen und sonstigen spekulierenden Eigenschaften der Nationalökonomie hat, weil es außer dem noch einen gewissen menschlichen Charakter hat, es gehört zu den sympathischsten Erscheinungen auf dem sozialen Gebiete der Gegenwart. Daher war es außerordentlich glücklich, dass Herr Leinhas an dieses Buch angeknüpft hat und während seines Vortrags in durchgreifender Weise gezeigt hat, wie gerade an diesem Buch, das herausgewachsen ist aus dem akademischen Denken der Wissenschaft, ersichtlich ist, dass die ganze Universitätswissenschaft im wirtschaftlichen Leben nichts nützen kann. Sie kann auch nichts nützen, indem die verschiedenen Parteisekretäre ihr Wissen aus den Büchern der Universitätsprofessoren herausdestillieren. Dadurch werden die Theorien nicht lebenssicher, dass einzelne Parteisekretäre das abschreiben und etwas parteimäßig färben, was in den weltfremden Universitätsstuben der Nationalökonomen gedeiht, denn so liegt die Sache auf diesem Gebiet. Diesem ganzen Treiben wurde durch den Vortrag des Herrn Leinhas aus einer gründlichen Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart die Maske vom Gesicht gerissen, und die Leistung des Vortrags besteht darin, dass die Universitätswissenschaft mit allen ihren Ablegern gerade durch den weiteren Ausbau desjenigen, was in dem Vortrag gegeben ist, am Boden wird liegen müssen, und wir haben gezeigt, dass man auf diesem Gebiet aus einer ganz anderen Ecke heraus wird zu arbeiten haben. Meine lieben Freunde, würde man heute aus unbefangenem Menschenurteil heraus dasjenige vollziehen, was aus den ältesten, heute  noch bleibenden Vorurteilen vollzogen wird, dann würden die Urteile, die heute in die Welt gehen, anders lauten. Der Vortrag über die experimentelle Pädagogik und Psychologie Fräulein Dr. von Heydebrands würde lange Zeit in allen Lehrerkreisen und auf allen Lehrerkongressen als dasjenige, was die brennende Frage der Gegenwart ist, besprochen werden müssen. Dasjenige, was Herr Leinhas dargeboten hat, würde das vorgebracht bei denjenigen Leuten, die ja auch Kongresse abhalten oder Ähnliches tun und auf die man gewohnt ist hinzuschauen, so würden wochenlang in allen wichtigsten Zeitungen ganze Spalten gefüllt sein mit demjenigen, was gezeigt wurde, und es würde hin und her, pro und kontra diskutiert werden, um die geistigen Ergebnisse unserer Zeit darin zu bewerten. Es muss schon aus einem anderen Ton heraus gesprochen werden, wenn man heute von der Wahrheit aus die Unwahrheit der Welt charakterisieren will. Und wünschen möchte man, dass unter Ihnen, meine lieben Freunde, empfängliche Herzen und Seelen sind, die sich nicht in der Lage befinden, aus dem ältesten Schrot und Korn herausnehmen zu müssen diejenigen Leute, die die verschiedenen Karren weitertreiben sollen. Wir haben es ja von gestern auf heute erfahren müssen, wie man, um einen der wichtigsten Posten zu besetzen, nach einer der ältesten Persönlichkeiten, die längst «erledigt» war, hat greifen müssen. Das sind nur symptomatische Erscheinungen, weil die Menschen kein Urteil sich aneignen wollen über Dinge, die ursprünglich geschöpft sind aus dem Leben heraus, und sie suchen dann die entsprechenden Posten, weil sie zu keinem anderen Urteil kommen können, aus ältesten Vorurteilen heraus zu besetzen. Von diesen Dingen müssen wir loskommen, wenn wir heute die Dinge zu bewerten verstehen wollen; und wir bewerten sie richtig, wenn wir jetzt in diesem Augenblick sagen: Es gehört zum größten Glück, das der «Kommende Tag» haben kann, dass er in der Persönlichkeit des Herrn Emil Leinhas, die so außerordentlich gezeigt hat, was sie vermag, dass er in dieser Persönlichkeit eine entsprechende Leitung bekommt. Und ich glaube, es ist Pflicht eines jeden, der im «Kommenden Tag» darinnenlebt und mitarbeitet, sich dieser Tatsache bewusst zu sein.  Das ist es, worauf es ankommt, dass wir den wahren Menschenwert zu bemessen in der Lage sind. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, dann kommen wir aus den Niedergangskräften nicht heraus. Herr Leinhas ist keiner von den Gelehrten; er kennt die Praxis des Lebens in allen ihren Verzweigungen, er kennt sie aus der Wirklichkeit heraus. Und eine solche Persönlichkeit war notwendig, um dasjenige zu kritisieren, was bei den Parteiführern aus lebensfremden Theorien herauswächst. Dasjenige, was mir heute, an diesem Tage, am Herzen lag, ist, Ihnen zu sagen, dass alle diejenigen, die etwas verstehen von den Aufgaben des «Kommenden Täges», es als ganz besonderes Glück ansehen müssen, dass nun eine Persönlichkeit, die heute auf nationalökonomischem Gebiet durch ihre Leistungen während des Kongresses als Autorität gelten muss, an die Spitze des Direktoriums des «Kommenden Täges» gestellt wird. Damit deute ich etwas an, und was ich andeute, das deute ich aus dem herzlichen Empfinden heraus an aus dem Grunde, weil ich sagen muss, dass ja der «Kommende Tag» es noch nötig hat, ich möchte sagen, sich hineinzufinden in dasjenige, was er sein muss, wenn er solch ein Niveau erreichen will, wie es erreicht war durch den Kongress Ende August bis Anfang September. Es handelt sich durchaus darum, für den «Kommenden Tag» eine Art von «Ei des Kolumbus» zu entdecken. Wir stehen heute so darinnen, dass es unsere Arbeit ist, dass wirklich der ganze Geist unserer Bewegung unmittelbar ins praktische Leben hineinkommen kann; und das erreichen wir natürlich nicht dadurch - Sie dürfen mir das nicht übel nehmen -, nicht dadurch, dass doch immerhin einem das innere Leben auch der Champignystraße 17 schwere Sorgen machen konnte. Hier handelt es sich wirklich darum, dass jeder Einzelne, der hier mitarbeitet, von dem neuen Geist bis in die tiefsten Wurzeln seines Herzens erfasst wird; und dazu brauchen wir vor allen Dingen eines, das ich dreimal sagen muss, denn man muss die Dinge heute dreimal sagen: Wir brauchen alle untereinander Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen! Und nun frage ich Sie, meine lieben Freunde, alle, die anwesend sind, ob dieses Vertrauen in der nötigen Weise von jedem Menschen zu jedem immer vorhanden war. Ich bitte Sie ganz herzlich darum,  gewöhnen Sie sich aus vollem Verantwortlichkeitsgefiihl daran: Fragen Sie einmal etwas weniger, ob dieses Vertrauen in der rechten Weise bei dem anderen vorhanden ist oder ob man es dem anderen entgegenbringen kann. Versuchen Sie es von dem entgegengesetzten Pol aus anzufassen; versuchen Sie öfter auch sich selber zu fragen, ob das Vertrauen zu Ihnen vorhanden sein kann, ob es gerechtfertigt sein kann zu jedem Einzelnen, der er aber dann selber ist, und ob jeder sich bemüht, dieses Vertrauen in der entsprechenden Weise ins Leben umzusetzen. Das kann man nicht anders machen als durch Folgendes, meine lieben Freunde. Man übersieht gerade die Verhältnisse des Lebens nicht immer so, wenn man in den heutigen Urteilen drinnensteckt, die so oberflächlich sind. Die Verhältnisse sind sehr verkettet und sehr verwickelt, und will man dasjenige Vertrauen, das vor allem nötig ist im geschäftlichen und wirtschaftlichen Leben, wirklich entwickeln, dann gehört das andere dazu, über das ich einige Minuten lang zu Ihnen gesprochen habe: die neidlose Anerkennung desjenigen, was Menschenwert ist, nicht um sie dem anderen entgegenzubringen, sondern weil man Interesse daran hat, dass die Sache vorwärtskommt. Dass dieser Geist so recht einziehen möge in die Champignystraße 17, dass hier wirklich ein lauterer, reiner, menschlicher Vertrauensgeist herrsche, der den Wert des Menschen empfinden lernen will, davon hängt es ab, ob wir überhaupt in fruchtbarer Weise mit dem «Kommenden Tag» weiterarbeiten können, meine lieben Freunde. Wir dürfen heute nicht so arbeiten, wie man gewohnt ist, in äußeren Geschäften zu arbeiten; wir müssen, wenn auch langsam, doch vorwärtskommen. Dazu ist notwendig, zwei Dinge zu entwickeln: Vertrauen und neidlose Anerkennung des Menschenwertes, des Wertes desjenigen, der neben uns arbeitet. Das kann Ihnen derjenige sagen, der gewillt war, die Verhältnisse zu studieren, und der weiß, dass wir in die große soziale Not hineingekommen sind, weil im großen Stil über die ganze Erde hin allmählich das Vertrauen abhandengekommen ist. Man muss sich heute sagen: Ich will, ich will, ich will mich verbünden vertrauensvoll mit demjenigen Menschen, von dem ich weiß, dass er dies oder jenes kann.  Ich würde zu Ihnen nicht aufrichtig und ehrlich sprechen, wenn ich nicht auch diese Rede zu Ihnen gehalten haben würde, die von manchen wie eine Epistel empfunden werden kann; sie will nichts weiter sein als ein wirklich herzlich empfundener, freundschaftlicher Rat, der, wenn Sie ein bisschen bedenken dasjenige, was ich Ihnen konturiert habe, für den Fortgang des «Kommenden Tages» im Großen bedeutsam werden kann. Ich habe doch die Überzeugung, dass darin etwas enthalten ist von dem Geist, den wir brauchen, und dass es nicht überflüssig war, bei dieser wichtigen, allerwichtigsten Veränderung im «Kommenden Tag» gerade über die fundamentalsten Dinge zu sprechen. Versuchen wir es einmal, dieses Vertrauen zu entwickeln, versuchen wir es, den Wert des neben uns lebenden Menschen anzuerkennen, dann wird aus dem «Kommenden Tag» allmählich etwas werden, was sich in gesunder Weise neben das hinstellen kann, was allerdings noch nicht bis zur Vollkommenheit, aber wenigstens in seinen Anfängen erreicht worden ist; etwas haben wir ja doch erreicht: Wir haben erreicht in der allgemeinen anthroposophischen Bewegung, dass wir diesen inhaltsvollen Kongress mit einem Besuch von 1600 Menschen veranstalten konnten, und wir haben immerhin in der Waldorfschule etwas erreicht, wo schon nach zweijähriger Wirksamkeit etwas von dem ist, was ich mit den zwei hauptsächlichsten geistig wirkenden Kräften in der menschlichen Natur eben habe ausdrücken wollen. Es ist in der Waldorfschule etwas vorhanden unter dem Lehrerkollegium, was aus dem Vertrauen heraus des einen zum anderen wirkt, und es ist auch etwas vorhanden von dem, was Anerkennung des Wertes der neben einem wirkenden Persönlichkeit ist. Und aus diesem Grunde kann bemerkt werden, dass gerade in der Waldorfschule, dieser so außerordentlich dankenswerten - wir müssen es im Kulturinteresse der Gegenwart sagen -, dieser dankenswerten Schöpfung, die Herr Emil Molt in die Welt hineingestellt hat, etwas zu bemerken ist von dem, was wir brauchen auf allen Gebieten bei uns, meine lieben Freunde. Man möchte gerade in diesem feierlichen Augenblick den Herzenswunsch aussprechen, dass auch im «Kommenden Tag» nach und nach das werden kÖnnte, was gewirkt hat im Kongress Ende August  bis Anfang September, was gewirkt hat in der Waldorfschule und was dort allerdings eben bis zu einem gewissen Grade bemerkbar ist. Im wirtschaftlichen Leben ist es schwer, so etwas zu erreichen, aber das eine kann ich sagen: Wir müssen es erreichen durch das menschliche Zusammenwirken der Menschen, und diejenigen, die hier mitarbeiten, sie werden ganz gewiss gerade in Herrn Leinhas, der von Grund aus die Verhältnisse des wirtschaftlichen und des Geschäftslebens und der damit verknüpften Menschen kennt, Sie werden immer einen Freund finden, der offene Ohren für alles dasjenige hat, was in berechtigter Weise aus dem Schoße von irgendeiner Stelle des «Kommenden Tages» im Allgemeinen oder von einem einzelnen Menschen des «Kommenden Täges» ausgehen wird. Wir brauchen nur das richtige Gefühl im Zusammenarbeiten, dann wird es gehen. Mir selbst bürgt die Persönlichkeit des Herrn Leinhas dafür. Aber ich weiß auch etwas anderes zu sagen: Selbst die wertvollste Persönlichkeit kann nichts machen, wenn sie nicht die entsprechenden Mitarbeiter in der Welt findet. Beurteilen können muss man Menschenwert, aber man muss auch wissen, dass der wertvollsten Persönlichkeit nichts möglich ist, wenn sie nicht entsprechende Mitarbeiter findet. Lassen Sie mich auch diesen Herzenswunsch aussprechen, dass in Ihnen allen Herr Leinhas rechte Mitarbeiter in der Champignystraße 17 finden möge! Das Letztere ist Grundbedingung; dann wird man in der Champignystraße wenigstens versuchen können alles dasjenige, was notwendig ist zum Gedeihen und zur Fortentwicklung - anders nicht, meine lieben Freunde. Anders als dadurch, dass diese Bedingung aus der tatkräftigen und gutwilligen Mitarbeiterschaft da ist, wird die Champignystraße nach und nach degenerieren zu irgendeinem Winkelunternehmen, das nur von assoziativem Wesen «schnattert», ohne imstande zu sein, die Geschichte durchzuführen. Hiermit habe ich Ihnen nur in seinen Grundlinien gesagt, worin man die Lebensbedingungen des Gedeihens des «Kommenden Täges» sehen muss. Ich möchte Ihnen dies ans Herz legen, jetzt in diesem feierlichen Momente, wo ich als Vorsitzender des Aufsichtsrates nicht nur aus der Pflicht heraus, sondern aus dem innersten  Herzenswunsch heraus vor Ihnen stehe, um dem abtretenden Generaldirektor den innigsten Dank zu sagen, den gewiss mitfühlen wollen diejenigen, die Herrn BenkendOrfer kennen. Haben Sie für alles das, was Sie für den «Kommenden Tag» geleistet haben, herzlichen Dank, und seien Sie versichert, dass wir die Hoffnung hegen, Ihre Kräfte in Zukunft in anderem Felde für uns in fruchtbarer Weise wirken zu sehen. Und Sie, mein lieber Freund Emil Leinhas, ich übertrage Ihnen hiermit vor der versammelten Mitarbeiterschaft des «Kommenden Täges» das Amt des Generaldirektors dieses «Kommenden Täges». Wie ich auf Sie baue, und ich glaube aus innerster Überzeugung, auf Sie bauen zu dürfen, das habe ich gesagt. Ich bin überzeugt, dass, wenn Sie hier entsprechende Unterstützung finden von der Mitarbeiterschaft - wir werden gerade in Ihnen diejenige Persönlichkeit haben, die wir gerade für die nächste Zeit für die Leitung des «Kommenden Tages» so außerordentlich notwendig haben. Damit Glück auf! Ihnen und allen Ihren Mitarbeitern! Möge aus Ihrem Wirken das Segensreichste entsprießen innerhalb des «Kommenden Täges», was nur daraus entsprießen kann! Damit, meine lieben Freunde, bin ich am Ende meiner Ausführungen, die Sie unterrichten sollten von demjenigen, was sich als notwendige Veränderung im «Kommenden Tag» ergeben hat. /Emi1 Molt hält ebenfalls eine Ansprache, nach welcher Rudolf Steiner wiederum das Wort ergreift.] Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Ich möchte gleich noch das Wort daran knüpfen, dass ich herzlichst danke für den Vertrauensausdruck, den soeben der zweite Vorsitzende des Aufsichtsrates ausgesprochen hat, und ich darf wohl dann das Wort anknüpfen, dass ich ganz tief davon überzeugt bin, dass ich alles dasjenige, was ich mit meinen schwachen Kräften leisten, nur dadurch leisten kann, dass ich das Vertrauen jedes einzelnen Mitarbeiters wirklich habe. Im Hinblick darauf gestatten Sie mir noch ein paar Worte. Ich richte mich nun zunächst an die Mitglieder des Aufsichtsrates, den Mitvorsitzenden Herrn Emil Molt, und danke Ihnen insbesondere für Ihr in so vielfacher Weise erwiesenes Vertrauen, aber ganz im  Besonderen wende ich mich an meinen lieben Freund Uehli, der ja in seiner ganzen Arbeit so innig verbunden ist mit alledem, was sich hier in der Champignystraße 17 abspielt. Auch Herr Uehli, meine lieben Freunde, hat sein Amt hier an leitender Stelle in einer Zeit übernommen, wo die denkbar schwersten Aufgaben auf seine Schultern geladen werden mussten. Nur seinem auf der einen Seite so feinsinnigen, auf der anderen Seite so energischen Eifer für alles dasjenige, was anthroposophische Bewegung ist - einem Eifer, demgegenüber es gerade wegen der Eigentümlichkeit des Eifers den Mitarbeitern so leicht ist, sich anzuschließen und mitzutun alles dasjenige, was von diesem Eifer erstrebt wird -, gerade diesem Eifer, meine lieben Freunde, ist vielfach in allererster Linie zuzuschreiben, dass der anthroposophische Kongress in Stuttgart den Verlauf genommen hat, den ich angedeutet habe. Daher darf ich in diesem Augenblick noch sagen, dass es mein allerinnigster Herzenswunsch, aber auch meine Hoffnung ist, dass zwischen Freund Leinhas und Freund Uehli hier in diesen Räumen das schönste kollegialischste Verhältnis sich entwickelt. Das aber wird sich entwickeln, denn das hat die allerallerbesten Grundlagen; das wird sich entwickeln, das ist entwickelt seit langer Zeit und wir können auf ihm bauen. Dieses kollegialische Verhältnis ist da, aber auch solche Dinge werden fruchtbar, wenn sie verstanden werden. Möge recht gut verstanden werden, was aus dem Zusammenwirken zweier solcher Persönlichkeiten hier in der Champignystraße 17 sich entwickeln kann, und deshalb lassen Sie mich auch noch meine Begrüßung sagen zuletzt dem, was mich mit ganz besonderer Freude und Befriedigung erfüllt: die Aussicht auf das kollegialische Zusammenwirken der beiden Freunde! /Es folgen kurze Ansprachen uon Ernst Uehli, Eugen BenkendOrfer und Emil Leinhas und abschließend ein Dankeswort der Mitarbeiter der Zentrale an der Champignystraße 17./  MEMORANDUM ZU «FUTURUM» UND «KOMMENI)ER TAG» ZUHANDEN VON DEREN DIREKTOREN Manuskript abgefasst um den 1. Nouember 1921 Streng vertraulich! «Futurum» und «Kommender Tag» haben eine Besinnung auf die bei ihrem Entstehen gegebenen Prinzipien nötig. Nur in diesen liegt ihre Berechtigung und die Möglichkeit ihres Gedeihens. Bei beiden sind diese Prinzipien in den ersten Emissionsprospekten mitaufgenommen. In der Praxis ist man aber aus diesem Rahmen herausgeschlüpft. Das Wesentliche liegt in dem Zusammenwirken des Bankmäßigen und des mit Realien arbeitenden Unternehmermäßigen. In der Mitte der einzelnen Unternehmungen kann daher nicht eine Leitung liegen, die als eine bloße Direktion wirkt, sondern eine solche, die die Wirksamkeit der einzelnen Unternehmungsleiter zu einem Ganzen vereinigt. Es sollte nicht einen einzelnen Unternehmungsleiter geben, der nicht mit seinen Interessen mit dem ganzen ·Futurum» oder «Kommenden Tag» verbunden ist. Das bisherige System der «Angliederung» von Unternehmungen, namentlich beim «Futurum», stellt zu sehr die einzelne Unternehmung abseits von der Zentralleitung. Bei einem solchen System kann das «Futurum» nie gedeihen. Denn es ist gar nicht einzusehen, aus welchen Untergründen heraus der einzelne Leiter ein Interesse daran haben sollte, für das Gesamtunternehmen «Futurum» zu verdienen. Dieser Verdienst bleibt für ihn ein unbegreiflicher «Mehrwert». Das zeigt sich auch schon in der Praxis. Die Direktoren der Zentrale müssen ganz in jeder einzelnen Unternehmung drinnenstehen. Sie müssen nicht nur mit dem finanziellen Gang der Unternehmungen und mit den Bedingungen dieses Ganges vertraut sein, sondern mit der Einleitung des Geschäftsganges selbst. Nur dadurch können sie den einzelnen Unternehmungsleitern so nahetreten, dass diese auch  ein Herz haben für das gesamte Unternehmen. Es sollte gar nicht vorkommen, dass eine Einzelunternehmung dem Gesamtunternehmen so entgleitet, wie das bei der Büroorganisation geschehen ist. In dem Augenblicke, in dem die Zentrale in das Bürokratische verfällt, werden die Einzelunternehmungen von dem ersten Punkt, in dem sie sich nur für sich interessieren, auch noch herabgleiten bis in das Stadium, wo sie unproduktiv werden, und wo sie sich von der Zentrale versorgen lassen. Wer bestreitet, dass dies berechtigt ist zu sagen, der vergisst, dass dieser Abweg sich durchaus schon in manchen Punkten einleitet. Ohne das lebendige Zusammenwirken von Direktion und Einzelbetrieben, haben «Futurum» und «Kommender Tag» ihren Zweck verfehlt. Ich kann nicht sehen, dass die Initiative im Sinne der ersten Prinzipien eine große ist. Die Art des Zusammenwirkens stellt sich immer als eine sehr lose dar. Wenn das so weitergeht, so ist es ganz zweifellos, dass Unterbilanzen sich ergeben. Denn bei diesem Angliederungssystem stellt sich eigentlich nach und nach die Direktionsabteilung als ein überflüssiger Apparat dar. Was zur Kontrolle zunächst notwendig wäre, das ist eine genaue Übersicht darüber, wie viel in den zunächst unproduktiven Unternehmungen investiert ist und wie sich diese Ziffer stellt zu der Prosperität der produktiven. Wenn die Aufwendungen für die Erstern nur Kapitalien verschlingen, ohne dass die Letztern etwas dagegen Nennenswertes bringen, so ist der ganze Sinn der Sache nicht erfüllt. Wie muss z. B. das Zusammenarbeiten der Stuttgarter Zentrale mit der Guldesmiihle gewesen sein, wenn es jetzt möglich ist, dass dem Aufsichtsrat ein solcher Schandbericht vorgelegt wird, wie es geschehen ist? Wie ist es möglich geworden, dass die Verwirrung mit der Büroorganisation bis zu dem heutigen Zustande gekommen ist? Nur wenn in dieser Richtung Wandel geschaffen wird, kann der Aufsichtsrat weiter die Verantwortung tragen. So wie die Dinge bisher gehandhabt worden sind, darf es nicht weitergehen. R. St.  ANSPRACHE UND WORTMELDUNGEN BEI DER VERSAMMLUNG DER BETRIEBSRÄTE DES «KOMMENDEN TAGES» Auszüge aus der protokollarischen Aufzeichnung Stuttgart, 13. Januar 1922 RudolfSteiner eröffnet die Versammlung mit den Worten, dass es ihm seinerzeit nicht mehr möglich war, an der Betriebsrats-Versammlung noch einmal teilzunehmen; er bittet aber, alles dasjenige vorzubringen, was gerade notwendig erscheint, dass es in diesem Augenblicke vorzubringen ist. /Es wird die Frage nach den Rechten und P/licbten der Betriebsräte innerhalb des ·Kommenden Tages· aufgeworfen und Rudolf Steiner um Aufklärung hierzu gebeten.] RudolfSteiner bemerkt, dass es ja sehr wichtig und sehr gut isg solche Besprechungen herbeizuführen, und es wird auch immer sehr gut sein. Er würde auch, soweit es ihm möglich ist, bereit sein, solchen Besprechungen beziehungsweise Einladungen hierzu Folge zu leisten, nur handelte es sich darum, festlegen zu können, was eigentlich der Gegenstand der Besprechung ist. Er sagt: Ich glaube, Sie leiden gewissermaßen noch immer sehr stark unter der Voraussetzung, dass der «Kommende Tag» irgendwie eine Verwirklichung desjenigen sein könnte, was dazumal als Idee in den Vorträgen ausgesprochen worden ist. Ich kann nur sagen: Die Idee, die ausgesprochen worden ist, ist natürlich heute nicht im geringsten Sinne irgendwie verwirklicht. Bedenken Sie nur, was es gebraucht hätte, um diese Idee zu verwirklichen: Es hätte gebraucht dazumal eine geschlossene Arbeiterschaft - ohne diese hätte man nichts machen können -, und die ist nicht zustande gekommen. Und man kann nur sagen: Die Idee, die ausgesprochen worden ist, die ist im Grunde genommen vorläufig ins Wasser gefallen. Und das muss einem heute ganz besonders leidtun, denn in Wirklichkeit stehen  wir heute im deutschen Wirtschaftsleben so, dass wir sagen können: Dasjenige, was heute im deutschen Wirtschaftsleben vorhanden ist, ist eigentlich nur ein Schein, ein Scheingebilde. Die Welt kann in der Gegenwart nicht mehr anders bestehen, als dass sie ein einheitlicher Wirtschaftskörper ist. Es müssen geschlossene Wirtschaftskörper da sein, die sich wieder verbinden zu einer ausgesprochenen Weltwirtschaft. Bei den heutigen künstlichen Grenzen der Länder- und Staatenwirtschaft zeigt sich erst recht, dass ohne Weltwirtschaft heute nicht mehr zurechtzukommen ist. In der heutigen Weltwirtschaft, die trotzdem vorhanden ist, liegen die Verhältnisse so, dass im Grunde genommen das ganze Wirtschaftsleben heute auf Schein beruht. Nehmen Sie doch Folgendes: Nicht wahr, wir haben heute noch Lohnwirtschaft; die findet ihren Gegenpol, wie überhaupt die kapitalistische Wirtschaft, in jener Idee, die ich dazumal versucht habe zu propagieren. Solange wir eine reine Lohnwirtschaft haben, ist die ganze Wirtschaft von der Lohnwirtschaft abhängig. Der Lohn ist gleichsam ein Barometer für das, was im gesamten Wirtschaftsleben vorhanden ist. Sehen Sie, die Arbeiterklasse hat so ziemlich die größte Zahl von Menschen, die auf der Erde vorhanden ist, soweit das wirtschaftliche Leben in Betracht kommt. Wenn man heute zum Beispiel umrechnet - und irgendwie muss man ja umrechnen -, wenn man heute umrechnet den Arbeitslohn nach der Valuta der Schwedischen Krone, so bekommt der amerikanische Arbeiter einen Tagelohn von etwa 120 bis 123 Schwedischen Kronen, der deutsche Arbeiter 19 bis 21 Schwedische Kronen Tagelohn. Das wird ungefähr so stimmen, wenn auch in den letzten Wochen einige kleine Veränderungen aufgetreten sind. Die Arbeiter aller anderen Länder oder Staaten liegen dazwischen, zwischen diesen beiden Grenzen. Nun bitte ich Sie: Der amerikanische Arbeiter bekommt einen sechsmal so hohen Lohn als der deutsche Arbeiter, obwohl es erwiesen ist, dass er nicht mehr produziert als der deutsche Arbeiter, wenn er entsprechend arbeitet. Es ist ja auf diese Weise ausgeschlossen, von einem Darinnenstehen im wirtschaftlichen Leben zu sprechen; dies alles ist ja unter der Voraussetzung gedacht, dass wir eine Weltwirtschaft haben, denn  dass wir Länder- oder Staatenwirtschaft noch haben, dürfte überhaupt nichts bedeuten, da ja ein großer Teil der vorhandenen Werte in der ganzen Welt zirkuliert. Es ist klar, dass es da zu Stockungen größeren Stils kommen muss. Wir leben heute in unmöglichen wirtschaftlichen Verhältnissen, in Mitteleuropa in den allerunmöglichsten. Und es kann einem Ieidtun, wenn man bedenkt, dass unsere Ideen dazumal aus dieser Erkenntnis heraus propagiert worden sind. Diese Ideen sind bis heute eigentlich ins Wasser gefallen, denn der «Kommende Tag» kann ja - das werden Sie einsehen -, kann ja nicht viel anderes sein als eine Art von Unternehmung, so kapitalistisch, wie alle anderen Unternehmungen sind. Wir können uns nur vornehmen, für eine Zukunft, wo man vielleicht etwas machen kann, dann da zu sein, um einzugreifen, damit eine Anzahl Menschen beieinander sind, die eingreifen können. Solange die Verhältnisse so sind, wie sie jetzt sind, wird aus dem eigentlichen Wirtschaftsprinzip heraus der «Kommende Tag» nicht viel Änderungen hervorrufen können. Die ganze Welt ist neugierig, wie der «Kommende Tag» fertig werden wird gerade mit der Idee, wie die Arbeiterschaft im «Kommenden Tag» arbeiten kann. Im Grunde genommen kann noch gar keine Auskunft gegeben werden, es kann nichts Wesentliches gezeigt werden. Und deshalb meinte ich, wir können uns sehr gut darüber unterhalten, was Sie für einzelne Beschwerden haben, was im Einzelnen anders sein könnte. Verwirklicht, was dazumal an Ideen propagiert wurde - dieses Missverständnis möchte ich nicht, dass es aufkommt, als ob von mir gesagt wird, der «Kommende Tag» [habe] etwas verwirklicht von den Ideen der Dreigliederung: Das ist Unsinn! Wir sollten uns unterhalten darüber, was Sie drückt, denn drückende Schuhe scheint es ja zu geben, die zu Beschwerden veranlassen könnten. Wenn wir uns aber darüber unterhalten, was Sie drückt, dann möchte ich aber auch, dass wirklich alles herauskommt und nichts verschlossen bleibt. Und deshalb mÖchte ich gerne, dass, bevor ich etwas sage, dass sich die Herren wirklich ganz frei aussprechen.  /Man will keine Bescbwerden uorbringen, sondern darüber sprechen, ob nun ·gesetzlicbe· Betriebsräte gewählt werden müssten, da die bestehenden Betriebsräte noch uor dem Inkrafttreten des Betriebsrätegesetzes aus der Dreigliedencngsbewegung heraus gewählt worden waren. Wenn diese nicbt zur Befriedigung arbeiten, müsste man neue 'wählen.] Rudolf Steiner meint das Gleiche. Es handle sich eben darum, ob die Mitarbeiter der Waldorf-Astoria seinerzeit bei Inkrafttreten des Gesetzes mit dem Weiterbestehen des alten, bereits früher gewählten Betriebsrates einverstanden waren. Dies war ja aber hier der Fall. [Weitere Äußerungen dazu.] Rudolf Steiner: Heute ist es gewiss schwer, die Frage zu stellen, ob gesetzliche Betriebsräte eingeführt werden sollen oder nicht, weil das Betriebsräte-Gesetz eben einfach Betriebsräte, die nach dem Gesetz gewählt sind, vorschreibt. Solange dieses Gesetz nicht geändert wird, solange können eigentlich keine Betriebsräte, wie sie die Idee der Dreigliederung vorsieht, in Frage kommen, denn es wäre dies dann nur eine KÖrperschaft, die eben neben einer gesetzlichen Körperschaft besteht. Wir müssten dann überhaupt die ganze Dreigliederungs-Bewegung erst wiederaufnehmen, denn im Grunde genommen haben wir eine eigentliche Dreigliederungs-Bewegung nicht mehr. Wenn wir Betriebsräte nach der Idee der Dreigliederung wählen wollen, dann müssen wir ihnen auch eine Aufgabe zuweisen, denn im gegenwärtigen Wirtschaftsleben haben oder hätten diese Betriebsräte keine Aufgabe zu erfüllen. [Weitere Diskussion und Unzufriedenbeitsäußerungen dahingebend, dass die Betriebsräte uon den Betriebsleitern zu wenig ernst genommen würden./ Rudolf Steiner weist darauf hin, dass es darauf ankäme, bis zu welchem Grade die Arbeitnehmer überzeugt seien, dass es mit dem «Kommenden Tag» besser gehen könne als mit irgendwelchen anderen Unternehmungen, und sagt: Ich selbst bin ja kein Unternehmer und kann mich daher in meiner Persönlichkeit nicht auf den Unternehmerstandpunkt stellen und muss aber auf der anderen Seite, wenn irgendwelche Fragen an mich herantreten, mich so stellen, dass  es wirklich einen Inhalt hat, was gesagt wird. Ich will sagen, man streitet, man würde über irgendetwas streiten, so muss man ja auch wissen, über was man streitet, denn für mich kann nicht das Wesentliche sein, dass man streitet, sondern über was man streitet. Wenn ich etwas sprechen soll über die Rechte und Pflichten der Betriebsräte, so kann ich dies nicht im Allgemeinen tun, über irgendwelche Betriebsräte, die vielleicht auf dem Monde sind. Ich müsste dies also tun für diejenigen Betriebsräte, die im «Kommenden Tag» sind. Und das kann ich wiederum nur tun aus ganz wirklichen Verhältnissen heraus. Und da ist es schon dringend notwendig, dass heute genau darüber gesprochen wird, denn Sie werden ja gegenseitig darüber orientiert sein, wie sehr Sie das Gefühl haben, dass der «Kommende Tag» unbedingt bei den kommenden Wirtschaftskämpfen nichts machen kann und daher die Arbeiterschaft in unseren einzelnen Betrieben genötigt sein wird, mit der übrigen Arbeiterschaft vorzugehen. Dann kriegen Sie einen wirklichen Charakter. Vorher ist es natürlich etwas, was man nicht so oder so sagen kann - ich werde Ihnen später sagen, warum ich das so meine, man kann dies so anschauen. Wir können uns ja heute darüber so unterhalten, dass sich gar nichts verwirklicht hat von den arbeiterfreundlichen Ideen des «Kommenden Tages», wenn es auch im Allgemeinen nach den Verhältnissen wohlwollend zugeht. Solange wir aber nicht auf einzelne Sachen eingehen, kommt nichts dabei heraus. Und ich möchte daher als eine Bedingung ansehen, wenn ich mich äußern soll, dass Sie ganz bestimmte, konkrete Beschwerden vorbringen, auf die ich dann eingehen will. Ohne dass ich es kenne, wo Sie der Schuh drückt, komme ich nicht dazu, irgendetwas darüber zu sagen. [Weitere Äußerungen dahingebend, dass man sich frage, ob der «©mmende T:ig» der Arbeiterschaft eine gesicherte Existenz geben könne, dass der Betriebsrat zu wenig Vertrauen genieße, dass man nur als Arbeiter, nicht als gleicbtuertiger Mensch gesehen werde./ RudolfSteiner: Ja, liebe Freunde, diese Empfindung meinte ich; die wollte ich wissen, bevor ich auf die aufgeworfene Frage näher eingehe.  [Weiteres Gespräcb darüber sowie über Gmerkscbaftsfragen./ Rudolf Steiner: Sie meinten also, wir sollten greifbare, feste Sätze über die Rechte und Pflichten der Betriebsräte aufstellen. Es wäre dies gewiss auch nicht so schwer, wenn wir nur den guten Willen haben, einen solchen Paragraphen aufzusetzen, indem wir sagen, das sind die Rechte und das sind die Pflichten unserer Betriebsräte. Damit ist aber leider dasjenige nicht getan, das ich glaube, wenn es wirklich gelänge, einen so idealen Paragraphen zustande zu bringen, dass alle Mitarbeiter auch damit einverstanden wären - ja nicht nur das, sie müssten auch höchst befriedigt von demselben sein. So werden aber in der kurzen Zeit die Verhältnisse nicht anders und wird auch die Stimmung nicht anders geworden sein. Es handelt sich ja nicht darum, dass man Maßnahmen trifft, man soll diese und diese Rechte und Pflichten haben. Es handelt sich aber darum, dass man irgendetwas erreicht bei solchen Zusammenkünften, was den Verhältnissen draußen auch entspricht. Damit Sie sehen die Denkweise, die ich habe, möchte ich Ihnen Folgendes anführen. Seit wir uns das letzte Mal hier gesehen haben, musste ich selber eine Sache einleiten, die die Notwendigkeiten in Dornach ergeben haben. Ich habe ja auch hier von Vorträgen gesprochen, und diese sind in Dornach [für die Arbeiter am Goetheanumbau] gehalten worden von einer Persönlichkeit, und es ist nicht viel dabei herausgekommen als dass, nachdem wir Betriebsräteversammlungen gehalten haben, man merkte, dass die Leute ein starkes Bedürfnis in Dornach haben, etwas über das Wirtschaftsleben zu hören. Ich habe mich dann entschlossen, ich werde sie selber halten. Sie müssen die Verhältnisse, wie ich sie schon geschildert habe, ins Auge fassen, bei dem Dornacher Bau. Der Dornacher Bau ist nicht das, was ein wirtschaftlichkapitalistisches Unternehmen ist. Der Dornacher Bau ist geradezu ein Musterbeispiel für ein nichtkapitalistisches Unternehmen und er lässt sich nicht als solcher vergleichen mit dem «Kommenden Iäg» oder der «Futurum AG» in Basel oder mit irgendeiner anderen ähnlichen Assoziation. Der Dornacher Bau gehört niemandem; es ist kein Unternehmer da. Daher wird alles das, was in ihm verarbeitet  wird, umgewandelt in Entlohnung derjenigen, die mitarbeiten. Nicht wahr, dasjenige, was beim Dornacher Bau noch in Betracht kommt, ist, dass das gegenwärtige Wirtschaftsleben in ihn von zwei Seiten hereinreicht; aber es Oricht» sich dort. Auf der einen Seite ist es dies: Es muss gebaut werden mit den Kapitalien, die zur Verfügung gestellt werden. Wenn der Dornacher Bau jemanden ausbeutet, so sind es die Kapitalisten, denn sie müssen die Kapitalien zur Verfügung stellen. Fast mÖchte ich sagen, dass ein großer Teil davon «perdu» geht, als dass ein großer Teil je etwas davon zurückbekommt. Jedenfalls, die Arbeiterschaft kann sich dort klar sein, und das ist die eine Seite, wo das Kapital hereinleuchtet und sich bricht: Kapital hört auf, Kapital zu sein, sobald es nach Dornach kommt. Das Zweite ist, dass unsere Arbeiterschaft gewerkschaftlichen Organisationen angehört. Und das werden Sie mir zugeben, dass es zum Beispiel, wenn man selbst den Sinn dafür hat, unserer Arbeiterschaft durch noch größere Ausbeutung des Kapitals 2/3 mehr Lohn zuzugeben, würde [das] im Gesamtwirtschaftsleben keinen Sinn haben, würde von den gewerkschaftlichen Organisationen am meisten bekämpft werden. Die würden dann sagen: Da ist der Dornacher Bau, der will sich nicht bezeichnen lassen als kapitalistisches Unternehmen, der will von dem verwirklichen etwas, was vorliegt in der Dreigliederungs-ldee. Sie sehen also, dass es sich hier nicht handeln kann um eine Lohn- oder Kapitalfrage, sondern um die Preisfrage, wie von zwei Seiten die Verhältnisse hier hereinragen. Die Leute würden uns ja an den Kopf kommen, wenn wir Löhne bezahlen würden, die wir nicht [zu] bezahlen gezwungen sind. Aber dasjenige, was die Sache leichter macht gerade bei den Vorträgen, ist das, was natürlich kinderleicht ist einzusehen: Da ist kein kapitalistisches Unternehmen. Diese Art von Misstrauen, das bei Ihnen vorhanden ist gegenüber dem «Kommenden Tag» - und das lässt sich ja nicht ableugnen -, das kann nicht vorhanden sein im Dornacher Bau. Für die Arbeiterschaft dort hat es keinen Sinn, Misstrauen zu haben, und es beruht auf Vertrauen, wenn die Arbeiterschaft dort sich ausspricht. Es möchten manche, die nicht ganz objektiv sind, anders denken, aber dieses Vertrauen ist schon vorhanden; dies  macht einem möglich, wirklich von der Leber weg zu reden. Deshalb habe ich - die Vorträge sind ja erst seit kurzer Zeit, in der Zwischenzeit habe ich ja noch die Reise nach Norwegen gehabt, und so etwas kann ja nicht sehr schnell gehen, wenn man etwas erreichen will -, aber es ist der Hauptwert darauf gelegt, dass die Arbeiterschaft in Dornach erfährt, wie eigentlich in Wirklichkeit das wirtschaftliche Leben liegt. Ich muss gestehen, die größte Befriedigung gewährt es mir, wie immer mehr und mehr das Verständnis dafür auftaucht: Wir haben alle falsch beurteilt; man muss das wirtschaftliche Leben wirklich kennenlernen. Wenn man vor einer solchen Aufgabe steht, Laien Aufklärung zu geben, dann geht einem durch den Kopf, was gegenwärtig der Fall ist. Nehmen wir an, und es wäre sehr interessant, wenn nachher durch eine Persönlichkeit durch Frage gerade diese Sache berührt werden möchte, nehmen wir an, wir haben die Arbeiterschaft irgendeines Betriebes, diese stellt irgendwelche Richtlinien auf über die Rechte und Pflichten der Arbeiterschaft dieses Betriebes, die Unternehmerschaft kann die Frage bewilligen oder nicht. Ich sage, es ist recht, und ich glaube, dass dies jeder ehrliche Mensch sagen muss: Was die Unternehmerschaft auch sagt, es hat gar keinen Wert; Sie können sagen: Wir bewilligen alles, oder: Wir bewilligen nichts - so wie das heutige Wirtschaftsleben eben ist, ist die wirtschaftliche Struktur ein Unsinn. Kein Unternehmer weiß heute, wie seine Unternehmung rentiert oder steht, er weiß nicht, was er versprechen kann und was nicht, wenn er ehrlich sein will. So steht die Sache, und wenn heute wirtschaftliche Kämpfe bevorstehen, so kann eine Unternehmerschaft gar nicht sagen, ob sie ihren Arbeitern eine Garantie bieten kann oder nicht, weil sie es nicht wissen kann, weil eben das Wirtschaftsleben in den Dreck hineingeritten ist. Sobald irgendjemand das Wirtschaftsleben, so wie es heute eben ist als Wirtschaftsleben, konkret anfasst und eingeht auf solche Dinge, dann kommt so etwas heraus, was ungeheuer lehrreich ist. Denken Sie sich, es denkt einer nach über Kalkulation und schreibt darüber einen Aufsatz, der an und für sich äußerst lehrreich ist. Der Inhalt dieses Aufsatzes muss natürlich sein, das Wirtschaftsleben zu  beurteilen, aber zum Schluss dieses Aufsatzes, da steht die sehr bedeutungsvolle Frage, der Schluss, zu dem er durch das Nachdenken über Kalkulation gekommen ist: KÖnnen wir kalkulieren oder können wir es nicht? Kommt etwas dabei heraus? - Wir können nicht mit den heutigen Verhältnissen zurechtkommen. - Das ist es, was man aus dem Aufsatz herauslesen kann, und es ist die Bestätigung desjenigen, was ich seit zehn Jahren schon beobachtet habe: dass wir im Wirtschaftsleben ganz auf dem toten Punkt angekommen sind. Da erscheint es mir nicht von so großer Bedeutung, ob man heute sagen kann, wir müssen mit den acht Millionen organisierten Arbeitern einiggehen, wenn man sich nicht abgliedern will, oder weil man es nicht kann, um in der Luft zu hängen. Ich sage Ihnen das, wenn man Einsicht in den Unsinn der heutigen Wirtschaft erlangt, dann kann man sagen: Wenn die nächsten Wirtschaftskämpfe kommen und so verlaufen, wie sie verlaufen werden, dass die acht Millionen organisierter Arbeiter einig sind, dann wird es zu nichts anderem kommen, als dass unser Wirtschaftsleben noch weiter auf seine abschüssige Bahn geführt oder gestoßen wird und dass alle in Wirklichkeit heute schon verkrachten Unternehmungen als ein Kartengebäude zusammenbrechen werden. Die Organisationen, die acht Millionen Menschen umfassen, können nicht glauben, dass sie unter den heutigen Verhältnissen auch nur etwas davon erreichen, was erreicht werden müsste; davon kann gar keine Rede sein. Das Wirtschaftsleben wird wiederum einen Grad mehr kaputtgemacht. Was heute zuerst notwendig ist, ist, dass man überhaupt wirtschaften kann, denn im Wirtschaften selber ist man heute wirklich auf den «Un-Sinn» gekommen: Es hat wirklich nichts einen Sinn, was im wirtschaftlichen Leben getan wird, weil nichts im Zusammenhang steht: Da steht man wie vor einer Mauer. Einsehen kann man das, und die Dornacher Arbeiterschaft hat dies auch eingesehen; sie hat einen Sinn dafür bekommen, dass man im Wirtschaftsleben in den «Un-Sinn» hineingekommen ist. Wenn Sie heute irgendwo ein wirtschaftliches Unternehmen betrachten, glauben Sie, dass Sie heute irgendjemanden finden, der, wenn Sie vernünftig über ein wirt schaftliches Leben reden wollen, einen Sinn dafür hat? Wenn Sie einen Wirtschafter nehmen, mit dem Sie über ein Unternehmen reden wollen, weist er Sie auf die Buchhaltung hin, da steht alles darinnen. In Wirklichkeit steht aber gar nichts darinnen; es ist ein Unsinn zu glauben, aus der Buchhaltung könne man irgendetwas ersehen über den Gang eines Unternehmens. Diese Dinge haben sich mir blutschwer ergeben durch meine Beobachtungen in den letzten Jahren, und es ist nicht so leicht, darüber ganz einfach zu sprechen. Machen Sie eine Bilanz, das Ergebnis ist Unsinn, es ist so ähnlich wie jener berühmte preußische Geheimrat, der sich ausrechnete, dass, wenn man den eigentlich geringen Betrag von 300000 Mark dreihundert Jahre lang auf Zins und Zinseszins anlegt, dass man dann die ganzen Schulden des preußischen Staates bezahlen könnte. Diese Rechnung kann man ja anstellen; die Wirklichkeit ist aber diese, dass Sie nach den dreihundert Jahren nicht einen Knopf mehr finden von dem Geld. Denn es genügt ja nicht, dass man glaubt, man könne immer wieder die Zinsen nehmen und zu dem angewachsenen Kapital dazulegen; das Geld kann ja doch schließlich nirgends anders herkommen [als] aus dem Wirtschaftsleben, aus der Produktion, aus der Arbeit mit dem Kapital, und da werden nicht nur die Banken, die mit der Aufbewahrung des Geldes betraut sind, sondern auch das Geld selbst zugrunde gegangen sein. Die Wirklichkeit ist also ganz anders als die Rechnung. Zu solchem Unsinn liegt heute im ganzen Wirtschaftsleben der Wille vor; Wirklichkeit zermürbt und zersplittert es. Was heute in einer Fabrik vorgeht, ist im Wirtschaftsleben etwas ganz anderes, als was links und rechts in den Büchern steht. Kein Mensch will darauf eingehen, kein Mensch will sich bequemen hineinzusehen in einer wirklichen Einsicht in das Wirtschaftsleben, die man heute eben braucht. Das war es auch, dass die Idee von der Betriebsräteschaft seinerzeit nicht aufrechterhalten worden war. Man muss eben da vom Anfang anfangen, aber ich will nicht über die Frage reden, wie damals die Sache abgesetzt wurde. Ich habe sie eigentlich als die allerwichtigste Frage hingestellt. Wir sollen uns aber jetzt unterhalten über die Pflichten und Rech te der Betriebsräte. Hierbei ist wichtig der Standpunkt, der aus den Verhältnissen heraus kommt. Das ist eben der, dass man sich sagt: So, wie die Sache jetzt geht, so kann sie ohnedies nicht weitergehen. Die Arbeiterschaft wird daher in den Organisationen drinnenbleiben müssen; man kann ihr gar nicht sagen, sie soll herausgehen, weil man ihr nicht helfen kann, wenn sie herausgeht; dazu sind die Verhältnisse nicht da. Man darf die Bewegung, die da ist, seit 25 Jahren etwa, nicht betrachten, denn da kommt man nicht weiter; man muss sie aber so betrachten, und darauf muss ich Sie immer wieder aufmerksam machen. Ich stand einmal als ganz kleiner Bub am Fenster unserer damaligen Wohnung in Neudörfl, in der Nähe von Wiener Neustadt, als eine kleine Schar Lassalleaner, die damals ihre Versammlungen noch ziemlich im Verborgenen abhielten, [vorbeizog], denn wir müssen bedenken, dass dies zu einer Zeit war, wo noch nichts war von einem gewerkschaftlichen Leben, wie es heute besteht; es waren also nur ein paar Leutchen. Indessen ist aber all dasjenige geworden, was heute in dieser Bewegung in Österreich und Deutschland ist. Wir können sagen, dass es verhältnismäßig langsam gegangen ist, aus dieser kleinen Gruppe. Wir können auch bei unserer Bewegung, wie damals, nicht sagen, dass die Verhältnisse dagegen waren - es waren nicht die Verhältnisse dagegen, die Verhältnisse waren dafür, dass große Massen für die Dreigliederung zu haben gewesen wären. Was dagegen wak war der kleine Betrug der Führer der Arbeiterschaft, und das ist sicher, dass auch die acht Millionen nichts machen werden - sie können auch nichts machen. Meine Meinung ist die: Ganz abgesehen von dem, was sonst ist, ob wir in den Gewerkschaften drinnenstehen oder nicht, es handelt sich nicht um das Austreten aus der Gewerkschaft, sondern vielmehr um das Zusammenschließen, wenn es auch klein ist, aber es soll vernünftig sein innerhalb alles desjenigen, was im «Kommenden Tag» teilnimmt. Es würde dadurch ein Beispiel da sein, und nach solchen Beispielen muss man ja hinarbeiten. Ich glaube, dass in dieser Idee doch etwas Positives da ist, und dies kann am besten gezeigt werden, wenn, ganz unabhängig von dem gewerkschaftlichen Prinzip, wenn die Arbeiterschaft  aller Betriebe, die zum «Kommenden Tag» gehören, ganz aus sich heraus etwas macht, etwas Vernünftiges machen kann. Dazu ist aber Einigkeit notwendig und wirkliche Einsicht in den «Un-Sinn» des gegenwärtigen Wirtschaftslebens. Man muss ein vernünftiges Wirtschaftsleben wiederum aufbauen, denn man kann aus dem heutigen Wirtschaftsleben überhaupt nichts machen. Und so meine ich - nicht wahr, ich möchte so sagen -, Sie sagen: Rechte und Pflichten der Betriebsräte sollen aufgestellt werden, wenn ich nun sage: Nicht wahr, Rechte und Pflichten kann nur jemand anderer zugestehen, der Rechte und Pflichten dazu hat. Wenn Sie mich nun fragen, welche Rechte und Pflichten ich innerhalb des «Kommenden Täges» habe, so muss ich schon sagen, ich weiß nichts darüber, ebenso wenig, wie Sie es wissen; das ist auch durchaus von den Verhältnissen abhängig. Eigentlich müsste jeder so viel Rechte und Pflichten haben, und das würde ja auch zustande kommen, als er geltend machen kann. Aber wenn Sie Paragraphen aufstellen wollen, wenn Sie Einsichten haben wollen in den Gang der Produktion, das hat nicht viel Inhalt, da kommt auch nicht viel dabei heraus. Nicht wahr, bei dem Gang der Produktion handelt es sich darum, dass derjenige, der die Produktion regelt, auch weiß, wie der Hase läuft - nicht um irgendein Geheimnis zu bewahren. Erst muss die Möglichkeit herbeigeführt werden, dass alle, die mitarbeiten wollen, etwas wissen vom Wirtschaftsleben. Sehen Sie, wenn ich auch vom «Kommenden Tag» absehe, wo ja die allereinsichtsvollsten Menschen sind - wir können ja nicht vom «Kommenden Tag» unsere Beispiele nehmen, nehmen Sie aber irgendeinen anderen Betrieb. Da muss man eben die Einsicht haben, um mitreden zu können bei der Produktion. Ich bin überzeugt, wenn man nach Ihrer Art Fragen stellen wollte, die betreffenden Leute könnten keine Einsicht geben, weil sie selbst keine haben. Das heutige Wirtschaftsleben ist ein Spiel des Zufalls, und das ist ja gerade dasjenige, was es schwierig macht. Hier kommen wir dazu einzusehen, dass es viel wichtiger ist, mit der Arbeiterschaft zu besprechen, dass man sich klarmachen kann, was wir tun sollen im Wirtschaftsleben, das so vom Staate abhängig ist.  Ich möchte auch noch an etwas erinnern: [an den Unternehmer] Stinnes. Als wir mit der Dreigliederung begonnen haben, da war Stinnes noch nicht da. Ich habe ja mit der Dreigliederung keinen Spaß verstanden. Stinnes rührt lediglich davon her, dass die Dreigliederung ins Wasser gefallen ist; darauf beruht die ganze StinnesBewegung. Stinnes ist ein ganz genialer Kerl - ich möchte nicht sagen, dass er ein Gauner ist, er ist eben ein «Pflänzchen» des Unternehmertums, aber er hat jedenfalls viel grÖßere Einsichten als andere. Stinnes hat einmal gesagt: Ja, wir können die Dinge so deichseln. Will man es aber so machen mit den Dingen, wie es die deutsche Arbeiterschaft machen will, so kommen sie nicht weiter. Er weiß, dass die Arbeiterschaft nicht wirtschaften kann; und dies sollte Einsicht schaffen; es wird debattiert über alles MÖgliche, aber nicht über Produktion. Und er sagte daher weiter: Wir können es abwarten, bis die Arbeiterschaft vor unseren Türen liegt und bettelt um Arbeit. - Stinnes baut darauf, dass die Arbeiterschaft vor den Türen liegt und bettelt um Arbeit. Mit den Pflichten und Rechten der Betriebsräte ist es schon wirklich so, dass sie die weitestgehenden Rechte haben können; und sobald hier etwas wirklich Positives vorgebracht werden kann, können wir uns ja hier immer, wenn Gelegenheit dazu ist, hier aussprechen; es kann hier besprochen werden. Aber einen Paragraphen hierüber festzusetzen, das hat meiner Ansicht nach gar keinen Zweck, weil wir es in einem Wirtschaftsleben tun, in dem man auf dem «positiven Unsinn» angekommen ist. Wir leben heute von der Hand in den Mund; es kann schließlich keiner mehr tun, als ohnehin schon geschieht. Aber das platzt nächstens. Worauf heute die Unternehmerschaft rechnet, das ist die Uneinigkeit der Arbeiterschaft, und die Unternehmerschaft, die wird immer Mittel und Wege haben, die Uneinigkeit der Arbeiterschaft aufrechtzuerhalten, für deren Fortbestehen zu sorgen. Selbst wenn das Chaos im Wirtschaftsleben nicht da wäre, dann kÖnnte man sich auch nur einen Teilerfolg davon versprechen, wenn die deutsche Arbeiterschaft wirklich geeint vorgehen würde, doch man könnte immerhin etwas Erhebliches tun, es könnte Erhebliches geschehen. Doch wenn es so weitergeht, wie es bis jetzt  gegangen ist - hier wird gestreikt und dann wieder dort -, das bedeutet alles eine Schwächung der Arbeiterschaft und keine Stärkung. Dieses nicht-einheitliche Vorgehen ist etwas, was die Position der Arbeiterschaft ganz wesentlich verschlechtert. Viel halte ich nicht davon, dass Angst da sein könnte vor den acht Millionen. Etwas, was Aussicht haben könnte, das ist, wenn sich die Arbeiterschaft unserer Betriebe in Stuttgart wirklich zusammenschließen würde, dass sie zusammenkommen kÖnnen und einmal vernünftig über das Wirtschaftsleben geredet werden könnte. Das ist meines Erachtens die größte Arbeit, die zu tun ist. Und das kann man nicht so machen, dass man die Vorträge ein bisschen besser, ein bisschen schlechter findet. Denn derjenige, der heute über das Wirtschaftsleben sprechen will, der muss schon wirklich ein erfahrener Mensch sein, der muss hineinschauen können in die Verhältnisse. Man kann diese Erfahrung heute nicht schöpfen aus allen möglichen Schriften, denn von allen Wissenschaften, die heute getrieben werden, ist diejenige die «blödsinnigste», die vorgetragen wird als Volkswirtschaftslehre. Herr Leinhas hat ja mit seinem Vortrage auf unserem anthroposophischen Kongress in vorbildlicher Weise Robert Wilbrandt «totgemacht», wissenschaftlich natürlich bloß. Dabei ist aber Wilbrandt noch ein ganz anständiger Kerl, aber wenn wir einmal einen anderen Kunden angeben würden, so käme noch viel Schlimmeres heraus. Und dies rührt nur davon her, weil wir eben keine Wirtschaftswissenschaft haben, keine Erkenntnis, und die muss sich heute ganz notwendig aus der Erfahrung heraus bilden. Alles, was gesagt wird auf diesem Gebiete, ist fast nicht brauchbar; die einzelnen Lichtblitze, die auftauchen auf dem Boden der Dreigliederung, abgesehen. Es müsste aber die Möglichkeit herbeigeführt werden, dass eine große Anzahl von Menschen auch einsehen kann, wie die Dinge im Wirtschaftsleben eigentlich liegen. Als ich hier meine Vorträge gehalten habe im Anfang, sagte mir die Frau eines sozialistischen Ministers, sie könne nicht begreifen, dass in meine Vorträge so viele Menschen kämen, ich verspräche den Leuten gar nichts und sage ihnen immer nur, was sie machen müssten. Und  so ist es auch, meine sehr verehrten Anwesenden. Man kann nicht die Rechte und Pflichten der Betriebsräte festlegen, wenn ganz einfach die Verhältnisse nicht darnach sind. Wenn wir wirklich von einem Zentrum ausgehen wollen, um festzulegen, was wert ist, getan zu werden, so ist es dies: Dass Sie alle dazu beitragen können, dass von hier aus etwas zustande kommt, wie man am besten wirtschaftet, indem Sie den Boden bereiten. Das können wir uns versprechen, dass die Sache schon vielleicht in einem Jahre einen ungeheuren praktischen Wert haben kann, wenn Einigkeit die Arbeiterschaft zusammenschließt, und zwar unabhängig von der gewerkschaftlichen Frage zusammenschließt, um etwas zu erreichen. Wir haben gesehen, dass es in Dornach zum Beispiel notwendig ist, zunächst einmal über Einsichten sich zu verständigen. Wenn man unabhängig davon, ob Arbeiter oder Unternehmer, die Bedingungen des Wirtschaftslebens untersuchen würde, dann würde man weiterkommen können. Dann würde man vielleicht auch Stinnes das Wasser ab[graben] können. Es wird abhängen davon; wenn Sie nicht mit dem «Kommenden Tag» einiggehen, dann kommt für den «Kommenden Tag» vielleicht einmal der Tag, dass Stinnes sich ihn angliedert. So liegen die Verhältnisse. Wenn Sie etwas Positives dadurch schaffen, dass Sie sich zusammenschließen, dann lässt sich über die Frage reden, dann muss Einigkeit sein. Bei den Leitern unserer Betriebe ist das Bestreben vorhanden, in sozialen Beziehungen vorwärtszukommen. Die Leiter der einzelnen Betriebe seufzen halt auch. Wenn sich aber die Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe zusammenschließt, dann ist ein Kern da, der weiterkommen kann. //n den folgenden Wortmeldungen wird aufdie schwierige Lage Bezug genommen, die es aucb den Betniebsleitern schwer macht, Einsicht in die Produktion zu gewinnen. Es wird auf die Bestrebungen uertuiesen, eine Betniebskrankenkasse und eine Pensionskasse einzunichten und Lebensmittel aus den landwirtscbaftlieben Betrieben des ·Kommenden Tages· den Arbeitern zukommen zu lassen.] Rudolf Steiner: Die Frage über die Errichtung einer Pensionskasse sowie der Ausnutzung der landwirtschaftlichen Betriebe für die Arbeiterschaft ist sehr interessant und kann gewiss sehr fruchtbringend  besprochen werden, nur muss man sehen, dass man richtig die Sache auf den richtigen Boden stellt. [Es wird berichtet, dass die Betriebskrankenkasse durch das wohlwollende Entgegenkommen der Regierung so gut wie gesichert ist. Bei den Landwinscbaftslieferungen sei zu bedenken, dass solche Dinge die Menschen auseinandejfübren können.] Rudolf Steiner gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese in Vorbereitung befindlichen, früher schon in anderen Betrieben oft segensreich wirkenden Einrichtungen auch hier wirklich gut ausgebaut werden. Er erwähnt auch noch bezüglich der Betriebskrankenkasse, dass es ja bei unseren Bestrebungen um eine rationelle Heilkunst sehr wünschenswert ist, dass gerade auf diesem Gebiete etwas unternommen würde. Bezüglich der landwirtschaftlichen Betriebe und deren Ausnützung für die Arbeiterschaft weist er auf ein Beispiel hin, das sich in der Anthroposophischen Gesellschaft zugetragen habe. Es war ein Mühlenbesitzer und gleichzeitig Bäcker, der ein vorzügliches Brot buk. Durch die Verhältnisse war der Mann gezwungen, sein Brot zu verteuern, und man konnte sehen, wie keiner den Willen hatte, nur ein kleines Opfer zu bringen, um die Sache weiterzutragen. Im Gegenteil, man sagte: Ja, das Brot ist so gut, da isst man so viel davon; und wenn ich das andere Brot nehme, da verbraucht man lange nicht so viel. Nun musste ja allerdings gerade dieser Brotbeoder -vertrieb durch die Kriegsverhältnisse abgestellt werden; in anderem Falle aber wäre die Einstellung auch so gekommen. RudolfSteiner erzählt weiter, es wäre in letzter Zeit in einer englischen Zeitung ein Artikel erschienen, eine Geschichte, wo ein Geschäftsmann, er hatte eine große Landwirtschaft, nachweisen wollte, dass man heute nicht mehr auf einen grünen Zweig kommen könne. Derselbe hat alle Gewinne auskalkuliert, die ihm der Betrieb in einem Jahre bringen könne, und kam dann zu dem Ergebnis, dass ihm am Ende des Jahres nur 17 Pence übrig bleiben könnten. [Emil Leinhas fügt ein weiteres Beispiel an. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, dass die Betriebsräte nach diesen Ausführungen nun gedeiblicb arbeiten können, Ujäs uon Rudolf Steiner bekräftigt wird./  RudolfSteiner: Nicht wahr, sehen Sie, der Herr Biehler hat mit Recht von der Steuerfrage gesprochen, gegen die sich die Arbeiterschaft wenden müsse. Aber nun, Sie haben ein kleines Sätzchen eingeflochten, dem muss ich eigentlich ein klein wenig Bedeutung beilegen. Sie sagten: Wenn die Arbeiterschaft einiggehe, dann werden die 8 Millionen organisierter Menschen doch von der Regierung dasjenige erreichen. Ich muss schon sagen, der Regierung ist es ja heute im Grunde genommen gleich, was sie besteuert; sie will ja nur Steuern haben. Nur durch diese Sinnlosigkeit ist das gesamte Wirtschaftsleben dahin gekommen, wo es heute ist, dadurch, dass es einem eben gleich war, wie man etwas tut. Solange diese Regierung währt, ist es auch ausgeschlossen, dass die Arbeiterschaft auch nur etwas erreicht von dem, was sie wirklich notwendig braucht. Die wichtigste Frage ist ja heute die Frage der Arbeitslosigkeit, und man hat schon sehr viel darüber geredet, aber schließlich hat noch niemand den Gedanken gehabt, dass eine solche Arbeitslosigkeii; wie sie heute ist, gar nicht existieren kann bei einem geregelten Wirtschaftsleben. Nicht wahr, die Menschen, die arbeiten ja füreinander, jeder arbeitet für den ändern. Es müsste also, wenn die Arbeitslosigkeit gerechtfertigt wäre, müssten soundsoviele Menschen auf einmal nichts mehr brauchen. Dagegen gibt es aus den jetzigen Verhältnissen heraus überhaupt keine Korrektur; man kann nicht sagen, dass Arbeitslosigkeit in dem Maße vorhanden ist, wie sie vorhanden ist in der Schweiz, bei der Entente und so weiter aus diesem und jenem Grunde. In welch scheußlichen Verhältnissen wir drinnenstehen, kann man erst ermessen, wenn man den Gedanken hegt, dass durch den furchtbaren Krieg so viele Menschen totgemacht wurden. Aber Arbeitslosigkeit kann gar nicht eine Folge dieses Krieges sein, denn wenn so viele Menschen tot sind, das müsste nur dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit immer geringer wird. Neulich war eine Wirtschaftsbesprechung; da ist die Rede gewesen, dass es eine ganze Anzahl Rezepte für Heilmittel gibt, die uns zur Verfügung stehen. Nicht wahr, die Verwertung dieser Heilmittel wird einmal produktiv sein, heute aber sind sie ein bloßer Gedanke. Und da kam jemand auf die Idee, man kÖnnte einfach die Rezepte  abschreiben und könnte sie unter die Aktiven einer Unternehmung aufnehmen. Dieser Posten wäre unter Umständen ganz ehrlich gemeint, denn man könnte das wirklich herausbringen. Andernteils aber, wenn sich kein Mensch findet, der die Sache unterstützt, so hat es wieder gar keinen Wert. Es gibt aber einen Weg, bei dem man es sicher einsetzen kann in die Bücher, und das ist: Man nimmt Patente darauf und bezahlt sie, und dann kann man es mit diesem Wert in die Bücher bringen. Es ist ja hier weiter nicht geschehen mit den Rezepten der Heilmittel, und doch ist ein Weg gegeben, den Wert der Rezepte auszunutzen. Wenn einer viel oder wenig Geld verdient, so will er nicht gleich Gewinne ausschütten, so macht er Abschreibungen oder Reserven. Bei uns fließt das, was unter Umständen aufgebracht werden kann, ein in reale Reserven, die dann, in einer Zeit, wo manches, was heute fabriziert wird, zusammengebrochen sein wird, die dann wieder vieles tragen können. /Dankesworte an Rudolf Steinerfür seine Ausführungen und Betonung des Willens, im Betriebsrat in die Wirtschaft einzudringen.] RudolfSteiner weist nochmals kurz auf den bereits erwähnten wünschenswerten Zusammenschluss aller Arbeiter im «Kommenden Tag» hin und dass daraus sicher in nicht allzu langer Zeit etwas wirklich für das Wirtschaftsleben Wertvolles entspringen könnte, wenn alles den Willen hat, in der rechten Weise mitzuarbeiten. Immer wieder müsse man sich den «Un-Sinn» unseres heutigen Wirtschaftslebens vergegenwärtigen; dies würde den rechten Ansporn geben für eine rechte Arbeit. Er erkläre sich gerne bereit, sobald wieder Gelegenheit dazu vorhanden ist, der Einladung der Arbeiterschaft wieder Folge zu leisten, um ihr mit jedem Rat zur Seite zu stehen.  PROGRAMM-BEGRENZUNG DES «KOMMENDEN TAGES» Bekanntmachung, 23. März 1922 Die Zeitverhältnisse und die Gegnerschaft weiter, am Wirtschaftsleben interessierter Kreise zwingen dem «Kommenden Tag» die Pflicht auf, für die unmittelbare Gegenwart auf ein weiteres sozialwirtschaftliches Programm zu verzichten und seine Tätigkeit innerhalb engerer Grenzen zu halten. Er wird in der nächsten Zukunft die Assoziation einiger wirtschaftlicher Betriebe mit geistigen Unternehmungen sein, die sich gegenseitig tragen. Die geistigen Unternehmungen: Waldorfschule, Klinisch-therapeutisches Institut, biologisches und physikalisches Forschungsinstitut sollen dem wissenschaftlich-geistigen und moralisch-sozialen Fortschritt in dem Sinne dienen, wie es den von der Gegenwart und nächsten Zukunft gestellten Zeitforderungen entspricht. Die rein wirtschaftlichen Unternehmungen sollen die materielle Unterlage für das Gesamtunternehmen liefern. Sie sollen diejenigen Unternehmungen zunächst tragen, die erst in einiger Zeit wirtschaftliche Frucht und finanzielle Erträgnisse bringen können, weil die jetzt in sie zu gießende Geistessaat erst nach einiger Zeit aufgehen kann. Die Aktionäre werden von diesem im engeren Rahmen gehaltenen Unternehmen fortdauernd die programmmäßig versprochene Dividende beziehen. Eine Erweiterung der Tätigkeit kann auch nach Möglichkeit bei diesem verwandelten Programm erfolgen. Das für die Fortbildung des Wirtschaftslebens im Zusammenhänge mit der Pflege geistiger Werte ursprünglich entwickelte Programm ist zwar eine Notwendigkeit unserer Zeit, seine umfassende Verwirklichung augenblicklich durch das geringe Entgegenkommen der am Wirtschaftsleben der Gegenwart beteiligten Zeitgenossenschaft aussichtslos. So muss das zunächst MÖgliche dem Notwendigen vorangestellt werden. Diejenigen Persönlichkeiten, welche der Idee des «Kommenden Täges» Verständnis entgegenbringen, werden sich dadurch  mit ihren Interessen umso besser in ihm zusammenfinden. Ihnen zu dienen wird die Pflicht seiner Leitung sein. Der Kommende Tag Aktien-Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte gez. Leinhas  WORTBEITRÄGE RUDOLF STEINERS WÄHREND DER ERSTEN ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER AKTIONÄRE DER ·FUTURUM A.Gn· Auszüge aus dem Protokoll Dornach, 23. März 1922 /Nacb der Besprechung der drei ersten Traktanden (Gescbäftsbericbt, Jabresrecbnung und Entlastung der Direktion, Bescblussfassung über Verwendung des Jahresergebnisses) und einer Pause soll Traktandum 4: Ergänzungswahlen in den Verwaltungsrat besprochen u'erden./ Rudolf Steiner: Es haben sich in den letzten Tagen Dinge ereignet, die notwendig machen, dass Sie einen genauen Einblick in die Verhältnisse haben, bevor Sie über Traktandum 4 debattieren. Sie werden am besten ein Bild von der Situation bekommen, wenn ich Ihnen zwei Schriftstücke vorlese, welche Ihnen Unterlagen zur Behandlung dieses Themas bieten werden. RudolfSteiner verliest zuerst das Demissionsgesuch des Herrn Direktor Arnold Ith. Die Kopie dieses Schreibens liegt diesem Protokoll bei und gehört zu ihm. Rudolf Steiner: Ich bemerke nur kommentierend, dass die hier erwähnte Sitzung dadurch herbeigeführt worden ist, dass die Herren Storrer und Day am Montag, 13. März, bei mir in Berlin erschienen sind und dazumal das Ergebnis von Besprechungen, die sie mit der Direktion der «Futurum» gehalten hatten, vorbrachten und ihrerseits die Ansicht aussprachen, dass sie sich die geistige Führung des «Futurum» durchaus in einer anderen Weise denken müssten, als sie bisher war, und dass Anstalten getroffen werden sollten, um der Idee des «Futurum» dem ursprünglichen Programm gemäß gerecht zu werden. Ich bemerke ausdrücklich, dass dasjenige, was die Herren Storrer und Day vorbrachten, durchaus das Ergebnis von Besprechungen war, welche in der Direktion des «Futurum» stattgefunden hatten und über die mir referiert worden ist. Storrer und Day bedeu teten, dass sie Versammlungen abgehalten hätten mit anderen Persönlichkeiten, und wollten meine Ansicht darüber hören. Ich sagte: «Selbstverständlich, jedem stehen solche Versammlungen frei; aber es kann über die Angelegenheiten des <Futurum>, bevor ich in Dornach anwesend sein werde, nicht etwas Maßgebendes verhandelt werden.» Als ich nach Dornach kam und mir mitgeteilt wurde, dass Sitzungen stattgefunden hätten, an denen auch teilgenommen haben die Direktoren Ith und Oesch, also die gesamte Direktion, fand ich selbstverständlich auch keinen Anstoß dabei - nicht als Präsident des Verwaltungsrates, sondern als Privatmann -, an diesen Sitzungen teilzunehmen, um eben zu wissen, was vorgebracht worden ist. Sofort, nachdem von Herrn Storrer der Punkt über die Führung des «Futurum» vorgebracht worden war, gab Direktor Ith die Erklärung ab, dass er sich aus der Sitzung entfernen möchte. Ich bemerkte, dass ich ebenfalls Gast sei und nicht maßgebend sei für diese Sitzung. Das zunächst zur Demission des ersten Direktors. RudolfSteiner liest das Demissionsschreiben von Direktor Dr. Oesch vor, dessen Kopie dem Protokoll beigefügt ist und welches als ein Teil dieses Protokolls zu betrachten ist. Rudolf Steiner: Sie sehen hieraus, dass der Verwaltungsrat zunächst ohne Direktion dasteht. Ich darf vielleicht noch beifügen, dass vom Verwaltungsrat, wie er sich immer versammelte, bei dessen Sitzungen anwesend waren: Etienne, Gimmi, Flirter und ich. Drei Verwaltungsräte sind infolge Krankheit und aus ändern Gründen aus dem Verwaltungsrat zurückgetreten. So blieben noch fünf Verwaltungsräte, von denen der eine gewöhnlich nicht kommt, sodass der Verwaltungsrat sehr stark zusammengeschrumpft ist. Es ist selbstverständlich, dass die Ihnen eben vorgetragenen Verhältnisse äußerst tief eingreifen in alle Angelegenheiten des «Futurum». Was mich selbst betrifft, möchte ich das Folgende bemerken: Die verschiedenen Gründungen, sei es die Waldorfschule, der «Kommende Tag», das «Futurum» und dazu noch manches andere, hatten eine Zeit hindurch meine Arbeitskraft außerordentlich stark in Anspruch genommen, und es war ganz selbstverständlich, dass in  dieser Zeit zurücktreten musste die früher viel regere Tätigkeit für die anthroposophische Bewegung als solche. Nun machen es aber die Verhältnisse notwendig, dass die anthroposophische Tätigkeit selbst in einem umfangreicheren Maße weiter ausgedehnt werde. Wenn man auf dem Standpunkt steht, dass man, wenn man nominell die Verantwortung trägt, sie auch faktisch tragen muss, das heißt für alles Einzelne aus der Kenntnisnahme heraus sich verantwortlich wissen muss, dann ist es im Grunde genommen nicht mÖglich, neben einer ganz in Anspruch nehmenden anthroposophischen Bewegung ebenso sich noch den wirtschaftlichen Gründungen so intensiv zu widmen, wie es meinen eigenen Anschauungen nach durchaus erforderlich ist. Mit der Demission der beiden bisherigen Direktoren ist für mich eine absolut neue Lage geschaffen. Da Sie in der Majorität anthroposophische Mitglieder sind, werden Sie es als eine Notwendigkeit empfinden, dass die anthroposophische Bewegung in einem viel stärkeren Maße fortgeführt werde, als sie in der letzten Zeit hat fortgeführt werden können. Wenn die Dinge so ablaufen, dass die Demission der gesamten Direktion eintritt, so können Sie begreifen, dass es mir nicht möglich ist, die Geschäfte in Verantwortung tragender Weise so zu führen, wie ich sie nach meiner Ansicht führen müsste. Daher kann ich nicht anders, als Ihnen sagen, dass, wenn aus dem Schoße dieser Versammlung heraus die Möglichkeit sich ergeben sollte, dass «Futurum» ohne die alte Direktion, deren Demission, wie es scheint, nicht rückgängig zu machen ist, fortgeführt werden kann, ich zurücktreten würde. Wie Sie begreifen werden, kann ich nicht die Absicht haben, mich mit einer neuen Direktion irgendwie einzuarbeiten. Das würde notwendig machen, dass ich in den nächsten Wochen jede andere Tätigkeit aufgeben müsste. Es würde unter anderem notwendig machen, dass ich die bereits festgelegte holländische und englische Reise aufgeben würde. Wenn also die anthroposophische Bewegung nicht geschädigt werden soll, so muss etwas geschehen; was, kann ich Ihnen als einen definitiven Entschluss erst dann sagen, wenn die Debatte fortgesetzt wird über die geschilderten Verhältnisse. Aber dieser Entschluss wird  dahin lauten: Wenn sich aus dem Schoße der Aktionäre heraus die Möglichkeit ergibt, dass das «Futurum» im Sinne seines Programmes fortgeführt werden kann, werde ich von meinem Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrates demissionieren wegen der Arbeit, die ich für die anthroposophische Bewegung zu leisten habe. Ich eröffne über Punkt 4 die Diskussion. [Willy Stokar und Willy Storrer als Vertreter einer Gruppe uon Aktionären üben umfassende Kritik an der bisherigen Tätigkeit der ·Fkturum· dahingebend, dass die geistigen Ziele überhaupt nicbt erreicht wurden: eine AssoziatiOn im Sinne der Dreigliederung zu bilden. Deshalb meinen sie, dass Rudolf Steiner uon seiner Tätigkeit als Veruzaltungsratspräsident entlastet werden sollte. Von Willy Stokar wird ein neuer Verwaltungsrat uorgescblagen, der bestehen soLl aus Ernst Gimmi (bisher), Konsul Krebs (bisher), Willy Stokar, Edgar Diirler, Karl Day, Willy Storrer, die alle bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen. ln der Versammlung wird dies als Ungebeuerlicbkeit empfunden.] RudolfSteiner: Man müsste die Kritik, die an dem «Futurum» geübt worden ist, auf ihre Stichhaltigkeit eben prüfen. Andererseits wird sich die Versammlung klar werden müssen darüber, wie sie Stellung nimmt zu der Frage als solcher. [Weitere Voten in dieser Sacbe. Fehler werden eingeräumt, aber uon übereilten Entscheidungen gewamt./ RudolfSteiner: Um nicht in der Diskussion auf unfruchtbare Abwege zu kommen, wollen Sie bitte berücksichtigen, dass die ersten Besprechungen, die für das Weitere die Grundlage geschaffen haben, in der «Futurum»-Direktion selber vor sich gegangen sind. Das kommt stark in Betracht. Sie haben immerhin vorliegend den Versuch, sich ein Urteil zu bilden über das «Futurum». Ich stellte Ihnen dar, wie schwer, ja, wie unmöglich es mir sein würde, unter den veränderten Verhältnissen das Präsidium weiterzuführen. Nun handelte es sich darum, dass ich sagte, ich würde das Präsidium niederlegen, wenn sich aus dem Schoße der Versammlung eben die Möglichkeit fände,  das «Futurum» weiterzuführen, und von diesem Gesichtspunkte aus bitte ich Sie, die Sache zu betrachten. Man sollte eben sachlich bleiben, und man sollte sich über die MÖglichkeit beraten, wie das «Futurum» weitergeführt werden kann. Es ist mir nicht möglich, mit einem Rumpf-Verwaltungsrat zu arbeiten. Dazu kommt noch etwas anderes. Ich hätte selbst niemals meine Zustimmung gegeben, hier in der Schweiz Präsident des Verwaltungsrates der «Futurum AG» zu werden, wenn nicht auf die Bitte von Herrn Molt und Dr. Boos Herr Flirter damals seine Zustimmung gegeben hätte, Vizepräsident zu werden. Sie sehen, meine Präsidentschaft hing im Wesentlichen daran, dass ich eine Persönlichkeit wie Herrn Flirter zur Seite haben konnte, die in schweizerischen Verhältnissen mit so viel Erfolg und Ansehen darinnensteht. Nun gibt aber auch Herr Flirter seine Demission als Verwaltungsrat. Auch Herr Etienne hat mir heute mitgeteilt, dass er genötigt sei, seine Demission zu geben. Herr Gimmi hat Ihnen auseinandergesetzt, dass er Sie bitte, durchaus einen ernsten Versuch für ein positives Arbeiten bei den Persönlichkeiten vorauszusetzen, die die Kritik an der Direktion des «Futurum» ausgeübt haben. Herr Gimmi selbst demissioniert im bisherigen Verwaltungsrat zugunsten des neuen Vorschlages. So wäre ich also ein Verwaltungsratspräsident ohne Verwaltungsräte und ohne Direktion. Ich muss Sie bitten, hier Rat zu schaffen, entweder positive Gegenvorschläge für die Wahl von Verwaltungsräten und für die Wahl von Direktoren zu machen oder in die sachliche Diskussion einzugehen, um sich zu überzeugen, ob Sie auf die von einer Seite gemachten Vorschläge eingehen können. Schließlich, ob die Herren das können oder nicht, werden sie erst zeigen müssen. Den guten Willen haben sie wenigstens gezeigt, Verwaltungsräte zu werden. Und ich bitte auch Sie, eventuell auch diesen guten Willen zu zeigen. Wenn Sie nicht andere Verwaltungsräte vorschlagen und zur Genehmigung bringen können, dann sind Sie genötigt, auf die Vorschläge der Herren einzugehen in irgendeiner Weise. Die Diskussion nimmt einen ungeordneten Charakter an.  RudolfSteiner: Wir müssen die Diskussion in geordneter Weise weiterführen. [Weitere Voten. Johann Hirter erklärt ausdrücklich, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe. Frage zur Abtrennung der geistigen Betriebe.) RudolfSteiner: Bei Klinik und Laboratorien und bei all dem, was sich gruppiert um die Zeitschrift «Das Goetheanurm, und allem, was sich gruppiert um die Schule, würde es sich darum handeln, dass dasjenige, was ich für sie bisher getan habe, auch in Zukunft ebenso tun kann, wie ich es bisher getan habe. Nach Ausscheidung dieser eben genannten Unternehmungen, zu denen ich gerne so stehen werde, wie ich bisher gestanden habe, bleiben zurück die rein wirtschaftlichen Unternehmungen: Das sind die Strickwarenfabrik, [die] Büro A.G., [die] Kaltleim-Fabrik, [die Kartonagefabrik] Gelterkinden, [die Schirmgriff- und Stockfabrik] BÖnigen und die Handelsabteilung. Für diese liegt ein neues Faktum vor. Wenn ich Ihnen genau den Punkt sagen soll, wo für mich dies eine Frage geworden ist, so ist es der, dass ja, wenn auch indirekt, an mich herangetreten sind Verhandlungen, die innerhalb der Direktion sich abgespielt haben. Nicht wahr, es ist für mich eine Unmöglichkeit, dass jemand zu mir kommt und sich gewissermaßen hinstellt zwischen Direktion und mich. Das ist unter der einen Voraussetzung möglich, dass er recht behält. Dies ist doch klar. Sonst hätte doch überhaupt eine solche Versammlung im Schoße der «Futurum»-Direktion nicht stattfinden können. Im Moment, wo die Direktion nicht mehr mit mir gegangen ist, war für mich der Kasus gegeben. Sie müssen doch die Dinge unbefangen betrachten. Jetzt liegt der Fall vor - ich habe Ihnen vorgelesen: «Um die Grundlage zu einer den Griindungstendenzen entsprechenden Entwicklung der <Futurum AG> zu schaffen, werden Entschlüsse nicht umgangen werden können, die eine Neuregelung des Personellen nötig machen. Ich möchte das Meine dazu beitragen» und so weiter (aus dem Demissionsgesuch von Dr. Oesch). Also in aller Form hat Dr. Oesch demissioniert. Sie haben gehört, er ist schon vorgesehen von denjenigen Persönlichkeiten, die sich bereit erklärten, die Sache weiterzuführen. Diese Gruppe hat einen Direktor, während ich da stehe ohne Direktion und Verwaltungsrat. Sie haben eine Gruppe von Persönlichkeiten, die hat vom alten Verwaltungsrat die Herren Gimmi und Krebs, von der alten Direktion Dr. Oesch. Diese Gruppe kann Ihnen zunächst die Namen leitender Persönlichkeiten auf den Tisch des Hauses niederlegen, abgesehen davon, dass sie selber leitende Persönlichkeiten sein werden. Sie werden mir nicht zumuten, dass ich weiterfunktionieren solle ohne Verwaltungsrat und Direktion. [Weitere Voten. Jemand will sein Geld lieber geistigen Werten zur Vnfügung stellen.] RudolfSteiner: Es geht natürlich nicht an, dass von den Aktionären angefangen wird, einen Sturm auf die Gelder, die bei der «Futurum» angelegt sind, zu unternehmen. Es ist heute nicht leicht, Geld flüssig zu machen, da der Geldmarkt gänzlich versteift ist. /Mebrere WahluorscbLäge für Verwaltungsräte. Da einige der Vorgeschlagenen ablehnen, bleiben letztlich nur noch die scbon von Willy Stokar uorgescblagenen Kandidaten zur Wabl. Die Abstimmung bestätigt die Abwahlder bisherigen Verwaltungsräte, darunter die Rudolf Stciners, mit Ausnahme von Gimmi und Krebs, und die Wahl des neuen Verwaltungsrates. Nach der Abstimmung folgt die Erledigung der restlieben Traktanden. Um 19:30 endet die Versammlung.]  ZUR KRISE IN DER «FUTURUM» Worte nach dem Mitgliederuortrag Dornach, 1. April 1922 Meine lieben Freunde, damit habe ich Ihnen, wie ich glaube, ein sehr wichtiges Kapitel der anthroposophischen [Geisteswissenschaft] angedeutet. Ich werde es dann morgen weiter ausgestalten. Ich möchte Sie jetzt nur um eines bitten. Ich bin genötigt, Ihnen jetzt etwas Alltäglicheres zu sagen, und da ich ja eine andere Gelegenheit nicht habe, dieses Alltäglichere zu sagen, möchte ich Sie bitten, dasjenige, was ich jetzt «sub speele aeternitatis» sagte, nicht ganz zu unterschätzen neben demjenigen, was ich nun als Alltägliches zu sagen habe. Ich möchte nämlich hinweisen auf einen Zeitungsbericht, der jetzt schon erschienen ist in den verschiedensten Schweizer Blättern über die Vorgänge bei der «Futurum»-Generalversammlung und demjenigen, was dann daraus hervorgegangen ist. Nun, wie gesagt, ich kann ja nicht eine andere Gelegenheit ergreifen, ich möchte Sie nicht etwa extra zusammenrufen. Ich bitte Sie alle sehr, einen Trennungsstrich zu machen zwischen den wichtigen Angelegenheiten, die wir soeben besprochen haben, und demjenigen, was ich eben zu sagen habe. Ich möchte nicht, dass das Erste durch das Zweite ausgewischt werde. Aber ich möchte doch einiges hier bemerken, bevor Veranlassung genommen wird, in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen, und das muss doch geschehen. Ich werde Ihnen die maßgebenden Sätze aus diesem Bericht lesen, die heißen: Der Rechnungsbericht wurde mit Befriedigung entgegengenommen. Was aber die Auswirkung der aus der anthroposophischen Bewegung hervorgehenden Ideen der Dreigliederung des sozialen Organismus und der assoziativen Wirtschaft betrifft, wurde von mehreren Aktionären konstatiert, dass die Erwartungen nicht erfüllt worden sind. Es habe sich im Verlauf des Geschäftsjahres als unmöglich erwiesen, die Idee einer assoziativen Wirtschaftsweise innerhalb einer so kleinen Gruppe assoziierter Wirtschaftsunternehmungen zu verwirklichen. Dies wäre erst dann möglich, wenn in größerem Maßstäbe an  eine entsprechende Umgestaltung des Wirtschaftslebens geschritten werden könnte. Es wurde daher verlangt, die Gesellschaft solle die Tendenz der Offensive gegen das heutige Wirtschaftssystem verlassen und zunächst das Hauptaugenmerk auf die grÖßtmÖgliche Wirtschaftlichkeit wenden. Da diese Richtung über die Mehrheit der Stimmen verfügte, ergab sich die Notwendigkeit personeller Änderung in der Verwaltung und einer Loslösung der Gesellschaft aus der bisherigen engen Verbindung mit der anthroposophischen Bewegung Herrn Dr. Rudolf Steiners. Es kam nicht zu Differenzen mit der geistigen Bewegung, wohl aber zu dem Beschlusse, diese reinlich zu scheiden von der ·Futurum AG·, um Letzterer die volle Entwicklungsmöglichkeit als wirtschaftlicher Unternehmung zu sichern. Dies hat zur Folge, dass die geistig-wirtschaftlichen Betriebe wie die Klinik, Laboratorien, Verlag und so weiter von der ·Futurum· demnächst abgegliedert, bei der anthroposophischen Bewegung verbleiben sollen. Meine lieben Freunde, ich glaube, wenn Sie nachdenken über den Inhalt dieser Sätze, so werden Sie sich sagen müssen: Der schlimmste Feind, der hier auftreten könnte gegen die anthroposophische Bewegung in der Schweiz, könnte nicht schlimmere Sätze schreiben als diejenigen, die hier geschrieben sind. Denn hier ist vor allen Dingen die Albernheit hingeschrieben, dass der Vorwurf, der dem «Futurum» gemacht werden kann, der ist, dass es seine Erwartungen nicht erfüllt hat, weil es nicht dasjenige erfüllt hat, was von der anthroposophischen Bewegung von der «Futurum» verlangt wird. Und nachher wird gesagt - wie gesagt, dass diese Dinge nebeneinandergestellt werden, ist weiter nichts als eine riesige, eine kapitale Albernheit -, nachher wird gesagt: Also muss das «Futurum» sich von der anthroposophischen Bewegung trennen, muss aufgeben die Offensive gegen das heutige Wirtschaftssystem. Meine lieben Freunde, ich selbst muss ganz selbstverständlich diese Ausdrucksform als eine der schlimmsten Attacken auf meine eigene Persönlichkeit betrachten. Das werden Sie fühlen, wenn Sie sich die Dinge überlegen. Denn hier wird ja nichts Geringeres gesagt als: Dr. Steiner wird mit seiner anthroposophischen Bewegung, weil er zur Offensive gegen das moderne Wirtschaftssystem vorgeht, ja sehr gefährlich; also müssen wir es anders machen, wir müssen abrücken von ihm. Meine lieben Freunde! Das ist der ganz gerade Weg, um die anthroposophische Bewegung vollständig zugrunde zu richten. Aber  außerdem, wer versteht, was von mir selbst in Bezug auf das Wirtschaftliche auseinandergesetzt worden ist in den letzten Jahren, der wird finden, dass es eine gewissenlose Unwahrheit ist, wenn gesagt wird, es müsse doch, weil man nicht offensiv sein will, abgerückt werden von der Anthroposophischen Bewegung und danach von mir. Als ob diese Offensive von mir ausgegangen wäre! - Diese offensive Form haben sich ganz andere Leute geleistet! Meine lieben Freunde! Als ich das zunächst gelesen habe, da konnte ich denken, das haben irgendwelche ungeschickten Redakteure geschrieben, die ja der anthroposophischen Bewegung als solcher nicht grün sind. - Heute wurde mir aber das Original vorgelegt, die Originalzuschrift an die Redaktionen, und diese Originalzuschrift an die Redaktionen für diese schon Anthroposophie-feindlichen Taten geht von der gegenwärtigen Direktion des «Futurum» aus. Das ist also geschickt worden an die sämtlichen Schweizer Redaktionen von der gegenwärtigen Direktion des «Futurum», das heißt von derjenigen Seite, die gerade in einer unerhörten Weise diese sogenannte Offensive eigentlich immer betrieben hat. Wenn in vernünftiger Art von dort geschrieben würde, so müssten sie eigentlich sich selbst zugeben, dass sie in der ganzen Sache, indem sie in dieser Weise vorgegangen sind und den Leuten die dümmsten Dinge fortwährend in öffentlichen Vorträgen an den Kopf geworfen haben, die Dinge selbst in der dümmsten Weise verdorben haben. Das erlebt man, meine lieben Freunde, eben heute. Und es ist eigentlich im Grunde genommen eine schlimmere Beschimpfung der anthroposophischen Bewegung bisher nicht geleistet worden als hier von der jetzigen Direktion des «Futurum» aus. Ich habe es, wie gesagt, erst heute vorgelegt bekommen, dass dies von der gegenwärtigen Direktion des «Futurum» ausgegangen ist. Ich muss hier ausdrücklich betonen, und das kann nicht genug betont werden, dass ich es als eine unwahrhafte, lügenhafte Attacke betrachte, wenn gesagt wird, dass man sich zu wenden habe gegen die Offensive, welche gegen das heutige Wirtschaftssystem getrieben worden ist, um nun zurechtzukommen. Es ist eine Unwahrhaftigkeit, die, wenn sie nicht aus Dummheit, sondern aus Absicht geschehen  wäre, keinen anderen Zweck haben könnte als dasjenige, was sich hier abspielt, endlich darinnen gipfeln zu lassen, dass die gesamte anthroposophische Bewegung künftig so gestaltet wird, dass man mich aus dieser anthroposophischen Bewegung hinauswirft, um sie für sich zu haben. Ich sage nicht, dass diese Absicht bestehen muss, aber wenn man diese Absicht erreichen wollte, könnte man es nicht raffinierter machen, als es durch solche Schriften gemacht worden ist. Das, meine lieben Freunde, ist notwendig zu sagen, nachdem mir heute klar vor Augen getreten ist, dass diese Schrift von der gegenwärtigen Direktion des «Futurum» ausgegangen ist. Ich meine damit natürlich nicht das, was ich auseinandergesetzt habe in Bezug auf die gegenwärtige Gestaltung des Verwaltungsrates des «Futurum» und so weiter, was irgendwie in einer noch wohlwollenden Weise [gesagt wurde]. Aber die gegenwärtige Direktion des «Futurum» hat ihre Tätigkeit damit begonnen, dass sie die eiligsten Schritte macht zur Untergrabung der anthroposophischen Bewegung in der Schweiz. Sie können sich ja denken, welche Folgen solch eine Sache in der nächsten Zeit haben muss. Da haben wir es ja: Diese anthroposophische Bewegung ist eine gefährliche Bewegung, sie untergräbt das heutige Wirtschaftssystem; die eigene «Futurum» muss sich lostrennen, damit man nicht in diesem gefährlichen Fahrwasser ist! Ich weiß nicht, ob in der richtigen Weise so etwas gelesen worden ist. Es muss offenbar gelesen worden sein, auch von Anthroposophen. Wenn es aber in der richtigen Weise gelesen und empfunden wird, so muss es auch so gefühlt werden, wie ich es eben jetzt ausgesprochen habe. Dann aber kann das nicht abgehen, ohne dass man die Öffentlichkeit darüber aufklärt, dass das ein durch und durch unwahrhafter, objektiv unwahrhafter, unwürdiger Angriff ist gegen die anthroposophische Gesellschaft vonseiten der heutigen Direktion des «Futurum». Ich kann nicht anders, als die Sache in dieser Weise zu charakterisieren. Ich bitte Sie nun, die Sache wirklich zu überdenken, denn die Sache steht schon so, dass es nicht mÖglich ist, bei der Art und Weise, wie man von allen Seiten angegriffen wird, sich alles Mögliche  gefallen zu lassen. Das ist nicht möglich. Ich gebe das zunächst nur in dieser Form Ihnen allen zu einer Überlegung, aber zu einer reiflichen Überlegung. Morgen wird um 5 Uhr eine Eurythmievorstellung sein und um 8 Uhr wird die Betrachtung von heute hier fortgesetzt werden. Es ist notwendig, dass ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass nicht von der anthroposophischen Bewegung jene tollen Dinge in die Welt hinausposaunt worden sind, sondern von derselben Seite aus ist das gemacht worden, die es jetzt der anthroposophischen Bewegung in die Schuhe schiebt.  AN DIE MITGLIEDER DER ANTHROPOSOPHISCHEN UND DER FREIEN ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT IN DEUTSCHLAND OFFENER BRIEF RUDOLF STEINERS BETREFFEND SEINEN RÜCKTRITT ALS VORSITZENDER DES AUFSICHTSRATES DES ·KOMMENDEN TAG A.G.» Mai 1923 Meine lieben Freunde! Die Entwicklung und die Aufnahme der anthroposophischen Bestrebungen in der Gegenwart macht eine Änderung meiner Arbeitsweise notwendig. Anthroposophie hat sich auf der einen Seite als ein Seelenbedürfnis einer immer größer werdenden Anzahl von Menschen ergeben; sie sieht sich auf der ändern Seite Missverständnissen und unrichtigen Beurteilungen vieler immer mehr gegenübergestellt. Das erfordert, dass ich den gesteigerten Anforderungen nach Pflege des anthroposophischen Bedürfnisses mehr entgegenkomme, als dies seit der Zeit der Fall sein konnte, seit praktische Institutionen von mancherlei Art sich durch die Zielsetzungen der Freunde unserer Sache gebildet haben. Diese Institutionen sind in durchaus berechtigter Art aus den Absichten dieser Freunde aufgrund der anthroposophischen Bewegung entstanden. Und es war auch begreiflich, dass bei diesen Freunden, als sie nach der Verwirklichung solcher praktischen Ideen strebten, der Wunsch entstand, mich selbst in den Verwaltungen der entsprechenden Institutionen drinnen zu sehen. - Ich bin diesem Wunsche entgegengekommen, obwohl ich mir bewusst war, dass dieses Entgegenkommen einer naturgemäßen Verpflichtung mich von meiner eigentlichen Aufgabe, der Pflege des Zentralen der anthroposophischen Arbeit, für einige Zeit zu stark wegziehen würde. Für eine verhältnismäßig kurze Frist musste ich den Wünschen der Freunde entsprechen. Aber ebenso muss ich jetzt mich auf den  Standpunkt stellen, dass ich weiterhin nur innerhalb dieses Zentralen des anthroposophischen Lebens mit seinen künstlerischen und pädagogischen Auswirkungen tätig sein darf. Ich muss ganz der Anthroposophie als solcher sowie ihren künstlerischen und Schulbestrebungen und Ähnlichem gehören und den Institutionen wie «Kommender Tag» usw. nur insoweit, als die geistigen Anregungen der Anthroposophie in dieselben hineinfließen. Von allem Verwaltungsmäßigen dieser Institutionen muss ich mich im Interesse der anthroposophischen Sache zurückziehen. Nur dadurch wird es möglich sein, dass durch mich in dieser Sache so intensiv gearbeitet werde, wie es angesichts von deren eigenen Anforderungen und der rasch wachsenden Gegnerschaft nötig ist. Das sind die Gründe, welche mich bewegen, jetzt von dem Amte des Vorsitzenden im Aufsichtsräte des «Kommenden Täges» zurückzutreten. Ich bitte die Freunde der anthroposophischen Sache, dies nicht so aufzufassen, als ob dadurch eine Änderung in der intensiven, sach- und idealgemäßen Arbeit des «Kommenden Tages» einträte. Diese Arbeit ist in guten Händen; und ich bitte, fernerhin keinen Grad des Vertrauens ihr zu entziehen. Ich bin der Überzeugung, dass alles besser gehen werde, wenn ich selbst jetzt diese Arbeit auch formell in die Hände lege, von denen sie gut getan wird, und mich der Sache widme, die mir vom Schicksal zugeteilt ist. Was ich als geistige Anregungen dem Klinisch-therapeutischen Institut, dem Kommenden-Tag-Verlag, den Forschungsinstituten, den Zeitschriften usw. geben kann, wird diesen besser zufließen, wenn ich aus der eigentlichen Administration herausgelöst bin. Praktisch wird sich innerhalb derselben nichts Wesentliches ändern, da ich genötigt war, schon in der letzten Zeit durch die dargelegten Verhältnisse in den für die Zukunft als notwendig geschilderten Zustand hineinzuwachsen. Es wird also nur der faktisch entstandene Zustand auch offiziell festgelegt. So hoffe ich denn, dass mein Austritt aus dem Aufsichtsrat des «Kommenden Täges» als eine Vertrauenskundgebung meinerseits für dessen Leitung aufgefasst und zu einer solchen auch bei den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaften werden wird. Er  soll das Vertrauen stärken, nicht schwächen. Wäre Grund zu einer Schwächung vorhanden, so müsste ich bleiben. Die Sache liegt aber so, dass ich der sachkundigen, umsichtigen Leitung fernerhin unnötig und daher verpflichtet bin, zu der anthroposophischen Sache im engern Sinne zurückzukehren. Dies bitte ich als Begründung des jetzt notwendigen Schrittes aufzufassen. RudolfSteiner  ANSPRACHE AN DER DRITTEN ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG RÜCKTRITT RUDOLF STEINERS ALS VORSITZENDER DES AUFSICHTSRATES DES ·KOMMENDEN TAGES AG» Protokollarische Aufzeichnung Stuttgan, 22. Juni 1923 Ansprache Rudolf Steiners zu Punkt 4 der Tagesordnung [Wahl des Aufsichtsrats]: Zu diesem Punkte, meine sehr verehrten Anwesenden, werde ich selbst etwas zu sagen haben, es betrifft die Tatsache, dass die Angelegenheiten der Anthroposophischen Bewegung ja in der letzten Zeit eine solche Gestalt angenommen haben, dass es mir in der Zukunft unmöglich ist, neben meiner Tätigkeit für die Anthroposophische Bewegung im engeren Sinne auch noch andere Tätigkeiten von der Art zu übernehmen, wie es zum Beispiel war die Stelle des Vorsitzenden im Aufsichtsrat des «Kommenden Tages'm Die verehrten Anwesenden - und das sind ja wohl die zahlreicheren -, die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft sind, wissen ja, dass sich, insbesondere in den letzten Jahren, die Verhältnisse der anthroposophischen Bewegung sehr geändert haben. Auf der einen Seite steht ja mit einer wirklich außerordentlich großen Deutlichkeit, dass eine solche, ich will nicht gerade sagen, die spezifisch-anthroposophische, aber eine solche Geistesbewegung, wie sie eben auch die anthroposophische ist - wie gesagt, es könnte aber auch von ähnlichen Geistesbewegungen, von Geistesbewegungen überhaupt dabei gesprochen werden - dass das in den tiefsten Bedürfnissen einer immer größeren Anzahl von Menschen liegt, und dass daher die Anthroposophische Bewegung, die ja als eine - wenn ich so sagen darf - Teilbewegung in diesem großen Strom seit nun mehr als 20 Jahren besteht, dass die anthroposophische Bewegung mit jedem Tag, könnte man sagen, mehr  Anforderungen an diejenigen stellt, die zu ihrer Pflege schon einmal vom Schicksal ausersehen sind, und es stellt sich ja schon seit längerer Zeit heraus, dass neben alledem, was mir obliegt, für die anthroposophische Bewegung, eine fruchtbare Tätigkeit für anderes tatsächlich nicht mehr möglich ist, wenn nicht die Aufgaben, die ich nun schon einmal für die Anthroposophische Bewegung habe, dadurch gestört, beeinträchtigt werden sollen. Das Letztere darf aber in keinem Falle geschehen, darf nicht geschehen auf der einen Seite wegen eben der steigenden Anforderungen an die Anthroposophische Bewegung und wegen des sich immer mehr und mehr verbreitenden Interesses, das eben eine Ausdehnung meiner Arbeit gerade nach dieser Hinsicht, nach dieser Richtung verlangt. Auf der anderen Seite hat diese Anthroposophische Bewegung durch Unzähliges, was man nur als missverständlich bezeichnen muss, heute mit einer Gegnerschaft zu rechnen, die auch, nun, ich möchte sagen, wenn ihr in der richtigen Weise begegnet werden soll, Arbeit und vor allen Dingen Sorge und dergleichen bewirkt. Sodass ich gar nicht anders konnte, meine sehr verehrten Anwesenden, als, allen diesen Dingen Rechnung tragend, vor kurzer Zeit den Entschluss fassen, von der Stelle des Vorsitzenden des Aufsichtsrates des «Kommenden Täges» und überhaupt von dem Aufsichtsräte zurückzutreten, was ich hiermit tue in ganz offizieller Form. Die Sachen liegen ja so, dass ich ja in praktischer Beziehung meine Tätigkeit in der letzten Zeit für den «Kommenden Tag» auf dasjenige zurückziehen musste - eben durch die anderen Anforderungen -, das ja in der kommenden Zeit auch wird verbleiben müssen. Wenn ich gerade für den «Kommenden Tag» diejenige Arbeit leisten soll, die einfließen muss in seine verschiedenen Institutionen, und wenn ich die ja wirklich immer mehr und mehr in Anspruch nehmende Arbeit für die Waldorfschule, an der ja in gewisser Beziehung der « Kommende Tag» außerordentlich interessiert auch ist, wenn ich diese Arbeit leisten soll, die also in positiver substanzieller Weise in Form von meinen Ratschlägen dem «Kommenden Tag» wird zu leisten sein, so werde ich gerade mir zugestehen müssen, dass ich dann umso mehr von der Tätigkeit zurücktrete, die auch ohne mich  und vielleicht ohne mich besser als mit mir wird geschehen können in der Zukunft. Der Aufsichtsrat und das Direktorium des «Kommenden Tages» sind ja durch ihre hingebungsvolle, regsame, umsichtige Tätigkeit eine absolut sichere Gewähr für alle diejenigen, welche als Aktionäre und sonst am «Kommenden Tag» interessiert sind, dass dieser Kommende Tag auch nach meinem Rücktritt in der fruchtbaren Weise, wie er sich es vorgesetzt hat, und wie es im Interesse der Aktionäre liegt, und der Welt überhaupt liegt, dass er in dieser Richtung arbeiten wird. Ich muss sagen, dass die Lage, die ganze Situation des «Kommenden Tages» ja eine solche ist, dass ich heute diejenigen, die Aktionäre sind, und deren Vertrauen zum «Kommenden Tag» vielleicht ein wenig damit zusammenhängt, dass ich vor Jahren die Stellung des Vorsitzenden im Aufsichtsrat übernommen habe, dass ich diejenigen, deren Vertrauen mit dieser Tatsache zusammenhängt, wirklich in dringender Weise nur bitten kann, kein Quäntchen von diesem Vertrauen wegzunehmen, sondern es im Gegenteil im stark vergrößerten Maße der ja ausgezeichneten Leitung des «Kommenden Täges» auch fernerhin entgegenzubringen. Ich möchte sagen, es war mir von allem Anfang an klar, als ich vor drei Jahren die Stellung des Vorsitzenden des Aufsichtsrates übernahm, dass das nur für eine verhältnismäßig kurze Zeit gelten könne. Denn die Lage, die jetzt da ist, war durchaus vorauszusehen, und trotzdem es mir dazumal natürlich auch vor Augen stand, dass ein größerer Teil meiner Arbeit für die Anthroposophische Bewegung beeinträchtigt wird, ... so tat ich es doch. Nicht wahr, der «Kommende Tag» ist ja dadurch entstanden, dass sich eine Anzahl von Persönlichkeiten, die aus der Anthroposophischen Bewegung hervorgegangen sind, für eine solche im sozialen und namentlich für die Zukunft tragkräftigen Sinn, für eine solche so gestaltete Unternehmung einsetzen wollten. Der «Kommende Tag» sollte gegründet werden als eine Art Musterbeispiel für das, was man tun soll durch den Zusammenschluss von Unternehmungen, Zusammenschluss namentlich von Persönlichkeiten, die im Wirtschaftsleben in sozialer Beziehung interessiert sind. Durch diesen Zusammenschluss  sollte der «Kommende Tag» als eine An Musterbeispiel begründet werden. Die Persönlichkeiten, die ihn begründeten, wandten sich dazumal zu mir um Rat. Wir haben zusammen die Präliminarien, zusammen die Intentionen, die Grundsätze herausgearbeitet, und versuchten in der ersten Zeit den «Kommenden Tag» in diejenige Richtung hineinzubringen, in die er hineingebracht werden sollte. Die eigentliche Initiative ist nicht von mir ausgegangen. Ich war sozusagen von Anfang an in der Rolle eines Ratgebers. Nun fand ich es damals ganz natürlich, dass dazumal die Freunde an mich herantraten und auch wünschten, dass ich die Stelle des Vorsitzenden des Aufsichtsrates übernehme, dass ich überhaupt im Aufsichtsrat darinnen sei. Aber dasjenige, was dazumal für die erste Zeit das wünschenswert machte, wenn das auch durchaus maßgebend war für die damaligen Entschlüsse, so kann es nicht für ein weiteres Verbleiben im Aufsichtsrat maßgebend sein. Und das alles zusammen mit dem, dass ich der ausgezeichneten Leitung ganz gewiss bin - ich kann Ihnen sagen, dass ich nicht zurücktreten würde, wenn nicht der «Kommende Tag» auf absolut sicheren Beinen stehen würde und in einer zukunftssicheren Situation wäre -, da das der Fall ist, da man das volle Vertrauen eben haben kann zu dem «Kommenden Tag», auch wenn ich mich zurückziehe, vielleicht auch noch mehr, wie ich schon erwähnt habe, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, werden Sie Ihr Vertrauen dem «Kommenden Tag» nicht entziehen. So werden Sie einsehen, dass die Gründe für meinen Rücktritt maßgebende gewesen sind, und ich bitte Sie, diesen Rücktritt in dem Sinn aufzunehmen, wie er eben charakterisiert worden ist. Es obliegt mir nur vor allen Dingen gelegentlich dieses Augenblickes, in allerherzlichster Weise vor allen Dingen zu danken den anderen Mitgliedern des Aufsichtsrats für ihre hingebungsvolle Arbeit, für die außerordentlich schwierige Arbeit, die in den ersten Jahren geleistet werden musste, für die - ich möchte schon sagen - unter einer immer wachsenden Gegnerschaft leidenden und schwere Sorge machenden Arbeit. In besondererWeise auch darfich diesen Mitgliedern des Aufsichtsrates danken für die herzliche Weise, in der dieses Zusammenwirken  stattgefunden hat; sowohl denjenigen Mitgliedern des Aufsichtsrates, welche Träger der ursprünglichen Ideen des «Kommenden Tages» sind, als auch denjenigen, die als Betriebsratsmitglieder den Gesetzen gemäß zum Aufsichtsrat hinzugetreten sind. Wer eben mitgearbeitet hat in den letzten drei Jahren an der Gestaltung und weiteren Durchführung der Ideen und Angelegenheiten des «Kommenden Tages», der weiß eben, welche hingebungsvolle Arbeit notwendig ist, um die Dinge in sachgemäßer und entsprechender Weise zu leisten. Aber ich glaube, dass ja immer mehr und mehr sich das Gefühl geltend machen wird, wie stark den Mitgliedern des Aufsichtsrates zu danken ist für ihre Hingabe, und es wird daher begreiflich erscheinen, dass ich aus wirklich den herzlichsten Empfindungen heraus dem Aufsichtsrat meinen Dank zum Ausdruck bringe, und ihm wünsche, dass seine Arbeit in der nächsten und in der ferneren Zukunft von den schönsten Früchten getragen werden möchte. An zweiter Stelle habe ich in der herzlichsten Weise zu danken dem Vorstand, allen voran dem umsichtigen, hingebungsvollen, so außerordentlich sachlich wirkenden Direktor des Vorstandes, Herrn Emil Leinhas, den anderen Mitgliedern des Vorstandes insgesamt für ihr hingebungsvolles Wirken. Es ist ja in der letzteren Zeit überhaupt für gesellschaftliche, für wirtschaftliche Unternehmungen nicht gerade leicht geworden, die Direktionstätigkeit auszuüben. Es braucht einer nicht nur außerordentlich aufreibenden Arbeit, es braucht vor allen Dingen einer fortwährenden Gedankensorgfalt, einer fortwährenden Umsicht, die im Einzelnen zu schildern ja weder hier notwendig noch auch nur möglich ist. Aber wenn man das alles mit angesehen, wenn man sozusagen das alles mitzumachen hatte, wenn man von Tag zu Tag immer zu sehen hatte, wie insbesondere von der Leitung unseres Vorstandes in der letzten Zeit und seit dem Beginne immer eigentlich gearbeitet worden ist, so wird man es auch begreiflich finden, dass ich aus einer ganz besonderen inneren Befriedigung und herzlichen Empfindung heraus auch den Mitgliedern des Vorstandes, allen voran dem Direktor, Herrn Emil Leinhas, bei meinem Abgänge jetzt den herzlichsten Dank zum Ausdruck bringe. Damit verbinde ich noch den herzlichsten Dank für alle diejenigen, die aus  dem engeren Kreise der Anthroposophischen Bewegung, aus weiteren Kreisen heraus überhaupt den Bestrebungen des «Kommenden Tages» ihr Interesse, ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben, und einfach durch ihre Anteilnahme, durch ihre Teilnahme innerhalb des Kreises der Aktionäre dem «Kommenden Tag» die Möglichkeit des Bestandes gegeben haben. Ihnen allen sage ich bei meinem Rücktritt den allerherzlichsten Dank! Ich bitte Sie nun, meinen Rücktritt vom Posten des Vorsitzenden des Aufsichtsrates, vom Aufsichtsrat überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Damit sind wir eben angekommen beim vierten Punkt der Tagesordnung, und da ich meinen Austritt hiermit vollzogen habe, also nicht mehr die Verantwortung trage, bitte ich den stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Herrn Dr. Unger, den weiteren Vorsitz in dieser Generalversammlung zu führen.  SCHLUSSVOTUM RUDOLF STEINERS ZU «FUTURUM» UND KOMMENDER TAG Gründungsuersammlung der Allgemeinen Antbroposopbiscben Gesellschaft Auszug aus der protokollaniscben Aufzeichnung Dornach, 31. Dezember 1923, uormittags Erwin Habl: Betont, der Wiederaufbau [des Goetheanums] sei durchaus notwendig; Geld zu beschaffen sei eine dringende Notwendigkeit. Vorschläge, durch Fabrikunternehmen, etwa Maschinenfabriken, zu Geld zu kommen. RudolfSteiner: Ich werde Sie bitten, nur noch ein paar Augenblicke auf Ihren Sitzen zu bleiben. Ich habe zu den zwei Punkten, die Herr Hahl besprochen hat, allerdings einiges zu sagen. Meine lieben Freunde, ich habe mir in demselben Momente, als ich mich aus schwerem Herzen entschlossen habe, den Vorsitz in der Anthroposophischen Gesellschaft selber zu übernehmen, zu gleicher Zeit gesagt: Gewisse Dinge, die in den letzten Jahren unter uns Platz gegriffen haben, dürfen nun nicht wieder geschehen. - Und zu diesen Dingen gehört das, dass Industrien oder dergleichen von uns errichtet oder übernommen werden sollen, durch welche man anstrebt, um Geld zu bekommen, Geld hinzugeben. Das darf nicht wieder geschehen. Wir haben mit diesem Prinzip die letzten Jahre die allerschlechtesten Erfahrungen gemacht. Sie werden sich erinnern, wenigstens viele von Ihnen, meine lieben Freunde, dass, als hier ungefähr von derselben Stätte aus, nur ein paar Schritte weiter nach rechts, vorJahren der Vorschlag gemacht worden ist, zu solchen Gründungen zu schreiten, von mir geltend gemacht worden ist, dass nicht damit zu rechnen ist, dass in der Gegenwart die geeigneten Persönlichkeiten zu finden sind, welche hinter diesen Gründungen stehen werden und sie bis zum letzten Ende so vertreten werden, dass das herauskommen kann, dass man Geld hingibt, um wieder Geld zu bekommen. Es hat sich eine andere Erfahrung ergeben - die vielmehr übereinstimmt mit meiner damaligen Warnung -, die besteht darin nen, dass wir Geld hingegeben haben, um gutes Geld, das wir für unsere gute Sache verwenden könnten, zu verlieren. Das wollen wir nicht wieder machen, meine lieben Freunde. Wir wollen uns heute ganz klar sein darüber, dass wir nur heraus arbeiten wollen aus den guten Herzen unserer Freunde, sodass unsere Freunde wissen: Nicht das oder jenes wird angestrebt und dafür dies oder jenes versprochen, sondern es wird mit diesem Gelde dies oder jenes gemacht. Und so mÖchte ich es als eine Bedingung hinstellen für die Übernahme des Vorsitzes durch mich, dass jene finanziellen Experimente in Verbindung mit allerlei Industrien, die uns in den letzten Jahren so schwere Erfahrungen gebracht haben, nicht wiederholt werden. Es hat sich ja für eine große Zahl von Experimenten ergeben, dass die Persönlichkeiten, die sich damit verbunden haben, sich weiter nicht um dieselben gekümmert haben und dass sie gerade jetzt fortgeführt werden von denjenigen, die etwas Besseres zu tun hätten jetzt noch. Es gibt nämlich auch noch bessere Dinge. Nun, meine lieben Freunde, das verhindert mich, Ihnen irgendwie nach dieser Richtung hin irgendetwas zu raten. Diejenigen Dinge, die nun schon einmal nach dieser Richtung hin inauguriert worden sind, müssen mit aller Tatkraft fortgeführt werden, das ist selbstverständlich; aber sich in Neues von derselben Art einzulassen, ziemt uns für die nächsten Jahre nicht, wo wir alle Sorgfalt darauf verwenden müssen, dieses ideale Gut, das wir haben, nicht durch solche Nebenströmungen beeinflussen zu lassen. Es muss jeder Freund wissen in der Zukunft: Dasjenige, was er gibt, wird so zu den idealen Bestrebungen verwendet, wie es ist; wird nicht irgendwo erst verwendet, um es umzugestalten in die Form, wo es dann mehr sein sollte. - Das wird etwas sein, was wir, wie gesagt, nicht wieder tun. Was das Zweite betrifft, so bezeichne ich es als etwas außerordentlich Erfreuliches, was Herr Hahl gesagt hat; aber das ist ja schon geschehen, gerade während des Sommers, und Herr Hahl hat ja nur nötig, in sehr liebenswürdiger Weise, wo die Sammlung schon eingeführt ist für den Aufbau des Goetheanums, sein Scherflein einzuzahlen. Wir brauchen nicht immer neue Fonds zu stiften für dasjenige, was schon da ist. Darüber könnte ja nur in der Form gesprochen  werden, wie man den schon bestehenden Fonds recht dick macht. Aber neue Fonds brauchen wir nicht, sonst kennen wir uns vor lauter Fonds schließlich gar nicht mehr aus. Das ist dasjenige, was ich Ihnen noch ans Herz legen möchte. Ich habe es in dieser Trockenheit ausgesprochen, weil es wirklich mir nötig erscheint, dass es heute in dieser trockenen und klaren Weise ausgesprochen werde. Ich habe ja in der letzten Zeit vielfach über das Verfehlte dieser Dinge, wie sie auch jetzt wiederum mit einer Industriegesellschaft geführt werden, gesprochen. Wenn so etwas gemacht werden soll, dann möge es ganz abgesehen von der Anthroposophischen Gesellschaft rein für sich gemacht werden. Wenn man dann will, dass ich rein praktische Ratschläge, meinetwillen zur Herstellung von Maschinen, hergebe und dergleichen, dann mag man das tun. Aber man wird es nicht erleben, dass ich jemals wieder, nach den gemachten Erfahrungen, meine Hand bieten werde und selber als Verwaltungsrat und dergleichen Räte in solche Unternehmungen eintrete.  AUS DEM PROTOKOLL DER AUSSERORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER «FUTURUM AG» IN LIQUIDATION Protokollaniscbe Aufzeichnung Dornach, 24. März 1924 Vor den Ausführungen Dr. Steiners wird mitgeteilt, dass der bei der Generalversammlung [der ·Futurum·] vom 4. April 1923 gefasste Beschluss, die «Futurum AG· durch Fusion mit der Internationalen Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim AG /ILAG/ zu liquidieren in der vorgesehenen Weise, nämlich das 2 Millionen Franken betragende Aktienkapital der ·Futurum· zum abgeschriebenen Wert von 1 Million Franken zu erwerben, nicht durchführbar ist. Es muss vielmehr infolge der allgemeinen Verschlechterung der europäischen Wirtschaftsverhältnisse das Aktivvermögen der «Fururum AG· noch mehr, und zwar auf 450000 Franken, reduziert werden. Um diesen Betrag aufzubringen, ist andererseits die Internationale Laboratorien A.G. genötigt, ihr Aktienkapital von 500000 Franken auf 950000 Franken zu erhöhen. RudolfSteiner: Ich möchte auf den Punkt zurückkommen, der eben von dem Vorsitzenden erwähnt worden ist und der sich darauf bezieht, dass durch die neuerliche Abschreibung von 1 Million Franken auf 450 000 Franken Aktivvermögen der «Futurum AG» in Liquidation diejenigen Aktionäre, welche eine weitere Abschreibung wegen ihren VermÖgensverhältnissen nicht ertragen, nicht mehr zu Schaden kommen sollen als er schon betrug dadurch, dass eine Abschreibung von 2 auf 1 Million erfolgt ist. Durch die heute erfolgte Abschreibung werden also diejenigen Aktionäre, welche eine weitere Abschreibung nicht ertragen, nicht zu Schaden kommen. Das konnte auf folgende Weise ermöglicht werden: Wir versuchten, diejenigen Aktionäre, welche ein Opfer zu bringen in der Lage sind, dafür zu gewinnen, dass sie ihre Aktien an das Goetheanum als Geschenk übermachen. Dadurch, dass Aktionäre ihre Aktien im Werte von ungefähr 550000 Franken dem Goetheanum als Geschenk übermacht haben, entfällt die Notwendigkeit, für diese 550000 Franken die Dividende zu bezahlen. Man kann somit für 2 «Futurum»-Aktien  die Dividende bezahlen, die 1 ILAG-Aktie erhält. Das kann erreicht werden auf folgende Weise: Sie müssen bedenken, dass dadurch die Zahl der Aktien nicht vermindert wird, die ILAG muss die Dividende bezahlen auf sämtliche Aktien, die vorhanden sind. Von diesen Aktien sind 550000 Franken Kapitalwert aber im Eigentum des Goetheanum. Dieses verzichtet bei diesen Aktien auf die Dividende. Dadurch entfällt der Dividendenanteil, der diesen geschenkten Aktien entspricht, auf die Aktionäre, die die 450000 Franken gebliebener Aktien besitzen. Die verlieren deshalb nichts, da ihnen die Dividende zugelegt wird von den geschenkten Aktien. Diese Aktion hat den Sinn, dass für diejenigen Aktionäre, die nicht weitere Abschreibungen ertragen können, die Tatsache weiter besteht, dass sie für 2 «Futurum»-Aktien 1 ILAGAktie beziehungsweise deren Rendite haben werden. Das konnte nur auf diese Weise herbeigeführt werden, dass die, die verzichten können, die Aktien dem Goetheanum schenkten und das Goetheanum seinerseits die Aktionäre, die nicht verzichten können, damit entschädigt. Ich meine, dass das nun allen klar geworden ist. Es entfällt somit jede Möglichkeit, irgendwelche Formalität zu haben. Es ist damit auch juristisch alles erledigt und es würde diese ganze Aktion ins Wasser fallen, wenn weitere Versprechen daran geknüpft würden. Sie hätten keinen Sinn gehabt, wenn nicht diejenigen Aktionäre, die nicht mehr verlieren können, nicht gestützt werden könnten. Es ist dies eine Aktion, die sozusagen privat neben den Formalitäten erledigt werden kann und die ich Sie bitte, in die Diskussion hineinzunehmen. Frage: Ob die Aktionäre als Sicherheit etwas Greifbares in die Hand bekommen, eventuell die tatsächlich zur Verfügung gestellten Aktien? Rudolf Steiner: Das Verlangen nach einer Garantie ist etwas, was mir offen gestanden nicht sehr gefällt. Ich denke, es genügt, dass diese Garantie durch die Aktien selbst übernommen wird, und ich glaube nicht, dass durch eine formelle Erklärung die Sache sicherer gemacht würde. Ich benütze diesen Anlass, den Verzichtenden für ihre schöne Opferwilligkeit im Interesse der Allgemeinheit an dieser Stelle herzlich zu danken.  Emil Leinbas: Es ist zu beachten, dass die Erklärung, die Herr Dr. Steiner eben gegeben hat, einen realen Inhalt hat. Er konnte sie abgeben aufgrund der Schenkungen, die ihm zu seiner Verfügung gemacht worden sind. Seiner Tatkraft allein ist es zu verdanken, dass die Aktion mÖglich geworden ist. RudolfSteiner: Wir möchten die Sache auf Realität gründen, es wird ja für die ILAG die Sache so gestaltet werden, dass der künftige Verwaltungsrat die Kontrollstelle, die man sonst nur als Kassenrevisor hat, als eine reale neben sich haben wird. Wir werden den Vorschlag machen, dass die ILAG in Zukunft als Kontrollstelle Frau Dr. Wegman und mich haben wird. Wir werden durch den Aktienbesitz von 550000 Franken künftig dafür sorgen, dass die Sache so durchgeführt wird. Ich glaube, es ist besser, die Angelegenheit auf dieses persönliche Verhältnis zu stellen, das ebenso reell ist als eine schriftliche Erklärung. Nach Annahme der vorgeschlagenen Lösung durch die Generalversammlung ist die Aufgabe der Liquidationskommission im Wesentlichen abgeschlossen, sodass deren Mitglieder, die Herren Leinhas, Padrutt und Day, demissionieren. Es wird als genügend erachtet, dass die ·Futurum AG· in Liquidation durch das nicht demissionierende Mitglied der Liquidation Herrn Edgar Dürkr mit Einzduntcrschrift vertreten ist, da Herr Dürler außerdem für den Verwaltungsrat der ILAG in Aussicht genommen ist, ·weshalb er auch bei der heutigen Sachlage diejenige Person ist, die die getrennte Verwaltung richtig überwachen kann·. Zum Schluss der Versammlung werden noch die Anwesenden eingeladen, an der morgigen Generalversammlung der ILAG als Gäste teilzunehmen.  DAS ENDE DER «FUTURUM A.G.» AUS DEM PROTOKOLL DER AUSSERORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER INTERNATIONALEN LABORATORIEN UND KLINISCH-THERAPEUTISCHES INSTITUT ARLESHEIM AG Protokollarische Aufzeichnung Dornach, 25. März 1924 Die Versammlung wird durch Frau Dr. Ita Wegman eröffnet. Sie schlägt vor, als Tagespräsidenten Dr. Steiner zu wählen. Dieser orientiert über die Gründe der neuen Abschreibung des ·Futurum·-Vermögens gemäß Versammlung vom 24. März 1924 [siebe Seite 425/ und beantragt: 1. Einen Vertrag zwischen der Internationalen Laboratorien und KlinischTherapeutisches Institut Arlesheim A.G. und der ·cFuturum A.G. in Liq.· zu genehmigen, durch den die Übernahme der ·Futurum· mit 450 000 Franken vorgenommen werden kann. 2. Zu diesem Zweck das Aktienkapital der Internationalen Laboratorien und Klinisch-Thcrapeutisches Institut Arlesheim A.G. von 500 000 Franken auf 950000 Franken zu erhöhen. Die beiden Anträge werden einstimmig angenommen. Rudolf Steiner: Wie Ihnen bekannt sein dürfte, geht unser Streben dahin, eine scharfe Trennung durchzuführen zwischen den geistigen und kommerziellen Interessen unserer Mitglieder. Das ist insbesondere nötig beim Klinisch-Therapeutischen Institut, das von den Internationalen Laboratorien abgetrennt werden soll durch Vereinigung mit dem Verein des Goetheanum. Ihm soll ferner ein Versuchslaboratorium angegliedert werden, während dem die eigentlichen Laboratorien als Erwerbsgesellschaft unter dem Titel dnternationale Laboratorien Arlesheim A. G. Arlesheim» weiterbetrieben werden sollen mit dem Gesellschaftskapital von 950000 Franken. Durch diese Unabhängigkeit wird es möglich sein, das Geschäft auf eine gesunde und gewinnbringende Basis zu stellen. Frau Dr. Wegman und Herr Dr. Steiner werden mit der Klinik, die nun einen integrierenden Bestandteil des Goetheanums bilden soll, speziell bei der Herstellung der Heilmittel eng verbunden bleiben.  Der Verwaltungsrat hat denn auch in einer der heutigen Generalversammlung vorausgegangenen Sitzung beschlossen, Ihnen folgenden Beschluss als Antrag zur Genehmigung zu unterbreiten: Die Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G. in Arlesheim verkauft an den Verein des Goetheanum das Klinisch-Therapeutische Institut. Der genaue Übernahmepreis wird nach Vorliegen der Jahresbilanz pro 31. Dezember 1923 vom Verwaltungsrat bestimmt. Damit wird die bisherige Firma abgeändert in dnternationale Laboratorien Arlesheim A.G. in Arlcshcimm Dieser Antrag wird einstimmig genehmigt. Da diese Beschlüsse auch eine Neuordnung des Verwaltungsrates erfordern, wird Frau G. Ricardo, welche für längere Zeit in Amerika weilt, als Verwaltungsratsmitglied abberufen, Frau Dr. Ita Wegman demissioniert. Zu dem verbleibenden Verwaltungsratsmitglied Herrn Geering-Christ werden neu hinzugewählt Herr Emanuel joscph van Leer und Herr Edgar Diirler. Die Kontrollstelle muss infolge vorliegender Demission der bisherigen Mitglieder Fräulein M. Viehoff und Herrn Karl Day neu besetzt werden. Vorgeschlagen werden als Ersatz: Herr Dr. Rudolf Steiner in Dornach, Frau Dr. Ita Wegman in Arlesheim. Der Herr Vorsitzende [dieser Versammlung: Dr. Steiner] betont, auf diese Art den nötigen Kontakt zwischen dem Verein des Goetheanum, also der rein geistigen Richtung, und den Internationalen Laboratorien, das heißt der kommerziellen Richtung, herstellen zu können. Diese Lösung verbürgt ihm die nötige Zusammenarbeit. Die Abstimmung ergibt die einstimmige Wahl der Vorgeschlagenen. Am Schluss der Versammlung wird durch den Vorsitzenden noch festgestellt, dass durch die heute gefassten Beschlüsse diejenigen von der Generalversammlung vom 5. April 1923 annulliert werden.  DAS ENDE DES «KOMMENDEN TAGES» WORTMELDUNGEN RUDOLF STEINERS AN DER VORBESPRECHUNG ZUR VIERTEN ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DES ·KOMMENDEN TAGES A.G.· Protokollarische Aufzeichnung Stuttgart, 15. Juli 1924, uormittags 10 Uhr Emil Leinbas begrüßt die anwesenden Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, die etwa 80 % des Aktienkapitals des «Kommcnden Tages» vertreten, und bittet Herrn Dr. Steiner, die Leitung der Versammlung zu übernehmen. Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Wir werden heute wohl die nüchternste und begeisterungsloseste Versammlung abhalten müssen, die uns innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft möglich ist, und deshalb dürfen wir auch wohl darum bitten, dass in dieser heutigen Sitzung der reine Verstand ganz allein walte, sonst werden wir kaum zurechtkommen. Es handelt sich darum, dass wir in einer gewissen 'Weise heute miteinander sprechen müssen über das Schicksal des «Kommenden Tages», der ja zusammenhängt mit mancherlei Idealen, die sich die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft im Laufe der letzten Jahre gemacht haben. Wir sehen im «Kommenden Tag» eine Institution, die sozusagen als die letzte größere Institution aus der einstmals aufgetretenen Dreiglieclerungs-Bewegung hervorgegangen ist, und kÖnnen nur mit einem gewissen Schmerz den Blick darauf hinwenden, dass dieser «Kommende Tag» heute in einer wirklich ernsten Krise sich befindet, die unbedingt gelöst werden muss. Dabei kommt vor allen Dingen in Betracht, dass man die Dinge so nüchtern sieht als möglich. Es haben sich die Hoffnungen ja nicht erfüllt, dass das, was mit dem «Kommenden Tag» zusammenhängt, so verlaufen könne, wie man gewollt hatte, dass die mitteleuropäische Wirtschaftskrise, gewissermaßen außen wogend, an dem «Kommenden Tag» vorbeige hen würde, sondern der «Kommende Tag» steht nun mal heute so da wie irgendein anderes Wirtschaftsunternehmen, durchaus partizipierend an demjenigen, was das niedergehende Wirtschaftsleben darbietet. Der «Kommende Täg» steht heute nicht besser, aber auch durchaus nicht schlechter als ein anderer mitteleuropäischer Wirtschaftsbetrieb. Die Krise ist hervorgerufen auf die folgende An: Wenn der «Kommende Täg» heute, [nach Umstellung der Währung auf Goldmark], Barmittel hätte, die MÖglichkeit hätte, die wirtschaftlichen Betriebe und die geistigen Betriebe fortzuführen mit Barmitteln, wenn er selbst darauf rechnen könnte, Kredite in Anspruch zu nehmen, so würde er weiterarbeiten können, so wie andere Wirtschaftsbetriebe heute wahrhaftig nicht unter besseren Bedingungen fortarbeiten. Der «Kommende Täg» verfügt aber nicht über Barmittel, kann also seine wirtschaftlichen und geistigen Betriebe in dem Bestand, wie sie bisher gewesen sind, nicht weiterführen. Der Sachwert des «Kommenden Tages» ist - das muss immer wieder betont werden - heute durchaus ein solcher, dass man nicht den geringsten Anstoß daran nehmen würde, die Führung einfach fortgehen zu lassen, wenn Barmittel vorhanden wären oder aufgetrieben werden könnten. Gewiss, es mögen noch andere Gründe dafür vorliegen, dass der «Kommende Tag» heute nicht in der Lage ist, Barmittel aufzufinden, aber die Hauptsache liegt doch darinnen, dass eben das deutsche Wirtschaftsleben Formen angenommen hat, die es dem «Kommenden Tag» unmöglich machen, wie andere Wirtschaftsunternehmungen sich fortzuführen, weil eben dazu doch notwendig gewesen wäre, dass man von außenstehender Seite den «Kommenden Tag» mit demselben Wohlwollen behandelt hätte, wie man andere Wirtschaftsunternehmen behandelt hat. Das ist nicht geschehen. Ein großer Teil der Gründe, warum heute der «Kommende Tag» durch das Fehlen jeglicher Barmittel in dieser Krisis ist - nüchtern kann das nicht anders gesagt werden als so: Ein großer Teil der Schuld liegt schon in der Art und Weise, wie man den «Kommenden Tag» in der Welt angeschwärzt hat. Ein Unternehmen, das in dieser Weise vor die Welt hingestellt worden ist, kÖnnte heute höchstens dann weiterarbeiten, wenn es einen Grund stock hätte von Persönlichkeiten, die dafür finanziell aufkommen würden. Das ist aber, wenn nur das fortgeführt wird, was bis jetzt geschehen ist innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft, auf welche allein gerechnet werden kann, auch nicht der Fall, und so können wir heute nicht anders als die Situation des «Kommenden Tages», so wie sie ist, objektiv zunächst vor uns hinstellen. Daher werde ich mir erlauben, die Tagesordnung der heutigen Versammlung so zu gestalten, dass ich zunächst Herrn Leinhas bitten werde, die Situation des «Kommenden Tages» objektiv vor Sie hinzustellen, und als zweiten Punkt der Tagesordnung werde ich die Vorschläge machen, welche angesichts der ernsten Lage zu machen sind. Ich bitte also Herrn Leinhas, eine objektive Darstellung der Situation des «Kommenden 'Iäges» als Voraussetzung für unsere weiteren Verhandlungen zu geben. [Emil Leinhas scbildert die Lage anband der Bilanz. Die Lage ist so, dass die wirtschaftlichen Betriebe die geistigen nicht mehr tragen können.] Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Sie haben die Schilderung der Situation des «Kommenden Täges» angehört, und ich werde mir nun erlauben, zwar schicksalsschweren Herzens, aber doch rein verstandesmäßig, wie ich Sie auch bitte es aufzufassen, die Möglichkeit auseinanderzusetzen, wie wir über diese Krisis des «Kommenden Täges» nach meiner Meinung allein hinwegkommen können. Es liegt ja im Wesentlichen dieses vor, dass wir gegenüber der Schilderung der Situation, die uns eben gegeben worden ist, den «Kommenden Tag» nunmehr zu teilen haben in denjenigen Teil, der die rein wirtschaftlichen Unternehmungen umfasst, und in den anderen Teil, der die geistigen Unternehmungen umfasst. Wenn wir aus dem, was eben gesagt worden ist, das Fazit ziehen, so liegt es eigentlich zunächst für uns, die wir als Anthroposophen über die Situation nachzudenken haben, so, dass wir sagen müssen: Der «Kommende Tag» ist weiter nicht imstande, für die geistigen Betriebe, die im Wesentlichen die Waldorfschule, das Klinisch-Therapeutische Institut, das Forschungsinstitut und den Verlag umfassen, irgendetwas für diese Betriebe in der Zukunft an Barmitteln abgeben zu können. Daher  handelt es sich darum - nachdem die Voraussetzung, die ich glaubte machen zu müssen, dass zuerst die Dinge der rein wirtschaftlichen Betriebe geordnet werden müssten, gescheitert ist an der Unmöglichkeit, heute irgendwie zurechtzukommen mit einem Verkauf dieser Betriebe oder dergleichen -, wie wir damit zurechtkommen, die geistigen Betriebe vom «Kommenden Tag» in einer gewissen Weise abzusondern. Das kann aber nur unter außerordentlich schwierigen und starken Opfern vonseiten unserer anthroposophischen Freunde erfordernden Maßnahmen geschehen. Auf eine andere Weise ist es nicht möglich. Denn Sie müssen bedenken, dass diese geistigen Betriebe heute so dastehen, dass sie ohne jede Möglichkeit sind, aus der Situation des «Kommenden Tages» heraus irgendwie fortgeführt zu werden. Sie sind also gewissermaßen an die Luft gesetzt, nicht durch irgendeinen Beschluss, sondern durch die Tatsachen. Die Frage entsteht: Wie kommen wir über diese Situation hinweg? Da müssen wir uns das Folgende überlegen: Der «Kommende Tag» hat 109000 Stück Aktien ausgegeben. Rechnen wir einmal nach der Aktienzahl. Wenn man das, allerdings schätzungsweise, aber wahrscheinlich doch ziemlich gut zutreffend beurteilt, was an Aktienkapital diesen 109000 Stück Aktien zugrunde liegt, und das verteilt auf die rein wirtschaftlichen und die geistigen Betriebe, so entfallen auf die wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Betriebe 74000 Stück Aktien und auf die geistigen Betriebe 35000 Stück. Wir haben also sozusagen für die geistigen Betriebe Besitztümer, welche entsprechen 35 000 Stück Aktien des «Kommenden Tages». Nun, meine lieben Freunde, wie kann man diese Betriebe, diese geistigen Betriebe fortführen? Das ist die Grundfrage. Und Sie mÖgen sich die Sache überlegen, wie Sie wollen, diese geistigen Betriebe können nach der ganzen Lage des «Kommenden Tages» bei diesem nicht verbleiben. Denn was müsste dann geschehen? Dann müsste der «Kommende Tag» ebenso vorgehen, wie andere Unternehmungen heute vorgehen müssen. Man müsste den Aktienbesitz zusammenlegen, und es würde die Gesamtmasse der Aktionäre des «Kommenden Tages» eben mit einem wesentlich verminderten Aktienbesitz vor der genau gleichen Situation stehen. Vielleicht würde dadurch die Kredit fähigkeit etwas wachsen, aber es ist das doch etwas, was gegenüber allen Aussichten, auf die man hinblicken muss, nicht durchzuführen ist. Wenn das aber nicht durchgeführt werden kann, was ist dann zu machen? Es ist nichts anderes zu machen - und ich spreche jetzt das, was ich zu sagen habe, mit innerstem Widerstreben aus, aber es muss eben aus der Situation heraus ausgesprochen werden, und wenn ich Ihnen lange eingesalbt die Sache vortragen würde, wäre sie ja nicht besser: Das Einzige, was getan werden kann, ist, dass die 35000 Stück Aktien, die dem Besitz der geistigen Betriebe entsprechen, verschwinden. Das ist aber nicht anders möglich, als dass sich innerhalb des Kreises der Anthroposophischen Bewegung genügend viele Persönlichkeiten finden, die zugunsten der wichtigsten geistigen Betriebe einfach auf ihren Aktienbesitz glatt verzichten, sodass die geistigen Betriebe die 35000 Stück Aktien selbst geschenkt bekommen. Es ist das gerade so, wie wenn geistige Betriebe neu begründet würden und wenn sich eine Anzahl opferwilliger Persönlichkeiten finden würde, die etwa die Summe, die diesen 35000 Aktien entspricht, aufbringen würden. Ist es also möglich, meine lieben Freunde, dass die Besitzer von 35000 Stück «Kommenden-Tag»-Aktien auf den Besitz ihrer Aktien verzichten, dann könnte das Folgende eintreten. Dann könnte man, was da geschenkt wird, 35000 Stück Aktien des «Kommenden Tages», dem deutschen Goetheanum-Fonds überlassen, der dann zu meiner freien Verfügung stehen müsste. Ich würde dadurch die freie Verfügung bekommen über die geistigen Betriebe. Ich sehe keine andere Möglichkeit für irgendeine andere Lösung des Problems, vor dem wir jetzt stehen, als dass diese Maßregel eintritt. Sie werden begreifen, dass es mir außerordentlich schwer wird, ein Jahr, nachdem ich selber aus dem Aufsichtsrat des «Kommenden Tages» ausgeschieden bin, heute diese ungeheure Zumutung an die Aktionäre des ·Kommenden Tages» stellen zu müssen: Schenkt mir 35 000 Stück Aktien, damit die geistigen Betriebe in der Art, wie ich das gleich noch auseinandersetzen werde, fortgeführt werden können. Wenn sich also heute opferwillige Aktionäre finden, die diese Schenkung vollziehen, dann liegt die Sache so, dass der «Kommen de Tag» als solcher weiter fortgeführt wird als eine Assoziation rein wirtschaftlicher Unternehmungen. Wie er sich diese Fortführung denkt, wird noch auseinanderzusetzen sein. Diese Fortführung würde entsprechen einem Aktienbesitz von 74 000 Stück Aktien. Über dasjenige, was auf diesem Gebiete liegt, kann ja dann nachher gesprochen werden. Ich betrachte es jetzt in diesem Augenblick als meine Aufgabe, auseinanderzusetzen, was mit den geistigen Betrieben geschehen kann, wenn die 35 000 Stück Aktien zugunsten des deutschen Goetheanum-Fonds geschenkt werden. Es würde sich dann herausstellen, dass immerhin eine anthroposophische Gesinnung in dieser Opferwilligkeit zum Ausdruck kommen würde. Die Schenker würden sich sagen: Gewiss, wir bringen ein Opfer, aber wir bringen es aus dem anthroposophischen Gemeingeiste heraus. - Es gibt im «Kommenden Tag» eben Aktionäre, denen es möglich sein wird, eine solche Schenkung zu vollziehen. Da sie selbstverständlich nur in die Lage versetzt werden können, ganz freiwillig zu schenken, so kann man nur sagen: Wer schenken wird, der wird auch schenken können. Es wird eine Gruppe von Aktionären sein, die schenken kann. Auf der ändern Seite sind Aktionäre des «Kommenden Täges», die auf ihren Aktienbesitz nicht verzichten können, die werden verwiesen auf die rein wirtschaftlichen Unternehmungen. Sie wären in keiner ändern Lage als andere Aktienbesitzer. Und damit der Vollbesitz der 74000 Stück Aktien gewahrt werden könne, wäre es eben notwendig, dass in Zukunft die geistigen Betriebe auf die wirtschaftliche Verwaltung des «Kommenden Täges» nicht den geringsten Einfluss mehr haben würden. Wenn diese Voraussetzung heute erfüllt würde, dass 35 000 Stück Aktien dem deutschen Goetheanum-Fonds zur Verfügung gestellt werden, und die wirtschaftlichen Betriebe abgesondert zu denken wären, dann würde sich Folgendes herausstellen: Vor allen Dingen ist zu denken an die Waldorfschule, die mit 300 000 Mark im «Kommenden Tag» zu Buch steht. Dasjenige, was der Waldorfschule entspricht, das kann eigentlich durch keinerlei Art von Gegenwert gedeckt werden. Denn die Waldorfschule ist, wie Sie alle wissen, in Bezug auf die Aufbringung ihrer Barmittel durchaus auf die Schulgelder angewiesen und auf dasjenige, was durch frei willige Beiträge aufgebracht wird. Daher kann die Waldorfschule, wenn jetzt eine Sanierung der Angelegenheiten vorgenommen wird, durch nichts anderes als eine volle Schenkung in den Besitz ihrer Betriebseinrichtungen gebracht werden. Was der Waldorfschule [an Grundstücken, Gebäuden und Einrichtungen] entspricht, das also im «Kommenden Tag» mit 300 000 Mark zu Buch steht, das ist notwendig, glatt zu schenken. Bleibt dann noch das Folgende: das Klinisch-Therapeutische Institut, das heute verknüpft ist mit dem Heilmittelverkauf, das heißt mit dem pharmazeutischen Laboratorium. Das Klinisch-Therapeutische Institut werde ich nachher besprechen. Der Heilmittelverkauf steht bilanzmäßig so, dass man sagen kann, es ist die allergrößte Aussicht vorhanden, dass er von heute ab schon keine irgendwelche wesentlichen Opfer mehr fordert. Er trägt sich. Aber immerhin wird man in der nächsten Zeit noch Barmittel brauchen. Und weil er ein gediegenes wirtschaftliches Gut ist, also als solches in Betracht kommen wird, muss man ihn auch kaufen können. Nun schwebt mir vor, dass die Internationale Laboratorien A.G. in Arlesheim den Heilmittelverkauf auch für alle diejenigen Länder der Welt besorgt, die nicht einmal in einem Vertrag abgetreten worden sind an das Stuttgarter Laboratorium, dass diese Internationale Laboratorien A.G. Arlesheim für die Welt diesen Heilmittelverkauf [und die Heilmittelherstellung] besorgt. Sie ist eine Aktiengesellschaft. Und gegenüber der Bilanz des hiesigen Heilmittelverkaufes und gegenüber den allgemeinen Verhältnissen, die sich auf unseren Heilmittelverkauf beziehen, die ideell außerordentlich günstig sind, wird man die Internationale Laboratorien A.G. Arlesheim dazu bringen können, dass sie den Heilmittelverkauf übernimmt und den Laboratoriumsankauf vollzieht. Aber wiederum nach den Verhältnissen, die dort in Arlesheim sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Kaufsumme eine Höhe von 50000 Franken übersteigen könnte. Diese 50000 Franken wird man ganz selbstverständlich dazutun müssen zu dem Goetheanum-Fonds, da ja, wenn nun die geistigen Betriebe selbstständig dastehen, wenn man sie geschenkt bekommt, man aber mit der Schenkung noch keine Barmittel erhält, sodass eigentlich keine  Rede davon sein könnte, dass dieser Ankauf die Konsequenz hätte, dass eine Entschädigung - die ja auch ganz geringfügig wäre - an die schenkenden Aktionäre vollzogen werden könnte. Was den Verlag betrifft, möchte ich das Folgende sagen: Gegenüber dem Verlag kann ich mich selbst nur verpflichtet fühlen, aus diesem Verlag herauszuretten die anthroposophischen Bücher, die von mir selbst geschrieben sind, die Bücher, die aus einer außerordentlich verdienstvollen Forschung von Herrn und Frau Dr. Kolisko hervorgegangen sind, die beiden Broschüren und noch ein Buch, das eben im Erscheinen ist, von Dr. Wachsmuth, dem Vorstandsmitglied am Goetheanum. Das würde eine Buchmasse ausmachen, die etwa einen Wert von 25 000 bis 30000 Franken repräsentieren könnte. Das ist etwas, dem gegenüber man denken müsste, dass es erworben werden und durch diese Erwerbung dem PhilosophischAnthroposophischen Verlag zufallen müsste. Die andere Masse der Bücher ist eigentlich so, dass ich - rein finanziell gesprochen und aus dem Gesichtspunkte des «Kommenden Täges» heraus - ihr gegenüber nicht nur keine Verpflichtung fühlen kann, sondern auch keine Verpflichtung fühlen darf. Gerade bei dieser Büchermasse kommt mir ja das in den Sinn, dass trotz aller Einwendungen, die seinerzeit von mir gemacht wurden, als dieser Buchverlag gegründet worden ist, sich dieser Verlag im Laufe der Zeit nur so verhalten hat, dass er im Wesentlichen mit den Konsumenten des PhilosophischAnthroposophischen Verlages innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gerechnet hat; dass also im Grunde genommen durch diejenigen, die damals mit einem vermeintlichen Enthusiasmus, der aber eigentlich Unverständigkeit war, damals mit dem «Kommenden Täg»-Verlag ein Konkurrenzunternehmen für den PhilosophischAnthroposophischen Verlag geschaffen worden ist, was sehr leicht auseinanderzusetzen wäre. Deshalb fühle ich mich auch moralisch in keiner Weise verpflichtet, für die restliche Buchmasse des «Kommenden Tag»-Verlages zu sorgen. Diese restliche Buchmasse bringt mir einen ändern Gedanken nahe. Es handelt sich für mich darum, dass ich in der Zukunft in der strengsten Weise mich werde dafür einsetzen müssen, dass Kei nerlei Anthroposophengelder in wirtschaftliche Unternehmungen einfließen, die mit der Anthroposophischen Gesellschaft als solcher unmittelbar nichts zu tun haben. In dieser Beziehung wurde einmal nachgegeben, aber heute ist die dringende Notwendigkeit vorhanden, dass fernerhin keine wirtschaftlichen Unternehmen mit Anthroposophengeldern gespeist werden. Daher lag für mich auch die Notwendigkeit vor, für die Zukunft dafür zu sorgen, dass auch der gesamte Heilmittelverkauf in der Welt nicht auf ein Kapital gestellt werde, das aus Anthroposophentaschen herrührt, sondern auf ein Kapital von Leuten, die mit diesen Dingen ihr eigenes Vermögen verwalten wollen, also nur von Persönlichkeiten, die nicht aus anthroposophischen Gründen heraus, sondern lediglich aus der Rücksicht heraus, dass sie den Heilmittelverkauf für rentabel halten, das Geld hergeben, ohne Rücksicht zu nehmen, dass das irgendetwas mit der Anthroposophie zu tun hat. Es kann in der Zukunft für diese Dinge nur von diesem Gesichtspunkte aus gearbeitet werden. Der Heilmittelverkauf lässt sich so an, dass er, wenn er in der Zukunft auch kaufmännisch geführt wird, bei der großen Anerkennung, die sogar diejenigen Heilmittel in der Welt finden, auf die ich selber nur, ich möchte sagen, mit halber Hoffnung hingesehen habe, in ganz kaufmännischem Sinne ein rentables Geschäft werden kann. Aber er darf eben nur mit Geldern geführt werden, die auf das Risiko, das in dem Heilmittelverkauf liegt, gegeben werden. So kann ich auch der Internationalen Laboratorien A.G. Arlesheim, die in die Zukunft hinein auf die eben geschilderte Basis gestellt sein wird, den Ankauf des Heilmittdverkaufes hier empfehlen. Bleibt, meine lieben Freunde, das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart. Wenn es auch heute bilanzmäßig ganz gut steht, es kann doch nicht anders gedacht werden als so, dass man zu seiner Führung Barmittel nötig hat. Nach den Intentionen, die von der Weihnachtstagung in Dornach ausgegangen sind, kann das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim kein Glied mehr sein der Internationalen Laboratorien A.G. in Arlesheim, sondern nur das dortige Laboratorium und der Heilmittelverkauf. In der Zukunft kann mit rein wirtschaftlichen Unternehmen ein geistiges Institut  nicht verbunden werden. Deshalb ist auch das Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim von der Internationalen Laboratorien A.G. in Arksheim abgegliedert worden und ein integrierendes Glied des Goetheanums geworden. Dasselbe kann nicht für das KlinischTherapeutische Institut in Stuttgart eintreten, weil das Goetheanum auch nicht für einen Pfennig Zuschuss Garantie oder Risiko dafür übernehmen könnte. Also das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart steht so da, dass es nicht an die Internationale Laboratorien A.G. in Arlesheim angeschlossen werden kann, dass es auch nicht an das Goetheanum angeschlossen werden kann aus dem einfachen Grunde, weil das Goetheanum kein Risiko übernehmen darf. Sodass das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart nur so gestellt werden kann, dass es ein auf sich selbst gestelltes wirtschaftliches Unternehmen ist, das von einem Arzt oder Nichtarzt übernommen wird, der vielleicht dann, wenn Zuschüsse notwendig sind, sie auf eigenes Risiko übernimmt. Man muss demgegenüber sagen: Wenn Zuschüsse nicht notwendig sind, so kann jeder, der ein wenig geschäftlichen Sinn hat, riskieren, es auf eigene Rechnung zu übernehmen. Wenn aber Zuschüsse notwendig sind, dann kann das Goetheanum es erst recht nicht übernehmen. Also für die Klinik bleibt nichts anderes übrig, als sie zu einem selbstständigen Unternehmen zu machen. Was Gmünd betrifft, rechne ich es nicht zu den Betrieben, um die ich mich zu bekümmern habe, da wird sich der «Kommende Tag» weiter zu bekümmern haben, in welcher Weise es fruktifiziert werden kann. Bleibt, meine lieben Freunde, das wissenschaftliche Forschungsinstitut, demgegenüber einem geradezu das Herz zerbricht, wenn man aus der Situation heraus darüber reden soll. Aber so, wie die Dinge stehen, liegt ja für das wissenschaftliche Forschungsinstitut auf der einen Seite die Tatsache vor, dass der «Kommende Tag» für dieses Institut keine Barmittel hat, dass das Goetheanum in Dornach außer jeder Lage ist, auch nur irgendwie eine Verpflichtung für dieses wissenschaftliche Forschungsinstitut in der HÖhe eines Pfennigs zu übernehmen, sodass eine andere MÖglichkeit gar nicht übrig bleibt - nicht aus irgendeinem Wunsche oder so etwas heraus, sondern rein aus der wirtschaftlichen Situation heraus -, als, wenn sich nicht  ein Liebhaber findet, der das wissenschaftliche Forschungsinstitut übernimmt und finanziert, dieses wissenschaftliche Forschungsinstitut aufzulösen, restlos aufzulösen. Wir begraben damit vielleicht denjenigen Gedanken, der uns als einer der allerheiligsten, möchte ich sagen, vorgeschwebt hat, wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen, um dem geistigen Leben zu dienen. Aber die Möglichkeit, das weiter zu tun, ist nicht vorhanden. Sodass also für die geistigen Betriebe die folgende Situation vorliegen würde: Die Waldorfschule wird durch Schenkungen auf sich selbst gestellt. Das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart wird verselbstständigt, zu einem eigenen Betriebe gemacht; Gmünd bleibt dem «Kommenden Tag» weiter zur Ordnung überlassen. Das wissenschaftliche Forschungsinstitut muss aufgelöst werden, wenn sich nicht ein Einzelner oder ein Konsortium findet, um es zu halten. Aus dem Verlag werden meine Bücher und die andern genannten herausgelöst und dafür gesorgt, dass diese Bücher zum weiteren Vertriebe dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag zufallen. Der Rest des Bücherbestandes muss freihändig an außenstehende Verleger verkauft werden. Als unzulässig würde ich es betrachten, wenn innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft selber irgendwelche Schritte gemacht würden, um den Rest dieses Bücherbestandes zu verkaufen und weiter irgendetwas zu begründen damit, was innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft liegt, denn damit würde die Konkurrenz gegenüber dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag entstehen, und kein Mensch kann verlangen, dass auch noch dasjenige, was in sich so steht wie der Philosophisch-Anthroposophische Verlag, durch weitere Konkurrenz zugrunde gehe. Das, meine lieben Freunde, wäre ganz trocken und nüchtern gesagt, was einzig und allein unter der heutigen Situation nötig ist. Gelingt es heute, mit Erfolg an die Opferwilligkeit so vieler Aktionäre des «Kommenden Tages» zu appellieren, dass 35 000 Stück Aktien für die geistigen Betriebe geschenkt frei zur Verfügung stehen und dem Goetheanum-Fonds zugewiesen werden, dann können wir die Ordnung dieser geistigen Betriebe in der Weise vornehmen, wie ich es geschildert habe. Ich würde mich für die Ordnung selber einsetzen  und dann bliebe die Sorge für die restierenden 74000 Stück Aktien dem weiteren Behandeln der rein wirtschaftlichen Betriebe, die innerhalb des «Kommenden Tages» stehen. Glauben Sie, meine lieben Freunde, dass dasjenige, was ich Ihnen jetzt kurz, nüchtern und trocken dargestellt habe, mir wahrhaftig seit Wochen die allerschwersten Sorgen gemacht hat, schwerste Kämpfe bewirkt hat. Allein, als vor einer Anzahl von Wochen Herr Leinhas zu mir nach Dornach kam ins Goetheanum und mir die Mitteilung machte, dass der letzte der wirtschaftlichen Betriebe, mit dem der «Kommende Tag» noch zu rechnen hatte, der in voller Opferwilligkeit eigentlich den LÖwenanteil der Zuschüsse bis dahin aufgebracht hat, dass dieser Betrieb diese Zuschüsse auch nicht mehr aufbringen kann, da war es klar: Dann bedeutet das das Ende der MÖglichkeit, den «Kommenden Täg» in seiner alten Form weiterzuführen. Dann steht der «Kommende Tag», trotz seiner Sachwerte, ohne die Möglichkeit, Barmittel zu schaffen, da; dann muss unbedingt eine Sanierung eintreten. Seit jener Zeit hat mir die ganze Sache schwere Sorge gemacht. Solange gehofft werden konnte, dass die wirtschaftlichen Unternehmungen im unmittelbaren Verkauf zuerst abgestoßen werden könnten, und gewissermaßen als Rumpf«KommenderTag» die geistigen Unternehmungen übrig blieben, konnte man denken, dass das, was übrig bleibt, in irgendeiner Weise geordnet werden könnte. Nachdem aber die Dinge so weit gediehen sind, dass wir vor der Generalversammlung stehen und Sie gebeten haben, im vertraulichen Kreise vorher zusammenzukommen, ist es mir nicht möglich, etwas anderes als das eben Gesagte vorschlagsmäßig vor Sie hinzustellen. Das ist dasjenige, worüber ich jetzt die Diskussion eröffnen mÖchte. Ich bitte also die Freunde, die sich daran beteiligen wollen, das Wort zu ergreifen. Wir können dann, nachdem zuerst die vorgebrachten Dinge besprochen worden sind, dazu übergehen, zu besprechen, was für Möglichkeiten für die Weiterführung der rein wirtschaftlichen Unternehmungen gedacht werden können. Ich darf noch erwähnen, dass von den 35 000 Stück Aktien heute schon gezählt werden kann auf den Betrag, mit dem die Waldorfschule im «Kommenden Tag» zu Buche steht, den ein Aktionär, der die entsprechende Aktienzahl  besitzt, mir zur Verfügung gestellt hat. Auch von einigen anderen kann man annehmen, dass es ganz bestimmt gegeben wird. So wird es möglich sein, dass die Aktionäre, welche gewillt sind, ihre Aktien in der Weise, wie es gesagt worden ist, abzutreten, in einer Liste, die herumgeht ihre Aktienstiickzahl dazuschreiben. ln der Diskussion stellt Emil Kübn die Frage, ob es nicht möglich sei, die Aktionäre, die heute schenken werden, an den realen Werten der geistigen Institutionen in irgendeiner Form zu beteiligen. Rudolf Steiner: Ich selber kann sagen, dass ich durchaus, was die wirtschaftlichen Betriebe betrifft mich einlassen würde auf eine Diskussion der Frage, die Herr Dr. Kühn eben berührt hat. Aber was die geistigen Betriebe betrifft, möchte ich Folgendes sagen: Wenn die Erfahrungen zugrunde gelegt werden, die für die wirtschaftliche Führung innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft in den letzten Jahren gemacht worden sind, so kann ich nur sagen, ich selber würde mich an der Sanierung der geistigen Betriebe nicht anders beteiligen, als wenn vollständig, nach jeder Richtung hin solche Verhältnisse geschaffen werden, welche lediglich eine Verwaltung im geistigen Sinne für diese Betriebe möglich machen. Was also die Waldorfschule betrifft, würde ich mich nicht beteiligen können an einer Sanierung, wenn in irgendeiner Weise mit dieser Sanierung wiederum eine wirtschaftliche Verwaltung verbunden wäre; und die wäre dann verbunden, wenn irgendwie eine Teilnehmerschaft stattfinden würde derjenigen, die jetzt Aktien besitzen, an der Waldorfschule. Die Waldorfschule kann ihre Betriebsmittel nur, wie ich schon sagte, von den Schulgeldern und von freiwilligen Beiträgen haben. Und wenn auch zunächst der Besitz da wäre, so würde er immer etwas ganz Imaginäres bedeuteten müssen für diejenigen, die an ihm partizipieren. Das einzig gesunde Verhältnis ist das, wenn die Waldorfschule als solche selber diesen Besitz hat wenn man ihn also ihr schenkt. Unter dieser Voraussetzung allein können auf Grundlage meines Vorschlages die geistigen Betriebe vom «Kommenden Tag» losgelöst werden. Ich kann sagen, ich würde mich nur dann beteiligen, wenn sich wirklich so viele Persönlichkeiten finden,  die in freier Schenkung auf ihre Aktien verzichten - und das kann nur in dem freien Willen derselben liegen -, um zu einer LÖsung zu kommen. Ich selber würde mich nicht beteiligen an dieser Lösung, wenn sie an die Bedingung gebunden wäre, dass geschenkt wird unter der Bedingung, dass noch ein Partizipieren stattfinden soll. Dazu wäre wieder eine Verwaltung finanzieller Natur notwendig, und mit der möchte ich nicht zusammenhängen. Ich bitte also nur diejenigen Freunde sich einzutragen, die ohne Bedingungen in der Lage sind, ihre Schenkungen zu machen, die diese geistigen Unternehmungen auf einen rein geistigen Boden stellen wollen. Es sind, wie Sie ja gesehen haben, die Vorschläge von mir nur mit schwerem Herzen gemacht worden. Der Vorschlag, der jetzt gemacht worden ist, ist der nächstliegende und ist auch gut bedacht worden. Es würde sich sonst darum handeln, Obligationen auszugeben, die doch nur einen imaginären Besitz darstellen würden. Von allem Imaginären möchte ich mich fernhalten. Wird die Waldorfschule nicht losgelöst von einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem «Kommenden Tag», dann weiß ich auch nicht, wie die Frage gelöst werden kann, dass ich der geistige Leiter der Waldorfschule bleiben könnte. Ich kann also gar nicht sagen, welchen Einfluss auf meine eigenen Entschlüsse es haben würde, wenn eine solche Sanierung, wie sie angedeutet wurde, einträte. Ich habe nicht an einen Beschluss von Ihnen appelliert, sondern an die Opferwilligkeit einzelner anthroposophischer Freunde. Wir haben keinen Beschluss herbeizuführen, wenn in wirklicher Schenkung 35000 Stück Aktien - wenn Gmünd wegfällt, sind es bloß 29000 Stück -, wenn also 29000 Stück Aktien als Schenkung dem deutschen Goetheanum-Fonds zufallen. Ich appelliere nicht an einen Entschluss, sondern lediglich an die Opferwilligkeit, die genannten geistigen Betriebe in einer gewissen Weise a fond perdu zu finanzieren. [Weiteres Gespräch über die Aktienscbenkung zur Rettung der geistigen Unternehmungen, die die wirtschaftlichen Unternehmungen ebenfalls entlasten würde. Diese sollen verselbstständigt und nach Möglichkeit von ibren früberen Besitzern wieder übernommen werden.]  Rudolf Steiner: Meine lieben Freunde! Die Worte, die mein Vorschlag enthielt, sind, wie ich nun tief bewegten Herzens sagen darf, auf einen außerordentlich fruchtbaren Boden gefallen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, das, wie mir scheint, Wichtige und Bedeutungsvolle zu betonen, dass trotz der unglückseligen Verhältnisse, welche eingetreten sind innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft infolge von mancherlei Gründungen - ich habe ja darüber oft gesprochen im Laufe der letzten Jahre -, sich gezeigt hat, dass das Vertrauen in die allgemeine anthroposophische Bewegung ein so großes ist, dass wir nur mit der allertiefsten Befriedigung hinsehen können darauf, dass dieses Vertrauen eben so groß ist, dass es eigentlich kaum geschwächt hat werden können in den letzten Jahren, trotz aller unglückseliger Maßnahmen, die getroffen worden sind und mit denen entgegengekommen werden sollte denjenigen, die den Glauben hatten, dass man mit solchen Maßnahmen irgendetwas für die anthroposophische Sache tun könne. Es ist von mir jetzt schon an verschiedenen Orten betont worden, wie das in allerenergischster Weise Sich-Stellen auf rein anthroposophischen Boden seit der Weihnachtstagung überall gezeigt hat, dass das Vertrauen zur eigentlichen anthroposophischen Sache in den letzten Monaten nicht geringer, sondern wesentlich größer geworden ist. Sodass wir innerhalb des Anthroposophischen überall mit tiefster Befriedigung auf dasjenige hinsehen können, was nach dieser Richtung hin unter uns lebt. Ich muss sagen, ich bin heute mit außerordentlich betrübtem, schwer besorgtem Herzen darangegangen, den Vorschlag zu machen, den ich einmal nach der Kenntnisnahme von der Lage des «Kommenden Tages» Ihnen, meine lieben Freunde, unterbreiten musste. Und ich hätte es durchaus verstehen können, wenn dieser Vorschlag im weitgehendsten Sinne eine Ablehnung erfahren hätte. Ich muss schon sagen, es ist tief rührend und zu Herzen gehend, dass dies nicht stattgefunden hat, sondern dass wir hinschauen können darauf, dass schon jetzt in der ersten Stunde sich die Freunde bereit erklärt haben, 20700 Stück Aktien auf diesem Schenkungswege an den Goetheanum-Fonds gelangen zu lassen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich dankbar bin über dieses sehr schöne Resultat, dass  wir hinblicken können auf dieses Ergebnis, dass die angezeigte Zahl von 20700 Stück Aktien zur Verfügung gestellt worden ist, sodass wir nach dieser Richtung hin in der allernächsten Zeit zur vollen Sanierung der geistigen Betriebe, soweit das möglich ist, kommen werden, und damit auch mittelbar zur Sanierung des «Kommenden Tages» werden beitragen können. Das ist ein im Grunde genommen außerordentlich erschütterndes Resultat, und wir dürfen auf den Verlauf dieser Versammlung nur mit im Grunde tiefster Rührung zurückblicken. Ich danke allen denjenigen, die haben schenken können und es getan haben, wirklich aus tief bewegtem Herzen heraus für dasjenige, was von Ihnen ausgeht, was nicht allein für den «Kommenden Tag», sondern gerade für unsere anthroposophische Bewegung eine außerordentlich bedeutsame Tat bedeutet. Denn wenn diese Opferwilligkeit sich nun einmal trotz der Misserfolge der letzten Jahre innerhalb der Anthroposophenkreise in einer solchen Art zeigt, so werden wir dennoch auf unserem Hauptwege in der nächsten Zeit das leisten können, was geleistet werden muss. Und geleistet werden muss dasjenige, was durch Anthroposophie in geistiger Beziehung für die Menschheit und für die moderne Zivilisation getan werden kann. Wenn wir mit unseren materiellen Unternehmungen nicht den gewünschten Erfolg hatten, wenn sozusagen alles das, was aus der Dreigliederungsbewegung hervorgegangen ist, im Grunde genommen heute ins Wasser gefallen ist, so haben wir doch - und dieses allein durch das unbegrenzte Vertrauen, das unsere Anthroposophen zur Anthroposophie haben - die Möglichkeit, auf dem eigentlich geistigen Felde weiterzuschreiten. Das allerdings legt die Verpflichtung auch mir auf, in der Art, wie ich versuchte, die Weihnachtstagung bisher fruchtbar zu machen, in dem immer Esoterischer- und Esoterischermachen der anthroposophischen Sache, in tatkräftiger Weise fortzufahren. Gerade aus demjenigen, was die Freunde heute getan haben, fühle ich, wie stark die Verpflichtung ist, in dieser Richtung in allerenergischster Weise fortzufahren. Wenn wir in dieser Art zusammenhalten, dass jeder das tue, was er tun kann, werden wir auf dem entsprechenden Wege weiterkommen.  Sehen Sie, meine lieben Freunde, es liegt auch das noch vor: Die Dreigliederungsbewegung ist vor Jahren hier begründet worden. Einzelne Unternehmungen sind aus ihr hervorgegangen. Derjenige Teil der Dreigliederungsbewegung, der rein praktisch hätte durchgeführt werden sollen, zu dem praktisches Zusammenwirken notwendig gewesen wäre, hat sich zunächst nicht bewährt. Dagegen zeigt sich weit über die Grenzen von Europa hinaus, namentlich auch in Amerika, ein reges Interesse für diese Impulse. Lassen Sie mich dieses Wort, über das so viel geschimpft worden ist, gebrauchen: Es sind eben Realitäten in der Dreigliederung. Es zeigt sich, dass diese Impulse immer mehr und mehr doch mit einem gewissen Verständnis ergriffen werden. Und vielleicht wird gerade für diese Impulse das gut sein, wenn man nicht in voreiliger Weise sie in eine ungeschickte Praxis überzuführen versucht, sondern wenn man dasjenige befolgt, was ich am Anfange unserer Begründung unserer Zeitschrift «Anthroposophie» ja oft gesagt habe: Dreigliederung kann erst dann wirken, wenn sie in möglichst viele Köpfe hineingegangen ist. Wir haben den Misserfolg gesehen in der Anwendung der Dreigliederung auf die äußere Lebenspraxis der Menschen, aber sie wird als etwas, was immerhin auf anthroposophischem Boden doch steht, ihren Weg in der Welt machen. Alle Anzeichen zeigen, dass unsere Kraft auf dem anthroposophisch-geistigen Felde da angewendet werden muss. Und in diesem Sinne möchte ich Ihnen sagen, dass ich es als eine Verpflichtung der Dankbarkeit empfinde, alles das aufzuwenden, was geeignet ist, den esoterisch-geistigen Charakter unserer anthroposophischen Bewegung immer weiter- und weiterzubringen. Wenn das gelingt, und es muss gelingen, weil das Geistige nicht in der gleichen Weise Hemmnisse findet wie das äußere Materielle, dann werden die Freunde, die diese Opferwilligkeit gezeigt haben, in erneuerter Weise sich mit unserem Leben in der anthroposophischen Bewegung weit inniger noch verbunden fühlen. Damit kÖnnen wir vielleicht, weil es heute schon spät geworden isL die heutige Versammlung schließen.  ANHANG Cbronik Dokumente Zu dieser Ausgabe  Chronik Dornach, Samstag, 25. Januar 1919 und Montag 27. Januar 1919: Besprechung über Fragen der Dreigliederung: Roman Boos, Hans Kühn und Emil Molt. Geburtsstunde des Aufrufs «An das deutsche volk und an die Kulturwelt!». In vorliegendem Band. Erstpublikation (Auszüge) durch Roman Boos in: Michael gegen Michel, Basel 1926. Dornach, Sonntag, 16. Februar 1919: Über den ·Aufruf». Worte vor dem Mitgliedervortrag. In vorliegendem Band. Dornach, Samstag 19. April 1919 (Karsamstag): Aufforderung, die Impulse der Dreigliederung richtig zu verstehen und unerschrocken dafür einzutreten. Abschiedsworte zu den Dornacher Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft. In vorliegendem Band. StuttgarL Dienstag, 22. April 1919: Komiteesitzung mit den auswärtigen Unterzeichnern des Aufrufs «An das deutsche Volk und an die Kulturwelt». Ansprache, Beiträge zur Diskussion. In vorliegendem Band. Stuttgart, Donnerstag, 24. April 1919: Komiteesitzung mit den auswärtigen Unterzeichnern des ·Aufrufs an das deutsche Volk und an die Kulturwelt». Wonmeldungen. In vorliegendem Band. Stuttgart, 29. und 30. Mai 1919: Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus zur Beratung über einen zu gründenden Kulturrat unter Vorsitz Dr. Carl Uriger mit einer Einleitung von Rudolf Steiner. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 226). Stuttgart, Freitag, 30. Mai 1919: Fragen zur Dreigliederung des sozialen Organismus. Frageabend des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus, Auszug in vorliegendem Band. Text vollständig in: Soziale Ideen Soziale Wirklichkeit - Soziale Praxis. Band I, GA 337a. Stuttgart, Samstag, 7. Juni 1919: Über einen zu gründenden Kulturrat. Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Ansprache zur Diskussion. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 277). Stuttgart, Sonntag, 8. Juni 1919 und Montag, 9.Juni 1919 (Pfingsten): Über einen zu gründenden Kulturrat, Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Keine Mitschriften. Notizen Rudolf Stciners zur Versammlung vorliegend (NB 277); Vorträge: «Kulturgeschicht]iches zur Pädagogik I und II», Auszüge in vorliegendem Band, aus: GeisteswiSsenschaftliche Bebandlung sozialer und pädagogischer Fragen, GA 192.  Stuttgart, Samstag, 21. Juni 1919: Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Beratung über einen zu gründenden Kulturrat. Ansprache Rudolf Steiners nach dem Beitrag von Prof. Wilhelm von Blume. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 88). Stuttgart, Freitag, 27. Juni 1919: Anthroposophie und soziale Frage. Das Wirken der geisteswissenschaftlichen Bewegung in den letzten Jahren und ihre Aufgabe in der Gegenwart, Vortrag in einer MitgliederVersammlung der Anthroposophischen Gesellschaft. In vorliegendem Band. Stuttgart, Dienstag, 1. Juli 1919: Sitzung mit der Kommission des Verbandes technischer Vereine. Versuch, durch Bildung von Berufskammern zur Bildung eines Kulturrates vorzuschreiten. Keine Mitschrift vorhanden. Notizen Rudolf Steiners (NB 68), Protokollauszug vorliegend. Stuttgart, Donnerstag, 10. Juli 1919: Über die Begründung eines Kulturrates, Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Vortrag. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiner vorliegend (NB 193). Stuttgart, Freitag, 25. Juli 1919: Versammlung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus. Beratung über den zu gründenden Kulturrat, Ansprache. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiner vorliegend (NB 302). Stuttgart, Dienstag, 29. Juli 1919: Weitere Sitzung mit der Kommission des Verbandes technischer Vereine. Versuch, durch Bildung von Berufskammern zur Bildung eines Kulturrates vorzuschreiten. Keine Mitschrift vorhanden. Stuttgart, Samstag, 2. August 1919: Vortrag für Techniker, im Kontext des Versuchs, durch Bildung von Berufskammern zur Bildung eines Kulturrats zu gelangen. Keine Mitschrift vorhanden. Stuttgart, Samstag, 20. September 1919, Versammlung der Gruppe Kaufleute der Kulturratsversammlung. Keine Teilnahme Rudolf Steiners. Protokoll vorliegend. Stuttgart, Donnerstag, 25. September 1919: Beratung über den zu gründenden Kulturrat. Versammlung des Bundes für Dreigliederung. Ansprache. Zur Diskussion, Notizblatt Hans Kühns vorliegend. Stuttgart, Freitag, 26. September 1919: Besprechung über die Technikerkammer als Abteilung des Kulturrates für den technischen Beruf. Teilnahme Rudolf Steiners. Protokolle vorliegend. Stuttgart, Samstag, 27. September 1919: Kulturrat-Sitzung, Ansprache. Zur Diskussion. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 129).  Dornach, Mittwoch, 1., Samstag, 4., und Mittwoch, 15. Oktober 1919 (Rudolf Steiner ist erst am 4. Oktober dabei): Interne Besprechungen über Dreigliederungsfragen, Besprechung über internationale Dreigliederungsarbeit. Die neutrale Schweiz als Zentrum der internationalen Dreigliederungsarbeit. Protokoll vorliegend. Eine Bankgründung wird ins Auge gefässL für welche Rudolf Steiner im November 1919 das Memorandum «Eine zu gründende Unternehmung» niederschreibt. StuttgarL Samstag, 4., 11., 18. Oktober 1919: Weitere Versammlungen der Mitglieder des provisorischen Kulturrates; keine Teilnahme Rudolf Steiners, keine Unterlagen. Stuttgart, Mittwoch, 31. Dezember 1919: Vorbesprechung zur Gründung des Kommenden Tages, Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 299, NZ 2813). Stuttgart, Donnerstag, 11. März 1920: Versammlung vor der Gründung der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag. Ansprache. In vorliegendem Band. Auch Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 42). Stuttgart, Samstag, 13. März 1920: Gründungsversammlung der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag. Amtliche Protokolle und Notizen Rudolf Steiners (NB 42) vorliegend. Dornach, Mittwoch, 16. Juni 1920: Konstituierende Generalversammlung Futurum AG. Rudolf Steiner nicht anwesend. Protokoll vorliegend. Stuttgart, Sonntag, 27. Juni 1920: Besprechungen Aufsichtsrat Kommender Tag und Bund für Dreigliederung. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NZ 2748-2751). Dornach, Samstag, 19. Juli 1920: Verwaltungsratssitzung Futurum, Erwerb von Betrieben. Protokoll vorliegend. Stuttgart, Montag, 26. Juli 1920: Besprechung Kommender Tag AG, Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 303). Hedelfingen, Montag, 26. Juli 1920: Übergabe der Werkzeugmaschinenfabrik Herrn Dr. C. Ungers an die Aktiengesellschaft Der Kommende Tag, Ansprache Fragenbeantwortung. In vorliegendem Band. Stuttgart, Sonntag, 1. August 1920: Übergabe der Leitung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus an Herrn Walter Kühne. Ansprache, Schlusswort. In vorliegendem Band. Stuttgart, Montag, 2. August 1920: Verwaltungsratssitzung Kommender Tag AG, Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 133).  Dornach, Mittwoch, 1. September 1920: Besprechung Futurum AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 123). Dornach, Freitag, 10. September 1920: Verwaltungsratssitzung Futurum AG, Aktienkapital, Emission neuer Aktien, Stand der Geschäfte. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners (NB 297) vorliegend. Stuttgart, Mittwoch, 15. September 1920: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Amtliches Protokoll vorliegend. Stuttgart, Donnerstag, 16. September 1920: Generalversammlung Kommender Tag AG. Versammlung der Aktionäre. Amtliches Protokoll vorliegend. Dornach, Mittwoch, 13. Oktober 1920: Einleitung zu den Mitteilungen über die Futurum AG und den Kommenden Tag AG von Arnold Ith und Carl Uriger, Ansprache. In vorliegendem Band. Stuttgart, Mittwoch, 20. Oktober 1920, Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG, Traktanden: Prospekt Eingliederung des Betriebs del Monte, Anstellung Eugen BenkendOrfers. Ohne Rudolf Steiner. Protokoll vorliegend. Dornach, Dienstag, 2. November 1920: Verwaltungsratssitzung Futurum AG, Besprechung: Angliederung Filialunternehmen. Protokoll vorliegend. Stuttgart, Dienstag, 9. November 1920: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NZ 2803-2809). Stuttgart, Samstag, 13. November 1920: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG, Besprechung: Anstellung von BenkendOrfer als Generaldirektor Eingliederung des Betriebs del Monte, Protokolle und Notizen Rudolf Steiners (NZ 7131) vorliegend. Stuttgart, Mittwoch, 17. November 1920: Übergabe des Betriebes JosC del Monte an den Kommenden Tag, Ansprache zur Betriebsversammlung. In vorliegendem Band. Stuttgart, Mittwoch, 17. November 1920: Ansprache zur Einführung von Eugen BenkendOrfer als Generaldirektor des Kommenden Tages. In vorliegendem Band. Stuttgart, Sonntag, 21. November 1920: Sitzung mit dem Verwaltungsrat des Kommenden Tages. Erwähnt in Gegensätze in der MenscbbeitsentwiCklung, GA 197, 3. Aufi. Dornach 1996, S. 210. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 41). Dornach, Samstag, 27. November 1920: Sitzung mit dem Verwaltungsrat der Futurum AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 41).  Dornach, Montag, 27., Dienstag 28. Dezember 1920: Vorträge über FuturumPropaganda. Fragenbeantwortung. In vorliegendem Band. Stuttgart, Mittwoch, 5. Januar 1921: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 58). Stuttgart, Mittwoch, 5. Januar 1921: Weihnachtsfeier in der Waldorf-AstoriaZigarettenfabrik, Ansprache. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 58). Stuttgart, Samstag, 8. Januar 1921: Assoziationen als neues Prinzip zum wirtschaftlichen Wiederaufbau, Vortrag in einer Versammlung württembergischer Industrieller. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 58). Stuttgart, Mittwoch, 12. Januar 1921: Aufsichtsratssitzung der Kommenden Tag AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 52). Stuttgart, Donnerstag, 13. Januar, und Freitag, 14. Januar 1921: Sitzungen Ausschuss des Bundes für Dreigliederung, u.a. über die Dreigliederungsaktion in Oberschlesien. Notizen aus dem Nachlass Ernst Uehlis vorliegend. Stuttgart, Dienstag, 18. Januar 1921: Sitzungen Aufsichtsrat Der Kommende Tag AG und Ausschuss des Bundes für Dreigliederung, über Mitarbeiterprobleme. Notizen aus dem Nachlass Ernst Uehlis vorliegend. Dornach, Sonntag, 23. Januar 1921: Verwaltungsratssitzung Futurum AG. Protokolle vorliegend. Stuttgart, Freitag, 25. März 1921: Sitzung des Aufsichtsrates Der Kommende Tag AG, Besprechung: Übernahme der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, Protokoll vorliegend. Dornach, Dienstag, 17. Mai 1921: Verwaltungsratssitzung der Futurum AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NZ 4025, 4026). Stuttgart, Samstag, 21. Mai 1921: Sitzung des Aufsichtsrates der Kommenden Tag AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 43). Stuttgart, Sonntag, 22. Mai 1921: Sitzung des Aufsichtsrates der Kommenden Tag AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 43). Stuttgart, Samstag, 28. Mai 1921: Sitzung des Aufsichtsrates der Kommenden Tag AG, Besprechung: Waldorf-Astoria, die schwierige finanzielle Lage. Protokoll vorliegend. Stuttgart, Samstag, 18. Juni 1921: Erste ordentliche Generalversammlung der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag. Amtliches Protokoll vorliegend.  Stuttgart, Samstag, 18. Juni 1921: Aufsichtsratssitzung der Kommenden Tag AG, Besprechung, Protokollauszug vorliegend. Dornach, Montag, 20. Juni 1921: Verwaltungsratssitzung Futurum AG, Besprechung, Protokoll vorliegend. Dornach, Montag, 20. Juni 1921: Außerordentliche Generalversammlung Futurum A G. Besprechun!, Protokoll vorliegend. Dornach, Samstag, 20. und Sonntag 21. August 1921: Verwaltungsratssitzung Futurum AG: Rücktritt Johann Flirters aus dem Verwaltungsrat, Eintritt Emil Oeschs als Mitdirektor. Protokoll vorliegend (Notizen Rudolf Steiners zum 21.08.1921 in NB 89). Stuttgart, Dienstag, 6. September 1921: Ansprache Rudolf Steiners in einer Diskussion über Dreigliederung. In vorliegendem Band. Stuttgart, Freitag, 9. September 1921: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG, Besprechung, Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Samstag, 10. September 1921: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG, Besprechung, Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Samstag, 10. September 1921: Betriebsräte Kommender Tag AG, Besprechung. In vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Montag, 19. September 1921: Sitzung mit dem Aufsichtsrat der Kommenden Tag AG, Probleme mit der Guldesmühle, Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Dienstag, 20. September 1921: Sitzung mit dem Aufsichtsrat der Kommenden Tag AG, Probleme mit der Guldesmühle. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Mittwoch, 21. September 1921: Sitzung mit dem Aufsichtsrat der Kommenden Tag AG, Ablösung von Eugen BenkendOrfer als Generaldirektor, Ersetzung desselben durch Emil Leinhas. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 60). Stuttgart, Donnerstag, 22. September 1921: Ansprache Rudolf Steiners an einer Zusammenkunft der Mitarbeiter des Kommenden Tages. In vorliegendem Band. Dornach, Sonntag, 25. September 1921: Vortrag über Wirtschaftsfragen für einen Basler Verein. Keine Mitschrift vorliegend. Dornach, Dienstag, 27. September 1921: Besprechung Futurum AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 264).  Dornach, 2. Oktober 1921: Besprechung Futurum AG. Protokolle und Notizen Rudolf Steiners (NB 264) vorliegend. Dornach, Montag, 14. November 1921: Besprechung Futurum AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 113). Stuttgart, Mittwoch, 16. November 1921: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steincrs vorliegend (NB 90). Stuttgart, Donnerstag, 17. November 1921: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 90). Stuttgart, Donnerstag, 15. Dezember 1921: Aufsichtsratssitzung und außerordentliche Generalversammlung der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag: Nicht abgesprochener Tabakeinkauf durch die Waldorf-Astoria. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 301). Dornach, Mittwoch, 21. Dezember 1921: Besprechung Futurum AG: Finanzlage. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 190). Dornach, Sonntag, 8. Januar 1922,Besprechung Futurum AG. Finanzlage. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 93). Stuttgart, Freitag, 13. Januar 1922: Sitzung mit den Betriebsräten der dem Kommenden Tag angeschlossenen Betriebe, Besprechung. In vorliegendem Band. Stuttgart, Samstag, 14. Januar 1922: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG: schlechte Finanzlage der Waldorf-Astoria, Finanzielles. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 93). Dornach, Dienstag, 14. Februar 1922: Verwaltungsrat Futurum AG. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 276). Dornach, Montag, 20. Februar 1922: Verwaltungsrat Futurum AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 276). Berlin, Freitag, 10. März 1922: Ausführungen bei einer Versammlung der am Hochschulkurs teilnehmenden Studenten. In vorliegendem Band. Stuttgart, Donnerstag, 16. März 1922: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG: Verkauf der Waldorf-Astoria-Aktien. Protokoll vorliegend. Dornach, Donnersta,g 23. März 1922: Sitzung mit dem Verwaltungsrat der Futurum AG: Über die Generalversammlung und die Demission Johann Flirters. Protokoll vorliegend.  Dornach, Donnerstag, 23. März 1922: Generalversammlung Futurum AG. Protokoll vorliegend, Auszug in vorliegendem Band. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 232). Dornach, Samstag, 1. April 1922: Zur Krise in der Futurum AG, Worte nach dem Mitgliedervortrag. In vorliegendem Band. Dornach, Sonntag, 2. April 1922: Besprechung Futurum AG, im Anschluss an den Mitgliedervortrag. Mitschrift vorliegend. Stuttgart, Mittwoch, 5. April 1922: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 232). Stuttgart, Donnerstag, 27. April 1922: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG: Aktienverkauf der Waldorf-Astoria. Protokoll vorliegend. Vertraulicher Nachtrag zum Protokoll. Notizen Rudolf Steiners (NB 299). Stuttgart, Dienstag, 9. Mai 1922: 1. Sitzung Aufsichtsrat Kommender Tag AG. Vorbereitung der Generalversammlung. Protokoll und Notizen (nicht von Rudolf Steiner) vorliegend. Stuttgart, Dienstag, 9. Mai 1922: 2. Sitzung Aufsichtsrat Kommender Tag AG, Besprechung, Protokoll und Notizen (nicht von Rudolf Steiner) vorliegend. Stuttgart, Dienstag, 9. Mai 1922: Zweite ordentliche Generalversammlung der Kommenden Tag AG. Besprechung, Protokoll und Notizen (nicht von Rudolf Steiner) vorliegend. Stuttgart, Montag, 4. September 1922: Aufsichtsratssitzung Kommender Tag AG. Amtliches Protokoll vorliegend. Stuttgart, Montag, 4. September 1922: Verwaltungsratssitzung Kommender Tag AG. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NB 296). Stuttgart, Donnerstag, 23. November 1922: Sitzung mit dem Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag. Protokoll und Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NZ 2795). Stuttgart, Freitag, 24. November 1922: Sitzung Aufsichtsrat Der Kommende Tag. Notizen Rudolf Steiners vorliegend (NZ 2797). Stuttgart, Freitag, 22. Juni 1923: Dritte ordentliche Generalversammlung der Aktiengesellschaft Der Kommende Tag. Rücktrittserklärung Rudolf Steiners. In vorliegendem Band. Notarielles Protokoll vorliegend. Dornach, Montag, 31. Dezember 1923: Fortsetzung der Gründungsversammlung. Auszug aus Schlusswort: Bemerkungen zu Futurum AG und Kommender Tag AG nach der Gründungsversammlung. In vorliegendem Band.  Aus: Die Weibnacbtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1923/24, GA 260. Dornach, Montag, 24. März 1924: Außerordentliche Generalversammlung der Futurum AG in Liquidation. Auszug in vorliegendem Band. Aus: Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, GA 260a. Stuttgart, Dienstag, 15. Juli 1924: Zusammenkunft mit den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft, welche Aktionäre des Kommenden Tages sind. Auszug in vorliegendem Band. Aus: Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposopbiscben Gesellschaft und der Freien Hochschulefür Geisteswissenschaft, GA 260a.  Aufruf An das deutsche volk undan die Kulturwelt mit Unterschriften Süddeutsche Freiheit, 17. März 1919, Nr. 18  " ~ + k um ~ eabl¢.lf00 äuobelL m 10 ~ · qlqir k|lnl|f ~ _ H& i .;z a E.ü Lml] «Kw Mwtm C== m« ILM ¶vcMwm dco |«Rt~ dorch I. 6e hm Der Vcrfmser des Aufruh: Dr. Rudolf Steiner: m J ~ nu K ~ Ö~b Cjohrm4 . .  Ap , ü 4m=" " Vorsehläge zur Sozialisierung. Dr. Steiner hat für die SozialLskrungsarbcMen folgende Leitsäfje aufge9dh (ab Entgegnung auf die Lasagc einer Sozialiskmngskommission): Begriff: I. Als Wesen der Soziahsierung der Wirtschaft IM anzusohon. daß Produktion und Absakorganimion im Sinne der in ihnen 3db3t liogenden wi H3c h a ftlichen Ge setze gcr'egell werden, und daß in dem dadurch entstehenden WjNKhaf|$organismus keinerlei ..Rechte" und Machtbefugnisse hinelnspkien. Alle ~Rechte" sind ausgeübt von dem der WirtMchhaft.sorganisation gkichstchcndcn. auf Gkichhcit aller Menschen vor dem Geseke bembenden po ii Li 3c h e n Oryani$mu& Alle g eimig e n Leimngen eimchlie'ßlich der lechnimhen Ideen, xind in die freie. individuelle Verwaltung drm dritten gleichstehenden g e ist lg e n Org a nis m us zu stellen. 2. Ab Vedreter d« Widxhaflmmani3mu3 kommen die Erwählten der auf Grund der Bcru f s glied c ru n g und der Ärbeifsveneilung errichteten A s s o z ia lio n e n in Befracht. Als Verimer der politischen Organisation kommen Erwühlte auf Grund des allgcmcincn. gleichen (geheimen) Wa h Ire c h (c s in Frage. Als Vertrder der (kislesorgani3atian kommen die dukh dk· Vcrhältnhse an die Sp itz c d e r ei n zein c n G ci x Ics z wci ge gestellten Pcnönlichkcitcn in Frage. Zur Verbindung der 3 Körperschaften dienen Delegati one n. die aus den Verlrelem jeder einzelnen gewählt werden. (Nc 3 KCirpemhaflcn Metten nebeneinander wie 3 relativ unabhängige 8aaien. die ihre gemcinmmcn Angcbegcnhcitcn durch Gcmmdtc ordnen.) Praküsche DurcMührung. :L Die LI c berf ü h rung von Wirtgchaftkzweigcn ain dem gegenwärtigen in den zukünftigen Zustand hat mit Berückskhügung de augenblicklich bestehenden uimchafi1idwn Zumndes sq zu geschehen. daß bei der grundlegenden (konstifukmenden) K e u o rg a nt s a nö n a lle t' a kt o r e n (Arbeiigcber und Arbeitnehmer in jeder Forml lcilnehmeIL und daß auf opporiunimbcher \'orausselµng der gegenwärtig mögliche Wir|schaflsorganiMnu$ her gesiNlh wird. LL Die dadurch ermrebte neue Wimchafimrdnung darf unter k ei nen Umständen durch A b reißen de r wirtsc ha f tl Lehe n K ont in ui tat zu einer Unterbindung der Konsumtion führen. 5. AJJcb was in den Wi~haf|~anismu$ als für alle Memucbm gleiches Geseh eingreift (wie Unfajlverhühmg0 S'hädig'mg durch WMoor u3wj un!er6eyC den Befugnissen der pditbchen Chyanisätm Die allgcmcincn " SQeuem sollen A us g a be s lct u er n (was keineswegs zu verwechseln ist mit in d ire k ic n Steuem) sein. Einnahmen werden ab »okhc nicht b|cucrpflic"htig; 5jc werden c"3 in dem Augenblicke. wo die Allgemeinheit dafür Interesse hat. also bei der ljebcrführuncj in die Vc'rkehmzidculaiion. WMschattszwelge. 6, Ab notwcndigstc Wjrqschaft3zwcigc. auf ehe Punkt 3 s o f o rt angewendet werden sollte. könnon folgende golfen: Bergbau. Usctl ElektrizitdL Wasserkrdfte und deren Grund und Boden, Ga» und Wc14sct\ crsorgung. LuNciüffahrt Stroßenlxihnen und alle Arten Wege. Kanalisation und Kanabchiffahrt. Chemische tndwlrie. Gctrcidcbau und Getreideverwedung. Zuckerindumrie und Branntwdn lj9W., Tabakindustrie. qll% auf die Bearbeitung de3 Grundes und Bodens Bezügliche (dagegen gehören die EWcnlumsvcrhaj|nl$»· cjc3 Grund und Bodens in die politische Körper$cha{|t Vemichcmngmesen. Cebdirtstitule. Der Frbedeiusdüu& 7. Er 131 30 zu bewirken. daß von deutscher Seife Vertreter der 3 Körperschaften mit durchaw vmi ihrer Körperschaft nach anderen ausgchcnden selbständigen Mandaten mit ab den angeführten Gcskhtspunktcn Ekgriindtmg der 131 dem Auslande verhandeln. Eine einseitige Sozialisierung für Dcutxhland auch aus Gründen der auswämigen Politik undurchführbar. Dagegen im eine durchaus au$gcht$vo|l. auswürligen Politik auf die Einrichtung der 3 Körpcmhaften I 4l* Flugblatt \brscb/,'ige zur Sozla/l$lerltng von Rudolf Steiner (1919)  Der Neubau. Von Emst UehlL Hr Aufruf zum Wiederaufbau der deutschen Angelegenheiten °). der in einem großen Teil der Lkutschlands. Ocs|crrcichg und der Schweiz erschien. .4ellt das deutmhe Volk vor eine Enischcidung von weittragender Bedeutung. Will das deutsche Volk sich im wirklichen Sinne des Wortes zu sich selbM bekennen. oder will c3 weiterhin darauf warlen. daß die tragende Idee. von wdchcr ucinc zukünftige gdsttgc und matcricllc Existenz abhängl nicht aus seinen eigenen. sondcm aus einem Geime kommen soll. dem die Lebensbedingungen des deutschen Volkes fremd ·cin miisw. Die bbhcrigcn und cll]criüng3|en Erfahrungen können nahelegen. daß die Wihomchen Ideen die geistige Tragkraft nicht besitzen. welche da» deutsche Volk aLs eine erste Skherheit zum Wiederaufbau ·eincr eigenen Angelegenheiten braucht. Fn wird daher vergeblich auf die Verwirklichung die= Ideen im Sinn einer msächlichcn Hilfe warlen. Man müßte annehmen. daß durrh dieses ZurOd(gew§¢t$en$cin auf sich selbst eine Lage geschaffen worden ist. dimh die eine aus dem dculxhcn Gc!i3te eibst hemusgehrenc Idee im wcitcmcn Maße Aufnahme finden könnte. Die ersten Sicherheiten zum Wcdcraufbau Damchjands muß das deutsche Volk a ü 3 d c r g c isfi g e n K ra fl $ c in e 3 ei g e Tl e Tl Wc s en 3 h c ra ü 3 xhaffen. F» kann sie nur von seinem dgenen Cjeniw erwarten. Wollte man jetzt noch fortfahren. auf eine Verwirklichung dieser Skherheiten von außen zu warten. dann würde man. Mat,1 die Gefahr zu erkennen. welche aus der Unmöglichkcit cincr Verwirklichung der genannten Ideen Wilsons sich ergeben muß. nur die Folgen der bisherigen VMraucmwdigkeit veryrößem. F^ müßte sich ein siokhw Bekenntnis zur Schwäche und Ohnmacht zu einer wcjlhbton$(h¢n Schuld de$b deutKhen Volkes 3ich 3clbglf gcgcnübcr slcigem. Die tragende Idee, welche der Aufruf zum Wiederaufbau der deutschen Angdcgcnhencn enthält: eine dreifache Gliederung des soziakn Organismw. müßte ah eine 3okhe erkannt werden. die von der Wirklichkeit aufgenommen werden kann. Ihre Prüfung kann nur darin bestehen. daß unmittelbar an die Verwirklichung herangetreten Urd. Im dcutxdtcn Volke müßte als Folge seines schweren Schkkqa|s das Bewußtsein erwachen. daß die Idee. welche die tragende Kraft wim. ihm eine erste 5i<herheit zum Wiederaufbau zu geben. äü3 dem Bemnde alter Ideen pL··tjo" ge|ö4t und völlig einen neuen Geist zum Ausdruck bringen muß. Diese Idee muß »o bc»chaffcn sein. daß »ic nur durch dc» Mittcl einer prakti·chcn Au¶führung ihre Tragkraft und Tauglichkeit an vollen Umfang erweisen kann. Den Bedenkm welche gegen die Möglichkeit der praktbchen Durchfühnmg dieser dreifachen Gliederung des sozialen Organismus erhoben werden könnNn. sollte man entschlossen dadurch begegnen. daß man n u r d Ic Praxis und nicht das kritische Bedenken über die Einzclhchcn darüber enf3cheiden läßt. ' Die $civwere Lage. in welcher sich das deutscho Volk bofindd. kann nur dadurch bohoben werden, daß cs Mut und Verirauen zu einem Vorschlage faßt. der sich aus den eigenen Lebenbbedingungen heraus geMallel hat. Es muß so lange hilflos bkibem ab ihm Lebensbedingungen von außen diktiert werden. die seinem Wesen fremd sind. weil ste nicht aus dem eigenen Leben stammen Da3 geyam(c Ausland wird noch der allgemeinen Vetüffentlichung dieses Aufrufes auf die Gesamtheit des deutschen Volke blicken. ob dies dem Vorschlag zum Wiederaufbau der deutschen Angelegenheiten Gehör und Verwirklichung xhaffen will. Auf die 2amthcit des deutxhcn Volk« werden die Blicke der übrigen Weh dc3wegen gerichtet sein. weil mit der Annahme und Durchführung dieses Vorschlages dau deutsche Volk mit dem vollen Gewichte der Tatsachen sich wieder auf sich gelbst stellt und sich wieder auf seine eigene Mission wird berufen können. Wä$ hicr gewollt wird, enthält auch die Grundelemente zu einer 1Bsung derjenigen Fragen, die uns heute noch von den slawlschen VöIkem trennen. Es wird mit der Veröffentlichung dieses Aufrufes eine neue Lage der Dinge geschaffen Die internationalen Diskussionen Wilsonscher Programme werden von wlrklichkdtsgetragcncn Tcmachen überholt. Dcn deutsche Volk kann sich im Sinne .wincr eigenen Mission gegenüber der außerdeut*hen Welt vom Dulden z ü m Handeln erheben. Konnte das grenzenk»c Dulden des deutschen Volkes seine Gegner xu nichts anderem veranlassen ab tur Follmung und Stcigcrung seiner Leiden. so werden diese Gegner dagegen mit einer Handlung, die äü3 dem Wesen des deut«hen Geism heraus gefaßa ist rechnen müssen ") .An das dwMhe Volk und an die Kdmrwdr. maßq mn Dr- R~ Sccmcr. vetbmtcl vom Komitce Prof. Dr. W. v. Bhunc. TübingmL Kommerzienrat E- Moll. ShrftgarC. Dr.-fing. C. lhWer. Saungart und uMerteichneQ von elwq 300 nomhcjffen HNnbchkotlen Dwtschlandis, 00utsch-O~nvKKhs und W SkhvMrDt» SMWarkr Neue Tagblatt bemerkt dazu am lt. 3. 19: Bd der ulnqeh~m Ideenarmut unser« Zeit, die uns den CMuHn an um »lbm unmöglich modwn wIll. dh un» hilflos iwhchcn dto Ideen Wthom und dk des BorhKh~mm gcmclh hat. bcxkirf der bemmdm Htnw¢iq auf dr¶icn neu =ffmchendcn Gedanken keiner Rechtkm~. wem dseser dem detmchen Volk den Weg rur R«tung äLRs eigener Kraft zelgen möchte. Ihn. wie m durch dio Aufnahme dor obenmhenckn ZciW gemchiohf. an ErMerung Tu ueüetL im um »o mdw Pflkhi. wenn ct mxbcmcmdcre du«h die EnijuMung (hKN tHn MaotMeitimhm LCibcrm vun tkn wirmhafllichm Sorgen bd den L0bmßtwv4uen dw Möglichkdt umjehiMemr Enifakumj vc~hdfcn rMrchtO. $6C h Qu $ einando r* ü 3Qlaen mu d q m vorgo : eigten Weg 14! Pfli chi ci n e s je d c n. der fomchriwlichm Slnrwm erkaml hm. daß wir ondjbch atm der 5~atbo^ horaus mümmj Flugblatt \'"orgcb/ag(' Zll)' Sozl,l/i3le)"lnlg, Rückseite: Der ,\'c'ii/Mu von Ernst Uchli  midrl1 ßrgmiismus". Der SRuf m dnn Heumftdnmg » fo8alm 3ufammcnkbeno unb 3uiammmaxbdtm bet 7Rmfcfjm BOi Dura) Nc ZEkü. Z)k 1ohtfdNftli¢m. mmiqrpo[|ttf¢)en unb geiflfgen £tbcMµftän0e, öDe im Alnfang öe6 ealu[gftm 3®0unbem timam Harm. haben in Die f0wcfm«füN :ZDdt|mafmbf)e blefeir 3eit grfü(jn. Cln Wrtf¢mMfWlemö Sa6 unfoüd. ein m|n¢Hj©ntffcfy6 £eben, Nb6 umedgnet mär, Ne wm Mufjtfdn ber gnjßm 3ReMtXit. m gegmwdnlgm 3RmfcLMt a[0 ungere¢N empfulmm sUaffenmmfätu 3u übertoinNm, eine mmlu[tur, öle ficb tmu ibr« .Sonf¢mttc" qw unfäbi8 «Mefm bat. f9übrer blj ftin au« einem unfogkfm mmOam[eben unO dnem auf stlafmmfätxn %mbm CNaatt b«auo: n¢ mü¶m dnem Reuen PIät3 mo¢m. Atag unter .®oMlffmm" d« Wne fyute ncqj Nc6, Der 21nOerc jene6 berftdyn: dn6g fOrmten afk, bk Mcbt gelftlg b(ln0 unfm 3eh m~ mfim, fein, bah bu© Sie JSQ34Hficrung" aufgerufen br«6en mWkn sur dimm Sefbdtung ihr« fo8dm ükt%1m¶e oHe Diejenigen, Ne b%« Diele (Nd)ä[|niffe fkfj auf#'angt fdfyn Bur© Dir 31WM ttjnen 9df% u%iid) oDer Mn%aft!lcb übmMmct« Süaikn. AfdknlämPfc Ninm nur mit Nm 2luffNm bet NiNCicn. r©th¢m unb h)lm)af|lidXn st[a¶mgmenfäut fefbfi mc!)lohrb«L zm Dk6 Nt Auf Nt 3dt ifl JRf9f Nc 2jetuegung » Mtmrfam. yigl ab« Nc' ridb|i9 berflatiKene MOkm«nmide{ung fdbft. 'm 3kl h9lO GNfUNi. ':)m ZBeg tmn Hr 3mbuW gum &dßnmgm fo8den DrganEmuo Nn bdg«L 3lekr 3mPulo foe6ett Ne 1jNlige berfelbftänbigung De6 ®eiftedleben6, dnfdjlkb1% N¶$ Lc'Nld)ung0" unb &WMcm. dar FltM Ne [hmen Dm gelftlgen Ummmgm unfern 3dt In Der 2Mfmbgung Nt &tfmfuhur 6u© Den «äot. ®r bedang! öle Udtftänöige Cdbfnmrmlmng Diel« 9tultur quo Ben rieln fadr lidyn unb aügeMn·mmf®% ~16punllen fjerauo. Go lliMtD «ft ridjtlg e'rygen werben, tumn ln Ne (Yragc: Lok «yety man alle Ntenf¢m Su Wum kbm«(i¢Mgm 7Renfcfm, nlemanO bh|¢huulmn (im alo Dkjenlgen Bit nur quo kn Umergrünöm D« ncmm1lnatur felbfi taruber uneHm fönnen. Dlef« 3mljut6 foNtl öle Oinfdyränhtng m &aat6leben6 auf a1k"bkjmig«i ~~rf)ä[|ntffe. tüt DK die ')l?mfcfjcn W dnankr 9fd© flnb. Muf biefem 2jioNtn lfl auf ftmtg ~hatt%e Mn mit UmwanNung Bct geg«|bättl0en bdbQrf@ka!lfl%m 2kfii3unO 3h~amiMmijlmiffe txyr anem dn fom dlgemdm 3RmfOm'rqjt yj errddyn, W Dm 2Irbcü« afd Nlig fttie 13«fön%tdi Dem MrbeihcHer, Der nur ' noqj gdfiig« '2hbetl« tft. g¢gmubm|etl1. DieS« 3mpulo fo'röen ein =tfemleben, in Nm ber 2hbcitcr Dem Mrbeff(dter fo gcgmäbrMtL öcjO N%m beiNm ein fm (Md[fcf)af~ä[tnW üb« Ne ürjtungm NmagmäßW µftarN fommm fann, f0 öab Nic Ebt)nmt)ä[mi6 b0[(tg aufNkt. Mil ift Die WUige mlQlffinung Dm ®irrfaja%~ n0m¢Tloit SRur qm bet fcb¢k}emagm :Ui1n®mt all« 3Rmfcben an enMBmNm OmMfenfMtm, Nc qm hm 7j«ufm dnerfelt«, Ben ctmfummmunb Nomm|mbemniffm anNrrfeim md%en. rann ehre 7lkmrguföming Nie 0atet !mmetm. Böe allen ?Rmfcfyn ein menSqmwüNM Zkfefn fl¢jert. Clne fo©c ?1krmgulknmg C« outer rann erft Nn ®runMaq tmpfmktm: n Darf nkfjt MoMim meröen. um Ul lmNtinm fonCmi uur um $u lbnfumimn. He lft nur mC9%, Nrn man m nadi ümlClfung X6 getfHgrn unO ffoaÜl¢fm Ecbai¢ ln Der %klf¢f)aft mit n~ Flugblatt Der Weg des dreigliedrigen sozialen Organismus von Rudolf Steiner (1919), S. 1  ,b "^ anberem Ul tun tja? abo mir ©uter«yugunC Wt«oertd[ung unö ®ucertm[um. 3m 3metefle an unf©%«. b%« Stap'hdb«tn«rung; jcÜe0 aut fontummnx =rf¢mfmintm¶en au¶qe6auk Um m fotcfyn t)erau MirNnN: Eobnfuftem |)l®m eine rkfµlge tmR|feifig¢ &|mcigQef:a[|unq unb batxr CXmbte mtmmei[~ 3n allen ®tuetbeitm m fo9akn £tbeno tuü! Der 3rnlxü6 TlcKlj) Rem fo8akn Omanwmu« i. &]mktelung &6 ?R«tf¢m ln aflm feinen ,9aMgfetten Cm© Im fdbftdnNgt dndftdeben: 2. !NTMIum Bit ?nm%knm)le Bund) &in 2[u6fc!Nuß aller nkfvl dfg~¶-mmfO[iOm '3ut«cffen Honi »q)|!eNNn; 3. cmqyt ¢Sütcrwr1eitung ln einem riclMiOm =ulntd¶unMmälmi0 S« out« (®<jren) bucdi UmMiidtung m gmenmamgm AaMtai- unö Eohnfgftem. Wne d.tnglkö«ung m Die mtematlonatm =Kbmälmlffc türm Dm »netx 'zjcm nur «tMim, kmn n bk Nmmungm. Ne ln Kinem @fnfdmf+. AetW U:lÖ CMftr6!eben buti¢) Ntcti unorgcmlf¢x Demmmung im WMtjm C'mawMm mfftanNm ~, befcitiqt Mbm) 0.¢ xQanii0¢ :Mdlg1köemng » f@akn Organlomuo. =Dum rann b¢tx8idt metüen, Daß bu© bk Mc 8ntfa!tum cm Iden Nx N'ri 0[Köer unO Nc eben tabu© mlMmN ~ &nMM, bit iNxMx mit Dem an üib unb CHek gcfunOcn 7n«tfct)¢n b«ttnbmk wkt%afti%e ~uftmi|ät Nr mhtr ZkfhcDigung ©sen bou6tumllSm *%t0gcfüblH, unS hic dlfciHQc CMciibarung kr Im mtfd)m Drifte bernnfagttn Btrühe m¢'cif© rv«üe. Der Mrbeitgau$fdjub beb Ajuiiba für 2reigiieberung ba fogialen Drgani¢miw'. b 1 7 ®er mit ben Dor'l¢lägen bed AJunbed für Dreiglieberung" dnberftanöen ift unb Me angegebenm @ege mit befcfyeüen ruiü, möge feinen Gnt%fuEi Ni© Ginfenben Oed 2Ibfd)nitted mit ünt«f©tift unO 216reffe funbtun an Die ®ef$äft6ftc¶e ber Omgruppe 2j«lfn Da >unba für Skeigliebetung DCi6 f%ialen Drgan%mu6": w. 30, 7rtot3ftrabe 17, 0rtl). "' '0 3d) «Häre meinen 2klmtt gint '»um für 0reWld«ung unO bin µc nimmt b«e:i 'jlame: Ort: ä«wk mmmno Flugblatt Der Weg des dreigliedrigen iozl,i/en O)"ganljnlltj von Rudolf Steiner, S. 2  W Ar. lä Aufruf 3ur ' Begriinöung eines Kulturrates! Der m Dr. RUolf Steiner oerfaßte Aufruf .An Das beutt* Ddk unb an bie Kultumdt" gibt Die Elnrtgung 3ur Drtiglie&rung bes lqiafen Organismus, Er foröm: I. Die oöUige Derktbftänbigung bes &ilteslebens ¢imii¢ßlidl &5 ¢lr3ieSung> unS Sdjulmfens. Cr weilt auf käs gciftige Unocrmögen unterer 3eit, iniofem cs leim urfa«n in Der Aufiaugung Der &iftes· Kultur burä Den Staat Nt. & o«fangt Die D0[Ijtänbige Sdbltoemdtung öitkr Kultur aus Den rein la¢1idM unö Qug¢mein·mml4li¢Seml &ii&tspunktcn tjcraus. 2. Die &n$djränkung bes Staatslebens auf alle Diejenigen £ebensoer§ä1mi$k, für bie alle Mcnfdprn Dor einankr g[ci¢j linb. Auf öiefem BoNn ih auf fNeng bemokratilÖe Art mit ummkanblung bcr gegen. wärtigcn prioatkapi!aliitii§en B¢iib· unb £o$narbeit$D«N[tnifk ddt allem ein fol¢es allgemeines meRNenreä| 3u erreiGen, Das ben Arbeit« ük ooüig freie P¢nön[i¢)teil bein Arbeitkiter, ber nur m geijtiger Arbeiter lit, gegeniibedteüt. 3. Gin u)irtNaftskben, in bem ber Arbeiter tcm Arbcitkiter 10 gegcnübertritt, baß µ)iidimt beikn ein freies &kul*ftsotrba[tni$ über bit Eeiftungen o«1ragsmäßig 3u KanOe kommen kann. 1oöaß Das £®Knerhä|mis vöHig" aufljört. Daµ lit Die oöEli3e &Bdi1icmng bes 1Di]rtl*ft$kbens notroenöig. nur aus ber kC®em©en Bilbung o«i emlpMµtbm &nolknkSaften, Oie aus Den Berufen einer. Kits, ben Kodummten· unb PNöu3entmbcöürfnihen anbertrjcit$ entfttkn, kann eine 1Dertrcgulierung Der OUter hemoul« Oie am mad(alen ein meMNmoürbiges DaSein Fi*rL 1Dtite Kreik 0¢$ ö¢ut1¢Sen Dolkes, Die Die Dorfd?[ä9e Dr. Rubolf Sfciners in li4 aufgenommen Nben, finb buMj&ungen pon Der Crkennmis, ba8 es in km gcgcnmärt:gcn 3eitpunktc tiditcr nof bie M!ge*i4t|idie Aufgabe bes beutf4en Dolkes in, öurö AufncGme biejes 3mpulks nidtjt nur 1i± lelblt oor km $tur3 in Den Rbgrunö 3u bemdµvn, an öeffen Ranlj es bie bis§er leitenöen Kreiie $utxS itjr Unoedtänönis gegenüber bcn incnldN¢it$foröcrungen beir neueren 3cit g¢braät §abrn, fon&m baß C'abur¢ auG Nt Keim gelegt weröcn kann ytir Befreiung aller menm| oon her llnterörüäung buld} bit ma(St Hr alles DerNSfingenCben 1Diirt%aftspolitik unö Der in ißntm Dienlte lteknben imPeria[iftil!!!en Staaten. Die breiten 1Ralkn Des arbeitenkn Dolkes lint $ur¢j Die Nlligc Ginlpanming in (jas n)im*ft$kb¢n bes ledmoeröbenben Kapitalismus in kibli(Se unb ledikSe no! geraten. Sie erroarten öahe|r cinc Befkrung ihrer Eage pön einer rtin mirt&aftlicSen umluj1a3unb Sie ¢rheben Oie Sorberung na« $03ialilierung bes u)irtNaft$leben$. (Eine einjeitige $Q3ialilierung W IDinf(San$leben$ ioüröe j~ nur eine S¢Sein103idilierung lein. Jn ifjr uNrüe bie bi$herige 3MmgsSemäaft bes Kapüa!ismus erfebt »crüen bm eine alles niodlicrenbe unö jeöe freie menktr lidic &ttfa1tung [ymmcnbe Bürokratie, hie yi einer oöIligen me*nifierung aller menf«%en Uttigkeit unb Damit 3u einer Cntme«ung &$ menldkn fiifjrtn müßte. Dieter Sefahr ,kann nur begegnet toerüen 0ur¢§ eine gleidj· yitig erfo[genbe Befreiung W &ijteskbens oon ftaat%er Beoormunbung unb 1Dirtl¢Saftlidier AbSängigkeu. Oin fdbltänöiges 6cilteskben wirb bur(h hie Pfkg¢ aller m¢nidllim Anlogen unö Sähigkciten in Der Eagc Kin, Dem WrtNMeben, Bas liä fonft lelbft oeryfµtn mübte, känöig neue aufbauenk Kräfte µµfüfjren. Dgs 0eutldµ: Dolk ujar bis 3um Rusbruc§ Der 1Dtltkrieg$katdtrophe f!ol3 auf lein (beiltesleben. Unb m mär bicks &iltesk&n, m all fein« 10 laut geprieSenen &rungen|djaftcn, u1nö¢t in her Eage, bit (bdanken ab· µgcbcn für eine fo3ial¢ lDrönung im 3nnern, Oie ben neueren m¢nfGkeit$for&rungen bältc ger'e§1 werben können, nodj konnte es leine Aufgabe naAS RYen erfübn. Dd DeuiKlanö in ben legten fünf 3QS'µSnten nidjt oerm©te. fi« eine 1Ddt9efd}i(Stli&e lninion 3u feben, bat es in hie IDeltkritg$kataltrophe Hineingetrieben; Dulm bas ScNen bes Beuoußtkins oon einer fo1c§tn minion toä{µenb Ns IDeltkirieges, mußte es in ifjm umerliegen. Der MlifWe 'd. ^.,. Flugblatt Aufrufzur Begründung eines Kulturrates (1919), S. 1  Uten gättc oom beutfdj«i Oeiltcskbcn 50rm unlj Flwöruä für leine gcQtige $e§nlu# empfangen können. Statt Dejfen er1jielt er — ben .Sritöen" oon Brelt·£itomk, Der aus gan3 anberen benn aus geiftigen Untergriin&n her" oorgegangen ift. Dem pom ü)eften her anbringenöcn imMaliftikSen Kapitalismus konnte DeuNknö kein cigcncs po[itil*$ Ukdlen entgegeni¢NN es kapitulierte oor Den abftmklen 14 Puniuen 1Dilkns. Dur'C§ Die Dntig!icöcrung Des lqialen 0irganismu hätte bas beutfd?e Ddk Dem 1Ddten Das Dorbilö ein« gefunben SoYdilierung bes 1Dir1Nltsieb¢n$ geben kXnen, Dem 0jten ßätte es ein ltarkes, auf fic§ lelbft gdtelltes, oon mültiHcr D«ldµommenkit frcic$ Qkiltesleben Darbieten können. 3n unkr« 3eit tieffter ![01 mü®e enb[id? im &utf¢tXn Dolke Die Crkenntnis für leine geiltige Aufgabt wieöer er· wadjen. 0$ müßte ben IPeg finljcn 3u ben Dorkämpfem Nr ein freies öeutjdjes &i|tesleben, ben fyrüer, £c'11Mg, $¢jiüer, &t§e, 3u Dem gr*k SG®fcr bes Plan« ber »«t[¥*Suk SWte, yui km D¢rherrli(glcr Oes Mm' QkaemiktNn 1Dekns Sctjding unb 3u *9el. Cs müßte ben menfcfNcit$for~ngen Der neueren 3eit Derftänbnis entgegenbringen unö einje§en, ¢jQk. mRn QüfS Oie 5Qmungen ber Renlutüm in km Bewußtfein Der brtiten Ihafkn f¢¢li µnäc§ft einkitig auf Dem 1Dinfäaftsgebiet geltenb madjen, ike in Den Oiefen Der Seelen treibenöen Kräfte öq¢S auf Anerkennung oon nknktmm¶ unb menldµmx)iir& ab3iden. Gs miibt¢ erkennen, Dab in ifµien Der $etlen· Jmpub 3ur 5r¢ifNit lebt. Dann xpÜr$e 1i§ üjm bie ¢inm ergeben, baß uyirkli«s fkil für Die meni¢SSeü nur eimadj4en kann, wenn $q$ geiitige Geben im tnnfafjenö{ttn Sinn auf Oie inbioibueüe me©@e SNiheit gelteüt urirö, unö baß es Oie Aufgabe geraöe Oes 1jeutjdµm &iffes lit, bit Sr¢iSeit bes Seifteslebens yu ocrwrrklidµm." Da§er muß j'gt gcforöm mröen, Daß Der Stcat Die &ijtakultur freigebe, unb baß bas gtjamte &ifteslebrn fi4 leine freie Sdb|tocmahung, aus Den rein jacSlid?en unö augemem·memlidkn &fidjtspunkten krau$, Waffe. Dies gilt in «ft« Einie für Bas ¢1r3ief?ung$w unb Sdjuluxkn. Ulan wirb eirff ridjSig er3ie¥n, wenn in Ölt Srage: U)ie er3iebl man alle 1KenNn µ M}Ten kbemtüdjligen UlenkSen, nicmanb §incinµrtöen tµt als Diejenigen, b6e nur aus Der menkfltnnatur lelblt krau$ her Gniebung unb Dem 1lmcr%t ihre 25ide jqen. Dann wirö Oie Sdt}ük itµe Aufgabe nidj! Mr bahn erbliäen, Die S«aTma(S}l~ Jugenö für beftimmte, ihr dw außen o«gckSricbenc 3uo«he abµrü§ten, fonbern barin, doü entwiäelfe, fnie menk!en 3u biNn. Dick uxröen fiG Dann gan3 oon klblt M ein kbenbiges Derhälmi$ 3u ihren Pf!iqten im Dicnfic Kir Allgemein15eit k$en. Jn eimm klbftänöigen (beijtes· lebcn merbcn alle Säulen freie ¢inri&ungen fein Rs geiftigm (fj}tcö¢s bes fo3id¢n (Organismus, befjen Rngdmge getragen Kin wciröen oon beim Dertraucn Der Äügemein§eiL Die Ulütel für miehung unö 1lmerri¢tjt merüen nidµ mdg auf &m Umroeg über ben $1aal aufgebraät toerben; kr &iftesQTgani$mu$ wirb oidmefµ, loweit feine winktiaft' Iidljen Dtrhältnilfe in Betra© kommen, felbj! ein Glieö Oes WMWaftskbcns kiR unb OliS bicjtm leine @ftcnynütd birtkt bqie§en. o§nt öab lidt Dabulm eine Rbhängigkeü Oes &üt«organismus poti Wrt%aftsinterefjen ergeben kann. Das erlte Orgebnis auf Nin 6ebietc ÖlS Bübungmkns uNrö Die 0nt[tetjung eintr 6runö©ule lein, bit einc äw$ km für aüe TNnldpr gkidµtn &fi§lspunkte einer wa[µen plklÄo|ogildm Anthropokgie aufgebaute Gin· ¥tgq¢Suk fein mirb. 3m Sinne einer päöagogifM 0ekonomie wiirö Dide Yule Mt aufbauen auf einem mafjrrn Dtrftänbnis für bett merbenöen men%en. Sic wirö jein Denken, 5ü§kn iinb [Dollen fo 3ljr Rusbilöung bringen, baß eine in fi¢! gcfcftigtc Pcrlöntiäkcit entfie1µ, berett Seele tragmbe Kruft für &s gän3R Üben entfühet. Jh OHler freien Sdµk werben au& u'ahNft men~ilb¢n& Künkc tmb Smigkaen gepflegt mröen können, Oie &r Staat ni§t pjTegt. Ml er kein 3merelk an iSnm Sät. Ab knDorrugenk [Diüensbilbner werSen alle Kunjlübungen uNrkcn. (Eine 1oW¢ 6ninbl¢hule tpirü für alle pGqNtlen unö geiftigcn Arbeiter eine braucSbare BitDungsgrunölagc tiefem. Auf bit &unbfc!µle rixrüen liä aufbauen cin«kits Oie mittenquk, Deren ein3ige Aufgabe in her Dorbertitung für ba' fjdxSläullhbbium beftc§en m'irö, anöererleits Die mittlerm 5a«kfµlen. Diefe werben 3u Den Berufen, auf Oie lit u«bereitm, eine kbcnbigc Bq:djung cnlmäeln öurdj cin jtänöiges tjiniiber unö tkrübcr Der £¢Srkräfte yoildµi ihr« Betätigung im £t§rfa& unö Der .'iusubung eines WaktikSen Berufa Gin jold1µ Braudj mirü 1i¢i a© für bit Ijjodp hSulen einbürgern. ¢EinNne~ toirö 1i& Oie Befreiung Oes 6eilte$leb¢n$ auf Dem &biete Des tMf©uiwckns geltenö madjen. Ne Autonomie Der FMWuien toir'b fid? wieCjer hMteüm. Das ftaatlidje Bemtigung$men unö alle Slaatsprüfungen weröen ht IOegfaü kommen. Statt ödkn =rö«fkünftig hic 3cugnijjc Der freien $¢5ukn unö tMNuien Bekunbungen öer 5äfligkeiten unö Kenmnük lein, Oie ii© Oie S<f?ü[er buW Demi Abfotoierung erworben tjaben. unab¥ngig ° Die pht[*pdme Bemmm m« Sotc«um th gegeben tw ~oU Smm's JMoNNe Der 5ret¥r, ln ww« Rulbge «Wcnen 1918, PGÄt«olNk4lmhNKp*Nkkr DerkiC Ber(M w. moqmak 17 . Flugblatt Aufrufzur Begründung eines Kulturrates (1919), S. 2  vom (beijtesleben wrrb Dc! Staat bicjenigm, bic er innerhalb 0¢$ |taat|idrNitiNen £ebens mjtellen will, aut leinem eigenen Beben Quf ihre Gignung für bit »on ihm yu nrgebenben Stelkn prüfen kOmm 3e&r ftaatlidje oDer uyir|ka1t!i¢e 0infbfj cuf Ccn £cjµgdµlt Nr cinjdnen UMcnKaNn fdbfl wirö auf· §ören. Die 1Dilknkaft urrb i§re £e§re meröen uyirkl© frei lein. Aus Dem 6rfagten ergeben0 fiG fdgenöe Orunbforöcmngen, beren 0rfü[jung im öreiglieörigen Niden 0r· ganismus mögli« lit: 1. Befreiung her Unterri§tstätigkeit Doä jeöer f|aa!lid!e1n £1uffi¢L Gin%tung her 0runbfdµlc nur nadj päbagogild} ·biöakti1Hn Qkli«|$punkten unö Detmltung berjelben nur OurS Per|önliäheiten, Die rnnerhalb Der Sclbftoewa1tung ber &ilteskuhur itekem 2. Abj@affung bes ltaatliM BmGligung$mekn$ für mimt. unb Y¢kbuien 3. Autonomic &r fiodiNukn. 1Dir Kellen bitle Sragen himnit yir ö¶emlic5en Diskulkon. 1Dtr toenben uns an alle btejmgen, beinen Oie Kultur im mitdien Sinne bes 1Dones am fjeiryn liegt, oor allem an bit Dertreter öer 1DilienNaft unb Kunft, Hr (Er3iehun9 unö bes Unterhdµs, insbefonbere audj an Ne 8Lem unö nicSt 3ulebt an Die aka&mijdjc 3ugenö. 1Dir mnben uns ferner an bie elusknbsbeu!Nen, bit «uf rhren Dorgdqobenen Poften Oie ungelunöe Dermengung bes kulturellen £ebens mit &n jtaal1idµm unb wirtldµhli¢en 3merdkn j1efs befonbers l«mer3|iq empfunbm Sabm. 1Dir forbem alk auf, Oie gcmill! jinb mitµmirken im Sinne Nr 0man3ipation bes &ifteslebens, 1i§ mit urs 3u· kmmenµj¢liefjcn 3ur Bilöung einer &meini¢aft, kiren Aufgabe cs Kir. wijrö, &$ gefamte unt¢rlriu$· unb Crp 3iehungsupden im Sinne Des oben ¢krakterilimen umµgdtahen. IOir linb erfüllt pön Der Fpffnung, bab es burdj Oie gemeinjame Arbeit einer foldyn freien Dcrcinigung pan IRenl#n, ljie auf Ben Derf«ieöenltcn Scbieten 1)¢$ (beifkslebens tätig linö unö Oie öurdjörungen linö oon ber Crkenntnis, baß Die Befreiung ber 6eijteskultur höt§lte £cbensno!wmbigkeü if!. mög!i8 lein mirö bew 6runbltein 3u legen 3ur Qhrganilation eines freien, auf lieb ldblt geftellten Hijteslebens. $tuttgort. Pfmglten 1919. ämtMmkr. 17 ©er ¶rbettsausf0ub Des 3unbes für 9reiglieberung bes fo3ialen Organismus. Dielem Aufruf 1c§ließen 1i& ü. q an Kul Albik«, Bilb§auer, €M!i·ngcn €uga Albu. S¢SdftPelkr, Htü@m Ab. Arekf«. Dor#ax0 b« Stuttg. Arbem. qruVpe Nr RRtbrQpMQphikbe* Qicleühaft Xektor WortS Bme, Brrsku Niämtl Bamer. Geher · sdmn1!¢aet, Breit. btunw, tlmmrke QkrNrb Bänerk, ah .%$laRb$k&tk!xt tm Bg1hw, lCmRmäm Stu:tgan km Bcimcm, Kape0meifter, Stuttgan «m Bowler, Fµu¥khre:, Ri¢[iRgSaukn· 1)k:had| W¶ &omcr, ctuhitrkt. Qlmqm @ic0ri¢ lkmer. Pfarr«, Dämmµmm«w Wofdor d. Bemmit FltlNawr. ¢äk1 Srcikrr Akjamkr m Nmm, ScbnhheOer, büC'dS«i; JoNnwo Betke. S§ulDQx¶|¢h¢rtR c D. S!ullgcn Dr. Im L NcL :Tik|!nl! 0¶ Fee &rCntYXri fMkbiüe, KwhmSe ¥NjjBlürer, sarrm-mr. Brrtm v . wme, 1jk¥µndraL Käx{6Nhc Dr. Km p. " k · " , fetter He Mutti dc tut aßgemcob!en mtbrm3, beOetcu. =r bt , IRÜRbe5 ' L ekrtmk Bu&, Qc=thm !Rzh*r DOW. Bh& Hplml. Kaq·bc& BM, Kme=«kc;. SnuWan Unur, 0bcirkhm. s=m= Xhob Nülmm, BilC.W«. StutWm Nttkr ¢0~l £GRs=mdmrg|d!r¢r, Stuiugm rd0¢ ¥~m ¢newtL ß0%n obert dium, 1Rder. !7Lu·.äm 6eoro Kür«, Gebt«, i D'orl¶enöer &5 Derbe! Fojidl!r!lCMcT Echter h. Eehrermnem 0b«bcV:m, iu±= bet P:ten K«'1 N=ti"uWkbTcT, p"= qmute d TIC, Ectircrm cm m. Koäkr· mortum für TTIukk Sruetgan Dr. m Nebel äry, nlükbm AAätM1, ProM1or a b KuMtokaHmte, smm. qnkkn eam Nrlegtr. .,Bwnö Deuq§er iKenReMuwnSe oom 0rünen Kreuj" bllla 0rhg=ppe Kar!srube Cc: ,,3nten!o!tQ'EakR UHon oom O:ü:nen Ketuj" s'g Bcrlm Dt. Im. 6gm Qmam, Aräi:rkt. Stuttgm Dr. Gu¢ßb¢'rt wehl ll:j!. ¢Aik! mm €lf4«, P'ofdi« bei c'lxäi:ektm an b" cmm fio'Skbuie, Smttgarl =p%=.;:=,:':'"" Dt· he LqAäu. ProfeNt bex Ar¢µtekhix qn b« ©nsk!m i'pCNule, Stmgm %:t:sqfa0 '¢nftleit·· b·$ [[mm n'·:im· me mmmi E. Flugblatt Aufrufzur Begründung eines Kulturrates (1919), S. 3, Unterschriften  ~ Jwlf66 6kMtr. 06«xtalkbrec. GöppcngeR Bob. ' , , " , , KaMtmalrr, 3 3. ¥bembeim Wtlkrlm 6ÖL 3nqen"tr, danMtarl 6oMr1tö 6r'of, TTkke. snmom PMdot 0sbot 6ewf. YRakt mit RObteter, RlümSem pwi &eemer, Kompoml!, 1T?ür.ben jwNyat 6rtmm, H[äx6ni Dr. mea. 6wtb'ra. s=m=t Dr. Wmer 6uN. A'j:, Ka:;srube Dr. p. 6utrn, PnNjtgdebTtte. !7tüx©rn Dr. iw. µ|n6 *d¢. Och Baurat hT.n±.c·: Serm Sahw. berlehrer bt: u'j'$0-"4:lr D'. sm |SQmwr$. SMttkuer. a hm;e; Ihn *kdf¢R, 11takr, SreMdu:t g m ~m Sc9ql ProfeQor. nimm m Sdimann, Aubtlekt, Riün§m - emau Getsl«, manrT, Uib:n;t" ==g twöog Seib, PriN!0ekbr!eu Stabtrat 4hS D:'tfqewbet Set &1e!NbC't tu: Ee2¢ ByeSum, mR&¢rl Dr. Im. Serbe'!. H'atenS« 3RCen;egr. 5tm:g 9tpi. Im. Rerbp, mk¶aen -21Ylm = Rtc!übret. dav·mt D w trmmw, Ar>:. ntu ¶ & ¢¶ Dr. Karl 1Menm!er. McMMane:, Ka:brube WIlhelm m S¢*bqmßt S'±:l'?'|rue: tmb Btltbaarr McMm Dr. pHI. ei. kr. Kcrl §cq«, mcm Mnö ' Wigcr. ärdytekt Smtcm CrM ¢:r1, RitdkNc w. $MibKM. R[±Rhem Rl!!yö · ÜbML mdlß.·3'k=" Rlutö . wmmL Flr¢¢teku, lsrune R d - mmmeL 3ng«riewr, KÖSn Dr. med. Swkmm B:emem µb0% Kmeäm«Hir. RtOMten Da Jergtu, olkMµlkkvrim S«bcxtl·rin Rk K««, BtltHuenx. mamftkerm iM Kmma*n. e c! tt:!¥. Rmt!m y" C.Etfer, Crbre::!br::$:c¶¶ : !1 Kbem Eµäukb:cnn. Keulm¢n Kkh. Geber«. KoM 6em KnL C·Srer. müjMNn Dr. phil. 0160 XMfP. R'°[Wu?rektot, 5tw!!g ilh$ xjN0bn. lmmkb:m $mrWan hat KwU, 0benea![ehte: ¢äm¶°h!!! Dr. pila Ko~iL Öbe::c:"icb:::. !vc,!.en. heim Xrm Uller, Sc$:Mfeürt. mü!¶ (Se¶ ~$ Köcml leb:«. UümH:g Nwk Kroh. Geh"nn. Yo'b'"«" mm sm KWmawm. tkra*60¢b¢: leb Sdmhmr1. mo¶&eT ~Ict Köhwe, S4mfNeSer, Berhn mmö xMqe, 1Raler, Xatbmbe w. f b I ,, d . Ant !K±2dX¶! Ql tmmm«. Prot bc: X,rt Kmk:Scm:r Smngan Abelkdö UM. Mcmgslehrenn. Snmqmi mi £awg·Xmrb 'Drddlox Hr Kuntlgbe. Cw!e. bruttgm Rebnd euer, Ktummalrr, niuwdµn . tembm, Deban, mumm nrid Eoner, Maler, Auhwke Dr. pNL R 8Letet, Shmjmtt Ihomu mm. S4tµdtkeüer n[äw±Nm 60Hl¢eb wner. [c$:er, P[odä'r.Cen Altrcb Wt¢b0lb, Diuksor. fpriHnbum B¢ft1M wmn«t, 0pmmMtkbrm· ihibm· bum a Itrenj Dr. ~ mag. Srinq«1 Karl !R6krer. Cettrrr. stut'rn XBtt WrtL $¢nhhekr, iüüMkem Tmonm m«, md pOd . Gebt«. Ubtwm Ibm wurt, KmNtnuüee, Swttgm Pxofdkr Srm HMger. VTiak: a BiiNcm«. 7I1ün§en Rdwkolö Hue|¢, KwNmalcr, Sningan Hm Rem«, lehr«. 5&rihkmr &16 Ss* Utänbem NarrN RfhMas, Kumltmaler, Stunqm¶ Dr. ~. t. ROL dafle! D'. m"d· S. jjdpen. Arj!. niä!t~ s. ,j'«mm n(lpeune!htf bnb sarifmHer. . ämc$m Ptofdkr Pkiöer«. ßlmgru 6rd tuwtg p°|l'm. tu: bm Bxh8 far Drndicöeru'ng vCS kyca CKgmmu. 1Nm a. Rmt8,b«r. R'ä"ekL Stmoan rßKM ~, Cehcerin. $hm«n, A;i,=,,=" =¶::=*« .NÖ Dejm c b 7etba ÄWdtele, G:Csm!X Kerl RetMM. Ar&nrkt, $!wHgm Dr. mrf Rkbd. Xmx9mctM, Stu:tgm Nlfgcng Kiebd·Käbn, Ka CwC me<fter, Hulh C.:'! AuguK Rieper. ¶jj;c· M-·tbrn 5:ae 3¢Semtüt 0. Wuu. 'W: Na 091· kmb bes Derrim ~th«mwm W ML mlnetk$u[irhrer, Snmgon {nt W,d8eie, Cebtenn. SQwt?µrt Mbolj $gmlkd. Nmtbeletje« Ubimgen ml Kl% RräthkL €amMrt imti W¢q¢1. was A:j!. Uibengm Dr. Wet1hl WyeL ;xak: AUL Cübmben €ugew $8miö. nr©ixkf, Stmfpr1 Q. Kmi¢.dmtm, ArdjusekL B D i'l . S16!1. qcirt Nml $«tNFmr. ¥XoN(kr 0¢1 Acdµiehnu (Je (Brr ¶eww|myek 1!oCl¢buk, S:vno«! xon S ü, Jmgemtwt. TlümHrg 3okoÜ4WRer, £ttµtt wu 2 Dorlt¥Rbe[ Be3 L'erb=X }oµd9l1l6er £Qrrr ¶ C*rertRRen ¢)bcrbq3crn3, msmµm P. $¢mker, lmpc[elker. ühiSSng Mrü foirtgefe$t! — Cainc phil. Mm Hqpc0¢$, UN«. BmYh"m A. D. $dN, KofomaNrtktor. mumm Dr. K. $lwmaroQ. Srawemry. Käkl €1M Stöhkir, Cebree. ß!cng'en Dt. rer. pol. Swebe, Stuttgan Albert $tdcw, SM'!keaet. miis4ce W«k $trlm, ErttrrHl D« Ubmgtn unb Dau kdtu·¥= :5 GamtbmikScr Kmk Dr. mcd. Star«, Stuttgart ÄBflß stoa«. :ualNmbkt. ¢ßtmqen C. k. xon $$oä mper, Cc§Tamr$pTut|k4NL manphe¶m Kerl S. m. $00& r, F)ia'ct. 01Kn Jmmmd $m=:¢e. ükrmus§aüem NmMot 0¢10 $M¥L 1Tle!er, nlmew $L $iNäpl0, !Y[akr, ntuRb¢m 6eQ. Kei Dr d. ¶¥cM. Eofdkr her 0e&. ·t$Ce· §+ibWuk. I.; ¶, 1 "EId" E,': n'm® K~rkmäm KarhmW phil. ö Urd0let, C·brer xnb PrNm· «kkrur. YKü·Ajem C'm¶ UcOIL S.bnftkeCrr üe Rmktaw, Smt«n 6'9 uST. Ä""pde§t« Stuttgart ddllle. a et unS PtotelW ä¶ ber Kxnk. 9e=:b«§ue, H:kruhe Dr. phi|. Sm N§o p DdMw. Pt1d·$· ;e.ekµ:te:, VRäm±em Qmo Both«, 0beüwgemewr, S§mnmngm a. Tk&ar Uad Nh«, muirk[chrecin, P«f¶enbc bc:r Rktbco*)kpS|k$em Arba1!sqrupge Kerning. Smttgm1 €1tkbeth Drttbe. pIn' ['dc! . Mq9 par. ~fer, snlbfnmknor. n*rHRm ~1 NW¢t. I'oieaqb bet AxltKoookphtKw OdetlkZM!, EJe:!m S. WcikNa:, i7:artekL Stutgatt Dr. med Karl BrHrt Ukft Am'nwjt, Stau "ün ~ , Cdgreirim, Camdtm L :$NkWN'm. Xn1tke&r. fNm· bma ¶T Mömlrr, !kupd¢he¢r, PbMmm ' ,, 0b«kNer. BoMmge¶ = ODem«. [jcuptkbr«, Pto±tn«n Wrule, jhofdkr un ber Bakg~rbc. klidr }Catk:uN Dr. i5«ns WoNKND. Proktor niu&drrn L Wlter. 3eukrkl¢§r«, Ulm CHIc »oumn SMM$e0«m, [«pyq Dr. med. Semem beW. dannXan Bonin 3erem« Di 1.·Ing~ münGem w b¢ue, £ehr:[. &c.Req Frj 6Mer. Blib¥mm WIöberg 4r. sc. ä&L m. bCppdt Nl«geWeltm PrMdoc E. bumbdd. !KaSe:, mR(Sqrn 1Der bem oGrrteStnNn Aufruf j'jlttmmt unb ge:oiOt tlt. im Sinne her in ihm gegebenen Anregungen mi1· juarbetten, möge leinen Ilamen unter Ber1ukung bes anlmgenNm Abf:fjnitts an bit ASrdle: 6tl0ä(tsftde bes Bub« für Dreigueöem0 Oes Mtdeu Otgmsmu, $htttgm1, u}amignnltrahe 17, mitteilen. X «kläre meine &Himmung µ cRn (beSankengängen bes .Aufrufes µr BegrünNing eine» Kulturrats" unb bin berett. ibnen in meinen Kreifm Deirbreitung yu p"rkSafkn. Ita me. $taw1 ober Beruf" Aörelfe *r. 10. I I Flugblatt Auf'ufzur Begründung eines Kulturrates (1919), S. 4, Unterschriften  c! ! =n"'"i""' "'· d ' 'mko~dg id jIä qmdb:4 uAm 6~aq+4l- J-ct"t&, l, a rµ~ Fm-yaCm ~"~ uÄ"%+G4l- =^ ¶"vüj~ m. Lm+nLUY- dNmj , &6 m $a~ ~ "C dj. e·s ·µL'4 X~L=n 'j·u~j{' " 'i ".f"wvt ~ :l'~ µ4- " ~'t/ 4~ h "" ".} cynm~ Fj'. ~mHl~ _ ~ ~+^4- ~udiA~, mL^m~u4k ^~"4 |~',d·m«&4' ^"~6'-—. F^ qA+ELL jgj, )~1~ 4 al~(~ , at ü'j4ja- ' j--ä{ , 'Lwj m 'A" -4' Lj m 'j·ju r p , wü A& M r-4-^+ ¥4H'll~m ·a & ld"1- 'µ+rL-G-, dm F- m H " '~ L~yl4nü, & dZi. , .I w~A~ joLL. Mn 'L-jquw /µ'U "b ~ ,L^L~~Aq&tuµ u~^~du, a ·t~s-,µ4 M~'~ kMzj— 1P'~, &· j T>L-L j"m Aä %·TÄL u"m r F~um"^ ÜruA4 L-1 j "'^'"/'i ',i' " Jla Gu+"+ H *- "El·'4 "<%- . % wöa t4 ~ k4m'µ4 äL m X'-~ k^lµ· m ( I ° j"4 L.' , dki ?G'rMd ßU, cLn 'nm4/~ L4~ ' A m J'| " " ' m~ r ~ =^· YNj:· > Lä~ b G r¥RM~ ¢Lm 6~4"µb ßW' } " ·"^4'. J ¢ ~ ~d~, oüy c&' "+· ß·1 Nj 'j'· k — hat µµ— a^L ,ry o=Lmv m~. 'c/--V 0 L¶b^3 J " h' ' *l&m 3.fjl Qi' ' I j' ·Mviäj ~du% &b K¥wuµd4 Manuskript Eine zu gründende Unternebml{n? von Rudolf Steiner (1919), I. Seite  PROSPEKT ¶· ,W P p» P " ".' S V" W "» ck'r FUTURUM A.-G. (Ökommische Gesellschaft zur internationalen Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte) Dornach bei Basel über ehe EMISSION von 5.350.000 Frankon nominell neuen Aktien &ne A: Vorzugs-Aktien zu Fr 1.000. Serie B: Aktien zu Fr. 500. Serie C: Aktien zu Fr. 1,000. Zuschdften dieser .A rt wandern K('mphnlich in den Popberkorb. Der Verständige bcgrrüt das. Denn xumdst venprrchen sie Dinge, deren NkhterfOllung die entsprechenden InterEs$enten oft genug erlebt haben. Hier aber Hegt dne Zuschrift vor, cüe von einer wirtschaftHch-finanüellen GrQndµ bcmnderu Ad sprrchen will. Vqq dner Wehen, , die 4n mrk und emM En der ¶0EWen NotWe umerer Zet! wurzeln wIll, dwss die Begründer Kernr einen wirk4¶nlerrn Weg der Mjtt¢uum wählen möchten. wIe den dnes Progpektm Aber mnbchst ist kdn anderer W¢K möglich. und so möchte mnn doch wuf dfe EJndcht derrr bauen, die zu lesen b@nnm und dann durch den EmM der Sache be stimmt werden, wdtenmRn Die heute bmmer schw1eriger werdende Welt wirtschaftslage. die ßanre Geböele Europas dem Nkidergang entgegenführt «Jehe Anhang I über dk We|twlrt^anblage), venAnkt neue Amchauunßrn und neue wirhcmlui¢m Untemehmungen, welche im pcMtäven Aufbmi ebenso dureh· greifend wirken. wie dlejenjßcn KrMte. dir dch Mute im Abbwu unserer Kultur xdgen I. Die Tätigkeit der Futurum A.-G. Die am 16. Juni 1920 mit stu m Ihrmch gegmndctc FirmA FUTUHUM Aw-G. h , " ' ~ 1Memmkvnwjrn Förderung n~hmukher uM Werle). will Ihre whUchMtHche Tätlgkdt im Sinne dnes solchen posltlven Aufbaues aufnehmen, auf den im vorhergehenden h|nßewiescn wurde Um ihre Aufgabe ertOllen zu können, bt es notwendig. dm geh dk futurum a.-g. unbegrenzt vengrussim und sich allmählbch xu wirtschaftlichen Msodatlonen ausbildet, wie sk tn einer kommenden Wirtschaft mgmtrebt werden müssen " ). ") Dr. Ruduü NHocr: 1Ni Kernpunkte der FrW bn den Lebmmutwcndtgkcütm der ckm~rt vm Zukunft \"crk\k Gecririg. Bcncl Die FUTURUM A -(; Mpjj ah nnxrlna" l'ntrrnchmuu m arbeiten, wie es im w'dumeo t°mfanßc mchchm mum wenn eine Gesundung unwrrs kmnken Wirt»chMbklnm erfolken mll. Din ist nur oWnn mö©kh, wenn die Unterksmngmnden der geßenwarußen WIrtschaft unbefanRen durchscheut und wenn man sk in dn« I 'nfmwhm¶mA vermddet. dk einer unbrXrrnxten VerK1rö¶berung fählk Kt. 1)}c hcüüße Pruduktbonswehe baut sich auf dem reinen Erl rmgxinteresw auf H~h1 deT ü , , , ., ( KwpKMkl) + meh d« . wIdubeo deh dpr ~ukuoo nwr unter d6~m " , 6 1)ahrr wIM die BetrledWunk dm ollgcmeinen Bedar1m in Wirklichkeit immer mehr von dem Strrben nach Et1twr abhängi& wAhrenddem a die " . sind, welche dm +tjg-moralbche Moment ln dm soüak Leben lünelntruen. Sk allein geben dem ßtsämten Wlrt$chmt4kben eine sjnnßemm$be Grundlage. Man pmunm heute um des Erlmgs w1Hen und beruckuchtlgt die BcdMüntcressen der Konsumenten nur tmofem, nls de dem penönlichen Gewinnstrrben dbenstbmr RemKht werden können. Wirtschaften Im SInne von , , ' , ; , wIrd als veraltet bezdchnet. 1)k Roekstchtnahmc auf dk MEmlkbpm FoöW|pn dner willkürlichen Gemchäfbund Pnduktbndätigkeit des KnpRalistrn wIe dm I.ohnwrbeiters wfrd als unbequem betrachtet, weil d8esc 3cMdlkbm Fdm cM ·päter ln Er«he|nunk treten. Wir Rehen heute mit ten in mlchen müden Erbfolgen dadnnen und sollten daher ein VersLändnSs aufbringen können rür dk wirklichen Zusammen hankc zwi.«hen I"niache und wirkum im Wlrtschaftskben. IMoWc der Nichtbcrücksjchtikun& der Konsuntlxdurfnkw bd der Pruduktion wurden dicwlben gkkhxmn ~1HL OWes Freiwerden edebm wIr beute Lr dem Revduüom' der dßb sich ln Strdks usw. auslebt. Mm pruduüert auf Erträgnis und erzeugt als RuckmrkuW die Revolte derjenigen Bcdürfnim. dbe als mö«lichst hoher GmchMtsgewinn und ak hoher Arbeitdohn aus dem ErtragsEinissionsprospckt Futurum A.G., I. Seite (1920)  , :?'!"$g"hm. -.Uf ·' ,:,"7" Futurum ,AG. !'j$?"' ,· Dornach bei Basei "" Ökonomische Gesellsch aft zur i. ..,.',, tnterndio nalen fÖrderun ? "" irtSchjtliche" und geistiger Werte. 9"9ründet am i6 Juni igzo ' VJlein bezahlte Namen aktie von , Serie Nr. Jnt"dg' ?ejeisteter Einzaidung von kt cm Ve'mägen und Geschäftserge bn;s der kutwvm A.G.DeTnach mit allen Rechten und PCiichten beteiliet,wejche m;t dem Be sitzC diescr im Ntienbuch de'Ge3ell$chaft auf seinen Namen e; nggt"ägC ne n vd1einbtzäh)ten Aktie nach Gesellt ' und StakAe'n verbunden sind: ' Die Uebe"t'%ung UndVerp1fändvng von ÄkÜen istnur mit Zusti mmung cIeS Verwa)tungSrates gcstattet. Sie wir kt der Gesellschaft g"ge"über erst von der Erteilung dieser Zustimmung bn "1 · Futurum A.G.Domach Dommn den für den Ve~alkjnp$mt ,n cicrj'räSidCnt b ['LlIlll"\ll)) Aktie  ~r=-—.-~~=-- :"" "= "m""."" u"i - Fp :'.5 . 'Z'L" , , . ?', ·· I? ",'% . ' . " b I r t , ,t, -!7;'"'"b 4S "ä : '!s,'i ·"7 ' ¶ ,· a: 4 ::» ; W " i C: ' 'Y , · b ' . . ' ;' Z :· ' ' ' " ' j I ' Futurum AG. k Dornach bei Basei ? ' Ökonomische Gesellschaft zur I internationalen fMerun g I wirtSchcjtliche" und geistiger \v'jCrtc. ' / 9'9'Ündet am i6 Juni 'gzo P ,!' Vo11cinbezaAtc Namen aktie von , 1 Tausend Ranken ,' ' Serie A "Nt 0244 ," 'z="=j='µ= ' äm VermÖ'gcn und Geschiiftserge bn;S der hi(u'um AG. Dornach :" mit allen Rechten und PFiiäten betei]igt,we)cke m;t dem Be sitze dieser im Akt;enbuch de' Gesellschäft auf scinen I k 1 4 P Namen eingetmgcnen vone;nbezah)tenAktit nach Gesetz und Stdutcn verbunden SJnd: Die Uebert'a£ung UndVerp{ändung von Akt!en ift nur mit Zusti mmung cIe s Vervva|tu%Sre|tes stattet. Ste wn'kt der Gesellschaft ge¢enüber erst von derEteilung dieser ZUSt;m: mung an. Dornach dCn La '/M.futurum A.G.Domach für den Verwaltvng6mt / derPrq$;dent O X) .J ,n r. .  m a des ,KommendenTages ©' ' 'mNN'i 1921 0 "4. Der Kommende Tag AwGö Verlag, Stuttgart · m · M 0 i i m « M _ Broschüre Emil Leinhas: Die Idee des Kommenden 7äges, Stuttgart 1921, Cover  Der Kommende Tag Aktiengeselbchaft zur Förderung wIrMiaftHcher und geistiger Werte. Gegründet in Stuttgart am 13. M&rz 1920 durch Konradin Hamer, Stuttgart Hans Kühn, Stuttgart Direktor Emil l.cinhas, Stuttgart Graf Otto von Lerchenfeld, Köfering b. Regensburg Kommerzienrat Emil Mott, Stuttgart Fabrikant Josc del Monte, Stuttgart Graf Ludwig von PokepHodtth Gutau (Oberösterreich) · Dr. Rudolf Steiner, Docnach b. Basel Fabrikant Dr.·lng. Carl (Inger, Stuttgan. Voll dnbezahlta Aktienkapital im Oktober 1921 Mk. 35QQOOQO.davon sInd Mk. I QQOOQO.- Vorzugsaktien mit 25kchem Stimmrecht ,, 340QOCXX).- Namensaktien. AUFSICHTSRAT, Dr. Rudolf Steiner, Dornach, Vorstljender Kommerzienrat Emil Moli, Stuttgart, stellv. Vondtµnder Dr. Rudolf Maier, Stuttgart Josc del Monte, Stuttgart Dr. Carl (Inger, Stuttgart Dr. r. zoepmth Mergelstetten. VERWALTU NGSRAT, Kommerzienrat Emil Moli, VoM$enckr Josc dell Monte Dr. Carl (Inger. VORSTAND: Emil Leinhd& Stuttgart, VoMyender Konradin Ha Hans Kühn Wolfgang Waäsmuth. 20 Broschüre Emil I.ci n has: Die Idee des Konnnenden Tages, Stuttgart 1921, S. 20  Bis Oktober 1921 waren dern ,,Kommenden Tag" folgende Unternehmungen bezw. Abteilungen angeschlossen: Zentrale, Stuttgart, Champignystr. 17 Handdsabteüung, Stuttgart, Champignystr. 17 Der Kommende Tag A.·G. Verlag, Stuttgart [kr Kommende Tag A.·G. Verlag, Abtellung Druckerei Maschinenfabrik vormals Carl Unger, Hedelfingen Chemische Werke, Schwäb. Gmünd Schicferwcrk Sondelfingen ' Josc dd Monte, Kartonnagenfahriken, Stuttgart mit Filialen Zufknha=n und Weil kn Dorf Waldorf·Astoria 7jgarettmfabrik A.·G., Stuttgart Pemdon Rüthüng, Stuttgart, Urbanstr. 31 a Bankhaus Der Kommende Tag, Adolf Koch & Co., Stuttgart, Rote.«. 6 Der Kommende Tag A.·G., GesäUmelk Hamburg Gebrüder Gmelln, Reutlingen, landw1rtschaftlkbe Maschinen Gukksmühk Dischingen, Hofgut, Getreide· und Ölmühle sowie Sägewerk Hofgut Ölhaus O.·A. Crailsheim Hofgüter Unterhucb und üchen O.·A. Leutkhth Hofgüter Dorenwdd und Lanzenberg b. Isny i. Allgäu ' Klinisch·therapeutMm Institut ,Der Kommende Tag", Stuttgart Wissenschaftlich« Forschungdnstitut .[kr Kommende Tag", Stuttgart WKH·=haftliches Forschungsinstitut, biologische Abteilung, Stuttgart Fhie Waldoebchuk, SCuitgart 21 Broschüre Emil Lcinhas: Die Idee des Kommenden Tages, Stuttgart 1921, S. 21  A P + Literatur über den .Kommmden Tag" (Zu beziehen durdi den Kcnckn Tag AjCj. Vedag, Stuttgart.) CyründunFW%ekt der AnG. Der Kommende Tag vom März 1920 (v«griffen). Prospekt über dk Ausgabe von Mk. 25LUjCXX'.- lhrkhcmchdnc der A.·G. Der Kommende Tajj vorn 1k·u·m&r 1Q20 Mt den Uitgcdankcn aus dem cmcn Pr(wpckt &t (Rm·lLdmlt. Bericht über das erste Geschähskhr 19QO. In d« Wochenzeitung .Dreig1be&rung des soüajen Org¢knhmw": I. Jahrgang Nr. 41, AM 1920. EmtlLeinhas, JkrkommemkTag". ll. Jahrgang Nr. 25, Dezember 1920. Ernst Uchli: .Drv%bederung und Wtnschaftspraxb". Eugen BenkeMoerkr: .Der Kommende rafl AM ;". Wilhelm Trommsdorff; .Was will der Kommerkk" Tag"7 Emil Lcbihäs: .Dk soziak Aufgabe des Kommenden Tages". 11. Jahrgang Nr. 27, Januar 19!21. Emil Moli: .Alle und neue Wlnxhaftsformen" III. Jahrgang Nr. 13, 28. Sepoember 1921. Ik. mcd. O. Pahner .Das Kunbchdherapeuusche lnMtut ,Der Kommende Tafl'" Mpl.·lng. Akx. Sträk&i .C~ge Werte". III. Jährgang Nr. 15, 12. Oktober 1921. Dr. med. F. Pellpmu .Von den Wegen und Ziden des Kjhmjdbemm~m fnstihjts ,Der Kommende TaCj' ln Stuttgart". ln der MonatssdMh .Dk Dm": I. Jahrgang. Fm« HCH. liche Assozimionmmenj freien Getstcskben" Eugen Benkcndoerkr: .Das wtrtsichalt· in Mnem Verhähnb zum Staat und H Broschüre Emil Lcinhas: Die Idee des Kommenden Tages, Stuttgart 1921, S. 22  1 i, ..a4 4 FUR DEN AUFS|CHT3KAT: I . k " /hkc L,' ,f., EAmr 'az°zx; ! ), : Kt "I '", j'\i,  -\ Stuttgart, Champignystraße 17, Sitz des Bimc/es /1"1)" /)r(l,t:hl ("l" :t,",'4 des sozialen Organismus und dcs Kk)nln/en(/en "/:lg('j A (i.  Zu dieser Ausgabe Entstehung Dreigliederung und Kulturräte Als Rudolf Steiner 1917 gefragt wurde, ob es aus der verfahrenen Situation und Ideenlosigkeit der politischen Lage Deutschlands nicht einen Ausweg gebe, entwickelte er die Dreigliederung des sozialen Organismus, die er in zwei Memoranden darlegte. Mit diesen Memoranden versuchten einige Anthroposophen, maßgebliche Politiker und Funktionäre in Deutschland und Österreich zu gewinnen. Niemand wollte sich jedoch darauf einlassen. Beim Ausbruch der Novemberrevolution in Deutschland schienen sich plötzlich wieder Türen zu öffnen, es schien, dass bei den unbefangenen Arbeitern die Dreigliederungsidee Fuß fassen könne. Es bildeten sich auf dem staatlichrechtlichen Gebiet Arbeiterräte, eine Betriebsrätebewegung entwickelte sich im Bereich der Wirtschaft, und auf dem geistigen Gebiet vorübergehend ein Rat geistiger Arbeiter, an welchem auch Anthroposophen beteiligt waren - ein Anschein einer Dreigliederung. Rudolf Steiner hielt im November 1918 denkwürdige Mitgliedervorträge in Dornach, in welchen er auf die soziale Frage einging (siehe Entwicklungsgeschichtliche Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils, GA 185), durch die in den drei Anthroposophen Roman Boos, Emil Molt und Hans Kühn der Impuls erweckt wurde, nun in diesem Sinne tätig zu werden. Auf ihre Initiative kam der Aufruf «An das deutsche volk und an die Kulturwelt!» zustande, der zur Gründung des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus und der Initiierung einer Volksbewegung in Württemberg führte. Während die öffentlichen Vorträge Rudolf Steiners über die Dreigliederung wie auch sein Einstehen dafür in Arbeiterversammlungen und an Diskussionsabenden schon in den bisher erschienenen Dreigliederungsbänden dokumentiert sind (GA 328-339), war das innerhalb der Gesamtausgabe bis anhin bei den wirtschaftlichen und kulturellen Dreigliederungsbemühungen (mit Ausnahme der Betriebsrätebewegung) noch nicht der Fall. Diese Lücke füllt der vorliegende Band. Er widmet sich der Tätigkeit Rudolf Steiners für kulturelle und wirtschaftliche Erneuerung im Sinne der Ideen der Dreigliederung des sozialen Organismus, nun nicht in öffentlichen Versammlungen, sondern vor den im Zuge der Dreigliederungsbewcgung gebildeten Gremien und Initiativen oder auch vor den Mitgliedern der anthroposophischen Gesellschaft. Schon früh erkannte Rudolf Steiner die Gefahr, dass durch die Betriebsrätebewegung nur eine einseitige Umsetzung der Dreigliederungsidee drohte, indem das Hauptgewicht der Öffentlichen Tätigkeit auf der Sozialisierung der Wirtschaft lag. Ein Gegengewicht war notwendig, um auch der Befreiung des Geisteslebens Gehör zu verschaffen. In Reden vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft und den Angehörigen des Drcigliederungsbundes  wurde versucht, eine Kulturrätebewegung ins Leben zu rufen. An Pfingsten 1919 wurde ein Aufruf zur Bildung eines Kulturrates verabschiedet, der schließlich von 179 Menschen unterschrieben wurde. Die Sache kam jedoch nie richtig in die Gänge. Der im September 1919 konstituierte Kulturrat nannte sich «provisorisch». Von einem wirklich umfassenden Kulturrat konnte keine Rede sein, da sich zu wenige Menschen fanden, um diese Arbeit zu tragen. Ab Herbst 1919 fokussierte sich Rudolf Steiner auf die Waldorfschule. Er nahm zwar noch an der erwähnten Kulturratssitzung teil. Danach gab cs noch einige Sitzungen ohne ihn, an welchen versucht wurde, Berufskammern im Sinne des Kulturratgedankens zu bilden. Aber schon im Jahre 1920 war die Tätigkeit versandet. Der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus veröffentlichte die Ansprachen und Vorträge von 1919 in seinen Mitteilungsblättern, um der Sache nochmals Schwung zu verleihen, doch praktische Aktivität hierin fand kaum mehr statt. Ein Ähnliches widerfuhr später auch dem Dreigliederungsbund selbst. Schließlich wurde er auf Anraten Rudolf Steiners im Juli 1922 in «Bund für Freies Geistesleben» umbenannt, doch als solcher versank er in der Bedeutungslosigkeit. Auch die Dreigliederungszeitung, die der Bund herausgab, wurde umbenannt und hieß ab 1922 Antbroposophie. Sic wurde dann von der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland übernommen und fusionierte in den 1930er Jahren mit der Zeitschrift Die Drei (bis zu deren Verbot 1935). Wirtschaftliche Initiatiuen Nachdem durch das Versanden der Betricbsrätebewegung und mit der Einführung des staatlichen Betriebsrätegesetzes eine umfassende wirtschaftliche Sozialisierung und Umsetzung der Dreigliederung nicht mehr durchgeführt werden konnte, wollten einige anthroposophische Unternehmer nun wenigstens eine Teilverwirklichung durch die Bildung einer Assoziation ihrer Unternehmen erreichen. In Deutschland wurde der «Kommende Tag», in der Schweiz wenig später die «Futurum AG» gegründet. Eine der Grundideen war, dass die wirtschaftlichen Betriebe kulturelle Einrichtungen tragen sollten: die Waldorfschule, anthroposophische Forschungsinstitute, in der Schweiz das Goetheanum. Rudolf Steiner stellte sich beiden Unternehmungen zur Verfügung; im ·Kommenden Iäg» als Aufsichtsratspräsident, in der «Futurum» als Verwaltungsratspräsident. Mit großem Elan wurde begonnen und das Aktienkapital zustande gebracht. Doch beiden Unternehmungen blies ein eisiger Wind entgegen. Der «Kommende Tag» geriet ab 1923 durch die Inflation derart in Schwierigkeiten, dass die Aktienmehrheit der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik verkauft werden musste, ein für deren Leiter Emil Molt besonders schmerzlicher Schritt, der für ihn 1929 zum Verlust seines Unternehmens führte. Auch waren die Arbeiter, welche in der Dreigliederungsbewegung gewirkt hatten, unzufrieden, denn sie maßen den «Kommenden Tag» am Ideal. In der «Futurum» war die Lage etwas  anders. Es gab keine anthroposophischen Unternehmer, sondern es wurden andere Unternehmen erworben, von denen einige jedoch unrentabel waren; so gab es neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine geistige Krise; junge anthroposophische Aktionäre beklagten ähnlich wie die Arbeiter des ·Kommenden Tages» die Nicht-Verwirklichung der geistigen Ziele der Dreigliederung, da das Unternehmen einseitig wirtschaftlich orientiert sei. Sie argumentierten, dass Rudolf Steiner von dieser Verbindung befreit werden müsse, und schlugen einen neuen Verwaltungsrat vor, was 1922 tatsächlich zur Absetzung Rudolf Steiners als Verwaltungsratspräsident führte. Schließlich wurden bei beiden Unternehmungen die Schwierigkeiten so groß, dass Kommender Tag und ·Futuriim» liquidiert werden mussten. Der ·Kommende Tag» musste erst alle geistigen und dann die wirtschaftlichen Unternehmen abstoßen; schließlich blieb ihm allein die Verwaltung des Grundbesitzes. Er wurde dann später in Uhlandshöhe AG umbenannt. Bei der ·Futurum AG· war die Fusion mit der neu gegründeten ·Internationale Laboratorien AG» der Ausweg, die auch das deutsche Laboratorium des «Kommenden Tages· eingliederte. So ging aus ·Futurinn» und ·Kommender Tag» die spätere ·Weleda» hervor (siehe: Rudolf Steiner Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda, in: Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. 118/119, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997). Auch gelang es, die geistigen Betriebe zu retten, wenn auch unter großen Verlusten für die Aktionäre. Eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte der Kulturräte und des ·Kommenden Tages» steht noch aus. Noch zu Lebzeiten Steiners erschien die Dissertation von Fritz Piston Assoziatiue Wirtschaft als Forderung Rudolf Steiners, Tübingen 1923, darin Kap. IV über den «Kommenden Tag» (veröffentlicht in: Beiträge zur RudolfSteiner Gesamtausgabe, Heft 88, Johanni 1985). Er schenkte ein Exemplar mit Widmung an Rudolf Steiner, das noch heute in der im Rudolf Steiner Archiv befindlichen Bibliothek Rudolf Steiners vorhanden ist (RSB A 171a). Über die «Futurum AG» vgl. Alexander Lüscher: RudolfSteiner und die «Futurum AG. ·. Gesellschaftsreform durch anthroposophische Praxis?, Diss., Spiegel bei Bern 2002. In der Dissertation von Albert Schmelzer (Die Dreigliederungsbewegung 1919, Stuttgart 1991) findet sich in Kapitel VII ein Abschnitt über die Kulturratsbemiihungen. Textgestalt Textgrundlagen: Zu den Textgrundlagen vergleiche die Angaben unten bei den Hinweisen zu den einzelnen Texten. Titel: Die in diesem Band versammelten Vorträge und Ansprachen haben keine Titel. Diese stammen zumeist von der Herausgeberin, von der Erstpublikation oder sie wurden von den Mitschreibenden gewählt. Für genauere Angaben siehe die Hinweise zu den einzelnen Texten. Textkorrekturen: Vorliegender Band dokumentiert Steiners Wirken für die Dreigliederung, die Kulturräte und die wirtschaftlichen Initiativen in Vorträ gen, Ansprachen und Wortmeldungen. Berichte von Sitzungen und Besprechungen ohne längere zusammenhängende Äußerungen Rudolf Steiners wurden nicht aufgenommen und Voten anderer Teilnehmer zusammengefasst oder weggelassen, was durch kursiv gesetzten Text in eckigen Klammern kenntlich gemacht ist. Die Wiedergabe der Textgrundlagen folgt den im Archivmagazin Nr. 5 (Basel 2016) publizierten Editionsrichtlinien. Korrekturen im Text betreffen Rechtschreibung und Grammatik. Herausgebereingriffe, die darüber hinausgehen, stehen in eckigen Klammern. Viele der maschinenschriftlich vorliegenden Mitschriften weisen Korrekturen auf, die von Hand vorgenommen wurden. Diese wurden in der Regel übernommen, da die Originalstenogramme zumeist nicht mehr vorliegen und die Korrekturen vermutlich auf die Mitschreibenden selbst zurückgehen. Schreibweise: Die Schreibweise wurde an die heute gebräuchliche angepasst; das manchmal vorkommende Wort «Entwick(e)lung» wird einheitlich mit «Entwicklung» wiedergegeben; Rudolf Steiner verwendete selbst beide Varianten. Im Anhang findet sich eine Chronik, in welcher angegeben ist, zu welchen Ereignissen Material im Rudolf Steiner Archiv vorliegt. Hinweise zum Text Zur Besprechung uom 25. Januar 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung von stenografischen Notizen von Roman Boos (Vortragsregister-Nr. 3639a II), Stenogramm nicht vorliegend. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Das Dokument ist mit ·Ahduili /Notizen von Dr. Roman Boos über Äußerungen Dr. Stciners aus den Verhandlungen über Drciglicdcrung· bczcichnct. Die Vornamen der Gcsprächstcilnchmcr wurden ergänzt. Text in eckigen Klammern stammt von der Herausgeberin. Erstveröffentlichung (Auszüge): Roman Boos (Hrsg.): Michael gegen Michel, Basel 1926. Siehe auch die kommentierte Edition durch Alexander Lüscher in: Motiue, Nr. 5, Mai 2020, S. 43-128. Seite 23 EmilMolt, Hans Kühn, Roman Boos: Emil Molt (1876-1936), Direktor der WaldorfAstoria Zigarettenfabrik in Stuttgart, sozial engagierter Unternehmer, späterer Initiator der Waldorfschule; Roman Boos (1889-1952), Jurist, Sozialwissenschaftler, aktiv in der Dreigliederungsbewegung in Stuttgart und später vor allem in der Schweiz; Hans Kühn (1889-1977), Kaufmann, ebenfalls Dreigliedcrungsaküvist. Arbeitsraum der ·Gmppe»: Atelier Rudolf Steiners, in welchem er an der auch ·Gruppe" genannten großen Holzskulptur ·Der Menschheitsrepräsentant· arbeitete. Siehe Rudolf Steiner Das pLastische Werk, GA K 11.  23 Ich werde diese Vorträge nachher sofort in Dmck geben: Gemeint sind die Vorträge vom Februar 1919, welche von Rudolf Steiner zur grundlegenden Schrift über die Dreigliederung des sozialen Organismus Die Kernpunkte der sozialen Frage, heute GA 23, ausgearbeitet wurden. Die Vortragsmitschriften selbst sind heute enthalten im Band Die soziale Frage, GA 328. im Haus Hansi: Damaliges Wohnhaus Rudolf Steiners in Dornach. des ·Bundes geistiger Arbeiter·: Eigentlich hieß er ·Rat geistiger Arbeiter·. Diese Organisation, gegründet im Zuge der Novemberrevolution im Dezember 1918, hatte auch Dreigliederungsgedanken vertreten, da sich an ihm auch Anthroposophen beteiligt hatten: neben Roman Boos vor allem der Ingenieur Carl Unger (1878-1929), Inhaber einer Werkzeugmaschinenfabrik, und auch der Kaufmann Eugen Benkendöjfe' (1878-1939). Der Rat verlor jedoch zunehmend, auch aus Geldmangel, an Bedeutung; ebenso die Dreigliederungsströmung in demselben. Die Rede, die PoincarC gehalten bat: Raymond PoincarC (1860-1934), franzÖsischer Politiker, 1913-1919 franzÖsischer Staatspräsident, bekannt für seine antideutsche Politik. Gemeint ist die Rede vom 18. Januar 1919 anlässlich der Eröffnung der Friedensverhandlungen in Versailles. Professor Wilhelm uon Blume: Wilhelm von Blume (1867-1927), Professor für Staatsrecht in Tübingen, einer der wenigen akademischen und nicht-anthroposophischen Befürworter der Dreigliedcrungsidee, Mitglied des Arbcitsauschusses des Drciglicderungsbundes. Er war auch beteiligt an der Ausarbeitung der Verfassung Württembergs. Blume gehörte neben Emil Molt und Carl Uriger dem Komitee an, welches die Unterschriftensammlung für den in dieser Besprechung erstmals ins Auge gefassten Aufruf ·An das deutsche volk und an die Kulturwelt!· koordinierte. Schon vor Steiners Ankunft in Stuttgart hielt cr am 21. März 1919 einen die Dreigliedcrungsarbeit vorbereitenden Vortrag und sagte dabei folgende Worte: ·Ich bin kein Anthroposoph und kein Theosoph, ich kenne Dr. Steiner nicht, ich habe ihn weder gesprochen noch gehört, ja nicht einmal gesehen. Es ziehen Gedanken durch die Welt wie elektrische Ströme und leuchten auf da und dort in den Gehirnen.· (Nach Hans Kühn: Dreigliederungszeit, Dornach 1978, S. 170.) Eben, Scbeidemann und Erzberger: Friedrich Eben (1871-1925), deutscher sozialdemokratischer Politiker, war nach der Novemberrevolution 1918 von Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ausgerufen worden und wurde im Februar 1919 erster Reichspräsident der Weimarer Republik; Philipp Scheidemann (1865-1939), von Februar bis Juni 1919 deutscher Reichskanzler (SPD), hatte am 9. November 1918 die Deutsche Republik ausgerufen; Matthias Erzberger (1875-1921, ermordet), Journalist, dann Berufspolitiker, Reichsminister im Kabinett von Scheidcmann, Verantwortlicher für Waffcnstillstandsfragcn. Er unterzeichnete für das Deutsche Reich am 11. November 1919 das Waffcnstillstandsabkommcn von CompiCgnc und machte sich dadurch vor allem bei der Rechten verhasst. 24 Wäre mit Eimer etwas zu macben: Kurt Eisner (1867-1919), sozialistischer Polltikeq nach der Novemberrevolution 1918 erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern; er veröffentlichte die geheimen Gesandtschaftsberichte der bayerischen Regierung, um zur Klärung der Kriegsschuldfrage beizutragen, und machte sich bei rcchtsnationalen Kreisen dadurch Feinde. Hans Kühn vermittelte im Februar 1919 während des Berner Sozialistenkongresses ein Treffen zwischen Rudolf Steiner und Kurt Eisner, die sich beide aus den Berliner Literatenkreisen derjahrhundertwende kannten. Am 21. Februar 1919 wurde Eisner auf offener Straße ermordet.  24 Graf Lerchenfeld: Otto von Lerchenfeld (1868-1938), Gutsbesitzer; cr haue 1917 Rudolf Steiner zur Abfassung der Dreigliedcrungsmcmoranden angeregt, dic ohne Erfolg politisch einflussreichen Persönlichkeiten vorgelegt worden waren. Die Memoranden sind innerhalb der Rudolf Steiner Gesamtausgabe abgedruckt in: Auf sätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage, GA 24. uon Heydebrands Versuchen ... Phnz Leopold· Vermutlich Wilhelm von Heydebrand (1888-1970), Goldschmied, ein Bruder der späteren Waldorflehrerin Caroline von Heydebrand (1886-1938); Prinz Leopold von Bayern (1846-1930), Generalfeldmarschall, Schwager Kaiser Wilhelms. das Buch uon Heise: Karl Heise (1872-1939), Schriftsetzer. Er hatte Rudolf Steincrs Vorträge zu zeitgeschichtlichen Fragen 1916/17 (Zeitgeschichtliche Betrachtungen, GA 173a-c) gehört und wurde dadurch angeregt, ein Buch zu schreiben. Sein im November 1918 fertiggestelltes Werk Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg, das 1919 in Basel erschien, wurde von Rudolf Steiner gcfördcrü cr sah auch die Druckbogen durch und verfasste ein Vorwort dazu (heute in: Schriften zur Geschichte der Antbroposopbiscben Bewegung und Gesellschaft, GA 37, S. 507-509). Frau Kautsky ... Kamsky: Luise Kautsky (1864-1944), Ehefrau des sozialistischen Politikers und Schriftstellers Karl Kautsky (1854-1938); sie war die Schwester von Rudolf Ronsperger, einem Jugendfreund von Rudolf Steiner (1862-1900). Veröffentlichung der Kriegsgenesß: Karl Kautsky war nach der Novemberrevolution Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt und arbeitete an einer Denkschrift über den Anteil der deutschen Regierung an der Kriegsschuld, deren Veröffentlichung jedoch im Februar 1919 von Scheidemann verhindert wurde, da er die deutsche Verhandlungsposition mit der Entente nicht schwächen wollte. Ratbenau in der ·Zukunft·: Walther Rathenau (1867-1922), Industrieller, liberaler Politiker, vom 31. Januar bis zum 24. Juni 1922, dem Tag seiner Ermordung durch Rechtsextremisten, deutscher Außenminister. Die Zukunft war eine von Maximilian Harden herausgegebene Zeitschrift. Der genannte Aufruf erschien unter dem Titel ·An alle, die der Hass nicht bkndet· in Bd. 103, Nr. 11/12, 21./28. Dezember 1918, S. 318-323 (in Rudolf Steiners Bibliothek, Sign. RSB Zs 482). Im Vortrag vom 31. Dezember 1918 hatte Rudolf Steiner diesen Aufruf vorgelesen (in: Wie kann die Menschheit den Cbhstus ujiedemnden?, GA 187). 25 Carl Unger: Carl Unger (1878-1929), Ingenieur, Inhaber einer Werkzeugmaschinenfabrik, Anthroposoph. 26 Frau Kinkel: Alice Kinkel (1866-1943), betreute zusammen mit ihrem Mann das Stuttgarter Zweighaus der Anthroposophischen Gesellschaft. Zur Besprechung uom 27. Januar 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung von stenografischen Notizen von Roman Boos (Vortragsregister-Nr. 3644 I), Stenogramm nicht vorliegend. Das Dokument hat keinen Titel. Der Titel wurde nach dem Werk von Hans Schmid, Das Vonragswerk RudolfSteiners, Dornach 1950, gewählt. Text in eckigen Klammem stammt von der Herausgeberin. Erstveröffentlichung (Auszüge): Roman Boos: Michael gegen Michel, Basel 1926. Siehe auch die kommentierte Edition durch Alexander Lüscher in: Motive, Nr. 5, Mai 2020, S. 43-128.  27 Denkschrift über die Dreiteilung: Rudolf Steiner meint seine Memoranden von 1917, abgedruckt in: Aufsätze über diC Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage, GA 24, S. 339-385. Ob Rudolf Steiner hier wirklich die Bezeichnung ·Drciteilung· für ·Dreigliederung· verwendete oder ob «Dreiteilung· auf Boos' Notizen zurückgeht, ist unklar. generatio aequiuoca: Urzeugung, auch Abiogenese oder Spontanzeugung genannt; auf den griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.) zurückgehende Hypothese von der Entstehung des Lebens aus zuvor unbelebter Materie, bei ihm neben der geschlechtlichen und vegetativen Fortpflanzung die dritte Art der Entstehung von Lebewesen. 28 Bismarck ... Lassalle: Otto von Bismarck (1815-1898), deutscher Staatsmann; Ferdinand Lassalle (1825-1864), Begründer der deutschen Sozialdemokratie. das Zentrum: Die Deutsche Zentrumspartei, kurz ·Zcntrum·, Partei des politischen Katholizismus. 29 Wilson-Programm: Woodrow Wilson (1856-1924), von 1913 bis 1921 Präsident der USA. Gemeint ist sein 14-Punkte-Programm, das er in einer Rede vom 8. Januar 1918 als Grundlage für einen Friedensschluss und eine politische Neuordnung in Europa entwickelte. Es sah die Bildung von Nationalstaaten als Lösung für die Konflikte in den Vielvölkerstaaten Europas vor. Das Problem, dass die Siedlungsgebiete der Völker sich iibcrschnittcn, wurde, so ein Kritikpunkt Stcincrs, von ihm nicht erkannt, denn durch die nach dem Territorialprinzip aufgeteilten neuen Nationalstaaten entstünden überall nationale Minderheiten, was zu neuen Konflikten führe. Mit dem ·eigenen Programm» meint Rudolf Steiner seine Dreigliederungsmemoranden von 1917 (siehe oben Hinweis zu S. 27). ·Die Deutschen gewinnen ... ·: Diktum von Arthur James Balfour (1848-1930), britischer Politiker, Marineminister, 1915. 31 das Manifest der 93 Intellektuellen: Aufruf ·An die Kulturwelt!» oder ·Manifest der 93· vom 4. Oktober 1914; im September 1914 von Ludwig Fulda als Schriftführer verfasst, von 93 Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern Deutschlands unterzeichnet und im Oktober 1914 verÖffentlicht. Das Manifest war eine empÖrte Reaktion auf den Barbarei-Vorwurf vonseiten der Entente-Mächte an das Deutsche Reich wegen Kriegsverbrechen und der Zerstörung von Kulturgütern beim Einmarsch in Belgien. 1916 sagte ich dem Mann ... Ludendorff... weil ich kein Deutscher bin: Es handelt sich um Oberstleutnant Hans von Haeften (1870-1937). Durch dessen Vermittlung sollte an Rudolf Steiner der Auftrag ergehen, einen offiziellen Pressedienst in Zürich einzurichten. Die Bekanntschaft mit von Hachen war durch die Gemahlin General Helmuth von Moltkes (1848-1916), die Anthroposophin Eliza von Moltke (1859-1932), vermittelt worden. Über diese Angelegenheit, die sich vermutlich nach dem Tod General Helmuth von Moltkes im Juni und Juli 1916 zutrug, berichtet Rudolf Steiner auch in zwei Vorträgen, am 3. Mai 1919 (in: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330, 2. Aufi. 1983, S. 160) und am 2. Januar 1921 (in: Wie wirkt man für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 338, 5. Aufi. Basel 2019, S. 232 f.). Erich Ludendorff (1865-1937), der dies verhinderte, war deutscher General und Politiker, Mitglied der Obersten Heeresleitung während des Ersten Weltkrieges; einer der Väter der ·Dolchstoß-Lcgcnde·. leb könnte Ihnen eine An Entu'urfmacben: Emil Mok (Erinnerungen, Typoskript, S. 225f.) berichtet Rudolf Steiners Worte so: ·Aber schließlich sagte Dr. Steiner:  <Wir können nicht mehr an Altes anknüpfen, sondern wir müssen von uns aus ganz Neues bringen, das auf sich selber steht. Ich werde Ihnen ein Dokument geben. Wenn Sie sich damit einverstanden erklären und dahinterstellen kÖnnen, dann sollte man etwa 100 Unterschriften von prominenten Persönlichkeiten dafür zu bekommen suchen, in der Art, wie die 90 Intellektuellen bei Ausbruch des Krieges jene bekannte Proklamation unterschrieben haben - nur keinen von diesen jetzt Kompromittierten gelänge das, dann hätte ich ein Podium für eine außenpolitische Wirksamkeit und wäre bereit, in Zürich eine Anzahl Vorträge zu haken, die im Ausland, wenn nicht von den Offiziellen, so aber doch von den Völkern Beachtung finden könnten.> So etwa waren seine Worte. Am 2. Februar 1919 übergab uns dann Rudolf Steiner den <Aufruf an das deutsche volk und an die Kulturwcb auf einigen wunderbar schön und klar von Hand geschriebenen Quartbogen, die zu besitzen ich das Glück habe.· 31 Unser Mitglied Fischer in Hannover: Möglichcrwcisc Heinrich Fischcq cr war in Hannover Mitglied der Theosophischen Gesellschaft gewesen. Weiteres ist über ihn nicht bekannt. Ehrenberg ... in die · Vossiscbe Zeitung»: Hans Ehrenberg (1883-1958), deutscher Philosoph, Sozialdcmokkrat 1919 Mitglied eines Arbeiter- und Soldatenrats in Heidelberg, später cvangclischcr Theologe, unter dem Naziregime Mitglied der oppositionellen Bekennenden Kirche. Die Vossiscbe Zeitung war eine Berliner Zeitung von überregionaler Bedeutung. Ehrenbergs Artikel in der Vossiscben Zeitung: ·Der Krieg der Idce und der Friedcnsschluss· (3.2.1918); ·Das alldeutsche System· (I) (3.3.1918); "Das alldeutsche System· (ii) (5.3.1918); ·Die deutsche Krise· (7.4.1918); ·Deutsches Nationalprogramm· (24.4.1918); ·Deutschlands Europapolitik· (9.5.1918); "Staats- und Vo]ksliebe» (2.6.1918); ·Kriegs- und Friedensstaat· (9.6.1918); ·Deutschland und Miueleuropa» (28.7.1918); ·Politische Mentalität· (5.8.1918); ·Ägypten oder die ·Politik des Unmöglkhen»· (9.8.1918); ·Geistige Ostoricnticrung» (20.8.1918); ·Endc mit Wiir&» (20.10.1918). Welche davon Rudolf Steiner gelesen hat, ist nicht bekannt. In einem späteren Vortrag, am 5. Februar 1921 in Dornach, spricht Rudolf Steiner über Ehrenberg, den er offenbar persönlich kennengelernt hatte, und dessen Buch Die Heimkebr des Ketzers (Würzburg 1920), siehe Die Vemntwonung des Menschen für die Weltentwicklung, GA 203, 2. Aufi. Dornach 1989, S. 173f. Emil Molt berichtet darüber in seinen Erinnerungen (Typoskript, S. 226): ·Er [Rudolf Steiner] nannte selbst einige Persönlichkeiten, die für die Unterschrift mit in Betracht kommen könnten, was uns wieder zeigte, wie genau Dr. Steiner auf die Äußerungen von wirklichen <Köpfcti> achtete. So nannte er uns zum Beispiel Professor Ehrenberg, der einmal in der ·Voss> einen bemerkenswerten Artikel geschrieben habe.» Ehrenberg hat den Aufruf tatsächlich unterschrieben. Eimer wäre günstig: Kurt Eimer hat den Aufruf nicht unterschrieben. 3lf. Lerchenfeld müsste nicht mehr ...: Otto von Lerchenfeld hat den Aufruf unterschrieben. 32 Foemer würde gut wirken: Gemeint ist der deutsche Philosoph, Pädagoge und Pazifist Friedrich Wilhelm Foerster (1869-1966). Er hat den Aufruf nicht unterschrieben. Rade, Rittelmeyer: Paul Martin Rade (1857-1940), evangelischer Theologe und linksliberaler Politiker; Friedrich Rittelmeyer (1872-1938), evangelischer Pfarrer, Anthroposoph. Beide haben den Aufruf unterschrieben.  33 dem Treubandorganismus: Ursprünglich haue der Plan bestanden, eine IndustrieTreuhandorganisation zu gründen, welche durch Kreditvergabe und durch Übernahme der produzierten Waren es den Unternehmen ermöglichen sollte, von der Kriegs- zur Friedensproduktion zurückzukehren. AIs eine Großbank einbezogen wurde, verkam der Plan zu einer bloßen Finanzkonstruktion, statt, wie beabsichtigt, ein Schritt in Richtung der Dreigliederung zu werden. 37 Trotzki' Lew (Leo) Trotzki (1879-1940), russischer Revolutionär. 40 Wir müssen ... freie Schulen gründen: Emil Molt setzte diesen Gedanken mit der Waldorfschule noch im selben Jahr in die Tat um. Dieser Satz wurde von Boos in der Mitschrift durch Sperru ng hervorgehoben. die GescbiCbte des Kriegsausbruches ... Frau uon Moltke: Zu Eliza von Moltke und General Helmuth von Moltke siehe auch Hinweis zu S. 31. Die Publikation der Erinnerungen Moltkes, durch die Rudolf Steiner sich eine Klärung der Kriegsschuldfrage und eine positive Bccinflussung der Vcrsaillcr Fricdcnsvcrtragsvcrhandlungen erhoffte, lag im Juni 1919 schon als Buch gedruckt vog als Eliza von Moltke ihre Einwilligung auf Druck von Verwandten und Regierungskreisen zurückzog und die Auflage eingestampft werden musste. Erst 1922 wurden sie veröffentlicht, herausgegeben durch Eliza von Moltke, in: Generaloberst Helmuth uon Moltke. Eninnerungen, Briefe, Dokumente 1877-1916, Stuttgart 1922. des Awsuü"nigen Amtes, Rantzaus: Ulrich von Brockdorff-Rantzau (1869-1928), Jurist, Diplomat; erster deutscher Außenminister nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm I. 42 /wüntembergischen/: Ergänzung durch die Herausgeberin. Dr. Elsas: Fritz Julius Elsas (1890-1945), deutscher Jurist und Politiker, damals im wiirttembergischen Arbeitsministerium von Lindemann tätig. Wurde später Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Die von ihm verfassten Leitsätze beschrieben unter anderem das Wesen der Sozialisierung dahingehend (siehe Fritz Elsas, Manfred Schmid (Hrsg.): Auf dem Stuttgarter Rathaus 1915-1922, Stuttgart 1990, S. 80ff.), ·dass in der gesellschaftlichen Produktions- und Absatzorganisation nicht mehr das Profitinteresse des Privatkapitals ausschlaggebend ist, sondern Leitung und Wirtschaftsführung allein für die Gesellschaft und unter deren Mitwirkung erfolgt·. Die Sozialisierung sollte nur auf Monopolbetriebe von Gewicht zielen. Alle Schritte sollten unter den Vorbehalt «einheitlicher Richtlinien für das gesamte deutsche Wirtschaftsgebiet· gestellt werden. Die Privateigentümer sollten entschädigt werden. Berücksichtigt werden sollten auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die konjunkturdkn Rahmenbedingungen. leb werde die Leitsätze ... beantworten: Siehe das in vorliegendem Band abgedruckte Flugblatt ·Vorschläge zur Sozia1isierung· (S. 60-62); Faksimile im Anhang (S. 460). 45 an der Waldon£' Gemeint ist die Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik. 48 /darum/: Ergänzung durch die Herausgeberin. /ber/einkommen: Ergänzung durch die Herausgeberin. des Sozialbierungsprogrammes: Siehe die unten abgedruckten ·Vorschläge zur Sozialisierung· (S. 60-62); Faksimile im Anhang (S. 460). Zu Elsas siehe Hinweis oben zu S. 42.  49 Lenin: Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), genannt Lenin, russischer Revolutionär, Bolschewik (die Bolschewiki oder ·Mehrheitkr· waren eine radikale Fraktion der russischen Sozialdemokratie, die entgegen der Bezeichnung eigentlich zunächst in der Minderheit waren). Aus einer späteren Unterredung: Datierung unklar, vermutlich Februar 1919, nach dem letzten Zürcher Vortrag, das heißt nach dem 12. Februar. 50 Rainer bat ganz richtig ... beim Konsum begonnen: Julius Ritter von RainerHarbach (1874-1941), österreichischer Theosoph, 1911 im Vorstand der Deutschen Sektion, Schloss- und Miihknbesitzer, Hersteller eines Qualitätsbrores, des ·Rainer-Brotesm 52 ·Basler Vorwärts»: Zeitung der Sozialdemokratischen Partei in Basel, seit 1897. Recht - Salz ... Schwefel: Roman Boos bezieht sich auf die spätmittelalterlichen alchemistischen ·Tria Principia· Sal, Merkur, Sulfur. Rudolf Steiner fertigte eine Zeichnung dazu an (NZ 4995, veröffentlicht in: Hans Kühn: Dreigliederungszeit, Dornach 1978, S. 225. 53 den acbt Tage später uorgesebenen Studentenvortrag: Gemeint ist der Vortrag vom 25. Februar 1919 (in: Die Soziale Frage, GA 328); der Vortrag von Boos war demnach am 18. Februar 1919. Die Besprechung muss also zwischen dem 12. und dem 18. Februar 1919 stattgefunden haben. ln der ·Tbeosopbie· spreche ich von Leib, Seele und Geist: Siehe Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung [1904], GA 9, Kapitel ·Das Wesen des Mcnschcn·. Formulierung ·Der GeiSt in seinem Anders-Sein·: Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831), deutscher Philosoph. Hegel definiert die Natur als ·die Idee in der Form des Andersseins· (siehe: Enzyklopädie der Philosophischen Wissenschaften, Zweiter Teil: Die Naturphilosophie, Einleitung, Begriff der Natuh § 247). 54 Ehrenberg (Heidelberg) arbeitet an einer Kritik: Siehe Hinweis zu S. 31. Zum Aufruf ·An das deutsche Volk und an die Kulturwelt!. Februar 1919 Der am 2. Februar einer Delegation aus Stuttgart übergebene Aufruf wurde mit folgendem Begleitbrief versendet: ·Die Empfindung der unglücklichen Lage des deutschen Volkes drängt uns, das mitfolgende Schriftstück innerhalb des deutschen Gebietes zur Veröffentlichung zu bringen. Es enthält die Angaben über dasjenige, was den Aufbau im Innern und das Verhältnis zur außerdeutschen Welt nach unserer Überzeugung in eine heilsame Richtung bringen kann. Wir möchten zugleich, dass das in dem Aufruf Gesagte im weitesten Umfangs zur Kenntnis des Auslandes gebracht werde. Wir sind der Meinung, dass nur eine Stimme von dieser Art die außerdeutsche Welt zum Nachdenken bringen könne. Wir gestatten uns, Ihnen dieses Schriftstück zu unterbreiten mit der Bitte, Ihre Unterschrift für die Veröffentlichung darunter zu setzen, wenn Ihnen dies nach der Kenntnisnahme möglich ist. Wenn es gelänge, neunzig bis hundert Persönlichkeiten zu finden, die jetzt zu ihrem Volke und zum Ausland so sprechen wollteri, so wäre dies, nach unserer Überzeugung, einer von den Schritten, die der tragische Ernst der Zeit  fordert.» In der Schweiz erschien der Aufruf unter dem Titel ·An das Schwcizcrvolk». Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt dem Flugblatt vom Februar 1919 (RSA Standort-Nr. 142/2), derselbe Text wurde in zahlreichen Zeitungen ab 5. März 1919 veröffentlicht. Siehe auch das Faksimile im Anhang, S. 459. Auch enthalten in: Die Kernpunkte dersoziälen Frage [1919], GA 23 (als Anhang bzw. Kapitel V), S. 157-162, und Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage 1915-1921, GA 24, S. 428-434, dort eine spätere Fassung, in welcher ein Satz geändert wurde. Die Rechtschreibung wurde angepasst. Der Titel stammt von Rudolf Steiner. 58 f. Nicht ein Deutschland ... unmöglichen sozialen Gebilde gemacht bat: Dieser Satz hatte in einer später (nach dem Abschluss des Versailler Vertrages) veröffentlichten, sonst gleichlautenden Fassung des Aufrufs den Wortlaut: ·Nicht ein Deutschland, das nicht mehr da ist, müsste der Außenwelt gegenübertreten, sondern ein geistiges, politisches und wirtschaftliches System mit ihren eigenen Verwaltungen müssten daran arbeiten, wider ein mögliches Verhältnis zu denjenigen zu gewinnen, von denen das Deutschland niedergeworfen worden ist, das nicht erkannt hat, dass es im Gegensatz zu anderen Volksorganisationen als erste darauf angewiesen ist, seine Kraft durch die Dreigliederung des sozialen Organismus zu gewinnen·. Mit diesem Wortlaut ist der Aufruf in GA 24 abgedruckt; die erste Fassung findet sich in GA 23. 59 W: ü. Blume ... E. Mob ... C. Unger: Siehe Hinweise zu S. 23 und 25. Zum Flugblatt · Vorschläge zur Soziälkierung·, Februar 1919 Textgrundlage: Gedrucktes Flugblatt (siehe auch Faksimile im Anhang, S. 460). Dieser von Rudolf Steiner stammende Text ist mit verschiedenen Titeln überliefert. In Rudolf Steiners Manuskript lautete er ursprünglich ·Leitsätze·. Der gedruckte Text und das Manuskript (Original im Archiv am Goetheanum) differieren auch an weiteren Stellen, so wurde die römische Nummerierung der Zwischenüberschriften des Manuskripts im Flugblatt weggelassen; die Punkte 6 und 7 des Flugblatts haben im Manuskript die römischen Nummern III und IV. Die Zahl 3 ist darin meist ausgeschrieben (siehe auch untenstehende Hinweise). Das gedruckte Flugblatt erschien mit dem Titel «Vorschläge zur Sozialisierung·. Dann folgen die nicht von Rudolf Steiner stammenden Worte: ·Dr. Steiner hat für die Sozialisicrungsarbeitcn folgende Leitsätze aufgcstclk (als Entgegnung auf die Leitsätze einer Sozialisierungskommission)·. Abgedruckt ist es ohne diese einleitenden Worte in: Aufsätze über Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24 unter dem Titel ·Leitsätze für die Dreigliederungsarbeitm Erstmals veröffentlicht wurde es unter dem Titel ·Leitsätzc Rudolf Steiners» in Emil Leinhas: Aus derArbeit mit Rudolf Steinek Basel 1950. Der Text für das Flugblatt wurde gemäß Roman Boos von Rudolf Steiner Anfang Februar 1919 ihm und seinen Mitstreitern überreicht. 60 die Leitsätze einer SozidiSierungskommission: Siehe Hinweise zu S. 42. Produktion undAbsatzorganisation: In Rudolf Steiners Manuskript: ·Produktionsund Absatzorganisation·.  60 in dem dadurch entstehenden: In Rudolf Stcincrs Manuskript: ·in den dadurch entstehendem. ihre gemeinsamen Angelegenbeiten: In Rudolf Steiners Manuskript: ·ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten». 61 usw. ... Ausgabesteuern: ln Rudolf Steiners Manuskript: ·etc. ... Ausgabensteuern·. 61f. Bergbau ... Geldinstitute: ln Rudolf Steiners Manuskript sind alle Wirtschaftszweige duKhnummeriem es heißt bei ihm ·Strassenbahnen; alle Arten Wege· (ohne "und"), statt ·Branntwcin usw.» ·Brannrwcin CIC.m 62 Der Fniedensscbluss 7. Er ist so zu bewirken: In Rudolf Steincrs Manuskript: ·IV. Der Friedensschluss ist so zu bewirken» (ohne Titel). Zu den Auszügen aus dem Mitgliederuortrag uom 15. Febrmr 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt, gekürzt durch die Herausgeberin - Auslassungspunkte in eckigen Klammern -, dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Die soziale Frage als Bewusstseinsfrage, GA 189, 3. Aufi. Dornach 1980 (S. 11 f., S. 16-18, S. 21-23, 28-29), dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh (Vortragsregister-Nr. 3660), zugrunde liegt. Wiedergegeben sind hier nur die sich auf den ·Aufruf· beziehenden Ausführungen. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 63 Vorträgen, die ich in der letzten Zeit gehalten habe: Siehe zum Beispiel die Bände Entwkklungsgescbicbtlicbe Unterlagen zur Bildung eines sozialen Urteils, GA 185a und Die soziale Grundforderung unserer Zeit, GA 186. 64 Herr Molt, Herr Dt Boos, Herr Kühn: Siehe Hinweis zu S. 23 und die oben abgedruckten Besprechungen vom 25. und 27. Januar 1919. das scb'wergeprüfte deutsche Volk L..l Als nun: Es folgten einige weitere Ausführungen (GA 189, S. 12-16), die hier nicht wiedergegeben werden, dann fuhr Rudolf Steiner in seinem Bericht über die Dornacher Gespräche fort (GA 189, S. 16-18). jenen Aufrufan die Kulturwelt: Aufruf «An die Kulturwelt!» oder ·Manifest der 93· vom 4. Oktober 1914; im September 1914 von Ludwig Fulda als Schriftführer verfasst, von 93 Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern Deutschlands unterzeichnet und im Oktober 1914 veröffentlicht. Das Manifest war eine empörte Reaktion auf den Barbarci-Vorwurf vonseiten der Entcnrc-Mächte an das Deutsche Reich wegen Kriegsverbrechen und der Zerstörung von Kulturgütern beim Einmarsch in Belgien. 66 was helfen kann. /.../Mit diesem Aufrufe: Nach der Verlesung des Aufrufs (GA 189, S. 18-21), der in vorliegendem Band S. 55-59 wiedergegeben ist, fuhr Rudolf Steiner mit seinem Bericht über die Unterschriftensammlung für den ·Aufruf· fort (GA 189, S. 21f.). uübrendicb meine Zürcbek Basler und Bemer Vorträge hielt: Alle im Februar 1919. Die Zürcher Vorträge erschienen in Die soziale Frage, GA 328, 1. Auf). Dornach 1977, und zum Buch umgcarbcitet 1919 in Die Kempunkte der sozialen Frage, GA 24, 6. Aufi. Dornach 1976, die Basler mit den Berner Vorträgen im Band Die  großen Fragen der Zeit und die antbroposopbiscbe Gei$te$u7i$$en$cbaft, GA 336, I. Aufi. Basel 2019. 66 Hen" Stein bat die Aufgabe für Östemicb übernommen: Walter Johannes Stein (1891-1957), später Lehrer an der Waldorfschule. 67 an das Verständnis einer solchen Sache zu machen. /.../ Hier in der Schweiz: Es folgten weitere Ausführungen (GA 189, S. 23f.), die hier nicht wiedergegeben werden, dann fuhr Rudolf Steiner in seinem Bericht fort (GA 189, S. 24-27). 68 man habe als Schweizer doch nicht die Möglichkeit: Es handelt sich wohl um eine Aussage von Professor Emil Biirgi (1872-1947), die dieser in einem als Abschrift vorliegenden Brief vom 8. Februar 1919 an Walther Kühne (Beilage des Briefes vom 8. Februar 1919 an Rudolf Steiner) machte (RSA Standort-Nr. 082/2). ein Vademeacm: Hier wohl im Sinne von ·Zusammensrdlung», sonst: Taschenbuch, Leitfaden, Ratgeber. Aus dem Lateinischen, wörtliche Bedeutung: ·Geh mir mir·. 69 seine Reichsgründung in die Zeit ... hineingefallen ist: Das Deutsche Kaiserreich verdankte seine Entstehung der mittels Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich vom Königreich Preußen gewaltsam durchgesetzten Deutschen Einigung von 1871. Die neu entstandene Großmacht basierte auf militärischwirtschaftlicher Überlegenheit. Eine demokratische Einigung der zersplitterten deutschen Länder unter Preußens Führung durch die Revolutionäre von 1848 war durch Preußen abgelehnt worden, da man die Krone nicht aus Öürgerlicher Hand· empfangen wolke. Vergleiche auch die Äußerungen Rudolf Steincrs am 8. Januar 1921 (in diesem Band, S. 342f.). die Allerudtspersönlicbkeit Wilson: Siehe Hinweis zu S. 29. der Bemer Sozialdemokratie ... des sozialistischen Kongresses: Erster internationaler sozialistischer Kongress seit dem Ende des Ersten Weltkrieges, vom 3. bis zum 10. Februar 1919 in Bern; parallel dazu hick Rudolf Steiner zwei Vorträge im Berner Großratssaal, am 6. und 7. Februar 1919 (siehe: Die großen Fragen der Zeit und die antbroposopbiscbe Geisteswissenscbaß, GA 336). 70 und der Ungeistigkeit zu verfallen. I...] Unser Freund: Es folgten weitere Ausführungen (GA 189, S. 27f.), die hier nicht wiedergegeben werden, dann kam Rudolf Steiner wieder auf den Aufruf zu sprechen (GA 189, S. 28f.). ein für diesen Abendja außerordentlich befriedigendes. 1../: Die darauf folgenden Schlussworte des Vortrags (GA 189, S. 29) werden hier nicht wiedergegeben. Zu den Worten vor dem Mitgliederuortrag uom 16. Februar 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh (Vortragsregister-Nr. 3661A I; Einlage auf zwei losen Blättern), Stenogramm vorliegend (Stcnogrammrcgistcr-Nr. F 160). Der auf diese Worte folgende Vortrag ist in Die soziale Frage als Bewusstseinsfrage, GA 189 erschienen. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 71 Roman Boos: Siehe Hinweis zu S. 23. hinsichtlich dieses Mufrufes·: Der oben abgedruckte Aufruf «An das deutsche Volk und an die Kulturweltb bildet zusammen mit den öffentlichen Vorträgen in  Zürich, Bern und Basel und Wintcrthur den Anfang des öffentlichen Wirkens für die Dreigliederung. 71 der gestem uon Herrn Doktor verlesen worden Bt: Rudolf Steiner hatte den Aufruf erstmals am 15. Februar 1919 mündlich in Dornach einem anthroposophischen Publikum zur Kenntnis gebracht. Der betreffende Vortrag (Auszüge in vorliegendem Band S. 63-70) ist in Die soziale Frage als Bewusstseinsfrage, GA 189 abgedruckt. Davor hatte er am 12. Februar 1919 im letzten öffentlichen Dreigliederungsvortrag in Zürich (in: Die soziale Frage, GA 328) schon auf den Aufruf aufmerksam gemacht. bei Herrn L.: Auch im Stenogramm ist der Name abgekürzt. MÖglicherweise ist Emil Leinhas gemeint (1878-1967), Kaufmann, Schriftsteller, Herausgeber von Vortragsdrucken Rudolf Steiners, Mitgründer und später Generaldirektor der Aktiengesellschaft ·Der Kommende Tag AG· Stuttgart. Er war ein Vetter des bereits erwähnten Hans Kühn. dass man den Aufrufin der Zeitung lesen kann: Erstpublikation als Flugblatt, dann in den Waldor/nacbhcbten, Nr. 4 vom 15. Februar 1919 (Datierung auf dem Heft, tatsächliches Erscheinungsdatum später), S. 81-84; ab 5. März 1919 in vielen Tageszeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Siehe auch das Faksimile im Anhang. schon so ergeben ... dass schon gewisse: Änderungen nach Stenogramm, statt ·schon zum Beispiel so ergeben, dass gewisse» in der maschinenschriftlichen Übertragung (das Stenogramm wurde nicht von Helene Finckh, sondern nachträglich übertragen); die Zeichen für ·schom und «zum Beispiel» können verwechselt werden. Zur Ansprache uom 19. April 1919 Textgmndlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh (Vortragsregister-Nr. 3700 IV), Stenogramm vorliegend (Stcnogrammregister-Nr. F 171). Der Titel stammt von der Herausgeberin; die Mitschrift trägt den Titel ·Abschiedsworte·. ErstverÖffentlichung: ·d4achrichtenblatt· Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgebt, Nr. 9, 28. Februar 1943, S. 33-35. Auch mit Einleitung und ausführlichen Kommentaren herausgegeben von Alexander Lüsch« in: Motiue. Beiträge zu einem freien Verständnis der antbroposophiscben Bestrebungen, Nr. 1, November 2017, S. 97-119. 73 Schrift über die soziale Frage: Gemeint ist das Buch Die Kernpunkte der sozialen Frage, heute GA 23. Es handelt sich um die schriftliche Ausarbeitung der vier öffentlichen Vorträge über die soziale Frage, die Rudolf Steiner vom 3. bis 12. Februar 1919 in Zürich gehalten hatte. Die Vorträge sind heute im Band Die soziale Frage, GA 328 veröffentlicht. 76 jenem Aufruß Siehe Hinweis zu S. 64. den soziälen Vortrag, den ich biergebalten habe: Gemeint ist der öffentliche Vortrag vom 4. April 1919 im Goetheanum, zu welchem die Vorstände der Sozialdemokratischen Parteien von Arlesheim, Dornach und Miinchenstein eingeladen hatten, Erstveröffentlichung in: Die großen Fragen der Zeit, GA 336, 1. Aufi. Basel 2019.  78 Es bandelt sich wirklich nicht/dammh wie ich schon das letzte Malsagte: Im Vortrag vom 14. April 1990, in: Die geistigen Hintergründe der sozialen Frage, GA 190; ·darum·: Ergänzung durch die Herausgeberin. ein Bücbelcben ... Geisteskrankheit eines bestimmten Menschen: Gemeint ist wohl die kleine Schrift des Psychiaters Paul Tesdorpf: Die Krankheit Wilhelms ll, München 1918. Erst nach dieser Ansprache erschien eine ähnliche Schrift des Beamten Hermann Lutz: Wilhelm II. periodisch geisteskrank! Ein Charakterbild des wahren Kalsen, Leipzig 1919. 79 /wovüber/ tagtäglich die Zeitungen redeten: ·woriiber·: Ergänzung durch die Herausgeberin. Irgendwie [wurden] ein paar Leute oben ersetzt: ·wurden·: Ergänzung durch die Herausgeberin. ·Allerbaltek Allümfus« fasst und erhält er nicht dich, mich, sich selbstk: Aus Faust I von Johann Wolfgang von Goethe, Verse 3438-3441. 80 das Hegelsche Wort: Georg W. F. Hegel: Enzyklopädie derpbibsopbiscben Wissenschaften, 2. Teil, ·Die Naturphilosophie·, Erste Abteilung, A, ·Die Mechanik·, b, ·Die Zeit·, § 258, Schluss (in der Ausgabe von 1847: Band 7a, Berlin 1847, S. 54): ·Nur das Natürliche ist darum der Zeit untenan, insofern es endlich ist; das Wahre dagegen, die Idee, der Geist, ist ewig. - Der Begriff der Ewigkeit muss aber nicht negativ so gefasst werden als die Abstraktion von der Zeit, dass sie außerhalb derselben gleichsam existiere; ohnehin nicht in dem Sinn, als ob die Ewigkeit nach der Zeit komme; so würde die Ewigkeit zur Zukunft einem Momente der ZciL gemachtm Zur Ansprache uom 22. April 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3702 II), Stenogramm nicht vorliegend, die auch die Besprechung vom 24. April 1919 (in vorliegendem Band, S. 90-97) enthält. Der am 22. April 1919 gehaltene Öffentliche Vortrag für die Unterzeichner des Aufrufs ist im Band Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330, abgedruckt. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 81 bei dem Aufruf: Siehe S. 55-59 im vorliegenden Band und Hinweise dazu. im Flugblatt ·VorscbLäge zur Sozialisierung·: Abgedruckt in vorliegendem Band, siehe S. 60-62 und Hinweis dazu. Herr von Rainer: Julius Ritter von Raincr-Harbach (siehe Hinweis zu S. 50); cr fasste sein Brot als ein Wesen auf; so ist von ihm der Ausspruch überliefert, als es um eine Preissenkung für das Brot ging, das an die Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft verkauft wurde: «Ich musste das Brot fragen, ob es sich so verkaufen lassen will. Es hat mir gesagt, das ist ein wunder Punk¢ das passt dem Brot nichq davon will das Brot auch nichts wissen; mÖglichst niedrige Preise passt dem Brot auch nicht.· Siehe die Dokumentation zur Gründung der sogenannten Ceres-Handelsgesellschaft, einer An Konsumverein für Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, in: Alexander Lüscher: Materialien zur Gründung  der Anthroposophischen Gesellschaft 1912/1>, in: Archiumagazin, Nr. 1 (2012), S. 84-90. 82 mit der Broschüre: Gemeint sind die Kempunkte der sozialen Frage, GA 24. 84 Lenin muss Weltherrscher werden: Äußerung eines Diskussionsteilnehmers im Basler Vortrag vom 9. April 1919 (Votum nicht festgehalten, Vortrag in: Die Befreiung des Menschenwesens als Grundlage für eine soziale Neugestaltung, GA 329). Zu Lenin siehe Hinweis zu S. 49. Hummel: Der Vorname des Betreffenden ist nicht sicher. Ein Ingenieur M. Hummel unterschrieb den Kulturratsaufruf, der vielleicht identisch ist mit dem Architekten Max Hummel (1875-1939). aus dem besetzten Gebiet: Zu der Zeit war das Rheinland von Entente-Truppen besetzt. Widerstände gab es auch in der welschen Schweiz: In der französischsprachigen Schweiz sympathisierte man im Ersten Weltkrieg eher mit Frankreich und konnte sich wohl daher nicht für die Anliegen eines Aufrufs an «das deutsche Volk und an die Kulturwelt» erwärmen. von der Zimmermann'scben Politik ... der bevüchtigte BniefZimmermanns: Arthur Zimmermann (1864-1940), bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs Unterstaatssekretär des deutschen Auswärtigen Amtes. Er schickte im Januar 1917 ein verschlüsseltes Telegramm, die ·Zimmermann-Dcpesche», an den deutschen Gesandten in Mexiko, in dem es um ein Bündnis von Mexiko und Deutschland ging, falls die USA in den Krieg einträten. Das Telegramm wurde von den Briten entschlüsselt und trug in der Folge zum Kriegseintritt der USA bei. Herr Collison: Harry Collison (1868-1945) prägte die anthroposophische Arbeit und den Aufbau der Anthroposophischen Gesellschaft in Großbritannien entscheidend. Das Buch ... in England gedruckt: Gemeint sind wiederum die Kernpunkte. 85 Ludwig Polzer und WalterJohannes Stein: Graf Ludwig von Polzer-Hoditz (18691945), Offizier, Gutsbesitzec Walter Johannes Stein (1891-1957), später Lehrer an der Waldorfschule; beide waren Mitarbeiter Rudolf Stcincrs und Träger der Drcigliedcrungsarbcit in Österreich. die Karte ... nach den englischen Absichten: Siehe die während des Ersten Weltkriegs gehaltenen Vorträge ZeitgescbiCbtlicbe Betracbtungen, GA 173a-c, besonders Vortrag vom 14. Januar 1917 in GA 173C und die gezeichneten Karten dazu. Wilson: Siehe Hinweis zu S. 29. Herr Vett: Carl Yeti (1871-1956), dänischer Unternehmer, Anthroposoph, übersetzte die Kernpunkte ins Dänische. 86 ln Russland wäre vor Brest-Litowsk die Sache verstanden worden: Gemeint ist der in Brcst-Litowsk ausgehandelte Separatfrieden des Deutschen Reichs mit Sowjetrussland vom 3. März 1918, in welchem der deutsche Unterhändler Richard Kühlmann, der mit den Gedanken des ·Aufrufs» vertraut war, statt in dessen Sinne zu verhandeln, einen Diktatfrieden erzwang. Trotzki: Siehe Hinweis zu S. 37.  87 Hermann Heider: Hermann Hcislcr (1876-1962), cvangclischcr Pfarrer, später Mitbegründer der Christengemeinschaft. ·Besitz muss aufhören ...»; Wohl sinngemäßes Zitat aus den Kernpunkten, dort wörtlich (Kapitel III: ·Kapitalismus und soziale Ideen», in GA 23, 6. Aufi., Dornach 1976, S. 125f.): ·Das Eigentum hört auf, dasjenige zu sein, was es bisher gewesen ist. Und es wird nicht zurückgeführt zu einer überwundenen Form, wie sie das Gemeineigentum darstellen würde, sondern es wird fortgeführt zu etwas völlig Neuem. Die Gegenstände des Eigentums werden in den Fluss des sozialen Lebens gebracht.» ln den Kernpunkten wird die Bodenfrage nur gestreift, siehe auch früher im selben Kapitel, S. 115: ·Einc Regelung dieser An wird in Betracht kommen bei Kapitalmassen von einer bestimmten HÖhe an, die von einer Person oder einer Personengruppe durch Produktionsmittel (zu denen auch Grund und Boden gehören) erworben werden, und die nicht auf der Grundlage der ursprünglich für die Betätigung der individuclkn Fähigkcitcn gemachten Ansprüche persönliches Eigentum wcrden.· Vgl. auch Vortrag vom 13. Mai 1919, in: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330, Dornach 1983, S. 180. Etwa ein Jahr später kommt die Bodenfrage etwas ausführlicher zur Sprache: Im 2. Studienabend, Stuttgart, 3. März 1920, in: Soziäle Ideen - Soziale Wirklichkeit - Soziale Praxis, GA 337a, S. 147-149, und 4. Studienabcnd, Stuttgart, 16. Juni 1920, der ganz der Bodenfrage gewidmet ist. Gründlich wird die Bodenfrage schließlich 1922 im Nationalökonomischen Kurs, GA 340 behandelt. Emil Leinbas: Siehe Hinweis zu S. 71. vom Hauptquartier: Vom Großen Hauptquartier, also der deutschen Regierung während der Kriegszeit. 88 Alfred Meebold: Alfred Meebold (1863-1952), Unternehmer, Schriftsteller, später Mitbegründer des ·Kommenden Tages·. Scheler ... NN: Über diese Teilnehmer ist nichts weiter bekannt. 89 Max Benzingen' Max Benzinger (1877-1949), Schlosser, Mitglied des Arbeiterkomitees des Dreigliederungsbundes; damals in der Waldorf-Astoria tätig; er hatte 1913 den doppelten Kupfer-Dodekaeder für den Grundstein des Ersten Goetheanums angefertigt. Durch seinen posthum veröffentlichten Bericht über die Grundsteinlegung ist er in anthroposophischen Kreisen bekannt geworden (dieser ist nach dem Manuskript wiederabgedruckt in: Arcbiumagazin Nr. 2, Dezember 1913, S. 43-57). Zur zweiten Komiteesitzung uom 24. April 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsrcgister-Nr. 3702 II), Stenogramm nicht vorliegend, die auch die Besprechung vom 22. April 1919 (in vorliegendem Band, S. 81-89) enthält. 90 Frau Architekt Weisshaar: Über sie ist nichts weiter bekannt. Ludwig Polzer Siehe Hinweis zu S. 85. 91 Alfred Reebstein: Alfred Reebstein (1882-1974), Bauingenieur.  91 Emil Leinbas: Siehe Hinweis zu S. 71. Schuedes: Eventuell identisch mit Hans Ludwig Schwedes (1895-1965), Lehrer. Karl Stockmeyer: Ernst August Karl Stockmcyer (1886-1963), Lehrer, später Mitbegründer der ersten Waldorfschule. Ludendcyff: Siehe Hinweis zu S. 31. Carl Unger: Siehe Hinweise zu S. 23 und 25. 92 leb sagte schon zu Kühlmann: Staatssekretär im Auswärtigen Amt Richard von Kühlmann (1873-1948) war eine der Persönlichkeiten, die angesprochen wurden, um der Dreigliederung zum Durchbruch zu verhelfen. der Krieg sei ein ·Saukrieg·: Als ·Schweinekrieg· wird der Zollkrieg zwischen Österreich-Ungam und Serbien bezeichnet (1906-1908), in dem es um die Grenzsperrung für Agrarimporte aus Serbien ging. Serbien wurde, nachdem seine Landwirtschaft fast in den Ruin getrieben worden war, in der Folge wirtschaftlich unabhängiger von der Donaumonarchie, da es seine Handdsbczichungcn neu ausrichten musste. Der verstärkte Drang nach einem Mecrzugang verstärkte die Konflikte in der Region. die Nationalitätenfrage ... Scblesien: Zur Kampagne für die Drciglicdcrung als LÖsungskonzept für Nationalitätcnfragcn in Oberschlesien 1921 siehe auch den Schulungskurs für Oberschlesier in: Wie wirkt man für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 338, 5. Aufi. Basel 2019, und Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft 93/94 (1986): ·Polnisch oder Deutsch? Ein Schulbeispiel für die Notwendigkeit der Dreigliederung·. Von 1925 bis 1941 bestand in Estland eine dem ·freien Geistesleben· der Dreigliederung ähnelnde Einrichtung in der verfassungsrechtlich festgelegten Kulturautonomie für die nationalen Minderheiten ohne geschlossenes Siedlungsgebiet, die von der jüdischen und der deutschen Minderheit Estlands in Anspruch genommen wurde. 93 mit dem Dualismus Österreich-Ungam: Gemeint ist der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867, durch den die ungarische Reichshälfte faktisch eigenständig wurde. Rudolf Steiner spielt auf die dort vorangetriebene Magyarisierung an, die cr als Kind miterlebt haue (vgl. Martina Maria Sam: RudolfSteiner, Kindheit und Jugend, Dornach 2018, S. 151 f.). Harriet von Vacano: Baronin Harriet von Vacano (Pseudonym: Harry Köhler, 1862-1949), Schriftstellerin, Übersetzerin der Werke Wladimir solowjows. die ·Farce uon Weimar»: Möglicherweise von Oswald Spengler stammender Ausdruck, siehe: Preußentum und Sozialismus, Kapitel ·Die Revolution·, Abschnitt 6, München 1919. Lenin und Trotzki: Siehe Hinweise zu S. 49 und 37. das Beispieluon Solf: Gemeint ist wohl Wilhelm Solf (1862-1936), Kolonialminister unter Ülhelm II, wurde unter Prinz Max von Baden Staatssekretär des Äußern, bis Dezember 1918 (also Außenminister). Hermann Heider: Siehe Hinweis zu S. 87. 94 Minister Gautscb: Paul Freiherr Gautsch von Frankenthurn (1851-1918), österreichischer Bildungsminister im Kabinett Taaffe. Siehe auch Rudolf Srcincrs Artikel  ·Das deutsche Unterrichtswesen (in Österreich) und Herr von Gautsch· [1888], in: Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte, GA 31. 94 Tbun: Leopold Graf von Thun und Hohenstein (1811-1888), österreichischer Bildungsminister von 1849-1860, reformierte das österreichische Bildungswesen. zu Neurasthenikern machen: Neurasthenie bedeutet Nervenschwäche, reizbare Schwäche, nervöse Erschöpfung. Heute kaum mehr gestellte Diagnose, da inzwischen andere Krankheitsbilder beschrieben wurden, welche die Symptome der Neurasthenie umfassen. der siebengliCdnige Arbeitsausschuss: In der Versammlung der Unterzeichner des ·Aufrufes» am 22. April 1919 wurde ein Arbeitsausschuss gegründet, der als Leitungsorgan für den eben gegründeten Bundfür Dreigliederung des sozialen Organismus verantwortlich war. Dem Arbeitsausschuss gehörten an: die ursprünglichen Mitglieder des Komitees, Wilhelm von Blume, Emil Molt, Carl Unger sowie als weitere Mitglieder Theodor Binder, Hans Kühn, Emil Leinhas sowie Max Benzinger als Vertreter der Arbeiterschaft. Um die Anliegen der Dreigliederungsidee stärker in der Arbeiterschaft zu verankern, bildete sich Ende April 1919 als Ergänzung zum ·Arbeitsausschuss» des Bundes ein ·Arbeiterkomitee·, bestehend aus den Genossen Max Benzingcr, Siegfried Dorfncr, Gottlieb Gönncnwein, Karl Hammer, Philipp Hiittelmeyer, Georg Lohrmann, Hans Mössd. Ende Mai wurden die Mitglieder des Arbeiterkomitees in den Arbeitsausschuss aufgenommen. Unter dem wachsenden Druck der Arbeiterparteien verzichteten die meisten ArbeiterMitglieder im Verlauf der Monate Juni bis August auf eine weitere Mitarbeit im Arbeitsausschuss. Die Geschäfte des Bundes wurden zunächst im Auftrag des Arbeitsausschusses von Hans Kühn (siehe Hinweis zu S. 23) besorgt; bis er ab August 1920 durch Walter Kühne ersetzt wurde. Seinen Sitz hatte der Bund für Dreigliederung in der Champignystraße 17 (heute Heinrich-Baumann-Straße). Scbder: Über diesen Teilnehmer ist nichts weiter bekannt. 95 Clonnann: Über diesen Teilnehmer ist nichts weiter bekannt. nach dem öffentlichen Vortrag in BaseL· Vortrag vom 2. oder 9. April 1919, beide in Die Befreiung des Menschenwesens als Grundläge für eine soziale Neugestaltun& GA 329. Der Brief des Eisenbahnarbeitervcrcins ist abgedruckt in: Archivmagazin, Nl 9, Dezember 2019, S. 83f. 96 Max Benzingen Siehe Hinweis zu S. 89. die Dornacher Nouemberuorträge: Die während der Novemberrevolution 1918 gehaltenen Vorträge Rudolf Steiners. Heute in: Entwicklungsgeschkbth"cbe UnterLagen zur Bildung eines sozialen Uneils, GA 185a. Zum Flugblatt «Der Weg des ·Dreigliedrigen sozialen Organismu»· Frübjabr/Sommer 1919 Textgrundlagen: Flugblatt Nr. 8 von 1919 (Standort-Nr. 142/2). Das Flugblatt existiert in zwei Fassungen. Hier wird aus Gründen der Historizität nicht die Fassung letzter Hand, sondern die ursprüngliche vom Frühjahr 1919 wiedergegeben. Eine spätere Fassung, die erst nach dem Scheitern der Betriebsrätebcwegung entstanden ist, wurde nach handschriftlichen Korrekturen Rudolf Steiners geändert (das Korrekturexemplar ist  erhalten). Siehe auch nachfolgende Hinweise und die Faksimile im Anhang des vorliegenden Bandes (S. 462f.). Der Text ist auch in Aufsätze zur DreigliCdemng des sozialen Organismus, GA 24 abgedruckt (S. 437-440). 98 als ungerecht empfundenen Klassengegensätze ... auf Klassengegensätzen: In der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·als ungerecht empfundenen Gegensätze ... auf Gegensätzen·. Mag unter ·Soziali$ierung» ... dass durch die ·Sozülisierung»; ln der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·Mag unter den neuen sozialen Verhältnissen ... durch die soziale Wandlung·. durcb die Macht ihnen gebtig, recbtlicb oder wirtscbafth"cb übergeordneter Klassen: In der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·durch die Macht ihnen geistig, rechtlich oder wirtschaftlich fremder Mächtc·. Klassenkämpfe können nur mit dem Aufhören der geistigen, recbtlicben und wirtscbaftlicben Klassengegensätze selbst 'uerscbuhnden: In der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·Partcicn- und Klassenkämpfe können nur mit dem Aufhören der einander widerstrebenden geistigen, rechtlichen und wirtschaftlichen Kräfte selbst verschwindcm. 99 dergegenuürtigenpriuatkapitalistiscben Besitz- und Zwangsarbeitmerhä"ltnisse uor allem ein solches allgemeines Menschenrecht zu erreichen, das den Arbeiterals völlig freie Persönlichkeit dem Arbeitleitek der nur noch geistiger Arbeiter ist, gegenüberstellt: In der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·dcr gegenwärtigen auf Besitz-, Klassen- und andere Verhältnisse gebauten <Rcchtc· vor allem ein solches allgemeines Menschenrecht zu erreichen, das jeden Menschen als völlig freie Persönlichkeit dem ändern gegeniiberstellt·. die uöllige Sozialisierung des Winscbaftslebens: In der zweiten Auflage des Flugblattes von Rudolf Steiner geändert in ·ein auf wahres soziales Zusammenarbeiten eingestelltes Wirtschaftskben·. sondem nur, um zu konsumiCren: In der zweiten Auflage des Flugblattes nach ·um· von Rudolf Steiner eingefügt ·in Gemäßheit der allgemeinen sozialen Vcrhähnisse·. bloßer Kapitaluerwenung: In der zweiten Auflage des Flugblattes nach ·bloßer» von Rudolf Steiner eingefügt ·Geld- oderm Zum Auszug aus den Erinnerungen uon Emil Leinbas Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt dem Buch von Emil Leinhas: Aus der Arbeit mit Rudol/'Steinek Basel 1950, S. 56-58. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 101 Professor von Blume: Siehe Hinweis zu S. 23. Roben Wilbrandt: Der Ökonom Robert Wilbrandt (1875-1954) war mit Wilhelm von Blume befreundet. mit Dr. Unger: Siehe Hinweise zu S. 23 und 25.  102 eines bocbbedbctsamen Vortrages ... in Tübingen: Am 2. Juni 1919, Zcitungsrcfcrat und Auszug in: Die großen Fragen der Zeit, GA 336, S. 243-253, Dokumentation der Debatte in den Zeitungen in: Arcbiumagazin, Nr. 9, Dezember 2019, S. 90-100. Zum Frageabend, 30. Mai 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) dem bereits vorliegenden Abdruck im Band: Soziale Ideen - soziale Wirklichkeit - soziale Praxis, GA 337a, Dornach 1. Aufi. 1999, S. 94-97, dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3737), Stenogramm nicht vorliegend, zugrunde liegt. Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeber von GA 337a. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Kursiver referierender Text in eckigen Klammern stammt von der Herausgeberin. 103 Betriebsrätescbaft: Der Dreigliederungsbund versuchte 1919 den wirtschaftlichen Aspekt der Dreigliederung durch die Schaffung einer Betriebsrätcschaft im Sinne der Dreigliederung zu verwirklichen. Die Verbindung der Dreigliederungsbewegung zur Betriebsrätebewegung ist im Band Betriebsräte und Sozialisierung, GA 331 dokumentiert. Siehe auch Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft 103, Michaeli 1989: ·Alk Macht den Räten? Rudolf Steiner und die Betriebsrätebewegung 1919». 105 unter anderem gestem in einer Sitzung: Am 29. Mai 1919, am Himmelfahrtsta& fand die erste Versammlung des Dreigliederungsbundes zur Begründung eines Kulturrates statt. Der Verlauf dieser Versammlung wurde schriftlich nicht festgehalten; allerdings gibt es ein paar Notizen von Rudolf Steiner dazu (NB 226). Im Rundbrief Nr. 5 des Dreigliederungsbundes berichtete Hans Kühn: ·Am Himmelfahrtstage ist ferner von einem Kreise von Mitarbeitern der Grundstock gelegt worden zur Schaffung von Kulturräten, die nun möglichst stark ausgebaut werden sollen. [...I Es wird notwendig sein, so bald wie möglich eine Plenarsitzung aller dieser für Kulturräte cinrrctcndcn Pcrsönlichkcitcn zusammenzurufen und aus der Versammlung heraus eine vorbereitende, feste Organisation zu schaffen, die mit den bestehenden Verhältnissen durchaus vertraut ist.» In der Folge fanden dann fünf weitere Versammlungen statt (am 7. Juni 1919, 21. Juni 1919, 10. Juli 1919, 25. Juli 1919, 25. September 1919), und es wurde mehrmals ein entsprechender Aufruf veröffentlicht sowie Unterschriften dafür gesammelt. Aber der Aufruf fand keinen genügenden Widerhall in der Öffentlichkeit. Trotzdem schritt man am 27. September 1919 zu einer An Vorgriindung des Kulturrates. Aber weil kein Rückhalt in den entsprechenden kulturellen Institutionen bestand, führte diese Gründung nicht weiter und versandete. Daran änderten auch Wiederbelebungsversuche im folgenden Jahr nichts. Am I. Oktober 1920 sagte Rudolf Steiner rückblickend zu seinen studentischen Zuhörern in Dornach (in GA 217a): ·Es wird Ihnen ja vielleicht bekannt sein, dass dieser ganze Kulturrats-Aufruf mit all seinen guten Intentionen einfach Makulatur blieb, dass sich eigentlich im Grunde genommen niemand gefunden hat, der für ein freies Geistesleben aus dem Kreise der geistigen Arbeiter hat eintreten wollcn.· 107 was ich mit Bezug aufdiese Fragen zu sagen habe: Nach den Ausführungen Rudolf Steiners rief Carl Unger die Anwesenden auf, die Adressen von Persönlichkeiten zu nennen, die sich für einen Kulturrat einsetzen könnten.  Zu den FlugbLättem zum Kdtmratsaufncf Mai ljuni 1919 Textgrundlagen: Flugblätter. Der Text des Aufrufs wurde nicht von Rudolf Steiner verfasst. Das Datum der zweiten Fassung lässt sich nicht genau bestimmen. Die erste Fassung wurde auch in Hermann Hcislers Zcitungsbesprechung des Tübinger Vortrags vom 2. Juni 1919 veröffentlicht (heute in: Rudolf Steiner Die großen Fragen der Zeit, GA 336, 1. Aufi. Basel 2019, S. 252f.). Ursprünglich stammt der Wortlaut wohl von Carl Unger. Er erfuhr mehrere Umarbeitungen durch Emil Leinhas, Hans Kühn und andere. Zur Ansprache uom 7. Juni 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3745 II), Stenogramm nicht vorliegend. Das Protokoll der Versammlung umfasst nur die Äußerungen von Rudolf Steiner. Über die Ausführungen der übrigen Diskussionsteilnehmer gibt es keine Aufzeichnungen (außer Notizen Rudolf Steiners in NB 277).Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Hcrausgcbcrin. Erstveröffentlichung in: Mitteilungsblatt des Bundes für Dreigliederung des sozialen Organismus, Nr. 2/3, Mitte August 1919, S. 50-55. 111 Propagierung der Betniebsräte-ldee: Siehe Hinweis zu S. 103. 114 Als ich dort ... gesprochen hatte: Wohl im öffentlichen Vortrag vom 4. April 1919, siehe Die großen Fragen der Zeit und die anthroposophische Geüt-Erkenntnis, GA 336. 115 das scheußliche Berecbtigungswesen: Gemeint ist die Hoheit des Staates über die Schulabschlüsse und -prüfungen und dic daraus erwachsenden Zugangsbcrcchtigungcn zu weiteren Ausbildungen. an sie zurück/hufen/: In der Textgrundlage wohl irrtümlich ·zuriickflauen»; Änderung durch die Herausgeberin. 116 in den nächsten Tagen: Siehe auch die Auszüge aus dem Vortrag vom 9. Juni 1919. Zu den Auszügen aus dem Mitgliederuonrag 9. Juni 1919 Da es von der Kulturratsversammlung vom 9. Juni 1919 kein Protokoll gibt, sondern nur einige von Rudolf Steiner in einem Notizbuch (NB 277) festgehaltene Stichworte, sind hier Ausführungen Rudolf Stcincrs aus dem Mitgliedcrvortrag, der nach einer Pause nach der Versammlung zur Begründung eines Kulturrats gehalten wurde, wiedergegeben. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt, gekürzt durch die Herausgeberin - Auslassungspunkte in eckigen Klammern -, dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Geßteswissenscbaftlicbe Bebandlung sozMler undpädagogiscber Fragen, GA 192, 2. Aufi. Dornach 1991, S. 165 und 182 f., dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift von unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3660) zugrunde liegt. Der Titel stammt von der Herausgeberin.  118 Ich habe gestem versucht: Im Pfingstvortrag vom 8. Juni 1919 haue Rudolf Steiner zu den Mitgliedern unter anderem gesagt (in: Gebteswissenscbaftlicbe Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen, GA 192, 2. Aufi. Dornach 1991, S. 148 und S. 162): ·Heute müssen wir aus unseren Seelen austreiben durch die früheste Erziehung, durch die früheste Schule schon, und bis hinauf zu den höchsten Stufen müssen wir es aus den Menschen auszutreiben lernen, was Sokrates und Plato austreiben wollten aus dem Griechentum dadurch, dass sie diesem Griechentum sagten: Bewahr« euch vor Illusionen! Der Geist hat Realität.· - ·Heute ist es dringend notwendig, dass sich einzelne Menschen nicht betören lassen dahingehend, dass sic sagen: Wir sozialisieren das äußere Wirtschaftsleben, aber die Schule, insbesondere die Mittel- und Hochschule, tasten wir nicht an, die muss bleiben. - Das ist das Allerschlimmste, wenn gerade die bleibt, denn es wird das, was sie bis jetzt angerichtet hat, in der Zukunft nicht nur weiter angerichtet, sondern sie wird es in einem noch schlimmeren Sinne anrichten. Sozialisieren Sie wirtschaftlich, und lassen Sie dieses Geistesleben, dann haben Sie in kurzer Zeit aus Ihrcm heutigen Scheinsozialisieren eine viel schlimmere Tyrannis und viel schlimmere Lebensverhältnisse, als sie nur irgendwie in die Gegenwart hinein sich entwickelt haben.· (Geisteswissenscbaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen, GA 192, S. 162 und 163). Am gleichen Tag wurden die Beratungen zur Begründung eines Kulturrats fortgesetzt. die inhaltsleer geworden sind. /.../ Heute gebt es nicbt mehr: Es folgen geisteswissenschaftliche Ausführungen, die hier nicht wiedergegeben werden (GA 192, S. 165-182). Am Schluss des Vortrags (GA 192, S. 182f.) kommt Rudolf Steiner wider auf die Hintergründe des Kulturratsimpulscs und die Aufgaben der Anthroposophie zurück. Zur Anspracbe uom 21. Juni 1919 Textgmndlägen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3757 II), Stenogramm nicht vorliegend. Es gibt nicht nur ein ausführliches Protokoll dieser Versammlung, sondern auch einige von Rudolf Steiner in seinem Notizbuch festgehaltene Stichworte (NB 88). Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Die Kürzungen sind durch kursiv gesetzten Text in eckigen Klammern kenntlich gemacht. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 120 uor Angehörigen derjüngeren Lehrerschaft vorgestern meine Anschauungen auseinandergesetzt: Am 19. Juni 1919 hielt Rudolf Steiner einen Vortrag für den Verein jüngerer Lehrerinnen und Lehrer: ·Die Aufgaben der Schulen und der dreigliedrige soziale Organismus·, heute in: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330. 123 wie ich es uorgestem ausgefübrt babe: Siehe obigen Hinweis zu S. 120. 126 ·Das Ganze der Philosophie und ihr Ende·: Richard Wahle (1857-1935): Das Ganze der Pbilosopbie und ihr Ende, Leipzig 1894. Rudolf Steiner schätzte Wahle als geistvollen Denker. Er besaß mehrere seiner Werke, darunter das erwähnte Buch (Sign. RSB P 1089), und schrieb zwei Aufsätze über ihn (·Dr. Richard Wahle Gehirn und Bewusstsein», in: Methodische Gmndkgen derAntbroposopbie, GA 30; ·Meine <Zustimmung» zu Richard Wahles <Erkenntniskritik und Anthroposophie»,  in: Philosophie und Antbroposopbie, GA 35) und besprach ihn auch in den Rätseln der Philosophie (GA 18). 128 Marx: Karl Marx (1818-1864), Philosoph, Ökonom, Begründer der Arbeiterbewegung. Das ist Lenin: Siehe Hinweis zu S. 49. Scbeidemänner, Bindemännek Kautskys: Philipp Scheidemann (1865-1939), von Februar bis Juni 1919 deutscher Reichskanzler (SPD), hatte am 9. November 1918 die Deutsche Republik ausgerufen; angelehnt an seinen Namen die Wortbildung ·Bindcmänncr·; einen Politiker namens Bindcmann gab cs nicht. Karl Kautsky (1854-1938), sozialistischer Theoretiker, Gründer der USPD, 1918 in die Sozialisierungskommission berufen. Nun hatte Lenin ein Bucb geschrieben: N. Lenin: Staat und Revolution. Die Lebre des Marxismus vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution, Bern-Belp 1918; in Rudolf Steiners Bibliothek, mit Lesespuren (Sign. RSB G 524). Der alte Staat ist schlecht: Ebd., Kapitel IV, «Forts«zung. Ergänzende Erläuterungen von Engds·, Abschniu 6, ·Engds über die Überwindung der Dcmokratic·, S. 122, von Rudolf Steiner angestrichen: ·Demokratic heißt der Staat, der die Unterwerfung der Minorität unter die Majorität anerkennt, das heißt eine Organisation bildet zur systematischen Vergewaltigung der einen Klasse durch die andere, des einen Teils der Bevölkerung durch die andere. Wir stellen uns als Endziel die Abschaffung des Staates, das heißt jeder Art von organisierter Gewalt über die Menschen überhaupt.· 128 f. Also machen wir... dieproletarische Diktatur: Ebd., Kapitel V, ·Die ökonomischen Grundlagen des Absterbens des Staates», Abschnitt 2, ·Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus·, S. 134: ·Aber von dieser kapitalistischen Demokratie, die unvermeidlich eng ist, im Grunde die armen Klassen sich fem vom Leibe hält und gewiss durch und durch verlogen und heuchlerisch ist, kann die Entwicklung nicht einfach, gerade und glatt zu ·stets größerer und größerer Demokratie· gehen, wie sich etwa die Sache in den Köpfen liberaler Professoren und bürgerlicher Opportunisten ausmalt. Mitnichten! Die Entwicklung vorwärts, das heißt zum Kommunismus, führt über die Diktatur des Proletariats und kann auch nicht anders gehen, denn niemand sonst kann auf irgendeine Weise den Widerstand der ausbeutenden Kapitalisten brecben.· 129 Machen wir es noch ein bisscben mit dem alten Staat fort: Ebd., Kapitel V, ·Dic ökonomischen Grundlagen des Absterbens des Staates», Abschnitt 2, «Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus», S. 135: ·Nur bei der kommunistischen Gesellschaftsordnung, wenn der Widerstand der Kapitalisten bereits gebrochen ist, wenn es keine Klassen (das heißt keinen Unterschied zwischen den einzelnen Gesdlschaftsmitglicdcrn in Bezug auf die gcscllschaftlichcn Produktionsmittel) mehr gibt erst dann <h&t der der Staat auf zu bestehen, und cs kann von Freiheit die Rede scinn Erst dann ist eine wirklich vollkommene Demokratie möglich und kann tatsächlich ohne alle Einschränkungen verwirklicht werden.· Das, uus dann entsteht: Ebd., in Kapitel V, ·Die Ökonomischen Grundlagen des Abstcrbens des Staates·, Abschnitt 4, ·Höhere Phase der kommunistischen Gesellschaft·, schrieb Lenin (S. 147): ·Ignoranz - denn keinem Sozialisten kann es in den Sinn kommen zu «ersprechen·, dass die höhere Entwicklungsphase des Kommunismus eintreten muss, die Voraussicht der großen Sozialisten eines sol chcn Zcitaltcrs setzt auch eine Produktivität der Arbeit und einen Menschenschlag voraus, der von dem heutigen weit entfemt ist [...I." Rudolf Steiner strich diese Stelle ab ·setzt auch· an und schrieb in sein Exemplar dazu als Randbemerkung ·1 Menschenschlag·. 130 die gewöhnliche Schulaufsicht /abscba¶t/: ·abschafft·: Ergänzung durch die Herausgeberin. 131 wie es in der neuen württembergischen Verfassung bejßt: In der ·Verfassungsurkunde des freien Volksstaates Wiirttembcrg· vom 20. Mai 1919 heißt es in §22, Abschnitt I: ·Das Schulwesen untersteht nur der Aufsicht des Staates; er führt diese durch hauptamtlich tätige, fachmännisch vorgebildete Beamte ausm Möglicherweise liegt ein HÖr- oder Transkriptionsfehkr des Mitschreibenden vor; statt ·halbamtlich» müsste es also wohl ·hauptamtlich· heißen. 133 getreuer Eckan: Märchen- und Sagenfigur: treuer, zuverlässiger Begleiter und Mitstreiter; die Geschichte wird zum Beispiel in einer Sagenerzählung von Ludwig Bechstein (1801-1860) erzählt. Wer hier von Steiner gemeint ist, ist nicht bekannt. Infrage kommt Richard Lange, Mitglied eines Arbeiterausschusses (siehe 4. Diskussionsabend, Stuttgart, 14. Juni 1919, in: Betniebsräte und Sozialisierung, GA 331, 1. Aufi. Dornach 1989, S. 153, diesen Namen hielt Rudolf Steiner auch in seinem Notizbuch fest). 134 Karl Bittel: Dr. rer. pol. Karl Bittel (1892-1969), ehemaliges Mitglied der Wandervogel-Bewegung, während der Novemberrevolution Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Karlsruhe, ab 1919 in der KPD, später in der DDR Mitglied in der SED. und/über/ das: ·iiberm Sinngemäße Änderung durch die Herausgeberin; statt ·an· den wüntembergiscben «Rat geistiger Arbeiter·: Siehe Hinweis zu S. 23. 136 Bierzeitung: Eine Bierzeitung, ursprünglich eine von Studenten für eine Kneipe (eine studentische Feier) erstellte Fcstzeitung, ist heute allgemein eine aus einem bestimmten Anlass für eine geschlossene Gruppe von Menschen erstellte humoristische bzw. satirische Zeitung. 137 als ich Lehrer war an der von Wilhelm Liebknecbt gegründeten Arbeiterbildungsschule: Von 1899 bis 1905 wirkte Rudolf Steiner als Lehrer an der 1891 vom deutschen Sozialistenführer Wilhelm Liebknecht (1826-1900) begründeten Arbeiterbildungsschule in Berlin, vor allem in den Fächern Geschichte und Reckübung (siehe auch: · Wissen ist Macht - Macht ist Wissen·. Rudol/Steiner als Lehrer an der Arbeiterbildungsschde in Berlin und Spandau 1899-1903, in: Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Nr. III, Michaeli 1993). Zum Vortrag vom 27. Juni 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3761 I), Stenogramm nicht vorliegend. Der Titel stammt von der Herausgeberin, in Anlehnung an die Inhaltsangabe bei Hans Schmidt: Das Vortragswerk RudolfSteinen, Dornach 1950. 140 in der Betrachtung, die wir dem allgemeinen Kdiurrat-Auf'ufwidmeten: Wohl die Rede in der Kukurratsversammlung am 21. Juni 1919, in diesem Band.  140 durch uiele Jahre sind gei$te$wis$en$chaftliche Vorträge gehalten worden: Zum ersten Öffentlichen Stuttgarter Vortrag am 8. April 1904 (keine Mitschrift überliefen) kamen bereits 500 Menschen, wie Rudolf Steiner am 11. April 1904 in einem Brief an Marie von Sivers schrieb. Bis 1919 kam Rudolf Steiner jedes Jahr meist zwei- bis dreimal für Vorträge nach Stuttgart. 141 dergeistigen Eifassung der Welt: Statt ·Erfassung· müsste cs vielleicht ·Vcrfassung· heißen. in Domacb einen Bau aufgenichtet: Das Erste Goetheanum, ein Holzbau im neugeschaffenen organisch-lebendigen Baustil, errichtet ab 1913, inoffiziell eröffnet im September 1920, abgebrannt in der Silvesternacht 1922/23 (Brandstiftung). Zur künstlerischen Gestaltung des Baus siehe die Bände GA 284-289, insbesondere: Wege zu einem neuen Bau$til GA 286; Arcbitektut Plastik und Malerei des ersten Goetbeanums, GA 288; Der Baugedanke des Goetheanums, GA 289, alle mit vielen Abbildungen. 142 die Eurythmie zu pflegen: Die erste interne Aufführung der ab 1912 neu entwickelten Bewegungskunst fand 1913 statt, die erste öffentliche am 24. Februar 1919 in Zürich. da habe ich gesagt ... ganz gewiss nichts nutz: Siehe Ansprachen zu Aufführungen in München und Stuttgart, 19. bzw. 26. Februar 1918, in: DiC Entstehung und Entwicklung der Eurytbmie, GA 277a, 3. Aufi. Dornach 1998, S. 113. unsere Mystenien aufge/übm Siehe Vier Mysteriendramen, GA 14. Seit 1907 wurden in München jährlich <Mysterienspiele> aufgeführt: zunächst zwei Dramen von Edouard SchurC (Das beilige Drama von EleusiS und Die Kinder des Luzifer), mit begleitenden Vorträgen Rudolf Stciners, dann ab 1910 auch die von Steiner zu diesen Anlässen verfassten Mysteriendramen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam diese Tradition zu einem jähen Ende; die Aufführung eines - konzipierten, aber nicht niedergeschriebenen - fünften Dramas Rudolf Steiners musste abgesagt und der Impuls konnte von ihm auch nicht wieder aufgegriffen werden. Die für das Jahr 1923 angekündigte Aufführung der vier Dramen konnte infolge des Brandes des Gocthcanums nicht mehr stattfinden. zUäs ich eigentlich am letzten Sonntag meinte: Am 22. Juni 1919 im Mitgliedervorträg, siehe GeistesuiissenscbaftliCbe Behandlung sozialer undpädagogischer Fragen, 2. Aufi. Dornach 1991, GA 192. In dem Vortrag hatte Rudolf Steiner beklagt, dass cs mit dem Kulturrat seit drei Wochen nicht vorwärtsgehe (cbd., S. 224), und am Schluss sagte cr: ·Heute geht an alle Menschen, die guten Willens sind, der Ruf nach Emanzipation des Geisteslebens. Aber diejenigen Menschen, die sie vom Standpunkte des Geistes aufzufassen vorgegeben haben, sollen Wahrheit darüber sich geben und frei heraus sagen: Und verlassen die anderen die Bahn des Geistes, bringen sie den Mut dazu nicht auf, so wollen wir dafür eintreten. Wir haben den Mut dazu. Wir wollen, dass der Geist nicht Phrase ist für uns, wir wollen, dass er als Wirklichkeit in unserem Blute pulst, wir wollen sagen, was für den Geist zu geschehen hat.· (ebd., S. 227) wenn wir 1907 in Ang'iffgenommen hätten: Gemeint ist wohl der mit dem Münchner Kongress von 1907 inaugurierte künstlerische Zug in der Theosophischen Gesellschaft, der den Anfang der ins Lebenspraktische gehenden Strömung bildete (zu diesem Kongress siehe auch Okkulte Bilder und Säulen, GA 284).  143 wir haben Sie hier erlebt im Siegle-Haus: Gemeint sind wohl die öffentlichen Vorträge vom 16. und 18. Juni 1919 im Gustav-Sicgk-Haus in Stuttgart (in: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330). 145 ·Die Weisbeit lebt nur in der Wabrbei>: Gemeint ist die Devise der Anthroposophischen Gesellschaft (Motto der Statuten von 1913), nach einem Zitat Goethes: «Die Weisheit ist nur in der Wahrheit·, Maximen und Reflexionen 78 (Sprüche in Prosa, I. Abteilung: ·Das Erkennen·, GA 1e, S. 160). 146 wurde ja oftmals hingewiesen: So zum Beispiel schon früh im öffentlichen Vortrag in Berlin vom 4. Januar 1904 über «Theosophie und Christenrum·, in: Spirituelle Seelenlehre und Weltbetrachtung, GA 52. 147 ein Referat: Rudolf Steiner meint hier die eigentliche Wortbedeutung: «referre· (lat.) bedeutet «wiedergeben· - von (nicht selbst erarbeiteten) Inhalten. das Goetbeanum genannt: Siehe Vortrag vom 18. Oktober 1917 in Basel, in: Freiheit - Unsterblichkeit - Soziales Leben, GA 73, I. Aufi. Dornach 1990, S. 105. wie Goethe, Scbiller, Lessing, Herder ... FiCbte: Deutsche Dichter und Denker; Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Friedrich von Schiller (1759-1805), Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), Johann Gottfried von Herder (1744-1803), Johann Gottlieb Fichte (1762-1814). 149 im letzten Heft des ·Reicb·: ·Das Reich·, philosophisch-anthroposophische Zeitschrift, von 1916 bis 1920 herausgegeben von Alexander von Bernus (1880-1965), Schriftsteller, Alchemist. Die Kräjfte derSelbstbesinnung ...: Aus einem Aufsatz von Ernst Uehli (1875-1959), Schriftsteller, später Lehrer an der Waldorfschule: ·Zur Mobilisierung des deutschen Geistes», in: Das Reich, Heft 1 (April 1919), S. 7, 9, Bf.; in anderer Reihenfolge als im Aufsatz. Kleine Ungenauigkeiten der Wiedergabe in der Textgrundlage gegenüber dem Aufsau von Uehli wurden durch die Herausgeberin korrigiert: ·gur gemeinte Lcisruny für ·gutc Lcistung», ·cntbunden wordcm· für ·enrwunden worden», äst zu leisten» für "ist gckistct'm 150 wir hatten bei uielen Resolutionen eine große, große Stimmenzahl: In Arbeiterversammlungen Ende April und Anfang Mai 1919 wurde von insgesamt über 10000 Menschen jedes Mal fast einstimmig die Resolution angenommen, die die Berufung Rudolf Steincrs in die württembergische Regierung zur Durchführung der Dreigliederung verlangt. Siehe: BetriCbsräte und Sozialisierung, GA 331, 1. Auflage 1989, S. 294, 296. 152 Johannes Müller: Johannes Müller (1864-1949), Philosoph, Theologe, Schriftsteller, später Anhänger und Verherrlicher des Nationalsozialismus und Vordenker der nationalsozialistisch ausgerichteten Deutschen Christen. ln Rudolf Steiners Bibliothek: Die Bergpredigt. Verdeutscht und uergegenuünigt. München 1906 (Sign. RSB T 451). erst beute lag mir ein Aufsatz uor: Nicht nachgewiesen. am letzten Sonntag: Am 11. Juni 1919, in: Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen, GA 192. 153 ein sehr interessanter Aufsatz von Hermann Haase: Hermann Haase (1891-1967), Dr. md. (Sohn des Münchner Theosophen Julius Haasc, 1851-1951), ·Psychobio logische Vorbedingungen astrologischer Postulate. Beiträge zu einer Phänomenologie des Bewusstseins·, in: Das Reich, Buch 2 (Juni 1919), S. 46-53, darin besonders S. 47f. Er bezieht sich auf Oskar Kohnstamm: Medizihiscbe und pbilosopbiscbe ErgebniSse aus der Methode der bypnotiscben Selbstbesinnung, München 1918. 153 Schizothymie: Nach dem Psychiater Ernst Kretschmer (1888-1964) ein Temperamcntstypus, der durch überstarken Selbstbezug und Absonderung von der Umwelt charakterisiert ist. Dementiapraecox: Jugendirresein; veralteter Sammelbegriff aus der deutschen Psychiatrie für eine Gruppe von psychischen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis. 154 ein Individuum wie Max Dessoir ... in der Neuau/7age seines Buches: Max Dessoir (1867-1947), Philosoph: Vom Jenseits der Seele, 1. Aufi. Stuttgart 1917, 2. Aufi. Stuttgart 1918. 155 eine solche schleimige Gestalt: Dessoir geht in der zweiten Auflage seines Buches auf Rudolf Steiners Kritik an der unsachlichen Darstellung der Geisteswissenschaft in der ersten Auflage ein (siehe das Kapitel über Max Dessoir in Rudolf Stciners Von Seelenrätseln), aber wiederum in ähnlicher Art. Die erwähnte Persönlichkeit ist vielleicht der Journalist und Bühnenschriftsteller Max Hochdorf (1880-1948), dessen lobtriefender Artikel über Dessoirs Buch in der Neuen Zürcher Zeitung vom 14. Dezember 1917 erschienen war (vgl. Vortrag vom 17. Dezember 1917 in Geschicbtlicbe Notwendigkeit undFreibeit, 4. Aufi. Dornach 1993, GA 179, S. 137 f. und Hinweis dazu). 156 was ich Ihnen neulich gesagt habe: Am 9. Juni 1919, in Geistesuüsenscbaftlicbe Bebandlung sozialer und pädagogiscber Fragen, GA 192, 2. Aufi. Dornach 1991, S. 173. sensitiuen und motorischen Nerven: Zu dieser gemäß Rudolf Steiner sehr wichtigen Frage vgl. z.B. Rudolf Steiner: Von Seelenrätseln [1917], GA 21, 5. Aufi. Dornach 1983, S. 159; Fragenbeantworrung in der Diskussion vom 5. Januar, in: Die gesunde Entwicklung des Menschenwesens, GA 303, 4. Aufi. Dornach 1987, S. 340-346, wo Rudolf Steiner zeigt, dass auch die sogenannten motorischen Nerven sensitive, wahrnehmende sind. Zur Ansprache uom 10. Juli 1919 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung eines Stenogramms unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3771 I), Stenogramm nicht vorliegend. Sie enthält nur Stcincrs Ansprache, nicht die von Emil Molt und Ernst Uehli. In der Textgrundlage finden sich handschriftliche Änderungen, die übernommen wurden. Text in eckigen Klammern: Ergänzungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Von der Diskussion gibt es keine Aufzeichnungen, sondern nur einige von Rudolf Steiner in seinem Notizbuch (NB 302) festgehaltene Stichworte. Erstveröffentlichung in: Mitteilungsblatt des Bundes für Dreigliederung, Nr. 4/5, Dezember 1919, S. 21-31, mit den Ansprachen von Molt und Uchli. 158 Emst UehLL· Siehe Hinweis zu S. 149.  158 in dem sogenannten ·Programm·: Gemeint ist wohl das Flugblatt Nr. 8 Der Weg des dreigliedrigen sozialen Organismus, siehe S. 98-100 in vorliegendem Band, Faksimile S. 462 f. ; auch im Band Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, S. 437-440. Auch in Frage kommt das Flugblatt ·Vorschlägc zur Sozialisierung·, siehe S. 60-62 in vorliegendem Band, Faksimile S. 460. Über sozialistische Parteiprogramme vgl. Vortrag vom 30. Juli 1919, in: Neugestaltung des sozialen Organbmus, GA 330, S. 394: ·Vergkichen Sie das ehemalige proletarische Programm, welches das proletarische Programm der Achtzigerjahre war, mit demjenigen, was aus dem Erfurter Parteiprogramm hervorgegangen ist und seit den Neunzigcrjahren existictL so werden Sie sagen: Im alten Gothaer und Eisenacher Programm sind noch rein menschliche Forderungen, die Forderungen des Sozialismus, politische Gleichheit aller Menschen, Abschaffung der entwürdigenden Lohnverhältnisses. Im Anfang der Neunzigerjahre [...I ist verwandelt worden das, was noch mehr Menschheitsforderung ist, in eine rein wirtschaftliche Forderung.» 161 bei diesen unabhängigen und kommunistischen Persönlichkeiten: Gemeint sind die Anhänger der USPD (Unabhängige Sozialdemokraten). 165 die /objektiu/ gehalten war: Korrektur nach der Druckfassung durch die Herausgeberin. In der Textgrundlage: ·die okkultiv gehalten war·. Besagter Artikel: nicht nachgewiesen. Artikel von Professor Lujo Brentano: Lujo Brcntano (1844-1931), Professor der Nationalökonomie (·Kathedersozialist·): «Der Unternehmer·, in: Das gelbe Blatt, hrsg. von W. Berberich und A. Reitz, 1. Jg. Nr. 16, 1919. Siehe dazu auch Hinweis in GA 337a, S. 345. 166 unter den Beg'iff... /fällt/: In der Textgrundlage irrtümlich ·unter dem Begriff ... fehlt·; Korrektur nach der gedruckten Fassung durch die Herausgeberin. so /be/schaffen: Änderung durch die Herausgeberin, statt ·geschaffen· in der Textgrundlage. Ich möchte erinnern an den Vortrag: Vom 30. Juni 1919. Keine Mitschrift. Bericht von Emil Molt in: Beiträge zur RudolfSteiner Gesamtausgabe, Heft 103, Michaeli 1989, S. 23-26. 167 Schreibtafeln hei; Schreibtafeln her ...: Nach William Shakespeares Drama ·Ham1et·, I. Aufzug, 5. Auftritt. WÖrtlich: ·Schreibtafe1 her! Ich muss mir's niederschreiben, dass einer lächeln kann, und immer lächeln, und doch ein Schurke sein!· (Übersetzung von August Wilhelm Schlegel). Englisch: ·My tabks! - Meet it is I set it down, That one may smile, arid senile, and be a villain.· 168 eine Neugestaltung unseres GeiSteslebens: Von der anschließenden Diskussion liegen nur Notizen Rudolf Steiners vor (NB 302). Zum Vortrag uom 25. Juli 1919 Textgrundkgen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 3782 I), Stenogramm nicht vorliegend. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Erstveröffentlichung in: Schriften des Bundesfür Dreigliederung des sozialen Organismus, Mitteilungsblatt Nr. 6 [1920], S. 3-13; in diesem Heft war auch die letzte Fassung des Kulturratsaufrufs abgedruckt.  170 So gibt es einen Aufsatz: Es handelt sich entweder um eine hochschulkritischc Schrift Alois Riedkrs (siehe folgenden Hinweis): Zerfall der Technischen Hochschule und Neubau der Hochschule, Berlin 1918, oder um den Aufsatz von Georg Wilhelm Koehler (1874-1929), Professor für Maschinenbau: ·Zerfal1 und Neubau der Technischen Hochschulen·, 26. Juli 1919, in: Das Technische Blatt. llhcstniene Beilage der Frankfurter Zeitung, Nr. 8., der sich darin auf diese Schrift bezieht. Einige der nachfolgend von Rudolf Steiner angeführten Beispiele finden sich bei Koehler. Professor der Technischen Hochschule in Charlottenburg, Riedler: Alois Riedler (1850-1936), Professor für Maschinenbau. Auf die Grundsatzkritik Ridkrs am technischen Hochschulwesen hatte Rudolf Steiner im zweiten Teil seines Aufsatzes ·Hochschule und öffentliches Leben· (in: Magazin für Litteratur 67. Jg. Nr. 51, 24. Dezember 1898) hingewiesen (heute in: Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgescbicbte, GA 31). 172 mit einem « Epitheton omans·: WÖrtlich: ein schmückendes BciworL im Sinne von ·formdhaft·. einer deijenigen, die ziemliCh starke Kritiken gescbnieben haben ... Da ßndet man nicht die Tecbniker ... die Juristen: Es handelt sich um den Aufsatz von Georg Wilhelm Koehler: «Zerfall und Neubau der Technischen Hochschukn·, 26. Juli 1919, in: Das TechniSche Blatt. Illustrierte Beilage der Frankfurter Zeitung, Nr. 8. Don finden sich auch das vorher angeführte Beispiel der ·doctores mammoniae· und die nachfolgenden Ausführungen. 175 der Vorschlag uon Frau Dr. Herberg: Vermutlich Margarete Hcrbcrg (1879-1956), geb. Rcymann, Ehefrau des Ingenieurs Dr. Georg Hcrbcrg (1876-1963). Im Notizbuch NB 302 notierte Rudolf Steiner ·Frau Dr. Herberg: Befruchtung der ändern Zweige durch Anthroposophien Was sie sonst vorgeschlagen hat, ist nicht bekannt. 176 den wirklicben Vorgang bei der Tötung der Rosa Luxemburg und des Karl Liebknecht: Über dieses Manifest ist nichts weiter bekannt. Am 15. Januar 1919, während des Spartakus-Aufstands in Berlin, wurden dessen Anführer Rosa Luxemburg (1871-1919) und Karl Liebknecht (1871-1919) verhaftet und von Hauptmann Waldemar Pabst (1881-1970) identifiziert. Bei ihrer Überstellung ins Moabiter Gefängnis wurden sie auf seinen Befehl ermordet. Die offizielle Version behauptete, Liebknecht sei auf der Flucht getötet und Luxemburg von einer Menschenmenge erschlagen worden. der eben Zeitungsschreiber war: Wer mit dem Journalisten gemeint ist, ist nicht bekannt. Der Publizist Maximilian Harden (1861-1927), dessen Zeitschrift Dk Zukunft von Rudolf Steiner gelesen wurde, bezweifelte bereits am 8. Februar 1919 (Zukunft, Bd. 104: ·Notizen·, S. 149-169, darin besonders S. 163-168) die offizielle Darstellung. 177 ln Berlin hat sich ein Professorenbund gegründet: Es handelt sich um den angesehenen Altphilologen Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848-1931) und vier weitere Professoren, darunter den Germanisten Gustav Roethe (1859-1926). Zur Zielsetzung der Gruppe schrieb von Wilamowitz-Moellendorff in seiner Vorbemerkung zur Veröffentlichung einer Rede von Gustav Roethe (Deutsche Dichter des 18. und 19. Jabrbunderts und ihre Politik. Ein uaterländiscber Vortrag, Berlin 1919, S. 3): ·Fiinf Berliner Universitätslehrer haben in diesen Ostertagen die Vorträge gehalten, welche zunächst in rascher Folge erscheinen sollen. Wir suchen darin einer  Zeit der Neubildungen in Staat, Kirchc und Gesellschaft geschichtliche Belehrung zu bieten und mit unserer Wissenschaft dem wahren Wohle des Vaterlandes zu dienen. Wir hoffen, dass Gleichgesinnte unserem Vorgänge folgen werden, sodass die Reihe fortgesetzt werden kann.· 177 Ach, wenn doch die Zeit käme ... besorgt worden ist: Nicht-wörtliches Referat aus Gustav Roethes Rede (a.a. O., besonders S. 5). 178 das ist der Hcyt Erzberger: Siehe den betreffenden Hinweis zu S. 23. wir wollen ihn auch bängen: Zeitungsartikel nicht nachgewiesen. es iSt da ein nettes Symptom geschildert in unserer gegenwärtigen Sondernummer der Zeitschrift: Dieser Hinweis auf Erzberger findet sich im Artikel ·Das Tollhaus Deutschland·, verfasst von Paul Burkhardt (1894-1967), Bäcker, damals Redakteur der Waldorf-Nachrichten, für die Sondernummer der Zeitschrift Dreigliederung des Sozialen Organismus, die um den 25. Juli 1919 erschien. Burkhardt schrieb: ·Man kann nicht oft und eindringlich genug immer wieder nach Weimar weisen, von dem aus Deutschlands sittliche und geistige Erneuerung aus dem krass matcrialistischcn Leben der letzten 50 Jahre hätte kommen sollen. Aber ein Narr, der heute noch an Weimar glaubt. Nie wird uns von Weimar, von diesem geistlosen Parlament, das in dieser Beziehung sogar noch die berühmtesten Muster Wilhelminischen Zeitalters weit in den Schatten stellt, Gutes kommen, und man kann nicht oft genug wiederholen, was ein Leser des Stuttgarter Tageblattes als Eindruck aus Weimar mit nach Hause brachte und für den das demokratische Blatt keinen anderen Platz wusste als den sogenannten Schmollwinkel, die Stimmen aus dem Leserkreise. Es heißt dort in der Abendausgabe vom 5. Juli wörtlich: ·Es war am Samstag, den 14. Juni des Jahres, also an dem Tage, da das ernsthafte Deutschland innerlich erbebte vor der Antwort, die uns in Versailles von den Feinden gegeben wurde. Im Goldenen Adler in Weimar saß an diesem Abend in einer kleinen, lauschigen Nische eine erlesene Tafelrunde. Die Becher kreisten. Lachen lag auf den Gesichtern, blühende Rosen steckten in den Knopflöchern der dort tafelnden Gesellschaft; mancher sah hinüber mit merkwürdigem Kopfschütteln, denn dort saß Herr Erzberger, Herr Bell, der damals noch Kolonialminister war, Herr Fehrenbach, Präsident der Nationalversammlung, und einige Zentrumsleute, teils Statisten, teils Leute, die viel Geschrei in der Welt machten. In der Wirtschaft aber wurde ein großes Gästebuch umgeboten, in das man sich eintragen sollte. Ich griff gierig darnach, denn mich täuschte [= deuchte], das müsste ein geschichtliches Zeugnis deutschen Heroismus, deutscher geistiger Überlegenheit sein. Es war ein Jammer und eine Schmach! Und Herr Erzberger setzte sein Siegel darunter. Unter dem 14. Juni schrieb er in dieses öffentliche Buch: ·Erst schaff' dein Sach', dann trink' und 1äch'.>· /am/ 14. Juni /1919/: In eckigen Klammern: Ergänzung durch die Herausgeberin. In der Textgrundlage in Klammern: ·d4.6.·. 179 wie Betbmann, Ludendor// und Hindenburg: Der Politiker Theobald von Bethmann Hollweg (1856-1921) war vom Juli 1909 bis Juli 1917 deutscher Reichskanzler. Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934) war vom August 1916 bis Mai 1919 Chef des Generalstabs. Zusammen mit seinem Stellvertreter, dem Ersten Generalquaniermeister Erich Ludendorff (1865-1937) - er war vom August 1916 bis Oktober 1918 im Amt - bildete er die dritte Oberste Heeresleitung während des Krieges. Nach dem Sturz des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg traten die politischen Vcrantwonungsrrägcr in den Hintergrund, und die Oberste Heeresleitung übernahm faktisch die Macht in Deutschland, wobei sich Ludendorff  immer mehr als die bestimmende Persönlichkeit erwies. Ludendorffs Entlassung stand im Zusammenhang mit der Einführung des parlamentarischen Systems im Deutschen Reich. 1923 war Ludendorff zusammen mit Adolf Hitler Organisator des Putschversuchs der Nationalsozialisten in München. Zum Auszug aus der Lehrerkonferenz uom 25. September 1919 Viele Lehrer der neu entstandenen Waldorfschule waren auch bei den Kulturratbcmiihungen engagiert. Dieser war zur Zeit dieser Konferenz immer noch in Gründung begriffen; am 27. September 1919 fand die nächste Besprechung statt, in der zur provisorischen Gründung geschritten wurde. Von dieser Sitzung gibt es keine Mitschrift, sondern nur einige Notizen Rudolf Steiners (NB 129). Steiner nahm an den nachfolgenden Sitzungen nicht mehr teil. TextgrundLagen: DieTextwiedergabe folgt dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart, GA 300a, 5. Aufi. 2019, S. 63, dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift Hedda Hümmels (Vonragsregister-Nr. 3867 Il), Stenogramm nicht vorliegend, zugrunde liegt. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Zum Notizbccbeintrag uon Ende Dezember 1919 Textgmndlagen: Notizbuch Rudolf Steiners (NB 299), ungefähre Datierung aufgrund anderer Daten im Notizbuch. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Das Gleichheitszeichen ist in Rudolf Stciners Handschrift mehrdeutig; cs kann sowohl das Gleichheitszeichen, den Bindestrich als auch den Doppelpunkt wiedergeben. Zum Kdi&nTat$aufn4 letzte Fassung, Juni 1920 Textgmndlagen: Die Textwiedergabe folgt der veröffentlichen letzten Fassung im Mitteilungsblatt Nr. 6 [o. J., versendet im Juni 1920], S. 14-19, mit 179 Unterschriften, S. 19-22. Siehe auch Faksimile im vorliegenden Band, S. 464-467. Als Einleitung schreibt Hans Kühn (auf S. 2): ·Wenn wir Ihnen mit dieser Nummer des Mitteilungsblattes den Vortrag von Dr. Steiner in einer im Juni vorigen Jahres abgehaltenen Kulturratsversammlung vorlegen, so ist es deshalb, um Ihnen zu zeigen, was mit dem Kulturrat geplant war und was heute noch als unsere Aufgabe betrachtet werden muss. Die Bestrebungen zur Bildung eines Kulturrates setzten mit dem in dieser Nummer mit abgedruckten ·Aufruf· an Pfingsten letzten Jahres ein. Es war zu hoffen, dass Angehörige geistiger Berufe von dessen Inhalt so ergriffen würden, dass unter ihnen eine ganze Bewegung zur Durchführung der Vorschläge und Ideen zustande kommen würde. Wir sind uns voll bewusst, dass diese Bewegung nicht zur Tatsache geworden ist, weil die maßgebenden Persönlichkeiten durch ihren bisherigen Aufgabenkreis und ihren Beruf so in Anspruch genommen waren, dass sie die Notwendigkeit einer Änderung ihrer Lebenslage selbst nicht stark genug empfanden. Merkwürdigerweise haben sich aber doch für die Befreiung des Geisteslebens im Laufe der Zeit mehr diejenigen Menschen eingesetzt, die nicht selbst den geistigen Berufen angehören, während gerade diejenigen,  auf die cs ankam, stark zu befürchten schienen, ihre feste Stellung und dcrglcichcn zu verlieren. Wenn auch der Inhalt des Aufrufes heute noch voll und ganz bestehen bleiben kann, so muss doch betont werden, dass es zur Durchführung der Bestrebungen gerade notwendig ist, ein Kollegium von Sachverständigen beieinander zu haben, das den Willen einer Umgestaltung ihres eigenen Berufskreises in sich trägt.· Zum Auszug aus der Ansprache an der Lehrerkonferenz uom 24. Juli 1920 Tmgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt dem Band Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldo*cbde in Stuttgart, GA 300a, 5. Aufi. 2019, S. 161, dem ein Manuskript Erich Gaberts nach stenografischen Notizen von Karl Schubert zugrunde liegt. Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeber von GA 300a. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Zur Ansprache uom 1. August 1920 Textgmndhgen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Georg Kknk (1877-1948), einem Lehrer, der auch andere Vorträge im Auftrag von Marie Steiner mitgcschrieben hat (Vortragsregister-Nr. 4182 I), Stenogramm nicht vorliegend. Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Im Haus an der Champignystraße 17 in Stuttgart waren neben dem ·Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus» und der Redaktion von dessen Zeitung auch die Gcschäftsstclk der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland und die des neugegründeten ·Kommenden Tages· untergebracht. Die Champignystraße heißt heute ·Heinrich-Baumann-Straße·. 186 Walter Kühne: Walter Kühne (1885-1970), Bauingenieur, Nationalökonom, Slawist, lÖste Hans Kühn ab, der andere Aufgaben im «Kommenden Tag» übernehmen sollte. ·Der Kommende Tag·: Vgl. die im vorliegenden Band zusammengestellten Ausführungen und Dokumente. 188 im ö¶entlicben Vortrage vor ein paar Tagen: Am 29. Juli 1920 in Stuttgart, in: Die Kniiü der Gegenwart und der Weg zu gesundem Denken, GA 335. der Professor Eugen Varga ... seinerAuseinandersetzungen: Eugen (ungarisch: JenÖ) Varga (1879-1964), ungarischer Kommunist, Professor für Nationalökonomie in Budapest, in der Ungarischen Räterepublik 1919 Volkskommissar für WirtsckfC später als Wirtschaftstheoretiker und -berater für die Sowjetunion tätig. Verfasser von: Die u7irt$cbaftspolitiscben Probleme derproletaniscben Diktatuk Wien 1920 (in Rudolf Stciners Bibliothek, RSB G 917). Darin auf S. 47 die Stelle, auf die Rudolf Steiner anspick: ·Dieses System entspricht allen vier oben genannten Forderungen— wenn die Person des Produktionskommissär eine entsprechende ist! I...] Die größte Schwierigkeit bietet die Auswahl der entsprechenden Betriebskommissäre.·  188 in diesem Frühling ... einen Kursus hier zu halten: Im Frühling 2020 fanden während des zweiten naturwissenschaftlichen Kurses in Stuttgart Anfang März 1920 (GA 321) folgende Veranstaltungen statt: am 3. März 1920 ein Studienabend über die Kernpunkte, im Rahmen der Konferenz mit den Vorstehern der Arbeitsgruppen (GA 337), am 4. März ein öffentlicher Vortrag «Die geistigen Forderungen des Kommenden Tages· (GA 335), am 8. und 12. März zwei Vorträge ·Die VÖlker der Erde· bzw. ·Die Geschichte der Menschheit im Lichte der Geisteswissenschaft· (GA 335). Danach war Rudolf Steiner erst im Juni wieder in Stuttgart. In einem Brief an Rudolf Steiner von Hermann Heiskr vom 14. April 1920 geht es um diesen vorgesehenen Redncrkurs; Heiskr berichtet, dass Emil Lcinhas ihn von dem Nicht-Stattfinden des Kurses in Kenntnis gesetzt habe. 197 [zu widerlegen]' Ergänzung durch die Herausgeberin. in einer Stadt ... niedergedonnert haben: Bei einer Veranstaltung am 1. Juli 1920 in Göttingen zum Thema ·Anthroposophic und Wisscnschaft· ging cs um die Vorwürfe der Unwissenschaftlichkeit durch den Professor der Anatomie Hugo Fuchs (1875-1954), Kritiker der Anthroposophie, gegen welchen sich die Göttinger Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft schon in einer Plakataktion gewehrt hatten. Zuerst sprachen Walter Johannes Stein und Eugen Kolisko. Dann durfte Professor Fuchs als dritter Redner seine Einwände vorbringen, was er tat, indem er entstellt vorgebrachte anthroposophische Inhdte lächerlich zu machen versuchte. Er verließ nach seiner Rede den Saal; die Richtigstellung durch Walter Johannes Stein wurde dann von besagtem Pfeifkonzert der Studenten verhindert, sodass die Veranstaltung in einem Tumult endete. Siehe auch Mitgliedcrvortrag vom 25. Juli in S[uttgarL in: Gegensätze in der Menscbbeitsentwicklung, GA 197, Dornach 3. Aufi. 1996, S. 111; sowie den Aufsatz ·Ein paar Worte zum FuchsAngriff», in: Aufsätze zur Dreigliederung des soziälen Organismus, GA 24. In der Zeitschrift Dreigliederung des Sozialen Organismus waren die Beilage zur 4. und die 5. Nummer des zweiten Jahrgangs (Juli und August 1920) den Vorkommnissen gewidmet. 198 Herrn Molt: Siehe Hinweis zu S. 23. 200 es hatten inzwischen gesprochen die Hemen ... Tromm$dom Uebli: Trommsdorf: Erich Trommsdorff, Kaufmann (1885-1967). Uehli: Siehe Hinweis zu S. 149. Die Äußerungen der beiden sind nicht überliefert. Der Satz, ein Kommentar des Mitschreibers, steht auch in der Textgrundlage in Klammern. die Wochenschrift ·Dreigliedemng des sozialen Organismus·: Die Wochenschrift war im Juli 1919 ins Leben gerufen worden und erschien bis 1922 unter diesem Namen; sic wurde dann als ·Anthroposophic· wcitcrgcfiihrt. Zum Vortrag uom 6. September 1920 Der Dreigliederungsabend fand im Rahmen des Kongresses ·Kultur-Ausblicke der Anthroposophischen Bewegung· statt. Rudolf Steiners übrige Vorträge finden sich in: Anthroposophie, ihre Erkennmisuwrzeln und Lebensfrücbte, GA 78. Textgrundkgen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Hedda Hummel oder Franz Seiler (VonragsrcgistcrNr. 4594 III), Stenogramm nicht vorliegend. Text in eckigen Klammern stammt von der  Hcrausgcbcrin; runde Klammern finden sich so in der Textgrundlage. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 202 Gestem wurde uemccbt: In Rudolf Stcincrs Notizbuch Nr. 423 findet sich dazu die Eintragung: ·dann Dr. Heydebrand's Vortrag / dann Eurythmie-Vorstellung / abends mein Vortrag. = / Sitzung wegen des Welt/winschaftscongresses·. Es gab einen Plan, im Mai 1922 einen Weltwirtschaftskongress am Goetheanum durchzuführen, um den Weg zu einer Gesundung des Wirtschaftslebens im Sinne der Dreigliederung noch einmal publikumswirksam darzustellen. Im Dezember 1921 erschien ein ·Aufruf an Mitarbeiter und Interessenten zur Initiative für die Einberufung eines Weltwirtschafts-kongresses in das Go«heanum», gezeichnet unter anderem von Emil Molt, Emil Leinhas und Carl Unger vom ·Kommenden Tag», Arnold Ith von der ·Fururum· und vom Drciglidcrungsbund in Stuttgart und in der Schweiz und vielen weiteren Vertretern aus anderen Ländern. Weiter gedieh diese Initiative jedoch nicht. 203 Stresemann oder Helffericb: Gustav Ernst Stresemann (1878-1929), Politiker der DVP, 1921 erstmals Kanzlerkandidat, ab 1923 Reichskanzler; Karl Helffcrich (1872-1924), Wirtschaftswissenschaftler, Politiker der Rechtspartei DNVP, 19161917 Vizekanzler des Deutschen Reichs, radikaler AntibolschewisL einer der geistigen Väter der Dolchstoßlegende. 204 Vonrag über Wilbrandts ·Ökonomie·: Am 6. September 1921 harte Emil Leinhas ein ·Korreferat· gehalten über Roben Wilbrandts Ökonomie (Robert Wilbrandc Ökonomie. Ideen zk einer Pbibsopbie und Soziologie der Wissenschaft, Tübingen 1920). Dieses Korreferat erschien in der Drej Heft 7, 1921, und später als Broschüre: Der Bankerott der Nationalökonomie, Stuttgart 1922 Siehe auch Hinweis zu S. 101. uon Fräulein Dr. uon Heydebrand ein Vortrag gehalten: Von Caroline von Heydebrand (1886-1938), Waldorflehrerin, am 5. September 1921 auf dem Kongress in Stuttgart. Dieser Vortrag (Korreferat) erschien in DK Drei, 1921, Heft 7, S. 688 f., und als Broschüre, Stuttgart 1922, unter dem Titel: Gegen Exp«imenmlpsychologie und -pädagogik. 205 den Dornacher Hocbscbulkursen: Der erste ·Anthroposophische Hochschulkurs· in Dornach, veranstaltet vom ·Verein Goethmnismw» und vom ·Bund für anthroposophische Hochschularbeit·, fand vom 27. September bis 16. Oktober 1920 in den Räumen des Ersten Goetheanums in Dornach stau. Als einer der Hauptinitiatoren und -organisatoren wirkte Roman Boos. Während der dreiwöchigen Veranstaltung legten 33 PersÖnlichkeiten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Fachgebieten in etwa 100 Vorträgen die Ergebnisse ihrer- von der Anthroposophie befruchteten - Erkcnntnisbemühungen vor. Rudolf Steiner hielt einen Vortragszyklus über Naturerkenntnis (in: Die Grenzen derNaturerkenntnis, GA 322), drei Vorträge über den ·Baugedankcn von Dornach· (in: Der Baugedanke des Goetheanum, GA 289), und zusammen mit Marie Steiner drei Veranstaltungen über Deklamationskunst (in: Die Kunst der Deklamation, GA 281). Dazu kamen seminaristische Zusammenkünfte, in welchen Rudolf Steiner Fragen zur wirtschaftlichen Praxis und zum Wirtschaftsleben im Allgemeinen behandelte (in: Soziale Ideen - Soziale Wirklichkeit - Soziale Praxis ll, GA 337b). die Wirths: Gemeint ist Karl Joseph Wirth (1879-1956), deutscher Zentrumspolitiker (linker Flügel der katholischen Partei), von Mai 1921 bis November 1922 Reichskanzler.  206 im Hibbertjoumal ein Dreigliedemngsaufsatz: Rudolf Stcincrs Aufsatz ·Gcistcsleben, Rechtsordnung, Winschaft· (heute in GA 24) war zuerst in der schweizerischen Zeitschrift Soziale Zukunft, Heft 3, September 1919, erschienen. Auf Englisch erschien er unter dem Titel ·Spiritua1 Life - Civil Rights - Industrial Economy· im renommierten Tbe Hibben Journal, Juli 1921, Nr. 4 (resp. Jg. 19, Nr. 76), S. 593-604. am Sonntag mir zu sagen erlaubte: In einer Mitgliederversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Stuttgart am 4. September 1921, der ersten seit dem Ende des Ersten Weltkriegs (unveröffentlicht, vorgesehen für GA 251). 207 Einythmieauffübrung ... in Baden-Baden: Die Aufführung fand am 9. Juni 1921 statt. Rudolf Steiner berichtete auch im Vortrag vom 16. Juni 1921 in Stuttgart davon, in: Menscbenwerden, Weltenseele und WeltengeiSt I, GA 205, 3. Aufi. Basel 2017, S. 27. in den «Basler NacbhCbtem: Der Bericht in den Basler Nachnichten erschien unter dem Titel ·Thcaterskanda1 in Baden-Baden· in Nr. 248, 15. Juni 1921. Vgl. auch den Bericht über die Vorfälle in Dreigliederung des sozialen Organismus, Nr. 51, 21. Juni 1921. Herr Rektor Bartscb: Moritz Bartsch (1869-1944), Lehrer, Vorsitzender der Breslauer Gruppe der anthroposophischen Gesellschaft. 208 den Domacber Hochschulkursen: Siehe Hinweis oben zu S. 205. Zur Besprechung uom 10. März 1922 Die Besprechung fand während des Berliner Hochschulkurses statt, dessen Vorträge in Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele, GA BOb (öffentliche) und Emeuerungs-lmpulsefür Kulturund WiSsenschaft, GA 81 (Fachvorträge) publiziert sind. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand, vielleicht von Walther Vegelahn (Vortragsregister-Nr. 4784), Stenogramm nicht vorliegend. Die Besprechung ist nur fragmentarisch aufgezeichnet. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Text in eckigen Klammem: Änderungen durch die Herausgeberin. 210 in Kristiania im $taat$u?i$$en$cbaftlicben Verein über die Idee der Dreigliederung gesprochen: Der Vortrag ·Dic Kardinalfrage des Wirtschaftslcbens· wurde am 30. November 1921 vom Staatsökonomischen Verein in der Universitätsaula veranstaltet; er ist abgedruckt in: Die Wirklichkeit der höheren Welten, GA 79. Phuatdozent Dr. Tillicb: Paul Tillich (1886-1965), Theologe; er verteidigte in der Diskussion den Irrationalismus (vgl. Emeuerungs-lmpulse für Kultur und Wissenschaft, GA 81, 1. Aufi. Dornach 1994, S. 169). Tillich entwickelte sich später zum Gegner der Anthroposophie. 1933 emigrierte er in die USA, wo er mit der Systematischen Theologie seinen weltweiten Ruf begründete.  Zum Auszug aus der Lehrerkonferenz vom 31. Januar 1923 Textgrundhgen: Die Textwiedergabe folgt, gekürzt durch die Herausgeberin - Auslassungspunkte in eckigen Klammern -, dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule in Stuttgart, GA 300b, 5. Aufi. 2019, S. 371-373 u. 376f., dem ein Manuskript Erich Gaberts nach stenografischen Notizen von Karl Schuben zugrunde liegt. Der Titel stammt von der Herausgeberin. In eckigen Klammem: Ergänzungen durch die Herausgeber von GA 300b. 211 Kampfgegenüberdem Gmndscbdgesetz: Diese Aufgabe hatte Rudolf Steiner schon in der Konferenz vom 16. Januar 1921 (GA 300a, 5. Aufi. 2019, S. 318) dem Bund zugewiesen: ·Wenn wir noch einen wirklich bestehenden Bund für Dreigliederung hätten, [SO] müsste der die Agitation gegen dieses Schulgesetz aufnehmen.· Durch das Reichsgesetz vom 28. April 1920, das sogenannte ·Grundschulgesetz·, wurde der Besuch der untersten drei, später vier Klassen der staatlichen Volksschule für schlechthin alle Kinder für verbindlich erklärt. Alk privaten Vorschulen sollten abgebaut werden, indem sie keine neue unterste Klasse mehr eröffnen und die Schülerzahl ihrer schon bestehenden Klassen nicht vergrößern durften. Das galt naturgemäß auch für Württemberg, und cs wurde der Waldorfschule durch Erlass vom 31. Dezember 1920 von der Behörde mitgeteilt, dass laut Grundschulgesetz jetzt schrittweise die untersten Klassen geschlossen werden müssten, weil sie eine ·private Vorschule» seien. Es könne nur der Waldorfschule auf Antrag genehmigt werden, dass sie für das Schuljahr 1921/22 noch eine 1. Klasse eröffne, aber ihre vier Grundschulklassen - mit a- und b-Klassen waren cs acht - dürften nicht mehr Kinder führen als bisher, also zusammen 240. Dieser Zustand wurde zwar verlängert, aber er bewirkte doch, dass erst in die 5. Klasse, die nicht mehr zur Grundschule zählte, neue Kinder aufgenommen werden konnten. Weil nun der Andrang dazu sehr groß war, musste im 5., 6. und 7. Schuljahr jedes Mal eine dritte 5. Klasse, eine Klasse 5c errichtet werden. Erst im Jahre 1926, also schon nach dem Tod Rudolf Steiners, änderte sich das. Damals nahm der Schulrat Friedrich Hartlieb die vorgeschriebene Prüfung vor. Bei ihm lag hinter aller behördlichen Unbestechlichkeit und Strenge eine ganz ursprüngliche pädagogische Genialität vor. Aufgrund seiner eingehenden und sehr günstigen Beurteilung der Waldorfschule (abgedruckt im ·Nachrichtcnblatt» Was in der Antbroposophiscben Gesellschaft uorgebt, 1926, Nrn. 2-6) wurde vom Ministerium das Desondere pädagogische Interesse anerkannt», und die Beschränkung wurde aufgehoben. Erich Schwebsch: Erich Schwcbsch (1889-1953), Lehrer für Deutsch und Kunst an der Waldorfschule. 212 in der «Antbroposopbie· steben: Die Zeitschrift «Anthroposophie· war die Nachfolgezeitung der ·Dreigliderung des sozialen Orgänismüsm Jede Woche gab es einen Artikel zur aktuellen politischen Lage. 213 Weltschubereins sein. /.../ Die allgemeine Lage: Nach hier weggelassenen Gesprächen (GA 300b, S. 373-376) kommt Rudolf Steiner etwas später wieder auf die politische Tätigkeit für die Dreiglidcmngsbewegung zu sprechen (GA 300b, S. 376f.). zusammenzufassen unter dem einen. /.../ Wir stehen beute uor einem Abgrund: Nach hier weggelassenen Ausführungen (GA 300b, S. 377) kommt Rudolf Steiner wieder auf die politische Tätigkeit für die Dreigliedcrungsbewegung zu sprechen (GA 300b, S. 377).  213 GenueserKonferenz: Siehe ·Dic Konferenz in Genua, eine Norwcndigkcit·, in: Das Goetbeanum, 26. März 1922, Nr. 33, heute in: Der Goetbeanumgedanke inmitten der Kdturknisis der Gegenwart, GA 36. An besagter Konferenz, die vom 10. April bis 19. Mai 1922 dauerte, ging es um die Wiederherstellung der durch den Ersten Weltkrieg zerrütteten internationalen Finanz- und Wirtschaftssysteme. in Dornach Arbeiteruorträge halte: Die Bemerkung bezieht sich wahrscheinlich auf die ersten Vorträge für die Arbeiter am Goetheanum vom Oktober 1921 bis August 1922, von denen keine Mitschriften erhalten sind, vgl. auch die Äußerung vor dem Betriebsrat des ·Kommenden Tages· vom 13. Januar 1922 in Stuttgart, in vorliegendcm Band. Zum Aufsau «Eine zu gründende Untemehmung· Bereits im Oktober 1919 hauen Besprechungen stattgefunden, in welchen die anwesenden Mitglieder beschlossen, wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen im Sinne der Dreigliederung. Im Hinblick darauf legte Rudolf Steiner im November 1919 diesen Text als Memorandum vor. Dessen Gedanken prägten die Gründung des ·Kommenden Tages A. G.· in Stuttgart und der ·Futurum A.G.· in Dornach im Jahre 1920. Textgrundlagen: Manuskript Rudolf Stcincrs (RSA Standort-Nr. 067/3). Die Wiedergabe differiert leicht zum bereits vorliegenden Abdruck im Band Aufsätze über die Dreigliederung, GA 24, Dornach 2. Aufi. 1982, S. 460-465, da Letzterem der Erstabdruck im Buch von Emil Lcinhas Aus der Arbeit mit Rudolf Steiner, Dornach 1950, zugrunde gelegt wurde, der wiederum auf einer Abschrift des Manuskripts beruhte (RSA Standort-Nr. 143/2). Die Rechtschreibung wurde angepass4 Unterstreichungen werden kursiv wiedergegeben. Der Originaltitel lautet ·Eine zu gründende Unternehmung». Der Titelzusatz «Leitgedanken für· stammt von Leinhas; nach der erwähnten Abschrift, die mit ·Leirgedanken Dr. Steiners· bezeichnet ist. Dann folgt der Titel ·Eine zu gründende Unrcrnchmung·. Die Datierung in Lcinhas' Publikation auf den 21. November 1920 beruht wohl auf einem Lesefehler des Datums auf der Abschrift ·21.II. 1920·. 216 sieb ausleben /können/: Korrektur durch die Herausgeberin; statt ·kanm in der Textgrundlage. 218 zu einem Interesse: In derTextgrundlage zur Unterstreichung mit Großbuchstaben: ·Einem» geschrieben; Hervorhebung in Kursivsarz durch die Herausgeberin. 219 Denn mit bloßen Gedanken macht man nichts Praktisches: Dieser Satz des Manuskripts fehlt in der Publikation von Lcinhas und in GA 24. Zum Aufsatzfragment über den «©mmenden Tig» uon 1920 Textgrundlagen: Als Kopie vorliegendes Manuskript Rudolf Steiners (Original: Archiv am Goetheanum). Die Korrekturen Rudolf Steiners werden ohne weitere Kennzeichnung wiedergegeben. Unterstreichungen werden kursiu wiedergegeben. Die Rechtschreibung wurde angepasst. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Erstveröffentlichung.  Zur Ansprache uom 11. März 1920 Die Ansprache wurde hektografiert als Beilage zum Informationsschreiben vom 6. Mai 1920 von Hans Kühn und Konradin Haußer an Interessierte versendet. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand, vielleicht Hedda Hummel (Vortragsregister-Nr. 4024 I), Stenogramm nicht vorliegend. Text in eckigen Klammem: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 222 Nach dem bereits hier Vorgebrachten: Aus den Notizen von Rudolf Steiner (NB 42) geht der mutmaßliche Verlauf der Versammlung bis zu seiner Ansprache hervor: Zuerst sprach Emil Molt über das Generalprojekt des ·Kommenden Tages», dann folgte Emil Leinhas mit Detailauscinandersetzungen, ferner sprachen Konradin Haußer und Wilhelm Trommsdorß', Wolfgang Wachsmuth zur ·Vcrlagssache·, Carl Unger wohl zu den weiteren beteiligten Unternehmen sowie Roman Boos und Arnold hb, Letztere vermutlich zum parallel laufenden «Futurum·-Projekt in der Schweiz. Konradin Haußer(1883-1973), Unternehmer, wurde zusammen mit Hans Kühn und Wilhelm Trommsdorff einer der Direktoren des ·Kommenden Tages»; er begründete später die Haußcr-Stiftung zur Förderung dcs Werks Rudolf Steincrs. Wolfgang Wachsmuth (1891-1953) war Verleger, cr betreute ab 1920 den Verlag des ·Kommenden Tages». Dr. Walter Kehler (ca. 1875-?) war Chemiker; er wurde der Leiter der Abteilung Chemische Werke des ·Kommenden Tages·. Arnold hb (1890-1979) war Bauingenieur und Chefredakteur der Berner Landeszeitung, als solcher veröffentlichte er Berichte von Rudolf Steiners Vorträgen; von 1920 bis 1922 wirkte er als Direktor der ·Futurum AG·, später war er Verkehrsdirektor der Stadt Zürich. Zu Carl Uriger und Roman Boos siehe die betreffenden Hinweise zu S. 23 und 25. 225 derjenigen Routiniers, von denen ich gesprochen habe im öffentlichen Vortrage: Am 10. März 1920, in: Die Krisis der Gegenwart und der Weg zu gesundem Denken, GA 335, 1. Aufi. Dornach 2005, besonders S. 43. 226 wir werden siegen, denn wir müssen siegen: Ursprünglich vielleicht aus dem historischen Hohcnstaufcn-Drama von Ernst Raupach ·Manfred· (4. Aufzug, 1. Szene, Worte des Karl) stammendes gcflügcltcs Wort: «Wir werden siegen, wie wir stets gesiegt, Wir werden siegen, weil wir siegen mijssen», von da wohl von Bismarck und anderen übernommen. Zitiert durch den ehemaligen Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow (1849-1929), und so ihm oder Bismarck zugeschrieben. Siehe: Gustav Lambcck (Hrsg.)' Quellensammlung für den gescbicbtlicben Unterricht an höheren Schulen, Hefte zum Weltkheg 174 (1916), Der deutsche Geist im Weltkvieg, S. 2, ·Die Stimmung in den ersten Wochen des Krieges. a) Fürst uon Bülow über den KriCg; weit verbreitet in der damaligen Zeit. ich habe oftmals ... hingewiesen: Zum Beispiel am 15. Juni 1915 in Köln, in: Das Geheimnis des Todes, GA 259, 3. Auf). Dornach 2005, S. 372 f., oder am Diskussionsabend vom 24. Juni 1919 in Stuttgart, in: Betriebsräte und Sozialisierung, GA 331, 1. Aufi. Dornach 1989, S. 177. dem Verleger ScberL· August Hugo Friedrich Scherl (1883-1921), Berliner Großverleger, zeitweise besaß cr die auflagcnsürkstcn Zcirungcn Deutschlands. 227 zu schofel: Zu gemein, zu niedrig. 228 derkünstlehschen /Repräsentation/des Lebens: Änderung durch die Herausgeberin, in der Textgrundlage: ·Prätentionen·.  228 Bank gründen: Rudolf Steiner erwähnt dies auch später im Dornacher Vortrag vom 23. Dezember 1921, in: Die gesundende Entwicklung des Menschenwesens, GA 303, S. 15. Im Münchner Vortrag vom 23. August 1909 betonte Steiner anlässlich der Uraufführung der Kihder des Lucifer von Edouard SchurC, dass die Geisteswissenschaft praktisch sein wolle bzw. dass die Geisteswissenschaft eine soziale Sendung habe. (In: Der Orient im Lichte des Okzidents, GA 113, 5. Aufi. Dornach 1982, S. 15 bzw. 18). Im Silvestervortrag 1917 in Dornach sprach er dann konkret von einer Bankgründung: ·Wir müssen eben da anfangen, wo man am wenigsten heute von der Außenwelt gestört wird, [...I in der Wissenschaft, in der Kunst. Oder wir könnten einmal auf Grundlage unserer Grundsätze eine Bank begriinden.· In: Mysterienwahrbeiten und Weihnacbtsimpube, GA 180, 3. Aufi. Basel 2017, S. 128. Von November 1919 stammt der unpublizierte Aufsatz Rudolf Steiners über Eihe zu gründende Untemebmung (oben in vorliegendem Band, S. 216-220, siehe auch Hinweis dazu). Eine Äußerung in der Form in einem früheren (Basler?) Vortrag, wie Steiner cs hier berichtet, wurde noch nicht gefunden. Dass Rudolf Steiner sich schon sehr früh mit dem Gedanken einer ·theosophischen Bank· trug, bezeugt eine diesbezügliche Aussage in einem Brief des St. Galler Mitglieds Adolph Messmer, den dieser am 20. September 1909 an Rudolf Steiner schrieb, also während des Vortragszyklus über das Lukas-Evangelium (GA 114). dazumal in Dornach: Vielleicht ist derselbe Vortrag gemeint. In der Form nicht nachgewiesen. 229 in dem Prospekt: Siehe nachfolgende Wiedergabe im vorliegenden Band, S. 235-238. 230 uor einigen Tagen: Wohl im Studienabcnd am 3. März 1920, in: Soziale Ideen. Soziale Wirklichkeit. Soziale Praxis, GA 337a. 231 uon dem Erzberger: Siehe Hinweis zu S. 23. Erzberger war damals Finanzminister und führte eine der größten Finanzreformen der deutschen Geschichte durch. erst Hel/fericb: Karl Helfferich (1872-1924), Ökonom, rechtsnationaler Politiker, ehemaliger Innenminister. Radikaler Gegner Erzbergers, Urheber der Hetzkampagne gegen diesen (u.a. mittels der Broschüre Fon mit Evzberg« Berlin 1919) und immer mehr auch Gegner der Weimarer Republik. /dass/: Ergänzung durch die Herausgeberin. 233 solch ein Eurytbmeum: Der Bau des Eurythmeums in Stuttgart erfolgte erst 1922, vorher war es aus finanziellen Gründen nicht mÖglich. Zum Prospekt des ·Kommenden Tages· uom 13. März 1920 Textgrundlage: Im Archiv vorliegender Prospekt (Standort-Nr. 142/1, Kommender Tag). Die Rechtschreibung wurde angepasst. Dem Prospekt liegt seinerseits das oben S. 216-220 abgedruckte Memorandum ·Eine zu gründende Untcmchmung· von Rudolf Steiner zugrunde, aus welchem viele Passagen wörtlich oder abgewandelt übernommen sind. Sperru nge n im Original werden kursiu wiedergegeben. Titel gemäß Vorlage. Siehe auch Hinweis oben zum Memorandum sowie Hinweis zu S. 228. 236f. Konradin Haußer, Erich TrommsdoÄ Otto uon Lerchenfeld,JosC del Monte, Ludwig uon Polzer-Hoditz, Carl Unger: JosC del Monte (1875-1950), ursprünglich aus Chile stammender Fabrikant, Inhaber einer Kartonagenfabrik, die die Schachteln  für die Zigaretten der Waldorf-Astoria Zigarcttcnfabrik hcrstclkc; Konradin Haußcr (1883-1973), Kaufmann, begründete später die Fördcrstiftung für das Werk Rudolf Steiners. Otto von Lerchenfeld (1868-1938) löste mit seiner Frage an Rudolf Steiner nach einem Ausweg aus der politischen Situation 1917 die Entwicklung der Dreigliederungsidee äug später war cr ein Pionier der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Zu Trommsdorff, Polzer und Uriger siehe Hinweise zu S. 200, S. 85 und S. 25. Zum Anschreiben des -Kommenden Tages· uom 6. Mai 1920 Textgmndhge: Hektografiertes Schreiben, Dokument im Rudolf Steiner Archiv (Standort-Nr. 142/4). Unterstreichungen sind kursiv wiedergegeben. Die Rechtschreibung wurde angepasst. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Zum Anscbreiben des Gründungskomitees der «Futumm A.G.· Mai 1920 Eine Beteiligung Rudolf Steiners an der Abfassung des Anschreibens ist gewiss, da in einem maschinenschriftlichen Entwurf Eintragungen von seiner Hand vorliegen. Das Schreiben begleitete wohl den Griindungsprospekt vom Mai 1920. Am 25. Mai 1920 sollte eine Versammlung zur Begründung der Unternehmung in Dornach sratrfinden, anlässlich welcher Rudolf Steiner einen öffentlichen Vortrag hielt (in: Die großen Fragen der Zeit, GA 336). Die Gründung konnte jedoch nicht vollzogen werden, da nicht alle rechtlich notwendigen Bedingungen erfüllt waren. Die reale Gründung der ·Futurum AG· - der Name «Der Kommende Tag· durfte nicht verwendet werden - erfolgte erst am 16. Juni 1920 (Näheres hierzu siehe bei: Alexander Lüscher RudolfSteiner und die ·Futuncm AG. », Diss., Spiegel bci Bern 2002, S. 108-111). Textgrundlagen: Hektografiertes Schreiben, Dokument im Rudolf Steiner Archiv (Standort-Nr. 143/2). Titel gemäß Vorlage. 244 Emest Etienne, Ernst Gimmi, Amold hb: Emest Etienne (1876-1968), Ingenieur, Verwaltungsrat in der ·Futurum AG·; Ernst Gimmi (1873-1945), St. Gallen, Kaufmann; Arnold Ith: Siehe Hinweis zu S. 222. Zur Anspnicbe vom 26. Juli 1920 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 4024 I), Stenogramm nicht vorliegend. Handschriftliche Änderungen in der Textgrundlage wurden übernommen. Texte in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 245 Carl Unger Maschinenfabrik: Die Werkzeugmaschinenfabrik Carl Ungerin Heddfingen bei Stuttgart, in welcher Präzisionsschleifmaschinen produziert wurden, war von diesem 1906 gegründet worden.  247 der Professor Varga: Siehe Hinweis zu S. 188. 248 /Das bedeutet]: Ergänzung durch die Herausgeberin. 251 Spa! Wir haben Spa hinter uns: In Sp% Belgien, tagte vom 5. bis 16. Juli 1920 die Europäische Konferenz über die Reduktion des Bestands der deutschen Reichswehr, die Lieferung von zwei Millionen Tonnen Kohle pro Monat an die EntenteStaaten und die deutschen Reparationen. Fehrenbach: Constantin Fehrenbach (1852-1926), deutscher Politiker von der katholischen Zentrumspartei, führte das Kabinett von Juni 1920 bis Mai 1921. Stinnes: Hugo Stinnes (1870-1924), deutscher Industrieller und Politiker, war Experte in den Reparationsverhandlungen von Spa. Simons: Walter Simons (1861-1937), Jurist, parteiloser Politiker, unter Fehrenbach Außenminister. 253 andere Regierung her: ·her·: Handschriftliche Ergänzung in der Textgrundlage. Zolas [Buch] ·Arbeit»: ·Buch·: Ergänzung durch die Herausgeberin. Emile Zola (1840-1902), französischer Schriftsteller, Verfasser des hier erwähnten Werks Arbeit. Roman in drei Büchern. Leipzig 1920. (Übersetzung von: Trauail, dem dritten Roman der unvollendeten Tetralogie Les Quatres Euangiles, 1901.) Eventuell meinte der Arbeiter die im Buch im 5. Kapitel beschriebene Idee von Fourier, die Neuordnung der Arbeit durch Arbeitsteilung und Freiwilligkeit zuerst an einem kleinen Gemeinwesen zu beginnen. Der Held der Geschichte, Lucas, verwirklicht die Idee, eine Fabrik auf Basis der Brüderlichkeit als Genossenschaft zu gründen. Der Roman schildert den Fortgang des Experiments, das die ganze Stadt verwandelt. Zur Anspracbe uom 13. Oktober 1920 Die Wirtschafter-Besprechung fand im Rahmen des ersten Hochschulkurses vom 27. September bis 16. Oktober 1920 am Goetheanum statt. Rudolf Steiner hielt einen Vortragszyklus über Naturerkenntnis (in: Die Grenzen der Naturerkenntnis, GA 322), drei Vorträge über den ·Baugedanken von Dornach» (in: Der Baugedanke des Goetheanum, GA 289), und zusammen mit Marie Steiner drei Veranstaltungen über Dcklamationskunst (in: Die Kunst der DeklamatiOn, GA 281). Dazu kamen seminaristische Zusammenkünfte, in welchen Rudolf Steiner Fragen zur wirtschaftlichen Praxis und zum Wirtschaftsleben im Allgemeinen behandelte (in: Soziale Ideen - Soziale Wirklichkeit Soziale Praxis ll, GA 337b). Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh (Vortragsregister-Nr. 4260 III), Stenogramm vorliegend (Stenogrammregister-Nr. F 233), S. 69-75. Übertragung der Seiten 75-82 durch Ulla Trapp. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 254 noch viel lieber würde ich eine anthroposophische Bank begründen: Siehe Hinweis zu S. 228. 256 Herrn hb gewonnen haben: Siehe Hinweis zu S. 222.  259 Pieter de Haan, Francke Fadum, Eugen Benkendöifer: Pictcr dc Haan (1891-1968), Verleger; August Herman Franckc Mortenscn Fadum (1877-1960), Geschäftsmann, einer der leitenden Anthroposophen in Norwegen, damals Vorstand des Widarzweigs, schnitzte zeitweise im ersten Goethcanum miu Eugen BenkendOrfer (1878-1939), Kaufmann, Fabrikant, aktiver Mitarbeiter im Stuttgarter Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft. Zum Prospekt der ·Futurum A.G> vom 31. Oktober 1920 An der Entstehung dieses Prospektes war Rudolf Steiner beteiligt. Handschriftlich finden sich von ihm die Einleitung sowie Teile von Abschnitt I und des Schlusses von Anhang I. Auch sein Aufsatz ·Eine zu gründende Unternehmung» wurde wieder verwendet. Ursprünglich enthielt der in einer ersten Version zunächst hektografierte Prospekt eine Analyse der Weltwirtschaftslage sowie der wirtschaftlichen Lage einzelner Länder. Diese wurde dann in der hier wiedergegebenen gedruckten Version, wohl aufgrund ihres Umfangs, in die beiden beigelegten Anhänge ausgelagert. Anhang II über die wirtschaftliche Lage einzelner Länder, für welchen keine Texte Steincrs vorliegen, wird hier nicht wiedergegeben. Textgrundlagen: Gedrucktes Dokument im Rudolf Steiner Archiv (Standort-Nr. 143/2). Titel gemäß Vorlage. 266 Ernst Gimmi, Emest Etienne: Siehe Hinweise zu S. 244. Johann Hinek Paulde Kalbermatten, Christian Krebs, Fred Tbaraldsen, Ernst ScbalI« Adolf Padrutt: Johann Flirter (1855-1926), Alt Nationalrau Paul de Kälbermauen (1878-1967), Tiefbauingenieur; Christian Krebs (1861-1945), in Paris lebender norwegischer Geschäftsmann, führte den Titel eines Konsuls; Fred, eigentlich Filip Tharaldsen (1870-1941), wird oft mit anderem Vornamen erwähnt: FritZ, Fred oder Frederik, norwegischer Industrieller, Mitglied des Widarzweigs der Anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen; Ernst Schaller (1895-1961), einer der Prokuristen der «Futurum AG·; Adolf Padrutt (1869-1940), ein nach der Revolution zurückgekehrter Russlandschweizer, Mitglied in Basel, Buchhalter, Prokurist bei der ·Futurum·; er übernahm später, als einer der Liquidatoren der «Futurum AG·, die Certus-Kaltleimfabrik aus der Konkursmasse der ·Futurum AG·. Zur Ansprache bei der Betn'ebmenammlung uom 17. November 1920 Textgmndkgen: Die Texrwicdcrgabc folgt (mit Kürzungen) der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Hedda Hummel (Vonragsregister-Nr. 4088 I), Stenogramm nicht vorliegend. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Es wird hier nur der Beitrag Rudolf Steiners wiede'gegeben; Fremdvoten werden durch kursiven Herausgebertext in eckigen Klammern kenntlich gemacht. 281 die Agitatoren: Gemeint sind Vortragsreder für die Dreigliederungssache. 283 Herrn del Monte ... Hem Poch: Zu del Monte siehe Hinweis zu S. 236; Emil Poch, Lebensdaten nicht bekannt.  Zur Ansprache zur Einführung uon Eugen BenkendOrfer vom 17. Nouember 1920 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Hedda Hummel (Vortragsregister-Nr. 4089 I), Stenogramm nicht vorliegend. ln eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 288 in der Verbindung [mit] der Dreigliederungszeitung: ·mit·: Ergänzung durch die Herausgeberin. 289 als unser Freund Kühne eingeführt worden ist: Siehe Ansprache vom 1. August 1920, in vorlicgcndcm Band und Hinweis zu S. 186. JosC del Montes ... Herr Emil Poch: Siehe Hinweis zu S. 236 und 283. 290 /den arbeitenden Klassen, dem eigentlichen Proletaniat]: Änderungen durch die Herausgeberin, statt ·zwischcn dcn arbeitenden Klassen und dem eigentlichen Proletariat» in der Textgrundlage. während meiner Lebrerscbaft an der Arbeiterbildungsscbde: Siehe Hinweis zu S. 137. 291 auf unsere kurulischen Stühle: Amtssessel im alten Rom. 292 den Grafen Keyserling: Hermann Keyserling (1880-1946), Philosoph, gründete 1920 die ·Schule der Weisheit». im öffentlichen Vortrag: Am 16. November 1920 hielt Rudolf Steiner den Vortrag ·Die Wahrheit der Geisteswissenschaft und die praktischen Lebensforderungen der Gegenwart. Zugleich eine Verteidigung der anthroposophischen Geisteswissenschaft wider ihre Ankläger·, in welchem er Kcyserling behandelte. Siehe: Die Anthroposophie und ihre Gegnek GA 255b, 1. Aufi. Dornach 2003, S. 244 und 256. 294 bei der Einfühmng des Herrn Kühne: Am 1. August 1920, in vorliegendem Band. Zu Walter Kühne siehe Hinweis zu S. 186. Mebrbeitssoziälisten: Bezeichnung für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zwischen 1917 und 1922, um sie von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) abzugrenzen. Die Kriegsgegner hatten sich am 8. April 1917 von der Mutterpartei abgespalten und die USPD gegründet. 295 das Ideal von Stinnes: Siehe Hinweis zu S. 251. einen kurzen Artikel liefern: Betreffender Artikel ist offenbar nicht erschienen. die Ente, die Zweite und die Dritte Internationale: Als ·Intcrnationalc· wurdc die 1864 gegründete Internationale Arbeiterassoziation bezeichnet (später ·Erstc Internationak·), sic wurde 1876 aufgelöst, da der Zwist zwischen Karl Marx und den Kommunisten einerseits und Michail Bakunin und den Anarchisten andererseits nicht gelöst werden konnte. Die Zweite Internationale bzw. Sozialistische Internationale wurde 1889 in Paris begründet. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs zerbrach sie, da ihre Parteien sich jeweils mit ihrer kriegführenden Regierung arrangiert hatten. Nach dem Krieg wurde 1919 durch Lenin die Dritte Internationale (auch Komintern genannt) ins Leben gerufen. [Anhänger uon Bakunin]' Ergänzung durch die Herausgeberin, in der Textgrundlage ist an dieser Stelle eine Lücke.  296 ich kann ja eigentlich nur an wenigen Orten sprechen: Im November 1920 zum Beispiel konnte Rudolf Steiner nur drei Öffentliche Drciglicdcrungsvorträge halten: am 10. und 16. in Stuttgart (in: Die Krisis der Gegenwart und der Weg zu gesundem Denken, GA 335 bzw. Die Antbroposopbie und ihre Gegner, GA 255b) und am 18. in Freiburg (in: Die großen Fragen der Zeit und die antbroposopbiscbe GeistErkenntnis, GA 336). In Stuttgart fand im Rahmen der Freien Anthroposophischen Hochschulkurse in der Freien Waldorfschule ein Kurs von Emil Leinhas über Dreigliederung statt, in Berlin sprachen Bruno Käser und Walter Kühne, Letzterer zwischen 23. November und 18. Dezember auch in Neuwied, Köln, Düsseldorf, Elbcrfdd, Bochum, München und Heilbronn, während Wachsmuth in Heidenheim, Stuttgart, Hirschberg, Nürnberg, Karlsruhe und Heidelberg vortrug. Herr Dr. Wacbsmutb: Günther Wachsmuth (1893-1963), Bruder des bereits erwähnten Verlegers Wolfgang Wachsmuth und späteres Mitglied des Vorstands der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. War an der Dreigliderungsaktion in Obcrschksicn ab Januar 1921 beteiligt, in welcher die Dreigliederung als Lösung für das Nationalitätenprobkm in Oberschlesien propagiert wurde. Die Aktion war nicht von Erfolg gekrönt. Oberschlesien wurde nach der Volksabstimmung vom 20. März 1921 im Oktober zwischen Polen und Deutschland aufgeteilt. 297 dass /die/ von den Arbeitern: ·diem Ergänzung durch die Herausgeberin. die Sprache [der Arbeiter/ sprechen zu können ... [mit ihnen] uerständigen können: In eckigen Klammern: Ergänzungen durch die Herausgeberin. 298 Betriebwersammlung ... in der wir gerade waren: Siehe vorangegangene Ansprache. haben schon die Ortsgruppen [des Bundes]: ·des Bundcs·: Ergänzung durch die Herausgeberin. 299 dass /es/für die Dreigliederung im Allgemeinen zk geschehen bat: ·es»: Ergänzung durch die Herausgeberin. eine genügende Anzahl ... Agitatoren ausgebildet werden: Zwei solche Kurse fanden imJanuar und Februar 1921 statt: Der Schulungskurs für Oberschlesier und der Schulungskurs für Redner (in: Wie wirkt man für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus? GA 338). in einer ungeheuer großen Anzahl /uon Menschen]: ·von Menschenm Ergänzung durch die Herausgeberin. 300 wer aucb /immer/: «immer»: Ergänzung durch die Herausgeberin. Bismarck: Siehe Hinweis zu S. 28. 301 der Außenminister Simons: Siehe Hinweis zu S. 251. Zum Vortrag uom 27. Dezember 1920 Textgrundkgen: Die Textwiedergabe folgr der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand, vielkichr von Arnold Ith (Vonragsrcgister-Nr. 4329a), Stenogramm nicht vorliegend. Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Titel gemäß Vorlage.  305 die wirklich utopischen Ideen von Wilson: Sichc Hinweis zu S. 29. 306f. Wenn sicb ein Überschuss ergibt ... geistige Institute zu kreieren: Hier findet sich eine handschriftliche Anmerkung in der Textgrundlage: ·Siehe beigeheftete Mitteilung Rudolf Steiners: <Dic Stellung geistiger Unternehmungen in Assoziationenn» Diese Mitteilung ist im vorliegenden Band nach der Fragenbeantwonung des zweiten Orientierungsvonrags vom 28. Dezember 1920 abgedruckt, siehe S. 316 in vorliegendem Band. 307 Die «Kempunkte· ... ins Englische übersetzt: Zunächst hatte die englische Bildhauerin Edith Maryon (1872-1924), eine sozial engagierte Mitarbeiterin Rudolf Steiners, mit einer Übersetzung begonnen. Diese stieß aber bei englischen Anthroposophen nicht auf Gegenliebe und wurde zugunsten einer freieren Übersetzung von Ethel Bowcn-Wedgwood und Georg Adams Kaufmann mit dem Titel Tbe Tbreefold State zurückgestellt, welche im Februar 1920 erschien und einiges Echo auslöste. Auch in Amerika erschien 1920 eine - unautorisierte - Übersetzung mit dem Titel Tbc Tniorganical Social Organism von Henry Frederick. Eine Neuübersetzung unter dem Titel Tbe Tbreefold Commonwealth. Tbc Social Question in its True Sbape. (New translation from tbe edition of 1920) erschien 1922 in New York und 1923 in London. in allen ... Zeitungen besprochen: Siehe z.B. die Besprechung von H. Wilson Harris in den Daily News vom 16. September 1920; Auszüge in Übersetzung wicdcrabgcdruckt in Beiträge zur RudolfSteiner Gesamtausgabe, Heft 27/28, Dornach 1969, S. 10f., sowie Auszüge aus Besprechungen (Zitate aus Tbc Daily News, London, Review ofReviews, Kingsuwy, Daily Courier, Liverpool, Tbc New Commonwealtb, in Übersetzung, ohne Datums- und Seitenangaben) wiederabgedruckt in: Beiträge zur RudolfSteiner Gesamtausgabe, Heft 88, 1985, S. 8-9. 309 Herr Haas: Vermutlich Hans Haas (1892-1954), Geschäftspartner von Arnold lth. nach Holland zu geben: 1921 und 1922 fanden zwei Vortragsreisen nach Holland statt; siehe Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die großen Ziuilimionsfragen der Gegenwart, GA 80C. Arnold hb: Siehe Hinweis zu S. 222. Adolf Padrutt: Siehe Hinweis zu S. 266. 310 Siebe Stinnes: Eventuell eine Bemerkung des Mitschreibenden. Zu Stinnes siehe Hinweis zu S. 251. Zum Vortrag mit Fragenbeantwortung uom 28. Dezember 1920 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vortragsregister-Nr. 4329b), Stenogramm nicht vorliegend. Titel gemäß Vorlage. 312 Hans Haas: Siehe Hinweis zu S. 309. 313 Emst Gimmi: Siehe Hinweis zu S. 244. Eduard Wirz: Eduard Wirz, Lebensdaten nicht bekannt. War als Aktienwerber für die ·Futurum AG» tätig und wurde vermutlich wegen Misserfolgs entlassen.  313 Herr de Haan: Siehe Hinweis zu S. 259. an Herrn Kaufmann: Georg Adams Kaufmann (1894-1963), Mathematiker, tat sich als Übersetzer von Vorträgen Steiners hervor. Dncry-Lauin, Collison: Ada Drury-Lavin (1858-1931), Pionierin der anthroposophischen Bewegung in England. Harry Collison (1868-1945), Rechtsanwalt, später Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft in England. 314 Ernst Scballer: Ernst Schaller (1895-1961), einer der Prokuristen der ·Futurum AG». 315 Herr Dürler in St.Gallen: Edgar Dürkr (1895-1970), Textilkaufmann, von Emil Molt ins Direktorium der ·Futur"um» berufen, mit Emil Lcinhas zusammen deren Liquidator, später führte er über ein Vierteljahrhundert die Weleda AG. Zur undatienen Besprecbung über die Stellung geistiger Unternehmungen /1920/ Textgrundlage: Als Beilage der Mitschrift zum 28. Dezember 1920 (VortragsregisterNr. 4329b) maschinenschriftlich vorliegend. Titel gemäß Vorlage. Zur Ansprache uom 5. Januar 1921 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) einer maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand, vielleicht von Hedda Hummel (Vonragsrcgister-Nr. 4342). Es wird hier nur Rudolf Stciners Rede wiedergegeben. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Erstveröffentlichung. 317 Das erste Mal twar es ja auf Einladung des Herrn Molt: Am 23. April 1919, in: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330. 324 Hctt Moli geschildert hat: Molt hatte in seiner Ansprache unter anderem gesagt' ·Und Sie wissen auch, wie dann von dieser Stätte aus die Bewegung ausging für die Propagierung der Betricbsräteschaft, die wiederum hätte dazu beitragen müssen und können, unser so armes, darnidcrliegcndcs, in einem traurigen Dasein befindliches Wirtschaftsleben wieder auf die Höhe zu bringen. Und mit Wehmut erinnert man sich, wie jene Persönlichkeiten, die sich Führer des Proletariats nennen, diese Bewegung sabotierten, sodass die Maßnahmen nicht durchgeführt werden konnten, um der Arbeiterschaft, dem Proletariat und uns allen ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen> in einer Reibe uon Hochschulkursen: Siehe Hinweis oben zur Ansprache vom 13. Oktober 1920. 327 Woodrow Wilson: Siehe Hinweis zu S. 29. als ich hier zu Ihnen sprechen durfte: Siehe Hinweis zu S. 317. 329 eih sehr bekannter pazjßst: Es handelt sich um Friedrich Wilhelm Foerster (18691966), Ethiker, Erziehungswissenschaftler. Siehe auch Hinweis zu S. 32.  Zum Vortrag vom 8. Januar 1921 Diese Veranstaltung, zu der der Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus geladen hatte, fand im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart statt. Textgrundhgen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Hedda Hummel?) (VortragsregisterNr. 4348 I), Stenogramm nicht vorliegend.Text in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 333 ·1n Ausführung der Dreigliedemng·: Die Schrift ln Ausführung der Dreigliederung des sozialen Organismus, Stuttgart 1920, eigentlich eine Aufsatzsammlung, ist heute in Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, enthalten. 341 Lehrer an eiher Arbeiterbildungsscbde: Siehe Hinweis zu S. 137. 346 der deutschen Verfassung der Republik: In Artikel 165 der Weimarer Verfassung ist ein Rcichswirtschaftsrat vorgesehen. Dieser wurde nie eingcrichtcg als Ersatz wurde am 4. Mai 1920 ein Vorläufiger Reichswirtschaftsrat begründet, der jedoch keinen großen Einfluss erlangte: Wortlaut: «Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken. Die beiderseitigen Organisationen und ihre Vereinbarungen werden anerkannL Die Arbeiter und Angestellten erhalten zur Wahrnehmung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Interessen gesetzliche Vertretungen in Betriebsarbeiterräten sowie in nach Wirtschaftsgebieten gegliederten Bezirksarbcitcrrätcn und in einem Rcichsarbcitcrrat. Die Bezirksarbeiterräte und der Reichsarbeiterrat treten zur Erfüllung der gesamten wirtschaftlichen Aufgaben und zur Mitwirkung bei der Ausführung der Sozialisierungsgesetze mit den Vertretungen der Unternehmer und sonst beteiligter Volkskreise zu Bezirkswirtschaftsräten und zu einem Reichswirtschaftsrat zusammen Die Bezirkswirtschaftsräte und der Reichswirtschaftsrat sind so zu gestalten, dass alle wichtigen Berufsgruppen entsprechend ihrer wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung darin vertreten sind. Sozialpolitische und wirtschaftspolitische Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung sollen von der Reichsregierung vor ihrer Einbringung dem Reichswinschaftsrat zur Begutachtung vorgelegt werden. Der Rcichswinschaftsrat hat das Recht, selbst solche Gesetzesvorlagen zu beantragen. Stimmt ihnen die Reichsregierung nicht zu, so hat sic trotzdem die Vorlage unter Darlegung ihres Standpunkts beim Reichstag einzubringen. Der Reichswirtschaftsrat kann die Vorlage durch eines seiner Mitglieder vor dem Reichstag vertreten lassen. Den Arbeiterund Wirtschaftsräten können auf den ihnen übcrwicscncn Gebieten Kontroll- und Verwaltungsbefugnisse übertragen werden. Aufbau und Aufgabe der Arbeiter- und Wirtschaftsräte sowie ihr Verhältnis zu anderen sozialen Sdbstvcrwaltungskörpern zu regeln, ist ausschließlich Sache des Reichs.· 347 in einer Versammlung der Vertreter der Handelskammern: Nicht nachgewiesen. 350 ·Die Kempunkte der sozialen Frage·: Siehe Hinweis zu S. 73. 351 Besprechungen ... erschienen: Siehe Hinweis zu S. 307. 352 Gespräch mit jemand aus den Kreisen der Bourgeoisie: Nicht nachgewiesen. 354 zwei Bücher liegen vor von mir: Gemeint sind wiederum Die Kempimkte der sozialen Frage, Stuttgart 1919, GA 23, und ln Ausfübrung der Dreigliederung des  soziälen Organibnus, Stuttgart 1920, enthalten in: Aufsätze über die Drciglicdcrung des sozialen Organismus, GA 24. 354 die Absiebten des ·Kommenden Tage> im Einzelnen bebandelt worden sind: Siehe etwa die dem ·Kommenden Tag· gewidmete Nummer 25, (Dezember) 1920. Zum Gespräch uom 3. August 1921 Der Kontext dieses Gesprächs ist unbekannt; möglicherweise war der Rahmen eine Besprechung Rudolf Steincrs mit der Direktion der ·Futurum AG». Es sind keine weiteren Dokumente dazu vorhanden mit diesem Datum. Inwieweit die unter ·Bemerkungen» aufgezeichneten Punkte ebenfalls von Rudolf Steiner geäußert wurden, ist nicht bekannt. Textgrundlagen: Kopie der maschinenschriftlichen Aufzeichnungen von Arnold Ith (Vortragsregister-Nr. 4558a), Original im Archiv am Goetheanum. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Der Originaltitel lautet: ·Über schweizerische Export-lndustrien. Rudolf Steiner, 3. August 1921·. 357 spekulative Aussetzung: Müsste vielleicht lauten: «spekulative Ausnikzung·. Zur Ansprache vom 10. Dezember 1921 Textgmndkgen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (VortragsregisterNr. 4597b A, Stenogramm des Protokolls nicht vorliegend. Es werden nur die Beiträge Rudolf Steiners wiedergegeben. Die kursiv gesetzten referierenden Texte in eckigen Klammem stammen von der Herausgeberin. 359 Ideen der ·Kempunkte»: Siehe Hinweis zu S. 73. Zur Ansprache vom 22. September 1921 TextgncndLigen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) einer als Manuskriptdruck bezeichneten Broschüre [o.O., o.j.]. Stenogramm und maschinenschriftliche Übertragung nicht vorliegend (Vortragsregister-Nr. 4600). Die Mitschrift stammt möglicherweise von Hedda Hummel. Es wird hier nur der Beitrag Rudolf Steiners wiedergegeben. Frcmdvoten werden durch kursiven Herausgebcrtcxt in eckigen Klammern kenntlich gemacht. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 363 Einführung von Emil Leinhas als Generaldirektor: Der bisherige Direktor BenkendOrfer, der seit November 1920 im Amt war (siehe S. 287ff.), hatte sich in seiner Stellung nicht wohlgefühlt und war in der Aufsichtsratssitzung vom Vortag von seinem Amt entbunden worden. Er kehrte als Betriebsleiter zur Kartonagenfabrik JosC del Monte zurück. Siehe auch den Brief Rudolf Steiners an Marie Steiner vom 24. September 1921 und die Kommentare dazu. (GA 262, S. 315-319).  367 einen anthroposophischen Kongress gehalten: Vom 28. August bis zum 7. September dauerte der Kongress ·Kulturausblickc der anthroposophischen Gcsdlschaft·, mit vielen anthroposophischen Rednern, während welchem auch Steiner eine Vortragsreihe ·Anthroposophie, ihre Erkenntniswurzeln und ihre Lebensfriichte· hielt (in: Anthroposophie, ihre Erkenntnbuwrzeln und Lebensfrücbte, GA 78). 368 Carolihe uon Heydebrand ... ·Experimentelle Psychologie und Pä&gogikm Der Vortrag von Caroline von Heydebrand wurde in der Monatsschrift ·Die Drei· und als Broschüre im Verlag des ·Kommenden Tages» veröffentlicht: Caroline von Heydebrand: Gegen Experimentalpsycbologie und Pädagogik, Stuttgart 1921. 371 das uor Kurzem erschienene Bucb eines außerordentlicb liebenswürdigen und unter Fachkollegen außerordentlich hervorragenden Uniuersitätsprofessors ... der Nationalökonomie: Gemeint ist der sozialistische Ökonom Robert Wilbrandt (1875-1954): Ökonomie. Ideen zu einer Philosophie und Soziologie der Winscbaft, Tübingen 1920. Leinhas' Vortrag wurde unter dem Titel: ·Der Bankerott der Nationalökonomic· in der Zeitschrift Die Drei und auch als Broschüre 1922 im Verlag des ·Kommendcn Tages» veröffentlicht. 372 wie man, um einen der wicbtigsten Posten zu besetzen, nach einer der ältesten Persönlichkeiten, die Längst ·erledigt· war, hat greifen müssen: Nicht nachgewiesen. 373 der Cbampignystraße 17: Sitz der Geschäftsstelle des ·Kommenden Tages», des Dreigliederungsbundes und der Anthroposophischen Gesellschaft. 378 Herr Uebh'... bat sein Amt bier an leitender auch Hinweis zu S. 149) hatte die Leitung 1921 nach Walter Kühne inne, nachdem er hatte. Zugleich war er zusammen mit Emil vorstand der deutschen Landesgesellschaft. Stelle übernommen: Ernst Uehli (siehe des Drcigliederungsbundes ab Januar zunächst die Zeitschrift übernommen Leinhas und Carl Unger im ZentralZum Memorandum, um den 1. November 1921 Ungefähre Datierung aufgrund von Angaben in: Rudolf Steincr/Marie Steiner-von Sivers: Bniefwecbsel und Dokumente, 3. Aufi. Basel 2014, GA 262, S. 319, und Alexander Lüscher: RudolfSteiner und die ·Futurum A.G. ·, Spiegel bei Bern 2002, S. 320; siehe auch den Schluss des Briefs an Marie Steiner vom 24. September 1921 (GA 262, S. 317), wo Rudolf Steiner von der Belastung durch die ·Futurum·-Sorgen spricht. Rudolf Steiner haue als Verwaltungsratspräsident nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Roman Boos, der bisher als Dckgicrtcr des Verwaltungsrates die obcrstc geschäftliche Verantwortung für das Unternehmen wahrgenommen hatte, und dem angekündigten Rücktritt von Alt-Nationalrat Johann Flirter immer mehr die Verantwortung aufgehalst bekommen. Emil Molt, der zu den Mitinitianten der ·Futurum· gehört hatte, wurde daraufhin von Rudolf Steiner beauftragt, sich um das Schicksal der ·Futurum· zu kümmern, in welcher einzelne Abteilungen in Schieflage geraten waren. Diese Sanierung sollte aber gründlich misslingen, da Molt zwar die Probleme erkannte, aber nicht systematisch an deren Lösung ging und sich vor allem auf seinen Geschäftsinstinkt verließ. Detailliert aufgearbeitet ist diese Geschichte in der oben erwähnten Dissertation von Alexander Lüscher, RudolfSteiner und die ·Futurum A.G.», Spiegel bei Bern 2002, Kapitel 8 und 9. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt dem als Kopie vorliegenden maschinenschriftlichen Manuskript (Manuskriptordner Unedierte Vorträge 1921-1925). Der Titel stammt von der Herausgeberin.  380 bei der Büroorganisation: Gemeint ist der Betrieb ·Burcau A.G.· in Basel, der zur ·Futurum· gehörte und zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war. das Zusammenarbeiten der Stuttgarter Zentrale mit der Guldesmühk: Die Guldesmühle in Dischingen umfasste auch ein Sägewerk und ein großes landwirtschaftliches Anwesen. Die Gutsverwaltung war Alfred Maier (1889-1958), Kaufmann, Ehemann der Ur-Eurythmistin Lory Smits (1893-1971), übertragen worden, der sich aber seiner Aufgabe nicht gewachsen zeigte und am 21. September 1921 in der Aufsichtsratssitzung zum sofortigen Rücktritt aufgefordert wurde. Fortan kümmerte sich Konradin Haußcr, einer der Direktoren des ·Kommenden Tages·, um die Guldcsmiihk. Zur Ansprache vom 13. Januar 1922 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand (Vonragsregister-Nr. 4739a I), Stenogramm nicht vorliegend. Es werden nur die Beiträge Rudolf Steiners wiedergegeben. Fremdvoten werden durch kursiv gesetzten Text in eckigen Klammern kenntlich gemacht. Text in der Rede Rudolf Steiners in eckigen Klammern: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 383 /babe/: Ergänzung durch die Herausgeberin. 386 Vorträge ... in Dornach ... [für die Arbeiter.../uon einer Persönlichkeit: In Klammern: Ergänzung durch die Herausgeberin. Gemeint ist Roman Boos, Marie Stcincrs Geleitworten zu der Veröffentlichung der Arbcitcrvorträgc Steiners (GA 347-354) hervorgeht. Die ersten Vorträge Rudolf Stciners Arbeiter am Goetheanumbau (ab 11. Oktober bis vor dem 2. August 1922) nicht mitgeschrieben. eckigen wie aus Rudolf für die wurden 388 Reise nach Norwegen: Vom 23. November 1921 bis zum 4. Dezember 1921 hielt Rudolf Steiner Vorträge in Kristiania (Oslo). Diese sind erschienen in: Erziehungsund Untenicbtsmetboden aufanthroposophischer Grundlage, GA 304, Nordische und mitteleuropäische Geistesimpulse, GA 209 und vor allem in Die Wirklichkeit der höheren Welten. Einführung in die Anthroposophie, GA 79. es denkt einer nach über Kalkulation und schreibt darüber einen Aufsatz: Carl Unger schrieb in der Tat für die Zeitschrift Dreigliederung des sozialen Organismus einen solchen Aufsatz: ·Kalkulation», erschienen in Nr. 27, 1922, S. 2 f.; vgl. darüber Rudolf Steiner in der Lehrerkonferenz vom 15. März 1922: ·Ebenso der Aufsatz über Kalkulation von Ungeh das ist der Anfang von etwas, was im Wirtschaftlichen ausgearbeitet werden muss.· (Konferenzen, GA 300b, 5. Aufi. 2019, S. 108). 391 Lassalleaner ... [vorbeizog]: «vorbeizog· Ergänzung durch die Herausgeberin. ·Lassalleaner·: Anhänger des Sozialisten Ferdinand Lassalk (1825-1864), der eine genossenschaftliche Richtung vertrat. 393 /an den Untemebmer/ Stinnes: Ergänzung durch die Herausgeberin. Zu Stinnes siehe Hinweis zu S. 251. 394 Robert Wilbrandt: Siehe Hinweis zu S. 371.  395 ab/graben/: Änderung durch die Hcrausgcbcrin, statt ·abtragcn· in der Textgrundlage. 396 ein Müblenbesitzer ... sein Brot zu uerteuem: Siehe Hinweis zu S. 50. in eine englischen Zeitung ein Artikel erschienen: Nicht nachgewiesen. 397 der Herr Bichler: Ein Betriebsratsvenreter. Über ihn konnte nichts weiter in Erfahrung gebracht werden. eine Winscbaftsbeqwechung: Darüber ist nichts Genaues bekannt. Eventuell handelt es sich um die ·Futurum·-Besprechung vom 8. Januar in Dornach, von welcher es in einem Notizbuch Rudolf Steiners Aufzeichnungen gibt (NB 93). Zur Bekanntmachung ·1¥ogramm-Begrenzung des 'Kommenden 7äges'» 23. März 1922 Anlass zur Programm-Begrenzung war der aus finanziellen Gründen erfolgte Verkauf der im Besitz des ·Kommcndcn Tages· befindlichen Aktien der Waldorf-Astoria - der Kapitalbedarf der Firma für den Rohstoffkauf im Ausland war durch die Inflation ins Ungeheure angestiegen, wie Lcinhas im Artikel ·Zur Programm-Begrenzung des Kommenden Tages· eine Woche später in der Nummer 39 vom 30. März 1922 diese Begrenzung begründete (S. 2 f.). Textgrundlagen: Wiedergabe nach der Erstvcröffcntlichung in: Dreigliederung des sozialen Organismus Nr. 38 vom 23. März 1922 (S. 2f.), heute in: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, 2. Aufi. Dornach 1982, S. 476 f.Titel gemäß Vorlage. Aus den vorhandenen Unterlagen zum ·Kommcnden Tag· ergibt sich, dass offenbar ursprünglich Emil Leinhas einen Text verfasst hatte. Rudolf Steiner war mit dem Wortlaut bei Leinhas unzufrieden, wie Bemerkungen auf dem maschinenschriftlichen Manuskript zeigen, und verfasste eine eigene Version, welche Leinhas dann zeichnete und in der Dreigliederungszeitung veröffentlichte sowie vermutlich auch als Rundschreiben verschickte. Kursivsetzung nach der Erstveröffentlichung. 399 Sie sollen diejenigen Unternehmungen ... tragen: Dieser Satz wurde wohl von Leinhas geändert, er findet sich in ähnlicher Form in dessen Manuskript. In Rudolf Steincrs Manuskript lautet die Stelle: ·Ein Teil der geistigen Unternehmungen, z.B. das Klinisch-Therapeutische Institut, werden in der Zukunft auch finanzielle Erträgnisse 1iefern.· Der geänderte Satz stammt ursprünglich aus dem Text Rudolf Steiners Eine zu gründende Unternehmung, siehe oben in diesem Band, S. 216-220. Zu den Auszügen aus der ersten Generalversammlung der ·Ficturum A.G.· uom 23. März 1922 Die Sitzung fand um 15 Uhr im sogenannten Glashaus statt. Dieser Versammlung war eine Reihe von Krisensitzungen vorangegangen. Fast alle bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrats wollten zurücktreten. Emil Mok als Beauftragter desselben hatte wenig ausrichten können und war bei der Sitzung nicht anwesend. Es hatte Spannungen zwischen dem stau des erkrankten Roman Boos cingcsrclken Direktor Emil Ocsch (1871-1932)  und Mok sowie dem bisherigen Direktor Arnold Ith gegeben, und von dem finanziellen Desaster der Unternehmung erfuhren durch Indiskretion von Emil Ocsch die jungen Aktivisten des Schweizer Dreigliederungsbundes Willy Storrer (1895-1930), der die Aufgaben von Roman Boos nach dessen Erkrankung übernommen hatte (Schweizer Dreigliederungsbund, Sekretariat am Goctheanum), und Karl Day (1899-1971), der als Büroangestellter in der ·Futurum·, Abteilung Schirmgriff- und Stockfabrik BÖnigen, wirkte. Diese beiden hatten das Büro der ·Futurum· aufgesucht, weil sie Geld für den Bund beschaffen wollten. Storrer veranlasste eine Besprechung mit Albert Steffen und Ita Wegmann, da Rudolf Steiner in Berlin weilte. Danach führen er und Day nach Berlin zu Rudolf Steiner. Dieser war entsetzt über die Indiskretion vonseiten Ocschs und stellte die seiner Ansicht nach verlorene Sache aus seiner Sicht dar, wollte jedoch nicht, dass Storrer und Day vor seiner Rückkehr etwas unternähmen. In ihrer Besorgtheit hielten sich die beiden jedoch nicht daran. Weitere ergebnislose Krisensitzungen folgten, ohne und dann, nach dessen Rückkehr, mit Rudolf Steiner. Ita Wegman hatte ihrerseits mit Billigung Rudolf Stcincrs schon begonnen, Vorkehrungen zu treffen, um die Klinik und das pharmazeutische Laboratorium aus der ·Futunm» herauszulösen. Für das weitere Schicksal der Letzteren sollte dies noch große Bedeutung erhalten. Siehe dazu auch Alexander Lüscher: RudolfSteiner und die mFuturum A.G.·, Spiegel bei Bern 2002, Kapitel 9. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) der maschinenschriftlichen Übertragung des handschriftlichen Protokolls (Vonragsregister-Nr. 4794b). Es werden nur die Ausführungen Steiners wiedergegeben. Text in eckigen Klammern stammt von der Herausgeberin. Fremdvoten werden referiert und durch kursiv gesetzten Text in eckigen Klammern kenntlich gemacht. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 402 Etienne, Gimmi, Hirter: Siehe Hinweise zu S. 244 und 266. 404 Konsul Krebs: Siehe Hinweis zu S. 266. Willy Stokar: Willy Stokar (1893-1953), Mitarbeiter von Willy Storrer, Publizist. Edgar Dürler: Siehe Hinweis zu S. 315. KarlDay, Willy Storrer: Karl Day (1899-1971), Willy Storrer(1895-1930), vg]. oben zum Kontext. Zu den Worten nach dem Mitgliederuortrag uom 1. April 1922 Der den Ausführungen vorangehende Vortrag vom 1. April 1922 findet sich im Band Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung, GA 211. Die durch Helene Finckh nicht übertragenen Schlussworte wurden nachträglich durch Ulla Trapp und Michel Schweizer aus dem Stenogramm übertragen. Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der maschinenschriftlichen Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh, Vortragsregister-Nr. 4803, mit Bezeichnung «nur Schluss des Vonrags·, Stenogrammregister-Nr. F 289. Text in eckigen Klammem: Änderungen durch die Herausgeberin. Der Titel stammt von der Herausgeberin. 408 der anthroposophischen /Gebtemissenschaft/: Änderung durch die Herausgeberin. In der Textgrundlage ·der Anthroposophischen Gesellschaft», was zu den vorangegangenen gcisteswisscnschaftlichcn Ausführungen nicht pas$L Im Stenogramm  steht an dieser Stcllc das Kürzel ·-schaft·, was für ·Wisscnschaft· und ·Gcscl1schaft· verwendet werden kann. 408 Der Recbnungsbenicbt wurde mit Befriedigung entgegengenommen ...: Aus: Tagblatt für dis Birseck, Birsig- und Leimental, Nr. 77, 29. März 1922, S. 3. Zum O//Cnen Brief Rudolf Steiners uon Mai 1923 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt der Erstveröffentlichung in der deutschen Wochenschrift Anthroposophie, Nr. 48 vom 31. Mai 1923, S. 5 f. Heute in: Das Schicksalsjahr 1923, GA 259, 1. Aufi. Dornach 1991, S. 144f. Auch erschienen in der schweizerischen Wochenschrift Das Goetbeanum vom 17. Juni 1923 und als Rundbrief verschickt. Titel gemäß Vorlage; erschienen unter der Einleitung: ·Eine Erklärung Dr. Rudolf Steiners. Dr. Rudolf Steiner richtete an die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaften in Deutschland einen Brief, dessen Wortlaut wir hier veröffentlichen·. 414 bei den Mitgliedern der Anthroposopbiscben Gesellschaften: Gemeint sind, wie der Titel des Schreibens schon sagt, die aufgrund von Zwisten 1923 entstandenen zwei Gesellschaften in Deutschland (siehe dazu auch: Antbroposopbiscbe Gemeinschaftsbildung, GA 257). Zur Ansprache vom 22. Juni 1923 Textgrundlagen: Maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift unbekannter Hand, vielleicht Franz Seiler (Vortragsrcgister-Nr. 5324), Stenogramm nicht vorliegend. Sie enthält nur Rudolf Steiners Beitrag. Auslassungspunkte stehen so in der Textgrundlage. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Zum Scblussootum vom 31. Dezember 1923 Der Rahmen dieser Besprechung war die Weihnachtstagung zur Begründung der Anthroposophischen Gesellschaft. Textgrundlagen: Die Tcxtwicdcrgabc folgt dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Die Weibnacbtstagung zur Begründung der Allgemeinen Antbroposopbiscben Gesellschaft, GA 260, 5. Aufi. Dornach 1981, S. 290-292, dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh zugrunde liegt, Vortragsregister-Nr. 5552. Eine Mitschrift des Votums des Vorredners, Erwin Hahl, Bankangestellter (1887-1958), damals Vertreter der anthroposophischen Arbeit in Jugoslawien, liegt nicht vor (siehe hierzu den Hinweis ·Textgrundlagen» in GA 260, S. 297). Die Stenografin Helene Finckh notierte in ihrem Originalstenogramm (StenogrammregisterNr. F 372) nur Stichworte.  Zum Auszug aus dem Protokoll der außerordentlichen Generalumammlung der ·Fkturum AG. » vom 24. März 1924 Textgrundlage: Die Textwiedergabe folgt dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, GA 260a, 2. Aufi. Dornach 1987, S. 472-474, dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh zugrunde liegt, Vortragsregister-Nr. 5645a. Der Titel stammt von der Herausgeberin. Kursiver Text in eckigen Klammern stammt ebenfalls von der Herausgeberin. 425 Fusion: Aus dieser Auffanggesellschaft entstand später die WELEDA AG. Siehe dazu die Dokumentation: Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung (Hrsg.): RudolfSteiner und die Gründung der Weleda, in: Beiträge zur Rudolf-Ste&e+Gemmtausgabe, Nr. 118/119, Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1997. 427 Frau Dr. Wegman: Ita Wegman (1876-1943), Ärztin, Mitarbeiterin Rudolf Stcincrs, späteres Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Padrutt und Day: Karl Day (1899-1971), siehe Anmerkungen zum 23. März 1922; zu Padrutt siehe Hinweis zu S. 266. Herr Dürler: Siehe Hinweis zu S. 315. Zum Auszug aus dem Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung der ·ILAG· vom 25. März 1924 Textgrundlagen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) dem bereits vorliegenden Abdruck im Band Die Konstitution der Allgemeinen Antbroposopbiscben Gesellschaft, GA 260a, 2. Aufi. Dornach 1987, S. 475f, dem die maschinenschriftliche Übertragung einer stenografischen Mitschrift von Helene Finckh (Vortragsregister-Nr. 5645b) zugrunde liegt. Text in eckigen Klammern: Ergänzungen durch die Herausgeber von GA 260a. Kursiver Text in eckigen Klammern sowie der Titel stammen von der Herausgeberin. 429 Generalversammlung vom S. Apnil 1923: Generalversammlung der ·Intemationalen Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim AG». Damals war schon ein Beschluss zur Übernahme gefallen, aber der Preis war noch zu hoch bemessen gewesen. Zum Auszug aus dem Protokoll der Besprechung vom 15. Juli 1924 Textgrundhgen: Die Textwiedergabe folgt (mit Kürzungen) dem Band Die Konstitution der Allgemeinen Antbroposopbiscben Gesellschaft, GA 260a, 2. Aufi. Dornach 1987, S. 515-536. Text in eckigen Klammern in Rudolf Steiners Rede stammt von den Herausgebern von GA 260a. Es werden hier nur die Ausführungen Rudolf Steiners wiedergegeben. Der Titel und die kursiv und kleiner gesetzten referierenden Texte in eckigen Klammern stammen von der Herausgeberin des vorliegenden Bandes.  437 aus diesem Verlag herauszuretten ... Bücher ... die beiden Broschüren ...: Im ·Kommendcn Tag Vcrlag» waren Werke Rudolf Stcincrs erschienen, darunter 1922 Tbeosopbie (GA 9), 1924 Grundlinien einer ErkenntniStbeorie der Goetbescben Weltanscbauung (GA 2) und Die Mystik im Aufgänge (GA 7). Mit den Broschüren sind wohl gemeint: Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der sozialen Frage, Stuttgart 1919, und ln Ausführung der Dreigliederung des sozülen Organismus, Stuttgart 1921, oder der Vortrag Praktische Ausbildung des Denkens, Stuttgart 1921 (in GA 108); ferner Eugen und Lili Koliskos Forschungen in: Lili Kolisko: Milzfmktion und PLättchenfrage, Stuttgart 1922; Lili Kolisko: Physiologischer undphysikaliscber Nachweis der Wirkung kleinster Entitäten, Stuttgart 1923; Günther Wachsmuth: Die ätherischen Bildekräfte in Kosmos, Erde und Mensch, ein Weg zur Erforschung des Lebendigen, Stuttgart 1924. 442 Emil Kühn: Emil Kühn (1886-1968), Geologe, Bruder von Hans Kühn, war besonders mit der Stuttgarter Waldorfschule verbunden.  Frühere Veröffentlichungen A: Ansprachen, Besprechungen und Vorträge Dornacij, 25. Januar 1919: Auszüge in: Roman Boos: Michael gegen MiChel, Basel 1926, und ders.: RudojfSteiner während des Weltkrieges, Dornach 1933; ausführlich in: ders.: Sozialuüsenscbaftlicbe Texte, 1. Heft, Dornach 1935, wiederabgedruckt in: Soziale Zukunft, Nrn. 2-7/8, Freiburg 1956, 2. Aufi. Freiburg 1961; neu herausgegeben und kommentiert durch Alexander Lüscher in: Motive, Nr. 5, Mai 2020, S. 43-128 Dornach, 27. Januar 1919: Auszüge in: Roman Boos: Michael gegen Michel, Basel 1926, und ders.: Rudolf Steiner wäbrend des Weltkrieges, Dornach 1933; ausführlich in: ders.: Soziälwissenschaftlicbe Texte, 1. Heft, Dornach 1935, wiederabgedruckt in: Soziale Zukunft, Nrn. 2-7/8, Freiburg 1956, 2. Aufi. Freiburg 1961; Emil Molt: Entuwrfmeiner Lebensbeschreibung, Stuttgart 1972, S. 223-240; neu herausgegeben und kommentiert durch Alexander Lüscher in: Motiue, Nr. 5, Mai 2020, S. 43-128 Dornach, 15. Februar 1919: Die soziale Frage als Bewusstseinsfrage, GA 189, 3. Aufi. Dornach 1980, S. 11 f., S. 16-18, S. 21-29 Dornach, 19. April 1919 (Karsamstag): Was in der Antbroposopbiscben Gesellschaft uorgebt, Nr. 9, 28. Februar 1943, S. 33-35. Mit Einleitung und ausführlichen Kommentaren auch in: Motive. Beiträge zu einem freien Verständnis derantbroposophiScben Bestrebungen, Nr. 1, November 2017, S. 97-119 Stuttgart, 30. Mai 1919: Auszüge in vorliegendem Band aus: Soziale Ideen Soziale Wirklichkeit - Soziale Praxis. Band I, GA 337 a, Dornach 1. Aufi. 1999, S. 94-97 Stuttgart, 7. Juni 1919: Mitteilungsblatt des Bundesfür Dreigliederung des sozialen Organismus, Nr. 2/3, Mitte August 1919, S. 50-55 Stuttgart, 9. Juni 1919 (Pfingsten): Auszüge in vorliegendem Band aus: Geisteswissenscbaftlicbe Behandlung sozialer undpädagogischer Fragen, GA 192, 2. Aufi. Dornach 1991, S. 165 u. 182f. Stuttgart, 10. Juli 1919: Mitteilungsblatt des Bundesfür Dreigliederung, Nr. 4/5, Dezember 1919, S. 21-31 Stuttgart, 25. Juli 1919: Mitteilungsblatt des Bundes für Dreigliederung, Nr. 6, 1920, S. 3-13 Stuttgart, 25. September 1919: Konferenzen mit den Lehrern derFreien Waldoi;fscbule in Stuttgart, GA 300a, 5. Aufi. 2019, S. 63  Stuttgart, 11. März 1920: 1920 als Vervielfältigung an Interessenten versendet Stuttgart, 24. Juli 1920: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Wddor/scbde in Stuttgart, GA 300a, 5. Aufi. 2019, S. 161 Stuttgart, 31. Januar 1923: Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldovf schule in Stuttgart, GA 300b, 5. Aufi. 2019, S. 371-373 u. 376f. Dornach, 31. Dezember 1923: Die Weibnacbtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, GA 260, 5. Aufi. Dornach 1981, S. 290-293 Dornach, 25. März 1924: Die Konstitution derAllgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, GA 260a, 2. Aufi. Dornach 1987, S. 475f. Dornach, 15. Juli 1924: Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, GA 260m 2. Aufi. Dornach 1987, S. 515-536 B: Schriftliche Zeugnisse An das deutsche Volk und an die Kulturwelt!: Flugblatt, 1919; veröffentlicht ab 5. März in zahlreichen Zeitungen des deutschsprachigen Raums Vorschläge zur Sozialisierung: Flugblatt, 1919; auch in: Stuttgarter Tagblatt, Nr. 130 (unter dem Namen Emil Molts), 13. März 1919; Emil Leinhas: Aus der Arbeit mit RudolfSteiner, Basel 1950, S. 209-211; Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, 2. Aufi. Dornach 1982, S. 434-437 Der Weg des «Dreigliedrigen sozialen Organismus»: Flugblatt, 1919; Emil Leinhas: Aus der Arbeit mit Rudolf Steiner, Basel 1950, S. 220-223, Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, 2. Aufi. Dornach 1982, S. 437-440 Aufruf (an alle Menschen) zur Begründung eines Kulturrats!: Als Flugblätter; letzte Fassung in: Mitteilungsblatt Nr. 6 [o. J., versendet im Juni 1920], S. 14-19, mit 179 Unterschriften, S. 19-22 Eine zu gründende Unternehmung: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, 2. Aufi. Dornach 1982, S. 460-465 Programm-Begrenzung des «Kommenden Tage»: Dreigliederung des sozialen Organismus Nr. 38 vom 23. März 1922, S. 2f.; Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus, GA 24, 2. Aufi. Dornach 1982, S. 476f. An die Mitglieder der Anthroposophischen und der Freien Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland. Offener Brief Rudolf Steiners betreffend seinen Rücktritt als Vorsitzender des Aufsichtsrates der «KOMMENDEN  TAG AG·: Anthroposophie, Nr. 48 vom 31. Mai 1923, S. 5f. und in der schweizerischen Wochenschrift Das Goetbeanum vom 17. Juni 1923, S. 358. Auch als Rundbrief versendet. In: DasScbiCksaLsjabr 1923, GA 259, 1. Aufi. Dornach 1991, S. 144f.  Namenregister ( ) ohne Namensnennung im Text Adams Kaufmann, Georg 313 Bakunin, Michail 295 Balfour, Arthur James 29 Bartsch, Moritz 208 BenkendOrfer, Eugen 259, 279, 282-287, 289f., 301-304, 363-366, 377f. Benzinger, Max 89, 96 Bethmann, Theobald von 180 Bismarck, Otto Fürst von 28, 300 Bittel, Karl 135 Blume, Wilhelm von 23, 59, 90, 92, 97, 101, 121 Boos, Roman 23, 25-27, 37, 39f., 48f., 51-54, 64, 70f., 97, 244, 259, 266, (386), 405 Brentano, Lujo 166 Brockdorff-Rantzau, Ulrich von 40 Bürgi, Emil (68) Clormann (Vorname unbekannt) 95 Collison, Harry 84, 313 Day, Karl 401, 404, 427, 429 Dessoir, Max 155f. Drury-Lavin, Ada 313 Dürler, Edgar 315, 404, 427, 429 Ebert, Friedrich 23 Ehrenberg, Hans 31, 54 Eisner, Kurt 24, 31 Elsas, Fritz 42 f., 45, 48f. Erzberger, Matthias 23, 179, 231 Etienne, Ernest 244, 266, 402, 405 Fadum, Franckc 259 Fehrenbach, Constantin 251 Fichte, Johann Gottlieb 148, 183 Fischer, Heinrich 31 Foerster, Friedrich Wilhelm 32, (329) Gautsch, Paul von 94 Geering-Christ, Rudolf 429 Gimmi, Ernst 244, 266, 313, 315, 402, 404f., 407 Goethe, Johann Wolfgang von 148f., 183 Haan, Pieter de 259, 313 Haas, Hans 309, 312f. Haase, Hermann 154 Hachen, Hans von (31) Hahl, Erwin 422f. Haußer, Konradin 236, 238, 242 Hegel, Georg Friedrich Wilhelm 53f.,80,183 Heise, Karl 24 Heisler, Hermann 87 f., 93-96 Helfferich, Karl 204, 231 Eierberg, Margarete 176  Herder, Johann Gottfried von 148f., 183 Heydebrand, Caroline von 205, 368 Heydebrand, Wilhelm (?) von 24 Hindenburg, Paul von 180 Flirter, Johann 266, 402, 405 f. Hummel, (Max?) 84 Ith, Arnold 244, 256, 259, 266, 309, 312, 314 f., 356, 401 f. Kalbermattcn, Paul dc 266 Kautsky, Luise 24 Kautsky, Karl 24, 129 Keyserling, Hermann 292 Kinkel, Alice 26 Krebs, Christian 266, 404, 407 Kühn, Emil 442 Kühn, Hans 23, 25, 35 f., 46, 64, 81, 88, 97, 236, 238, 242 Kühne, Walter 187, 200 f., 289, 294, 296 Lassalle, Ferdinand 28, 32 Leer, joscph van 429 Leinhas, Emil 87, 91, 94, 101, 112, 121, 236, 238, 363, 365, 371-373, 376-378, 394, 396, 400, 420, 427, 430, 432, 441 Lenin, Wladimir Iljitsch 49, 84, 86, 93, 129f., 135 Leopold, Prinz, von Bayern 24 Lerchenfeld, Otto von 24, 31, 237 Lessing, Gotthold Ephraim 148, 183 Liebknecht, Karl 177 Liebknecht, Wilhelm 138 Ludendorff, Erich 31, 91, 180 Luxemburg, Rosa 177 Marx, Karl 129f., 295 Meebold, Alfred 88 Molt, Emil 23-25, 30f., 34 f., 39, 42, 44-48, 59, 64, 88, 94, 96, 112, 135, 159, 163, 165, 167f., 199-201, 227, 236-238, 302 f., 317, 324, 332f., 364f., 367, 375, 377, 405 Mokke, Eliza von 40 Moltke, Helmuth von 40 Monte, JosC del 236-238, 283 f., 289 Müller, Johannes 153 Oesch, Emil 402, 406f. Padrutt, Adolf 266, 309f., 427 Poch, Emil 283 f., 289 PoincarC, Raymond 23 Polzer, Ludwig von 85, 91, 94, 97, 237 Rade, Paul Martin 32 Rainer-Harbach, Julius Ritter von 50, 81f., (396) Rathenau, Walther 24 Ricardo, Gracia 429 Riedler, Alois 171 Rittelmeyer, Friedrich 32 Roethe, Gustav 178 Schaller, Ernst 266, 314 Scheidemann, Philipp 23, 129 Scherl, August 226  Schiller, Friedrich von 148, 183 Schüler (Vorname unbekannt) 88,94 Schwebsch, Erich 212 Schwedes, (Hans?) 91, 95 Simons, Walter 251, 301 Solf, Wilhelm von 93 Stein, Walter Johannes 66 f., 85 Steiner, Rudolf Werke: Die Philosophie der Freibeit (GA 4) 184 Die Kernpunkte der sozialen Frage (GA 23) 50f., 126, 162, 223 f., 232 f., 240, 261, 290, 296, 307, 309, 311, 313, 329, 333, 336, 350, 354, 359, 361, 371 ln Ausführung der Dreigliederung des sozialen Organismus (GA 24) 333,354 Stinnes, Hugo 251, 295, 310, 393, 395 Stockmeyer, Karl 91, 94, 96f. Stokar, Willy 404, 407 Storrer, Willy 401 f., 404 Stresemann, Gustav Ernst 204, 206 Tharaldscn, Filip (Fred) 266 Tillich, Paul 211 Trommsdorf, Erich 201, 236, 238 Trotzki, Lew (Leo) 37, 86, 88, 93 Uehli, Ernst 159, 201, 378 Uriger, Carl 25, 42, 59, 92, 94, 102, 121, 140, 171, 236-238, 245, 249f., 259, 421 Varga, Eugen 189f., 247 Vett, Carl 86 Wachsmuth, Günther 296, 437 Wahle, Richard (127) Wegman, Ita 427-429 Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von 178 Wilbrandt, Robert 101, 205, (371), 394 Wilhelm II. (78 f.) Wilson, Woodrow 29 f., 69 f., 85, 183, 305, 327 Wirth, Karl Joseph 206 Zimmermann, Arthur 84 Zola, Emile 253